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Nr.'2V Zweites Matt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)Donnerstag, 27.Mai |937

Des deutschen Volkes bunter Trachtenkranz.

3um Reichsirachtentreffen in Bayreuth.

Von Herbert Conrad

In Bayreuth fändet vom 28. bis 31. Mai das 4. Deutsche Reichstrachtentref- f e n statt. Dabei werden alle Trachtenge­biete des Deutschen Reiches und auch der deutschen Volksgruppen im Auslande, wie der Sudeten, Siebenbürgens, Kartens, der Steiermark und Tirols, vertreten sein, so daß sich in diesen Tagen in Bayreuth die Vielfalt des deutschen Volkstums in einem buntbewegten Bilde entfalten wird.

Es gehört zur Kraftentfaltung eines Volkes, daß es die verschiedenartigsten Entwicklungen gleich­zeitig umfasse", sagt W. S). Riehl, der Vorkämp­fer für eine gesunde Volkstumspolitik, die das eigenständige Volk" und die ihm eigentümlichen Lebensgesetze zum Ausgang nimmt. Er hat dabei wohl auch an den Formenreichtum der deutsch e n Volkstrachten gedacht, deren bunte Mannig­faltigkeit wie die Blumen des Feldes auf gleichem Volksboden gewachsen ist.

Jede Tracht ist für sich ihre eigenen Wege ge­gangen und hat ihre eigentümliche Entwicklung ge­nommen. So sind sie lebendig in den Formen, ko st barer alter Kulturbesitz, in dem sich der künstlerische Gestaltungswille des Volkes in seiner Ursprünglichkeit offenbart. Trotz aller Viel­falt ist die Tracht Ausdruck eines Gemeinschafts­gefühls, das sich auch dann noch im Festhalten an Tracht, Sitte und Brauchtum bewährt, wenn ein­zelne Glieder dieser Gemeinschaft sich in der Fremde eine neue Heimat suchen müssen. Als dasEhren­kleid der Heimat" wird sie empfunden und geach­tet. Es ist bezeichnend, daß sich die heute noch leben­den Trachten nur im Bauerntum haben erhalten können. Das ist ein Beweis der volkserhal­te n d e n Kraft des Bauerntums und nicht etwa ein Zeichen bäuerlicher Rückständigkeit.

Fast alle Trachten lassen sich auf alte modische Formen zurückführe'n. Manche knüpfen an die Zeit des Dreißigjährigen Krieges an, andere erinnern an preußische Uniformen aus der Zeit Friedrichs des Großen, wieder andere scheinen noch ganz den Stil des Barocks bewahrt zu haben, und manche zeigen noch in einzelnen Zügen deutlich germani­sches Kulturerbe: die verschiedenartigsten Entwick­lungen sind gleichzeitig wahrzunehmen.

Meist deckt fier) ein Trachtengebiet mit einem bestimmten landschaftlichen Bezirk oder seine Gren­zen lassen sich als uralte Stammesgrenzen nach­weisen. Immer besteht ein natürlicher Zusammen­hang zwischen Heimat und Volkstum. Das Leben auf dem Dorfe nimmt Fahr um Jahr beständig den gleichen Lauf, nur dann und wann in langen Ab­ständen durch Kriege und andere gewaltsame Ereig­nisse unterbrochen. Der Ahne schritt einst genau so hinter dem Pflug, führte im gleichen Schwung kraftvoll die Sense bei der Mahd wie heute sein Nachfahre. Jedenfalls hat sich wesentlich nicht viel daran geändert. Darum hält der Bauer an seinen überlieferten Lebensformen fest. In den Gegenden, die städtischen Einflüssen abgewendet lagen, ent­wickelten sich im Laufe der Jahrhunderte nach eige­nen Gesetzen die heutigen Trachten, die im Gegen­satz zu Den gleichmachenden Formen städtischer Kleidung in sinnvoller Weise auch die gesellschaft­liche Ordnung der bäuerlichen Gemeinschaft regelt.

