ttr.146 Erster Blaff
187. Jahrgang
Sam8fag.26.Zimi 1937
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sich aus begreiflicher Sympathie zu Rom hingezogen fühlen könnte. Auch Frankreich war dieser Gedanke unbequem. Bon einem selbstbewußten nationalen Spanien würde man niemals die Erfüllung
seiner alten Hoffnung auf Durchmarscherlaubnis für seine afrikanischen Truppen im Kriegsfälle erwarten können Viel eher aber wäre dies durchzudrücken in einem in autonome Provinzen aufgelösten ßantie, dessen soziale und nationale Spannungen durch kommunistische Propaganda wachgehalten werden und eine schwache Regierung zwingen müßten, im benachbarten Ausland Anlehnung zu suchen. Diese rein imperialistischen Ueberlegungen trafen hervorragend zusammen mit den ideologischen Sympathien, die die Parteien der in Frankreich befindlichen Volksfront: bürgerliche Linke, Sozialdemokraten und Kommunisten für die Herrschaft der gleichen politischen Gruppen in Spanien empfand, die allerdings inzwischen längst von einem rein bolschewistisch-anarchistisch-syndikalistischen Regime abgelöst sind, was aber anscheinend der Zuneigung ihrer französischen und englischen Freunde (Liberale und Labourpartei) keinen Abbruch getan hat.
Es ist nützlich, gerade jetzt sich dieser Beweggründe für die grundsätzliche Einstellung der beiden westeuropäischen Demokratien zur spanischen Frage zu erinnern und die Feststellungen dagegenzuhalten, die aus Anlaß des Ausscheidens Deutschlands aus der Reihe der Seekontrollmächte von besonderer Seite zur Begründung des deutschen grundsätzlichen Standpunktes getroffen wurden. Wie Deutschland mit dem spanischen Volk niemals bis auf den heutigen Tag Differenzen territorialer oder politischer Natur hatte, so hat es auch nur das eine Interesse, daß ein wahrhaft unabhängiges und freies Spanien in der Gesellschaft der europäischen Völker fernen Platz einneyrnen kann und die ihm zu- fallenden politischen und kulturellen Aufgaben nach eigenem Ermessen und aus freier Willensbestimmung zu erfüllen vermag. Aber wenn Deutschland in einem System unabhängiger freier Nationalstaaten die gegebene Grundlage für eine Zusammenarbeit der europäischen Völker sieht, so mufi es in dem Versuch des Bolschewismus, dieses System zu zerstören und an seine Stelle ein von Moskau aus tyrannisiertes internationales Chaos zu setzen, die größte Gefahr für den Weltfrieden und die organische Fortentwicklung der europäischen Staatengesellschaft, den Rahmen abendländischer Kultur, sehen. Keinerlei imperialistische Hintergedanken belasten die politische Einstellung Deutschlands zur spanischen Frage. Es konnte sich daher auch unbeschwert von irgendwelchen eigensüchtigen poutimjen Wünschen zum unbefangenen und aufrichtigen Fürsprecher einer wahren Nichteinmischungspolitik der Großmächte machen, während die demokratischen Staaten die von Moskau offen betriebene marxistische Intervention in Spanien durch eine von ideologischer Propaganda bis zu Geldsammlungen, Freiwilligenwerbungen und Waffenlieferungen alle Schattierungen tatkräftiger Kriegshilfe durchlau,ende einseitige Stellungnahme zu Gunsten der spanischen Bolschewisten eifrig förderten.
