Nr.198 Zweiter Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen) Donnerrtag, 26. August
ihnen bereits der Zustand einer gewisse ernährung, die schon im Krcmkh
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Pflichten und Opfer gemahnt. Auf mancherlei Um- wegen kehrt er heim zu sich selbst, zu dem Boden seiner Väter und zu den Kameraden, die er aus einem Regimentstage wieder sieht. Wie er in ihrem Kreise Treue und Kameradschaft aufs Neue erlebt und schließlich durch Freundschaft und Liebe den Zugang zu der ihm bisher verschlossenen Welt der Frau findet — das hat Grabenhorst mit tiefer menschlicher.Empfindung in diesem kleinen Kunstwerk erzählt.
— Martin Luserke: Das Wrack des Raubschiffs. Seegeschichten. Mit einem Nachwort von Gregor Heinrich. (Nr. 7372.) Kart. 35 Pf-, Künstlerpappband 75 Pf., Meisterband (Ganzleinen) 1— RM. Philipp Reclam jun., Verlag, Leipzig. — (174) — Wie kaum ein anderer hat Luserke die See als das geheimnisvolle Urelement in seinen Werken beschworen. Die Titelnovelle überbrückt wie in atmosphärischer Spiegelung die Grenze von Land und Meer, von Leben und Tod in der Leidenschaft zweier Liebenden. Das grausige Spiel dämonischer Gewalten kommt in der Strandräubergeschichte „Von der Hand, die sich rächte" zu packender Wirkung. Aus nordischer Vorzeit steigt die Legende von „Sivard Einauge" in mythischer Größe auf.
die größte Leistungsfähigkeit vorhanden sind. Das ist aber keineswegs bei der Unterernährung der Fall. Frauen, die einer zu großen Leibesfülle wegen vorübergehend ihre Ernährung stärker einschränken, sind damit natürlich nicht gemeint, da bei ihnen noch genügend Reservestoffe zum Ausgleich des Stoffwechsels vorhanden sind. Im Einzelfalle ist es aber durchaus nicht ratsam, auf eigenes Gutdünken oder allein aus modischen Gründen Entfettungskuren irgendwelcher Art durchzuführen, sondern immer sollte erst ein Arzt zu Rate gezogen werden.
— Eduard Thorn: Schwärmereides Herzens. Erzählung. 115 Seiten. Gebunden 1,75 RM. Leipzig, Hesse & Becker Verlag. — (202.) — Der Held dieser Erzählung ist Jean Paul, der Dichter des „Hesperus", des ,Titan" und der „Flegeljahre", der sich nach Frauenliebe sehnt, der von den Frauen einer romantischen Epoche geliebt wird und der sich doch niemals entschließen kann, einer von ihnen ganz zu gehören. Er und die ihn liebenden Frauen — in deren Mitte Charlotte von Kalb steht — beweisen, daß Empfindsamkeit und Schwärmerei keineswegs immer Entartungen der Seele bedeuten, sondern daß sie im Gegenteil die Grundlagen schöpferischer und aufbauender Kräfte des Menschen sein können.
