zu dem etwa 250 Mitglieder aus Oberhessen, Nord- Nassau, Westfalen und dem Maingebiet erschienen waren. Ihnen entbot der Vorsitzende des Ortsbun- des Gießen, Ludwig Bender, Rodheim (Bieber), herzlichen Willkommgruß. Er ermahnte die Mit- glieoer zu gegenseitiger Hilfe und Förderung.
Der Bezirksfürsorger für die Gehörlosen in Nord- Nassau und Oberhessen, I. Sudes sen., Wetzlar, gab einen Bericht über die erfolgreiche Fürsorgearbeit, aus dem den Mitgliedern die Gewißheit wurde, daß sie in ihrem schweren Lebenskampf nicht allein stehen. Seine Worte waren eine erfreuliche Feststellung dafür, daß jeder Befriedigung in seinem Wirkungskreis finde und sich als wertvolles Glied in der Volksgemeinschaft fühle. Er ermunterte die Männer und Frauen zu gleicher treuer Pflichterfüllung an ihrem Arbeitsplatz und schloß mit dem Wunsche, daß sie sich mit Rat und Tat gegenseitig helfen und stützen möchten.
Gaubundesinspektor Schäfer, Darmstadt, zeichnete ein Bild der jetzigen Gesamtbewegung der Gehörlosen Deutschlands. Er sprach von der besonderen Fürsorge, durch die das Dritte Reich bemüht ist, den Gehörlosen den Lebenskampf zu erleichtern. Dabei erinnerte er daran, daß auch die Schicksalsgenossen ihren Platz auszufüllen lmstande seien, und er verwies auf eine Anzahl von ihnen, die sich als Künstler und als ausgezeichnete Handwerker allgemeine Anerkennung errungen haben. Don besonderer Herzlichkeit erfüllt war seine Anregung, daß jeder an seinem Teil und an seinem Platze Mitarbeiten möge am Wiederaufbau des Vaterlandes. Zum Schluß sagte er ihnen seine Hilfsbereitschaft zu und versicherte, daß auch die Führung des Reichsoerbandes sich jederzeit für alle Mitglieder einsetzen werde. Seine Worte klangen aus in einem begeistert aufgenommenen „Sieg-Heil" auf den Führer.
Musikalische Abendfeier in der Iohanneskirche.
Anläßlich der Wiederkehr des 300. Geburtstages des deutschen Meisters Dietrich Buxtehude (1637 bis 1707) wurden in einer musikalischen Abendfeier am Sonntag in der Iohanneskirche eine Reihe seiner Werke ausgeführt. Mit Recht gedachte man dieses Mannes, denn sein Wirken ist für unsere Musik von der größten Bedeutung gewesen. Er darf als der Schöpfer der Orgeltokkata gelten, und die ihm eigene Art der Choralbearbeitung hat auf den jüngeren Joh. Seb. Bach richtunggebend gewirkt.
Eine besonders fruchtbare Tätigkeit entfaltete Buxtehude, als er im Fahre 1668 Organist an der Marienkirche in Lübeck wurde. Die von ihm daselbst veranstalteten Abendmusiken waren weit berühmt und wurden von fernher besucht. Auch den Jüngling Joh. Seb. Bach zog es nach Lübeck, und der Einfluß der Abendmusiken läßt sich in seinen Werken deutlich feststellen. Vor allem waren es die Kantaten, die tiefsten Eindruck auf ihn machten. Buxtehude verwendet hier das Orchester schon in genialer Art, in manchen Werken verlangt er sogar schon Posaunen. Die Chöre besitzen Größe und Eindringlichkeit, doch macht sich der Einfluß des Jn- strumentalstils bei ihnen bemerkbar, noch mehr aber in den Stücken für eine Singstimme, die oft ganz instrumental gehalten sind.
Eigene Wege geht Buxtehude in der Verwendung des Textes. Den Choral behält er bei, ja macht ihn oft zum Leitgedanken der ganzen Kantate. Diese Art pflegt auch Bach später. Ergreifend wirken oft Bibelspruch und Choralstrophe in ihrem Zusammenklang.
