Diario Vasco" erinnert daran, daß von September 1936 bis Mai 1937 über Portbou-Cerbere 6 0 000 Ausländer nach Sowjetspanien gekommen sind, die nach Sowjetvorschrift in Albacete ausgestattet wurden und entsprechenden militärischen Unterricht erhielten. In Albacete arbeitete außerdem eine von Ausländern geführte „Gene- ralstabsschule", die Stabsoffiziere für die Bolschewisten ausbildete. Der Leiter dieser Einrichtungen ist der französische Kommunist Andr6 Marty. Zu Beginn dieses Jahres wurden 40 000 ausländische Freiwillige bewaffnet, ausgerüstet und zu militärischen Kampfeinheiten zusammengefaßt. Insgesamt befanden sich zu Beginn 1937 im bolschewistischen Teil Spaniens 9 0000 Ausländer an den Fronten sowie 58000 in Reserve, so daß der Valencia-Ausschuß über eine militärische Hilfe von 148 000 Ausländern verfügte. Der Oberbefehl aller internationalen Brigaden liegt in den Händen sowjetrussischer Offiziere.
Sowjetumtriebe in pari«.
Paris, 24. Oft. (DRB.) Die Polizei hat am Sitze des „Verbandes der Freunde Sowjetrußlands" eine Haussuchung vorgenommen und zahlreiche Namenslisten, Rundschreiben usw. b e - schlag nahmt. Es steht augenscheinlich fest, daß dieser Verband, der i n e n g st e r«H usammen- arbeit mit der Sowjetbotschaft gestanden haben dürfte, nicht nur Russen für die rot- spanische Miliz angeworben und nach Spanien abgeschoben hat. Die Haussuchung soll mit der Untersuchung über den von GPU.-Agenten vorgenommenen Mord an ihrem ehemaligen Mitarbeiter Reiß Zusammenhängen. Augenscheinlich führen verdächtige Spuren des Verbrechens zu Mitgliedern des „Verbandes der Freunde Sowjetrußlands". Es werden auch Vermutungen laut, daß der vor längerer Zeit erfolgte Diebstahl des Archivs Trotzkis mit der Tätigkeit dieses Verbandes in Beziehung gebracht werden kann. >
Oie Danziger NSDAP, mißbilligt Ausschreitungen gegen jüdische Ladengeschäste.
Danzig, 24. Oft. (DNB.) Am Samstag sind in Danzig, meist in den Straßen der Altstadt, in ungefähr 20 der vorhandenen rund 300 jüdischen Ladengeschäften b i e Schaufen st er eingeschlagen worden. Die NSDAP, gibt zu diesen Zwischenfällen die Erklärung ab, daß sie mit die - Jen Ausschreitungen nichts zu tun hat. Sie hält es — wie das Gaupresseamt der NSDAP, mitteilt — eigentlich für überflüssig, darauf hinzuweisen, daß ihre Mittel gegen den vorhandenen starken jüdischen Einfluß in der Danziger Geschäftswelt andere sein würden, als das Einschlagen von Schaufensterscheiben, die in den meisten Fällen die Hausbesitzer und die Versicherungsgesellschaften zu bezahlen haben. Die NSDAP, mißbilligt deshalb die kindischen Ausschreitungen und hält es für notwendig, daß die gefaßten Täter, die übrigens nachweislich nicht Mitglieder der NSDAP, sind, exemplarisch bestraft werden. Die NSDAP, hat durch den zuständigen Kreisleiter in öffentlichen Reden diesen vorhin gekennzeichneten Standpunkt bekanntgegeben. Die amtlichen Feststellungen haben ergeben, daß bei den Zwischenfällen nur Schaufensterscheiben zerschlagen wurden, Personen jedoch in keinem Falle angegangen oder gar verletzt worden sind.
Oer finnische Außenminister bei Ireiherrn v. Neurath.