— Meyers Lexikon, 8., gänzlich neu bearbeitete Auflage in 12 Bänden (10 Hauptbände, ein Registerband, ein Atlasband). lieber 300 000 Stichwörter und Nachweise, rund 20 000 Bilder, darunter zahlreiche mehrfarbige im Text, sowie einfarbige Kunstdruck-^Bilder auf 1600 Tafeln, etwa 400 meist mehrfarbige Karten. Jeder Band in Kunsthalbleder 15 Mark, in Prachtausgabe 20 Mark. Verlag Bibliographisches Institut AG., Leipzig. — (167) — Der zweite Band des neuen „Großen Meyer" bestätigt vortrefflich die Absicht des Verlags, ein auch äußerlich und in der Anordnung ver- bessertes Nachschlagewerk zu schaffen. Die Fülle farbiger Abbildungen und reizvoller Bildfolgen ist erstaunlich. Die wichtigste Neuerung betrifft die innere Gestaltung. Die 8. Auflage ist als völlig aus der Weltanschauung des Nationalsozialismus heraus neu gestaltet worden. Der Verlag begnügt sich nicht damit, eine Aufzählung von Lebensdaten, all- gemeinen Angaben, Werken ufw. zu bieten; vielmehr sind den Stichwörtern, soweit nötig, auch Wertungen angefügt. Allenthalben wird eine klare und eindeutige Unterrichtung geboten, nicht zusammenhanglose Aufzählung von Tatsachen, deren Hintergründe unbekannt bleiben. Den Höhepunkt des zweiten Bandes stellen die großen Artikel dar. So wird z. B. in dem Artikel „Demokratie" nach einem geschichtlichen Ueberblick der Wesensunterschied zwischen parlamentarischer und germanischer Demokratie herausgearbeitet. Aufbau und Arbeit der DÄF. ist in fünf Spalten mit acht Bildtafeln behandelt. Die beiden großen Artikel „Deutsche Kultur" und „Deutsches Reich" nehmen mit über 450 Spalten, 118 Bildtafeln und einer bedeutenden Anzahl bunter Textbilder und Geschichtskarten rund ein Drittel des Bandes ein. Jeder dieser Abschnitte stellt ein kleines Schulungswerk für sich dar. Daß auch außerdeutsche Dinge nicht zu kurz kommen, beweisen z. B. die großen Artikel über Dänemark und China.
interessante Photos, die den Kampf der deutschen Bergsteiger und die Schönheit der unermeßlichen Gipfelwelt des Himalaja zeigen, dem Buch auf Tafeln beigegeben. Die neue wohlfeile Ausgabe wird alle Freunde kühner Taten begeistern, insbesondere unsere Jugend.
— Joachim von der Goltz: „Einst auf der L o r e t t o h ö h e". München, Verlag Albert Langen / Georg Müller. „Die Kleine Bücherei". — (199.) — Wie eines der großen Heldenlieder der deutschen Geschichte muten diese Aufzeichnungen des Leutnants Bruckner an, die, auf einem wahren Erlebnis beruhend, die Erstürmung der Lorettohöhe schildern. In dieser Dichtung hat Joachim von der Goltz uns das Vorbild des jungen Offiziers gezeigt, dessen leidenschaftliche Hingabe an das Kriegserleben feinen Soldaten Ansporn und Verpflichtung ist. Aus solchem Geiste kameradschaftlicher Gemeinschaft und kriegerischen Führertums erwächst die Kraft zu großen Taten echten Soldatentums.
— Georg Grabenhorst: „Regiments- t a g e". Verlag Albert Langen / Georg Müller in München. „Kleine Bücherei". — (200.) — In dieser Erzählung wird das Schicksal eines jungen Offiziers lebendig, der, unversehrt aus dem verlorenen Kriege zurückgekehrt, sich einer neuen Welt gegenübersieht, die alle ihm liebgewordenen Gesetze und Ideale zertrümmert hat. Verzweifelt wendet er der Heimat wieder den Rücken. Je weiter er aber in die Fremde hinausfährt, um so mehr wird er seiner entschwundenen Vaterlandsliebe gewahr, die ihn an feine
Bisher waren die Ursachen der Migräne noch fehr umstritten. In einem Wiener Krankenhaus durchgeführte Untersuchungen haben nun eraeben, daß an Migräne leidende Frauen während solcher Anfälle einen sehr verlangsamten Stoffwechsel haben. Wir müssen also die Migräne anscheinend den Stoffwechselerkran^k ungen zurechnen. Um diese Verlangsamung des Stoffwechsels im Körper aufzuheben, hat man jetzt in der Behandlung der Migräne die sogenannte „Oxydasekur" eingeführt. Es ist gelungen, tierische und pflanzliche Stoffe (sogenannte Fermente) zu finden, die eine Beschleunigung des Stoffwechsels bewirken. Die Kranken bekommen diese Fermente im Essen oder in Pulverform. Es hat sich gezeigt, daß schon sehr geringe Mengen des neuen Mittels genügen, um die Migräne verschwinden zu lassen.
