Hun-ertLahre Gießener Realanstalten.
Ein Rückblick auf die Gründungsgeschichte.
Die Gießener Realanstalten, Realgymnasium und Oberrealschule, können am Mittwoch, 28. April, auf die 100. Wiederkehr des Tages ihrer Gründung zurückblicken.
I.
Bis zum Anfang des vorigen l.Jahrhunderts umfaßte die in vorreformatorische Zeiten zurückreichende Gießener Stadtschule zwei Abteilungen, die „teutsche" oder „untere" Stadtschule des 3. Präzeptors und die zweiklassige „obere oder sog. „l a - te i n isch e Stadtschule" unter dem 1. und 2. Präzeptor; eine besondere Mädchenklasse war 1771 errichtet worden.
Wie alle Lateinschulen des Landes diente auch die Gießener zunächst den Bedürfnissen des Bürgerstandes; sie bereitete aber zugleich auch vor für das dreiklassige sog. Pädagogium. Die Eröffnung dieser höheren, „gelehrten" Schule durch den Landgrafen von Hessen-Darmstadt, Ludwig den Getreuen (1596 bis 1626), im Jahre 1605 stand in engstem Zusammenhang mit der zwei Jahre später erfolgenden Gründung der Universität. Sie war dieser über zwei Jahrhunderte angegliedert, stand unter der Leitung eines Professors der Theologie oder der Philosophie, des Pädagogiarchen, und hatte das Recht der Exemtion, d. h. der Entlassung ihrer Schüler zur Universität. Als „Großherzogl. Gymnasium" trat es 1838 in einen neuen Abschnitt seiner Geschichte ein; bei seiner 300-Jahrhundert- feier wurde ihm der Name „Landgraf-Ludwigs- Gymnasium" verliehen.
Die Lehrkräfte waren auch an den Knabenoberstufen der Stadtschule fast durchweg akademisch gebildete Theologen, die als „Frei"- oder „Mitprediger" zur Uebernahme von Sonntagsgottesdiensten in den städtischen Kirchen verpflichtet waren und den Lehrberuf ausübten, bis sich ihnen eine freiwerdende Pfarrstelle bot. Nur der „teutsche" und vor allem der „Mägdlein-Schulmeister" waren häufig ungeprüft, bis durch die Gründung der Leh- rerseminarien zu Bensheim (1805) und zu Friedberg (1817) gut vorgebildete Volksschullehrer zur Verfügung standen.
Leider begannen das Ansehen und die Erfolge der blühenden und durch ihre Leistungen bekannten Lateinschule vom zweiten Drittel des 18. Jahrhunderts an mehr und mehr zu sinken. Allzuschlechte Besoldung der Lehrkräfte, deren „Existenz ohne private Einnahmen unmöglich war", geringwertiges Schülermaterial, der schmutzige Zustand der Schule, vereinzelte weniger fähige Lehrer, die nicht verstanden, den Anforderungen einer neuen Zeit entgegenzukommen, nicht zuletzt eine besser ausgestattete und umsichtig geleitete P r i v a t s ch u l e, die gutes Schülermaterial aus allen Klassen der Gesellschaft an sich zog, ließen die Stadtschule ihrem allmählichen Verfall als Lateinschule entgegengehen.
Auch das Pädagogium büßte vorübergehend an seinem Ansehen ein. Schon 1715 wird in einem Visitationsbericht der Behörde über die mangelhafte Verfassung der Gießener Schulen geklagt, „daß Pädagogia und Trivial-, d. i. Stadtschulen, dermaßen schlecht versehen, daß die aus denselben ankommenden Studiosi gar keine Fundaments in latinitate noch übrigen philosophiae partibus mitbrächten".
Abhilfe und neuen Aufschwung sollten die verschiedenen 1720 bis 1815 an den alten Schulen vorgenommenen Reformen bringen. Durch Jahrhunderte hindurch hatte die höhere, die „gelehrte" Schule ihre Aufgabe im wesentlichen in der Pflege der humanistischen Wissenschaften gesehen; immer stänker lastete aus ihr der Zwang, sich den Zeitverhältnissen anzupassen und neuen Forderungen die Tore zu öffnen. Denn Inhalt und Form der Schule sind in ihrer Wandelbarkeit nun einmal bestimmt durch die geistigen Strömunaen der Zeit und durch die jeweilige wirtschaftliche Lage.