Erst als ihnen durch diese Intervention ausgeloste Gegenwirkungen unbequem zu werden Lohten, sanden sie sich wenigstens zu einer offiziellen Nichtem- mischunqspolitik bereit, die dann endlich nach monatelangem Drängen Deutschlands und Italiens und nicht minder zähem Hinhalten Englands, Frankreichs und Sowjetrußlands den bekannten Ueber- wachunqsplan zeitigte, dessen Funktionieren wenigstens zur See eine enge Zusammenarbeit der vier westeuropäischen Großmächte voraussetzte nachdem Sowjetrußland in richtiger Erkenntnis, daß man den Bock zum Gärtner machen wurde^ wenn es veranlaßt werden sollte, seine eigenen Kriegsliefe- rungen für die roten Genossen m Valencia zu kontrollieren, seine Teilnahme an ^Kontrolle ab» gelehnt hatte. Hier wurde also dl^ Unhaltbarkeltder von den westlichen Demokratien hartnäckig verfochtenen Theorie offenkundig, die den weltrevoluno- nären, aggressiven Charakter der Sowjetunion leug-
Die Lehre
Dom ersten Tage des spanischen Bürgerkriegs an ging das Bestreben Deutschlands dahin, ein lieber« greifen des Brandes au; Europa zu verhindern. Das war um so dringender geboten, als die Reichsregierung sehr bald erkennen mußte, daß der Bürgerkrieg in Spanien keine Auseinandersetzung rein innerspanischer Parteien war, sondern der Versuch des spanischen Volkes, sich einer durch die Kommunistische Internationale mit Hilfe Moskaus sorgfältig vorbereiteten und mit den brutalsten und raffiniertesten Mitteln vorangetriebenen Bolsche- wisierung des Landes entgegenzustemmen. Wenn es also bei dieser Sachlage nicht länger zweifelhaft bleiben konnte, auf welcher Seite die Sympathien der beiden autoritär regierten Mächte Deutschland und Italien in dieser Auseinandersetzung zwischen den nationalen Kräften des spanischen Volkes mit den Gewalten der Zerstörung und der Weltrevo- lution waren, so waren es doch gerade Deutschland und Italien, die bereits im Sommer vorigen Jahres geeignete Maßnahmen zur Isolierung des spanischen Brandes anregten und nach dem Zusammentreten des Internationalen Nichteinmischungsaus- fchusses in London diesem immer wieder brauchbare Vorschläge unterbreiteten. Leider ohne den durchschlagenden Erfolg, den freilich nur ein entschlossenes und schnelles Handeln der vier an der spanischen Frage in erster Linie interessierten westeuropäischen Großmächte hätte haben können. Daran gebrach es aber von Anfang an. England, nach dem Abessinienfeldzug und dem mißglückten Sanktionskrieg gegen Italien in Sorge um die Aufrechterhaltung der britischen Vorherrschaft im Mittelmeer, lag nichts an einer nationalen Erstarkung Spaniens, das, wie zu Zeiten Primo de Riveras,
Die Reichsautobahnen als Wer und Mittler deutscher Einheit
Ser Führer übergibt die Reichsautobahn Dresden—Meerane dem Verkehr.
Dresden, 25. Juni. (DNB.) Der Führer und Reichskanzler weihte am Freitagnachmittag an der Anschlußstelle am Kirchberg in Dresden-A. die 101 Kilometer lange Reichsautobahn Dresden—Meerane. Dresden ist in ein Meer von Flaggen gehüllt. Ununterbrochen strömen Tausende von Volksgenossen zur Feierstätte am Kirchberg. Dort grüßen von 70 Meter hohen Masten die Fahnen des Reiches. Gegenüber der mit einem goldenen Hakenkreuz und Girlanden geschmückten Rednertribüne sind 500 Arbeiter aufmarschiert, die als Ehrenabordnungen aus ganz Sachsen an der Feier teilnehmen. In der vordersten Reihe haben zwölf beim Bahnbau verunglückte Volksgenossen Platz genommen. Den Mittelbau nehmen weitere 2000 Autobahnarbeiter ein. Sie sind gekommen, um dem Führer für das gigantische Werk zu danken, das er ersann und dessen Erfüllung hunderttausenden Kameraden im ganzen Reiche nach Jahren der Not wieder Lohn und Brot gibt. Von der riesigen Menge jubelnd begrüßt, trifft der Führer ein. In feiner
Begleitung befindet sich u. a. Botschafter von Ribbentrop.
