Nr. 776 Zweites Matt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Vberheffen)
Freitag, 26. NovemberMZ?
Fahnen geschrieben haben.
Eilposten zum Rhein und nach Paris jagte, ging bei seinen Truppen die letzte Ordnung verloren. Vielen fehlten die Pferde, der Hunger wütete, Schühwerk ging zu Ende, bei Kowno verloren sie das letzte Geschütz und die Kriegskasse. Zerlumpt, krank, halb verhungert kamen die letzten Ueber- bleibsel zurück, aber wo einer zurückkehrte, klagte man um Hunderte, die verschollen blieben.
Am 30. Dezember löste sich General von Yorck, der Befehlshaber der Preußen, von den Franzosen und schloß mit den Russen einen Vertrag, der Preußen vor feindlichen Einfällen schützte. Friedrich Wilhelm III. billigte nachträglich Yorcks eigenmächtige Handlung, die mitgeholfen hatte an der Erhebung des Volkes.
Klang der Ngomas, der Trommeln, und das schrille Gellen der Elfenbeinhörner erscholl.
Wie aus dem Boden gewachsen umzingeln die schwarzen Gestalten das kleine Häuflein uni) fordern unter grimmigen Gebärden das Hongo, den Durch« gangszoll.
Was tun? Längst find die Vorräte an Stoff und Perlen erschöpft, längst sind alle Gegenstände von irgendwelchem Werte an schwarze Wegelagerer verschenkt — verzweifelt durchwühlt Wißmann seine Lasten, da fällt sein Blick auf ein altes Leutnantsachselstück, auf dessen kupfrig angelaufenem Silber die goldne 90 des Rostocker Regiments prangt.
Eine bunte Schnur wird durch das Knopfloch gezogen und nun, mit Kreide und Spiritus blank geputzt, präsentiert sich das Achselstück als kostbarer Prunk für die Augen eines Niggerkönigs.
Im festlichen Zuge und unter den Freudenschüssen seiner Askaris begibt sich Wißmann in das Lager des Häuptlings. Feierlich überreicht er dem schwarzen Herrscher den „Orden" und hängt persönlich diese hohe Auszeichnung Seiner Majestät um den speckigen Hals.
Glück- und fettstrahlenden Antlitzes umarmt der Schwarze den Weißen und begrüßt ihn als Freund und Bruder. Alle Gefahr ist vorüber Lustig flackern die Feuer auf, an denen mächtige Braten schmoren, Kalabassen mit Pombe, Eingeborenenbier, werden herbeigeschleppt, und bei Tanz und Gesang geht das Verbrüderungsfest vor sich.
Das Dasein der Expedition, das Leben Wiß- manns war gerettet durch jenes Leutnantsachsel- stück, das heute noch hochgelehrt im Thronschatze der Nachkommen jener afrikanischen Majestät ruhen mag.
natürlich besonders stark bemerkbar. Noch auf dem Heimweg versucht der Besucher die Federchen von der Kleidung zu entfernen — eine Absicht, die nur halb gelingt.
Das Schlaraffenland der Gänse.
Das Essen und Trinken hat der Mensch früherer Zeiten sehr wichtig genommen, und deshalb ist damals wohl der zum Märchen gewordene Wunschtraum vom Schlaraffenland entstanden. Für die Gänse wurde es Wirklichkeit in den Dörfern des Oderbruchs. Wenn sie nach längerer Reise aus West- oder Süddeutschland hier ankommen — das gilt für das Frühjahr und den Sommer — oder wenn sie, wie jetzt, mit Güterwagen aus Polen und Litauen anrollen, mustert erst der Tierarzt die stets hungrigen Tiere. Er schickt kr an kh ei ts- verdächtige Herden in die Quarantänebuchten, er läßt die gesunden Gänse in die Buchten der Großmästereien oder der landwirtschaftlichen Betriebe. Ob hier oder dort — immer bekommen die noch recht schlanken Schreihälse reichliches, aber leichtes Futter, dessen Gehalt sich jedoch schnell erhöht. Ist dann erst die Gewöhnung eingetreten, dann können die Gänse fressen, was sie nur in sich hineinzustopfen vermögen. Und das ist eine gehörige Menge! Erfreulicherweise zeigt sich die Gans wenig wählerisch: dennoch spielt die Zusammensetzung des Futters eine gewisse Rolle. Jeder Gänsemäster ist darauf bedacht, eine möglichst schmackhafte Mischung für die Hunderttausende in den Herdenbuchten zu finden. Und er spart nicht mit dem Futter, er legt es sogar darauf an, recht viel zu verfüttern.
