Samstag, 27. November 1957
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheffen)
®;277 Drittes Blatt
Weihnachtspakete für das WHW
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Terpsichore falsch aus oder lad mich zum Kaffee ein und sei dann nicht zuhaus, wenn ich komme."
Sie tat es nicht. Sie tat nichts dergleichen. Sie lächelte, aber es war kein fades Lächeln, sondern durchleuchtet von Heiterkeit und Wärme, und blieb weiter zauberhaft.
Er hätte sich furchtbar gern von ihr getrennt. Aber er brachte es nicht fertig. Man kann sich von einer Vollkommenheit nicht losreißen, und wenn man noch so darunter leidet. Also heirateten sie.
Er war düsterer Ahnungen voll und schritt zum Traualtar wie zum Schafott. Als sie ihre Hände zusammenlegten, seufzte er, sein Ja war mulmig genug. Man wünschte ihm Glück und beneidete ihn; sie wurde von niemand beneidet.
Sie gingen auf die Hochzeitsreise und kehrten zurück und bezogen ihr Heim. Man glaubt jetzt, sie konnte nicht kochen oder wußte mit Taffteldmgs Unioersaltopf Siebräbä nicht richtig umzugehen? — Oh nein, sie kochte ausgezeichnet, sie hielt das Haus musterhaft in Ordnung, sie wurde noch vollkommener. Sie war treu, lieblich, schön, gescheit; wenn man mit ihr fortging, war sie eine große Dame, und zu Haus war sie eine reizende Frau.
Was dann überhaupt geschah? Was für einen Sinn die Geschichte dann hat? — Oh, die Geschichte hat schon einen Sinn, und es geschah auch allerlei, und zwar mit ihm, mit dem Mann.
Dieser Mann war nicht das, was man einen Musterknaben nennt. Er rasierte sich zwar ziemlich regelmäßig, und er fluchte auch nicht geradezu gotteslästerlich, er soff auch nicht die ganzen Nachte hindurch, aber es hatte manches Häkchen mit ihm. Er konnte böse sein, er konnte rasend werden, am rasendsten natürlich darüber, daß er bei seiner Frau niemals etwas auszusetzen fand. Es ging ihm auf die Nerven. Er liebte sie zwar, aber oft wußte er es nicht. Er war auch — nein, nicht gerade faul, aber ein Vein riß er sich bestimmt nicht aus, wenn es hinter einem Geschäft herzufein galt. Er sah auch andere hübsche Frauen gern. — Nun, das ist noch kein Laster.
Sein Laster, sein Fluch, sein Elend, seine Sünde war eigentlich, daß er inbrünstig danach gierte, es seiner Frau einmal richtig zeigen zu können, nicht immer beschämt, beschenkt, begnadet vor ihr oazu- stehen. Er war im Grund ein ganz famoser Kerl.
Er sah nach längeren inneren Kämpfen und mit einigem Widerwillen, daß er es ihr richtig nur zeigen konnte, wenn er ihr über war. Eine angenehme Erkenntnis war das nicht, aber was half's? So fing er an, obwohl er ein Faulpelz war, morgens früher aufzustehen, die Handtücher nicht mehr so oft mit den Rasierklingen zu zerschneiden, im Büro auch um fünf Uhr.fertig zu fein, wenn er ausgemacht hatte, daß mao chu abhokeu Plle.
Dorrwiizerr.
Tageskalender für Samstag.
i Prof uts für r Uni'
Griesheim, musikalische Leitung Heinz Markwardt. Musik Joachim Popelka. Tänze Irmgard Zenner. Bühnenbilder Karl Löffler. Die Vorstellung beginnt um 15 Uhr und endet um 17.30. Außer Miete. —
Am Abend findet die Wiederholung der Operette „Eine Nacht in Venedig" von Johann Strauß statt. Die Vorstellung findet außer Miete statt. Beginn 19 Uhr, Ende 22 Uhr.
Paul Wegener im Stadttheater Gießen.
