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England rüstet die Aegypter auf

B. R.

zu

eine

Die Aussprache

man nach der alarmierenden Rede Roosevelts zu­nächst einen formellen Antrag auf Erklärung Ja­pans zumAngreifer" erwarten mußte. Davon wird nun nirgends mehr gesprochen, nachdem man sich offenbar darüber klar geworden ist, daß Japan über derartige Proteste um so eher hinweggehen würde, als weder England noch Amerika es auf einen be­waffneten Konflikt ankommen lassen wollen. Aber was will man positiv in Brüssel? Nicht einmal über das Verhältnis dieser Konferenz zum Völkerbund und seiner Entschließung, in der Japan allein die gesamte Verantwortung für den Konflikt aufge­bürdet wurde, scheint Klarheit zu herrschen.

Wie verschwommen und ziellos alles noch ist, das zeigte.ein mehr als merkwürdiger Vorgang während der letzten britischen Parlamentsdebatte, wo Herr Eden im Unterhaus genau das Gegenteil von dem sagte, was zur gleichen Zeit im Oberhaus Lord Plymouth ebenfalls als Regierungssprecher zum Ausdruck brachte. Herr Eden stellte die Brüsse­ler Konferenz ohne jede Einschränkung in den Genfer Rahmen. Er sprach ausdrücklich von demklar defi­nierten Auftrag, den der Völkerbund an die Konferenz gegeben habe". Das richtige Vorgehen für Brüssel erblickt er darin,in den Beratungen mit den andscen Signatarmächten das Aeußerste zu tun, um den gegebenen Auftrag zu erfüllen." Wird in dieser Darstellung des englischen Außen­ministers die Neunmächtekonferenz geradezu zu einem Vollzugsorgan für Genf gestempelt, so be­mühte sich Lord Plymouth gerade in entgegengesetz­ter Richtung. Für ihn war das wichtigste die Ver­sicherung, daß die Konferenznicht unter Gen­fer Vorzeichen abgehalten werde, sich nicht an das vor dem Völkerbund übliche Verfahren zu halten habe und je^) en Wegwählen könne, den sie für geeignet halte, um zu einem Ziel zu kommen".

Die Frage, wie eine derartige Panne passieren kann, soll hier gar nicht weiter untersucht werden, obwohl es nicht gerade häufig Vorkommen dürfte, daß sich zwei Vertreter der nämlichen Regierung am gleichen Tage, ja zur gleichen Stunde auf offe­ner Szene so^ vollkommen widersprechen. Man ist versucht, von einem charakteristischen Symbol der Unklarheit und Undurchsichtigkeit zu sprechen,bie über der ganzen britischen Völkerbundspolitik liegt, und die sich hier ein seltsames Denkmal gesetzt hat. Entscheidend in diesem Zusammenhang ist aber vor allem der Eindruck der Rat- und Planlosigkeit, den man auch hier wieder von der augenblicklichen englischen Politik empfängt. Was soll unter diesen Umständen aus der Brüsseler Konferenz überhaupt an Positivem herauskommen? Eines wird man jedenfalls jetzt schon feststellen müssen: setzt sich das Rezept Herrn Edens durch, wird die Szene in Brüssel zu einem neuen Tribunal, auf dem Japan von vornherein als Angeklagter erscheinen soll, dann ist diese Konferenz nicht nur zweck- und sinn­los, sondern sie muß im Gegenteil noch zur Ver­schärfung der bestehenden Spannungen führen. Vor allem könnte niemand Japan ernsthaft zumuten, sich nach Brüssel zu begeben, wenn nicht auch seine Argumente wenigstens gehört werden. Und diese Argumente sind, wie etwa der Hinweis auf die innerpolitische Aussöhnung Nankings mit den Kom­munisten und die außenpolitische Annäherung an die Sowjetunion, durchaus nicht so unbeachtlich.

Im Fernen Osten ist eine flüssige Lage entstan­den. Neben dem alten formalen Recht Chinas ist neues Recht im Werden, das von den ja­panischen Lebensbedürfnissen geformt wird. Solche Lage, die Ausdruck der Vitalität und des ständigen Flusses des Völkerlebens sind, erfordern Zurück­haltung. Dem Menschengeist und seiner beschränk­ten Kraft ist es versagt, sie zu verhindern oder un­geschehen zu machen. Am wenigsten aber lassen sie sich auf das Prokrustesbett überalterter Verträge spannen und mit toten Formeln reglementieren. Auch im Zeitalter Genfs muß die Menschheit, oft unter Schmerzen und Opfern, das Walten mächti­ger geschichtsbildender Kräfte immer wieder aner­kennen.