Unsere körperliche und seelische Spannkraft unterliegt im Laufe des Tages vielen Schwankungen. Die meisten Menschen kennen den Verlauf der „Tages kurve" ihrer Spannkraft bewußt oder unbewußt sehr genau. Die einen arbeiten frühmorgens am liebsten, andere haben in späten Abendstunden eine erhöhte Leistungsfähigkeit. Die Aerzte kennen für viele schwere Krankheiten „kritische" Tageszeiten, ganz bestimmte Stunden für das Eintreten der Krisis, der plötzlichen Besserung der Krankheit, oder des Todes. Die Untersuchung dieser „Tagesperiodik" des Menschen ist ein Forschungsgebiet, dem die Wissenschaft ihr besonderes Interesse zuwendet. So wurden jetzt aufschlußreiche Versuche über die Schwankungen des Schmerzempfindens im Verlaufe des Tages angeftellt. Mehrere Zahnärzte prüften die Reizempfindlichkeit der Zähne ihrer Patienten mit Hilfe des elektrischen Stroms. Es stellten sich zahlreiche Versuchspersonen zur Verfügung, an deren gesunden Zähnen die Versuche stündlich wiederholt wurden. Alle Versuchspersonen reagierten genau in derselben Weise — daraus geht hervor, daß es sich hier um allgemeingültige Gesetzmäßigkeiten handeln muß. Es zeigte sich, daß bei jedem Menschen das Schmerzempfinden im Laufe des Tages allmählich anfteigt und gegen 18 Uhr den Höhepunkt erreicht, um dann wieder allmählich abzunehmen. Es fragt sich nun, ob man die an den Zähnen gewonnenen Resultate auch auf sonstige Schmerzempfindungen anwenden darf. Die Wissenschaft bejaht diese Frage. Die „Schmerzkurven" werden daher auch praktische Bedeutung in der Chirurgie erlangen.
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Dänemark hat jetzt damit angefangen, alle seine Kinder gegen Keuchhusten z u impfen und hofft dadurch, diese Krankheit ebenso wie früher die Pocken schließlich zum Verschwinden zu bringen. Bisher war der Keuchhusten mehr noch als Scharlach und Diphtherie die schlimmste Kinderkrankheit in Dänemark: von 1000 kranken Kindern starben 26 an Keuchhusten. Die Impfung verringert jedoch sowohl die Gefahr als auch die Dauer der Krankheit sehr wesentlich: von fast 4000 geimpften Kindern starben nur noch 6! Die Erfolge der neuen Jmpfmethode haben dazu geführt, daß sie jetzt auch in anderen Ländern zur Anwendung kommen soll. Die Impfung wird so früh als möglich in allen Fällen unternommen, in denen Keuchhustengesahr besteht.
Prof. Dr. B r u g s ch wies auf Grund feiner Untersuchungsergebnisse nachdrücklich darauf hin, daß die „schlanke Linie" bei vielen Frauen nur durch eine erzwungene, langanhaltende Unterdrückung des Hungergefühls erreichbar ist. Die auf diese Weise erzielte künstliche Magerkeit ist bei
Was gibt es Neues in der Heilkunde?
Von Or. meb. W. Sievert.
— Paul Bauer: Kampf um den Himalaja. Neuauflage der Volksausgabe. 200 Seiten und 82 Bilder auf Tafeln. Verlag Knorr 8- Hirth G. m. b. H. München. Leinen 4,80 Mark. — (179) — Schlicht und ungemein packend schildert Paul Bauer seine beiden Angriffe auf den 8579 Meter hohen Kantsch, den zweithöchsten Berg der Welt, in den Jahren 1929 und 1931. Das war damals ein unerhört kühnes Unternehmen. War doch den wiederholten Angriffen der Engländer auf den Everest in den Jahren nach dem Krieg trotz ungeheueren Aufwandes und des Einsatzes aller Mittel eines Weltreiches, der Erfolg versagt geblieben. Bauer mußte es anders anpacken. Seine Mittel waren gering, die Mannschaft klein aber ausgesiebt, die Ausrüstung auf das äußerste beschränkt. Er baute mehr auf Kameradschaft, Opfersinn und straffe Organisation, wie er es vom Kriege her gewöhnt war. Freilich das letzte Ziel blieb auch ihm versagt. In 7200 Meter Höhe wurde die Schar durch einen furchtbaren Schneesturm zum Rückzug gezwungen. Zwei Jahre später wiederholte er seinen kühnen Angriff. Doch dieser forderte zwei Todesopfer: Hermann Schalter, einer der besten unserer jungen Bergsteigergeneration, stürzte an exponierter Stelle mit seinem Träger in die Tiefe. Trotz dieses erschütternden Ereignisses gelang es unter ungeheuren Anstrengungen den Angriff bis auf den 7700 Meter hohen Sporngipfel vorzutragen. Dort bot eine 150 Meter hohe Steilwand Halt. Aus der reichen Bildausbeute beider Expeditionen find 92
z_____, khaften liegt.
