r. 277 Zweiter Blatt
Giehener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhefsen)
Zamrtag, 27. November (937
Am Adventskranz brennen wieder die Lichter
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karte ausgelöscht und das deutsche Volk vernichtet hätte; sondern der hohnoolle Haß von Menschen, die klug genug sind, die tödliche Krisis ihrer untergehenden Ideenwelt, in der sie leben, zu erkennen, aber unwillig, weil unfähig sind, die Größe einer neuen politischen Idee und des von ihr bestimmten neuen Zeitalters zu erkennen. Diese späten Nachfahren der Revolutionäre von 1789 stemmen sich dem Rad der Weltgeschichte heute so entgegen, wie vor 150 Jahren die Repräsentanten des ersten imb zweiten Standes dem Aufbruch des dritten. Aus den Revolutionären von einst sind Reaktionäre geworden.
Diese Sorte reaktionärer Demokraten ist Händlern vergleichbar, die zum Bauern kommen, der eben ein schweres Erbe angetreten und in harter Arbeit seinen Acker bestellt hat. Sie sehen nicht die neue Saat, sondern nur die paar Maulwurfshügel und einige kahle Stellen auf dem Acker, wo der Boden noch zu steinig ist, um die Saat aufgehen zu lassen. Daher prophezeien sie eine Mißernte und
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verwandelt in den des reinsten und innigsten Familienfestes; aber er hat sich mit der Gefühlswelt der Familie, des sich heimisch und geborgen Fühlens mit den nächsten Menschen, mit Eltern, Kindern, Geschwistern so tief erfüllt, daß Weihnachten das eigentliche deutsche Familienfest geworden ist. Das, worauf sich das christliche Auge vor allem heftet, wurde eben die heilige Familie, als Familie, die ihr gemeinsames Schicksal hat, die in Armut und Not sich aneinander aufrichtet, tröstet und Zuversicht faßt, in der Freude sich mitteilt, sich liebt und beschenkt.
Dies: der Gedanke an die Familie und der Gedanke an die Erneuerung des Arbeitsjahres, des Abschlusses und des frischen Anfangs, die wie von selbst sich einstellende Besinnung und Rückerinnerung an das abgelaufene — wie schnell abgelaufene! — Jahr mit seinem Frühling und seiner Sonne, seiner Sommers- und Wanderzeit, auf die heute dank der Kraft-durch-Freude-Organisation jeder Deutsche seinen Anspruch hat, mit dem erntereichen Herbst, dessen Wichtigkeit für das ganze Volk und sein Leben jetzt jedem wieder zu Bewußl- sein gekommen ist, übergleitet die Seele schon vor dem Feste selbst, weil sie sich durch die kurzen grauen Tage so recht auf sich und ihr Innenleben angewiesen sieht.
Wenn man in der feuchtkühlen Abenddämmerung aus der Werkstatt oder der Schreibstube oder dem Amtszimmer, dem Maleratelier oder der Fabrik heimwandert, dann muß man ja besinnlich werden. Man entdeckt da, daß alles Erleben eines Jahres sich erst in diesen Tagen und Stunden vollendet und ganz unser wird. Ehe etwas, das man sah und erfuhr — mag es eine Freude oder ein Leid sein — nicht still in Gedanken und heimlichen Gefühlen wiederholt worden ist, eher haben wir es nicht wirklich im Besitz. Es ist so, Leben verlangt ein Doppeltes: nach dem äußeren Geschehen das innerliche, wodurch alles— und hätte es uns im Augenblick, als es kam und da war, noch so sehr begeistert und beglückt! — erst unser dauernder Reichtum wird.
Ich glaube, das ist es, weshalb Weihnachten so schön ist: weil der Mensch in.der Adventszeit, m Vorfreude und Vorsorge auf das Fest, an alles Gute, das ihm im abgelaufenen Jahre ward, an alles Leid, das er mannhaft überwand, lange gedacht, so wieder ein an Erlebnis gesättigtes Jahr sich zu eigen gemacht hat und nun reicher, gefestigter, mehr' verbunden den Seinen und seinem Volke vor den Lichterbaum tritt.