(Abwarten und beobachten!) So schnell und mühelos kommen die Aegypter wahrscheinlich nicht wieder zu einer Ausrüstung. Außerdem scheffeln sie geradezu wiederum auf Englands Kosten! die politischen Erfolge, weil dasselbe England, das vor 13 Jahren seine schwere Monopolhand auf den Sudan legte.

London, 26. Oktt (DNB.) König Georg VI. eröffnete am Dienstagmittag unter den üblichen Zeremonien die beiden Häuser des Parlaments für den neuen Sitzungsabschnitt. In seiner Thronrede an die Lords und Mitglieder des Unterhauses wies der König zunächst darauf hin, daß seine Beziehun­gen mit den ausländischen Mächten sich auf freund­schaftlicher Grundlage weiter entwickelten. Er habe den König der Belgier eingeladen, um ihm im No­vember einen Besuch abzustatten. Eine .ähnliche Einladung sei an den König von Rumänien er­gangen. Der König sagte dann:Meine Minister haben mit wachsender Besorgnis die Weiterführung des Konfliktes in Spanien verfolgt. Es ist ihr Ziel, alles in ihrer Macht liegende zu tun, um die Wiederherstellung des Friedens unter dem spani­schen Volke zu fördern. Sie glauben, daß eine ge­naue Anwendung der internationalen Nichtein­mischungspolitik in Spanien wesentlich zum Ende des Krieges beitragen wird." Zur Lage im Fer­nen O st e n erklärte Georg VI., daß sie weiterhin die ernsteste Aufmerksamkeit seiner Regierung in Anspruch nehme, die eine Politik der Zusammen­arbeit mit anderen Regierungen versuchen werde, ob sie Mitglieder des Völkerbundes seien oder nicht, um den Konflikt zu beenden. Schließlich sprach der König seine Hoffnung aus, daß er bald in der Lage sein möge, sein indisches Kaiser­reich zu besuchen.

ägyptischen Truppen mit allen Mitteln gehemmt; jetzt sind sie es, die die Entwicklung des ägyp­tischen Militärwesens gewaltsam vorwärtstreiben. Ferner: die Engländer haben zur Revanche für die Ermordung des englischen Oberbefehlshabers Sir Lee Stack im Jahre 1924 die ägyptischen Truppen gezwungen, den Sudan zu räumen. Heute ist es gerade umgekehrt. Im engsten Einvernehmen mit ihnen hat die ägyptische Regierung zunächst zwei. Bataillone Infanterie, aber auch Flakabteilungen und motorisierte Spezialtruppen nach dem Sudan entsandt, vorzüglich zum Schutz der Nilstaudämme gegen Flugzeugangriffe, aber auch zur Sicherung des Hafens Port Sudan, der wichtigsten Stadt des Sudans am Roten Meer. Weitere ägyptische Truppen sollen späterhin nach Khartum und sogar in die sudanesischen Grenzprovinzen, also in die un­mittelbare Nähe Erythräas und Aethiopiens verlegt werden. In Port Sudan sind große unterirdische Tankanlagen in Bau gegeben worden.

An sich ist die überwiegende Stimmung in Aegyp­ten nicht italienfeindlich, wie denn auch umgekehrt Mussolini immer wieder seinen freundschaftlichen Ge­fühlen für den Islam, für die Araber und für die Aegypter Ausdruck gibt. Aber auf der anderen Seite ist die weltpolitische Lage einem Ausbau der ägyp­tischen Armee auf Kosten Englands ungemein günstig, und es wäre absonderlich, wenn sich die Aegypter unter diesen Umständen nicht an das eng­lische Sprichwort halten würden:Wait and see!

Englands Kurs in der Weltpolitik.

Oie Thronrede König Georgs bei der Eröffnung des Parlaments

Wiedereröffnung der VarUer Wellausstellung im nächsten Iahr?