Das gilt namentlich dann, wenn die Frauen aus dem Zustand überreicher Ernährung plötzlich zur Unterernährung übergehen. Neben einer starken „Abschmelzung" von Muskeleiweiß verringert sich die Blutmenae, ein niedrigerer Blutdruck und eine verringerte Absonderung der Darmsäfte werden beobachtet: alles die gleichen Symptome, wie sie der chronischen Unterernährung eigen find! Prof. Brugsch weift darauf hin, daß nur derjenige Ernährungszustand der richtige sein kann, bei dem das vollkommene Wohlbefinden und
Manche Menschen bekommen recht unangenehme Kopfschmerzen, wenn sie zu hastig Speiseeis gegessen haben — meist ist ihnen aber dieser Zusammenhang nicht bekannt, und sie suchen vergeblich nach der Ursache der plötzlich austretenden Schmerzen. Der Arzt Dr. Kamm hat sich mit dieser zwar harmlosen, aber wissenschaftlich zunächst nicht genügend geklärten Gesundheitsstörung beschäftigt, und es gelang ihm auch, diese Frage befriedigend zu lösen. Er prüfte bei 18 Versuchspersonen, die rasch Speiseeis zu sich nahmen oder bei denen Kunsteis auf die Zunge oder an den Gaumen gedrückt wurde, das Verhalten der Blutgefäße an der Augenbindehaut und konnte dabei
Neues für den Büchertisch
feftfteüen, daß für kurze Zeit ausfallende Veränderungen in der Weite dieser Adern und in der Strömungsgeschwindigkeit des darin kreisenden Blutes auftraten. Ebenso wie in den Augengefäßen dürften aber, zum mindesten bei empfindlicheren Personen, auch an den Blutgefäßen des Gehirns derartige plötzliche Veränderungen hervorgerufen werden, die dann den Kopfschmerz auslösen. Für die Praxis ist es also ratsam, daß in dieser Beziehung empfindliche Menschen beim Genuß von Speiseeis einige Vorsicht anwenden, um eine zu rasche und zu starke Abkühlung der Mundschleimhäute zu vermeiden.
Dr. Th. Lang von der Deutschen Fvrschunas- anstalt für Psychiatrie (München) veröffentlichte Die Ergebnisse aufschlußreicher Untersuchungen, die er über die Frage der Kropfentstehung angestellt hat. Bekannt ist die Tatsache, daß in bestimmten Gegenden (z. B. der Schweiz, in Deutschland vor allem in Bayern) der Kropf „endemisch" ist, d. h. dort immer wieder auftritt. In solchen Gebieten muß also eine kropfauslösende Ursache vorhanden sein. Früher glaubte man, dem Jod- mangel in Nahrung und Wasser die Schuld geben zu können, aber diese Annahme hat sich nicht halten lassen. Dr. Lang führte nun in typischen „Kropfgebieten" Bayerns mehrjährige Tierexperimente durch, und es gelang ihm zu zeigen, daß weder die Ernährung noch ein anderer derartiger Faktor als auslösendes Moment für den Kropf in Betracht kommt — dagegen ergab sich, daß mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit die Kropfursache in der Radioaktivität des Bodens resp. der dadurch mit radioaktiven Stoffen (Emanation) an- gereicherten Luft zu erblicken ist. Es gelang bereits im Tierversuch, mit Hilfe von Radiumpräparaten Kropf künstlich zu erzeugen. Damit dürfte das Rätsel der Kropfentstehung wohl seine Lösung gefunden haben, und es wird nunmehr darauf ankommen, geeignete Maßnahmen ausfindig zu machen, die in Gegenden mit stark radioaktivem Boden den Kropf und feine Begleiterscheinungen (Kretinismus!) verhindern können. Die ersten durchaus brauchbar erscheinenden Vorschläge in dieser Richtung liegen bereits vor.