Berlin, 25. Oft. (DNB.) Samstag mittag stattete der finnische Außenminister H o l st i dem Reichsminister des Auswärtigen, Freiherrn von Neurath, einen Besuch ab, der Gelegenheit zum Meinungsaustausch über die allgemeine politische Lage und die die beiden Länder besonders interessierenden Fragen gab. Der Reichsminister und Freifrau von Neurath gaben zu Ehren des finnischen Gastes ein Frühstück, an dem der finnische Gesandte, Reichsleiter Rosenberg, Staatssekretär von Mackensen, sowie die Mitglieder des deutsch-finnischen Regierungsausschusses teilnahmen. Am Nachmittag legte Minister Holsti am Ehrenmal einen Kranz nieder. Am Nachmittag folgte der Minister der Einladung von Reichsleiter Rosenberg und besichtigte dabei das außenpolitische Schulungshaus der NSDAP. Am Abend hatte der finnische Gesandte zu einem Essen gebeten, an dem
der Reichsminister des Auswärtigen Freiherr von Neurath mit einer Anzahl seiner Mitarbeiter teilnahmen. Der finnische Außenminister fuhr am Sonntagabend nach Riga, um sich alsdann nach Helsinfi zurückzubegeben.
Deutsche Auszeichnungen aus Anlaß des Muffolini-Besuches.
S e r I i n, 23. Ott. (DNB.) Aus Anlaß des Be- faches des italienischen Regierungschefs hat der Führer und Reichsfanzler eine Reihe von italienischen Persönlichfeiten durch Verleihung des Verdienstordens vom Deutschen Adler ausgezeichnet. Das Großkreuz haben erhalten: Der Sekretär der National-Faschistischen Partei, Minister S t a r a c e, der Justizminister Dr Solmi, der Unterstaats- fefretär im Außenministerium Bastianini, der Unterstaatssekretär im Ministerium des Innern Busfarini, der Chef der Polizei im Ministerium Bocchini, der italienische Botschafter in
Berlin Dr. Attolico, der Generaladjutant des italienischen Kronprinzen, General A y m o n i n o , die Geschwadergenerale Lombard, Pinna, P o r r o , der Geschwaderadmiral Bucci, der Generalinspektor des Jngenieurkorps Ferrari, der Divisionsgeneral (Tonte Siciliani, der Generalleutnant Russo, der Gouverneur von Rom Don Piero Colonna; das Verdien st kreuz mit. Stern erhielten u. a.: der , Chef des Protokolls im Außenministerium Cortini, der Botschaftsrat (Tonte Magistrati, die Generalkonsuln in Berlin Renzetti, in München Pittalis, in Frankfurt a. M. Marchese diRuffano, in Hamburg. Comm. S i l e n z i, in Köln (Tamm. A r - mao, in Dresden Comm. Nob. Luppis, der Leiter des Fascio Piero Parini, der Chef des Privatsekretariats des Duce, Osvaldo S e hast i a n i, der Präsident der amtlichen Filminstitu- tian Luce Paolucci di Calboldi Giacomo, der Präsident der Mailänder Messe, Senator P u - r i c e l l i.
Für Friede und Verständigung.
Besuch deutscher Frontkämpfer in Besan^on.
B e s a n ? o n , 24. Oft. (DNB'.) Am Samstag und Sanntaa fand als Erwiderung auf den Besuch der französischen Frontfämpfer in Freiburg e i n Besuch süddeutscher Frontkämpfer unter Führung des Reichskriegsopferführers Oberlindober in Befan?on statt. 50 Hakenkreuzfah- nen vereinigten sich vor dem Bahnhof mit 50 blauweißroten Fahnen und nahmen vor dem Gefallenendenkmal Aufstellung. Eine Kompanie des 60. Infanterieregiments und ein Musikzug des 10. Pionierbataillons hatten Aufstellung genommen. Die deutschen Frontkämpfer legten am Gesallenenmal einen Kranz mit der Inschrift nieder: „Sie deutschen Frontkämpfer zu Ehren der französischen Helden". Don i erklang das Lied vom guten Kameraden, das Deut|d/. 'd- und Horst-Wessel-Lied sowie die Marseillaise. Auf dem alten Marsfelde fand eine Kundgebung statt, bei der der Vorsitzende der Frontkämpfervereinigung Union fecterale, Pichvt, sagte: Unsere Vaterländer sind benachbart; die Natur hat uns dazu bestimmt, Seite an Seite zu leben; sie hat uns nicht dazu verurteilt, uns miteinander zu schlagen und zu vernichten. Wir können frei über unser gemeinsames Schicksal entscheiden. Leidenschaftlich wünschen unsere beiden Völker den Frieden. Wir Frontkämpfer find die qualifizierten Wortführer und hartnäckigen Verfechter dieses Wunsches nach Frieden und Versöhnung.
