unb ihre mißtönende Begleitmusik in der englischen Presse eine neue Stütze für unsere Auffassung sein, daß die bisher befolgte deutsche Methode nachbarlicher Verständigung ein festeres Fundament europäischer Friedenssicherung schafft, als eine Methode, die mit dem Schlagwort vom ,,unteilbaren Frieden" sich zwar viel weitgreifender gebärdet, aber schon bei der ersten Probe aufs Exempel kläglich versagt. Dr. Fr. W. L.
Die Lücke tm Kontrollnetz.
Neutrale Beobachter an Bord der Ueberwachungsschiffe.
London, 25. Juni. (DNB.) Preß Association meldet: Es verlautet, daß die britische und die französische Regierung bereit sind, mit ihren Flotten die Lücke in der Ueber- wachung an den spanischen Küsten auszufüllen, die durch die Zurückziehung der deutschen und italienischen Schiffe entstanden ist. Die britische und die französische Regierung werden dem Nichteinmischungsausschuß Anfang kommender Woche von diesem Entschluß Mitteilung machen. Gleichzeitig wird mitgeteilt, daß die britische Regierung bereit ist, die Anregung mit Wohlwollen ins Auge zu fassen, wonach neutrale Beobachter an Bord der Ueberwachungsschiffe kommen sollen. Der gemeinsame Beschluß Englands und Frankreichs, an Stelle der deutschen und italienischen Flotten in die Ueberwachungslücke einzuspringen, sei ein Ergebnis mehrtägiger Besprechungen zwischen Paris und London. Äie Frage von neutralen Beobachtern sei aufgeworfen worden, um unparteiische Feststellungen bei etwaigen neuen Zwischenfällen zur Hand zu haben. Frankreich werde voraussichtlich auch der Anregung zustimmen.
Oer Mittelpunkt des baskischen Minengebietes in der Hand der Nationalen.
Bilbao, 25. Juni. Die westlich von Bilbao vormarschierenden nationalen Truppenabteilungen haben, ohne auf Widerstand zu stoßen, die Ortschaft Somorrostro etwa 18 Kilometer nordwestlich von Bilbao besetzt. Somorrostro, an der Grenze zwischen den Provinzen Biscaya und Santander, ist der Mittelpunkt der E r z m i n e n, die den größten Reichtum des Baskenlandes darstellen und die jetzt zum größten Teil wieder im Besitz des nationalen Spaniens sind. Flüchtlinge aus Santander berichten, daß dort durch die Zusammenballung von etwa 300 000 Menschen die Ernährungsschwierigkeiten ungeheuer groß geworden seien. In Castro Urdiales, Santona und Ampuero habe die Bevölkerung in Straßenkundgebungen die Uebergabe von Santander verlangt. Die Bolschewisten hätten auf die Menge geschossen, um sie auseinanderzutreiben-, eine große Anzahl Personen aus der Zivilbevölkerung sei dabei getötet und verletzt worden.
Verletzte der »Deutschland" kehren zurück.
Berlin, 25. Juni. (DNB.) Folgende Soldaten des Panzerschiffes „Deutschland", die beim Bombenangriff von Ibiza verletzt wurden, befinden sich nach ihrer Wiederherstellung auf dem Rückwege nach der Heimat: Arno Fischer, Engelberts, Krautscheid, Baltruschat, Eckhardt, Graumann, Herbert Lehmann, Haueiß, Forbig, Bock- sprecker, Rieth, Bunge, Deharde, Beck, Friedrich Wolf, Eugen Wolf, Theo Foerster, Dierdorf. Poststation für die Zurückkehrenden ist nun wieder Panzerschiff „Deutschland", Wilhelmshaven In Gibraltar bleiben vorläufig noch zurück: Bruß, Schönfeld, Roth, Eilert, Fritsch, Böttiger, Castrup, Löffler, Balle. Diesen Soldaten geht es gut, sie sind außer jeder Gefahr, mit ihrer Rückkehr kann ebenfalls bald gerechnet werden. Poststation für diese Soldaten bleibt vorläufig Marinehospital Gibraltar.
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Das Kommando Panzerschiff „Deutschland" gibt folgendes bekannt: Nach dem Bombenangriff vor Ibiza, insbesondere nach der Ueberfüh- rung der gebliebenen Kameraden in die Heimat, sind dem Schiff und seiner Besatzung, insbesondere dem Kommandanten, Kapitän z. S. Fänger, aus allen Gauen des Reiches so viele Beweise herzlicher Anteilnahme zugegangen, daß eine Beantwortung im einzelnen noch nicht möglich gewesen ist. Das Kommando bittet daher, schon jetzt auf diesem Wege allen Volksgenossen herzlichst danken zu dürfen.