Der Ausstellungsausschuß der Stadt Paris hat sich für eine WiedereröfsnungderWelt- ausstellung im Jahre 1938 eingesetzt und schlägt der Regierung vor, vom Parlament die da­für notwendigen Kredite zu fordern. Die Ausgaben sollen etwa 300 Millionen Franken betragen.

Im Unterhaus wurde durch den Konservativen Balfour der Antrag eingebracht, dem König in einer Adresse zu danken. Der Regierungsliberale Mabane unterstützte den Antrag. Der Fraktions­führer der Labour-Partei, Attlee, meinte, daß man in der Thronrede irgendeinen Hinweis dar­über begrüßt haben würde, daß die Regierung et­was tun wolle, umd i e Völker der Welt einander näher zu bringen". Die Auf­rüstung Englands fei ein schrecklicher Kommentar zu dem Fehlschlag der Außenpolitik der Regierung. ..Wir auf dieser Seite des Hauses haben unsere Ansicht nicht geändert, daß Rüstungen für die Er­haltung des Weltfriedens notwendig find Aber wir ind nach wie vor Gegner eines Wettrü­stens, das abseits der großen Politik vor sich geht."

Sir John Simon ging namens des erkrankten Ministerpräsidenten Chamberlain nur kurz auf die Fragen der Außenpolittk ein, mit dem Hinweis, daß in der vergangenen Woche erst eine außen­politische Aussprache stattgefunden habe. Seiner Ansicht nach rührten die außenpolitischen Schwie­rigkeiten Englands aus härten und konkreten Tatsachen her, die man nicht mit allgemeinen Phrasen aus der Welt schaffen könne.

Der Führer der Oppositionsliberalen, fe i n = lair, bemängelte besonders, daß man nicht ge- agt habe, welche Art von Frieden man auf her Neunmächtekonferenz in Brüssel an­

strebe: einen Frieden der Gerechtigkeit, des Ueber- einstimmens mit den Vertragsoerpflichtungen oder die Anerkennung der vollzogenen Tatsache. In der Rede des Königs habe er einen Hinweis auf den Völkerbund als Grundlage der Außenpolittk vermißt.

Der konservative Abgeordnete Moore Bra­bon) o n vermißte in der Rede des Königs einen Hinweis darauf, daß die verkehrs- Unfälle in England jährlich etwa 6000 Menschenleben forderten und rund eine Viertel- miltton Menschen dabei verletzt würden. Es fei jetzt an der Zeit, daß England einen $ trä­fe e n f 9 p baue, wie er im Auslande ge­baut würde, der ausfchliefelich dem mechani­sierten Verkehr diene. Auf derartigen Sfrafeen feien die Unglücksziffern um 78 v. h. zurückge­gangen. Auch der konservative Abgeordnete M a r k h a m bedauerte es, dafe die Regierung in der Thronrede dem Problem des Sfrafeen- baues keine Beachtung geschenkt habe. Das ganze Kabinett sollte geschlossen nach Deutsch­land und Italien geschickt werden, um dort zu studieren, was diese Länder für ihren Straßenbau getan hätten.

Der Erste Lord der Admiralität Duff Cooper erklärte, die Nichteinmischungspolitik habe zwar nicht immer völlig zufriedenstellend gearbeitet, aber ihr Hauptziel entspreche doch den Wünschen des Landes. Das englische Volk sei entschlossen, sich nicht in Konflikte hineinziehen zu lassen. Auch Hunderte von Engländern feien nach Soanien gegangen, um den Valencia-Bolsche- wisten zu helfen. Durch das Hilfswerk für die bol­schewistischenFlüchtlinge" seien 89 000 Menschen unter dem Schutz englischer Kriegsschiffe von der nordspanischen Küste abtransvortiert worden, davon 10 000 allein auf britischen Kriegsschiffen (!). Nach Hner Hetzrede des kommunistischen Abgeordneten G a l l a ch e r vertagte sich das Unterhaus.