Die Intendanz des Stadttheaters hat den bekannten Bühnen- und Filmschauspieler, Staatsschauspieler Paul Wegener (Berlin) mit seinem Berliner Ensemble zu einem einmaligen Gastspiel verpflichtet. Das Gastspiel findet am Montag, 13. Dezember, statt. Es gelangt das Schaufpiel „Totentanz" von Strindberg zur Aufführung.
General a. D. Dr.Belhcke spricht über Gneisenau.
Am nächsten Montagabend spricht auf Einladung des Oberhessifchen Geschichtsvereins im großen Saale des Realgymnasiums General a. D. Dr. B e t h ck e über Gneiseifaus Leben und Schaffen, das heute im Zeichen des Wiederaufbaues unserer Wehrmacht für uns besonders gegenwartsnahe ist. Das tiefeEr- lebnis, das die Vorträge des ausgezeichneten-Ken- ners der preußisch-deutschen Kriegsgeschichte bisher nur einem engeren militärischen Kreise boten, wird hier jedem an der vaterländischen Geschichte interessierten Volksgenossen zugänglich gemacht.
Gießener Hochschulgesellschaft.
Der Direktor des Instituts für Pharmazie und chemische Technologie der Universität Münster i. W.
geben und den Wert des einzelnen Geschenkpaketes auf etwa 8 bis 10 Mark zu bemessen. Im Hinblick auf die Tatsache, daß die Geschenkpakete fast ausschließlich nur für kinderreiche Familien bestimmt sind, hegt die Kreisamtsleitung die Hoffnung, daß die Weihnachtswunschzettel überall Spender finden, damit den hilfsbedürftigen Volksgenossen eine schöne Weihnachtsfreude bereitet werden kann. Die Spendenpakete werden von Gießen aus direkt nach den Kreisen Offenbach, Mainz und Wiesbaden gesandt.
Auf der anderen Seite werden die hilfsbedürftigen Familien in unserem Kreise Wetterau ebenfalls mit Weihnachtspaketen beschenkt, die aus anderen Kreisen des Gaues hier eingehen werden und auf der gleichen Grundlage beruhen sollen, wie die aus unserer engeren Heimat abgesandten Pakete.
Möge diese schöne Aktion zur Bereitung von Weihnachtsfreude in hilfsbedürftigen Familien überall freudige Geber finden!
„Schneewittchen"; 19 bis 22 Uchr „Eine Nacht in Venedig". — Gloria-Palast, Seltersweg: hFanny Elßler". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Ma- nege". -4- Reichsfachgruppe Imker, Ortsfachgruppe Gießen: 14.30 Uhr „Hopfeld" Versammlung. — Obst- und Gartenbauoerein, Gießen: 15.30 Uhr „Burghof" Festversammlung. — Gustav-Adolf-Verein: 20 Uhr Stadtkirche Lichtbildervortrag „Kampf und Not der deutschen evangelischen Kirche in den Sudetenländern.
Sladtthealer Gießen.
Aus dem Stadttheaterbüro wird uns geschrieben: Heute abend Wiederholung der Oper „Der Wildschütz" von Albert Lortzing. Musikalische Leitung: Kapellmeister Paul Walter, Spielleitung: Hermann Schultze-Griesheim, Bühnenbild: Karl Löffler. Die Vorstellung findet gleichzeitig als „KdF.-Miete" Gruppe II (4. Vorstellung) statt. Anfang 20 Uhr, Ende 22.45 Uhr.
„Der Wildschütz"
zum 4. Jahrestag der NSG. „Kraft durch Freude".
Aus Anlaß dessen, daß sich in diesen Tagen der Zeitpunkt zum vierten Male jährt, zu dem der Reichsorganisationsleiter Dr. Ley die NSG. „Kraft durch Freude", entsprechend einer Anordnung des Führers ins Leben rief, findet heute abend im Stadttheater die Aufführung "der Oper von Albert Lortzing „Der Wildschütz" statt. Dor der Ausführung wird der Jahresbericht vorgetragen. An der Festveranstaltung nehmen Vertreter der Partei, der Gliederungen, der Wehrmacht und der Behörden teil.