Wohl am bekanntesten sind die Trachten des oberbayerischen Gebirgslandes, deren Haupt- bezirke die Gebiete um Schliersee und Tegernsee, Tölz, Mittenwald und Berchtesgaden sind. Die Männer tragen die offene kurze Joppe mit Horn- knöpfen, unter der die grüne Weste und der be­stickte Hosenträger sichtbar sind, dazu die kurze Hose aus Gems- oder Hirschleder, die Wadenstrümpfe und die genagelten Schuhe. An Schmuckheit stehen ihnen die Mädchen und Frauen nicht nach. Alltags tragen sie enganliegende Kattunkleider mit kurzen Aermeln und weitem Halsausschnitt, Sonntags putzen sie sich mit dem festlichenGeschnür , Dem Mieder mit Ketten und Anhängern, schonen seide-

nen Halstüchern und farbigen Seidenschürzen mit blumengeschmückten Bändern.

Neben Oberbayern stellt das nördliche Hessen- l a n d das räumlich größte Trachtengebiet dar. Es ist auch zugleich das reichste. Es umfaßt annähernd 800 Ortschaften in Kurhessen und Oberhessen und greift im Süden noch auf Nassau über. Am be­kanntesten ist die Schwalm zwischen Alsfeld und Treysa und dem Knüllgebirge am Mittellauf des Flüßchens, das ihr seinen Namen gegeben hat. Die Männertracht, von ihrem breiten Hut, ihrem schwar­zen langen Festtagsrock, der eine durchgehende Knopfreihe aufweist, aber nur in der Mitte einmal geknöpft wird, angefangen bis zu den Gamaschen und Schnallenschuhen, zeigt in überraschender Rein­heit die Stilformen des 18. Jahrhunderts. Eine Eigenart der Frauentracht ist das Uebereinander- tragen von oft bis zu 16 kurzen weiten Röcken. Merkwürdig nimmt sich auch die kleine zylinder­förmige Bänderhaube aus, die knapp über der Stirn fitzt und von einem Haarknoten festgehalten wird. Bei aller Schlichtheit die Grundfarben sind schwarz, weiß und blau weist die Festtracht eine reiche Stickerei auf.

Nach Westen zu geht die Schwalm in das Mar­burger Trachtengebiet über, in dem die strengen, charaktervollen Formen der Schwälmer Tracht durch größere Farbenfreude aufgelockert sind. In mancher Hinsicht ähnlich sind die Trachten des Hinterlandes um Biedenkopf an der Lahn. Bunte weite Faltenröcke, dickwollene Halstücher mit breiten Borden kennzeichnen die Tracht des Schützer Ländchens. Um Hersfeld hat sich die alte Hubbeltracht erhalten: die Hubbel ist eine merk­würdige Spitzhaube.

Die Tracht des Schaumburger Landes um Bückeburg entfaltet eine großartige Pracht. Ein leuchtendes Rot ist vorherrschend. Reich sind die Perlenstickereien amBrüstchen", einem Halbmieder, von dem farbige Bänder herabhängen. Halskrause undMütze", eine schwarze hohe Haube, die vorn mit der Stirn eine Linie bildet, sind besonders charakteristisch. Der reiche Schmuck der Festtracht er­innert an germanische Formen aus der Zeit der Völkerwanderung.

Nordwestlich der Lüneburger Heide lebt noch in den Geestdörfern Scheessel und Sittensen die Abendmahls- und Trauertracht. Hier hat die städti­sche Mode die alten Trachten bedauerlicherweise aus dem Alltag schon stark verdrängen können. Ebenso ist es auch in den Vierlan d e n bei Hamburg. An Sonntagen trägt die Dierländer Bäuerin zu einer schwarzen Haube, von der eine gefaltete Schleife über den Rücken fällt, einen weitgewölbten Strohhut. Auf einigen Nordfriesischen Inseln hat Die altüberlieferte Freude an gediegenem Schmuck die Wandlungen der Tracht überdauert. Brustschmuck undOhreisen" setzen in gewandelter Gestalt die Ueberlieferung der germanischen Frühzeit fort.