Die musikalische Abendfeier gab in drei Werken einen Heb erb lief über das Kantatenschaffen des Meisters. In der Kantate: „Befiehl dem Engel" waren Chor und Orchester alleinige Träger des musikalischen Gedankens, „Mein Herz ist bereit" wurde nur von einer Baßstimme und kleinem Orchester ausgeführt, und in „Alles, was ihr tut" führten Chor, Solisten und Orchester, gut gesteigert, zu großer Eindringlichkeit. Herr G. Bley sang die Baßkantate mit seiner ergiebigen Stimme abgerundet, klar in den Koloraturen und sehr gut phrasiert und gab damit wieder eine Probe eines seltenen vielseitigen Könnens. Auch Marie Siebe» ling zeigte in dem kurzen Solo der letzten Kantate eine wohlgebildete, angenehme Sopranstimme. Die Chöre waren gut studiert; die Sprache war deutlich und ließ auch bei polyphonen Stellen den Text verstehen. Der bedeutungsvolle und nicht einfache instrumentale Teil wurde besonders in der ersten und zweiten Kantate von dem Streichorchester mit
Blandine setzt sich durch
Roman von Hans-Joachim Ireiherrn von Reihensteln
Copyright by Carl Duncker
8 Fortsetzung
(Nachdruck verboten.)
„Am Tage hat Fräulein Hertel nie Zeit", sagte Greta und blitzte Dr. Schrader an. Sie gehörte zu den Mädchen, die sofort d'accord mit einem Mann sind, der ihnen gefällt, und das gegenseitige Einverständnis ohne weiteres voraussetzen.
Auch sein Interesse schien sich ihr bald zuzuwenden. Kein Wunder, dachte Blondine, sie sieht heute wieder famos aus. Sie verglich sich im stillen mit der eleganten Erscheinung der andern, die lebhaft und angeregt aus einem Film kam, den sie gern selbst gespielt hätte. Der Vergleich fiel nur zu Gretas Gunsten aus.
Dr. Schrader hatte den Unterschied sofort erkannt. Das war ein Mädchen, bei dem man weiterkam. Und da er mit ihrer Hilfe bei Blandine weiterkommen wollte, so mußte es noch schneller gehen. Mit dem sicheren Instinkt des Mannes hatte er seine Chance erfaßt.
„Finden Sie nicht, daß Ihre Freundin schlecht aussieht?"
„Ich sage es ihr immer. Sie gönnt sich ja niemals Ruhe."
„Geht sie denn in der Woche überhaupt mal aus?" fragte er scheinheilig.
„Theoretisch jeden Donnerstag", lachte Greta, „praktisch nie."
„Doch. Ich war erst vorigen Donnerstag bei meiner Mutter", widersprach Blandine.
„Erst vorigen Donnerstag! Hören Sie das, Herr Doktor? Und seitdem?"
„Am Sonntag hatte ich keine Zeit", sagt Blandine kleinlaut.
„Also die Sache werden wir mal beide in die Hand nehmen müssen. Nicht wahr, gnädiges Fräulein?"
Greta Schade nickte lachend.
„Uebermorgen ist wieder Donnerstag. Dann holen Sie Fräulein Hertel nachmittags hier ab. Ich
Abschluß im Avsleselager der Sludenlenschafi.
Am Samstagnachmittaa, nach Schluß der Prüfungen, unternahm das Ausleselager einen Ausflug zum Gleiberg, wo die jungen Kameraden Gäste des Gleidergoereins waren. Der Vorsitzende des Gleibergverems, Kreisdirektor Dr. Lotz, begrüßte die Abiturienten auf der historischen Burg.
Am Samstagabend wurde das Ausleselager mit einem Kameradschaftsabend im Studentenhaus geschlossen. Die Prüfer, Beobachter und Prüflinge und eine Anzahl Gäste fanden sich im Speisesaal des Studentenhauses ein, wo sie von dem Lagerleiter Adam begrüßt wurden. Aus der Beteiligung der verschiedenen Formationen an dem Kameradschaftsabend sei zu ersehen, daß die Verbindung der Studentenschaft zu den verschiedenen Dienststellen eine enge sei. Schon seit Jahren bestehe zwischen Studentenschaft und der Partei und der Wehrmacht ein enges Verhältnis. Auch die Zusammenarbeit mit den Dozenten sei eine schöne. Nicht nur ernste Arbeit solle das Ausleselager ausfüllen, sondern auch die Freude solle zu ihrem Recht kommen.
