187. Jahrgang
Gießener Anzeiger
4
3F
e 5
naumonarchie wohl dreiviertel ihres Absatzmarktes verloren. Aber die tschechische Politik hat nicht nur nicht das geringste getan, um für diesen Ausfall einen Ausgleich zu schaffen, sie hat vielmehr mit aller Konsequenz darauf hingearbeitet, die sudetendeutsche Wirtschaft zu zerstören, weil sie darin die stärkste Waffe in ihrem Volkstumskampf sieht, dessen letztes Ziel die Verwirklichung des Nationalstaatsgedankens ist. Die Agrarreform, die ursprünglich als berechtigte soziale Maßnahme gedacht war, sich aber bald als nationalpolitische erwies, um den deutschen Lebensraum einzuengen, zerschlug den deutschen Großgrundbesitz durch Beschlagnahme von 700 000 Hektar deutschen Bodens, aber deutsche Siedler wurden nicht einmal in bescheidenstem Umfang angesetzt. „Ohne Bodenreform", so stellte 1925 der damalige Präsident des Prager Bodenamts mit erstaunlicher Offenherzigkeit fest, „hätte sich weder ein tschechischer Bauer, noch das tschechische Kapital der Zuckerindustrie bemächtigen können." Der sudetendeutschen Industrie entzog man ihre Lebenskraft, indem man 1919 die Einlösung der Kriegsanleihe und der Nüstungskredite verweigerte und ihr Staatsaufträge nur überschrieb, wenn sie sich verpflichtete, tschechische Arbeiter einzustellen. Don den Ausgaben aus dem Staatshaushalt, zu dem das Sudetendeutschtum rund 40 v. H. beiträgt, werden 80 v. H. den Tschechen zugeschanzt. So sind z. B. von 19 Millionen Kronen an Bauaufträgen in der rein deutschen Stadt Eger nur 125 000 Kronen an sudetendeutsche Firmen vergeben worden. Gleichzeitig wurde mit allen Mitteln die Errichtung neuer Industrien im Innern des Landes gefördert und in tschechische Hände gelangte Betriebe nach dem Innern verlegt. Das alles hat zusammengewirkt, die Zahl der Arbeits
losen im sudetendeutschen Gebiet in erschreckendem Maße in die Höhe zu treiben. Von tausend Einwohnern sind 77,9 arbeitslos, in den tschechischen Gebieten aber nur 28,6. Da das Deutschtum nicht nur in allen öffentlichen Aemtern und im Heeresdienst von den Tschechen zurückgedrängt wird, sondern auch bei allen öffentlichen Arbeiten Tschechen sogar aus weit entfernten Gegenden herangeholt werden, um den Deutschen ihren Arbeitplatz zu rauben, können diese nur noch für Hungerlöhne Beschäftigung finden, wenn sie nicht hoffnungslos aus dem Wirtschaftsprozeß ausgeschaltet worden sind. Die Folgen sind Unterernährung, Hunger, Krankheit und Elendsquartiere. In Brüx stellte die amtliche Beratungsstelle eine Zunahme der Lyrnph- drüsenkrankheit unter den Kindern um 36 v. H., von Tuberkulose um 42 v. H., von Englischer Krankheit um 200 v. H. fest. In Dittersbach waren 80 v. H. aller Kinder unter Normalgewicht. In nordböhmischen Zeitungen wird vor dem unbefugten Schlachten von Hunden und Katzen gewarnt.
Den Höhepunkt erreichte die Tschechisierungs- politik mit dem berüchtigten Staatsverteidi- gungsgefetz vom Mai vorigen Jahres, das 80 v. H. des Sudetendeutschtums weitgreifenden und ganz willkürlich gehandhabten Eigentumsbeschränkungen unterwirft und unter dem Vorwand nationaler Unzuverlässigkeit zur Räumung der Grenzzone von allem, was deutsch ist, die Handhabe bietet. Unter dem Druck der öffentlichen Meinung des Auslands hat nun endlich die Prager Regierung auf eine Denkschrift geantwortet, die ihr von den sogenannten sudetendeutschen Regierungsparteien zugegangen ist. Aber die Versprechungen, die sie macht, beschränken sich lediglich auf einige Verwaltungsmaßnahmen, wobei nach der bisheri-
"Ü
ÜCP
*p
5
CD
5
?