Im allgemeinen ist Norddeutschland arm an Trachtengebieten. Auf der Insel Rügen hat sich noch die alte Mönchs gut er Fi sch er tracht mit weiten Leinenhosen erhalten; die Tracht der Frauen mutet fast biedermeierlich an. Farbenfroher und prächtiger ist die Tracht der Frauen imWeiz - a ck e r" um Pyritz und Brietzig in Ostpommern. Wie in der Schwalm werden hier mehrere Röcke übereinander getragen. Im Brandenburgischen haben sich drei Trachtengebiete erhalten. Am be­kanntesten ist hier die Spreewälder Tracht. Sie hat mit der am Niederen Fläming und in den Dörfern des Kreises West-Sternberg das auf dem Scheitel gebundene Kopftuch gemeinsam und ist reich an Ausdrucksformen. In der O b e r l a u s i tz herrscht eine Vorliebe für reichgemusterte Stoffe, die für Schürzen, Brusttücher und Kopfhauben ver­wendet werden. Von den Oberschlesischen Trachten ist die von Schönwald bei Gleiwitz die ur­sprünglichste. Auf einem enganliegenden Rock wird eine kurze Schößchenjacke mit einer Schürze aus

Plüsch oder Samt getragen. Das schwarze Kopf­tuch ziert eine grüne Stickerei.

Fränkische Trachten gebiete sind der Hummelgau bei Bayreuth, die Gegend um Effeltrich bei Forchheim, der Ochsenfurter und der Schwein­furter Gau. Im Hummelgau lebt jetzt wieder eine der schönsten und ältesten Männertrachten auf, die sich mit der Schwälmer vergleichen läßt. Die Effel­tricher Tracht ist von einer auffallenden Buntheit, die Mädchen tragen an Festtagen prachtvolle Gold­kronen, die Frauen eigenartig gesteckte weiße Kopf­tücher. An der Ochsenfurter Tracht fällt vor allem die kunstvolle Frisur auf, die Haare werden in zwei breiten Zopfbändern schleifenartig über den Hinter­kopf gelegt Im Bayerischen Wald hat sich eine schlichte Tracht bewahrt, zu der das kraftvoll ursprüngliche Volkstum der Wäldler trefflich paßt. Der Bauer aus dem Ries, den man auf dem Markt

zu Nördlingen trifft, fühlt sich am wohlsten in seinen weiten blauen Leinenkittel, der sparsam weiß bestickt ist. Zu dem ausdrucksvollen Bauernkopf ge­hört ein flacher steifer Filzhut. Eine schöne alt­deutsche Tracht findet sich bei Reutlingen in und um Betzingen

Der Schwarzwald ist kein einheitliches Trach- tengebiet. Vor allem unterscheidet sich hier die Kopf­bedeckung der Frauen im Gutachtal derBollenhut" im Simonswald ein einfacher Strvhhut, im Elz- tal und im Prechtal der Strohzylinder, im Mark­gräfler Land eine Schleifenhaube. Eine starke Trach­tenpflege zeichnet auch die auslandsdeutschen Siedlungsgebiete im Südosten aus. Be­drohtes deutsches Volkstum sieht im Aeußeren der Tracht das Sinnbild seiner Zusammengehörigkeit. So wird sie hier zum völkischen Bekenntnis.

KommunalpolitischeTagung in Homberg

Arn vergangenen Montag sand in Homberg (Oberhessen) eine Tagung der Kreisabteilung Alsfeld des Deutschen Gemeindetages unter dem Vorsitz des Kreisobmanns, Bürgermeister Dr. V ö l f i n g , statt. Bürgermeister Schweiker (Homberg) begrüßte die Tagungsteilnehmer und gab einen kurzen Ueberblitf über die Geschichte der Stadt Homberg und deren Naturschönheiten.

Als erster Punkt der Tagesordnung wurde ein Vortrag von Forstmeister Waldeck (Homberg) über das Reichsnaiurfchuhgeseh und seine Bedeutung behandelt. Das Reichsnaturschutzgesetz will, wie der Vortragende erläuterte, die ideellen, aber auch die wirtschaftlichen Schäden der Umgestaltung der deut­schen Landschaft aus dem liberglistischen Zeitalter beseitigen. Der um die Jahrhundertwende ent­standenen Naturdenkmalpflege konnten nur Teil­erfolge beschieden sein, weil wesentliche politische und weltanschauliche Voraussetzungen fehlten. Erst die Umgestaltung des deutschen Menschen schuf die Vorbedingungen für einen wirksamen Naturschutz.