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Gpielzeugland.
Don August Scholiis.
Auf der erwartungsfrohen Fahrt ins sächsische Spielzeugland, vorbei an den weichen, rundlichen Hügelungen des Erzgebirges, ist meine Phantasie vom schnurgeraden Autowege abgewichen, bohrte sich in diese kugligen, waldbestandenen Erdwellen und tummelte sich in den unsichtbaren Gewölben, in den Hallen der deutschen Sagen und Märchen.
Die Technik des Autos schnurrte und surrte und ratterte bergauf, bergab, schnaubte und zockelte und brachte uns immer tiefer in die Einsamkeiten dieser Landschaft, von deren Menschen sich Zweihunderttausend an der Zahl mit nutzlosen Künsten ernähren. Daß diese Künste nutzlos sind, erfuhr ich schon als kleiner Bub, denn immer, wenn ich die herrlichsten Dinger bastelte und schnitzte, kam die harte Wirklichkeit in Gestalt von Vater und Mutter, die alles kurzerhand kleinschlugen oder mit der Axt zerhackten, da die Feldarbeit wichtiger wäre.
Nun aber fahre ich durch ein Land, in welchem nicht nur unartige Buben bastelten, sondern erwachsene alt und graugewordene Leute, Zweihunderttausend an der Zahl.
Ich fahre in mein Kinderland.
Die weltvergessenen Städte oder die winzigen Gehöfte, die wir in sausender Fahrt passieren, versinken stets von neuem hinter den sonnigen Berg- und Hügelkugeln, gebären sich immer wieder und bleiben ewig neben uns als Gattung. Nun aber taucht auf einmal ein wunderlicher Wegweiser an der nächsten Kreuzung, ein geschnitzter, mannshoher, buntbemalter Huckepack, halb Mensch, halb Fabel, vielleicht einer von den Zweihunderttausend, der seine Basteleien über die Hügel trägt, zu den Menschenkindern.
Das Märchen wird lebendig.
Und an der nächsten Wegkreuzung wieder solch eine Schöpfung, ein Bergmann in Uniform und mit Laterne. Ein Bergmann, ein alter Zeuge vom Wesen des Erzgebirges, der gleich den deutschen Märchen in die Bergkammern gekrochen war, sich in den Stollen zerstäubte und auf die Auferstehung wartete.
Nun stand er an der Wegkreuzung und lebte.
Huckepack lebt, der sächsische Bergmann lebt, und nun wird es immer lustiger. Langbärtige, freundlich winkende Waldmännlein, Zwerge und Kobolde, Bauern und Tippelbrüder weisen höflich die Wege in das Märchenland, wir fahren in ein freundliches Dörfchen ein, weich eingebettet in dis runi)gehobelten Hügelketten: Seiften,
In vielen deutschen Häusern werden morgen, am ersten Adventssonntag, nach schöner alter Sitte, die Kerzen entzündet werden, deren stiller, warmer Schein uns in die kommende Weihnachtszeit hineinleuchtet: für jeden der vier Sonntage eine Kerze, und wenn sie alle mer brennen, dann ist der Heilige Abend nicht mehr fern, an dem der Lichterglanz des Kranzes sich an unferm Christbaum beglückend vervielfacht, das ewige Fest der deutschen Wechnacht zu verkünden. — (Aufnahme: Elisabeth Hase, Frankfurt a. M.)
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sitts der Grenzen.
Dabei stößt man jedoch auf eine Erscheinung, die ehie nähere Betrachtung zweifellos einmal veroient. 3- zahllosen Fällen hat sich nämlich erwiesen, daß t>! vielen ausländischen Besucher und Sonderbe- rgterftatter, denen Gelegenheit gegeben wurde, eben Blick hinter die Kulissen zu tun und dabei 2mge zu sehen, die sonst öffentlich nicht so in Er- scXinung treten, ganz aus sich heraus zu Urteilen glommen sind, die sich wesentlich von der üblichen L richterstattung der in Deutschland ansässigen aus- ländischen Zeitungskorrespondenten unterscheiden. 11 ib zwar betrifft das alle Gebiete des national» scealistischen Aufbauwerkes.