Ihm antwortete der Reichskriegsopferführer Oberlindober: Es erfüllt meine deutschen Kameraden mit großer Freude, daß sie heute a l s freie Männer einer freien Nation
denen die Hand schütteln können, gegen die sie viereinhalb Jahre tapfer gefochten und gerungen haben. Zum erstenmal seit langer Zeit haben deutsche Frontsoldaten in so großer Zahl die französische Grenze überschritten, um diesesmal auf einem anderen Schlachtfeld zu kämpfen, auf dem Schlachtfeld der gegenseitigen Ver - ständigung. Unser Frontkamerad und Führer hat wiederholt, und zwar erst vor wenigen Tagen, wiederum an Belgien, der Welt und speziell seinem europäischen Nachbarn Frieden und Verstän- digung an geboten. Wir wissen, daß unsere Nachbarn als große Nationen auch groß denken müssen, und ich weiß, daß Frankreich als grande nation auch stets zu großen Gesten bereit gewesen ist. Die Toten werden es zweifellos begrüßen, wenn chre überlebenden Kameraden sich an ihren Gräbern und an den zu ihren Ehren errichteten Denkmälern die Hand reichen mit dem Gelöbnis friedlicher Zusammenarbeit.
In deutscher und französischer Sprache wiederholten dann die deutschen und französischen Frontkämpfer den Friedensschwur von Verdun: „Diejenigen, die hier und anderswo ruhen, sind m den Frieden der Toten eingegangen, um b en Frieden der Lebenden zu begründen. Es wäre ein schändliches Verbrechen, jemals das wieder zuzulassen, was diese Toten verursacht hat, deshalb schwören wir den heiligen Erd, daß wir den Frieden, den wir ihrem Opfer danken, schäi- zenund er halt en wollen".
Abschluß des Deutschen Beamtentages.
München, 23. Oft. (DNB.) Der letzte Tag des Deutschen Beamtentages erhielt Bedeutung durch eine Rede des Reichspostministers Dr. Ohne- sorge. Der Minister legte dar, daß ihm bei Antritt seines Amtes zwei Wege offengestanden hätten, die Post zu einem zuverlässigen Werkzeug der Staatsftihrung zu machen. Einmal, an dem bestehenden Alten anfnüpfend, mit der Bürokratie einen Pakt zu schließen; das fei für ihn nicht in Frage gekommen. Er habe sich deshalb entschlossen, einen neuen Weg zu gehen, den des engen Kameradschaftsblockes, wie er für ein vertrauensvolles Arbeiten und Zusammenarbeiten und für die Erringung von Höchstleistungen unerläßlich fei. Aus der Tatsache, daß die gesamte Tätigkeit der Reichspost öffentlicher Dienst ist, folgt die Notwendigkeit stärkster Bindung aller in dieser Verwaltung Tätigen an die Staatsgewalt. Auch der Arbeiter erfüllt neben dem Beamten der Reichspost Aufgaben, die im übrigen Staats- und Verwaltungsdienst ihrer obrigkeitlichen Natur wegen nur von Beamten wahrgenommen werden. Vom Beamten wie vom Arbeiter wird die gleiche Treuepflicht gegenüber dem Führer verlangt. Es entspricht aber nicht den Forderungen der sozialen Gerechtigkeit, den Arbeiter dann als Beamten zu behandeln, wenn es sich um feine Pflichten und, im strafrechtlichen Sinne gesehen, um deren Verletzung handelt — ihm aber die Äorteile des Beamtenverhältnisses zu versagen, wenn seine Rechte in Frage stehen. Ich war daher
bemüht, diese Unstimmigkeiten dadurch zu beseitigen, daß ich in weitgehendem Maße Arbeiter in das Beamtenverhältnis überführte. Derartige Maßnahmen finden ihre Schranken allerdings in der Zahl der Planstellen, die der einzige und äußere Grund für die Beschäftigung van Arbeitern im Beamtendienst ist. Die Angehörigen der Reichspost sind Wahrer und Hüter eines der wichtigsten Güter der deutschen Volksgemeinschaft, des P o st g e h e i m n i s s e s. Sie haben sich in gleicher Weise gemeinschaftlich für den Schutz des Geistes- und Gedankengutes einzusetzen, das uns zur Uebermittlung anvertraut wird. Dieses Vertrauen ist nach unserer Aüfsassung die wichtigste Grundlage des Nachrichtendienstes. Die Kameradschaft aller Schaffenden der Reichspost steht zu jedem Einsatz für den Führer bereit.
