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nach dem Zusammenstoß mit dem Anhänger ver­koppelt blieb, war es zu verdanken, daß dieser nicht umkippte und kein größeres Unglück entstand.

In der gestrigen Hauptverhandlung wandte der Angeklagte ein, die Strecke sei derart unübersicht­lich, daß er als Ortsunkundiger noch nicht einmal wahrgenommen Hobe, daß überhaupt dort ein Bahnübergang, vorhanden sei. Im übrigen sei nach der rechten Seite zu, aus der der Zug kam, die Hebersicht durch einen großen Garten und ein um diese Jahreszeit hochbestandenes Maisfeld derartig schlecht gewesen, daß er das Herannahen des Zuges nicht habe bemerken können. Außerdem sei das vor

dem Bahnübergang aufgestellte Warnungsschild voll­kommen unkenntlich gewesen. Infolge des Umstan­des, daß der Bulldogg einen geschlossenen Führer­sitz hatte, sowie durch das starke Motorengeräusch habe er die Pfeifsignale der Lokomotive, die, wie einwandfrei festgestellt wurde, abgegeben worden sind, nicht gehört. Ein Verschulden könne ihn daher nicht treffen. Da die gestrige Beweisaufnahme kein einwandfreies Bild ergab, ordnete das Gericht auf Antrag des Vertreters der Anklagebehörde und im Einverständnis mit dem Verteidiger einen Augen­scheintermin an. Die Sache wurde daher ausgesetzt.

Leder kämpfe mit im VOA.!

Vortrag im Vottsbund für das Deutschtum im Ausland.

Am gestrigen Donnerstagabend fand in der Neuen Aula der Ludwigsuniversität ein Vortrags­abend des VDA. statt, der sich eines guten Be­suches erfreuen konnte.

Der Leiter der Ortsgruppe Gießen des VDA., Kreisdirektor Dr. Lotz, hieß die zahlreich Erschie­nenen herzlich willkommen und begrüßte insbeson­dere die Vertreter der Partei, der Wehrmacht, an deren Spitze Generalleutnant Oßwald, ferner die Leiter und Lehrer der hiesigen Schulen und als Vertreter der deutschen Jugend, den NS.-Studen- tenbund, die HI. und den BDM. Die Grundlage der nationalsozialistischen Weltanschauung sei Deutschland, der deutsche Boden und das deutsche Volk. Heute gehe das Derbundenheitsgefühl der Deutschen aus den Grenzen heraus zu den Brü- dern und Schwestern, die in schwerem Kampf um die Erhaltung ihres deutschen Volkstums stünden. Kreisdirektor Dr. Lotz begrüßte dann den Redner des Abends, Pg. R i g e r l, der aus eigenem Er­leben den schweren Kämpf unserer Volksgenossen jenseits der Grenzen an einigen Beispielen auf­zeigen würde.

Pg. Rigerl, Bundesredner des VDA., ging zunächst aus den tieferen Sinn der Vortragsabende des VDA. ein und gab den Zweck und das Ziel dieser Vorträge bekannt. Er erklärte das völkische Selbstbewußtsein und sprach von der nötigen Auf­klärung, die im Reich zu erfolgen habe. Viel werde heute vom deutschen Volke gesprochen, aber was sei denn eigentlich das deutsche Volk? Das deutsche Volk sei keine bloße Summe von Staatsbürgern, sondern ein Volk eines Blutes, lieber 100 Millio­nen Volksgenossen umfasse das deutsche Volk, und in 21 verschiedenen Staaten und Ländern wohnen

deutsche Brüder. Nachdem das deutsche Volk sich wieder auf sich selbst besonnen habe und stark ge­worden sei, habe es bei den Gegnern sofort Haß geerntet. Die draußen lebenden Volksgenossen seien heute stolz auf ihr Mutterland und brächten gerne jedes Opfer für ihr deutsches Volkstum.