Wir hören den Einwand derer, die sich getroffen fühlen: „Ja, den gelegentlich und den förmlich ein- cioabenen Besuchern zeigt Ihr nur das, was f i e fih e n sollen. Sie sehen die glänzende Fassade HD lassen sich blenden durch bloße Aeußerlich- fezen, die unbestreitbar großartig und zuweilen vrklich überwältigend sind, nicht nur so erscheinen. $ r Berichterstatter aber sind verpflichtet, über <L( es zu berichten: über das Gute und das Eglechte, das Positive und das Negative, das <Sgöne und das Häßliche, mit einem Wort: über die Wirklichkeit!" Darauf können wir aus Aller Ueberzeugung nur eines erwidern: Wenn < doch fo wäre! Wenn doch nur die Wirk- Ir 4eit Pate stände bei den Berichten aus und über Deutschland, die täglich viele Spalten der Auslandspasse füllen! Was geschieht aber statt dessen?
seit vielen Jahren — nicht erst seit 1933 — er= 1e!$n wir Deutsche, daß über uns und unser Tun Li Weltöffentlichkeit in einer Form unterrichtet ’i V77d, die in den feiten ft en Fällen der Wirklich keit entspricht. Von einer wirklichen Unterrich- lirig kann man kaum noch reden, ja tatsächlich be- jtuot das, was man Berichterstattung nennen könnte, ül?rhaupt nicht mehr, seit sie ganz und gar in Zc Dienst der Politik gestellt wurde. Die meisten 3"id)terftatter, die sich so nennen, berichten über» iMpt nicht, sondern schreiben bestenfalls, 31): s f i e meinen. Den oft erhobenen Vorwurf, iau sie meistens sogar nur das schreiben, was die Ai nen, von denen s i e angestellt und wirt- jfaftlid) abhängig sind, wollen wir hier außer A't lassen. Er ist vielfach unbegründet, da auch in der Auslandspresse die Meinung des Journa- liftn und die Meinung der Zeitung, die er repräsentiert, im allgemeinen miteinander identisch ist. Sine Abhängigkeit vom Verleger und die Ab- hingigkeit des Verlegers von irgendeiner Finanz- amppe und Parlamentspartei sind zwar für die Mung der betreffenden Zeitung von entscheidende Bedeutung, am Ende finden sich aber doch nur D-nschen zusammen, die in der Generallinie uber- triftimmen. Und vor allem stimmen sie überein in
Seiften, die Zentrale der sächsischen Spielzeug- industrie.
Der erste Mensch, dem mir in den Straßen begegnen, ist ein silberbärtiger, gütestrahlender Schnitzer, an dem die Natur mit derselben Hingabe schnitzte, wie er ait ihrem Holz. Ein Mann mit einer rundlichen Nase, mit einem koboldischen Schalk um die Augen, ein Mensch, der unsterblich ist und sich rechtzeitig auf einen der Wegweiser setzen wird, des bin ich gewiß. Seiffen, die Spielzeugmetropole, ist ein Gegenstück zu Meißen, der Porzellanmetropole. In Meißen fteigt* die Seele aus der Erde, in Seiften steigt sie aus dem Holz.