0er Mann, der Gherlock Holmes war.
Der neue Albers-Film im Gloria-Palast.
Das ist wieder einmal eine Bombenrolle für Hans Albers, den unverwüstlichen Optimisten und unbekümmerten Draufgänger. Ihn vermag nichts aus der Fassung zu bringen, aus der ärgsten Klemme weiß er einen Ausweg, Hindernisse, Schwierigkeiten, Gegenminen fyib nur dazu da, um Hans Albers Gelegenheit zu geben, spielend mit ihnen fertig zu werden. Vor seinem durchbohrenden Adlerblick werden härteste Polizeigemüter weich wie Butter, und wo er nicht ausreicht, hilft ein gewinnendes Lächeln, ein trockener Witz aus den vertracktesten Lagen. Im atemberaubenden Wechsel der Situationen bleibt Hans Albers in Sportmütze oder hohem Hut aber stets mit der obligaten Shagpfeife immer der Ueberlegene, der beherrscht die neue Lage überblickende und kühl seine Entschlüsse fassende „Meister", dem zwar einmal etwas schief gehen kann, den Verbrecher wohl einmal in die Falle locken können, dem die Polizei auch wohl einmal das Leben sauer machen kann, aber „wer zuletzt lacht, lacht am besten" und das ist natürlich Hans Albers, der diesmal als ein kleiner beschäftigungsloser Privatdetektiv in London auf die, wie sich Herausstellen soll, sehr fruchtbare Idee gekommen ist, sich und seinen Geschäftsteilhaber H e i n z R ü h m a n n mit den weltbekannten Utensilien des berühmten Meisterdetektivs Sherlock Holmes und dessen Famulus Dr. Watson auszurüsten und so angetan zur Pariser Weltausstellung zu starten, wo es, wie sie durchaus richtig vermuten, für Leute ihres Schlages etwas zu tun gibt.
Selbstverständlich muß der Start sensationell sein und darf nichts kosten, denn schon dieDetektivaus- rüstung hatten sie schuldig bleiben müssen. Der Nordexpreß wird also auf offener Strecke angehalten, ihr Erscheinen in der bekannten Montur erregt begreifliches Aufsehen, auch bei Verbrechern, die schleunigst das Weite suchen, unserem Paar ihr Schlafwagenabteil und die Freundschaft zweier benachbarter reicher Erbinnen überlassend. Im Pariser Hotel eignen sie sich dann selbstverständlich die Koffer der Verbrecher an, finden prompt im Geheimfach unermeßliche Schätze an Geld, Wertpapieren und Bankskizzen, werden zwar von einer änderen Gruppe der Verbrecherclique entlarvt und für einen Augenblick eklig in die Zange genommen, aber der falsche Sherlock Holmes müßte nicht Hans Albers sein, wenn nicht die Polizei in eigener Person aus allen Verlegenheiten hilft. Er und sein Adlatus werden ins Polizeipräsidium geschleppt, sie interessieren sich schon unter der Hand für die Güte der
Zelle, die sie erwartet, aber siehe da, nichts von alledem: triumphale Begrüßung, sie wollen aus allen Wolken fallen, doch Hans Albers steht sofort wieder auf beiden Beinen und nimmt überlegen lächelnd den Auftrag entgegen, als der berühmte Meisterdetektiv der Polizei bei Aufklärung des Diebstahls der vier Mauritius-Marken aus den Räumen der Weltausstellung behilflich zu fein.
