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Montag, 25. Oktober 1937

187. Jahrgang

Ar. 249 Erstes Blatt

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Gietzener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

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ZU

Für die kommunale Selbftverwaliung die beften Kräfte gerade gift genug.

Ligen Möglichkeiten, die seine Verbundenheit mit der Bevölkerung sichern. Auch in den größeren Ge­meinden darf nichts unterbleiben, was den Sinn der Einwohnerschaft für die Tatsache der Selbst­verwaltung zu stärken geeignet ist. Ich habe in der Vergangenheit bereits wiederholt darauf hingewie­sen, welchen Wert eine ausreichende Heranziehung der Presse, und ihre wirkliche Fnteressierung für

das gemeindliche Leben hat. Gesteigerte Bedeutung ist aber unter dieser Zielsetzung anschaulichen D a r st e l l n n g e n der Arbeit der Gemeinden bei- zumessen, wie sie im letzten Fahre in Berlin anläß­lich des Internationalen Gemeindekongresses die AusstellungDie deutsche Gemeinde" und heute in Karlsruhe diese Ausstellung sind.

Auch in den kleineren Gemeinden handelt es sich hier nicht darum, Ehrenstellen zu besetzen, die ein gewisses Ansehen geben, sondern vielmehr darum, Männer zu finden, die zur Mitarbeit bereit, auf Grund ihrer Lebenserfahrung und ihrer Ein­sicht aber auch geeignet sind. Die Verwaltung der Gemeinde ist stets so gut oder so schlecht, wie die in ihr tätigen Persönlichkeiten! Wir wollen der deutschen gemeindlichen Selbstverwaltung den Platz

legung erfahren hat. Ob man Charakter in des Wortes umfassendster Bedeutung hat, ob man ge­willt ist, die erforderlichen Fähigkeiten zu er­werben, das hat jeder, der heute in den Gemeinde­dienst eintritt, zunächst zu beweisen. Hierin liegt eine wesentliche Voraussetzung für das, was ich als L e i st u n g s st e i g e r u n g in den Gemein­den bezeichne.

Wer so herausgestellt wird wie der deutsche Bürgermeister, wem eine solch umfangreiche Verantwortung zugewiesen ist wie ihm, der kann nur der beste Mann sein, der für dieses Amt überhaupt zu finden ist. Jede Ver- legenheilslöfung muß hier unter allen Um­ständen ausscheiden. Bei dem Bürgermeister müssen sich unbedingte Hingabe an den natio­nalsozialistischen Staat und an die national­sozialistische Idee, Berufensein zum Führer, charakterliche Lauterkeit, ein unbedingt vorbild­licher Lebenswandel und ein Höchstmaß von Erfahrung und sachlichem können paaren, keine dieser Eigenschaften und Fähigkeiten darf fehlen, soll der Bürgermeister wirklich das sein, was die Deutsche Gemeindeordnung vorausseht, der verantwortliche Führer seiner Gemeinde!

nehmen.

148000 Ausländer kämpfen für Valencia

Fahnen und Standarten

Don Major a. D. von Keifer.

Wie wir schon meldeten, werden morgen auch den Truppenteilen des St and- ortes Gießen durch den Reichskriegs­minister Generalfeldmarschall von Blomberg in Wiesbaden neue Fahnen und Standarten übergeben werden.

Fahnen hat es bei unseren germanischen Vor­jahren schon seit dem 6. Jahrhundert gegeben. Bei Den Sachsen waren es Feldzeichen mit einem flie­genden Adler über einem Drachen und Löwen, xiei den Normanen Fahnen mit einem Raben als Sinnbild. Auch im Mittelalter hatte schon jede Kom- vanie ihre Fahne und wurde danachFähnlein" genannt. In den späteren deutschen Heeren kam meist nur noch auf jedes Bataillon eine Fahne und ruf jedes Kavallerieregiment eineStandarte", aber »uch die Fußartillerie und die meisten technischen Truppenteile hatten ihre Fahnen, nur die Feld- nrtillerie nicht, bei der die Kanone zugleich als Feldzeichen diente.