Fressen in Tag- und Nachtschicht.
Die Buchten, die ein weit ausgedehntes Gelände im Oderbruch umfassen, werden vom Abend bis zum Morgen elektrisch beleuchtet. Mag sein, daß die Gänse an einen ewigen Tag glauben, der in ihrem Schlaraffenland herrscht: jedenfalls fressen sie unentwegt. Je kälter es ist, um so mehr Nahrung nehmen sie auf, die in den Großmästereien, wie wir sie beispielsweise in Neutrebbin finden, ebenfalls in Tag- und Nachtschichten bereitet wird. Durchschnittlich einen Monat lang
Die Expedition.
Von Peter Purzelbaum.
Vor rund 60 Jahren lernte in Rostock der Leutnant v. Wißmann, der dort beim Regiment 90 in Garnison stand, den Afrikaforscher Dr. Paul P o g g e kennen, an dessen Vorarbeiten er sich rege beteiligte und den er bann bestürmte, ihn mit nach Afrika zu nehmen.
So traten bann 1880 die beiden Männer von Paulo de Loanda an der afrikanischen Westküste ihre Entdeckungsfahrt in das Innere des Schwarzen Erdteils an. Bald war Wißmann, damals noch ein Neuling, ganz auf sich selbst angewiesen, denn Dr. Pogge erkrankte schwer an einer Kiefereiterung und mußte an die Küste zurückgebracht werden.
Tiefer und tiefer drang der kühne Pionier in den unerforschten Erdteil ein. Unzählige Schwierigkeiten mußten überwunden, Flusse und Urwälder bezwungen, immer wieder die Auflehnung der schwarzen Träger bekämpft werden.
Wilde Stämme verboten der kleinen Karawane den Durchzug durch ihr Gebiet und. ließen erst nach Zahlung von Perlen, Stoffen, Werkzeugen oder Waffen die Reisenden weiterziehen.
Eines Tages war Wißmann mit seiner Karawane in das Gebiet eines mächtigen Häuptlings eingerückt. Mühselig, im glühenden Sonnenbrand bahnte sich der Zug seinen. Weg durch Steppe und Dickicht. Plötzlich ertönte wildes Kriegsgeheul, der dumpfe
Zeitschriften.
— In der „Jllustrirten Zeitung Leipzig" zeigt Dr. Karl Megerle die wichtigsten Probleme der ungarischen Volkstums-Politik auf. Dem ungarischen Staatsoberhaupt, Reichsverweser Nikolaus von Horchy, ist ein Bildbericht gewidmet. Aus dem weiteren Inhalt sei ein Aufsatz über die Arbeitsaufgaben des Reichsarbeitsdienstes hervorgehoben, der an Hand einer Karte und zahlreicher Bilder auf die Arbeitsvorhaben des Reichsarbeitsdienstes eingeht. Dalerian Torpius steuert eine Plauderei „2Som Hofkonzert zur Hausmusik" bei.
Rußland 1812.
Von Kans Sturm.
1812.Napoleon dünkte sich Beherrscher des Abendlandes. Aber noch sah er Grenzen. Vor Frankreichs Küsten lauerte die englische Flotte, im Öfters drohte die russische Mauer. Was nützte es, seinen «ohn in der Wiege zum König von Rom zu ernennen, wichtiger schien ihm, den Briten den Wind aus den Segeln zu nehmen und den Weg zum fernen Osten freizumachen. Die Kontinentalsperre kam einem Verbot des Seehandels gleich und vernichtete die Volkswirtschaften mancher Staaten: die baltischen Provinzen konnten ihr Getreide nicht mehr ausführen, die mitteleuropäischen Länder mußten sich die notwendigsten Nahrungsmittel durch verteuernden Schmuggel beschaffen, von der Ausfuhr abhängige Unternehmen gingen zu Grunde, |o die preußische und die sächsische Leinwandspinnerei. Frankreich bereicherte er, indem er hier die sperre lockerte und so die Einfuhr franzosifcher Waren den beachbarten Ländern aufzwang. Damit wuchsen die Lasten der unter hohen Kriegstributen stöhnenden Völker ins Ungeheuere. Doch Napoleon übersah, daß er den Höhepunkt seiner Macht überschritten hatte. Dies wurde sein Verhängnis.