Der Vortragende erläuterte sodann auf (Bruni)

des Reichsnaturschutzgesetzes vom 26. Juni 1935 und der Naturschutzoerordnuna vom 18. März 1936 die hauptsächlichsten Gebiete Des Naturschutzes, Der sich auf Pflanzen unD nicht jagdbare Tiere, Naturdenk- male und ihre Umgebung, Naturschutzgebiete und sonstige Landschaftsteile in der freien Natur er­streckt, deren Erhaltung wegen ihrer Seltenheit, Schönheit oder Eigenart im allgemeinen Interesse liegt. Das Gesetz wolle bei seiner Durchführung einen Ausgleich schaffen zwischen den allgemeinen Interessen des Naturschutzes und den besonderen Interessen des Wirtschaftsberechtigten. Es sei selbst­verständlich nicht Aufgabe des Naturschutzes, irgend­wie jeden besonders gearteten Baum oder jedes irgendwo vorhandene Naturdenkmal zu erhalten.

Von besonderem Interesse waren die Darlegun­gen des Redners über die Durchführung des Natur­schutzes in der Provinz Rheinhessen, wo er sich naturgemäß infolge des hochwertigen Grund und Bodens schwierig gestaltet. Ein Volk ohne tiefen Heimatbegriff und ohne feinen Wald müsse geistig arm bleiben. Hier liege eine Quelle der Kraft für

Deiiis-Iands größte Iogenbrücke aus Eisenbeton im San

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Im Teufelstal bei Gera entsteht für die Reichsautobahn Dresden- Frankfurt a. M. eine Bogenbrücke, die das Tal, ein Nebental zwischen Elster und Saale, überspannt. Der Brückenbogen hat eine Gesamtlänge von 237 Meter lichte Spannweite, und Die Höhe wird von der Talsohle bis zur Bogenspitze 70 Meter betragen. Man sieht auf dem Bilde das kunstvoll konstruierte B a u g e r ü st für den Brückenbogen. (Scherl-M.)

nur, Kameraden, es dauert nicht mehr lange. Laßt nur, es kommt der Tag, dann segeln noch größere weiße Vögel dem roten Glühen dort entgegen "

So kam es, daß Heio erzählte von Südweft und seinen Fliegern. Da fühlte ich und verstand auf einmal, daß unter all den Menschen, die Sudwest an sich hält mit seiner Eigenheit und Eigenart, die Flieger mit zu den ersten gehören

Und Heios Worte mischten sich mit dem Krachen des Motors und dem Klappern und Stoßen und Stöhnen des Wagens: Es war ein harter Beginn, und es ist uns auch heute noch ein nur langsames und hartes Vorwärtsschreiten. In Swakopmund be­gann es. Jahre hat es gebraucht, bis die erste Kiste" fertig war. Zeit und Geld und Schweiß und Blut und noch mehr sind die Opfer der Ar­beitskräfte, deren Glauben und Ausdauer dann doch ihren Lohn fanden. Und als die erste Maschine sich von den Swakopmunder Dünen hob und m den Südwestwind hinaus schaukelte und glitt und _ flog, da gab es Augen, in denen Tränen standen.' Dieser Flug war eine Bestätigung: ja, es ging, auch in Südwest konnte man fegelfhegen. Dieser Flug war ein Fanal, ein Aufruf. Es gab Widerhall. Freunde fanden sich, die uns Flieger verstanden, die uns halfen. Da vergrößerte sich un­sere Schar. In Swakopmund wurde bald die zweite Kiste auf Helling gelegt.

Heute haben sie oben schon eine Leistunasmaschine, die so manchem Sturm getrotzt hat, die schon man­chen E-Prüfling für Stunden sicher über Südwester Erde getragen hat.

Unb bei uns unten im südlichen Kustenorte, m Lüderitzbucht, haben wir jetzt endlich auch unseren Zögling" Im Burenkamp steht der Flugschuppen. Weiß Gott, es sind hier nicht viele, die treu zu­sammenstehen, um in ihrer Freizeit mitzuhelfen beim Bauen und Reparieren. Es geht unterem Orte und seinen Bewohnern nicht gut und em jeder hat schwer zu kämpfen. Es gibt nicht sehr viele unge Menschen in unserem Ort. Darum haben wir sogar auch ältere Männer und Kameraden, die flie­gen wollen, und denen die Fliegersehnsucht keinen Frieden läßt. Wenn Sonntags am Nautilusberg ge­schult wird, dann beobachten uns stets viele Zu­schauer viele, noch nicht alle. Es ist unser Ziel, einen jeden für unseren Sport zu begeistern und vor allem unsere jungen Kameraden.