Gauleiter M u t s ch m a n n gibt seiner Freude und Dankbarkeit Ausdruck, den Führer zur Eröffnung der ersten 100 Kilometer langen Strecke der Ost-West-Linie der Reichsautobahnen durch Sachsen begrüßen zu können. Der Gauleiter schließt mit den Worten: „Mein Führer! Ich bin stolz darauf, Ihnen in dieser Feierstunde melden zu dürfen: Der Gau Sachsen steht zu Ihnen in fanatischer Liebe und Treue. Deutschland ist für uns Adolf Hitler! Adolf Hitler ist Deutschland!" Jubelnd stimmen die Tausende in das Sieg-Heil des Gauleiters ein. Als Vertreter der Obersten Bauleitung Dresden schildert Reichsbahnoberrat Claußnitzer, wie das große Werk unter Einsatz der besten Kräfte feiner Mitarbeiter errichtet wurde. Mit einer Minute stillen Gedenkens ehren sodann die Anwesenden die sieben Volksgenossen, die beim Bau der Straße verunglückt sind. Nach dem Werkspruch eines Arbeiters der Reichsautobahn meldet' Generalinspektor Dr. Todt dem Führer die Fertigstellung der Reichsautobahn Dresden—Meerane.
autobahnen finden würden. Ich weiß, daß die Arbeit auf den Reichsautobahnen bei Wind und Wetter» bei Schneetreiben oder Sonnenglut nicht leicht ist. Aber unsere Volksgenossen haben über- a11 eine schwere Arbeit: Der Bergarbeiter, der viele hundert Meter unter Erde schuftet, ebenso wie der Bauer, der im Sommer sich 12 oder 14 Stunden auf dem Felde abrackert. Wenn wir mit unseren 137 Menschen auf dem Quadratkilometer leben wollen, müssen wir uns eben mehr an strengen als diejenigen, die nur 10 oder 12 auf einen Quadratkilometer besitzen. Der Deutsche muß aus seinem kargen Boden herau^holen, was er herausholen kann. So find unsere Probleme schwerer als die in anderen Ländern.
Es gibt aber auch außerdem feinen besseren Arbeiter als den deutschen. And daher bauen wir auch mit dem deutschen Arbeiter Straßen, wie sie anderswo gar nicht zu finden sind. Jedes Jahr werden weitere 1000 Kilometer dem Verkehr übergeben, und in sieben Jahren sind wir mit unserer Portion fertig! (Stürmische Heilrufe und Beifallskundgebungen.) Sie können alle stolz darauf sein, an diesem Werk mitgearbeitet zu haben, ob als Ingenieur oder Handarbeiter. Sie schaffen an einem Werk, das noch nach tausend Jahren stehen wird. Es ist ein Werk, das von Ihnen zeugen wird, auch wenn von Ihnen selbst kein Stäubchen mehr auf der Erde vorhanden sein wird. Diese Straßen werden niemals vergehen! Es ist etwas Großartiges und Wunderbares, in einer solchen Zeit leben und an einem solchen
Werk Mitarbeiten zu können!