Als letzter Redner sprach Gauleiter Staatsminister Adolf Wagner. Er wies daraus hin, daß es für einen deutschen Beamten nie eine glückseligere Zeit gegeben habe als in diesem Deutschland Adolf Hitlers. Den politischen Hoheitsträger und den Beamten verbinde ihre Aufgabe, das Volk zu sichern, ihm zu dienen und dem Volksgenossen b e - st er Kamerad zu sein. Das sei der schönste Gottesdienst. Es sei das wichtigste, daß das Volk nicht durch einen fanatischen B ü rokratismus und eine Organisationswut erstickt werde. Unsere Aufgaben würden von Tag zu Tag größer. Darum müssen wir daraus bedacht sein, unsere persönliche Freiheit, zu wahren. Das bedeute, daß auch in den I
Behörden Meinungsfreiheit bestehen müsse und zwar für jeden, der bereit sei, mitzuarbeiten an dem aroßen und gemeinsamen Zixl. „Wir wollen", so fuhr Adolf Wagner fort, „kein kriechendes und katzbuckelndes Beamtentum. Auch der kleinste Beamte soll stolz, offen und frei dastehen, stolz darauf, daß er dem Führer helfen könne und be« wußt der Aufgabe, für die große Idee des Führers auch den letzten deutschen Menschen heranzuholen." Zum Schluß nahm dann Reichsbeamtenführer Neef nochmals das Wort, um die praktischen Auswirkungen dieses ersten Treffens der Politischen Leiter der Beamtenschaft zusammenzufassen. Ge- stärkt werde das politische Führerkorps der Beamtenschaft von München scheiden und die Kraft, quellen, die ein jeder aus der Tagung in der Hauptstadt der Bewegung geschöpft habe, erfüllt einen jeden mit dem großen, alle bewegenden deutschen Gedanken.
Eine Danksagung de« Erbgroßherzogs Georg Oonatus.
Erbgraßherzog Georg Donatus gibt in der Darmstädter Presse folgende Danksagung bekannt: Der Tod meines Baters, Seiner Königlichen Hoheit des Großherzogs Ernst Ludwig von Hessen und bei Rhein, hat die Bevölkerung Darmstadts und zahlreiche Freunde aus dem ganzen Hessenlande zu den schönsten und tief berührenden Beweisen der Anteilnahme veranlaßt. Dafür würde ich gerne jedem einzelnen die Hand drücken, aber das verbietet sich durch die große Zahl derer, die uns wohltun wollten und die in die Tausende geht. So bleibt mir nichts anderes übrig, als allen denen, die das Andenken des Groß« Herzogs durch Blumenspenden, durch schriftliche Beileidskundgebungen, durch Einträgen ihres Namens im Neuen Palais und durch Besuch der Gruft auf der Rosenhöhe geehrt haben, hiermit den herzlichsten Dank meiner Mutter und aller Hinterbliebenen zu sagen. Wir alle werden nie vergessen, wie die Bevölkerung Darmstadts in der Zeit unseres schweren Leides zu uns gestanden hat.