Studentenführer Frank kam anschließend auf die neue studentische Gemeinschaftsform zu sprechen und betonte, daß von jeher die deutsche Studentenschaft neue Wege zu neuen Zielen gewiesen habe. In kurzen Zügen zeigte der Studentenführer die verschiedenen Epochen der Studentengeschichte bis in unsere Zeit auf. Der Totalitätsanspruch der NSDAP, habe auch an der Hochschule und dem studentischen Leben nicht vorbeigehen können. Die neue studentische Gemeinschaftsform sei die Kameradschaft. Sein Appell galt den jungen Kameraden, die mithelfen sollten, die neue Gemeinschaft aufzubauen und mit ihrer ganzen Kraft zu unterstützen. Auch die Altakademiker möchten der jungen studentischen Generation bei ihrem Wollen mit Rat und Tat zur Seite stehen.
Nach gemeinsam gesungenen Lied überbrachte der Prorektor unserer Universität, Prof. Dr. Hildebrand, die Grüße des am Erscheinen verhinderten Rektors. Die jungen Kameraden sollten ihre kulturelle Mitarbeit an Deutschlands Aufbau beweisen. Das Lager stehe unter dem Motto: Leistung. Nur der, der etwas leiste, solle Förderung erhalten.
Harte Tage lägen nun hinter den Abiturienten, denn um sich ein zusammenhängendes Bild machen zu können, mußten ihre bisherigen Kenntnisse und alle ihre Qualitäten geprüft werden. Der Abschlußabend stehe unter dem Zeichen der Kameradschaft. Die Gießener seien besonders stolz, da diese Kameradschaft hier schon seit Jahrzehnten bestände.
Für die anwesenden Offiziere dankte Generalmajor W i l l i ch der Lagerleitung für die Einladung. Studenten und Soldaten müßten Kameraden sein. Bei der Wehrmacht werde Führerprinzip und Kameradschaft besonders heroorgehoben. Die Jugend, die berufen sei, später einmal führende Stellen zu begleiten, müsse sich ihrer hohen Aufgabe immer bewußt sein. Die junge Generation müsse ein wehrhaftes Geschlecht werden, gehorchen und führen und in Not und Tod zusammenstehen. Jeder solle kämpfen für sein Volk und mit dem Volk.
Als Vertreter der Kreisleitung sprach Pg. Gräf zu den Studenten. Sie sollten geistige Träger des Volkes werden, als Akademiker nicht hochmütig sein, sondern stolz darauf, daß sie im Sinne des Führers für unser Volk arbeiten könnten. Der heutige Student stehe nicht mehr, wie früher, isoliert da, sondern er sei mitten im Volk, sei es im Arbeitsdienst oder bei der Wehrmacht, der SA. oder in der Partei. Für die künftige Arbeit wünschte Pg. Gräf einen guten Erfolg.
Kreisdirektor Dr. Lotz betonte, daß die heutige Studentenschaft einen Führer habe, nach dem sie sich ausrichten könne, während die frühere studentische Jugend sich einen Führer suchen mußte. Die heutige und die frühere Studentengeneration hätten die Liebe zum Vaterland gemeinsam. Sein Gruß galt der neuen deutschen Hochschuljugend.
Für die Teilnehmer am Ausleselager dankte dann der Jungkamerad Alter. Das Laaer hätte ihnen ein weiteres Erlebnis gebracht, in Zukunft wollten die jungen Kameraden mit ihrer Arbeit weiter dem deutschen Volke dienen.
Bei frohem Lied und Wort und manch heiterer Darbietung blieben die Gäste mit den Professoren, Studenten und dem Ausleselnger noch einige Stunden beisammen.
guter Reinheit und ryythmischer Genauigkeit ausgeführt.
Zwischen den Kantaten zeigten Herr Rein (Violine) und Herr Schneider (Cello) in einer Sonate kultiviertes Spiel. Besonders hervorzuheben ist die Arbeit des Organisten I. N e b e l i n g, der nicht nur zwei Orgelwerke Buxtehudes wirkungsvoll zu Gehör brachte, sondern auch die Kantaten sicher und zuverlässig leitete.
In sinnvoller und sinniger Weise sprach der Geistliche über den Text der letzten Kantate: „Alles, was ihr tut mit Worten oder mit Werken."
Heinrich Blass.
Totengedenkfeier
des Gesangvereins «Liederkranz''.