Das Weihnachtsmärchen im Stadttheater.
Arn Sonntag, 28. November, findet die Erftauf- führung des diesjährigen Weiynachtsmärchens statt. Es gelangt zur Aufführung „Schneewittchen", ein Märchen in 6 Bildern nach Gebr. Grimm, von Trude Wehe. Spielleitung Hermann Schultze-
Das Ernährungs-Hilfswerk (EHW.) der Kreisamtsleitung der NSV. des Kreises Wetterau in Gießen hat feine Mastschweine, die bisher vorübergehend auf dem Hofgut Heibertshaufen bei Daubringen untergebracht waren, jetzt in das fertiggestellte neue Stallgebäude der Schweinemästerei beim Unteren Hardthof verlegt. Gegenwärtig befinden sich in diesem Stallgebäude, das 18 Schweinebuchten mit je etwa 10 bis 12 Schweinen aufweist, insgesamt 190 Schweine. Der Bestand setzt sich aus Tieren von 30 bis 40 Kilo und aus älteren, fast schlachtreifen Schweinen zusammen.
Die Blaff dieser Schweine wird so durchge- führt, daß jedes Tier täglich ein Pfund an Fleischgervicht zunimmt, so daß also bei 190 eingebauten Schweinen an jedem Tage 190 Pfund Schweinefleisch in dem Betrieb des EhW. erzeugt werden.
Die Ernährungsgrundlage dieser Schweine bilden die Küchenabfälle, die täglich durch die Sammelwagen des EHW. an den Türen der Gießener Haushaltungen entgegengenommen werden. Hinzu kommt eine gewisse Menge Kraftfutter, ferner werden täglich 150 Liter Molke verfüttert, die von der Molkerei Grieb für diese Schweinemästerei kostenlos zur Verfügung gestellt und in eigenen Wagen der Molkerei angeliefert werden. Diese Förderung des gemeinnützigen Betriebes verdient alle Anerkennung. Erfreulicherweise ist die Bereitstellung der Küchenabfälle durch unsere Hausfrauen nach wie vor sehr rege. Es gibt aber immer noch eine Anzahl Frauen, aus deren Haushalt die Sammler des EHW. keine Küchenabfälle erhalten. Diese Frauen dürften sich wohl auch zu dieser Beisteuer für das gemeinnützige Werk entschließen, wenn sie hier hören, daß_
die vom EHW. mit den Gießener küchenab- fällen gemästeten Schweine der Fleischversorgung der Gießener Bevölkerung zugute kom- men, so daß also jede Hausfrau, die Küchen-, absälle hergibt, auch mithilft bei der Fleischversorgung ihrer eigenen Familie.
Die Kreisamtsleitung der NSV. richtet daher mit diesen Zeilen erneut den Appell an alle Hausfrauen, durch die Hergabe der Küchenabfälle beizutragen zur gedeihlichen Erfüllung und Ausgestaltung dieser gemeinnützigen Aufgabe. Un-
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I jifaen auf der Welt getrieben.
! A-s einstmals alle Leute im Haufe spazieren । hinten, wollte der Aff nach dem Exettlp:< des Snnierers, der alle Sonntag kam und den Junkern im Haus den Bart putzete, der Katzen auch der- i Hrjen tun und band sie mit den Wiegenbändern i ilie Stollen eines Stuhls; darnach nahm er einen He- Küchenlumpen und band ihr denselben um :i»U'Hals; ferner als er einen Tiegel mit Schwarz ' Milben, welchen die Magd die Schuhe damit zu ; chärzen, aufgehalten, goß er ein wenig Wasser ‘ crn und wusch damit der Katzen, die eine er- cntiithe Musik anftimmete, den Bart sowohl, daß m nichts als das Runde in den Augen gesehen, Ricibem dieses geschehen, schnitt er ihr mit einer a-e i Scheer, die unter dem Tisch gelegen, den ter: ab. Nachmals fing er noch tausenderlei) kein- nitzge Händel in der Stuben an und kehrte alles
Wie in den verflossenen Jahren, so wird auch zum bevorstehenden Weihnachtsfest wieder eine Weihnachts-Wunschpaket-Aktion des WHW. durchgeführt. Für unseren Kreis Wetterau sind der Kreisamtsleisting der NSV. rund 5 5 0 0 Weihnachtswünsche aus den Kreisen Offenbach, Mainz und Wiesbaden übermittelt worden. In der Hauptsache handelt es sich dabei um Wunschzettel über Kleider, Schuhe und Lebensrnittel.