Die Grundfarbe der Fahnen im alten deutschen

^Mit der Weiterentwicklung der Feuerwaffen, die !.ie Infanterie zur zerstreuten Kampfordnung zwang inD auch die geschlossenen Kaoallerieattacken immer seltener machte, verloren die Fahnen und Standar- sen allmählich ihre praktische Aufgabe Sammel­punkt und Wahrzeicyen des Truppenteils rn der schlacht zu fein. Schon 1870/71 mürben ^ie um der Infanterie nur noch bei der Batm ons- zeferve hinter der vorderften -kämpfenden Schutzen- inie mitgeführt, gerieten allerdings, wie das Bei- Piel von Dijon zeigt, beim Sturm oder m der Ver­eidigung mitunter noch mitten ms Handgemeng

'' J?m Weltkriege wurden über 1100 Fahnen -,nb Standarten des deutschen Heeres mitgefuhrt Mre Verwendung in der früheren Weise war aber thon während der Bewegungsschlachten kaum nocy nöqlid), da sie die Unsichtbarkeit der Truppe beim Äktischen Einsatz stark in Frage stellten. Und da iser Stellungskrieg erst recht keine Möglichkeit für >iie Gefechtsverwendung der Fahnen mehr bot, wur­den sie 1915 an die stellvertretenden Generalkom­mandos in die Heimat zurückgesandt. Besondere Erwähnung* verdient aber die Tat jenes deutschen Matrosen, der nach dem Untergang seines nieber-

In der mit den Fahnen des Reiches und mit Tannengrün geschmückten Festhalle sprach Reichs­innenminister Dr. Frick noch einmal zu Tausenden von Vertretern der gemeindlichen Selbstverwaltung. Er erklärte: Gerade im deutschen Volk ist ein We­senszug besonders ausgeprägt: Es hat einen aus­gesprochenen Hang und zugleich eine ausgesprochene Fähigkeit, auch im engeren Bereich zu wir­ken. Bei seiner hohen Intelligenz und seiner starken Initiative ist es nicht gewohnt, nur darauf zu warten, bis ihm in all und jedem das Heil von oben kommt. Es rührt sich selbst in der enge­ren Gemeinschaft und vollbringt hier von jeher bedeutende Leistungen. Der hauptsächlichste An­knüpfungspunkt für diese .Gemeinschaftsleistung im engeren Bereich ist naturgegeben zu allen Zeiten die deutsche Gemeinde gewesen. Wir wis­sen, daß eine Aufgabe nur dann ihre vollkommenste Lösung findet, wenn sie den durch die natürlichen Gegebenheiten bestimmten Trägern überlassen wird. Damit gewinnt das bekannte Wort von derUni­versalität" des gemeindlichen Aufgabenbereiches für uns einen neuen Sinn. Man hat den Gemeinde-

Feere war sehr verschieden. Bei der preußischen ' Harde herrschte das Weiß vor, auch bei den Li- 1 men-Jnfanterie-Regimentern, die sonst alle mög- ichen Farben trugen, spielten die Landesfarben Zchwarz und Weiß eine besondere Rolle. Die baye- ischen und sächsischen Fahnen hatten'auch ihre Lan- esfarben Blau-Weiß und Grün-Weiß, während die württembergischen Fahnen blutrot waren. Die preu­ßischen Fahnen und Standarten trugen als Sinn­bild den preußischen schwarzen Adler mit einem Schwert in den Fängen, den Lorbeerkranz, Königs- uTone und die Inschrift:Pro gloria et patria. Die Fahnen der übrigen Bundesstaaten zeigten meist das betreffende Staatswappen und, wie die loreußischeg^ Fahnen, den Namenszug ihres Stifters.