Wir ■ betreten die Ausstellungsräume, in denen die Menschen von nah und fern ihre Künste zur Schau stellen. Armhohe Nußknacker mit königlichen Kronen oder holzknechtsmäßigen Kinnbacken variieren die Phantasie, wer denn alles Nüße knacken könnte unter den Menschen. In der Mitte des Raumes, untergetaucht in rot und goldfarbenen Unzähligkeiten, steht ein Krippenspiel, ein manne* hoher künstlicher Weihnachtsbaum, sich drehend und klingelnd und glitzernd. Daneben schüttete der menschliche Sehnsuchtstraum Ochs oder Eselein, Puppen und Soldaten, Eisenbahnen, Pferde, Flugzeuge und Zeppeline, Wandsprüche und Kindergeräte. Merkwürdig, wie hingezogen sich die Sinne fühlen zur blanken Drechslerarbeit. In den Etagen berauscht sich das Auge unerschöpflich. Die deutschen Märchen, in epischer Breite dargestellt, leben in Ehrern Gehäuse, das Dornröschen, das Schneewittchen mit Drum und Dran, hinwiederum mit unglaublich wenigen Handgriffen stilisiert, das Rotkäppchen. Und als Ehrenmal, als Verbeugung vor der Heimat, ein Modell des Dörfchens Seiffen zur Winterszeit, Silvesterkirchgang der Menschen aus den Hügeln und Bergen im Wattenschnee zum hell- erleuchteten, kristallglitzernden Kirchlein.
Da sitzt ja schon so ein Künstler. Ich darf ihm zusehen, wie er einen stilisierten, daumengroßen Fuchs mit langen Ohren schnitzt, mühselig und geschickt. Er blickt auf und lächelt. Das war das Lächeln der Dichter und jenfeitigen Erdbewohner, der Künstler.
Ich höre anschließend vieles über die großartige Organisation durch die amtlichen Stellen und denke mir, das ist gut. Don hier aus wird Die schnitzende Phantasie behutsam dirigiert und organisiert, ein befriedigendes, ein begrüßenswertes Unterfangen.
Ich aber bin beglückt, zu wissen, daß es irgendwo auf der Erde unzählige Menschen gibt, die sich sogar damit ernähren können, womit ich mich flU Kind berauschen wollte und nicht durfte« - *
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bitsdienst zu erhalten. „Es klingt merkwürdig und hum glaubhaft", so berichtete der Arbeitsdienst- sthrer, „wenn ich sage, daß wir bei einigen von brfen hervorragenden ausländischen Gästen nach- hL geradezu erschütternde Gefühlsausbrüche erlebt hlben. Einer war darunter, der dabei mit Tränen it den Augen erklärte: „Und wir? Was haben h r dem an die Seite zu stellen ... ?
Wie gesagt, diese Geschichte klingt wirklich un° gimbhaft, aber die Persönlichkeit des Erzählenden birgt für die volle Wahrheit dessen, was er uns brichtete. Die psychologische Erklärung für einen derartigen Gefühlsausbruch bei dem ausländischen (last ist auch unschwer zu findep, Allerdings ist ei gerade -der Arbeitsdienstmann, der auf Ausländer regelmäßig starken Eindruck macht; er hat, wie nn zu sagen pflegt, eine gute Presse, auch jen-
Vorweihnacht.
Von Wilhelm von Scholz.
Db es den anderen Leuten auch so geht wie mir, Bc.fe ich freilich nicht, aber der und jener hat es M" doch schon bestätigt: daß so vorn Ende des Hhmember an und mit jeder Woche immer mehr, -mehr die Tage düsig und dämmerig werden, die jdt und die Gedanken und die Gefühle immer ^gesprochener auf Weihnachten zueilen; und viel (ifiiger und erfüllter als auf irgendeinem anderen kg oder ein anderes Fest des ganzen Jahres.
Hewiß, es geht um diese späte, verträumte und re^onnene Herbstzeit, wenn die Bäume kahl und Üi Fernen mit feuchter nebliger Luft verhängt |fao, das Braun der beperlten Stauden verschafft«' Astern, ein paar rötliche Zweige die letzten k'ben geben, wenn der frische Winter mit Schlitt- shD- und Schneeschuhlauf, mit Rodeln und der glichen Betätigung in der reinen klaren Kalte A Wergsonne und auf spiegelndem Eise noch nicht Tonnen hat, gleich auf zwei wichtige Feste zu: Ziihnachten und Neujahr!
