Nr. 276 Drittes Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheffen) Freitag, 26. November (937
LicherStraßeundkaiseralleewerdenumgestaltei.
Aus der Stadt Gießen.
Sternengefunkel.
Wenn der Winter durch die Lande geht und die Nächte so lang und dunkel sind, leuchten die Sterne desto schöner. All die vielen, kleinen Sternlein, die wir schon aus unfern Kinderjahren kennen, grüßen uns. Unser staunendes Auge blickt immer wieder nach den leuchtenden Sternen. Ähr Glanz erfreut die Kinder und die Alten.
Kommt uns beim Anblick des gestirnten Himmels nicht das traute, alte Kinderlied in den Sinn?
Weißt du, wieviel Sternlein stehen an dem blauen Himmelszelt? ... Gott der Herr hat sie gezählet...
Die Jahre gehen. Glück und Leid wechseln, aber in ewiger Ruhe wandeln die Sterne am nächtlichen Himmel ihre Bahn. Nicht die Wissenschaft über die Größe und Entfernungen der Sterne hilft uns beim Anblick des Gefunkels, sondern nur das kindliche Staunen und der fromme Glauben. Wie fühlen wir uns so klein beim Betrachten des Himmelszeltes! Es wird uns bewußt, wie winzig das Erdenleben ist. Und doch steigt auch wieder das tröstende Gefühl in unserer Brust auf: Wir sind ein Teil dieser großen, unendlichen Welt.
All unser Leid wird klein beim Anblick des Sternenhimmels. Dem Traurigen bringen die Sterne Trost, und den unruhigen Zweifler führen sie zu sich selbst zurück. Das ist der große Zauber, der von dem Sternenhimmel ausgeht. —
Jst's mit dem Sternenhimmel nicht wie mit einer großen Blumenwiese? Blumen und Sterne, die Kinder der Schönheit und der Unendlichkeit! Sie erfreuen und erquicken die Menschen. Die Blumen können wir ganz nah beschauen, können sie pflücken, ihren Duft einatmen und ihre Pracht bewundern. Doch fern sind die Sterne, still und majestätisch wandeln sie ihre Bahn.
Der Zauber der Sternennacht wirkt erst dann recht und stark auf uns, wenn wir so nach dem Himmel blicken, wie die Kinder nach den bunten Blumenwiesen. Leid und Freud müssen wir vergessen beim Anblick des nächtlichen Himmels.
Wie mögen erst unsere Vorfahren aufgeschaut haben nach den glänzenden Sternen? Sie waren doch noch viel naturverbundener als wir. Wie manche Nacht mögen sie gesessen und dem Geheimnis des Sternenhimmels nachgeforscht haben!
Der Ring schließt sich: Als gläubige Kinder schauten wir in Andacht und stummer Ergriffenheit nach den leuchtenden Sternen, und' im Alter können wir den Blick nicht abwenden von dem Gefunkel. Das Leben zieht an unferm geistigen Muge vorbei, während wir die Sterne betrachten. Menschen kommen, Menschen gehen, der unendliche Sternenhimmel aber bleibt. H.
Vornoiizen.
Tageskalender für Freitag.
Stadttheater: 20 bis 22.30 Uhr „Die Boheme". — Gloria-Palast, Seltersweg: „Fanny Elßler". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Manege".
Stadltheater Gießen.
Aus dem Stadttheaterbüro wird uns geschrieben: Heute abend findet eine Wiederholung der Oper „Die Boheme" von Puccini statt. Musikalische Leitung Kapellmeister Paul Walter, Spielleitung Dr. Erich Schumacher. Die Aufführung findet als 10. Vorstellung der Freitag-Miete statt. Beginn 20, Ende 22.30 Uhr.
Obff- und Garlenbauverein Gießen.
Am kommenden Sonntag, 28. November, veranstaltet der hiesige Obst- und Gartenbauverein im „Burghof" eine Festoersammlung, mit der die Gratisverlosung von 40Zwetschenbäumen verbunden sein wird.