An Beispielen aus Oesterreich und aus dem Su­detenland schilderte der Redner dann die Gefühle unserer Volksgenossen jenseits der Grenzen und hob die hohe Bedeutung des Begriffs Deutschland drau­ßen, fern vom Mutterland, hervor. Der Kampf draußen sei immer völkisch gewesen, und Volksge­meinschaft sei schon immer draußen gepflegt worden. Im Reiche müsse man dankbar sein und richtig empfinden, welch großes Glück es sei, deutscher Staatsbürger zu sein. Jeder müsse den Kampf des Volksbundes für das Deutschtum erkennen und Mit­kämpfer für die Erfüllung des ersten Parteipro­grammpunktes werden.

Am Schluß seiner interessanten Ausführungen kam der Redner noch auf die Entwicklung des Volks» bundes zu sprechen und hob besonders die heutigen großen Aufgaben hervor. Der RufDeutschland er­wache!" sei auch über die Grenzen gedrungen und habe dort starken Widerhall gefunden. Sein Schluß­wort war ein Appell zur Mitarbeit im VDA.

Kreisdirektor Dr. Lotz dankte dem Vortragen­den für seine eindrucksvollen Ausführungen und unterstrich nochmals die Pflichten, die wir als deutsche Volksgenossen zu erfüllen haben. Hoffent­lich werde die Zahl der Streiter im VDA. wachsen, um die vom Führer gestellten Ziele zu erreichen. Mit dem Sieg-Heil auf den Führer wurde der Abend geschlossen.

Die Mithilfe der Iran in der Kolomalarbeit.

Vortragsabend des Neichskolonialbundes.

Im Zeichen des Advents stand der Vortrags­abend der Ortsgruppe Gießen des Reichskolonial­bundes am aestrigen Donnerstag imBürghof", der sehr gut besucht war.

Frau Mac Lean (Wiesbaden), die in Südwest- asrika war und ihre Eindrücke in schöner Weise wiederzugeben verstand, sprach über die Mithilfe der Frau in der Kolonialarbeit. Schon Dr. Peters fand in F. v. Bülow eine Frau in Südwest vor, die dort eine Krankenstation errichtet und gegen das Malariafieber gekämpst hatte. Und eine zweite tapfere Frau nannte die Rednerin, A. v. Liliencron, die in der Zusammenarbeit mit dem kürzlich ver­storbenen Gießener Universitätsprofessor Dr. Kuhn Außerordentliches in den Kolonien leistete. Sehr anschaulich schilderte die Vortragende die. segens­reiche Arbeit des früheren Frauenbundes, dem es zu verdanken ist, daß durch die nach den Kolonien vermittelten weiblichen Hausangestellten deutsche Familien gegründet wurden, die ein starker Hort des deutschen Volkstums wurden. Durch die im Lande geborenen Kinder entstanden die festesten und zuverlässigsten Blutsbande. Diese zu erhalten und zu festigen ist mit eine Aufgabe des neuen Reichskolonialbundes, der nicht nur das Volk mit dem kolonialen Gedanken erfüllen, sondern sich auch um die Volksgenossen in den Kolonien zu kümmern hat. Die Rednerin setzte dann die Arbeit ausein- anber, die die deutsche Frau dabei hat, die sich von der tapferen Farmersfrau nicht überbieten und diese nicht in ihrem Kampfe um das deutsche Wesen allein lassen darf. Für diese Arbeit bringt die Frau das Gemüt mit. In erster Linie besteht diese in der Erhaltung von Schulen und Schülerheimen. Zwei

neue Schulen sollen m Kürze erstehen und Zeugnis dafür ablegen, daß Deutschland seine Kolonisten nicht vergessen hat. Weiterhin soll in Kamerun ein Erholungsheim erstehen, in dem die zahlreichen Deutschen, namentlich die jungen kinderreichen Frauen, in mehr als tausend Meter Höhe Ent­spannung finden sollen. Es sollen weiter Stipen- dien für 70 Jungens und Mädels aus den Kolonien aufgebracht werden, die im Vaterland ihre Berufs­ausbildung erhalten werden, damit ihnen ihr Lebenskampf erleichtert wird und sie dem deutschen Volkstum erhalten bleiben. Und schließlich sollen weibliche Hausangestellte, die einmal Farmerfrau werden wollen, vermittelt werden. Darüber hinaus warb die Rednerin für die Weihnachtskiste und das Leseversandwerk.