Heio machte eine Pause, denn wir kamen in tiefen Sand und Krix hatte mächtig aufzupassen, daß er Spur hielt. Es war Nacht geworden, so daß mir

Segelflieger über Südweft

Don Edgar Sievers.

Unser braver Ford fegte auf der Pad entlang, daß die Sandwolken hinter uns dremstoben unD zur langen Rauchfahne wurden. Es war kurz vor Sonnenuntergang, und Aus, der Farmerort, lag schon hinter uns. Durch Schlote und Rinnen krachte der Wagen, so daß die Federn um Erbarmen schrien und unsere beiden Springböcke denen wir in der Tirasfläche das Lebenslicht gelöscht hatten, hintenauf einen holprigen Totentanz vollfuhrten.

Wir waren zu dritt und wollten voraus bis zu jenem Bergzug gelangen, von dem aus wenn man ihn umrundet die Pad, sich langsam sen­kend, uns in die Ebene hineinführen wurde. Sie verliert sich hort in die Weite und Ferne, über Ga- rub und Tschaukaib immer weiter und weiter hinab bis zur Küste. Wir wollten dann halten und uns fesseln lassen von dem Untergang der Sonne der so schön werden würde, wie er eben nur in Sud- west sein kann. Ganz still würden wir fern und to6d)lonnfentte sich der Weg. und die B°rgn°Ie zur Rechten rückte bedrohlich nabe. Die Berge °°n Aus öffneten schräg hinter uns ihren gewaltigen, wuch- tigen Bogen nach Süden, und d,° Tstrubberge r>°. gelten sich vor den Blick nach Westen Die Bahn- linie war aus einmal zu erkennen Sie zog oo immer kleiner werdenden Telegraphenstangen be

L5^nd staunten und iannen der Farbenpracht entgegen. Mit Rot und Blau und Vikeiett und Gold war der Raum ersull und rechts und links des Sonnenballes breiteten sich die we - tzen Nebelschwaden des fernen Meeres, mit wem- gen Wolkenflocken darüber. .

Ein Schatten über uns ließ uns plötzlich auf­blicken und erfüllte uns mit einem großen Seh­nen. Ein Lämmergeier, getragen von den Farben ringsum, von roten Sonnenstrahlen der klaren, reinen Luft und von unseren Blicken, die an ijm binqen und ihn verfolgten, segelte ohne Flugelschlag oer^Tiesebene zu. Da wogte «s m uns und packte und zerrte uns als sollten wir uns dem Vogel nachsturzen als könnten wir uns hinauswerfen in dieHöheund gleich ihm,gelöst von allem Schweren, in die Ferne gleiten und fliegen. f» r,

Roch standen wir, als der Segler schon (an9^ nicht mehr zu erkennen war. Da sagte Heio:Laßt

unsere Scheinwerfer durch das Dunkel stechen lie­ßen. Dann berichtete Heio weiter:

In Windhuk ist eine stille Gemeinschaft an der Arbeit. Es sind Schüler und Lehrlinge und andere dabei, junge und ältere Kameraden. Sie fügen und leimen und klopfen und bauen eifrig an ihrer ersten Kiste. In der Werkstatt der deutschen Oberrealschule kommen sie zu ihrer Arbeit zusammen. Und sie schaf­fen ihr Werk mit der großen Freude und Begeiste­rung, die uns erfüllt für unsere Sache. Sie wis­sen, daß es vorangehen wird, wenn sie hinaus­treten und ihre Maschine öffentlich taufen. Sie wis­sen, bann werden sie noch mehr Freunde und Be­geisterte finden, die helfen und fördern. Es wird im Lande vorwärtsgehen mit der Segelfliegerei, und eines Tages werden unsere Vereine ihre eige­nen Motormaschinen haben, die wir als Unter­stützung zu unserer Segelfliegerarbeit in diesem weiten Lande sehr nötig haben. Und darüber hin­aus werden mehr und mehr Farmer und Kaufleute und Aerzte und wen man sich noch hinzudenken mag, eigene Maschinen besitzen und so durch ihr Fliegen dem Lande dienen.

Es ist schön und gewaltig, in Südwest, über Süd- w?st, fliegen zu können. Es mag diese ursprüngliche Gewalt und Eigenheit an sich haben wie auf der anderen Seite zu alter Zeit ein Ochsenwagentreck bei aller Ruhe und Beschaulichkeit.