Die Wunschzettel werden in diesen Tagen durch die Ortsgruppenamtsleiter der NSV. an die als Spender ins Auge gefaßten Familien mit der Bitte um Erfüllung des Weihnachtswunsches zur Ausgabe gelangen. Es wird dabei gebeten, die Zettel so rechtzeitig auszufüllen, daß sie etwa in der Zeit vom 6. bis 10. Dezember bei der Kreisamtsleitung der NSV. wieder vorliegen und dann auf die einzelnen Orte — es kommen insgesamt 93 Ortsgruppen in Betracht — verteilt werden können.
Es wird gebeten, als Geschenke neue Sachen zu
Kleines Märchen von einer Göttin.
23 on Rudolf Schneider Schelde.
Sie wären so gut zusammengekommen, ipenn es Schwierigkeiten zwischen ihnen gegeben hätte. An Hindernissen entzündet sich die Liebe. Wenn sie eine Warze auf der Wange gehabt hätte, 'dann hatte sie eine fchöne und eine weniger schöne Seite er hätte die weniger schöne erblickend sich nach der schönen sehnen können. Aber sie hatte keine Warze auf der Wange. Sie war vollkommen.
Es war ein Unglück, daß sie vollkommen war. Sie war liebenswürdig, sanft, klug, heiter, ausgelassen bei Gelegenheit, feurig mit Maß und Ziel, und sie erfüllte alle seine Wünsche. Es blieb ihm nichts zu wünschen übrig.
Als er sie zum erstenmal sah, war er begeistert von ihr. Das wäre gut gewesen, aber er blieb begeistert. Begeisterung wurde sein Dauerzustand, und das war nicht gut, das war ermüdend. Er war so glücklich mit ihr. Das wäre auch gut gewesen, aber er war immer glücklich mit ihr, und das war nicht gut, das machte ihn unglücklich.
Nachdem er sie während einem halben Jahr in dieser und jener und in jener und dieser Lage kennengelernt hatte und sie immer gleich vollkommen gewesen war, wurde ihm schaudernd klar: es ist unmöglich. — Er sehnte sich danach, daß sie einmal ein Loch im Strumpf habe, daß ihre Finger einmal schmutzig seien, daß einmal ihr Haar in Unordnung sei oder ihr ein häßliches Wort, ein garstiger Blick, eine unfreundliche Geste entschlüpfe. Seine Hoffnungen waren umsonst.
Sei nicht so vollkommen", bat er sie. „Gib mir ein einziges Mal Gelegenheit, dir etwas zu verzeihen. Zerbrich mir den Füllfederhalter oder sprich
Täglich 190 Pfund Schweinefleisch aus Küchenabfälien.
Vergrößerung der Schweinemast des EHW. geplant.
Tageskalender für Sonntag.
Leistungsschau der Volksschulen des Kreises Gießen: ab 14 Uhr in der Turnhalle der Neuen Pestalozzi-Schule. — Stadttheater: 15 bis 17.30 Uhr
interft und oberst. .. , , ,,
3:i währendem solchem köstlichen Haushalten nun Ucr der Edelmann mit seinen Leuten wieder beim, : k als er die Katz so wohl geputzt gesehen, für ! feten zu zerspringen vermeinete, und war nicht ’fcügt, er. i>ie|e Lust allein hatte, sondern
noch darzu allen seinen Nachbarn, sich über . k herrliche Werk seines Affen zu verwundern, : trüge, wie sie das sahen, sowohl als er, heftig jfeiäber lachen mußten.