Dieses Werk wird einmal jedem einzelnen Deutschen zugute kommen, ebenso wie dies bei der Eisenbahn der Fall war. Auf diesen Straßen wird sich in wenigen Jahrzehnten ein gewaltiger Verkehr abspielen, an dem das ganzeVolk teilhaben wird. Millionen unserer Volkswagen, die großen Omnibusse unserer KdF.-Fahrten und die gewaltigen Fernlast- und Reisetransporte werden über diese Straßen rollen. (Begeisterter, langanhaltender Beifall.) Sie können ermessen, wie sehr ich mich über jedes Stück freue, das von diesem großen Werk fertig wird. Jedesmal, wenn 100 oder 200 Kilometer dem Verkehr übergeben werden, sehe ich eine der gewaltigsten Arbeiten, die jemals Menschen unternommen haben, bis wir uns wieder mehr der Vollendung nähern. Und wenn einmal die Stunde kommt, in der die ersten 7500 Kilometer fertig sein werden, dann werden wir zusätzlich auch die anderen deutschen Straßen verbessern. Diese Arbeit hört niemals auf. So werden wir weiter arbeiten, immer ein Ziel vor Augen: „Wir wollen unser Deutschland so schön und so reich für alle unsere Volksgenossen machen, daß es wirklich ein Edelstein ist! Mit diesem Wunsche eröffne ich auch heute diese neue Strecke von 100 Kilometer der deutschen Reichsautobahnen in diesem schönen Lande Sachsen!"
Mit einem unbeschreiblichen Sturm jubelnder Begeisterung dankten die Männer der Reichsautobahn und die Tausende dem Führer, der nach dem gemeinsamen Gesang des Deutschland- und des Horst- Wessel-Liedes seinen Wagen besteigt, um mit seiner Begleitung sowie den Arbeiterabordnungen, die ihm in 20 Schnellastwagen folgen, und den Ehrengästen über die Bahn zu fahren.
Deutsche Arbeiter schaffen an einem Werk, das niemals vergehen wird.
Der Führer
tritt dann unter minutenlangen Beifallsstürmen ans Mikrophon, um über die politische, wirtschaftliche und soziale Bedeutung der Reichsautobahnen zu sprechen. „Das Problem des Straßenbaues mußte gerade in Deutschland um so gründlicher angefaßt werden, als wir schon einmal erlebt haben, wie wichtig in nationalpolitischer Hinsicht die große gesamtdeutsche Regulierung des Verkehrs ist. Was wir der deutschen Eisenbahn für die Einigung unseres Volkes, für die Ueberroinbung unserer Stammes- und kleinstaatlichen Zerrissenheit verdanken, können wir gar nicht abschätzen. Glauben Sie mir, noch viel gewaltiger wird der Einfluß dieser Straßen sein!
Das neue deutsche Reichsautobahnueh ist nicht nur in der Anlage das Gewaltigste, was es in dieser Art auf der Erde gibt, sondern es ist zugleich das Vorbildlich sie. Es wird mehr als alles übrige mithelfen, die deutschen Gaue und Lande miteinander zu verbinden und in eine Einheit zu zwingen."
Unter begeisterter Zustimmung der Reichsautobahnarbeiter rechnete der Führer mit den kleinlichen Einwänden der Zweifler und Kritiker ab, die zu Beginn die Größe und Bedeutung dieser neuen monumentalen Straßenbauten nicht verstanden und erklärten: „Das kann man nicht finanzieren!", „die Straßen schneiden zu sehr in die Landschaft ein!", „Sie werden Tausende von Prozessen mit den Landbesitzern bekommen!", „Sie können das nicht machen, Sie müssen zu viel Brücken bauen, es ist roegen der geologischen Struktur unseres Landes zu schwierig!", „die Straßen werden sehr häßlich sein, und man wird einschlafen, wenn man auf ihnen fährt!", und vor allem, „Sie werden niemals einen Arbeiter dafür ge
winnen, denn Der Arbeiter geht lieber stempeln, als daß er Autostraßen baut!" Es sind mir noch viele andere Gründe vorgehalten worden. „Man muß erst studieren, welches Material man nehmen muß! Dazu sind zehn und zwanzig Jahre notwendig, bis man darüber Klarheit bekommt!" usw.