Als würdigen Auftakt zur Feier seines hundertjährigen Bestehens veranstaltete der Gesangverein „Liederkranz" am Sonntagoormittag eine Totenehrung. Mit der Vereinsfahne marschierten die Sänger vom Vereinslokal „Burghof" zum Neuen Friedhof. Mit den Angehörigen der Mitglieder und den Freunden des „Liederkranz" vereinten sich die Sänger in der Kapelle zu einer Feierstunde. Ein Choral von Beethoven unter der Stabführung des Chormeisters, Musiklehrer K a st e n, erklang. Dann widmete der Vereinsführer Josef Herberdt den verstorbenen Chordirigenten, Vereinsführern und Sängern herzliche Worte der Erinnerung. Er hob hervor, daß es nicht nur Ehrenpflicht, sondern auch Herzenssache der Sänger sei, schon jetzt, wenige Tage vor der Feier des hundertjährigen Bestehens, jener Männer zu gedenken, die ihr Teil dazu beigetragen haben, den deutschen Männergesang zur Entwicklung zu bringen und die im „Liederkranz" sich dem deutschen Liede gewidmet hatten. Besonderen Dank schulde der ,Liederkranz" dem Kantor Schwabe, der den Verein vor hundert Jahren ins Leben gerufen hatte. Zum Zeichen dessen, daß auch die jetzige Sängergeneration sich der ihr überkommenen Verpflichtung bewußt ist, legte der Sprecher Blumengrüße für alle Verstorbenen an einem Grabe nieder. Mit dem „Sanctus" von Schubert klang die Feierstunde aus.
** Lehrauftrag der Universität Marburg. Der Apotheker Dr. Mettenheimer in Gießen hat von der Universität Marburg einen Lehrauftrag über „Apotheker-Gesetzgebung" erhalten.
** D i e n st j u b i l ä u m. Der Steueramtmann Pfeifer beim Finanzamt Gießen beging am gestrigen 25. Oktober sein 40jähriges Dienstjubiläum. Dem verdienten Beamten wurde durch den Vorsteher des Finanzamts eine Urkunde des Führers und Reichskanzlers überreicht, in der der Dank der Reichsregierung ausgesprochen worden ist. Außerdem wurde Steueramtmann Pfeifer der Dank und die Anerkennung des Herrn Reichsministers der Finanzen, sowie des Herrn Oberfinanzpräsidenten Hessen in Darmstadt zum Ausdruck gebracht.
** Silberne Hochzeit. Am heutigen 26. Oktober begehen die Eheleute Jose, Wacker und Frau, geb. Dewald, Bruchstraße 7 wohnhaft, das Fest der Silberhochzeit.
** Zusammenkunft der Oeffentlichen Handelslehranstalt. Im „Burghof" hielt die Oefsentliche Handelslehranstalt Gießen unter Leitung ihres Direktors Dr. Kruse am Samstag ihre vierte Zusammenkunft der ehemaligen Schüler und Schülerinnen ab. Dazu hatten sich zahlreiche ehemalige Angehörige eingefunden. Dr. Kruse hieß alle herzlich willkommen.. Er gab der Hoffnung Ausdruck, daß sich aus diesen Zusammenkünften eine Tradition zur Förderung der Anstalt bilden möge. Er berichtete dann über Aenderungen und Erneuerungen in der Anstalt und frischte manches gemeinsame Erlebnis auf. Mit den besten Wünschen für den ferneren Lebensweg der Jugend brachte Dr. Kruse den Treugruß an den Führer aus. Mit eigenen Darbietungen unterhaltender Art wurde bann das kameradschaftliche Beisammensein abwechslungsreich ausgestaltet.