Als Rußland sich gegen die Kontinentalsperre wehrte, beschloß Napoleon den Marsch nach Moskau. Im Sommer 1812 brach er auf nut einem Heer von sechsmalhunderttausend Mann aus al er Herren Ländern:-ein buntgewürfelter Zug von wald- grünen Jägern, gelbleuchtenden Karabimeri, blau- weißen Dragonern, flinken schwarzen Husaren, hellroten polnischen Sanders, sächsischen Reitern, Portugiesen in bräunlichen Röcken, Mameluken in farbigen Gewändern; dazwischen Kanonen, Wagen mit Pulver und Blei, schwere kurze Mörser, Fuhren mit Leder und Tuch, Karren voll Holz, Geraten und Proviant für Mann und Roß, bärtige öappeurs mit blanken Aexten, holländische Brückenbauer, Os- fizierskarossen, Kroaten auf bestickten Schabracken — so zog die große Armee über Mosel und Rhein, über die Weser zur Elbe. In Dresden hielt der Korse Hof, damit der Habsburger und die Könige von Preußen, Sachsen und Bayern im Troß der Rheinbundfürsten ihm huldigten. Weiter gings über
wahr haben wollten, daß „der Arbeiter doch nichts von Musik verstehe", nein, man muß nur die richtigen Mittel und Wege finden, um sie ihm nahezubringen. Den besten Beweis hierfür bieten die W e r k k o n z e r t e, bei denen durchaus nicht nur Operetten gespielt werden. Wer einmal Gelegenheit gehabt hat, zuzusehen, wie beispielsweise deutsche Arbeiter einer Beethovenschen Sonate zuhören, der wird bestimmt erklären, daß er sich ein aufmerksameres Publikum kaum vorstellen kann. Das gleiche trifft naturgemäß für die Theaterabende zu, wobei besonders dafür Sorge getragen wird, daß vor allem bei schwereren Stücken die Besucher bereits vorher mit der Gedankenwelt des Dichters vertraut gemacht werden. Und wenn schließlich der letzten „Woche des deutschen, Buches" ein so schöner Erfolg beschieden gewesen ist, so vor allem deshalb, weil es gelungen ist, das deutsche Buch in alle Kreise des schaffenden Volkes hineinzutragen. Durch „Kraft durch Freude" ist dem schaffenden deutschen Menschen das Vaterland, die Heimat, erschlossen worden. Heute ist es nicht mehr so, daß einem ein Arbeiter auf die Frage, was die Heimat fei, die bittere Antwort gab: „Meine Heimat? Ja, das ist mein Zimmer im dritten Hinterhaus, wo die Sonne den ganzen Tag nicht hinkommt. Vaterland ist etwas für die Reichen, die an die See oder ins Gebirge fahren können!" Dies alles zeigt den ungeheuren Wandel, der von „Kraft durch Freude" vollzogen worden ist. Noch längst nicht soll es mit dem, was bereits erreicht worden ist, genug sein. Ob wir nun an die großen Rügenbäder oder an den Ausbau der Reisen nach Italien denken, viele Hände sind eifrig am Werk, um alle jene Forderungen durchzusetzen, die wir als wahrhaft sozialistischer Staat auf ^unjere
in ungezählten Betrieben aller Art umfangreiche Verbesserungen durchgeführt worden sind mit dem Ziel, dem schaffenden deutschen Menschen eine chönere und bessere Arbeitsstätte zu geben. So auf- chlußreich solche Zahlen auch sind und so wertvolle Rückschlüsse sie auch zulassen, so steht doch über allem die eine, einzig und allein ausschlaggebende Tatsache, daß die von „Kraft durch Freude" betreuten Volksgenossen erstmalig in ihrem Leben der inneren Lebensgüter der Nation, des kulturellen Lebens in all seiner Vielfältigkeit teilhaftig geworden sind. Wenn man früher zu einem Arbeiter das Wort „Kultur" sprach, so bekam man sogleich zur Antwort, daß dies „nichts für unfer- einen" wäre, denn viel zu sehr hatte sich bei dem deutschen Arbeiter infolge der so planmäßig vom Marxismus geleisteten Zersetzungsarbeit die Ansicht durchgesetzt, daß alles, was mit Kultur zusammenhinge, außerhalb seiner Interessensphäre stände und lediglich das Vorrecht einer bestimmten Klasse wäre, mit der er nichts zu tun hätte. Heute weiß der deutsche Arbeiter, daß es im neuen Deutschland keine Kultur mehr gibt, die das Vorrecht bestimmter Bevölkerungskreise ist, heute ist die Kultur eigen st e Sache des ganzen deutschen Volkes und Grundlage unseres gesamten Lebens überhaupt. Und in dieser Richtung ist eben durch „Kraft durch Freude" mit seinen einzelnen Aemtern jene grundlegende Aenderung erreicht worden, die wir heute auf Schritt und Tritt beobachten können.