Aber diese beiden Feste sind doch im Grunde nur w einziges, ein so großes und gewaltiges Fest, daß i3 sich vor Fülle in zwei teilen mußte um nut mer Uebermacht nicht zu erdrücken Denn der Saeberbeginn des Lichtes, das Wiederauflteigen der Srame empor aus ihrem tiefsten Stande und wal- ftDen Nebeln, der sich mit der lieben frommen östlichen Geschichte verschmolzen hat, ist der Ur- Mngssinn sowohl von Weihnachten wie von der p: Verhältnisse des Lebens berührenden Jahres- Neuerung.
Lielleicht ist es in alter Zeit nur eine Unausge- ! hchenheit, eine nicht übereinstimmende Rechnung llon Kalender gewesen, die dazu gesuhrt hat, daß !if dasselbe Fest wenige Tage nacheinander noch Karmal kommt. Oder es hat auch möglicherweise ore > Lache Weihnachten ein wenig vom Jahreswecyfei D.verütft, damit der neue Sinn, den sie dem Feste » nicht in dem alten Sinn, den es schon i ich er Vorzeit hatte, und der hell vom ^l^er= ■aam funkelt — eben der Wiederkehr und der Wie- ternuferfteljung der Sonne — überblendet und ver- tet't werde. Und es ist wirklich zuviel an hoher Kveutung, die das winterliche Fest in sich schließt, ’ -h baß es nicht mehrere Tage und dazwischen noch i jrmal ein Atemholen brauchte, um durch und
Istich erlebt zu werden!
. Der christlich-kirchliche Sinn hat sich dabei in ■nerem Volke unmerklich — ich will nicht sagen:
dem, was wir als antideutsch bezeichnen müssen.
Diese antideutsche Haltung ist leider bei einem nicht geringen Teil der in Deutschland tätigen Ausländskorrespondenten festzusteilen; wobei der Fall des vor einiger Zeit ausgewiesenen „Time s" - Korrespondenten und der des erst kürzlich zum Verlassen Deutschlands aufgeforderten H a v a s - Vertreters Ravoux allerdings besonders kraß lagen. Denn beide hatten geradezu ein System tendenziöser „Berichterstattung" entwickelt, das politisch verantwortungslos und rein menschlich gesehen unfair ist. Ihr Standpunkt war kein englischer und fein französischer, auch fein gegnerischer, sondern ein überwiegend von Havas diftier- t e r. Eine Form der Gehässigfeit übrigens wie sie so nur bei intelleftuellen Demofraten oder demo- fratischen Intelleftuellen zu finden ist. Kein Haß, wie ihn etwa ein Clemenceau empfand, der, um Franfreichs Sicherheit für ein Jahrhundert zu garantieren, am liebsten Deutschland von der Lanb-
schelten ben Bauern daß er nichts verstünde. Aber sie gehen noch weiter und sagen, daß bas Saat- forn schlecht sei und feine Frucht bringen werbe. Gut sei nur ber Boben, vom früheren Besitzer her, ber auch ben Dünger von ihnen bezogen habe, ba* für aber schon bie nächste Ernte oerpfänbet hatte. Ja, s o sehen sie Deutschland, den Nationalsozialismus und seine Führung. Sie sehen nicht den im ersten Grün stehenden Acker, sondern ein paar schief gezogene Furchen, einige noch kahle Stellen, hier und da em wenig Unkraut.
Ger^ß, mit dem früheren Besitzer hatten sie es leichter. Als sie eines Tages in seinen Acker ein- brachen, einen Teil mit Beschlag belegten, da war er unfähig, sich dagegen zu wehren. Auch nicht gegen die Zwangshypothek, die sie wider alles Recht erpreßt und ergaunert hatten. Nun, da der junge neue Besitzer Die Kraft besitzt, sein Recht zu wahren, niemand auf seine Fluren läßt, der nicht seine Erlaubnis hat, da schimpfen die Händler und weissagen ihm den Zusammenbruch, weil sie gerne sähen, daß es so kommen würde.