Infolge^ der Durchführung der Reichsautobahn bis nach Steinbach haben verschiedene Straßen unserer Stadt eine zusätzliche und erhebliche Verkehrsbelastung erfahren. Insbesondere vollzieht sich jetzt ein großer Teil des Fährverkehrs über die Kaiser a l l e e und die Licher Straße. Die Verkehrsverhältnisse in diesen Straßen sind deshalb bereits fast unhaltbar geworden. Die Stadtverwaltung hat sich daher entschlossen, eine großzügige Bereinigung der Verkehrsverhältnisse, vor allem m den beiden Straßen (K a i s e r a l l e e bis zur Moltkestraße und Licher Straße) vorzunehmen. Diese Bereinigung ist nicht möglich ohne starke Eingriffe in das Straßenbild Jedermann wird die Notwendigkeit der Maßnahmen erkennen, die ergriffen werden müssen. Die Arbeiten werden bereits in absehbarer Zeit in Angriff genommen. Es sind folgende Aenderungen vorgesehen:
In der K a i s e r a l l e e bis zur M o l t test r a ß e müssen auf beiden Seiten die stattlichen Bäume fallen, auch die Vorgärten müssen beseitigt werden, so daß viel Raum gewonnen wird. Die Verbreiterung des Fahrdammes wird ganz erheblich sein. Nach der Fällung der Bäume und der Beseitigung der Vorgärten wird die gesamte Fahrbahn 14 Meter breit sein. Diese 14 Meter Fahrbahn wer-
NEDAp., Amt für Beamte.
Kreis IBdterau.
Im Rahmen der Leistungsschau der Volksschulen findet am Mittwoch, 1. Dezember, um 16 Uhr, in der Neuen Pestalozzischule in Gießen, Eichgärtenweg, eine Veranstaltung statt, zu der die Beamtenschaft eingeladen ist. Wir bitten um rege Beteiligung der Berufskameraden.
NSDAP. Ortsgruppe Gießen-Ost.
Kommenden Montag, 29. November, in der Großen Aula der Universität Versammlung. Es spricht Gauredner Werner Goerendt (Gelnhausen). Zu dieser Versammlung sind alle Volksgenossen eingeladen. Für Parteigenossen und Partei- cmwärter Pflichtveranstaltung.
Hitler-Jugend Bann 116 Gießen
Betr.: Arbeitstagung aller Unterbannführer und Gefolgschaftsführer.
Am kommenden Samstag, 27. November, findet auf der Banndienststelle eine Arbeitsbesprechung aller Unterbannführer und Gefolgschaftsführer statt. Beginn 19.30 Uhr.
ANM-u.IM.-Untergau 116, Gießen.
Dienftbefehl!
Am 5.12., 11 Uhr, findet im Gloria-Palast ein Film- und Werbevortrag für das 16. Deutsche Turn- und Sportfest 1938 in Breslau statt. BDM.-Mädel und ältere Jungmädel können an der Veranstaltung teilnehmen. Für die Füherinnen ist bereits Schulung. Die Meldungen sind bis Freitag, 3. Dezember, an den Untergau zu richten. Eintritt 0,25 RM.
Bürgermeistertagung in Gießen.
Aus Anlaß der Leistungsschau der Volksschulen der Stadt und des Kreises Gießen findet am Montag, 29. November, 9.30 Uhr, in der neuen Turnhalle der Pestalozzischule in den Eichgärten eine Bürgermeisterversammlung der Kreisabteilung Gießen des Deutschen Gemeindetages statt. Kreisschulrat N e b e I i n g wird über das Thema „Die Deutsche Gemeindeordnung und die Schulen" sprechen. Anschließend findet eine Lehrprobe statt unter dem Gedanken „Der Dierjahresplan in den Schulen". Vorgesehen ist ferner die Vorführung von Unterrichtsfilmen und die Besichtigung der Leistungsschau.
Nachmittags wird die Versammlung im Sitzungs
den folgendermaßen aufgeteilt: Es gibt eine Durchfahrtsfahrbahn von 6 Meter Breite, für die Stra- ßenbahngleife bleiben 3 Meter, außerdem werden je 2,50 Meter für Parkftreifen zur Verfügung stehen. Diese Parkstreifen werden sich rechts der Straßenbahn und links der Durchfahrtsbahn befinden. Selbstverständlich werden auch Bürgersteige von notwendiger Breite geschaffen.