Denn was die leitenden Männer dieser Organisation von Anfang an ahnten, hat im Laufe dieser Jahre millionenfache Bestätigung gefunden: der deutsche Arbeiter hungerte nach den kulturellen Gütern der Nation, er wollte an ihnen Anteil haben, er sah nur keine Möglichkeit, weil ihm alle Türen verschlossen waren. Es ist doch gar nicht so, wie es früher stets gewisse Kreise
Vier Jahre „Kraft durch Freude".
Ein kleines Erlebnis, das erst kurze Zeit zurück- , liegt: „Tannhäuser" wurde auf der Bühne einer - mittelgroßen Stadt gegeben, und die Theaterbe- । sucher setzten sich ausschließlich aus Fabrikarbeitern ; nebst ihren Familienangehörigen zusammen, denn die Aufführung war von „Krast durch Freude" in : die Wege geleitet. Selten habe ich ein andächtigeres - Publikum gesehen als an diesem Abend, mit stiller Ergriffenheit folgte es dem Spiel auf der Bühne. „Wer hätte das früher gedacht — so erklärte mir nachher der Spielleiter —, daß wir mit solchem Erfolg vor Arbeitern spielen würden! Unsere Schauspieler sind mit einer Begeisterung bei der Sache, die sich wirklich nicht übertreffen läßt, sie spüren deutlich, was sie an solchen Theaterabenden den Besuchern mit ihrer Kunst zu geben vermögen."
„Theater? Das ist doch nichts für uns Arbeiter! Einmal verstehen wir nichts davon, zweitens ist es für uns viel zu teuer, und drittens würde uns das feine Publikum doch nur scheel ansehen, wenn wir uns wirklich einmal in den Kunsttempel wagen wollten." Drückt sich in dieser Einstellung, die doch vor einem halben Jahrzehnt gang und gebe war, nicht die ganze Teilnahmslosigkeit einer Volksschicht aus, welche zu den wertvollsten der Nation gehört, um die sich aber bislang niemand gekümmert hatte? Wenn wir uns dieser Dinge, die doch erst wenige Jahre zurückliegen, erinnern, dann vermögen wir erst so recht die Größe jenes Werkcks zu begreifen, welches vor vier Jahren, am 27. November 1933, aus der Taufe gehoben wurde und den Namen „Kraft durch Freude" erhielt.
Man hätte wohl schwerlich eine bessere und zutreffendere Bezeichnung für diese neue Organisation des Dritten Reiches finden können als diese drei Worte, die so den Kern der Dinge treffen und die Aufgaben umreißen, welche dieser Einrichtung, der manche zu Anfang noch mit Mißtrauen gegenüberstanden, gestellt sind. „Kraft durch Freude" ist keine Schöpfung, die nur für den Feierabend Gültigkeit hat, nein, sie soll dem Volksgenossen in seinem ganzen Tageslauf ein treuer Weggefährte fein. Mit dem Fr-ühsport fängt es an, „Schönheit der Arbeit" mit ihren vielfältigen Aufgaben begleitet den schassenden Volksgenossen in seiner Arbeitsstätte, und wenn des Tages Werk getan ist, erhält er auf Theater-, Konzert- und Vortragsabenden einen Einblick in das kulturelle Schaffen der Nation. Den Höhepunkt bilden naturgemäß die großen Reisen u n d F a h r t e n , die den Teilnehmern nicht nur die Schönheit ihres eigenen Vaterlandes, sondern der Welt erschließen.