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Im Oberhaus wurde vom Earl-Marshall, dem Herzog von Norfolk, der Antrag einer Dank­adresse auf die Thronrede einaebracht. Namens der Opposition bemängelte Lord S n e l l (Labour) die Nichteinmischungspolitik. Lord H a st i n g s (konser­vativ) wandte sich scharf gegen die vorgeschlagene Vereinheitlichung der Kohlensteuer und protestierte gegen eine Verstaatlichung von Privateigentum. < Viscount Halifax, der namens der Regierung die Aussprache abschloß, erklärte es für einen der wichtigsten Punkte der Nichteinmischung, daß keine Freiwilligen mehr auf irgendeiner Seite an dem Kampfe teilnehmen. Gerade hierum aber bemühe sich der Außenminister. Er halte es daher nicht für zweckmäßig, im Augenblick Provhezeibungen anzu­stellen. welchen Ausgang diese Verhandlunaen neh­men würden. Auf der Neunmächtekonfe­renz in Brüssel werde England versuchen, den Konflikt zwischen China und Japan auf einer Grundlage zu beenden, die die Weltöffentlichkeit als richtig und gerecht hinnebmen werde.

Botschafter von Ribbentrop ist am Diens­tagvormittag in London eingetroffen. Er nahm an der Eröffnungssitzung des englischen Parlaments : teil.

Georg VI. wandte sich hierauf innenpolitischen Fragen zu, wobei er daran erinnerte, daß das Auf - rüftungs- und Verteidigungs-Pro­gramm schnelle Fortschritte mache. Seine Mini­ster seien sehr besorgt, energische Schritte zu unter­nehmen, um die Zivilbevölkerung gegen Luftan­griffe zu schützen. Alle Anzeichen deuteten darauf hin, daß der Fortschritt des englischen Handels auch weiterhin aufrechterhalten werden könne. Seine Regierung werde fortfahren, alle nur möglichen Maßnahmen zu treffen, die industrielle Aktivität im Jnlande fortzuführen und sie in Uebersee weiter zu entwickeln. Georg VI. kündigte dann noch eine Vorlage zur Vereinheitlichung der königlichen Koh­lenminen unter nationaler Kontrolle und zur Neu­ordnung der Kohlenindustrie an; schließlich Vorlage zur Veiteilung der Elektrizität.

Der englische Ministerpräsident Chamberlain hat in der letzten außenpolitischen Debatte im Unter­hause wahrheitsgemäß darauf hingewiesen, daß die Verschiffungen italienischer Trup­pen nach Libyen bereits seit März a n ge­kündet waren. Fehlt nur der Hinweis, daß ein Teil der früher in Libyen garnisonierenden Trup­pen vorübergehend nach Italien, insbesondere Si­zilien befördert worden waren, um an den dortigen großen Sornrnerrnanövern teilzunehmen. Selbstver­ständlich addieren sich unter diesen Umständen jetzt die Transporte italienischer Truppen nach der nord- afrikanischen Kolonie, und das gibt wiederum allen gewerbsmäßigen Kriegsunken Grund, um über Ita­lien zu zetern. Immerhin haben sich aber trotz der beruhigenden Erklärung des englischen Minister­präsidenten die Engländer jetzt veranlaßt gesehen, ihre militärischen Positionen in Aegypten und im Sudan zu verstärken. Seit dem abessinischen Konflikt ist ein erheblicher staatsrechtlicher Wandel erfolgt: Aegypten ist ein selbständiger Staat geworden, der allerdings mit England in einem engen Bundesverhältnis steht, das auch englische Garnisonen in Aegypten vorsieht, aber auch die Schaffung neuer ägyptischer Truppen­teile, deren Ausrüstung von England geliefert wird. Ferner drückt die englische Regierung auf die ögyp-

0 0 n Renteln rief seinen Zuhörern das Wort des Führers in der Proklamation zum letzten Nürn­berger Parteitag von derverpflichteten Volkswirtschaft" ins Gedächtnis zurück. Er erklärte es für unbillig, für sich selbst sorgenfreie wirtschaftliche Betätigung zu fordern, wo sich die gesamte deutsche Wirtschaft auf einem Weg durch einen Engpaß befindet. Es darf erwartet werden, daß die im vorigen Jahr in Angriff genommene Neugestaltung des deutschen Genossenschaftswesens eine neue Blüte dieses Organisationszweiges Her­vorrufen wird. Die Gründung eines kreditgenossen­schaftlichen Garantiefonds wird dafür sorgen, daß für die Spareinlagen, die Depositengelder und die Kontokorrentguthaben die Sicherheit erhöht wird. Es darf im genossenschaftlichen Ausbau keine Lücken, also keine Gegenden geben, in denen das Genossenschaftswesen gegenüber anderen Gegenden des Reiches zurückgeblieben ist. OOas Genossen­schaftswesen ist auf dem Grundsatz der Selbstbilfe aufgebaut und entspricht daher im besonderen Maß dem wirtschaftlichen Geist, den der Nationalsozialis­mus auf feine Fahne geschrieben hat und den er bei den wirtschaftenden Deutschen zu verbreiten und vertiefen sucht. Cr.