Frau Hummel dankte der Rednerin unb er­munterte zur Werbung für die koloniale Arbeit. Zu diesem Zwecke soll auch im Sommer in Gießen eine größere Veranstaltung stattfinden. Ganz be­sonders warb sie um die Füllung der Weihnachts­kiste, die stets bis zum Juli jedes Jahres versandt­bereit sein muß. Für die Patenstelle eines Gebietes in der Nähe des Kilimandscharo fehlen vor allem Bücher und Zeitschriften. Es können solche sein, die im Haus gelesen werden, nur müssen sie regelmäßig monatlich zur Verfügung gestellt werden. Die Sammelstelle hat Frau Bickel, Kaiserallee 18, übernommen. Abschließend wies Frau Hummel auf die gute Zusammenarbeit des Reichskolonialbundes mit der NS.-Frauenschatt, dem Frauenwerk und dem VDA. hin und rief oie Frauen zur Mitarbeit auf.

Aus -er engeren Heimat.

Landkreis Gießen.

* Heuchelheim, 25. Nov. Als Abschluß der diesjährigen Hebungen wurden die hiesige Frei- willigeFeuerwehr und die P f l i ch t s e u e r- w e h r zu einer Nachtübung unverhofft alarmiert. Der Verlauf der Hebung kann als sehr gut bezeich­net werden, da trotz der weiten Entfernung des Brandobjektes vom Gerätehaus die Geräte in kür­zester Zeit löschbereit waren. Der gleichzeitig oorge­nommene Rettungsversuch mit der mechanischen Leiter klappte ebenfalls tadellos. Besonders hervor­zuheben ist, daß an der Hebung 85 freiwillige Feuerwehrleute teilnahmen. Anläßlich des 59jäh- rigen Bestehens der Wehr veranstaltete diese einen Kameradschaftsabend, zu dem u. a. der Kreisfeuer­wehrführer B o u f f i e r mit feinem Führerrat, Ver­treter der Wehren van Gießen, Lollar und Klein- Linden, sowie Ortsgruppenleiter W o b k e r und Bürgermeister Rinn erschienen waren. Nach Be­grüßung der Gäste und Kameraden durch Wehr­leiter Schmidt wurde der Toten durch eine Mi­nute Stille gedacht, während die Kapelle das Sieb vom guten Kameraden spielte. Nach dem Sieg-Heil auf den Führer sprach Kreisfeuerwehrführer Bouf­fier, gleichzeitig im Auftrag der Gäste, und for­derte die Wehr u. a. auf, auch weiterhin geeignete Kräfte zur Feuerwehrschule zu entsenden, damit in Zukunft immer genügend ausgebildete Kräfte für die einzelnen Geräte vorhanden seien. Ferner bat er, die Schule finanziell weitgehend zu unterstützen, damit diese gemeinnützige Einrichtung erhalten wer­den könne. Anschließend hielt Dr. R e i d t einen interessanten Vortrag über die Vorgeschichte Heu­chelheims, der mit reichem Beifall aufgenommen wurde.

s. Lang-Göns, 25. Nov. Am Dienstagnach­mittag fand ein Gemarkungsrundgang von Mitgliedern des hiesigen Obstbauvereins durch die Baumanlagen statt. Gartenbauinspektor Rentsch (Friedberg) gab bei diesem Gang lehr­reiche Aufschlüsse über die Pflege und Behandlung der Obstbäume. Er begrüßte es, daß überall Kleb- gürtel für die Bekämpfung des Frostspanners an­gebracht waren, und gab den Rat, in den nächsten Jahren auch die Zwetschenbäume mit Leimringen zu versehen. An den Klebgürteln konnte man deut­lich feststellen, daß gerade in diesem Jahre die Frost­spannerweibchen sehr zahlreich auftreten. Eine ge­sellige Zusammenkunft in derPost", bei der noch weitere Fragen des Obstbaues, vor allem die Be­kämpfung der Wühlmaus, behandelt wurden, be­schloß den anregenden Nachmittag. Die NS. ° Frauenfchaft sammelte dieser Tage Kleidungs­stücke für das WHW., ebenso am Sonntag der BDM. Kinderwäfche. Beide Sammlungen fielen befriedigend aus. Im letzten Kirchenjahre ft ar b e n in unferm 2000 Seelen zählenden Dorfs e l f Gemeindemitglieder. Das ist im Vergleich mit frü­heren Jahren, auch im Vergleich mit anderen Ge­meinden, eine sehr geringe Zahl.

kreis Alsfeld.