gen Praxis es als sicher angenommen werden darf, daß die unteren Instanzen schon dafür sorgen werden, diesen Maßnahmen ihre Wirkung zu nehmen. So hat die Regierung z. B. versprochen, künftighin bei der Ausnahme in den Staatsdienst den nationalen Bevölkerungsschlüssel berücksichtigen zu wollen. Aber sie macht die Aufnahme von der Voraussetzung abhängig, daß der Bewerber seine „vollständige Loyalität" gegenüber dem tschechoslowakischen Staat unter Beweis gestellt habe. Als „Beweis" wird man vermutlich das Parteimit- gliedsbuch heranziehen und damit die große Masse der hinter der Sudetendeutschen Partei Konrad Henleins stehenden Deutschen praktisch ausschalten, da diese Partei in Opposition zur Regierung steht. Es ist ja ohnehin seltsam genug, daß die Prager Regierung es peinlich vermieden hat, mit der Sudetendeutschen Partei als der stärksten Partei des Landes überhaupt, sich in eine Aussprache darüber einzulassen, was das Sudetendeutschtum zur Sicherung seiner Rechte fordert. Stattdessen hat man zu Partnern dieser Verhandlungen Vertreter von Parteien herangeholt, die heute nur noch einen geringen Bruchteil des Sudetendeutschtums hinter sich haben. Nach allem, was bisher geschehen ist, wird man von den neuerlichen Versprechungen der Prager Regierung solange nicht viel zu halten haben, bis ihnen nicht endlich Taten gefolgt sind. Fr. W. L
Hodza will wieder aulmachen.
London, 26. Febr. (DNB.) In einer Unterredung mit dem Berichterstatter des „Daily Telegraph" befaßte sich der tschechoslowakische Ministerpräsident H o d z a mit den neuen „Zugeständnissen" der tschechischen Regierung an die deutschen DJlim
nicht alle in Frage kommenden zuständigen Instanzen ihre Entscheidung gefällt hätten. Wenn man von jenen absehe, die ohne jeden triftigen Grund Vorteile für sich herauszuschlagen suchten, so spreche aus den Zuschriften aller, die sich mit ihren Sorgen und Nöten an den Führer wenden zu können glaubten, nichts anderes als grenzenloses Vertrauen. Es sei allerdings naiv, zu glauben, daß sich der Führer mit jedem Einzel- schicksat persönlich befassen könne. Denn jeder auch „nur fünf TttinufetT persönlich mit ihm sprechen wollte, so würde der Führer 700 Iahre brauchen, um nichts weiter zu tun, als die 70 Millionen Volksgenossen je fünf Minuten anzuhören.
Von dem Umfang der Kanzlei, die sich in ein Verwaltungsamt, ein parteipolitisches Amt, ein Sozialamt und ein Amt für Gnadensachen gliedert, zeugen folgende Zahlen: Es gehen in der Kanzlei des Führers einschließlich der Privatkanzlei t ä g- lich normalerweise mehr als 1000, bei besonderen Anlässen mehr als 2000 Schreiben ein. Die tägliche Besucherzahl schwankt zwischen 125 und 150. Einen breiten Raum widmete Reichsleiter Bouhler den Arbeiten des A m t e s f ü r Gnade n s a ch e n, wobei er hervorhob, daß es als abwegig und völlig zwecklos bezeichnet werden müsse, wenn jeder, der rechtskräftig verurteilt worden fei, ein Gnadengesuch an den Führer richte. Nur außergewöhnliche Umstände und besonders begründete Gesuche hätten Aussicht auf Erfolg.
LPD. Frankfurt, 26. Febr. Im Frankfurter Römer fand eine Tagung des Beirats des Deutschen Handwerks statt. Der Beirat ist das beratende Organ der Spitzenführung des Handwerks und besteht aus fünf handwerklichen Betriebsführern, fünf im Handwerk tätigen Gefolgschaftsmitgliedern und zwei Vertretern des Hauptamtes für Handel und Handwerk.