** Mit dem Auto in die weite Welt. Am Sonntagoormittag unterhielt der Autosportler und Reiseberichterstatter Paul Schweb er eine große Besucherzahl im Gloria-Palast mit einem fesselnden Lichtbilderoortrag über Kraftfahrsport und Kraftfahrtouristik. Der Vortragende verstand
abwechslungsreich und interessant zu erzählen von den aufregenden Erlebnissen des Autorennsports, insbesondere bei den großen internationalen Autorennen mit ihrer Zweckbestimmung schärfste Materialproben vorzunehmen und immer neue Rekorde zu erkämpfen, aber auch von der gemütliche» Reisetouristik mit dem Kraftwagen, bei dem die Fahrt aller Herren Länder berührt, die prächtigen deutschen Toursstendampfer mit zur Verwendung bringt und so durch Auto und Schiff Brücken und Wege zeigt bis hinüber nach Afrika und den Inseln der Atlantik. Weiter fanden auch die großen deutschen Prüfungsfahrten für Kraftfahrzeuge in dem Vortrag ihren gebührenden Platz. Dazu bereicherte der Vortragende seine lebendigen Schilderungen von Land und Leuten mit einer Fülle von prächtigen Bildern, die durch die technischen Mittel des Gloria-Palastes vortrefflich gezeigt wurden. Das Auto als Mittel des Sports und der Touristik hatte in diesem Lichtbilderoortrag einen vortrefflichen Wegbereiter.
Gießener Wochenmarktpreise.
* Gießen, 26. Oft. Auf dem heutigen Wochenmarkt kosteten:'Deutsche feine Molkereibutter, % kg 1,57 Mark, feine Molkereibutter 1,52, Markenbutter 1,55 bis 1,60 Mark, Matte 20 bis 25 Pf., Käse, das Stück 5 bis 10, Eier, deutsche, Klasse A 11%, Klasse B 11, Wirsing, % kg 9 bis 12 Pf., 50 kg 7 bis 8 Mark, Weißkraut, % kg 6 Pf., 50 kg 4 bis 5 Mark, Rotkraut, % kg 9 bis 12 Pf., 50 kg 7 bis 9 Mark, gelbe Rüben, % kg 8 bis 9 Pf., Karotten 8 bis 12, rote Rüben 8 bis 10, Spinat 15 bis 20, Römischkohl 8 bis 10, Bohnen, grün 30, Unterkohlrabi 6 bis 8, Erbsen 25 bis 30, Grünkohl 15, Rosenkohl 15 bis 25, Feldsalat, Vio 10, Tomaten, % kg 12 bis 15, Meerrettich 30 bis 60, Zwiebeln 6 bis 7, Schwarzwurzeln 25 bis 40, Kürbis 5 bis 6, Pilze 40 bis 45, Kartoffeln, % kg 4 Pf., 5 kg 40 Pf., 50 kg 1. Sorte 3,45 Mark, 2. Sorte 3,25, 3. Sorte 3 Mark, Aepfel, % kg 10 bis 18 Pf., Ausleseobst 18 bis 25, 50 kg 10 bis 25 Mark, Birnen, % kg 10 bis 18, Nüsse 30 bis 50, Suppenhühner 80 bis 90, Gänse 90 Pf. bis 1 Mark, Blumenkohl, das Stück 10 bis 50 Pf., Salat 9 bis 12, Endivien 9 bis 12, Oberkohlrabi 5 bis 8, Lauch 5 bis 8, Sellerie 10 bis 30, Rettich 5 bis 10, Radieschen, das Bündel 8 bis 10 Pf.
3m Walde fof aufaefunden.
* Nidda, 26.Okt. Gestern vormittag fand man im Borsdorfer Wald einen Mann tot auf, der durch die Ermittlungen als der 44 Jahre alte verheiratete Heinrich B ö ch e r aus Ulfa festgestellt wurde. Der Mann hatte sich am Samstagabend von zu Hause entfernt mit der Bemerkung, er wolle nach der Haubenmühle gehen. Seit jener Zeit war er verschwunden, bis man ihn gestern vormittag tot im Walde auffand. Die Leiche weist eine Schä- deloerletzung auf. Die Staatsanwaltschaft und dis Kriminalpolizei Gießen nahmen sofort die Ermittlungen auf, jedoch konnte die Todesursache bis jetzt noch nicht einwandfrei festgestellt werden. Die Sektion der Leiche findet am heutigen Dienstagvormittag statt.
Bis auf die Grundmauern abgebrannt.
* Schotten, 26. Okt. Gestern nachmittag brach in dem Grundstück des Landwirts Karl Burg in Busenborn in der Scheune Feuer aus, durch das leider die Scheune und die Stallungen bis auf die Grundmauern eingeäschert wurden. Die Heu- und Strohvorräte sind mitverbrannt, dagegen gelang es, das Vieh und das Wohnhaus zu retten. Die behördlichen Ermittlungen über die Brandursache sind im Gange.