In der Licher Straße wird insbesondere auf der rechten Straßenseite (stadtauswärts) viel Raum gewonnen. Die Bäume und die Vorgärten auf der linken Straßenseite bleiben. Die Bäume auf der rechten Seite fallen. Der Bürgersteig wird hinter die Straßenbahnaleise in die Anlage zurückgenommen. Die Fahrbahn für den Durchgangsverkehr wird eine Breite von 9 Meter erhalten. Zwischen Fahrbahn und Straßenbahn wird außerdem ein Radfahrerweg angelegt. Die Verbreiterung der Straße auf 9 Meter Fahrbahn wird übrigens bis nahe an den Wald durchgeführt, so daß auch von der Hessischen Pflegeanstalt Gelände in Anspruch genommen werden muß.
Die Bereinigung der Verkehrsverhältnisse in der Kaiserallee und in der Licher Straße wird nach ihrer Vollendung selbst einem außerordentlich anwachsenden Verkehr gerecht werden können
saal des Kreisamtsgebäudes fortgesetzt. Oberregierungsrat Schmidt vom Finanzamt Gießen wird über „Die Umwandlung der Untererhebstellen in Annahmestellen" sprechen.
Sorgt für gute Verdunkelung!
Die Polizeidirektion Gießen hat für Ende November eine Verdunkelungsübung im Bereiche der Stadt Gießen angekündigt. Alle Volksgenossen sind verpflichtet, zu dem vollen Gelingen dieser Hebung nach besten Kräften beizutragen. Dazu gehört auch die rechtzeitige Vorsorge für eine wirksame Ver dunkelung. Oberster Grundsatz der Hebung ist, im Innern der Gebäude alles Leben und Arbeiten in gewohntem Ausmaße aufrechtzuerhalten, aber nach außen hin die Abdunkelung so wirksam zu machen, daß auch nicht der kleinste Lichtstrahl nach außen bringt. Diese wirksame Verdunkelung erfordert sorgsame Vorbereitung, die noch einmal allen Einwohnern von Gießen dringend nahegelegt sei.
(Sine Feierstunde der Frauenschast.
Die Verpflichtung der neuen Mitglieder des Frauenwerts vereinte die Frauen der Ortsgruppen Gießen-Ost, -Mitte und -Süd zu einer besonderen Feierstunde am Mittwochabend im Cafe Leib.
Nach gemeinsamen Gesang gab Frau Gänge- r i ch das Geleitwort des Abends: „Wir sind nicht geboren, um glücklich zu sein, sondern unsere Pflicht zu tun, und wir wollen uns segnen, wenn wir wissen, wo diese Pflicht ist."
Nach zwei Chorliedern des Frauensingkreises Gießen-Süd leitete ein Satz aus dem a-moll-Violin- konzert von Bach über zu der Ansprache der Kreis- frauenfchaftsleiterin Frau W r e d e. Sie begrüßte die neuen Kameradinnen als Mitarbeiterinnen, die den Weg zur Volksgemeinschaft gefunden haben. Die Rednerin hob hervor, daß wir alle mit unserem Leben und mit unserem ganzen Sein an die Gemeinschaft, an unser Land, gebunden sind. So wie das große Ganze die Quelle unserer Kraft und unseres Lebens bedeutet, so sind auch wir verpflichtet, mitzuhelfen am Aufstieg, um uns der großen Zeit, in der wir leben, würdig zu erweisen. Unsere Mitarbeit soll freudig und freiwillig geleistet werden, und jede einzelne, auch in den Reihen der Frauenschaft, muß sich täglich prüfen, ob sie bereit ist, zu opfern und mit marinem Herzen ihren Ehrendienst am Volke zu tun.
- Nach der Verpflichtung sprach Frau Günge- r i ch zwei Gedichte von Anacker: „Kameradschaft" und „Die Fackel geht von Hand zu Hand".
Frau Nettelbeck (Violine) und Frau Fischer
(Klavier) spielten den langsamen Satz aus der E-dur=Sonate von Händel. Gemeinsamer Gesang beschloß die eindrucksvolle Feierstunde.
Die Mitgliedsbücher und die Abzeichen erhalten die Frauen in den nächsten Tagen. Die Nadeln tragen auf dem Schild die silberne Rune auf schwarzem Grunde. Es ist das Symbol des Frauenwerks. Ihre Trägerinnen sollen sich stets bewußt sein, daß sie dazu berufen sind, Lebensspenderinnen und Hüterinnen im Volke zu fein. Das ist der Sinn der silbernen Lebensrune. F. K.
Vortragsabend im Offizierheim.