Regelung des Grenzverkehrs in Oberschlesien.
Berlin, 25. Juni. (DNB.) Die im Zusammenhang mit dem bevorstehenden Ablauf der 15jährigen Uebergangsfrist des Genfer Abkommens über Oberschlesien geführten Verhandlungen haben sich hauptsächlich um Fragen des Grenzverkehrs gedreht. In Zukunft werden die innerhalb der oberschlesischen Grenzbezirke wohnenden Personen, die bisher Ver- tehrskarten besaßen, Grenzausweise erhalten. Auf deutscher Seite wird der Grenzbezirk auf 15 Kilometer erweitert werden. Die außerhalb der Grenzbezirke wohnenden Personen erhalten Reisepässe, für die besonders niedrige Gebühren in Aussicht genommen sind. Die Visierung wird gebührenfrei erfolgen. Die Behörden werden angewiesen werden, bei der Ausstellung von Grenzausweisen und Pässen möglichst entgegenkommend zu verfahren. Es ist in Aussicht genommen, soweit notwendig, die Grenzübergänge besonders für den Arbeiterverkehr auch während der Nachtstunden offen zu halten. Die bisher wohnberechtigten Personen werden bei den zuständigen Verwaltungsbehörden Anträge auf Erteilung von Aufenthaltsgenehmigungen zu stellen haben. Diese Anträge werden mit Wohlwollen behandelt werden. Den Personen, für die ein Abzug in Frage kommt, werden ihre wirtschaftlichen Verhältnise berücksichtigende Zugfristen gewährt werden. Es ist zu hoffen, daß diese Regelung auf längere Zeit eine Beruhigung und Sicherung der betroffenen Kreise bringen wird.
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Wie die „Deutsche Rundschau in Polen" erfährt, wurde der Geschäftsführer und Redner der Deutschen Vereinigung Dr Gero Freiher von Gersdorff in seiner Bromberger Wohnung verhaftet und in das Gerichtsgefängnis Könitz überführt, wo seit vielen Wochen die in Kensau verhafteten 18 deutschen Jugendlichen und die beiden bejahrten Gutseigentümerinnen Wehr, die den Jungen auf ihrem Gut Arbeit gegeben hatten, der Verhandlung und Freilassung entgegensetzen.
Chamberlain erkennt Deutschlands Mäßigung an.
Ministerpräsident Chamberlain hat im englischen Unterhaus das Ausscheiden Deutschlands aus der Seekontrolle mit überaus maßvollen Worten begleitet, die in wohltuendem Gegensatz au dem Geschreibsel der britischen Presse stehen, die sogar schon soweit ging, wieder allerlei Märchen über deutsche und italienische Truppenlandungen an der spanischen Küste, diesmal in Malaga, zu verzapfen. Darauf hat Chamberlain mit einer unmißverständlichen Zurechtweisung der Londoner Presse geantwortet. Er hat die lügenhafte Berichterstattung angeprangert und damit, so hoffen wir, einem Treiben ein Ende bereitet, das ganz gewiß nicht dazu gedient hätte, eine Entspannung der Situation zu begünstigen. Immerhin dürfen auch Chamberlains Worte nicht so bewertet werden, als habe man jenseits des Kanals eingesehen, wie sehr man uns mit der Ablehnung eines Solidaritätsaktes beleidigte. Wenn Chamberlain die Zurückziehung der deutschen Schiffe „vernünftig" nennt, so möchte man hinter diesem Lob noch etwas ganz Bestimmtes vermuten. Eigentlich hätte er die Zurückziehung bedauern müssen. Doch das hätte wieder zur Voraussetzung gehabt, sich in eine für England wenig erfreuliche Auseinandersetzung über die Vorgeschichte der Zurückziehung unserer Schiffe einzulassen. Er hat einen Bogen um das Kernstück des Konfliktes geschlagen. So gern man also die Bemühungen des Ministerpräsidenten um eine Beruhigung der Atmosphäre anerkennt, so wenig werden durch seine Ausführung Momente gegenteiliger Art aus der Welt geschafft. B. R.