Ursprünglich war die Fahne nur Unterscheidungs- ,eichen für die verschiedenen Truppenteile, bei ihr .efand sich der Führer, um sie scharten sich die Kämpfer, sie bezeichnete den Sammelplatz im Ge- mmmel der Schlacht. Allen voran wehte die Fahne nm siegreichen Sturm oder die Standarte bei der Reiterattacke. Eine verlorene Schlacht aber .atte meist auch den Verlust der Fahne zur Folge. So wurde die Fahne allmählich zum Sinn­bild des Kampfes überhaupt, in das in den Augen her Kämpfer der Sieg gebunden war. Fiel sie in «eindeshand, so bedeutete das Niederlage und Schande, und die Erbeutung feindlicher Fahnen im Kampfe galt bald als der höchste Siegesruhm. Die Fahne wurde zum Heiligtum des Trup- enteile, sie verkörperte seinen Ruhm und seine Ehre, sie wurde nach siegreichen Gefechten mit Or- i'.en und Ehrenzeichen geschmückt und bei Paraden nd sonstigen feierlichen Gelegenheiten dem Trup- : enteil vorangetragen, ihr wurden die höchsten mi-

tärischen Ehrenbezeugungen erwiesen. Auf die Fahne wird im Gedenken derer, die unter demsel-

en Zeichen kämpften und fielen, der Eid der Pflichterfüllung abgelegt. Heute ist die Fahne für bas ganze Volk das Sinnbild höchster Ideale

Mit dieser hohen Bedeutung der Fahne als Sym- i :ol der soldatischen Idee, der Ehre und des Kamp-

Lsruhms war schon in den Landsknechtsheeren des I Mittelalters die heilige Verpflichtung für ihren

Träger verbunden, sie niemals lebend m Feindes­land fallen zu lassen. Darauf hatte der ,,5 a f) n = i ch", der ein ausgesucht tapferer Soldat sein mußte, seinen Eid zu leisten. Durch alle Jahrhun­derte hindurch hat sich dieses soldatische Gesetz er- ialten. Wie viele sind seitdem mit der Fahne -n der Hand gefallen? Wunder der Tapferkeit und Selbstaufopferung sind für ihre Erhaltung oder Rückeroberung geleistet worden! .

In der Schlacht von Prag im Siebenjährigen Kriege nimmt der 72jährige Feldmarschall G r a f Schwerin einem Fahnenträger der fliehenden preußischen Infanterie die Fahne aus der Hand, seitet mit ihr im dichtesten Kugelregen gegen die Tindlichen Stellungen vor und reißt damit die Truppen wieder vorwärts, bis er selber von fun Lartätschenkugeln getroffen wird und den Helden- lod stirbt, den er sich als höchste Vollendung eines ruhmvollen Soldatenlebens gewünscht hatte Und liie -inziq- deutsche Fuhne di- 1870/71 dem F-md- m di- Sjanb fiel, zogen die Franzosen e^t nach ier Schlacht bei Dijon unter e i n e m 5) u g e l

o n Leichen hervor und schickten sie m ritte r- icher Gesinnung, als nicht irn Karnpse erbeutet, !iurch einen Parlamentär dem deutschen Heer zu-

Parteien der Regierungsmehrheit hätten im ganzen ihre Stellung gehalten, und 3. die radikalsoziale Partei habe trotz Abnahme der Zahl der Wählenden seit einem Jähr über 200 000 Stimmen gewonnen. Er glaube nicht, daß eine Kündigung des Volksfrontbündnisses vorgeschlagen würde. Wenn es trotzdem der Fall sein sollte, würde er seine Freunde auf die schwere Verant­wortung aufmerksam machen, die sie damit über­nehmen würden. Hinsichtlich des künftigen Pro­gramms der Regierung und des Parlaments stellte Chautemps die Notwendigkeit eines ausgeglichenen Haushalts in den Vordergrund.