Unsere Segelfliegerei dient aber nicht nur dem persönlichen sportlichen Erlebnis. Nein, Segelflieger sein, heißt Pionier sein und Forscher und Weg­bereiter, Bahnbrecher und Zukunftweiser.

So ist auch unser erstes Fliegen in Südwest zu­nächst noch ein langsames Forschen und Suchen. Wir müssen noch viel erproben und kennenlernen Wir wissen heute, daß wir überall an der Küste im Südwestwinde gleiten und segeln können, aller­dings bei nicht allzu starkem Winde, der zehn bis zwölf Metersekunden nicht überschreitet. Es gehört Mut dazu und Erfahrung, denn diese Winde sind sehr böig. Die Küstenverhältnisse, mit ihren Luft­strömungen, mit den Dünenhängen und mit den weiten Sandflächen, in denen die Gefahren der Bruchlandung wegfallen, sind zur Heranschulung der Flieger am besten geeignet. Und in unseren bei­den Seeorten werden dereinst die Segelflieger­schulen des Landes entstehen.

An vielen Stellen und bei manchen Gelegen­heiten ist es leicht, mit demZögling" zu segeln, so lange zu segeln, als der Wind nicht nachläßt. Mit dem Autoschleppstart haben wir schon die besten

Erfahrungen gemacht. In jeder Hinsicht bieten sich uns Entwicklungs- und Ausdehnungsmöglichkeiten. Aber Freunde, wir wollen nicht an der Küste kle­ben bleiben. Unser Ziel ist die Südwester Weite, sind die Südwester Gebirge, ist das große Unbe­kannte. Denn Segelflieger suchen immer nach neuen Gebieten, nach neuen Aufgaben. Dahinter stehen auch Gefahren. Sie halten uns nicht ab, sie ziehen uns an. Der erste große Schritt auf diesem Wege, war das Fliegerlager am Rössing bei Swakopmund.

Es war ein Versuch, ein Wagnis und ein voller Erfolg. Eine Reihe von Kameraden, es war auch eine Kameradin dabei, machten sich auf mit Auto, Leistungsmaschine, Zelt und ein paar Kübeln Wasser, mit dem sehr sparsam gewirtschaftet wer­den mußte. Noch bevor damals ein Lagerplatz ge­sucht und gefunden war, wurde die Maschine am Osthang des Rössing gestartet. Eine Stunde dauerte der erste Flug. /

Wir hatten Glück dort im Lager. Wir hatten Wind, wann wir ihn brauchten und konnten flie­gen, soviel wir wollten. Es gab Brüche und Split­ter. Unsere Gemeinschaft stand, so daß unsere Ma­schine immer startklar war. Unsere E-Prüflinge brauchten sich nie mit den vorgeschriebenen fünf Minuten zu begnügen, sie blieben oft zehnmal so lange in der Luft.

Nach Tagen des Fliegens und Forschens, in denen fünf E-Prüfungen bestanden wurden unsere Ka- meradin war mit dabei und einer von den anderen vieren war erst 14 Jahre in denen Höhen von tausend Meter und mehr erreicht und unbezahlbare Erfahrungen erlangt worden waren, startete auf der Heimfahrt die Maschine zu einem Streckenflug. Wir kamen mit dem Auto hinterher und trafen sie nach fast zwanzig Kilometer auf der Pad glatt ge­landet wieder."

Heio schwieg, denn wir würden gleich daheim fein. Wir waren müde von unserer großen Tages­fahrt heute, aber wir waren dafür innerlich reich und voller Glauben. Als ich nach Haufe strebte, warfen die Sterne nur einen leichten Schein zur Erde nieder. Da sah ich auf einmal nach innen ein Bild. Vor mir dehnte sich ein Raum. Der öffnete sich in eine weite Fläche, begrenzt von Höhenzügen und Hügelketten. Nach Süden schoben sich die Berge von Aus und erstrahlten gerade im verblassenden Schein der untergehenden Sonne. Da mußte ich nach oben blicken, denn ein Schatten loste sich vor mir. Der Schatten war ein helles Segelflugzeug, das lautlos, in die Ebene und in das Abendrot hinabglitt. Segelflieger über Südweft!