So fassen Geschichte, Geographie, Geometrie, deutsche, später auch französische Redeübungen, Unterricht in Mythologie, Naturgeschichte, Physik, Zeichnen nacheinander in der alten Schule Fuß. Auch der Geist und der innere Betrieb des Pädagogiums ändern sich mehr und mehr; zeitgemäße Lehrbücher, Erhöhung der Lehrerbesoldungen, Fonds für Schülerprämien, physikalische und mathematische Lehrmittel, Verbesserung der Methoden u. a. weisen auf den sich vollziehenden Wandel hin.
Um weitgehendsten Ansprüchen gerecht zu werden, ist das Pädagogium nicht selten geneigt, auf
besondere Bedürfnisse der einzelnen Schüler weitgehend Rücksicht zu nehmen. So konnten Knaben, die sich dem Forstfach oder einem „anderen Zweig der Cameralistik" widmen wollten, ohne griechischen Unterricht und mit einem geringeren Maß lateinischer Kenntnisse durchkommen, andere, die einen rein praktischen Beruf im Auge hatten, waren auf Wunsch der Eltern schon in den Unterklassen sogar vom Hauptfach, dem Latein, befreit. Auf die Dauer konnte das Pädagogium dieser vielseitigen Aufgabe wohl kaum genügen, ohne eignen Schaden zu nehmen. Als Gelehrtenschule mußte sie sich frei-
Der Kreisverband Gießen des Deutschen Reichskriegerbundes (Kyffhäuserbund) hielt am Sonntag im Hotel „Hindenburg" seinen diesjährigen F r ü h - jahrs-Kreisverbandstaa 19 3 7 ab, der von den Unterabschnittsführern, den Führern und den Schießwarten bzw. ihren Stellvertretern der etwa 80 Kameradschaften (die rund 4500 alte Soldaten umfassen) vollzählig besucht war. Kreisverbandsführer Dr. Monnard (Gießen) eröffnete in dem festlich geschmückten Saal die Arbeitstagung mit einer Ansprache, in der er auf die große Bedeutung des Deutschen Reichskriegerbundes für die Aufbauarbeit des Dritten Reiches hinwies und kurz dessen Ziele streifte. Im Zusammenhang damit betonte er die auf die Erhaltung der Wehrfähigkeit ausgerichteten Bestrebungen des Reichskriegeroun- des.
Hierauf begrüßte der Kreisverbandsführer auch die Kameraden von der Wehrmacht, die durch ihr Erscheinen die Verbundenheit der Traditionsträger mit den ehemaligen Feldgrauen zum Ausdruck brachten. — In einer packenden Ansprache nahm er die
Uebergabe neuer Bundesfahnen an die Kameradschaften Allendorf (Lda.) und Allertshausen vor und verpflichtete die neuen Fahnenträger. Mit Worten herzlicher Anerkennung überreichte Kamerad Dr. Monnard dann den ehem. Leibdragonern (Nr. 24) Anton Bopf das Kyffhäufer-Ehrenzeichen 1. Klaffe, dem verdienten Kameradschaftsführer Emil E i ü m a n n, den Kameraden Heinrich Wagen- bach und August Glebe (alle aus Gießen), ferner den Kameraden Karl und Konrad Hofmann und Heinrich Reichhardt aus Rabertshausen und Karl Werner, Wilhelm Haupt und Lud- wi^Rabenau aus Odenhausen das Ehrenzeichen
Kamerad Diehl (Leihgestern) verlas das mit Treue und Fleiß verfaßte Protokoll der Herbsttagung und Einführung des Kreisoerbandsführers Dr. Monnard durch Exz. General a. D. Fett, das mit großem Beifall aufgenommen wurde. — Dem Bericht über die letzten zwei Tagungen, den Landesoerbandstag 1937 im „Hotel Schutz" und die Versammlung der Kreisschießwarte des Landesverbandes im „Hotel Hindenburg" folgte die Feststellung, daß dem Landesverband Hessen 34 000 Mark an Schießgeldern übergeben wurden (für die notwendige Bauarbeiten an den Schieß- ständen und Materialbeschaffungen besorgt wurden), und ferner die eines erhöhten Einganges an F e ch t - geldern mit 13 000 Mark, für die soziale Aufgaben erledigt werden konnten. An der Hitler- Freiplatzspende hat sich der Kreisoerband erheblich beteiligt, wofür ihm der Dank der Kreisleitung der NSV. übermittelt wurde.