Die Merhausdebatte
London, 25. Juni. (DNB.) Dor voll besetztem Unterhaus erklärte Ministerpräsident Neville Chamberlain, die britische Regierung sei zwar genötigt gewesen, ihre Unzufriedenheit mit den Fehl schlügen des Nichteinmischungsplanes auszudrücken. Es fei aber bis zum Augenblick gelungen, das Ziel zu erreichen, das hinter der britischen Politik die ganze Zeit gestanden habe. Wir werden diese Politik fortsetzen, solange man vernünftigerweise die Hoffnung hegen kann, die Ausbreitung des Konfliktes zu vermeiden. Die Lage fei e r n ft, aber nicht hoffnungslos. Und obwohl verschiedene Regierungen es wünschten, daß die eine oder die andere Seite in Spanien gewinne, gebe es doch kein Land, das einen europäischen Krieg zu erleben wünschte. Man müsse einen kühlen Kopf bewahren und nichts tun, was ein Unglück beschleunigt herbeiführen würde, das jeder zu vermeiden wünsche.
Chamberlain erklärte weiter, daß die Lage notwendigerweise zur Anklage führe, daß nicht unparteiisch verfahren werde und zu Gegenbeschuldigungen und solch bedauerlichen Zwischenfällen, wie dem „D e u t s ch l a n d" - Z w i s ch e n f a l l. (Zuruf eines Labour-Abgeordneten: „Und die Beschießung von Almeria!" Chamberlain: „Gut, und die Beschießung von Almeria.") Er wolle nicht den „Le i p zi a" -Z w i s ch e n f a l l behandeln. Die deutschen Offiziere des Schiffes feien davon überzeugt, daß es unbestreitbare Beweise dafür gebe, daß sie zum Gegenstand von Torpedoangriffen gemacht worden seien. Er schließe die Möglichkeit eines Fehlers nicht aus. Er wisse, daß im Laufe des Weltkrieges viele britische Marineoffiziere geglaubt hätten, daß sie Torpedobahnen gesehen hätten, wobei man später aber beweisen konnte, daß es sich nicht um Torpedos habe handeln können. Deswegen denke man nichts Schlechtes von den Offizieren. Sie seien vollkommen aufrichtig.
Unter diesen Umständen scheint die Maßnahme, daß man die Schiffe nicht mehr tanger den Gefahren solcher Zwischenfälle aussehen will, vernünftig. Sie sollte daher nicht feindschaftlich kritisiert werden. Ich möchte sogar noch ein wenig weitergehen. Denn ich daran denke, welche Erfahrungen die deutsche Flotte hat
machen müssen, wenn ich an den Verlust an Menschenleben und die Verstümmelung von Mannschaften auf der „Deutschland" denke, sowie an die natürlichen Gefühle der Empörung und Entrüstung, die durch solch einen Zwischenfall hervorgerufen werden können, muh ich feststellen, daß meiner Ansicht nach die deutsche Regierung, indem sie lediglich ihre Schiffe zurückgezogen und festgestellt hat, dah dieser Zwischenfall damit abgeschlossen sei, ein Maß von Mäßigung gezeigt hat, das wir alle anerkennen.
Auf jeden Fall bedeutet das Verschwinden der deutschen und italienischen Schiffe aus der Flottenkontrolle, daß es keine weitere Gefahr von Zwischenfällen dieser Art mehr gibt. Das Beste, was wir nun tun können, ist, wenn wir uns den beiden praktischen Maßnahmen zuwenden, die jetzt ergriffen werden müssen, von denen die erste darin besteht, daß die Lücke in der Kontrolle gefüllt werden muß, und die andere, daß unsere Versuche erneuert werden müssen, eine
Außenminister Eden erklärte dann: Es sei bereits oft im Unterhaus gesagt worden, daß England in Mitteleuropa und anderswo Frieden und gutes Einvernehmen wünsche. Wir können nicht daran denken, daß wir uns dort irgendwie mehr desinteressieren könnten, als irgendwo anders auf der Welt. Unser Interesse am Frieden ist universell. Wir erkennen an, daß auf Handels- und wirtschaftlichem Gebiet andere Völker ein größeres Interesse am Donaubecken als wir haben. Wir würden gern eine allmähliche Beseitigung der Handelshindernisse in diesen Gebieten sehen. Unser Interesse am Frieden dort darf aber, wie auch anderswo, nie aufhören.