Zur Außenpolitik übergehend, sprach der Minister­präsident den Wunsch aus, daß vor allem in der spanischen Angelegenheit den Verletzungen des Rechts ein Ende bereitet werde, da andernfalls Frankreich und England gezwungen fein würden, ihre,Handlungsfreiheit wieder

werke feien überall in Angriff genommen. Elends­quartiere würden niebergeriffen, wunderbare Hau­ser erstünden an ihrer Stelle. Deutschlands Be­mühungen in der Bauplanung überböten alles, was man auf diesem Gebiet in England getan habe. Die Reichsautobahnen feien wundervoll.

Barmat-Krife in Belgien.

Die seit Monaten schwelende Barmat-Krise in Belgien scheint nun doch akut zu werden. Der auch in Deutschland zu einem höchst zweifelhaften Ruhm gelangte Julius Barmat hat nach Verbüßung feiner Gefängnisstrafe in Moabit seinem betrügerischen Ehrgeiz in Belgien ein neues Feld eröffnet. Gesell­schaften und alte Firmen wurden aufgekauft, und nun begann eine wüste Schieberei mit zweifelhaf­ten Besitztiteln, auf Grund deren Kapitalerhöhungen (zum Scheins durchgeführt wurden, die wiederum zur Unterlage von Bankkrediten dienen. Genau so wie in Deutschland halfen dabei politische Bezie­hungen aller Art nach. Erstaunlicherweise hat auch die Nationalbank von Belgien Julius Barmat Kredite gegeben. Aus der Erklärung eines hohen Beamten der Nationalbank geht, wie be­hauptet wird, hervor, daß diese Kreditgewährungen eigenmächtig und trotz eindringlicher Warnungen erfolgt seien. Wie immer bei solchen Anlässen tauchen Gerüchte auf, daß bei der Nationalbank bisher un­bekannte weitere Unregelmäßigkeiten erfolgt seien, und zwar noch zu der Zeit, da der jetzige belgische Ministerpräsident van Z e e l a n d ihr Vizegvu- verneur gewesen sei. Der Brüsseler Berichterstatter desTemps" umschreibt die Lage wie folgt: In offiziellen Kreisen hält man es für möglich, daß van Zeeland auf seinem Posten verbleibt, während ein Untersuchungsverfahren gegen die Nationalbank wegen Tatbeständen läuft, die bis auf 1932 Zuruck- gehen ... Man legt Gewicht auf die Tatsache, daß es sich nicht um eine Handlung dreht, die ihn per­sönlich betrifft, wohl aber um Handlungen, welche die Leitung der Nationalbank in ihrer Gesamtheit angehen, der er damals angehörte."

Frankreich nach den Wahlen.

EineRundsunkrede des Ministerpräsidenten

Paris, 24. Ott. (DNB.) Ministerpräsident Chautemps hielt am Sonntag anläßlich der Tagung des radikalsozialen Parteiverbar^es von Mittel- und Weststankreich eine durch Rundfunk übertragene Rede. Chautemps faßte das Ergebnis der Kantonal-Wahlen in drei Punkte zusammen: 1. starker Linksruck fei ausgeblreben» 2. Die

London, 23. Oktober. (DNB.) Die nächste Sitzung des Nichteinmischungsausfchusses ist a u f Dienstag nachmittag verschoben wor­den, um den Regierungen zu ihrer Stellungnahme zu den letzten Vorschlägen etwas mehr Zeit als ursprünglich vorgesehen zu lassen. Voraussichtlich wird Außenminister E d e n auf der nächsten Sitzung wieder den Vorsitz führen. Der französische Bot­schafter Cardin hat sich über das Wochenende nach Paris begeben, um dort Besprechungen mit Delbos über die Nichteinmischungsfrage zu haben. Wie verlautet, ist die französische Regierung bereit, den Vorschlag der symbolischen Zurückziehung von Freiwilligen fallen zu lassen, falls es sich als unmöglich erweist, über diese Maßnahme ein lieber- einkommen zu erzielen. Im übrigen scheint man in französischen Kreisen keineswegs der Ansicht zu sein, daß die Schwierigkeiten für eine Einigung unüber« windbar sind.