Im zweiten Teil der Derbandstagung wurden eine große Anzahl dienstlicher und organisatorischer Fragen behandelt, wie u. a. die
Beteiligung am Reichskriegertag in Kassel
Nach Kassel fahren 150 Kameraden des Landesverbandes, die am 26. Juni in Lang-Göns, Gro- ßen-Linden und Gießen den Sonderzug benutzen. Es wurden die letzten Anordnungen getroffen, damit der Kreisverband Gießen in Kassel einen guten Eindruck hinterläßt.
Zur Frage der Ehrensalvenschießen wurde festgelegt, daß allen alten Soldaten, die im Besitz des Kriegsehrenzeichens sind, Ehrensalut geschossen wird. Auch den älteren Kameraden wurde
halten von den besonderen Aufgaben, die das heraufziehende 19. Jahrhundert, das Zeitalter der Naturwissenschaften, mit sich brachte.
Die stürmisch fortschreitenden Naturerkenntnisse, die zahlreichen Erfindungen, die Anfänge des kommenden Maschinenzeitalters mit seinen weitgreifenden sozialen und wirtschaftlichen Veränderungen, der glücklich beendete Freiheitskrieg stellten neuartige und immer höhere Anforderungen an die Vorbildung der Jugend des mächtig aufstrebenden Bürgertums, des Kaufmanns-, Handels- und Gewerbestandes. Diesen mehr aus praktischen Bedürfnissen kommenden neuen Forderungen konnte in vollem Maße nur eine ganz neue Schulform, kürzer als das Pädagogium in der Dauer der Schulzeit, gerecht werden, die sogenannte Realschule.
empfohlen, das SA.-Sportabzeichen, das einige bereits erworben haben, gleichfalls zu erwerben. Bedürftigen Kameraden, die dem Kyffhäuserbund bereits zehn Jahre angehören soll die Möglichkeit geboten werden, das Kyffhäuferdenkmal zu besuchen.
Kreissozialreferent Studienrat Dr. Schmoll, Gießen zeigte in einem längeren Referat Wege und Möglichkeiten für eine praktische soziale Betätigung zugunsten bedürftiger oder unverschuldet in Not geratener Kameraden und deren Angehörigen, ohne die Bundessozialmittel in Anspruch zu nehmen.
Kreisschießwart Albin Klein berichtete über die gute Entwicklung des Schießwesens,
durch das der Kreisverband Gießen immer an erster Stelle steht und auch in Zukunft die beste Aussicht hat, diesen ehrenvollen Stand zu halten. Durch die neuen Wettschießbedingungen sind die Möglichkeiten für eine Beteiligung selbst der kleinsten Kameradschaften gegeben. Der Kyffhäuserbund wird mit der Wehrmacht, den Soldatenbünden und den SA.-For- mationen zum Vergleichsschießen antreten. Für das laufende Jahr sind bereits 2000 Kameraden zum Wettschießen gemeldet, so daß auch hinsichtlich der prozentualen Beteiligung der Kreisverband wieder an erster Stelle stehen dürfte.
Für besondere Lei st ungen wurden mit der Großen Kyffhäuser-Ehrennadel für das Schießen die Kameraden Wilh. I ä - g e r II., Holzhauscn und Wilhelm Euler, Trais- Lumda, mit der goldenen Nadel die Kameraden Heinrich Keßler vl., Steinbach, Karl Motz und Willi Schilling, Gießen (Kameradschaft 1874); mit der silbernen Ehrennadel Kam. Rud. Reiber, Gießen, und mit der bronzenen Nadel 103 Kameraden in 34 Kameradschaften ausgezeichnet.