Oer Leiter Deutschen Handwerks, pg. Paul Malier
gab einen Ueberblick über die augenblickliche Lage im deutschen Handwerk und erörterte die von Dr. Ley im November vorigen Jahres dem Reichs- wirtschaftsministerium gemachten Vorschläge. „Wir wollen", so erklärte Pg. Walter, „als regional untersten Führer den Kreishandwerkswal- t e r mit neuem Leben erfüllen. Er ist der Mittelpunkt des handwerklichen Lebens. Hierbei ist eine gewisse Trennung zwischen den Großstädten mit ihren vielen Ortsgruppen und dem flachen Lande zu machen. Die Ortsgruppen auf dem flachen Lande oder in der Kleinstadt sind die üblichen in Deutschland. Zur Durchführung seiner Ausgaben steht dem Handwerkswalter eine örtliche Handwerkerwerkschar zur Verfügung. Sie ist die Repräsentationstruppe des Handwerks auf dem flachen Lande und hat die Aufgabe, den Ortshand- werkswalter bei feinen Arbeiten zu unterstützen. Das sind: sämtliche geselligen Veranstaltungen des Handwerks im Ort, der Vertrieb von Plaketten zum Handwerkertag, das Anbringen von Plakaten zu den Handwerkertagen usw. Der Reichsorganisationsleiter hat angeordnet, ein Schild für den Orts- handwerkswalter zu schaffen, ähnlich wie beim Ortsbauernführer auf dem Lande.
Die Kreisgewerke haben andere Aufgaben als der Ortshandwerkswalter. Sie haben die B e - rufswettkämvfe durchzuführen; sie sind der gesellige Mittelpuni öes Fachs des Handwerks und werden Meister, Gesellen und Lehrlinge umfassen. Der Reichsorganisationsleiter hat die Absicht, mit der Zeit in jeder (Stabt ein Handwerker- Haus zu gründen, das gleichzeitig der gesellige Mittelpunkt ist und dem Handwerk die Möglichkeit gibt, die wandernden Gesellen aufzunehmen, Förderlehrgänge abzuhalten usw.
Der Gesellenwettkampf ist eine Ergänzung zu dem M e i st e r w e 11 k a m p f, der in diesem Jahre zum ersten Male ausgetragen wird. Im Spätherbst wird dann ein Gesellenwettkampf starten. All diese Veranstaltungen haben den ausgesprochenen Zweck, eine Leistungssteigerung im Handwerk herbeizuführen. Der von der Stadt Frankfurt geplante Bau zur Aufnahme der Handwerkereinrichtungen soll die schönsten Stücke dieser Wettkämpfe aufnehmen. Die Aufgaben für den Gesellen-Wettkampf werden am 1. Oktober fertig fein. Die Meisterwettkämpfe dagegen erfolgen ohne Aufgabenstellung. Hier wird nichts vorgeschrieben, der Meister liefert ein Stück nach seiner eigenen Schöpfung, Begabung und seinem eigenen Können. In den kommenden Jahren wird beim Reichsberufswettkampf der Gesellen- und Meisterwettkampf zu gleicher Zeit abrollen. Die Sieger werden dem Führer vorgestellt werden.
Es ist daran gedacht, die Ausscheidungen für die Gesellenwettkämpfe in den einzelnen Kreisen durchzuführen. Die besten Stücke werden dann auf dem Kreis - Handwerkertag ausgestellt. Auf dem Kreis-Handwerkertag soll sich auch alles, was sonst im Handwerk vor sich geht — Verleihung der Hakenkreuzfahnen des Handwerks, Freisprechung
5 *
s 2
Das Handwerk als Vorbild eines neuen Arbeiiseihos
Reichsorganisationsleiter Dr. Ley vor dem Beirat des deutschen Handwerks in Frankfurt.
dem neuen Arbeitsethos ein Vorbild zu geben. Es ist viel leichter, über eine Gesellschaftsordnung zu einer Sozialordnung zu kommen, als über eine Sozialordnung zu einer Gesellschaftsordnung. Die wertvollen Kräfte in der Gesellschaftsordnung des Handwerks: der Arbeits stolz und die Arbeitsehre müssen unter allen Umständen erhalten bleiben. Deshalb werde ich auch alles, was in meinem Aufruf angekündigt worden ist, in die Tat umfetzen.
Darüber hinaus habe ich mif dem heutigen Tag zwei neue Maßnahmen angeordnet:
1. Bei den Rechtsberatungsstellen der D A F., die um das Doppelte vermehrt werden, find Steuerberatungsstel- l e n zu errichten, die besonders auch dem Handwerk zur Verfügung stehen.