J Ksil er aber sich besorgte, es mochte dieser /iff sich größer Unheil anstiften, legte er ihn tn feiner iVnmer an eine eiserne Ketten, damit er kein
Üb HI mehr anstellen möchte.
ßsenig Zeit hernach trug sich's zu, daß Die]er Cümann ein Reißen im Leib bekommen, welches ilti große Schmerzen verursachet; derowegen 'stickte er, sich beizeiten helfen zu lassen, nach dem £)fior, welcher ihme eine Arzney verordnet, und
Apotheker befohlen, daß er sie ihm anderen 1 $:c-5 bringen sollte, welches auch geschehen. Weil sinn aber schlafend gefunden und chn nicht auf»
Er trank fogar verfuchsweife Mineralwasser, und einmal, als ein besonders hübsches Mädchen an ihm vorüberging, sah er sogar zu Boden. Ein solches Leben macht naturgemäß viel Beschwerde, und unser Mann stöhnte auch entsprechend.
Rätselhafterweise jedoch sah er sich dem gewünschten Ziel nicht näherkommen. Zuerst verstand er es nicht. In rasenden Augenblicken der Rückfälle vermutete er, daß seine Frau heimtückisch noch immer höhere Grade der Vollkommenheit zu erreichen trachte, um sich einen ewigen Vorsprung vor ihm zu sichern. Dann aber, wieder nach längeren inneren Kämpfen, und weil er auch durchaus nicht dumm war, kam er dahinter: Im selben Maß, in dem er sich selber verwollkommnete, verlor der Zauber seiner Frau das Aufreizende für ihn. Der Wunsch, ihr über zu sein, verblaßte zunehmend, als er ihr näherkam.
Es war eine schöne Lehre, die unser Mann vom Leben empfing, freilich war er auch gewillt und begabt, sie anzunehmen. Es wurde eine sehr glückliche wahrhafte Ehe, gar nicht langweilig, gar nicht limonadenhaft, sondern herzlich und ohne 23er- steckenspiel. Und da die beiden nicht gestorben sind, leben sie noch heute.
Ein neues Bildnis des Tiberius.
Unter den Meisterwerken der römischen Bildnis, fünft nimmt ein neues Bildnis des Kaisers Tiberius, das in Capri gefunden wurde, und sich jetzt in Privatbesitz in Neapel befindet, eine hervorragende Stelle ein, da es eine außerordentliche Güte der Arbeit zeigt und eine sehr eindringliche Charakteristik des Kaisers gibt. Eine eingehende Beschreibung mit mehreren Abbildungen wird von Siegfried Fuchs in der bei F. Bruckmann in München erscheinenden Monatsschrift „Pantheon" gegeben. Der etwa lebensgroße Kopf ist aus einem sehr feinkörnigen griechischen Marmor warmer, gelblichbrauner Tönung gearbeitet. Er weist nur leichte Beschädigungen auf, die reichlich ausgewogen werden durch die von jeglicher Putzung oder Ueber- arbeitung freie Oberfläche, in der sich die ganze Feinheit einer hochwertigen Marmorarbeit der frü. hen Kaiserzeit unberührt erhalten hat. Durch Münzvergleich und nach der Altersstufe, in der der Kaiser dargestellt ist, kann man annehmen, daß es um 20 n. Chr. geschaffen worden ist. Der Eindruck, den das neue Bildnis von dem Menschen Tiberius vermittelt, läßt die Schilderung seines Charakters durch Tacitus unverständlich erscheinen; es ist die Spiegelung einer ungewöhnlich bedeutenden Persönlichkeit, eines kühlen, klugen und dabei doch außerordentlich empfindsamen Menschen, der mit einer großartigen Kraft der Gefühle und einer deutlichen Neigung zu plötzlichen Ausbrüchen begabt P.