Rundfunkprogramm
Mittwoch, 27. Oktober.
6 Uhr: Morgenspruch. Gymnastik. 6.30: Früh- konzert. 7: Nachrichten. 8.10: Gymnastik. 8.30: Werkskonzert. 10: Schulfunk. 10.30: Hausfrau, hör zu! 11.40: Gaunachrichten. 11.45: Deutsche Scholle. 12: Mittagskonzert. 13: Nachrichten, auch aus dem Sendebezirk. 13.15: Mittagskonzert. 14: Nachrichten. 14.10: Jubel und Trubel. 15: Volk und Wirtschaft. 16: Das neue deutsche Lied. 16.30: Nachmittagskonzert. 17.30: Ungarische und slowakische Klaviermusik. 18: Zeitgeschehen im Funk. 19: Nachrichten. 19.10: Unser singendes, klingendes Frankfurt. 21.15: Sturm auf Santa Rock, Hörspiel. 22: Nachrichten, auch aus dem Sendebezirk. 22.20: Kamerad, wo bist du? 22.30: Unterhaltung und Tanz. 24 bis 1: Nachtmusik.
bringe noch einen riesig netten Freund mit, und wir treffen uns alle vier um fünf Uhr im Kaffeehaus. Abgemacht?"
„Abgemacht", rief Greta Schade. *
Man hatte sich in einem Kaffeehaus getroffen. Blandine war mit Greta Schade gekommen, Doktor Schrader hatte einen jungen Kollegen mitgebracht.
Plötzlich sah Greta auf die Uhr. „Um's Himmels willen — ich muß unbedingt noch etwas besorgen, ehe die Läden schließen!" Sie sprang auf.
Doktor Kapp erhob sich mit ihr. Er half ihr in den Mantel. Dann legte er ein Geldstück auf den Tisch, bat seinen Freund, für ihn zu bezahlen und verabschiedete sich.
Ehe Blandine noch zu Worte kam, waren die beiden verschwunden. Sie wollte nicht so zimperlich sein und nun auch sofort Weggehen. Recht unangenehm war es ihr aber.
Es hatte sie an diesem Nachmittag schon vieles unangenehm berührt. Sie war bisher in Greta? Gegenwart noch nie mit jungen Leuten zusammen gewesen und auf den burschikosen Ton, den sie an» gab, durchaus nicht gestimmt.
Doktor Schrader hatte das bemerkt und hatte ihr beigestanden. Er benahm sich genau so taktvoll und wohlerzogen gegen sie wie in der Klinik. Er hatte ihr über verschiedene Peinlichkeiten fortgeholfen. Vor allem darüber, daß Greta mit Doktor Kapp schnell einig geworden war. Die beiden sprachen miteinander wie alte Bekannte. Aber auf einer ganz andern Basis hatten sie sich geeinigt, als das Blondine jemals liegen würde.
„Wie sind Sie eigentlich an Fräulein Schade gekommen? Die scheint doch gar nicht zu Ihnen zu passen?"
„Wir waren jahrelang zusammen auf der Haushaltungsschule." Und dann nachdenklich: „Ich weiß nicht, früher war sie anders."
„Früher stand ihr wahrscheinlich olles besser."
„Merkwürdig, so etwas Aehnliches sagte meine Mutter neulich auch. Greta war ein so reizendes Mädchen."
„Dos glaube ich."
„Wollen wir nicht jetzt gehen?" fragte Blandine. „Gern." Er winkte dem'Kellner.
Sie war recht verwirrt. So allein war sie noch nie mit einem jungen Mann in einer fremden Um
gebung gewesen. Und nun gar mit hem, über dessen bloße Bitte, einmal mit ihm auszugehen, sie immerhin wochenlang hatte grübeln müssen.
Sie traten zusammen auf die Straße, hinaus in das Gewühl von hupenden, rasenden oder knatternd immer wieder schaltenden Autos, in Lärm und Grelle.
Unwillkürlich wandte Blandine sich nach der andern Seite, wo über den dunklen Tiergartenbäumen am hohen Nachthimmel die Sterne standen. Von dort her wehte es frisch und klar, Heimatlich war das für sie, die im Vorort so aufgewachsen war, daß sie immer Himmel und Bäume vor Augen hatte. Sie war es, die harmlos vorschlug, noch einen Umweg durch den Tiergarten zu machen. „Ich fahre dann vom Potsdamer Platz mit der U-Bahn nach Hause."