2. Der Bau des Hauses des Handwerks in Frankfurt a. 21L wird sofort in Angriff genommen.
Dann ging Dr. Ley eingehend auf die Fragen der Berufsberatung und Berufserziehung ein. Er schloß mit der Feststellung, daß der von ihm aufgezeigte Weg dank der dem Werk Adolf Hitlers innewohnenden Kraft den für das Volksganze notwendigen Fortbestand des Handwerks gewährleistet. — Die Versammlung, an der auch Gauleiter Sprenger und Gauobmann der DAF. Becker teilnahmen, dankte Dr. Ley, worauf eine Aussprache stattfand, an der sich die Beiratsmitglieder rege beteiligten.
Volk und Führer.
Reichsleiter Bouhler über die Aufgaben der Kanzlei des Führers.
e ■
3
I
?
e*« Kc.'r
£ o c 2.2-3I'-:
2 • L
5 op
C<S Öl 2-5;ci p 3 ”, Sä___y»;
der Lehrlinge usw. — gemeinsam mit einer Großkundgebung und einem Volksfest abrollen. Der Kreis ist die Stelle, wo jeder Meister und Geselle das Leben seines Berufsstandes in Augenschein nehmen kann. Den Abschluß dieser Kreishandwerkertage bildet bann ber Reichshanbwerkertag in Frankfurt, ber bie Parole für bas neue Jahr ausgibt."
Reichsorganisaiionsleiier Dr. Ley
führte barauf u. a. aus: „Die Führung eines Volkes muß bieses Volk immer roieber mit neuen Impulsen erfüllen, sie muß bie Probleme anfassen und sie lösen. Dieses Recht ber Menschenführung steht nach dem Willen bes Führers einzig ber Partei zu. S)at bie Partei bas Problem — allgemein gesehen — gelöst, bann muß ber Staat bas Erreichte für bie Jahrhunderte sichern. Die Aufgabenteilung zwischen Partei unb Staat ist also vollkommen klar.
Aus biejen Erwägungen kann die Partei auf bie Menschenführung auch im Hanbwerk niemals verzichten. Das Handwerk soll man nicht allein von ber wirtschaftlichen, sondern vor allem von ber weltanschaulichen Seite her erhalten unb förbern. Es ist grunb falsch, eine hanbwerkliche Institution als reine Schutzmaßnahme aufzurichten, nur mit dem Ziel der Verfolgung rein wirtschaftlicher Interessen. Es ist auch grundfalsch, das Handwerk gegen bie Jnbustrie ober umgekehrt die Industrie gegen bas Handwerk auszuspielen. Ebenso falsch ist es zu glauben, daß man bas Hanbwerk irgendwie ersetzen könne. Wir müssen den Begriff des Handwerks durch die Partei sicherstellen, um
t 2. Cftn h ■» 22Z3-S ä & ® C/gS
□ "jx 3 * 2 61
- S a, 1.8 er
II
2 0 r! C " >
SQ ö
-ZZSk-B
Slldelendmlsches Schicksal.
Ls ist nicht von ungefähr, daß sowohl bie inne- tc. Verhältnisse ber Tschechoslowakei wie [he Außenpolitik immer wieder im Brennpunkt -ö Interesses des Weltöffentlichkeit stehen. Lorb Hthermere, ber Beherrscher ber Londoner „Daily fßiil", ber besser als bie meisten seiner Lands- Htitt bie Probleme des jübosteuropälichen Raums zu eigen gemacht hat, hat erst vor kurzem auf hingewiesen, daß bie Friebensmacher von rsailles mit ber Tschechoslowakei ein Gebilde chaffen haben, bas am deutlichsten bie Merkmale
Verlegenheit, Grundsatzlosigkeit und Unfähigkeit er Väter an ber Stirn trage. Wie dieser neu- atfene Staat nach außen hin seine Sicherheit im jten Anschluß an Frankreich unb an bie mit in ber Kleinen Entente zulammengeschlossenen, den Trümmern ber Donaumonarchie groß geästen Reiche ber Rumänen unb Südslawen gte, so hat ihn in bem anberthalb Jahrzehnt nes Bestandes dieses Anlehnungsbedürfnis nicht 'lassen. Das Militärbündnis mit der Sowjet- :on hat die Tschechoslowakei als unbeirrbaren folgsmann seines französischen Protektors ge- gt, aber auch als hartnäckigsten Vertreter eines itischen Systems, das erfunden worden ist, um ropa in bem Zustand nervöser Unruhe unb annung zu erhalten, ber eine vorurteilsfreie, trauensvolle und verftändrgungsbereite Aus- ache zur Beseitigung ber vielerlei Reibungs- mente und Herstellung einer Basis für eine auf enfeitige Achtung ber nationalen Bebürfnisse geendete Zusammenarbeit unmöglich macht, ohne namentlich im Donauraum ein friebliches Ne- leinanberleben ber Nationen und ein gesunder rtschaftlicher Aufbau nicht denkbar ist.