. Homberg, 25. Nov. Dieser Tage wurde hier im Rathaussaal ein Luftschutzlehrgang eröffnet. Gemeindegruppenführer Allendörfer wies zunächst auf die Notwendigkeit dieser Kurse hin. Studienassessor Dr. Franz (Alsfeld) sprach anschließend in grundsätzlichen Ausführungen über das ThemaSelbstschutz und Volksschutz". Im wei­teren Verlaufe des Abends wurde der FilmVolk in Gefahr" gezeigt, der einen umfassenden Heber­blick über die Organisation und die Arbeit des Luft­schutzes vermittelte. Baurat Krause (Alsfeld) sprach noch überBodenentrümpelung" und über die zweckmäßige Ausgestaltung der Schutzräume. Unser Einwohner Konrad Becker konnte in kör­perlicher und geistiger Frische seinen 82. G e b u r t s» tag feiern.

+ Groß-Felda, 24. Nov. Der älteste Mann unserer Gemeinde, der Flurschütz und Wiegemeister Peter S ch a r m a n n, der im Alter von 92 Jahren stand, wurde unter starker Beteili­gung der Bevölkerung zu Grabe getragen. Der hochbetagte Mann hat sich besonders um die hiesige Kriegerkameradschaft verdient gemacht, deren Grün­der und Ehrenvorsitzender er war. Bis in fein hohes Alter hinein konnte er den Verein führen. An allem Geschehen nahm er regen Anteil. Peter Scharmann war der letzte Altveteran von 1870/71 in der hiesi­gen Gegend. Zahlreiche Kranz- und Blumenspenden ließen erkennen, daß sich der Verstorbene aller Wertschätzung erfreute.

Kreis Wetzlar.

<£ Rodheim a. d. Bieber, 25. Nov. Heut« gegen 12.15 Hhr ereignete sich hier ein Verkehrs­unfall. Eine Frau, die ihr kleines Mädchen aus der Kinderschule abgeholt und hinter sich auf das Fahrrad gesetzt hatte, fuhr die steile Vetzberger Straße herunter. Als sie in die Adolf-Hitler-Straße einbiegen wollte, näherte sich ein Lastwagen aus Bieber. Die Frau verlor die Gewalt über ihr Rad und fuhr mit voller Wucht gegen das Lastauto^ Dem geistesgegenwärtigen Fahrer des Wagens war es zu verdanken, daß das Hnglück nicht schlimmere Folgen hatte. Er brachte seinen Wagen auf der Stelle zum Stehen. Die Frau wurde im Fallen gegen ein Rad des Waaens geschleudert. Sie erlitt dabei nicht unerhebliche Verletzungen am Kopfe urfb mußte sich sofort in ärztliche Behandlung begeben. Das Kind kam wie durch ein Wunder ohne ernsteren Schaden davon. Auch das Fahrrad blieb unversehrt.

Q] Wißmar, 24. Nov. Die NSV. hat im Hause des Dachdeckers Fr. Rau, Bahnhofstraße, eine Geschäftsstelle eingerichtet, die allabendlich ge­öffnet ist. Der Reichsluftschutzbund zeigte im Saale von Wolf den aufklärenden FilmVolk in Gefahr", der für Kinder und für Erwachsene zur Vorführung gelangte. Im Gemeindewald wurde mit der Holzfällung begonnen. Es sind ausschließlich Kleinlandwirte damit beschäftigt. Die neuerbaute Kleinkinder sch ule konnte ihrer Bestimmung übergeben werden. Sie wird be­reits von nahezu 100 Kindern besucht, die von zwei Kindergärtnerinnen und einer Hilfskraft betreut werden.