Ein Zufall bringt sie auf die Spur. Zur rechten Zeit entsinnen sie sich ihrer netten kleinen Freundinnen aus dem Nordexpreß, eilen a tempo zu deren ererbtem Schloß, verhindern dort nächtlicherweile einen Einbruch, entlarven aber den toten Erbonkel als genialen Banknoten- und Briefmarkenfälscher, auf dessen Konto auch der Diebstahl der berühmten vier „Mauritius" auf der Weltausstellung geht. Nun kommt wieder eine Pechsträhne. Die Polizei hat inzwischen Wind bekommen, die beiden entschlüpfen ihr zwar in dem Keller-Labor des alten Onkels, geraten aber wenig später doppelt in die Tinte, direkt in die Höhle des Löwen, ein Leihhaus, die Spelunke der Verbrecher, die mit dem Erbonkel und Notenfälscher Hand in Hand arbeiteten und nun ihre „Freunde" aus dem Palace- Hotel gebührend empfangen. Nach einer tollen Jagd landen die beiden im Kohlenkeller, der kleine Rüh- mann alias Watson glaubt schon wieder alles verloren, aber — Hans Albers hat das Pfand in Händen, um das sich alles dreht: eine Taschenuhr mit den gesuchten echten Mauritius-Marken. Die Ereignisse überstürzen sich. In letzter Minute, die Pistolen knallen schon, erscheint die Polizei, von den beiden kleinen Freundinnen auf die rechte Spur gesetzt, und verhaftet das ganze Verbrechergesindel, aber auch unser edles Paar. Erst vor Gericht klärt sich alles auf. Herr Conan Doyle, der Autor der schönen Geschichten vom Meisterdetektiv Sherlock Holmes und seines Dr. Watson, hat sich persönlich herbemüht, um die beiden zu rehabilitieren.
Was hier nur angebeutet werden konnte, hat die Regie Karl Hartls in eine beklemmende Fülle von Szenen gebracht, die, wie es bei einem solchen Film sein muß, keinen toten Punkt kennen, für feinen Augenblick die Spannung lockern, und durch das Zusammenspiel von Hans Albers mit Heinz Rühmann, diesem leicht einfältigen Schwerenöter und Einfallspinsel kommt soviel heitere Laune in den vielfachen Kriminalfall, daß Herr Conan Doyle (Paul Bildt) mit seinem zwerchfellerschütternden Lachen nicht allein bleibt. Die niedlichen kleinen Freundinnen sind Marieluise Claudius und Hansi K n o t e ck , die Führer der Verbrechergilde Hilde Meißner und Siegfried Schürenberg. __ Der Mann, der Sherlock Holmes war, ist ein Hans Albers, wie es fein Publikum von ihm nicht anders erwartet.
I. V.: Dr. Fr. W. Lange.
Deutsche Kulturfilme in Venedig.
Venedig, 25. Aug. (DNB.) Auf der I n t e r n a- tionalen Filmkunst schau kam als zweiter italienischer Spielfilm „Sentinelle di Bronzo" (Bronzene Schildwache) zur Aufführung, ein Film, dessen Handlung an die ehemalige Grenze zwischen Abessinien und Jtalienisch-Somaliland führt, wo die ersten Zusammenstöße zwischen vorgeschobenen italienischen Posten und abessinischen Banden erfolgten. Dieser vollständig im tropischen Gebiet gedrehte Film erhält einen eigenartigen Reiz dadurch, daß außer den beiden italienischen Hauptdarstellern Fosco Giacchetti und Doris Durante ausschließlich Eingeborene Träger der Handlung sind, die sich mit erstaunlicher Sicherheit und Natürlichkeit in ihre Rollen hineingefunden haben. Die Szenen find mit ausgezeichneten Naturaufnahmen zu einer prachtvollen Einheit verschmolzen, so daß ein Kulturfilm mit Spielhandlung entstand. Die Bilder sind an Klarheit und Plastik kaum zu übertreffen.
Einen starken Erfolg erzielte der Ufa-Kulturfilm „Tiergarten des Meeres", der prachtvolle farbige Bilder vom Leben der Tiere am Meeresgründe zeigt. Mit gespannter Aufmerksamkeit folgten die Zuschauer der Handlung dieses Films, dessen Schauspieler die Tiere in ihrem naturgewollten erbitterten Kampf ums Dasein find. Auch ein Tobis-Melo-Film über Hamburg fand starkes Interesse. Höchste Anerkennung fand der hervorragende Ufa-Kulturfilm „M a n n e s m a n n", ein gefilmtes Heldenlied des deutschen Arbeiters und der deutschen Technik. Aus den Bildern, die die Verarbeitung des weißglühenden Stahls zu den hochwertigsten Erzeugnissen der Schwerindustrie anschaulich vor Augen führen, spricht mit überzeugender Eindringlichkeit der Triumph deutschen Schaffensgeistes.