Daß grabe bie Tschechoslowakei sich so hartnäckig .'n gesunden Regungen entgegenstemmt, die auf en politischen unb wirtschaftlichen Ausgleich im iboften hinzielen unb sich gleichzeitig aus ben jährlichen Verstrickungen zu losen suchen, bie bas r Paris und Moskau gesponnene Netz für alle laaten des Südostens bebeuten muß, ist zu einem Dßen Teil auf bas schlechte Gewissen ber tschecho- wa lisch en Staatsmänner zurückzuführen, die es i'lang noch nicht für nötig befunden Haben, die ohen inneren Probleme ihres Laubes ernsthaft vzupacken, benn bie sture Verkennung ber großen Mischen Möglichkeiten, die in einer gerechten unb tinünftigen Lösung ber Nationalitäten- fage liegen, ist bte stärkste Hemmung eines üßenpolitischen Kurswechsels in Prag. Wenn bie Jäter der Tschechoslowakei bie Existenzberechtigung ires Staates gern mit bem Hinweis auf bie öhweiz zu beweisen versuchen, und ihn mit Vorliebe als Musterbeispiel der wahren Demokratie bezeichnen, so ist ihre Nationalitätenpolitik in allen Vinften ben Beweis bafür schulbig geblieben, daß iran in Prag einen ehrlichen, allen im tschechoslowakischen Staat zusammengeschlossenen Nationali- icen gerecht roerbenben Ausgleich aufrichtig all. Schon bie Bezeichnung ber Tschechoslowaken „Staatsvolk" ist irreführend, benn bie Slo - woken wehren sich entschieben gegen diese Vermaschung unb führen mit ber im Prager Parla- tent mit 22 Adgeorbneten vertretenen Slowaki- sljen Volkspartei bes Paters Hlinka einen erbit- irten Kampf um ihre nationalen Rechte gegen bie kterbrückungspolitik bes tschechischen Brudervolkes, läd eine zweite, die Grundlage ber tschechoslowa- kchen Nationalitätenpolitik erschütternbe Jrrefüh- nng ist es, bas Subetenbeutschtum als »otionale Minberheit" zu bezeichnen und zu be- : Rubeln. Von ben 14,7 Millionen Einwohnern bes Geckoslowakischen Staates find 3,2 Millionen Rutsche. Fast 90 v. H. von ihnen wohnen in vier geschlossenen beutschen Sprachgebieten, bie insgesamt M einer Flächenausdehnung von rund 25 000 Riabratfilometer ber Große ber Rheinprovinz ent- ! Ired)en. Das Sudetendeutschtum, jahrelang analog ff den Verhältnissen im Reich politisch in unzählige fr ine unb sich einanber bis aufs Messer besehbende Arteten zersplittert, hat nun enblich in der S u - frtenbeutschen Partei Konrad Henleins ifne kraftvolle politische Vertretung gefunden. In den Maiwahlen 1935 ist es ihr gelungen, 70 v. H. des Sudetendeutschtums hinter sich zu bringen und nit 44 Abgeordneten in das Prager Parlament einzuziehen, in bem sie nur einen Sitz weniger inne M als bie stärkste Fraktion, bie Tschechischen Agra- r‘-t. Die politischen Mißerfolge ber alten beutschen Parteien, bie zwar zu einer Beteiligung an ber ^-flierung zugelassen worben waren, aber mit Mforts abgespeist würben, bie sie zu völliger Ein- ^ßlostgkeit verurteilten, waren ber Subetenbeut- jjen Partei eine Warnung, sich auf ben gleichen <cg zu begeben. Ohne andere Bindungen als an ”5 suoetendeutschen Interessen unb an bie Loyali- frt zum tschechoslowakischen Staat kämpft die Par- fr Konrab Henleins mit Zähigkeit unb Energie um :®"ie „grunbsätzliche Regelung", die sie in ber Gewährung einer Autonomie sieht, bie bem Sudeten- dmtschtum erlaubt, im Rahmen bes tschechoslowa- k chen Staates, aber gesichert vor Unterdrückung
Aushungerung burch ben tschechischen Chauvinismus, ihre reichen kulturellen unb wirtschaft- lchen Kräfte ungehindert zu entfalten.