Die italienifchen Botschaften in Paris und Lon­don haben den Auftrag erhalten, den Regierungen Frankreichs und Englands amtlich davon Mit­teilung zu machen, daß die italienischen Freiwilligen in Spanien runb 40 000 Mann zählen, wie das bereits von der3nfar- mazione Diplomatien" festgestellt worden sei. Wer das Gegenteil behauptet, so heißt es, spreche bewußt eine Lüge aus.

Ditz in San Sebastian erscheinende Zeitung

gekämpften Schlachtschiffes mit der Schiffsflagge um den Leib an die fremde Küste getrieben wurde. Soviel Idealismus noch im Augenblick des Todes rief selbst bei Deutschlands Feinden Bewunderung hervor.

Nach dem Kriege wurden im Dezember 1918 in Posen 65 Fahnen und Standarten von den deutschen Truppen verbrannt, damit sie nicht in fremde Hände fallen sollten. Alle übrigen Feld­zeichen des alten Heeres werden heute in Schlössern, Museen, Kirchen und Rathäusern als Zeugen der ruhmvollen Vergangenheit des deutschen Soldaten­tums aufbewahrt. Auf Befehl des Führers wur­den am Heldengedenktage 1935, einen Tag nach der Verkündung der deutschen Wehrfreiheit und Wiedereinführung der allgemeinen Wehrpflicht, sämtliche Fahnen und Standarten des ehemaligen deutschen Heeres mit dem neuen Kriegs- erinnerungskreuz geschmückt.

In Fortführung des alten geheiligten Fahnenge­dankens verleiht heute der Führer den Trup­penteilen der neuen deutschen Wehr­macht, auch der Artillerie und den Einheiten der Luftwaffe, neue Feldzeichen, die das Wahr­zeichen des nationalsozialistischen Reiches, das Ha­kenkreuz tragen. Werden diese Fahnen auch nicht mehr am Feuerkampf beteiligt sein, so find sie doch Sinnbild des soldatischen Kämpfens und Strebens, dem sich jeder einzelne Soldat durch den Fahnen­eid auf Führer und Volk verpflichtet. Das hat Wal­ter Flex einst so wunderbar mit den Worten aus- gedrückt:Wer auf die preußische Fahrn schwört, hat nichts mehr, was ihm selber gehört."

Deutschland eine fest; Stütze für den Weltfrieden.

Aga Khan über seine Eindrücke.

London, 25. Okt. (DNB. Funkspruch.) Aus Deutschland kommend traf gestern Aga K h a n m London ein. DemDaily Telegraph erklärte er, er sei überzeugt, daß Deutschland eine feste Stütze für Den Weltfrieden fei. Man würde viel für eine bessere Verständigung zwilchen Großbritannien und Deutschland tun, wenn man möglichst viele britische Arbeiterführer nach Deutschland schicke, damit sie dort da» Wunder des sozialen Aufbaues kennen lernten Die Leistungen Deutschlands auf diesem Gebiet haben auf ihn einen großen Eindruck ge­macht. Die Deutschen gäben mit ihren Bauten ihrer Heimat ein fast neues Gesicht. Riesige Bau»