Kreispropagandaobmann K ö r e s, Gießen, berichtete über die letzten erfolgreichen Veranstaltungen innerhalb des Kreisverbcmdes und gab praktische Vorschläge und Anweisungen für die Ausgestaltung der Kameradschaftsarbeit. Er hielt zur Werbung an, damit auch der letzte alte Soldat für die großen Ziele begeistert wird. — Kreis-Versiche- rungsobmann Schimpf- Bad-Nauheim sprach über die notwendigen Versicherungen zur Durchführung des Sozialprogramms.
Im dritten Teil des Verbandstages erledigte der Kreisgeschäftsführer Aug. Glebe, Gießen, eine Reihe von verwaltungstechnischen und geschäftsmäßigen Fragq».
Die Arbeitstagung wurde mit einem aufmunternden Schlußwort des Kreisverbandsführers, Dr. Monnard beendet, in dem er nochmals die großen Aufgaben streifte, zu denen der Deutsche Reichskriegerbund durch den Führer berufen wurde. Er brachte das Treugelöbnis zu Führer und Volk aus, das durch den Gesang der Nationallieder bekräftigt wurde.
Zum Landesleiter der Reichsrundfunkkammer ernannt.
NSG. Der Präsident der Reichsrundfunkkammer hat den Gaufunkhauptstellenleiter Parteigenossen Willi Lehr zum Landesleiter Hessen-Nassau der Reichsrundfunkkammer ernannt.
kreisverbandstag
des Deutschen Reichskriegerbundes in Gießen.
Skandal um Or.Vandergmen Vornan von Hans Hirihammer.
Copyright by Verlag Oskar Meister, Werdau i. S.
26 Fortsetzung (Nachdruck verboten.)
Gisch ist aufgesprungen, kein Tropfen Blut ist mehr in ihrem Gesicht, ihre Hände verkrampfen sich dann sinkt sie in sich zusammen.
Bert Imhoff bemüht sich bereits um sie, öffnet ihr den Mantel, läßt sie sachte in den Stuhl gleiten und reibt ihr die Schläfen mit Kölnisch Wasser ein.
Als sie die Augen öffnet, lacht er gutmütig. „Wieder besser? Das Schicksal scheint mich ja geradezu auserkoren zu haben, als „erste Hilfe bei Unfällen für Sie tätig zu sein."
„Verzeihen Sie, ich — es war — ich bin schon wieder in Ordnung. — Kann ich jetzt nach Hause gehen, Herr Untersuchungsrichter?"
„Nicht bevor Sie mir eine letzte Frage beantwortet haben. Warum legen Sie so großen Wert auf die Meinung, die Doktor Vandergruen über Sie hegt?"
„Mit Herrn Doktor Vandergruen hat das — gar nichts zu tun. Aber, daß man überhaupt einen so furchtbaren Verdacht--"
„Das finden Sie so unerhört? Durchaus naheliegend, liebes Fräulein! Wenn mein Freund vorhin nicht so überzeugend für Sie eingetreten wäre, hätte ich Sie vermutlich nicht mehr nach Hause gehen lassen!"
Gisch macht ihre großen Augen. „Bloß weil ich--?"
„Bloß weil Sie vierundzwanzig Stunden vor einem Einbruch sich unter ungewöhnlichen Voraussetzungen am Ort des Einbruchs befunden haben! Lesen Sie Kriminalromane?"
„Ja!"
„Na also, da spielen doch solche Zusammenhänge eine große Rolle, nicht? Aber nun seien Sie unbesorgt, liebes Fräulein! Gehen Sie ruhig nach Hause und erholen Sie sich von dem Schreck!"
„Und — werden Sie Herrn Doktor Vandergruen über seinen Irrtum aufklären?"
„Nicht nur das!" fällt Bert Jrmhoff ein. „Mein Freund wird noch weiter gehen und Doktor Vandergruen von den besonderen Vorzügen Ihres Wesens zu überzeugen versuchen."