Der Mchsfilianzmimsier auf dem Genoffenschaflstag.

Berlin, 26. Okt. (Fwd.) Der Reichsminister der Finanzen Graf Schwerin von Krosigk wies in einem Vortrag auf dem Deutschen Genos­senschaftstag auf den Wert des genossenschaftlichen Grundsatzes des Einstehens aller für einen und eines für alle hin. Die Bedeutung dieser genossenschaft- ttchen Schicksalsgemeinschaft könne man daran er­kennen. daß von 14^2 Millionen Menschen, die nach der Zählung von 1933 in Industrie, Handel und Handwerk beschäftigt seien, reichlich 9 Millionen in Betrieben bis zu 50 Personen und annähernd sechs Millionen in Betrieben ihr Brot finden, in denen sogar nur bis zu 5 Personen tätig seien. Auch der Staat sei eine Schicksalsgemeinschaft, in der einer für alle und alle für einen einzutreten batten. Dieser Grundsatz sei in der Finanz- und Wirtschaftspolitik nach der Machtergreifung ver­wirklicht worden. Es gebe keine isolierte Finanz­politik mit rein fiskalischer Zielsetzung mehr, son­dern nur eine Finanzpolitik, die im Rahmen der allgemeinen Staats» und Wirtschaftspolitik d e m Allgemeininteresse Rechnung trage. Das notwendige Haushalten mit den verfügbaren Kräf­ten führe zu einer Zuteilung des Rohstoff-, Arbeits­und Kapitaleinsatzes nach Maßgabe der Dringlich­keit. Jede Vergeudung, wie sie in dem gedanken­losen Derderbenlassen im einzelnen Haushalt wie m Fehlinvestitionen in der Wirtschaft zum Aus­druck kommen, fei nicht zu verantworten. Deshalb fei auch weiterhin eine einheitliche Kapital-

k.u n g nicht zu entbehren. Kredit solle nach Möglichkeit dem gewährt werden, der in seiner Person die Gewähr für bi e richtige V e r- wendung im Sinne der Ziele der Staatsfüh- rung gebe. Der beste Weg, um Forderungsverluste

unentwegten Querschüsse dcls Sowjetvertreters in diesem Lärm nahezu untergehen.

Sehr nebelhaft und verdächtig ist das alles, und man muß sich fragen, wie denn die britischen Mit­telmeerinteressen aussehen, die eine solche Politik auslösen. Liegen sie am Ende in jener Richtung, in die das seltsame Wort Herrn Edens wies, daß für England auch die Außenpolitik der künftigen spanischen Regierung nicht gleichgültig sein könne? Das hätte wenig mit einer berechtigten Interessen­vertretung, um so mehr aber mit einer Anmaßung Zu tun, die offener Einmischung gleichkommt und auf das genaue Gegenteil der Gleichgewichtspolitik hinausläuft, die man in London und Paris so gern im Munde führt. Von solchen Voraussetzungen her wird sich auch jener Ausgleich mit Italien kaum finden lassen, an dessen Notwendigkeit der britische Premierminister jetzt wieder einmal erinnert hat.

Ebenso dunkel wie die Entwicklung der Dinge um Spanien und Mittelmeer erscheint auch die Behand­lung der f e r n ö ft I i d) e n Frage. Die nach Brüs­sel einberufene Neunmächtekonferenz ist wohl mehr der Ausdruck allgemeiner Ratlosigkeit als zislbewußten Handelns. Anfänglich hörte man jedenfalls in der internationalen Presse viel stär­kere Töne. Von einem Zusammenschluß der drei großen Demokratien" war die Rede, die in Wahr­nehmung ihrer ostasiatischen Interessen China gegen den japanischen Angriff schützen würden. Inzwischen ist man wesentlich zurückhaltender geworden, nicht zuletzt auch in den Vereinigten Staaten, von denen

Ungarn.