Vierte Zahrestagung der Akademie für Oeu'sches Vecht. Berlin, 23. Dtt. (DNB.) Der Präsident der Akademie für Deutsches Recht, Reichsminister Dr. Frank, hat die vierte Jahrestagung der Akademie für Deutsches Recht auf die Zeit vom 30. bis 31. Ok« tober d. I. in der Hauptstadt der Bewegung festgesetzt. Am Samstagvormittag findet in der Aula der Universität die 13. Vollsitzung der Akademie für Deutsches Recht statt, auf der Reichsminister des Auswärtigen, Freiherr von Neurath, über „Die politische Kollektivitätsidee" sprechen wird. Die Abteilung für Rechtsforschung hält am Nachmittag eine öffentliche Tagung ab. Es sprechen Prof. Dr. Hedemann über „Die Erneuerung des bürgerlichen Rechts", Prof. Dr. B i n« d e r über „Die Bedeutung der Rechtsphilosophie für die Neugestaltung des Privatrechts" und Prof. Dr. von Schwerin über „Rechtsgeschichte und Neugestaltung des bürgerlichen Rechts". Die Vor- tragsfolge wird am Sonntagvormittag mit den Vorträgen von Prof. Dr. Huber über „Oe ff ent- liches Recht und Neugestaltung des bürgerlichen Rechts", von Prof. Dr. Jens-Jenfsen über „Wirtschaftsrecht und Neugestaltung des bürgerlichen Rechts" und von Prof. Dr. Schmidt- Ri m p l e r über „Fragen des bürgerlichen Rechts" fortgesetzt. Die Jahrestagung findet ihren Abschluß mit dem feierlichen Richtfest zum Haus des Deutschen Rechts am Sonntagmittag. An bet Jahrestagung nehmen wieder eine große Zahl ausländischer Juristen teil, darunter auch der italienische Justizminister Solmi mit Vertretern des italienischen Rechtslebens.
Kleine politische Nachrichten.
NSG. Der erste Eintopfsonntag, mit der das Winterhilfswerk eröffnet wurde, ergab im Gau Hessen-Nassau 238495,49 Mark. Der Kreis Alsfeld-Lauterbach erzielte 4304,39 Mack, Büdingen 3730,79 Mark, Wetterau 15 222,62 Mark, Wetzlar 6395,64 Mark.
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■ Am Sonntagnachmittag wurde die Teilstrecke der Reichsautobahn Kaiserslautern —• Wattenheim durch Gauleiter Bürckel ihrer Bestimmung übergeben.
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Moral.
Von Felix DRiemfaften.
Der kleine, junge Siamkater ist nun seit zwei Wochen bei uns, und es sieht aus, als habe er uns alle lieb. Von uns aus ist kein Zweifel, daß wir ihn lieben. Sagen kann man es ihm nicht, denn Siamesisch ist uns nicht geläufig, aber wir krabbeln ihn an der Kehle, und das ist die stumme Aller- weltssprache der Liebe. Er gehört durchaus zu uns. Und so nun lebt er. Da er jung ist, ist er vergnügungssüchtig, und da er nichts weiter als ein werdendes Katerchen ist, so kann er feiner Sucht nach Vergnügungen nur in bescheidenen Grenzen nachgehen. Eigentlich möchte man Mitleid haben mit soviel Naivität, denn, ach, mit wie wenigem muß er sich begnügen?! Beispielsweise legt er sich auf den Rücken, hofft, daß jemand ihn am Bauche krabbele, und das ist alsdann sein Vergnügen. Ein weiteres Vergnügen hat er am Betatzen unserer teueren Gardinen, aber bei diesem Vergnügen können wir ihm nicht behilflich sein. Niemand lobt ihn, Und wird er erwischt, so erntet er Klapse auf die Tatzen. Krallt er dann, so bekommt er noch Zusatz klapse auf die Krällchen — nein, dies war fein Vergnügen, weder für ihn noch für uns.
Eine andere Art von jugendlich unreifer Er- luftigung findet er darin, unter der Anrichte zu hocken und wie ein Blitz hervorgeschossen zu kommen. Das kann er machen, wie er will. Weiteres ■Vergnügen bereiten ihm die Fliegen, und indem er ihnen beobachtend mit den Blicken folgt, hebt er schon das Pfötchen für den mörderischen Schlag, mit dem er die Fliege zu schlagen gedenkt. Nun sieh einer an! Ist sie ihm aber schlaggerecht nahe, so schlägt er sie trotzdem nicht. Er ist noch viel zu jung, er besinnt sich noch, die Fliege... was mag eine Fliege sein? Und also staunt er ihr nach.