Die Subetenbeutsche Partei hat bafür Sorge frttragen, daß endlich auch die Weltöffentlichkeit frmntnis nehmen mußte von der erschütternden ^ttschaftlichen Lage des Sudetendeutschtums. In JIQg Pflegt man sich mit ber allgemeinen Wirt- ciaftskrisis zu entschulbigen, bie für bas tschechoslowakische Staatsgebiet noch burch bie politische VLuorbnung im Donauraum unb bas damit verladene Auseinanderreißen engverflochtener und Meinanber angewiesener Wirtschaftsmärkte bop- । f it spürbar sei, unb tatsächlich hat auch bie sube- r-nbeutsche Industrie burch bie Auflösung ber Do-
vZZ-k-gK!
O g-tP cP
trftes Blatt ,87. Jahrgang Samstag, 27. getarnt 1957
SSflLXA*tAü Sl***At AAM eimaiimDilb D,e Scholl. ® H M 'Ä H ll H Ä W W Grundpreise für I mm höhe
monals:Bc$ugsprets Q ■ HA WJf B H WX B W B W W B X B ffl B fi X B für Anzeigen von 22 mm
plil 4 Beilagen RM.L.9S HV IIk H bBT B H « B / H IH H W B Breite 7 Rps.. für Text-
hhne Illustrierte . 1.80 ® H H EwL B H WBk B Jaak. B B Bk. B B B anzeigen von70mm Breite
Zustellgebühr .. -.25 Wr H W W Ay B Bk W VV W 50Rpf.,Platzvorschrist nach
lud) bei Nichterscheinen fl e! vorh Vereinbg.25°^ mehr.
VX GF -rmählgle «tunOptetfe:
WM General-Anzeiger für Oberhessen
l,anmirtf?m Main 1168s vru» uni) Verlag: vrühl'sche UniverfitStr Such- und Steindruckerei R. Lange in Gietzen. Schristleitung und Seschästsftelle: Schulftrahe 7 M-ng°nabWü^Staff^8
Berlin, 27. Febr. (DNB.) In ber Deutschen Hochschule für Politik sprach Reichsleiter Bouhler über bie Aufgaben ber Kanzlei bes Führers, beren Chef er ist. Es lag auf ber Hanb, baß ber Führer nach ber Erhebung von vielen Dingen, mit benen er sich bis bahin intensiv beschäftigt hatte, nun mit Rücksicht auf seine neuen Verpflichtungen entlastet werben mußte. Er berief alsbalb Rubolf H e ß zu seinem Stellvertreter in ber Führung ber Bewegung, so baß er sich nunmehr barauf beschränken konnte, in großen Zügen Richtlinien für bie Partei unb ihre Gliederungen zu geben. Dennoch würben an ben Führer persönlich in zunehmenbem Maße Parteiangelegenheiten herangetragen, bie seine eigene Entscheibung erforderten. Deshalb verfügte ber Führer im Herbst 1934 bie Einrichtung einer eigenen Partei- stelle in Berlin, bie neben ber Reichskanzlei unb ber Präsibialkanzlei sozusagen als bas Staatsfefretariat bes Führers für Parteiangelegenheiten wirken sollte. Dem Chef ber Kanzlei bes Führers würbe auch noch bie Privatkanzlei Abolf Hitlers unterstellt.
Der Kanzlei des Führers sei es in vielen Fällen möglich, ausgleichenb unb vermittel n b einzugreifen unb Volksgenossen aus verwickelten unb schwierigen Situationen herauszuhelfen. Dabei bürse man jeboch niemals übersehen, baß gewisse Gebiete, wie z. V. bie Unterslühnngssähe einer gesetzlichen Regelung unterlagen, beren Abänberung Ungerechtigkeiten anberen Volksgenossen gegenüber bebeuten würbe. Es sei überhaupt zwecklos, sich an bie Kanzlei bes Führers zu wenben, ehe
5Ö «LLZ
- - 2 8 C'p
I -
r3^
|S8«0|« bCSö
E: « j
b
I
» 2 ty 2.
r- «'S n f-s
R. S 2
I3
o n r‘ J $ • P tP o ; 5 2^|p
rM ;l - 5 23 llWt v
Mar ä
-^<3^ t',
"1
\<'ä 51 I
L 2
»RS
L.? 2-
*3 ' 2^5
0 33-? d
s H= 2
•*2,1