Karlsruhe, 23. Ott. (DNB.) Im dichtbe­setzten Konzerthaus versammelten sich 1150 badische Bürgermeister und in der Gemeindeverwaltung tätige Personen zur Eröffnung der Lehr- und Leistungsschau der badischen Gerne i n- d e n. Die große Bedeutung dieses Ereignisses im Leben unserer gemeindlichen Selbstverwaltung wurde besonders unterstrichen durch die Teilnahme des Reichsinnenministers Dr. Frick und des Reichs­leiters e h l e r. Nach einleitenden Worten des Gauamtsleiters Oberbürgermeister Dr. Kerber und einer Ansprache des Gauleiters und Reichs­tatthalters Robert Wagner erklärte Reichs­innenminister Dr. Frick: Eine Ueberschrift in Der Ausstellung, zu deren Eröffnung wir uns hier ver- ammelt haben, besagt:Die Gemeinde arbeitet ür uns alle; sie begleitet das Leben des Volks­genossen von Anfang bis zu Ende". Wenn die deutsche Gemeinde damit im letzten Sinn ihre Auf­gabe in der stetigen Sorge für jeden einzelnen Volksgenossen findet, der in ihr wohnt, dann wird schon daraus eine in der Vielgestaltigkeit nicht zu übertreffende und in der Bedeutung nicht zu über­bietende Leistungsforderung klar. Träger dieser Leistung ist aber nach unserer heutigen Ge- meindeverfafsung letzthin der Bürgermeister, in der Großstadt sowohl wie in den kleinen Ge­meinden des flachen Landes. Ich halte es nicht länger für tragbar, daß sich bei den ehren­amtlichen Bürgermeistern in immer stär­kerem Maße ei ne Arbeit anhäuft, Deren Bewältigung ihnen einfach nicht mehr zuge- mu t e t werden kann. Ich kann es nicht mehr als einen gefunden Zustand betrachten, daß ein ehren­amtlicher Bürgermeister ständig in die Zwangslage versetzt ist, entweder feinen Beruf über Gebühr zu vernachlässigen oder feine Pflichten als Bürger­meister nicht mehr ausreichend zu erfüllen. Der ehrenamtliche Bürgermeister muß durch die Stellung der notwendigen Hilfs­kräfte unter allen Umständen wieder in die Stellung zurückgebracht werden, die seinem Amte entspricht, Führer und Vater der Ge­meinde zu sein, den Verlauf der Verwaltung zu bestimmen, nicht aber in der Schreib- und Akten­arbeit Des Alltags unterzugehen! Ich kann es nur als einen Mißbrauch betrachten, wenn Der Bür­germeister sich nicht bewußt bleibt, Daß er Der erste Diener Der Gemeinde und ihrer Ein­wohnerschaft ist. Ich kann es nur als eine Sünde wider den Geist Der Selbstverwaltung bezeichnen, wenn er in der Führung der Gemeinde eine Form Der Befehlsgewalt sieht, Die gleichsam aus unerreich­barer Hohe anordnet und reglementiert Der gute Bürgermeister, die echte Führerpersönlichkeit steht mitten im Volke, steht mitten in der Ein­wohnerschaft der Gemeinde; er benutzt die vielfäl-

Die Gemeinde arbeitet für uns alte.

Reichsinnenminister Dr. Frick eröffnet die Lehr-und Leistungsschau der badischen Gemeinden

dienst in letzter Zeit Des öfteren als Den D i e n ft an Der Front bezeichnet. Ich stelle mich völlig hinter diese Auffassung. Wie man aber an die Front nur Das beste Soldatenmaterial stellt, so sind auch für den Dienst in Der ©emeinDe d i e beften Kräfte geraDe gut genug. Es gilt also, Die besten Deutschen Männer zu Diesem Dienst auszuwählen; es gilt aber ferner, sie durch stetige Schulungin Form" zu halten. Beide Voraus­setzungen sind in gleicher Weise bei Den Bürger­meistern, bei Den ©emeinDeräten wie bei Den son­stigen Beamten Der Gemeinde gegeben. Wer in Den hauptamtlichen Gemeindedienst hinein will, dessen -o--......, r ~ -

Beruf und Fähigkeit wird durch einen wohlüber- in unserem Volks- und Staatsleben sichern, der ihr regten Ausbildungsgang geprüft, der in Dem letzten aus Der Naturgegebenheit zukommt, weil wir Jahre in Den mit meiner Billigung ergangenen glauben, daß wir damit echten Dienst an der Ge- Richtlinien des Deutschen Gemeindetages feine Fest- meinfchaft unseres Volkes leisten.