Unsere Waffen werden niemals in einem Angriffskrieg gebraucht werden oder für Zwecke, die nicht mit der Völkerbundsfahung oder dem Kellogg-Pakt übereinftimmen. Sie können vielleicht, wenn sich die Rotwendigkeit ergibt, zur Verteidigung des britischen Reiches benutzt werden. Sie können vielleicht, wenn sich die Notwendigkeit ergibt, zur Verteidigung Frankreichs oder Belgiens gegen einen unprovozierten Angriff in Uebereinffimmung mit unteren bestehenden Verpflichtungen benutzt werden. Hierüber gibt es keinen Zweifel, noch würde D e u f ch l a n d ausgeschlossen fein, wenn Deutschland in einen Vertrag dieser Art eingeschlossen wäre. Unsere Wiederbewaffnung kann vielleicht benutzt werden, um dem Opfer eines Angriffes Hilfe zu bringen, roo nach unserer Ansicht dies nach den Bestimmungen der Völker- bundsfahung angemessen wäre. Ich gebrauche das Wort „vielleicht", weil es keine automatische Verpflichtung gibt, zur militärischen
Aktion zu schreiten.
Dann wandte sich der Redner der spanischen Frage zu. Wir sind zur Zeit in enger Beratung mit der französischen Regierung über die künftige politische Linie, die verfolgt werden soll. Es ist selbstverständlich von Wichtigkeit zu wissen, wie die Haltung der deutschen und italienischen Regierung fern wird. Wir stellen Nachfragen an, und es scheint, als ob die deutsche und die italienische Regierung an dem System weiter teilnehmen werden, mit Ausnahme der Flottenkontrolle. Es wird eine Sitzung des Nichtein-- mischungsausschusses stattfinden. Auf dieser Sitzung
Zurückziehungder ausländischen Freiwilligen aus Spanien zu erzielen.
Ich wünsche mit einem äußerst ernsten Appell an diejenigen z-u schließen, die sich in verantwortlicher Stellung in diesem oder in anderen Ländern befinden, und ich schließe hierbei die Presse und die Mitglieder dieses Hauses in meinen Appell ein, ihre Worte sehr sorgfältig abzuwä» gen, bevor sie sich zu diesem Gegenstand äußern, und daß sie sich die Folgen vor Äugen halten mögen, die sich aus irgendeinem voreiligen oder gedankenlosen Satz ergeben können. Ich habe gelesen, daß es auf hohen Bergen mitunter einen Zustand gibt, bei dem eine unvorsichtige Bewegung ober auch nur ein plötzlicher lauter Ausruf eine Lawine Hervorrufen «kann. Das ist genau der Zu stand, in dem wir uns heute befinden. Ich glaube jedoch, daß, obwohl der Schnee sich in einer gefährlichen Lage befindet, er sich noch nicht zu bewegen begonnen hat. Wenn wir alle Vorsicht, Geduld und Zurückhaltung üben, können wir vielleicht noch in der Lage sein, den Frieden der Welt zu retten. (Lebhafter Beifall.)
werden wir die Haltung dieser Mächte erfahren. Wenn sie bereit sind, noch in dieser späten Stunde mitzuarbeiten, dann werden wir noch eine A n - strengung mehr machen und sehen, ob diese Angelegenheit nicht zum Erfolg gebracht werden kann. Wir müssen weitere Anstrengungen machen, und ich glaube, daß die französische Regierung ebenso wie die unsrige dies zu tun beabsichtigt. Was die Zurückziehung von Freiwilligen anbetrifft, so wartet die britische Regierung auf das Ergebnis ihres letzten Angebots.
Zum „Leipzig"Zwifchenfatt erklärte Eden, die britische Regierung bedauere es, daß es nicht möglich gewesen fei, ein Abkommen in dieser Frage zwischen den vier Dächten zu er- reichen. Es habe nicht an Versuchen gefehlt, aber es habe eine echte Meinungsverschiedenheit bestanden. Die Haltung Englands schließe keinen Zweifel an der Aufrichtigkeit der deutschen Offiziere der „Leipzig" ein. Es sei jedoch eine bedauerliche Tatsache, dah als Ergebnis des „Leipzig"-Zwifchenfalles das am 12. Juni erzielte Werk gemeinsamer Konsultation zerstört worden fei. Unvermeidlicherweife fei die Lage infolgedessen schwieriger geworden. Es könne fein, daß trotz aller Anstrengungen die Nichteinmischungspolitik sich nicht aufrechterhalten taffe. Hieran wolle er aber nicht denken, bevor nicht der Meinungsaustausch mit der französischen Regierung beendet sei und bevor die Möglichkeiten der Lage nicht genügend überprüft seien. Die britische Regierung werde die Nichteinmischungspolitik nicht aufgeben, weil sie die Gefahren erkenne, die sich hinter der Aufgabe einer solchen Politik verbergen. Das heiße aber nicht, daß man
Frieden um jeden Preis wolle.