O Dornholzhausen, 24. Nov. Der hiesige Turnverein hielt seine Herbstversammlung bei Gastwirt Schiefer st ein ab. Vereinsfuhrer S t r a ß h e i m erstattete den Geschäftsbericht, der recht günftig lautete. Eine größere Veranstaltung im vergangenen Sommer brachte dem Verein einen schönen ideellen und wirtschaftlichen Erfolg. Im Verlaufe der Versammlung wurde beschlossen, zwi­schen den Jahren einen Familienabend zu ver­anstalten, der mit der Jahres-Hauptversammlung verbunden werden soll.

Mordverdacht

bei vorgetäuschtem Verkehrsunfall.

2) ot m ft a b t, 25. Nov. (Lpd.) Die Justizpresse- stelle Darmstadt teilt mit:Die Meldung über einen angeblich am 10. November d. I. in der Nähe von Gensingen in Rheinhessen erfolgten Kraftwagen­unfall führte zur Einleitung eines staatsanwaltlichen Ermittlungsverfahrens gegen den Kraftwagenfüh­rer Jakob K r o l l m a n n aus Sprendlingen (Rhein­hessen), dessen Ehefrau bei den ersten Hntersuchun- gen an Ort und. Stelle tot neben dem Kraftwagen aufgefunden wurde. Bestimmte Anhaltspunkte da­für, daß kein Verkehrsunfall, sondern die Verschleie­rung einer Straftat Krollmanns vorlag, verstärkten sich schließlich derart, daß Krollmann am 22. No­vember wegen Mordverdachts in Hntersu- chungshaft genommen werden mußte. Der Verhaf­tete hat noch am gleichen Tage zugegeben, feine Ehefrau durch Schläge auf den Kopf getötet zu haben. Nähere Einzelheiten können mit Rückficht auf den Stand des Hntersuchungsver» fahrens vorerst nicht bekanntgegeben werden. Zu sämtlichen bisher in der Tagespresse veröffentlichten Tatschilderungen ist jedoch zu bemerken, daß sie in der Einzeldarstellung des Vorfalles teilweise un- richttg und teilweise noch unbestätigt sind."

Jtunbfunfprogramm

Samstag, 27. November.

Tag der NS.-GemeinschaftKraft durch Freude".

6 Hhr: Morgenspruch. Gymnastik. 6.30: Früh- konzert. 7: Nachrichten. 8.10: Gymnastik. 8.30: Werkskonzert. 10: Schulfunk. 10.30: Hausfrau, hör zu! 11.40: Gaunachrichten. 11.45: Deutsche Scholle. 12: Werkskonzert. 13: Nachrichten, auch aus dem Sendebezirk. 13.15: Mittagskonzert. 14: Nachrichten. 14.10: Fertig los! Die neuesten Schallplatten am Start. 15.15: Volk und Wirtschaft. 15.30: Durch die Abteilungen der NS.-GemeinschaftKraft durch Freude". 16: Frohe Dorfgemeinschaft: Schwarzwald Wetterau Eifel Kurhessen. 18: Zeitgeschehen im Funk. 19: Nachrichten. 19.10: Militärkonzert. 20: Das vergnügte Orchester. Heitere Szenen und Lieder um ein Orchesterkonzert. 22: Nachrichten.

Mandine seht sich durch Roman von

Hans-Joachim Ireiherrn von Reihenstein

Copyright by Carl Ouncker

33. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)

Meine Argumente dagegen kennst du", sagte Schrader ruhig.

Jawohl, deine moralischen Argumente kenne ich. Aber ich finde, du bist der letzte, der es nötig hat, mir Moral zu predigen."

Red' keinen Unfinn. Du kannst doch nicht in eine Bar gehen."

Warum denn nicht? Ich will mich amüsieren."

Dann amüsier dich bitte ohne mich."

Ach geh, Schatzi. Für dich bleibt noch genug Zeit übrig. Ich habe bis morgens um 5 Hhr Dienst. Wenn ich dann bis Mittag schlafe, kannst du noch sehr viel von mir haben."

Das bloße Wort Dienst in diesem Zusammen­hang machte Schrader wütend. Er wollte zu seinen Kranken zurück.

Quatsch", sagte er.Ich habe dir gesagt: ent­weder eine Bar oder ich. Ich will mit solchen Sachen nichts zu tun haben."

Aber ich will meinen eigenen Weg gehen."

Dann geh einen anständigen Weg!"