Eine g-anze Reihe der in Deutschland weilenden Auslandsberichterstatter denkt und schreibt so. Nicht alle, noch nicht einmal die Mehrzahl von ihnen, aber jedenfalls fo viele, daß ein großer Teil der Welt die Wahrheit über Deutschlanb nicht erfährt. Es sind die Horchposten der Demokratien, für die vor der Machtübernahme die deutsche Opposition nicht vorhanden war. Was damals die deutsche Opposition, die bereits den kommenden neuer Staat repräsentierte, sagte und schrieb, das kümmerte sie keinen Deut, darüber berichteten sie nicht. Dafür mochten sie heute am liebsten 66 Millionen Deutsche zur Opposition stempeln.
Gesetzt den Fall, es gäbe eine Opposition in Deutschland, die den Namen überhaupt nerbiente, bann konnte es gewiß feine beutsche Opposition, eine Opposition für Deutschlanb fein; benn eine solche würbe bei ben Gegnern Deutschlands nichts zählen, heute so wenig wie einst. In Wirtlichkeit ist biese Oppositton gegen das nationalsozialistische Regime nur ein Wunschtra um aller Demokraten. Mögen sie weiter träumen. Derweil wächst die junge deutsche Saat. Und während sie wächst, wird allmählich auch — vielleicht vergehen noch Jahrzehnte darüber — in allen anderen Ländern bie Erkenntnis reifen, baß eine neue Zeit begonnen hat für alle Volker biefer Erbe. Sie steht im Zeichen eines neuen 'Nationalismus, ber bas Lebensrecht bes eigenen Volkes proklamiert, zugleich aber bas aller anberen Volker anerkennt, und eines echten Sozialismus, ber nicht Gleichheit, son- bern Gerechtigkeit verlangt.
Edgar Schröder.
Zeitschriften.
— Im Heft 9/10 vom „H e ss e nl a n b", heraus- gegeben von Dr. C. Hitzeroth, Marburg, finden wir, was unser engeres Heimatgebiet betrifft, einen aufschlußreichen Beitrag von Karl Rumps über bäuerliche Grabmalkunst in Oberhessen (mit Abbil- bungen); vom übrigen Inhalt bes gediegen ausgestatteten Heftes nennen wir die Aufsätze über bie Jäger im Spangenberger Revier von Fritz Jütte und über ben Streit um bie Rotenburger Schloßkapelle von Dr. Walter Kramm, ferner bie Bücherschau, bie Personalien unb bie Mitteilungen bes Vereins für hessische Geschichte unb Landeskunde.
Hochschulnachnchten
Geheimrat Dr. h. c. Wolf Häuser, der Vor- sitzende des Universitätsbund'es Marburg, vollendete am 26. November das 80. Lebensjahr. Häuser hat sich große Verdienste um die Universität Marburg erworben. Er ist Ehrendoktor sämtlicher Fakultäten, Ehrensenator der Universität und Ehrenbürger der Stadt Marburg. Gleichzeitig mit dem 80. Geburtstag von Geheimrat Häuser konnte das I u b i l ä u m s k u n st i n st i t u t der Universität Marburg auf ein zehnjähriges Bestehen zurück- blicken. Der Universitätsbund hat unter Führung von Geheimrat Häuser die beträchllichen Mittel für den Bau'bereitgestellt. So ist das Jubiläumskunst- institut heute ein Denkmal des Wirkens biefes bedeutenden Mannes.
Ein höherer Führer des Arbeitsdienstes erzählte u s kürzlich etwas über seine Erfahrungen im Ver- tör mit ausländischen Gästen, die er durch Arbeits- ! biknstlager geführt hatte. Unter diesen Gästen befinden sich Träger von bekannten Namen, Staats» i irdnner anderer Nationen, die den Wunsch geäußert Hilten, einen tieferen Einblick in ben beutfchen Ar-
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