Es war eine eindrucksvolle Kundgebung der Deutschen Arbeitsfront, auf der Dr. Ley vor vier Jahren die Gründung der NS.-Gemeinschaft „Kraft durch Freude" verkündete und die Grundgedanken klarlegte, die für die zukünftige Arbeit maßgebend sein ursrben. Ohne au-f die damalige Rede des Reichsorganisationsleiters hier ausführlich eingehen zu wollen, seien doch einige Worte seiner Schlußsätze hier angeführt, weil sie zeigen, in welchem Maße das, was vor vier Jahren ausgesprochen wurde, inzwischen seiner Verwirklichung nähergebracht worden ist. Dr. Ley erklärte: „Als letztes großes Ziel, so hoffen wir, wird daraus die neue Gemeinschaft, d i e neue Gesellschaft des nationalsozialistischen Staates geboren werden.Lernen wir uns erst einmal wieder kennen, drücken wir uns die Hand und nehmen wir gemeinsam teil an der gemeinsamen Freude, an den Gütern unseres Volkes, dann wird aller Dünkel für alle Ewigkeit gebannt fein. Und deshalb soll dieses große gewaltige Werk im Hinblick auf das herrliche Ziel auch schon im Namen unser Wollen zum Ausdruck bringen: Nicht Freizeit, nicht Feierabend, nicht ,Nach der Arbeit' — unser Werk heißt: National s o z i a l i sch c Gemeinschaft .Kraft durch Freud e‘!"
Wenn wir eine Bilanz von vier Jahren „straft durch Freude" ziehen wollen, so wäre nichts einfacher, als einige zahlenmäßige Auswirkungen dieser Einrichtung zu geben. Wir könnten erwähnen, daß Millionen mit „Kraft durch Freude" bereits gereift sind, Theater, Konzerte und Museen besucht sowie an Sportkursen teilgenommen haben, wir könnten barlegen, daß, dank „Schönheit der Arbeit ,
o der Festtagsbraten wachst...
Dorsorgl che Erkundungsfahrt zu den Oderbrucher Gänsemästereien.
dauert die Ma st zeit. Dann verschwindet die schlachtreif gewordene Gänseherde morgens im Schlachthaus und kommt gehörig gerupft, tiefgekühlt und sauber verpackt erst am Abend aus den Verarbeitungsräumen, um nun die Reise zum Verbraucher anzutreten. Weil die Gans ein so ausgezeichneter, vielleicht sogar der beste Futterver» w e r t e r ist und daher in der Fettwirtschaft ihre bedeutsame Rolle spielt, verübeln wir ihr den Futterverbrauch nicht. Er lohnt sich schon!
Oie Gans ernährt das Dorf.
Die Gänsemästereien vieler Oderbruch-Dörfer be» wirkten die ungeteilte Einstellung aller Bewohner auf die zukünftigen Festtagsbraten. Ohne Ueber- treibung läßt sich sagen, daß alle Einwohner von der Gans leben, der Reichsbahnbeamte, der Rangierdienste auf dem Bahnhof leistet, ebenso wie der Mäster, der Futtermeister, der Gänsehirte, der Schlächter, die Rupffrau oder wie der Bauer, der Futter und Streu liefert. So schmücken denn Abbilder der Gans die Gehöfte, die Tür oder das Tor. Darum und um des wertvollen Fettgewinnes willen werden wir den Festtagsbraten, der jetzt her- anwächst, in diesem Jahr besonders freudig begrüßen!
L'lbter in der Nacht.
Ich sitze am - Steuer und gehe langsam in die Kurve. Plötzlich, ich strecke den Kopf vor und äuge scharf in die pechschwarze Nacht — nanu, winkt da ein Streckenwärter? Gas weg, Licht aus, Licht an: die Erscheinung bleibt. Zwei gelbe Lampen werden rhythmisch auf und abgeschwenkt. Donnerwetter, was ist da geschehen?