Das Haus lehnt dann einen liberalen Abänderungsantrag zum Haushalt des Außenministeriums mit 157 gegen 86Stimmen ab. Vorher hatte Lloyd George unsachliche Angriffe gegen Deutschland und Italien gerichtet. Er hatte dabei auch behauptet, daß auf Seiten der nationalspanischen Partei bedeutend mehr Freiwillige kämpften, als bei den Bolschewisten. Bemerkenswert war die Feststellung Lloyd Georges, er bedauere, daß Sowjetrußland nicht in der Lage gewesen sei, noch mehr Kriegsmaterial an die Valencia-Bolschewisten zu schicken.
England hält an der Aichteininischnngspolltik fest.
Der Visthof von Speyer des Konkordatsbruchs überführt.
Ein deutscher Bischof liefert Gtoff für Greuelmärchen nach Amerika und Rom.
Frankenthal, 25. Juni. (DNB.) Vor der II. Großen Strafkammer des Landgerichts Franke n t h a l hatte sich der 67jährige katholische Pfarrer Dekan und Geistliche Rat Joseph Schräder aus Deidesheim wegen übler Nachrede zu verantworten. Das Gericht verurteilte den Angeklagten, dem es fein hohes Alter und feine bisherige Straffreiheit als mildernden Grund anrechnete, zu einer Geldstrafe von 200 RM.
Die Verhandlung gewann dadurch an Bedeutung, daß die üble Nachrede sich gegen den Gauleiter der Saarpfalz Joseph Bürckel richtete. Line geradezu sensationelle Wendung erhielt sie durch die Zeugenvernehmung des Bischofs von Speyer Dr. Ludwig Sebastian. Der höchste geistliche Würdenträger der Saarpfalz muhte auf Vorhalten des als Nebenklägers zugelasienen Gauleiters Bürckel und nach Verlesung der Dokumente eingestehen, daß er im April 1935 an den kardinal st aatssekre- tär Pacelli in Rom nachweislich unzutreffende Berichte über innerdeutsche Angelegenheiten berichtet und sich damit des schweren Bruches des Konkordates schuldig gemacht hat. Darüber hinaus mußte der Bischof von Speyer die zunächst von ihm abgestrittene Urheberschaft an einer anonymen Postkarte, auf der die Worte „Lügner, Lump und Verleumder" Vorkommen, zugeben.
Der Tatbestand.
Der Verhandlung lag folgender Tatbestand zugrunde: Im April dieses Jahres hatte der Angeklagte von der Kanzel seiner Pfarrkirche eine Erklärung verlesen, die — von den 18 katholischen Dekanen der Diözese Bayern verfaßt und unterzeichnet — wahrheitswidrig behauptete, Gauleiter Bürckel habe den Bischof von Speyer in einer im März in Kaiserslautern gehaltenen Rede „in unwürdiger Weise behandelt". Alle die Ausführungen, die Gauleiter Bürckel gegen die Hetzer im geistlichen Gewände und gegen die politischen Geschäftemacher der katholischen Kirche gemacht hatte, bezog der Angeklagte auf den Bischof von Speyer, um dem überzeugenden Bekenntnis der saarpfälzischen Bevölkerung zur Gemeinschafts
schule das „Nein" der kirchlichen Stellen entgegenzusetzen und so einen Keil in die durch die Abstimmung bekundete Volksgemeinschaft zu treiben. Bezeichnend für das Verhalten des Angeklagten war die Feststellung, daß er die Rede des Gauleiters überhaupt nicht gehört hatte. Er hat aber die Erklärung mitverfaßt und mitunterzeichnet, „weil ihn die Leute gefragt hätten, ob denn nichts gegen die kränkenden Aeußerungen des Gauleiters getan würde". (!) Als der Ängeklagte die beleidigenden Stellen anführen soll, verliest er aus der Rede Stellen, die unverkennbar nur gegen den politischen Katholizismus gerichtet sind. Don dem Bischof von Speyer ist nur zweimal die Rede, und beide Male erbietet sich der Gauleiter in höflicher Form, dem Bischof Unterlagen zuzuleiten, die ihn besser unterrichten würden, als er von seinen eigenen Mittelsmännern unterrichtet worden ist.