Einen für höhere Töchter, ja? Das liegt mir nicht. So ein Hnschuldslamm wie deine Blondine ist eben nicht jede. Die hat alles Zeug zur alten Jungfer."

Was hat denn das damit zu tun?" fragte er irritiert.

Nur das, daß ich nicht versauern will. Dazu bin ich nicht in Berlin .

Das magst du halten, wie du willst. Wir trennen uns jedenfalls.

Dann wird nichts mit Freitag?" fragte Greta lieblich.

Nein."

Also dann nicht. Auf Wiedersehen!" rief sie schnippisch. Aber sie mußte sich sehr dazu zwingen.

Um seinen Aerger abzureagieren, ehe er wieder zu den Kranken ging, blätterte Schrader in feinem

Notizblock. Umständlich strich er das vereinbarte Rendezvous mit Greta am Freitag aus.

Dabei fand er die Adresse von Frau Molny. Sie hatte ihn oft gebeten, sie zu besuchen, wenn sie wieder zu Hause wäre. Er sollte das wirklich tun. Im Zusammenhang mit Frau Molny fiel ihm Blondine Hertel ein. Vielleicht traf er sie dort wieder.

Was hatte Greta für eine Bemerkung gemacht: So ein Unschuldslamm wie deine Blandine ist eben nicht jede." Schließlich, was man Greta auch nachsagen konnte ein Urteil in diesen Sachen hatte sie doch! Er mußte lächeln.

Briefe können solch ein Segen und können solch ein Schrecknis sein. Es sollte Leute geben, die einem Brief von außen ansehen, ob er Beruhigung ober Qual enthält. Etwas können wir dos vielleicht olle.

Blondine Hertel hielt einen Brief in Händen, der sah einfach scheußlich aus. Es konnte gar nichts Gutes darin stehn. Wer schrieb ihr einen so un­ordentlichen Wisch, in ungeschlachter Handschrift hingehauen. Sie sah die Unterschrift an, und ihr Schreck verttefte sich: Lüdtke! Der auf die Emp­fehlung ihrer Mutter hin bei Professor Lambertz angefteUte Chauffeur.

Er beschuldigte sie, sie habe Harry Engemann aus gemeiner Berechnung an sich herangezogen und ihm alles Geld abgelockt. Als er nichts mehr be­sessen habe, habe sie ihn kaltherzig abgehängt. Da­durch habe sie ihn zur Verzweiflung getrieben. Die Autokatastrophe sei kein Zufall, sondern beabsich- tigter Selbstmord gewesen. Sie sei also nicht nur an Engemanns Tod schuldig, sondern auch daran, daß ßucienne bei diesem Selbstmordversuch mit- verunglückt war.Wollen Sie nicht wenigstens Ihr Gewissen erleichtern?" schrieb Lüdtke.

Ich habe immer gedacht. Sie würden noch einen Rest von Anstand haben, daß Sie sich selber stellen. Es scheint ja nicht so!"

Was Lüdtke damit meinte, wußte Blandine über­haupt nicht. Er wahrscheinlich auch nicht. Es schien ihm nur so richtig.

Dann drohte er noch mit einer Anzeige bei der Polizei.

Blandine war vollständig zerschlagen. Wie konnte ein Mensch auf der Welt so etwas von ihr denken!? Sie. brauchte lange, ehe sie den Wust von Unsinn

überhaupt begreifen konnte. So wenig paßte er in ihr sauberes Weltbild. Aber Lüdtke schien wirklich von dem Blödsinn überzeugt zu fein, den er da schrieb.

Blandine flüchtete mit dem Brief in ihr Zimmer. Es grauste ihr vor Menschen, die solche gemeinen Gedanken überhaupt denken konnten.

Sie wußte vor Scham, daß etwa jemand außer ihr diesen Brief jemals lesen könnte, nichts anderes damit anzufangen, als daß sie ihn in ganz kleine Stücke zerriß.

Dann wufch und bürftete sie ihre Hände.