Sekunden später wächst eine Gestalt in den Scheinwerfer hinein, unheimlich groß für einen ebenerdigen Streckenwärter und, komisch, die Lichter werden jetzt zu seinen Füßen geschwenkt. Ob da einer unter ihm liegt?
Aber das — das ist ja ein ganz gewöhnlicher Radfahrer! Ein Radfahrer! Ich lache wütend vor mich hin. Was hat denn der Kerl mit feiner Karre angefangen? Als ich kurz und schmerzlich stoppe und mir den Mann ansehe, wie er so vor sich hin tritt, kreischen hinter mir noch ein paar Bremsen, ein kräftiger Wagen hält an und heraus steigen Männer. Und schon geht das Wortgeplänkel los: „Sie haben wohl den Radfahrer eben beobachtet, ist Ihnen da nichts aufgefallen?"
„Doch", sage ich, „der Radfahrer hat da zwei helle Laternen hinten an seinen Tretern, und wie ich jetzt bemerke auch vorn, und wippt damit bei jeder Kurbelumdrehung auf und ab, die Dinger überstrahlen vollkommen das vorschriftsmäßige Schlußlicht."
„Also, Sie haben die Lichter deutlich bemerkt?"
„Na klar, sie strahlten ja auf ein paar hundert Meter zu mir hin!"
„So, gut, fahren Sie weiter. Sie haben nämlich zum erstenmal die neuen vorschriftsmäßigen Rückstrahler beobachtet, die in Zukunft jedes Fahrrad statt der manchmal blinden roten Katzenaugen führen wird. Eine großartige, praktische, unverwüstliche Einrichtung, einfach und billig, wie alle wahren Errungenschaften."
Sie fahren davon. Ich aber bleibe sprachlos stehen... Allerdings — so ausgerüstete Radfahrer kann man nicht übersehen! - Raswel.
Revision im Mieger-Vroreß.
Frankfurt a. M., 23. Nov. (Lpd.) Der vom Schwurgericht wegen Mordes in zwei Fällen zweimal zum Tode verurteilte Johann Wilhelm M i e» g e r und sein wegen Totschlags zu 15 Jahren Zuchthaus verurteilter Sohn Wilhelm Mieger haben gegen das Urteil Revision eingelegt.
WächtervonEinbrechern schwerverletzt.
LPD. Frankfurt a. M. 24. Nov. In der Nacht zum Mittwoch gegen 24 Uhr versuchten drei Männer in ein Wasserhäuschen an der Bismarck- ; allee unweit der Festhalle einzubrechen. Die Diebs wurden von einem Wächter überrascht und gestellt. Auf dem Weg zur Wache griffen d i e Einbrecher den Wachter an und verletzten ihn am Kopf so schwer, daß er durch die Rettungswache in ein Krankenhaus gebracht werden mußte. Nach : dem lieberfall nahmen die Einbrecher dem Wächter I einen Trommelrevolver ab und verschwanden.
ZdR. Der November verweist auf den Martins- i tag, und da beschwört das Gedächtnis unfehlbar die . Erinnerung an den Martinsvogel herauf. Nun gilt i uns die „jutjebratne Jans", wie der Berliner sagt, 1 aber nicht gerade als Werktagskost, sondern eher als festtäglicher Braten, der uns umso besser schmeckt, je kälter es wird und je mehr Frost der Grünkohl auf dem Felde bekommen hat. Die Win- . terfälte steht uns noch bevor. Da mag es also wohl einmal angebracht sein, Ausschau nach dem schmackhaften Bogel zu halten, von dem ein infames Gerücht verbreitet, eine Bratgans märe für einen tüchtigen Esser als Mahlzeit zu wenig und zweie zuviel! Dank den vernünftigeren Erkenntnissen über die Ernährung sind wir jedoch gar nicht mehr darauf erpicht, uns ein Bäuchlein anzumästen. Wohl aber legen wir Wert darauf, daß unsere Haustiere das tun. Mit dem Schwein zusammen muß die Gans auf schlanke Linie verzichten. Sehen wir einmal des künftigen Festtaqsbratens wegen nach, wie es um die zweibeinigen Bratpfannen-Aspiranten bestellt ist!