Oder er bespringt mich unterwärts am Knie, gräbt seine Krallen ein und klettert auf dem Wege über den Hosenboden zum Schultergebirge und ringelt sich dann als warmer, weicher Pelzkragen um mein Genick. Kann man in solcher Lage — diesmal meine ich m i ch — ernste Bücher verfassen? Man kann nicht. Also sage ich: „Ali, geh ab!" Aber er geht nicht, und wenn jemand ihn nimmt, um mich zu befreien, so läßt er nicht von mir, und seine
vier Tatzen müssen einzeln gelöst werden. Das ist eine mühsame Lösung. Und folglich wird Ali hinausgetan, in die Küche, nach Sibirien. Wer sich in Gesellschaft nicht zu betragen weiß, muß hinaus. In der Küche ist nun niemand, nur Ali allein, und von dorther hören wir ihn klagen. Aber klagt er vielleicht sich selbst an? Nein, nicht über seine eigene Sünde klagt er, sondern lediglich über die Folgen. Ein. Verbrecher, der auf die Gefängnisse schimpft. Miaaaho!
„Sitz, bis du schwarz wirst!"
Aber er wird nicht schwarz. Keineswegs wird er schwarz. Und schon, daß ein Mensch allein sei, soll nicht gut sein» Ist es nun etwa für eine so junge Katze gut, allein zu sein in kalter Küche? Er darf also wieder herein, aber leider hat er nichts hinzu- gelernt, und sein erster Sprung gilt der Gardine, der zweite Hieb auf die Kontaktschnur, so daß das Licht ins Zittern kommt, und als einer von uns ihn erjagen will, springt er fliehend auf den Rand des Papierkorbes, der Korb fällt um, das Papier liegt umher. Nachher, beim Einsammeln, hockt er dabei, und so oft die Menschenhand hingreift, um Papier zu nehmen, hebt er sein Katzenpfötchen und tippt weich, warm und wohltuend auf die Menschenhand. Wenn man ihn sehr ernsthaft auszankt, zieht er beide Hinterbeine flach an, legt auch beide Vorderpfötchen flach an und lauscht mit erzbraven, aufmerksamen großen Augen und ist ein so lieber, feiner Kater wie nie einer war und heißt Ali und schnurrt und ist durchaus unbescholten und war es nicht gewesen. Da wird er begnadigt und darf. Er darf im Zimmer bleiben und spielt mit dem kleinen weißen Ball.
Er erfreut uns alle sehr. Er ist ein Eckensauser, ein Hopsumher, er ist stets da, wo niemand ihn vermutet, und niemand hebt einen Fuß auf, ohne vorher hinzusehen, ob auch ja nicht Ali just unter dem Tritt sei. Einmal war er nirgends, und als wir ihn fanden, lag er in der Einholtasche und schlief. Da war es klar, daß er zu Unrecht verleumdet mar. Und da geschah es, daß Rührung in uns ausquoll, und es wurde beschlossen: „Wenn er durchaus will, so laßt ihn schließlich!" Und flugs war er im Garten. Im Garten lief er ohne weiteres unter den Lavendelbusch, und im Lavendelbusch fraß er die jungen Spitzen ab. Und das natürlich, das ging nicht.
Seitdem stehen die Dinge wie folgt: Grundsätzlich dürfte er manches, aber tatsächlich darf er fast nichts. Er dürfte, sobald er nur das Unmögliche unterlassen wollte. Zum Beispiel dürfte er in allen Zimmern, sogar im Garten, wir gönnten es ihm herzlich gerne, aber... Stattdessen muß er in die Küche.
Ich habe ihn oftmals angesehen, wie er dort saß, und er, wie er dort saß, sah auch mich an, von unten nach oben. Ich sage: „Ali , sage ich, „was machen wir nun mit dir? Gönnt man es dir und erlaubt es dir, so ist bei dir das Ende nicht abzusehen. Risch ins Zimmer und witsch in die Gardine, das geht nicht. Ali, nun sage selber, was geht nun eigentlich? Ja, mich anschauen kannst du, und sobald ich die Tür aufmache... Tatsächlich, Ali, mit dir geht nichts, und darum mußt du nun in der Küche sitzen und haft vom Leben nichts. Ich will nicht hart sein und nicht ungerecht, aber was soll man machen mit dir? Siehst du, so ist das mit solchen, die so sind wie du. Sie können nicht Maß halten und verderben sich selber alles. Man gibt ihnen Urlaub bis zehn Uhr abends, und nach Hause kommen sie um sieben Uhr früh. Sie sind zu maßlos. Ali, was sagst du nun dazu?"