„Ich habe es damals zunächst als Wichtigstes angesehen", so fuhr der Führer fort, „einen Mann zu finden, der meiner Ueberzeugung nach geeignet war, eine solche Aufgabe durchzu- führen, und das konnte nur ein ftatinnal« sozialist fein. (Tosender Beifall.) Nur ein Nationalsozialist konnte diesen fanatischen Glauben an die Notwendigkeit und damit auch an die Durchführbarkeit eines solchen Werkes besitzen. Zweitens mußte er ein Mann sein, der nicht am grünen Tisch geworden war, sondern ein Mann, der selbst einmal auf der Straße gearbeitet hat, dex selbst hinter dem Teerkessel stand, ein Mann, der vor allem gerade auch die Fragen begriff, die in bezug auf die Arbeiter gelöst werden mußten. Denn auf die Dauer konnte man ja die Arbeiter nicht unter Zeltbahnen unterbringen, sondern mußte neue Anlagen und Unterkünfte schaffen.
Ich habe damals einen guten, alten Parteigenossen gekannt, von dem ich der Ueberzeugung war: Der wird es schaffen! Er ist ebenso technisch vorgebildet, wie auf der anderen Seite auch ein Kenner des Arbeiters; denn er hat selbst auf der Straße als Arbeiter geschafft. Das ist überhaupt unser größter Stolz, daß wir in diesem Reich jedem einzelnen fähigen Kopf — et kann kommen, woher er will — den Weg zu den allerhöchsten Stellen ebnen, wenn er nur fähig, tatkräftig, fleißig und entschlossen ist.
Ich zweifelte außerdem keine Sekunde, daß wir auch die Arbeiter für den Bau der Reichs
net und behauptet, Sowjetrußland sei ein Staat wie jeder andere auch, auf dessen Mitarbeit an der Errichtung eines europäischen Friedenssystems man nicht verzichten könne. Moskau hat selbst alles getan, diese Auffassung seiner demokratischen Bundesgenossen und Freunde in Westeuropa gründlich zu widerlegen, indem es sich oe, der Ueberwachung der spanischen Grenzen von vornherein außerhalb der Front der auf Isolierung des spanischen Brandherdes hinstrebenden Mächte hielt und im übrigen nach wie vor alles daranfetzte, durch Unterstützung Valencias die Nichteinmischung illusorisch zu machen. Diese Taktik Moskaus und die Gewißheit, daß die offizielle Nichteinmischungspolitik ihrer Negierungen in den Linksparteien Frankreichs und Englands heftige Gegner hat, ermunterte die spanischen Bolschewisten dazu, in dreistester Weise die Seekontrolle zu erschweren, wo sie nur konnten, wobei ihnen die Tatsache, daß deutschen und italienischen Kriegsschiffen die Ueberwachung der in den Händen der Roten befindlichen Mittelmeerhäfen zugefallen war, Gelegenheit bot, gleichzeitig an den autoritären Mächten ihr Mütchen zu kühlen.
Der Ueberfall auf die „Deutschland" war die erste Frucht dieser Spekulation auf die starken Hintermänner, die es schon nicht zum Schlimmsten kommen lassen würden. Und wenn es schien, als ob nun doch die zynische Ruchlosigkeit dieses Angriffs auf die Autorität eines internationalen Ausschusses das Gefühl für die Notwendigkeit gemeinsamer Abwehr durch die vier mit der Seekontrvlle beauftragten Großmächte gestärkt hätte, so sollte der zweite Zwischenfall, der Torpedoangriff roter U-Boote auf die „Leipzig", sehr schnell bas Gegenteil beweisen und den bolschewistischen Machthabern in Valencia Recht geben, die sich durch das Londoner Uebereinfommen der vier Kontrollmächte auf gemeinsame Abwehr jeden Angriffs auf eines der Kontrollschiffe nicht im geringsten hatten einschüch-