Oer Bischof von Speyer Or. Ludwig Sebastian
als Zeuge bekundet, er habe geglaubt, mit seinem Eintreten für die Bekenntnisschule im Rechte zu fein, und er habe es als unwürdig empfunden, wenn er zur Rechenschaft gezogen werde, ohne daß er Gelegenheit zur Verteidigung gehabt habe. Der Bischof verliest die gleichen Stellen, die sich mit politischen Hetzreden katholischer Geistlicher befassen, die sich dabei der schlimmsten und gemeinsten Verleumdungen und Verdrehungen schuldig gemacht haben.
Oer Nebenkläger Gauleiter Bürckel
faßte den Inhalt der gegen ihn erhobenen Vorwürfe in folgende drei Fragen zusammen:
Habe ich die nationale Zuverlässigkeit des Bischofs in Frage gestellt? fyabe ich ihn beschuldigt, sich in innerpolitische Angelegenheiten gemischt zu haben? Und habe ich das Konkordat verletzt?
Der Nebenkläger verweist auf seine ständigen Bemühungen zum Frieden zwischen den staatlichen und kirchlichen Behörden seines Gaues zu kommen. Er erinneret an seinen Vorschlag an die beiden Bischöfe von Speyer und Trier, daß in den Kirchen kein Wort gegen Partei und Staat gesprochen, durch ihn dagegen verboten werde, einen Eingriff gegen die Kirche zu richten, und daß er sich bereit erklärt habe, jeden ohne Ansehen der Person aus seinem Amte zu entfernen, der gegen diesen Erlaß ver
stoße. Dieser Vorschlag sei durch die Bischöfe zum Scheitern gebracht worden.
Die Verhandlung nimmt nun eine sensationelle Wendung, als der Gauleiter an den Bischof die Frage richtet, warum er sich nicht durch die Bekanntgabe der Tatsache beleidigt gefühlt habe, daß in einem Auto des Ordinariats, das einen Unfall in der Nähe von Kandel hatte, das Konzept einer Instruktion an d i e katholische Jugend über das Verhalten bei gerichtlichen Vernehmungen gefunden wurde, in dem die absolut unmoralische Aufforderung enthalten war, „Du f o l l st nicht lügen, du darfst aber auch nicht alles sagen." Der Bischof erklärte, daß er von dem Autounfall erst durch die Zeitung erfahren habe. Der Entwurf sei ihm nicht bekannt gewesen. Er muß jedoch zugeben, daß das Auto dem Amt gehörte, das die Pflicht hatte, die katholische Jugend zu betreuen, und daß dieses Amt zum bischöflichen Ordinariat gehört. Auf die Frage, warum der Bischof, nachdem ihm Kenntnis von der unmoralischen Auffoderung des Entwurfs geworden sei, nichts gegen die Verfasser unternommen habe, erklärte der Bischof: lieber meine Amtsführung bin ich nur meinem Gott und meinem Gewissen Rechenschaft schuldig! Auf Befragen durch den Vorsitzenden erklärt der Zeuge schließlich, nicht zu wissen, ob eine Untersuchung eingeleitet wurde.
Anonyme Schreiben ans Speyer.
Der Nebenkläger erwähnt dann die Tatsache, daß schon seit Jahren, wenn irgendwelche Maßnahmen gegen die politische Betätigung der Kirche unternommen wurden, eine Hochflut von anonymen Schreiben, die alle aus der gleichen Feder und alle aus Speyer herrührten, bei den Staatsstellen und auch bei völlig unbeteiligten und völlig unpolitischen Personen einliefen. Der Bischof erklärte dazu erregt: „Ich weiß von diesen Briefen nichts und lehne sie ab!" Nebenkläger: „Schreiben Sie auf Karten ohne Unterschrift?" — Zeuge: „Nein, wenn ich Karten schreibe, bann setze ich auch meinen Namen darunter." — Nebenkläger: „$)aben Sie noch im Januar 1937 eine anonyme Karte, in der die Ausdrücke „Lügner, Schuft und Verleumder" Vorkommen, an einen gewissen Schmitz-Epper geschrieben?"
Der Nebenklärger weist dann eine Karte vor. „Ich wollte nur feststellen, daß der Bischof