Lm Oderbruch schneit es das ganzeZahr!
Im kurmärkischen Bereich wurde vor gut hundert Jahren das Dors Neutrebbin im Oderbruch dazü ausersehen, die erste Gänsemästerei großen Stils einzurichten. Sehr bald breiteten sich die Großmästereien über das ganze Bruch hin aus, weil es gelang, eine fleischige und dabei fette Gans auf wirtschaftliche Art heranzumästen. Der Verbraucher bevorzugte die Gänse des Oderbruchs so sehr, daß die Mästereien dazu übergingen, auch Jung- gänfe aus anderen deutschen Gebiete n und aus dem Auslande anzukaufen, um sie hier in kurzer Zeit durch die Mast schlachtreif zu machen. Vor dem Versand wurden und werden die Bratgänse gerupft, denn Daunen und Federn stellen nicht unbeträchtliche Werte dar. Jede Gänsemästerei beschäftigt daher viele Frauen, die tagaus, tagein nur Federn zu rupfen haben. Dicht geschlossen sind die Rupfstuben: dennoch finden kleine feine Federchen den Weg hinaus, und das ist der Grund dafür, daß es in so einem Gänsemästedorf während des ganzen Jahres „schnei t". Jetzt zu Beginn des „Saisongeschäftes" macht sich das die Spree, die Oder, durch Pommern, Preußen: aber als der gewaltige Zug das Herzogtum Warschau verließ, begann die endlose Weite der russischen Ebene, die Oede wuchs, Dörfer und Gehöfte lagen tageweit auseinander. Kein Feind schien den Zug zu hemmen. Erst vor Smolensk bornierten die russischen Kanonen, das Glück schien sich den Franzosen zuzuneigen, sie stürmten die Brücken, da ging die Stadt in Flammen auf, und in den Rauchwolken entkamen die Russen.
Am 14. September erblickte Napoleon von einer Höhe aus das alte Moskau, am 15. stand er vor den Toren, die offen waren. Er wartete, ob ihm der Rat der Stadt ober bas Volk entgegenkäme. Niemand kam. Da zog er mit Elingenbem Spiel durch die Tore, burch die leeren Straßen und nahm im Kreml Quartier, während die Truppen die verriegelten Häuser und Ställe erbrachen, um Obdach zu finden. Plötzlich brach an mehreren Stellen der Stadt Feuer aus, Wasser war nicht vorhanden, heftiger Wind half, am nächsten Tage glich Moskau einem wogenden Feuermeer. Napoleon mußte in aller Eile 'den Kreml verlassen, und als nach sechs Tagen der Brand eingedämmt werden konnte, drohten wieder die uferlose Weite der Steppe und der furchtbare russische Winter. Um das Letzte zu retten, bot Napoleon dem Zaren burch Eilkuriere seine Friebensbereitschaft an, boch ber Zar blieb unerreichbar, aber seine flinken Truppen drohten im Osten hinter der otabt.
Erst am 19. Oktober entschloß sich der Korse zum Rückzug, verfolgt und bedrängt von den Reiterhorden des Feindes: fast mehr noch als diese setzten Hunger und Kälte seinen Truppen zu. An ber Beresina verlor er die Zügel. Die Brücken waren von Kosaken gesprengt worben, im russischen Feuer ließ er zwei neue schlagen. Eine brach unter dem Andrang der Verfolgten zusammen. Tausende fanden : den Tod in den Fluten, aber Tausende wurden ge- । fangen; was nach Wochen in Wilna ankam, ver- i biente nicht mehr ben Namen Heer. Hier verließ : der Korse in einem Schlitten heimlich seine „Ar- i mee", deren Reste burch die weiße Wüste zogen, umstäubt von eisigem Schneewinb unb Kosaken, auf- ’ gelöste, stumpfe Kolonnen, bahinwankende Gestalten, - die an der Beresina ihre Fahnen verbrennen muß- ■ ten, um sie ben Verfolgern zu entziehen. Mäh- : rend Napoleon durch Polen, Schlesien, Sachsen mit