tern lassen, sondern ihre dreisten Provokationen fortgesetzt hatten in der Gewißheit, daß bei der bekannten Einstellung der Regierungen Frankreichs und Englands und dem politischen Druck der Volksfrontkreise in beiden Ländern die erste Probe auf die Solidarität der vier Mächte das ganze Kontroll- system zum Scheitern bringen würde, womit für die Bolschewisten dann der Zweck erreicht war. Deutschland hat nach dem zweiten Angriff auf die „Leipzig" unter peinlicher Beachtung der Londoner Abmachungen den übrigen drei Kontrollmächten von kluger Mäßigung diktierte Vorschläge für eine gemeinsame Sühnung der beleidigten Autorität des internationalen Ausschusses gemacht, die gleichzeitig durch die Anregung der Internierung der roten U-Boote weiteren Uebersällen auf die Kontrollschifse Vorbeugen wollten. Deutschland hat in dem Willen, seine Bereitschaft zu einer europäischen Zusammenarbeit in einem besonders eklatanten Fall unter Beweis zu stellen, seine berechtigte Empörung über die erneute dreiste Herausforderung der Bolschewisten zurückgedrängt und, als es in London mit feinen Vorschlägen auf Widerstand traf, nicht nur an den eigenen Forderungen erhebliche Abstriche vorgenommen, sondern ist auch dem Wunsch auf Untersuchung trotz der bereits vorliegenden einwandfreien Feststellungen deutscher Seeoffiziere entgegengekommen, wenn nur die von ihm angeregte Flottendemonstration der vier Seekontrollmächte vor Valencia die Solidarität der Mächte gegen die ebenso heimtückische wie dreiste Taktik der spanischen Bolschewisten aller Welt eindeutig vor Augen führte. Aber nicht einmal zu dieser Geste der Solidarität wollten sich England und Frankreich verstehen, ja sie standen nicht an, durch Anzweiflung der Feststellungen deutscher Seeoffiziere und Verlangen nach einer neuen Untersuchung vor irgendwelchen gemeinsamen Maßnahmen, Deutschland zu kränken und damit zum Ausdruck zu bringen, wie
gering das gegenseitige Vertrauen ist, das die Dor- ausfetzung jeder Zusammenarbeit sein muß.
Gerade die lautesten Propagandisten der kollektiven Methode, die in einem kollektiven Sicherheitssystem das Fundament des europäischen Friedens sehen, haben ihrem eigenen politischen Ideal den härtesten Schlag versetzt. Hier war geradezu ein Schulbeispiel, an dem die so laut gepriesene kollektive Methode ihre Brauchbarkeit hätte beweisen können. Aber ihre Lobredner haben nicht den geringsten Versuch gemacht, sie zur Anwendung zu bringen. Ja sie haben ihre Theorie in der politischen Praxis verleugnet und damit bei allen denen die Zweifel an der Brauchbarkeit der kollektiven Methode genährt, die in ihr stets nur einen Vorhang für die Verfolgung sehr handgreiflicher nationalen Interessen gesehen haben. Man kann jedenfalls nicht ungestraft das gemeinsame Vorgehen gegen einen Friedensbrecher zum Grundsatz des politischen Systems der Friedenssicherung erheben, wie es Frankreich und England getan haben und sich dann im entscheidenden Augenblick einer als Verwarnung des Angreifers gedachten Flottendemonstration versagen, zumal wenn man damit grabe die beiden Mächte im Stich läßt, die im gleichen Augenblick für eben diese kollektive Methode der Friedenssicherung gewonnen werden sollen. Man wird es uns nicht verdenken können, wenn wir recht skeptisch werden und an der Aufrichtigkeit zu zweifeln beginnen, die England und Frankreich dem Problem einer Neubegründung europäischer Zusammenarbeit entgegenbringen. Die Lehre, die wir aus dem Geschehen der letzten Wochen empfangen haben, ist wenig ermutigend, und wenn wir auch nicht schon nach diesen ersten mißglückten Ansätzen zu einer europäischen Zusammenarbeit im Sinne einer Solidarität der sich für Frieden und Ordnung einsetzenden Mächte die Flinte ins Korn werfen wollen, so werden die Vorgänge in London