Wenn sie den raschen, fragenden Seitenblick gesehen hätte, mit dem Doktor Schrader sie verwundert musterte, bann hätte sie ihn nicht einmal verstanden.
Im Tiergarten war Glatteis. Auch das hatte Blandine nicht gewußt. Mit kleinen, hohen Absätzen war es schwer, hier zu gehen, besonders wenn man an flache Arbeitsschuhe gewöhnt war. Sie mußte sehr aufpassen, um nicht auszugleiten.' Aber so sehr aufpassen konnte sie wiederum nicht, weil sie zu befangen war.
Plötzlich rutschte sie aus, daß Doktor Schrader sie auffangen mußte. „Ich beobachte das schon eine Weile", sagte er freundlich. „Sie sollten lieber meinen Arm nehmen, ehe Sie sich die Beine brechen."
Was kann man einem Manne da sagen, wenn man eben erst mit seiner Hilfe wieder auf den Nutzen steht? Und schließlich, wenn sie ihm das Vertrauen schenkte, mit ihm hier durchs Dunkel zu aehen, dann konnte sie sich wohl auch von ihm führen lassen.
Doktor Schrader gehörte zu den Männern, bei denen man sich geborgen fühlt. Und es war sehr schon, sich geborgen und beschützt zu fühlen, nachdem man monatelang so viel selbst verantwortet hatte. Es war schon, angesichts der Sterne und des hohen winterlichen Himmels zu gehen und die Stille des Parks und die Ruhe des Begleiters auf sich einströmen zu lassen.
Es war wunderschön sich treiben zu lassen, nichts ZU arbeiten, nichts zu bedenken.
Und es war schön, zu fühlen, daß es ihnen beiden Wohltat, Kameraden in der Arbeit. Warum sollten sie heute nicht einmal Kameraden im Nichtstun jein? Sie gingen in gleichem Schritt. Sie fühlten beide das gleiche. Sie brauchten nicht einmal zu sprechen.
Sie konnte es nicht als zudringlich empfinden, daß er ihren Arm langsam fester an sich zog, daß es nicht mehr ein Stützen, sondern eine festhaltende Liebkosung war. Sie fühlte jetzt, daß sie in den vergangenen Wochen unaufhörlich an ihn gedacht, im Geiste mit ihm gesprochen hatte, daß eigentlich der Gedanke an ihn schon lange so neben ihr her geschritten war, wie er es jetzt tat.
Für ihn war dies alles beglückend. Aber er war ein Mann. Er griff zu. Da er sie mit dem rechten idrm stützte, hob er den linken, um sie an sich zu ziehen.
Das hätte er nicht tun dürfen. Das Radiumzifferblatt auf der Armbanduhr des Arztes leuchtete plötzlich vor Blandine auf. Acht Uhr. Das war genau die Zeit, zu der ihre Mutter sie zum Abendbrot erwarten mußte, wenn sie nicht schon zum Kaffee gekommen war.
Sie machte sich los.
„Ich muß schleunigst nach Hause. Es ist ja acht Uhr!"
Das kam so plötzlich, daß er sie wortlos freigab. Sie ging, so rasch sie konnte. „Verzeihen Sie, daß ich so renne. Aber meine Mutter erwartet mich. Ich wußte ja nicht, daß es schon so spät ist. Es ist mir sehr peinlich."
„Ihrer Mutter oder meinetwegen?" scherzte er. Er hatte sich wieder gefaßt.
Sie wurde sehr rot, aber er sah es im Dunkeln nicht. Sie antwortete nicht, sondern beschleunigte nur ihre Schritte.
Sie hatten die Lichter des Potsdamer Platzes erreicht. Blandine verabschiedete sich. Jetzt sah er, daß sie errötete. Und er nahm das Bild des jungen Weibes mit sich, als er allein wieder durch den Schnee der Bellevuestraße ging. Allmählich wurde ein Mißtrauen in ihm wach. Aha — also erst schlägt man den dunkeln Tiergarten vor. Und dann bestimmt man selbst den Augenblick, wann das
। Männchen zu entlassen ist.
I Er war ärgerlich aäf sich und auf Blandine.
Fortsetzung folgt