Im Offizierheim des Standortes Gießen fand am Mittwoch der erste Vortragsabend des diesjährigen Winters statt. Der Standortälteste, Generalleutnant O ß w a l d , begrüßte die zahlreich erschienenen Gäste und gab dann dem Redner des Abends Hniversitätsprofessor Dr. Stade das Wort zu seinem Vortrag über Politik und Kriegführung des Augustus. Professor Stade ging aus von den politischen Wirren nach der Ermordung Cäsars und dem zielbewußten Kampf, mit dem Cäsars Erbe, der junge Octavian, sich durchzusetzen verstand. Mit Recht habe das faschistische Italien den 2000jährigen Geburtstag des Kaisers gefeiert, denn die Herrschaft des Augustus bedeutete sowohl in politischer wie in kultureller Hinsicht einen überaus bedeutsamen Ein« schnitt in der Geschichte des römischen Volkes. Staat, Politik und Wirtschaft sowohl wie alle kulturelle» Beziehungen erfuhren durch den Kaiser und seine Mitarbeiter eine Reorganisation, die sich weithin in die späteren Jahrhunderte ausgewirkt hat. Besonders kamen die Reformen des Augustus auch dem römischen Heerwesen zugute, das in den Bürgerkriegen viel von seiner Schlagkraft nach außen eingebüßt hatte.
Der Vortragende ging im weiteren auf die politische Lage an den Grenzen des römischen Reiches ein, wo im Osten die Parther und im Westen die Germanen die einzigen Völker waren, die ständig die „Pax Romana“ störten. Für uns besonders interessant sind die Heerzüge des Drusus und des Tiberius über Alpen und Rhein hinaus, weit nach Germanien hinein, und der Versuch die germanischen Völker in eine Zange zu bekommen und die große West-Ost-Verbindung von Gallien über Oberitalien zum Donauraum durch ein vorgeschobenes Glacies in Germanien zu sichern. — Der Stand- ortälteste dankte Professor Stade in herzlichen Worten für seine interessanten, durch Karten und Bilder wirkungsvoll belebten Ausführungen.
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** F o r ft p e r s o n a l i e. Mit Wirkung vom 15. November 1937 wurde dem Forstmeister Martin B ä h r i n g e r die Stelle des Amtsoorstandes des Forstamtes Nieder-Ohmen zu Grünberg übertragen.
** Arbeitsjubiläum beim Städti - schenElektrizitätswerk. Am gestrigen Donnerstag konnte der Monteur Jean Heines, beschäftigt beim Städtischen Elektrizitätswerk, auf eine ununterbrochene Dienstzeit von 25 Jahren zuräck- blicken. Der Jubilar wurde im Kreise der Arbeitskameraden geehrt und erhielt ein persönliches Glückwunschschreiben des Herrn Oberbürgermeisters.
Schöffengericht Gießen.
Gestern hatte sich der K. W. aus Hainchen wegen fahrlässiger Eisenbahntransportgefährdung vor dem Schöffengericht zu verantworten. Der Angeklagte war im August d. I. mit einem Bulldogg mit Anhänger durch Selters (Kreis Büdingen) gekommen. Beim Passieren des ungeschützten Bahnüberganges in der Nähe des Bahnhofes Selters wurde er von dem aus Richtung Ortenberg kommenden Zug erfaßt und mitsamt dem Anhänger fast hundert Meter auf den Schienen mitgeschleift. .Dort ging der Bull- bogg in Flammen auf und verbrannte bis auf die Eisenteile. Der Angeklagte trug keine nennenswerten Verletzungen davon, während sein neben ihm sitzender Bruder u. a. einen mehrfachen Beckenbruch erlitt. Nur dem Hmstand, daß der Bulldogg auch
Gießener Konzertverein.