Franz Lüdtke wartete auf Antwort.' Er konnte sich nicht vorftellen, daß jemand einen derartigen Brief unbeantwortet lassen würde. Er fand, die einfachste Klugheit hätte Blandine Hertel jetzt sagen müssen, es sei besser, sich mit ihm gut zu stellen, als ihn links liegenzulassen. Sie konnten sich doch ein­mal miteinander aussprechen. Vielleicht klang dann manches gar nicht so schlimm. Aber ihn einfach tot- schweigen, das war dumm und hochnäsig von dem Mädel.

Franz Lüdtke wußte es so einzurichten, daß er möglichst oft in der Nähe des Büros war, wenn die Post für die Klinik kam. Sobald er nach Haufe kam, sah er in den Türbriefkasten und fragte seine Wirtin außerdem, ob etwas für ihn da sei.

Und als am dritten Abend noch immer keine Ant­wort von Blandine gekommen war, da setzte er sich an feinen Tisch mit der rot tarierten Decke und begann, einen andern Brief ins Unreine zu schrei» ben. Beim Schein einer spärlich leuchtenden Birne malte er in möglichst deutlichen Buchstaben:

Sehr geehrter Herr Polizeileutnant!

Es befindet sich in Ihrem Revier ..."

Er mußte noch einmal aufstehen, denn der Tisch wackelte, wenn er den Arm fest darauflegte. Er nahm ein altes Stück Packpapier, riß eine Ecke davon ab, kniffte sie sorgfältig mehrmals zufammen und schob sie unter das eine Tischbein. Dann pro­bierte er, ob der Tisch fest stehe und setzte sich beruhigt wieder an seine Arbeit.

*

Blandine Hertel saß am Abend mit Diehls im Wohnzimmer zusammen. Als das Telephon läutete, ging sie ins Nebenzimmer.

«Hier bei Professor Diehl." ~ -

Eine etwas heisere männliche Stimme antwor­tete:Kann ich mal Frollein Hertel sprechen?"

Am Apparat", sagte Blandine zögernd. Denn die Stimme gefiel ihr nicht.

Na, dann ftimmts ja. Hier Lüdtke!

Blandine zitterte vor Schreck, und die Gegen­stände im Zimmer verloren auf einmal ihre schar­fen Konturen.

Weshalb ham Se denn auf meinen Brief nid) jeantroortet? Um eene Korrespondenz mit mir an­zufangen, bin ich woll nich fein jenuch?"

Blandine antwortete nicht. Sie hätte auch gar nicht antworten können, denn ihre Zähne klapper­ten vor Angst aufeinander. Ihr Schweigen schien Lüdtke noch mehr zu reizen. Halb ging an ihrem Ohr vorbei, was der Mann da förmlich in den Apparat hineinspie an Wut, Enttäuschung und Beleidigungen. Sie fühlte daß ihre Knie wankten. Sie wollte den Hörer beiseitelegen, nichts mehr begreifen! Sich nicht mehr bespritzen lassen von diesem Unflat und Gift.

Ihre Linke mit dem Hörer bewegte sich, um ihn aufzulegen. Aber sie wußte nicht mehr, wohin. Gleichzeitig griff sie mit der rechten Hand nach einer Sessellehne, um sich zu stützen, weil sie schwankte.

Diehls hörten im Nebenzimmer ein Möbelstück umstürzen und noch einen anderen, dumpferen Fall. Sie eilten herzu, hoben die ohnmächtige Blandine auf und betteten und betreuten sie.

Frau Diehl nahm die Sache sehr ernst. Nach­dem sie Blandine in ihrem Zimmer zu Bett ge­bracht hatte und annehmen konnte, daß sie schlief, besprach sie mit ihrem Gatten, was zu tun sei.

Mir ist in letzter Zeit schon ein paarmal aus­gefallen, wie elend sie aussah. Als sie zu uns kam, war sie viel frischer."

Vielleicht bekommt ihr die Arbeit hier nicht", meinte ihr Mann.

Dann müßte sie ein inneres Leiden haben, und wir wissen es nicht. Ich möchte mir eigentlich mal die Mutter kommen lassen. Denn ich möchte klar sehen."

Ihr Mann fand das richtig.Weißt du denn die Adresse der Mutter?"

Frau Diehl wußte sie nicht.Sie hat übrigens bestimmt kein Telephon."

x. Fortsetzung folgt