„Warum machen Sie sich über mich lustig?"
„Tue ich denn das?" Er blickt sie nachdenklich an und schüttelt den Kopf. „Ich merke doch, was mit Ihnen los ist. Meine Auferweckung scheint geholfen zu haben!"
Gisch bekommt ganz rote Ohren. „Sie bilden sich noch was darauf ein, daß Sie mich so — so überfallen haben."
Dann flüstert sie einen hastigen Gruß und geht.
Eine Stunde später ist Dr. Michaels in der Geor- genkirchstraße und steigt die Treppe zu Koltschews Wohnung empor.
Auf sein Klingeln öffnet eine junge Frau von ausgesprochen russischem Typ .„Sie wünschen?" Ihr musternder Blick ist neugierig und ein wenig ängstlich.
„Ich hätte gerne Herrn Koltschew gesprochen."
„Der Herr wohnt leider nicht mehr hier. Er mußte vor einigen Tagen eine dringende Reise antreten. Sein Bruder ist gestorben!"
„Soso, sein Bruder! — Sie sind Russin, wenn ich mich nicht irre?"
„Ja, ich bin 1917 mit meinem Mann aus Rußland geflohen."
„Na, da haben Sie's auch nicht leicht. — Dann steht also das Zimmer von Herrn Koltschew jetzt
„Nein, Herr Koltschew war so freundlich, das Zimmer einem seiner Bekannten zu empfehlen, damit ich keinen Ausfall haben sollte."
„Und dieser Herr ist bereits eingezogen?"
„Ja, noch am selben Tag, an dem Herr Koltschew plötzlich verschwand."
„Ach so, er selbst sagte Ihnen gar nichts von der bevorstehenden Reise?"
„Nein, es ging so schnell, daß er wohl keine Zeit mehr fand, mich zu unterrichten."
„Wie heißt der neue Herr? Ob ich wohl ein paar Worte mit ihm sprechen könnte? Vielleicht kann er mir sagen, unter welcher Adresse man Herrn Koltschew erreichen kann und zu welcher Zeit man mit seiner Rückkehr rechnen darf?" I
„Herr Jeffers muß jeden Augenblick nach Hause kommen. Wenn Sie einen Augenblick warten wollen?"
„Schön, führen Sie mich in sein Zimmer! Ich werde mir eine Zigarette anzünden."
„Sie müßten schon mit meiner Stube vorliebnehmen. Herr Jeffers wünscht nämlich nicht, daß ich in seiner Abwesenheit jemand eintreten lasse. — Ah, sehen Sie, da kommt er ja schon."
Ein junger Mensch steigt die Treppe herauf. Sein Aeußeres ist vernachlässigt, ein abgenützter, dunkler Anzug, ein nicht mehr ganz sauberer Kragen und schmutzige Schuhe passen zu dem unrasierten Gesicht und der blauen Schirmmütze des Herrn Jeffers.
„Da ist ein Herr, der Sie sprechen möchte, ein Bekannter von Herrn Koltschew?"
Jeffers mustert den Besucher mit mißtrauischen Blicken. „Herr Koltschew ist nicht mehr in Berlin. Was wollen Sie von mir?"
„Wir wollen uns doch lieber in Ihrem Zimmer unterhalten, Herr Jeffers."
„Bitte!" Jeffers betritt die Wohnung, überquert einen dunklen, mit allem möglichen Trödelkram verstopften Flur und öffnet die Tür seines Zimmers. Den Besucher läßt er hinter sich nachkommen.
Das Zimmer, dessen einziges Fenster sich aus einen engen Hof öffnet, strotzt von Unsauberkeit. Auf den Schränken liegen Kleider, Zigarettenschachteln, auf dem Tisch finden sich neben Zeitungen und gefüllten Aschebechern die Reste eines Frühstückes.
Jeffers muß erst einen Stuhl freimachen, damit der Gast Platz nehmen kann. Der Mann lehnt sich an die Ecke der Waschkommode und zündet sich eine Zigarette an.
„Nun?"