Die politische Linie des Kabinetts Daranhi.

Budapest, 26.Okt. (DNB.) Ministerpräsident Daranyi führte auf einer Konferenz der Regie­rungspartei aus, daß die Regierung mit aller Ent­schlossenheit gegen jede politische Aktion vorgehen werde, die mit raffiniert verschleierten Zielen und Mitteln arbeite, um die öffentliche Meinung des Landes zu verhetzen. Die Regierung fei entschlossen, auf gesetzmäßigem Wege gegen die erpresse­rische Winkelpresse und gegen hetze- rifd)e Flugschriften einzuschreiten. Die Re­gierung werde es nicht mehr zulassen, daß ein die nationalen Interessen schädigender Radikalismus sich breit mache und daß die Richtung der Regierungs-

Hn^er dein Vorwand des Kampfes gegen den Radikalismus auch nur um Haaresbreite nach links verschoben werde. Andererseits werde sie auch den Bestrebungen politischer Dilettanten und Phan­tasten entgegentreten. Es erscheine auf keinen Fall erwünscht, daß durch Aufrollung der Re- £au ration sfr a g e überflüssige und für das Volk schädliche Gegensätze geweckt werden

Daranyi verwies auf die friedlichen Erklärungen die in Berlin von den verantwortlichen Führern zweier Großmächte abgegeben wurden. Diese Er­klärungen, an deren Aufrichtigkeit nicht gezweifelt werden könne, dürften mit Recht als ein günstiges Anzeichen dafür betrachtet werden, daß die den

Weltfrieden gefährdende Krise überwunden werde. Die Schaffung des erstrebten normalen Verhält­nisses mit den Nachbar st aaten könne nicht erreicht werden, so lange nicht in den von Un­garn abgetrennten Gebieten eine Besse­rung des Schicksals der ungarischen Minderheiten eingetreten sei. Der Erfolg der Verhandlungen hänge somit davon ab, ob sich die betreffenden Staaten dazu entschließen würden, gegenüber ihren Minderheiten ein Verhalten zu zeigen, das diesen eine bessere Zukunft gewährleiste.

Neue Zusammenstöße in Marokko.

Paris, 27. Okt. (DNB. Funkspruch.) In Ma­rokko kam es am Dienstag trotz der von den Be­hörden getroffenen strengen Maßnahmen erneut zu Kundgebungen und Zusammenstößen. In C a -

f a b I a n c a entwickelte sich ein heftiger Zusammen­stoß, als einige hundert Eingeborene bei einem Um- zutz von der Polizei in der Nähe des jüdischen Friedhofes aufgehalten wurden. In Rabat schritt die Polizei zur Verhaftung von drei Eingeborenen, die einige Kaufleute zwingen wollten, ihre Läden zu schließen. Man mißt besonders der Verhaftung eines (Eingeborenen Bru Ayad in Fez große Bedeutung bei, der englischer Untertan ist und dessen Einfluß auf den marokkanischen Ak­tionsausschuß sehr groß gewesen sein soll. Aus be­schlagnahmten Dokumenten der verhafteten marok­kanischen Führer soll sich ergeben haben, daß die nationalistische Bewegung der panarabischen Bewegung angehöre, die die Wiederaufrichtung des muselmanischen Reiches zum Ziele hat.

Ware und Kredit.

Ein Nachwort zum Genossenschaftstag.

