sprach. Der Betriebsführer des hiesigen Bahnhofs, Reichsbahnamtmann Wahl, würdigte in einer kurzen Ansprache die überaus harmonische Zusammenarbeit des Jubilars mit ihm, dem Amtsvorstand. Durch diese stets verständnisvolle Mitarbeit sei es allein möglich, die Arbeit im Gießener Bahnhof, die in vieler Hinsicht sehr schwierig und durch den Umbau von Gleisstrecken noch zusätzlich schwer geworden sei, so reibungslos zu bewältigen, wie sie zu jeder Stunde des Tages bewältigt wurde, ohne daß der Verkehr und der Betrieb irgendwelche Beeinträchtigung erfuhren. Die Arbeitskameraden brachten dem allseits beliebten Mitarbeiter ebenfalls ihre herzlichen Wünsche dar.
Hände weg von der Tollkirsche!
Wenn man jetzt die Wälder durchstreift, kann man nicht selten die Tollkirsche antreffen. Sie reift jetzt allmählich heran. Manchem Kinde ist ihr Genuß schon zum Verhängnis geworden. Es vergeht kaum ein Jahr, in dem nicht während der Sommermonate von Vergiftungen mit tödlichem Ausgang durch den Genuß von Tollkirschen in den Zeitungen berichtet wird. Aus diesem Grunde ist es Pflicht der Eltern und der Erzieher, die Kinder aufzuklären und auf die schweren Gefahren, die ihnen durch den Genuß der Tollkirsche erwachsen, hinzuweisen. So verlockend die blauschwarzen, glänzenden Beeren sind, die an den niedrigen. Sträuchern wachsen, so stark ist das ihnen innewohnende Gift. Aus Unkenntnis werden sie besonders von kleinen Kindern, die die Tollkirschenfrüchte für reife Kirschen ansehen, gegessen. Wie andere heimische Giftpflanzen, so enthält nicht nur die Tollkirschenfrucht, sondern sogar ihre Wurzeln, Stengel, Blätter und Blüten dieses äußerst starke Gift, Atropin genannt. Die unausbleibliche Folge des Genusses macht sich bald bemerkbar. Nach kurzer Zeit schon wird bei dem unter Vergiftungserscheinungen Erkrankten das Sehvermögen gestört und Erblindung tritt ein. Merkwürdige Gehörtäuschungen treten auf. Die Sprache fällt schwer und läßt nach: ebenso wird das Atemoermögen beschwerlich. Die Gesichtsmuskeln zucken. Bald treten Herzbeschwerden ein, bis schließlich das tückische Gift den Tod herbeiführt. Also: Hände weg von der Tollkirsche!
Kundendienst ist nicht genehmigungspflichtig.
Fwd. Die Reichsverkehrsgruppe Kraftfahrgewerbe hatte sich darüber beschwert, daß eine Maschinenfabrik im Bezirke der Regierung von Unterfranken und Aschaffenburg Kunden in eigenen Kraftwagen vom Bahnhof zum Werk unentgeltlich befördert. Dies sei eine gewerbsmäßige Tätigkeit und damit genehmigungspflichtig. Der Reichs- und preußische Verkehrsminister hat auf die Beschwerde folgenden Bescheid gegeben:
„Nach den Anschauungen, die sich auf Grund langjähriger Gepflogenheit herausgebildet haben, entspricht die Beförderung von Geschäftsfreunden und Besuchern, wie sie von der Antragstellerin ausgeführt wird, einer allgemeinen kaufmännischen Höflichkeit, die von Werks- und Geschäftsbesuchern erwartet wird. Es ist nicht ersichtlich, daß die Antragstellerin darüber hinaus andere geschäftliche Zwecke verfolgt. Davon könnte nur die Rede sein, wenn die Beförderung der Besucher in ihrem Geschäftszweig etwas Ungewöhnliches, oder eine nach den heutigen Anschauungen zu mißbilligende Wett- bcwerbsmaßnahme darstellen würde. Das ist nach den von der Regierung getroffenen Festellungen nicht der Fall. Die ausgeführten Fahrten können demnach als gewerbsmäßige Personenbeförderung nicht angesehen werden, einer Genehmigung bedarf die Antragstellerin nicht."
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** Ehrung einer geborenen Gießene- r i n. Gelegentlich einer Neubenennung von Straßen in Dresden nach Künstlern der sächsischen Staats
theater erhielt die Straße 74 in Dresden-Leubnitz- Neuostra die Bezeichnung „M arie-Wittich- Straß e". Marie Wittich war eine geborene Gießenerin und lange Jahre als Heldendarstellerin an der Dresdener Hofoper tätig.