„Tja, ich sagte vorhin schon der Wirtin, daß ich mir wegen Koltschews plötzlichem Verschwinden Sorge mache. Wir kennen uns von der Universität her, da ich mich auch mit Japanisch beschäftige. Nun hörte ich eben, daß er plötzlich verreisen mußte."
„Ja, ein Todesfall in der Familie. Er mußte sofort wegfahren, um noch zur Beerdigung seines Bruders zurechtzukommen."
„Und wissen Sie nicht, wann er zurückkehrt?" „Wahrscheinlich nicht so bald. Wenigstens sprach
Probleme und Ergebnisse der Eniuncklungspkysiologie.
Aus Einladung der Ortsgruppe Gießen des Deutschen Biologenverbandes und der Naturwissenschaftlichen und Medizinischen Abteilung der Oberhessischen Gesellschaft für Natur- und Heilkunde sprach dieser Tage im Hörsaal des Zoologischen Institutes Dozent Dr. E. R o t m a n n (Köln) über „Probleme und Ergebnisse der Entwicklungsphysiologie in den Arbeiten H. Spemanns und seiner Schule". In klarer und eindringlicher Weise vermittelte der Vortragende — selbst ein Spemann-Schüler — seiner zahlreichen Hörerschaft einen Einblick in echte deutsche Forscherarbeit; mit dem Namen Spemann untrennbar verknüpft sind ihre Leistungen auf dem Gebiete der Entwicklungsphysiologie heute in der Welt bekannt.
Nahezu alle Individuen der lebendigen Welt nehmen ihren Ursprung aus dem von der Mutter stammenden Ei, das von dem Samen des Vaters befruchtet wurde. Das Ei ist also begabt mit einem Erbschatz, der alle Formen und Funktionen bestimmt, die später im Laufe des Lebens an den Individuen offenbar werden. Diese Tatsache führt den Forscher zu der ^rage nach der „Realisation der Erbfaktoren", d. h. ihrer Wirkung bei der Entwicklung. Die Frage verlangt demnach eine Analyse der frühen Entwicklungsoorgänge. Von altersher schon wurden der Entwicklung zwei Theorien zugrunde gelegt. Die eine, die Evolutions- oder Präsump- tionstheorie nimmt an, daß das Ei (oder das Spermium) ein Mosaik darstelle, in dem jedes Or- gan des fertigen Organismus schon genau lokalisiert und zu seinem endgültigen Schicksal bestimmt sei. Bei der Entwicklung des Keimes würden daher in wahrstem Sinne die Teile auseinandergewickelt und entfaltet. Die Theorie der Epigenese dagegen sieht in dem Ei etwas relativ Einfaches, niedrig Organisiertes, in dem erst im Laufe der Entwicklung die Mannigfaltigkeit bestimmt und hergestellt werde. Klare Entscheidungen brachten die Untersuchungen Drieschs und vor allem Spemanns an Seeigel- bzw. Amphibienkeimen. Wird ein Molchei ourch Einschnürung in zwei Hälften getrennt, so entwickelt sich aus jeder der beiden Eihälften ein Embryo halber Größe. Wenn aber Teils des Eies etwas anderes tun, als sie normalerweise tun würden, können sie in ihrem Schicksal nicht von Anfang an endgültig bestimmt sein. Das Ei stellt also kein Mosaik der.späteren Teile dar.