Aber er erwidert nichts. Er sitzt nur hart neben der Tür. Er meint, ich soll sie öffnen, und sowie ich sie öffne, will er hinauswitschen. Ins Zimmer an die Gardine, und durch die Gartentür in den Lavendel. Er sagt nichts, aber seine Augen glühen begierig, und er ist so dumm, daß er noch meint so etwas könnte sich erfüllen. Es tut mir sehr leid'
„3a, Ali", sage ich, „bann Helpt bat nix!" Und 'ch greife ihn unterm Bauche, mache die Tür auf, mache sie soweit zu, daß nur noch mein Arm mit Ali hindurchpaßt, und während ich die Tür rasch zuklinke, schmeiße ich Ali im Bogen in die jenseitige Ecke, und während ich nachher im Garten stehe, wo es schön ist, steht er innen auf dem Fensterbrett und sieht mich unruhig trauernd und immer noch voll ungebrochener Begierde an. Durch die Scheiben.
Ja, Ali, so ist das. Menschen sind genau so. Sie wollen alles oder nichts, und infolgedessen erhalten sie dann, wie sie gewünscht hatten, das eine von den beiden, nämlich nichts, dies aber in voller Höhe. Winke, winke.
WennmaneinenBluinentopfzerschlägt.
Nicht immer sind Erfindungen das Ergebnis jahrelanger Bemühungen, sehr oft war es auch der Zufall, der den Gedanken für eine Erfindung ein» gab, die dann natürlich entwickelt werden mußte. So wird in „Reclams Universum" erzählt, wie der Gedanke der Eisenbetvnbauweise ursprünglich entstanden ist: Joseph Monier war ein tüchtiger Gärtner. Er betrieb seine Arbeit mit Fleiß, und nur sein jähzorniges Temperament war daran schuld, daß er ^ann und wann Rückschläge auf sich nehmen mutzte Wenn ihm etwas schief ging und seine Wut keine Grenzen mehr kannte, dann mußte er ein geeignetes Objekt suchen, um daran seine Leidenschaft kühlen zu können. Und diese Objekte fand er in den peinlich großen Blumenkübeln, in denen er seine Gewächse züchtete. Er packte sie und warf sie fluchend zu Boden, daß sie in tausend Stücke zer- sprangen. Am nächsten Tag reute ihn dann sein Jähzorn, wenn er die Scherben zusammenlesen mutzte und wieder um einen Kübel ärmer war. Da kam er auf den entscheidenden Gedanken. Statt sich neue teure Kübel zu kaufen, fertigte er sich selbst welche. Er flocht ein Drahtgestell und bewarf es mit Zement. Diese Blumentöpfe hatten den unschätzbaren Vorteil: wenn er sie — wieder in einem Wutanfall -- zerschlagen wollte, konnte er sich noch so viel Mühe geben, — sie blieben ganz.
Monier war es klar, daß er damit eine Erfindung gemacht hatte. 1867 wurde ihm auch das Patent auf die Herstellung von Betonkübeln zuerkannt. Diesem ersten Stammpatent folgten eine An- Zahl von Zusatzpatenten. 1868 für Röhren und Behälter, 1869 für ebene Platten, 1873 für Brücken und 1875 für Treppen. Monier konnte jedoch die Gebühren für seine Patente nicht bezahlen, und so verfielen sie schon im Jahre darauf. 1877 bekam er aber ein neues Patent auf Eisenbahnschwellen und 1878 Zusatzpatente auf andere Bauteile. Diese wa- ren die wichtigsten. Auf sie wurde die „Monierbauweise" begründet. Monier selbst war sich der Bedeutung der Eiseneinlagen nicht bewußt. Ihm dien- ten sie lediglich zur Formgebung, er hatte sie nirgends ausdrücklich auf die Zugseite gelegt. Dennoch bat der Gartner Monier durch seine Erfindungen die Eisenbetonbauweise anaeregt, die später ihren Siegeszug über die ganze Welt antrat. C. K.