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NSLB., Kreis Gießen, Arbeitsgemeinschaft Musik: 15.30 Uhr Turnhalle der Goetheschule, Orchesterprobe. — Stadttheater: 20 bis 22.45 Uhr Der Wildschütz". — Gloria-Palast, Seltersweg: ,'Fanny Elßler". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Manege". — Fröbel-Seminar: 15 bis 19 Uhr Kunterbunte Tierschau. — Reichstreubund, Soldatenbund Gießen: „Burghof" Appell.
wis der Stadt Gießen.
Gedanken zum 1. Advent.
Don Reinhold Braun.
£-nau ritt einst über eine schneebedeckte Heide, fr tarn sich lächerlich vor, mit dem kleinen Lebens- unten Trotz bieten zu wollen dem alles starr Ttaoienben Winterozean. In dieser Niedergeschlagen- ieil erlebte er ungesehen am Fenster eines ein- irrm Jägerhauses Augenblicke der Heiliaabend- 3 Hierung. Das, was er da in der erstrahlenden Lehnachtsstube an Eltern- und Kindergluck fal), fete mit so zwingender Gewalt sein Inneres, Vf „die Tränen ihm als Reifperlen an den Wim- ■er hingen" Das Wunderbarste dieses Erlebens 3a die Erkenntnis, daß das Sein des Manschen ins Höheren und Höchsten — für ihn war es die z-.alt des göttlichen Mittlers — bedürfe, um nicht n ..der unausfüUbaren Kluft" zwischen ihm und ;et „trotzenden Natur" unterzugehen. „Ich fühlte Hir, schreibt er, „nicht mehr so einsam; eine hei- >n selige Stimmung goß sich, wie Wellen eines »rrnen Bades, um meine erstarrte Seele."
M anchem ist es vielleicht gleicherweise ergangen, lat sein Lebensfunke vor einer andringenden Nacht inufümmern drohte. Wohl ihm, wenn er dann »litte: es gibt ein Höheres und Höchstes, dem du litt vertrauend hingeben kannst! Wohl ihm, wenn r ine letzte, hohe Wirklichkeit fühlte, die nach iin~n Worte Rudolf G. Bindings „wahrer ist als fl( Wirklichkeit", wenn er erkannte: Nur vom -imdpunkte der Religion aus vermag einer fein kl n wahrhaft zu erfassen und zu meistern und itjr- das Auswärts gibt es kein Vorwärts! Nur i)G< höhere Licht vermag dem Urfunken in der Ncischenbrust neues Leben einzuhauchen.
Jn solchen Stunden packt einen das Heimweh 10c den Sinnbildern doppelt tief an, die Gott uns mlrunferem Wege bereithält, oder die das gläubige RiZchenherz, von Gott gelenkt, sich schuf. Das vkynachtsfenfter eines einsamen Jägerhauses kann iin~n solchermaßen zum Gnadenort werden.
hm ist wieder die Zeit einer ganz besonderen Simbild-Art gekommen, aller deutschen und reli- liö n Innigkeit voll. Aber nur dem bereiten Her- serlschenken sich ihre Süße und heimelnde Herrlich-
Oer possierliche Aff.
Von H. 3. (Thr. von Grimmelshausen.
„Die Kleine Bücherei" des Albert-Langen- Geog-Müller-Verlages in München wurde um eine neue Folge erweitert, unter deren ersten zwölf Bändchen sich eine Auswahl der schönsten „K a l e n d e r g e s ch i ch t e n" von Grimme! s.hausen (1625 bis 1676) findet. Wir bringen daraus die folgende Probe:
liie die Affen gemeiniglich es in vielen Sachen in Menschen nachtun, also begab sichs auch, daß -in65 Edelmanns Aff zu Marfilien, den er zu sei- H.r Kinder Kurzweil gefaufet, die kurzweiligsten
sere Hausfrauen mögen sich vor Augen halten, daß zu jeder Fütterung des jetzigen Schweinebestandes 19 Zentner Futter erforderlich sind, außerdem auch ein gewisser Futtervorrat für die kommenden Feiertage geschaffen werden muß, an denen Küchenabfälle nicht gesammelt werden.