Zweites Orchester-Konzert:
Klassische Musik.
aufbaut, wie er in der Darstellung der inneren Entwicklung dieses Werkes immer mehr in die Breite und in die Tiefe geht, wie er die Ansatzpunkte zu dem organischen Wachsen im Werk immer klarer und mit naturhafter Deutlichkeit herausstellt, das zeigt die Größe und die Reife seines
M
Es lag wie ein großes Krescendo über dem Abend des Symphonie-Konzertes, ein Wachsen im Klangkörper, ein unermeßliches Sich-Steigern der Ausdruckswelt. Bachs Brandenburgisches Konzert D - d u r ließ seine Musizierfreude voll lebendig werden in dem feinen Verweben der drei Solisten Prof. Johannes H o b o h m, München (Klavier), Konzertmeister Ewald Lassen (Violine), Rudolf Meyer (Flöte) und der äußerst anpassungsfähigen Orchester-Tutti. Wenn auch das Klavier in den beiden Ecksätzen etwas zu klang- kräftig in Öen Vordergrund trat (im Original wird hierfür das dem heutigen Bechstein-Flägel in der Tonstärke unterlegene Cembalo gefordert), so wurde der Mittelsatz zu einem geradezu idealen Musizieren der drei Soloinstrumente; besonders Flöte und Geige umschlangen sich mit thematischen Bändern, einer mit dem andern an Tonschonheit und Wärme !des Ausdrucks wetteifernd.
Daß gerade Johannes H o b o h m ein äußerst ikultiviertes ausdrucksstarkes Pianifsimo-Spiel eigen ist, konnte hier schon des öfteren festgestellt werden. Aber was er diesmal im Andantino des Mozart- schen Klavierkonzertes in Es-dur an Farbigkeit des Klanges, äußerster gefühlsbetonter Nachgiebigkeit und Modulationsfähigkeit heraus prägte, übertraf alles Erwarten. Wie sich hier der .Klang zu den Streichern mischte, mal mit breiter Kontur, dann verschwindend, schwebend, gehaucht, , und doch so verinnerlicht und empfindungsvoll in idem Ausdeuten des Rezitatioifchen, wie er in der Kadenz dem ständigen Wechsel des Stimmungsum- Ischlages warmes Leben und greifbare Gestalt gab, Idas war ebenso überzeugend wie die klare i5ril°?e i iund innere Lebendigkeit des Kopfsatzes und die 'Beschwingtheit im Rondo mit dem Filigranwerk Iber Figuren und dem galant-empfindungsvollen [ 'Menuett-Intermezzo. Daß der Solist sich so em- Sbringenb auszuwirken vermochte, daran hatte das (begleitende Orchester lebhaften Anteil mit feiner Anpassung, diskretem Untermalen und dem Aus- sichopfen und Wachrufen des Gefühlsuntergrundes.
Die mehrfache Wiederkehr der E r o i c a in unfern Konzerten mit den verschiedenen Klangkörpern, aber nmmer unter der Leitung von Prof. Stefan T e - unesvary, vertieft immer mehr das Bild feiner Dirigentenpersönlichkeit Wie er immer großzügiger
Professor Johannes H o b o h m (Klavier) wirkte als Solist im Orchester-Konzert des Konzertvereins mit. (Aufn.: Archiv.)
Musikertums. Die Durchführung des ersten Satzes erfüllte er mit gigantischen Steigerungen, zumal vor dem Aufblühen des dritten Themas, und mit dem ahnenden Brüten des Schicksalhaften vor der Wendung zur Reprise. Im Trauermarsch war die Gebundenheit an die einzelnen Stimmungen richtungweisend für sein Erfassen und Nachgehen; die Gegensätzlichkeit des Dur-Teiles wurde verstärkt durch die machtvolle klangliche Ausbreitung der Tripelfuge mU ihrer äußerst klaren Thematik, die
Koda des Trauermarsches mit dem Dekrescendo der Streicher und dem klanglichen Verlieren. Das Scherzo hielt er frei von der oft üblichen Heber- hitzung des Tempos; das Trio mit feinen prachtvollen Hörnern fand in diesen Instrumenten eine ideale Stütze. Wie er das Finale zur grandiosen Zusammenfassung des Ganzen werden ließ und hier in die äußerste Tiefe eindrang; wie er aber im „Poco andante“ dem Klanglichen eine so vergeistigte Wendung verlieh, das ließ diese Symphonie zum stärksten Erleben werden, zu dem alle Mitwirkenden des großen Städtischen Orchesters mit äußerster Ausgeglichenheit und trefflichstem Können ihr Teil beitrugen: die Streicher mit ihren stellenweise pastosen, sonoren KläUgen, die Holzbläser, besonders Oboe und Flöte, die schon erwähnten Hörner und die im Scherzo sich zu motivischer Selbständigkeit erhebende Pauke.