Am Montag und Dienstag ist in Berlin der . 72. Deutsche Genossenschaftstag abgehalten worden. ; T)Ve Warengenossenschaften und die Kreditaenossen- schäften haben je einen halben Tag in Anspruch genommen, und am Dienstag hat der Präsident des Deutschen Genossenschaftsverbandes Dr. von Ren­teln über allgemeine Genossenschaftsfragen gejpro» chen. Auf der Tagung der Warengenossenschaften ist der (Einbau der Einkaufsgenossenschaft f e n in die ständische Gliederung der gewerblichen Wirtschaft als erforderlich bezeichnet worden. Es gilt hierbei einen alten Gegensatz zu überbrücken, der zwischen dem Großhandel auf der einen Seite und den Einkaufsgenossenschaften auf der anderen Seite besteht. Der Großhandel hat stets für sich geltend gemacht, daß er die größere Warenkenntnis und Markterfahrung besitze und daß er daher'auf die Dauer preiswerter liefern könne als die (£in= kaufsgenoffenschaften. Weiter macht der Großhandel für sich geltend, daß er den einzelnen Fall, also den an ihn ergehenden Auftrag, individueller behandeln könne als eine Einkaufsgenossenschaft, die allen ihren Mitgliedern gegenüber gleichmäßig verfahren müsse. Die Einkaufsgenossenschaft, die selbst keine Gewinne erzielt, stellt dagegen den gesamten Geschäftserfolg in den Dienst der Mitglieder. Es handelt sich hier also um zwei Prinzipien, von denen jedes günstige Umstände für sich anführen kann. Wie auf so vie­len anderen Gebieten der Wirtschaft, so wird auch der Ausgleich zwischen Großhandel und Einkaufs­genossenschaften auf einer mittleren Linie erfolgen müssen. Die wirtschaftliche Lage zwingt Deutschland, den Unkostenstand so tief wie möglich herabzu­drücken. Wenn beide Formen der Warenverteilung, der Großhandel und die Einkaufsgenossenschaften, auf einer gerechten Grundlage miteinander wett­eifern können, so wird das einer Senkung des Un­kostenstandes nur dienlich sein können.

Umfassendere Bedeutung als' die Einkaufsgenossen­schaften haben auch heute noch die Kreditge­nossenschaften. Da diese Genossenschaften ihre Mittel von den Mitgliedern beziehen, mußten sie in eine schwierige Lage geraten und ihren Geschästs- umfang einschränken, als das Handwerk nach dem Kriege in Verfall geriet und dem Großgewerbe immer mehr Boden überlassen mußte. Die Wieder­herstellung einer gesunden Grundlage für das Handwerk war also gleichzeitig die Wiederherstel­lung der Arbeit der Kreditgenossenschaften. Der jetzt in Berlin erstattete Bericht verzeichnet einen Zu­gang an Mitgliedern bei den Kreditgenossenschaften allein an Handwerkern um rund 8000. Wenn auf der einen Seite die Wiederherstellung erträglicher Lebensbedingungen für das Handwerk den Kredit­genossenschaften zugute kam und ihnen die Kredit­gewährung erleichterte, so ist auf der anderen Seite der Kreditbedarf des Kleingewerbes und Einzel­handels mit der Wiederbelebung der Wirtschaft be­trächtlich gestiegen. Auf der Berliner Tagung ist es als Hauptaufgabe des genossenschaftlichen Kredits bezeichnet worden, Einzelhandel, Hand- werk und Kleingewerbe von den teuren Lieferantenkrediten zu erlösen, die wesent­lich dazu beigetragen haben, die Wettbewerbsfähig­keit der Mittel- und Kleinbetriebe gegenüber den Großbetrieben zu verringern. Es ist 'in der Tat ein schöner Erfolg, daß den Kreditgenossenschaften von Mitte 1936 bis Mitte 1937 neue Mittel im Betrage von etwa 156 Millionen Mark zugeflossen sind, und daß das Kreditvolumen seit 1934 eine Ausweitung um rund 160 Millionen Mark er­fahren hat.

Zum Schluß der Tagung sind ernste Worte über die wirtschaftliche (Einteilung des Kleingewerbes gesprochen worden. Der Prä­sident des Deutschen Genossenschaftsverbanües Dr.

tische Regierung, die 'Straßenbauten in Richtung auf Libyen stark zu beschleunigen und die während des abessinischen Konfliktes bereits errichteten Feld­befestigungen an der Westgrenze neu instand zu setzen. In den letzten Wochen war der englische Marineminister Duff Cooper in Alexandrien, gleichzeitig mit dem englischen Generalgouverneur des Sudans, Symes, um mit den Aegyptern eine verstärkte Sicherung des Sudans zu beraten. |cme jujiueie u/cunupuiyunu uu, uen öuoan legte, Dieses Kapitel ist nicht uninteressant. Einmal jetzt die Aegypter höflich einladen muß, Truppen haben die Engländer bisher die Ausrüstung der | nach eben diesem Sudan entsenden zu wollen. ~