Die Fütterung und Betreuung der Tiere erfolgt durch mehrere Personen unter ständiger sachkundiger Aussicht, damit nach jeder Richtung hin alles getan wird, was zur Pflege der Tiere und zu einer gedeihlichen Führung des Betriebes erforderlich ist.
In anerkennenswerter Weife hat der Herr Oberbürgermeister den Bau der Schweinemästerei des EHW. am Unteren Hardthof außerordentlich tatkräftig gefördert. Für diese verständnisvolle Unterstützung des gemeinnützigen Betriebs weiß die Gießener Bevölkerung dem Oberbürgermeister Dank. Sie wird es auch mit Anerkennung begrüßen, wenn die Stadt einem für die nächste Zeit ins Auge gefaßten Ausbau der Einrichtung durch die Schaffung eines weiteren Stallgebäudes ihre tatkräftige Förderung zuteil werden läßt.
Es ist geplant, einen zweiten Statt in der gleichen Gröhe zu erbauen wie den jetzigen und dann den Schweinebestand von 190 auf 380 Tiere zu erhöhen und dauernd auf diesem Stand zu erhalten.
In den nächsten Tagen wird bereits eine Dämpferanlage zur Einsilierung der Futtermengen einge^ baut werden, ferner ist beabsichtigt, auch die Anlage der Futtersilos noch zu erweitern. B.
wecken wollte, ließ er die Arzney in einem silbernen Becher auf dem Tisch stehen und befahl dem Kammerdiener, daß er sie ihm geben sollte. Der Ass aber, so sich ledig gemacht, sprang aus den Tisch, und als er diese Arzney gar süß befunden, soff er sie ganz aus. Auf eine Stund darauf, als der 21 ff die Purgation verschlucket hatte, hätte man seine Wunder sehen sollen, wie er auf und abgelaufen, und Stü'hl und Bänk über einen Haufen geworfen Der Edelmann, so von diesem Getös erwachet und die wunderlichen Posituren, Maulgrimmen und Zähnblecken dieses Assen gesehen, mußte so sehr darüber lachen, daß er sich selbigen Dag besser befunden; welches, als es in der Stadt ruchbar worden, jedermann zum Lachen beweget.
rittganz.
!| fer „Weg ins stillste Reich" will behutsam unter ireFüße genommen werden. Das hat mit lebens- kriicher Abseitigkeit nichts zu tun. Im Gegenteil:
? is seröeist die vertieftere Inbrunst zu einem grund- aa|sn Lebens-Einsatz; zu einer tapferen, umsichti- !|ei Wachheit, jener, die aus Gott und den ewigen iDipen wach und tapfer und umsichtig ist.
j e»nau schreibt in jenem Bericht, daß „ihn ein lietnmer Zug — keine Neugier — gelockt hätte, Tun in' dem einsamen Jägerhause zu be= toi'ti)en."
!I lliicklich das Herz, das noch diesen „seltsamen Zu" kennt, das noch nicht in Korrektheit erstarrte | dem Wirbel der Nur-Zweckdienlichkeiten ver- ! Jtel das sich jene adlige Freiheit bewahrte, die tilg ist zur Sinn-Freude und -Erkenntnis des I Dauns!
Iwrweihnachtszeit!, Wer jetzt nichts von jenem k>,enszuge verspürt, der sage nicht, er habe 23er- lamm nach den tiefen und wahren Daseins-Köst- slhHiten! Er wird am Ende dahin kommen, nie- httfei etwas davon gefühlt zu haben.
U6DAP., Ortsgruppe Gießen-Rord I! luffentliche Kundgebung am Montag, 29. Novem- I fr 20.30 Uhr, im Cafe, Leib, Walltorstraße.
Q» spielt die Kreiskapelle der Kreisleitung Wet- !ertH. Es spricht der schon aus der Kampfzeit I fslins bekannte Ministerialrat Pg. Ringsh au- = l, Darmstadt. Alle Volksgenossen werden hier- nhu dieser Kundgebung eingeladen.
:f)eil Hitler!
Thomas, Ortsgruppenleiter.