Diese Erkenntnis stellt zwei neue Aufgaben: Welche Faktoren bestimmen das Schicksal der Keimbezirke und welche Entwicklungsfähigkeiten besitzen die Keimbezirke überhaupt? Zur Untersuchung der Entwicklungsfähigkeiten, der Potenzen des Keimes dient neben der I s o l a t i o n s m e t h o d e die von Spemann geübte Transplantations- oder Ueberpflanzungsmethode. Nach einer durch Lichtbilder unterstützten Darstellung der normalen Keimesentwicklung erläuterte der Vortra- aende an klaren Beispielen dieses Untersuchungsverfahren. Mittels einer hervorragend ausgearbeitsten Technik lassen sich an frühen Keimen von Fröschen oder Molcheii kleine Stücke herausnehmen und an anderer Stelle wieder einpflanzen. Stücke der prä- s^mptiven Epidermis-mit entsprechenden, später Gehirn bildenden Teilen ausgetauscht, heilen glatt ein und entwickeln sich dem neuen Orte entsprechend: die Epidermis zu Gehirn und das Gehirn zu Epidermis. Die Epidermis zeigt also die Fähigkeit, Gehirn zu bilden, und das Gehirn die Potenz, Epidermis zu liefern. Einpflanzungen an anderen Stellen ergaben, daß beide Materialien auch andere Organe zu bilden vermögen, daß ihnen also ein reicher Potenzenschatz zukommt. Aber nicht alle Keimoe- zirke zeigen eine solche Plastizität. Wird nämlich statt des präsumptiven Gehirnes ein Stück der dorsalen Randzone in die Bauchhaut eingepflanzt, so bildet es nicht, wie nach dem eben Gesagten zu erwarten wäre, Epidermis, sondern es verhält sich durchaus „herkunftsgemäß", d. h. es bildet die gleichen Organe wie in seiner ursprünalchen Lage und beeinflußt sogar die benachbarten Gewebe in ihrer Entwicklung derart, daß etwas Ganzes und Harmonisches entsteht. Das Ergebnis sind mehr oder minder unvollkommene Doppelbildungen.
Man nennt die dabei wirksamen Faktoren In- d u k t i o n s - oder Determinationsfaktoren und bezeichnet das Implantat als „Orga- n i s a t o r", d. h. als ein Material, das anderes in seiner Entwicklung in obigem Sinne zu beeinflussen vermag. Die Anlage des Urdarmdaches ist ein solch organisierender Keimbereich. Aber auch Implantate ohne Organisatorwirkung betätigten
er flüchtig davon, daß er die Gelegenheit benützen wolle, um Verwandte zu besuchen."
„Dann können Sie mir vielleicht seine Adresse angeben. Ich möchte ihm gerne schreiben."
„Ich muß Sie leider auch hierin enttäuschen, lieber Herr! Sie werden sich wohl oder übel gedulden müssen, bis Koltschew wieder zurückkommt."
„Das ist schade. Ah, ich sehe, daß Sie Telephon haben. Dürfte ich Sie um die Nummer bitten? Ich würde mir dann erlauben, bei Gelegenheit anzurufen, um Sie nicht noch einmal persönlich belästigen zu müssen."
„Das Telephon ist außer Betrieb. Der Apparat war eigentlich schon für Koltschew ein unnötiger Luxus. Ich selbst bin Barkellner und wüßte wirklich nicht, wozu ich das Ding benützen sollte. Ich könnte mir einen solchen Spaß nicht leisten."
„Ach, Barkellner sind Sie!"
„Nun ja, man muß versuchen, sich schlecht und recht durchs Leben zu schlagen."
„Ich kann es mir vorstellen. Nun, da will ich dann nicht weiter stören. Entschuldigen Sie die Belästigung!"
Beim Hinausgehen prallt er beinahe mit einem anderen Mann zusammen.
Es ist ein Japaner, mit einem Gesicht, dem man nicht allein in einer einsamen Gegend begegnen möchte.
Dr. Michaels hat den Kerl kaum gesehen, als ihm die Erleuchtung kommt.
Dieser Jeffers und der gräßliche Japaner würden zusammen recht gut auf die Beschreibung passen, die Gisch Amelung von den beiden nächtlichen Gestalten gegeben hat: ein schlanker junger Mensch und und gräßlicher Japaner.
Jedenfalls wird man versuchen müssen, diese Frage sobald als möglich restlos zu klären.
Ich werde am Nachmittag Fräulein Amelung aufsuchen und ihr eine lückenlose Personalbeschrei- buna von den beiden Kerlen geben, beschließt er bei sich.
Er grübelt weiter: Wenn also diese beiden den Einbruch verübt haben, dann sind sie wahrscheinlich auch für das Verschwinden Koltschews verantwortlich zu machen, denn an das Märchen von dem verstorbenen Bruder glaube ich nicht.
Welche Rolle aber hat dieser Koltschew gespielt?.
(Fortsetzung folgt!)
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