Der in deutsch-ungarischer Gemeinschaftsproduktion von der Pallas-Hunnia hergestellte Film „Schwester Marie" wurde in der ungarischen Fassung aufgeführt und beifällig ausgenommen. Die amerikanische Fox-Film zeigte den recht spannend und hübsch gemachten Film „H i s A f f a i r" (Das geheime Siegel) mit Robert Taylor und Barbara St anwich in den Hauptrollen. Es geht natürlich auch hier nicht ohne Revolverschüsse und Kinnhaken ab, und Varieteszenen, Gangstertypen, Gefängnisbilder schaffen eine eigenartige Atmosphäre, die sich bis zum Schluß dramatisch wirkungsvoll steigert. Südafrika bekundet mit einem Kulturfilm „Tight Line s", der sich mit der Anglerleidenschaft in jenem fischreichen Lande beschäftigt, daß auch dort eine Filmproduktion besteht, die originelle Arbeiten liefert. Die Handlung
des sauber durchgearbeiteten amerikanischen Films „Farewell a g a i n", spielt sich auf einem Schiff ab, das englische Soldaten nach mehrjähriger Dienstzeit in Indien in die Heimat zurückbringt. Zur Enttäuschung aller erhalten die Soldaten den Befehl, nach sechsstündigem Aufenthalt im Heimathafen sofort wieder nach Uebersee auszureifen. Aus dieser Lage entwickeln sich verschiedene Episoden. Eine Handlung im eigentlichen Sinne des Wortes besitzt dieser Film nicht. Ein nach ganz neuem Verfahren hergestellter farbiger Trickfilm von Walt Disney „Die alte Mühle" wurde wie alle frü- heren Micky-Mouse-Filme mit starkem Beifa^ ausgenommen.
Der Siegeszug des Sports im amerikanischen Film.
Die Filmhersteller von Hollywood schwören seit einigen Monaten nur noch auf den Sport und feine Champions. Nicht weniger als zehn große Filme wurden nacheinander im Hippodrom won Santa Anita, dem berühmtesten von ganz Kalifornien, her- gestellt, und unter den Darstellern fand man neben Sportsleuten die berühmtesten Stars. Man will keine gefühlvollen Lustspiele mehr, man verzichtet auf das „Theater" auf der Leinwand, man will nur noch sportliche Großtaten, kraftvolle Bewegung und Gefahren, man kehrt so gleichsam zu der alten Tradition des stummen Films zurück, zu seinem atemraubenden Wettrennen, seinen blitzschnellen Cowboys und seinen halsbrecherischen Kunststücken. Es wird nur noch davon gesprochen, welche Tennishelden oder Skimeister, welche Boxer oder Schlittschuhläufer oder welche Ringer man für den Film verpflichten wird. Schon hat Helen Mills mehrere Versuche im Film gemacht, die freilich nicht sehr glücklich ausgefallen sind, da das Gesicht der früheren Tennismeisterin sich ebensowenig vorteilhaft im Film dargestellt wie das der Französin Susanne Sengten. Aber darauf kommt es nicht so sehr an, man wird sie eines Tages doch im Fllm wiederfinden. Anderseits führen die Filmhersteller einen stummen Krieg um Fred Perry, den englischen Champion, und bemühen sich, ihn mit seinem Racket für einen Großfilm zu gewinnen, von dem sie sich einen Welterfolg versprechen. Wenn man ihn gar nicht haben kann, will man Frank I. Shields engagieren. Nicht minder heftig ist der Kampf, mit dem man einander die Größen der Eisbahn streitig macht. Hollywood hat den Reiz der Kinobilder auf der Eisbahn entdeckt und schätzt die unerhörten Wirkungen, die sich damit erzielen lassen. SonjaHeniehat bereits mit ihrem ersten Film einen großen Triumph davongetragen. Schon kündigt Warner die „Ice follies of 1937" an, während Fox mit einem neuen Sonja-Henie-Film kommen wird. fb.