Demgegenüber dankten die Hörer und ehrten alle Mitwirkenden.
Dr. Hermann Hering.
Gloria-Palast: „Fanny Elßler".
Es mag der über unsere Grenzen hinausreichende Erfolg des Films „Der Kongreß tanzt" gewesen sein, der die Ufa bewogen hat, in ähnlichem Stil einen zweiten zu drehen, der in die gleiche geschichtliche Sphäre weist und sich auch sonst mit jenem in manchen Motiven berührt: im Mittelpunkt der Fabel steht die Gestalt der seinerzeit hoch- berühmten Tänzerin Fanny Elßler und ihre glücklich-unglückliche Liebe zum Herzog von Reichstadt, dem jung gestorbenen Sohne Napoleons; es mag auch das Tanzmotiv gewesen sein, das, wie wir kürzlich in dem Film „Daphne und der Diplomat" sahen, immer wieder eine starke Anziehungskraft auf die Filmkamera ausübt. Hier wirkt nun freilich der Tanz nicht wie dort als Hauptmotiv, sondern eher als Rankenwerk und Arabeske, deren flüchtige Figuren die episodisch knappen Bilder einer Hano- lung überschneiden und durchbrechen, der die Liebe, die intrigante Politik und der schnell begrabene Kaisertraum des jungen Herzogs weniger dramatische als theatralische Akzente geben. Der Stil der Inszenierung von Paul Martin ist typisch für die Behandlung historischer Stoffe durch die Ufa: enorme Ausstattung, großes Personal, breite Massenszenen im Stile einer historisch verkleideten Tanz- revue, weiträumige, gut geschnittene Bilder; an der Kamera stand Konstantin Jrmen-Tschet. Für die Wirkung der Tanzszenen würde es übrigens wahrscheinlich vorteilhafter gewesen sein, wenn man
auf die unruhig bewegte Schwarzweiß-Kulisse verzichtet hätte, welche die Figuren des Tanzes nicht konturiert, sondern verwischt: ein unbewegter, dunkler Hintergrund würde der Plastik des in sich bewegten Bildes eher zustatten gekommen sein. Lilian Harvey tanzt mit spielerischer Leichtigkeit durch diesen Film hindurch und ist, besonders in der letzten Liebesszene mit dem Herzog, den sie zunächst für einen kleinen Wiener Jägerleutnant hält, sichtlich bemüht, der ein wenig marionettenhaften Figur der Elßler persönlichere Züge und ihrer körperlichen Anmut die menschliche Vertiefung zu geben. Rolf Moebius (Reichstadt) ist ein guter, schwärmeri- scher, weltfremder Junge, den mächtigeren Verhältnissen und den Schachzügen der Metternichschen Diplomatie nicht gewachsen. Willy Birgel gibt mit Takt und maßvoller Zurückhaltung den Hofrat Gentz, Paul Hoffmann in guter Maske, falt und allmächtig, den unversöhnlichen Metternich. —
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Außerdem bringt das Programm einen Kulturfilm von der Entstehung des Autos am laufenden Bande einer modernen Fabrik, die Hfa-Wochenschau und einen Vorspann zum „Mädchen für Alles" mit Grethe Weiser. Hans Thyriot.
Kampf zwischen Bären unb Wildschweinen.
Jugoslawische Bauern wurden kürzlich Zeugen eines Kampfes Zwischen Bären und Wildschweinen, aus dem die Wildschweine als Sieger hervorgingen. Die Bauern hatten in ihren Feldern schwere Verwüstungen festgestellt und veranstalteten eine große Treibjagd, um die T'ere ein für allemal zu vertreiben. Die Jagd führte zur Aufspürung von mehreren Bärenfamilien und eines Rudels Wildschweine auf einer Waldlichtung. Als die Tiere einander ansichtig wurden, vergaßen sie die Jäger und stürzten sich aufeinander. Der erbitterte Kampf dauerte über eine Stunde. Darauf ergriffen die Bären die Flucht, mehrere Tote auf dem Platz zurücklassend.
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Geheimrat Professor Dr. Emil Abderhalden, Ordinarius für Physiologie und Präsident der Deutschen Akademie der Naturforscher in Halle, wurde aus Anlaß der Galvani-Feier in Bologna von der Italienischen Radio-Biologischen Gesellschaft zum Ehrenmitglied ernannt