** Drei Verkehrsunfälle an einem Tage. Am gestrigen Dienstag ereigneten sich hier drei Verkehrsunfälle, die zum Glück sämtlich glimpflich verliefen. Bei dem Auto-Zusammenstoß an der Ecke Ludwigstraße/Liebigstraße, über den wir gestern bereits berichteten, erlitt die in dem Personenauto mit ihrem Manne auf einer Fahrt nach dem Schwarzwald befindliche Frau Guttzeit aus Seelze bei Hannover zum Glück nur leichtere Verletzungen im Gesicht, nämlich einen Nasenbeinbruch, im übrigen kamen alle Beteiligten mit dem Schrecken davon. — An der gleichen Straßenkreuzung Ludwigstraße/Liebigstraße ereignete sich gegen 14.30 Uhr ein zweiter Unfall, bei Dem zwei Per
sonenwagen zusammenstießen: der eine davon, ein deutscher Wagen, wurde von dem anderen, der aus Luxemburg kam und von zwei Frauen besetzt war, umgeworfen, zum Glück hatte aber der ganze Vorgang nur Sachschaden zur Folge. — Der dritte Unfall ereignete sich gegen Abend an der Ecke Werner- wall/Dammstraße, wo ein Personen-Omnibus mit einem Personen-Kraftwagen zusammenstieß; auch hier entstand zum Glück nur Sachschaden.
** Eine Mahnung der Stadtkasse fordert die sofortige Bezahlung von rückständiger Gewerbesteuer, Bürgersteuer und Hundesteuer an. Konzert im Bad-Nauheimer Kurhaus.
*Bad-Nauheim, 25. Aug. Am kommenden Freitagabend findet im Großen Bühnensaal des Kurhauses ein Philharmonisches Konzert als Italienischer Meister-Abend unter Mitwirkung von prominenten Künstlern statt.
werden selbstverständlich in erster Linie fachkundige Handwerker aus dem Kreise der Kameraden in Anspruch genommen. Da die neue Baracke um etwa 1,50 Meter über dem Gelände des Lagers zu liegen kommen wird, werden als Aufgang zwei dekorative Holztreppen gebaut. Ferner werden Grünanlagen geschaffen, so daß das neue Unterkunftshaus einen freundlichen Anblick bieten und eine schöne Bereicherung des Lagers darstellen wird. Das Material für die Fundamente (Ziegelsteine) ist bereits angefahren. Die Baracke selbst erwartet man gegen Mitte September. Für die übrigen Einrichtungen des Lagers bringt die Erweiterung des Lagers keine einschneidenden Aenderungen. Insbesondere die Einrichtungen der Küche sind bei weitem ausreichend auch für die zusätzlich kommenden Kameraden.
Wie wir von Oberfeldmeister Lösch hören, ist damit zu rechnen, daß in absehbarer Zeit das Lager außerdem um eine Führerbaracke und schließlich noch um eine Geräte-Aufbewahrungsbaracke erweitert werden wird.
Insgesamt läßt sich sagen, daß das Gießener Arbeitsdienstlager „Justus von Liebig", das sich bisher schon durch mancherlei gemeinnützige Arbeit verdient gemacht hat, durch diese Erweiterung die Möglichkeit haben wird, die gestellten Aufgaben durch den Einsatz einer größeren Mannschaft mit um so mehr Nachdruck wird lösen können, als es bisher der Fall war.
gegeben. Der Angeklagte gab in der Hauptverhandlung den größten Teil der Diebstähle zu, mußte aber, da er als unzurechnungsfähig im Sinne des § 511 StGB, angesehen werden mußte, frei- gesprochen werden.
Der Johannes Grünewald aus Bad-Nauheim hatte im September 1936 ein Plakat, in dem er die gemeinsten Beleidigungen gegen den damaligen Bürgermeister von Bad-Nauheim und gegen einen Arzt der Bad-Nauheimer Krankenkasse aussprach, angefertigt, dieses Plakat an eine Plakatsäule angeklebt und feinen Inhalt mehrmals den sich ansammelnden Leuten vorgelesen. Wegen dieser Handlung hatte er sich gestern vor der Großen Strafkammer zu verantworten. Er gab einen Teil der gegen ihn erhobenen Vorwürfe zu, bestritt aber, das Plakat selbst geschrieben zu haben. Auf Grund des Gutachtens eines Schriftsachverständigen kam das Gericht aber bei der wesentlichen Ueber- einstimmung der Schriftzüge des Angeklagten mit denen des anonymen Plakates zu der Üeberzeu- gung, daß der Angeklagte das Plakat geschrieben hatte. Allein in rund 25 Fällen waren dieselben orthographischen Fehler in dem Plakat, wie in der
Schriftprobe des Angeklagten enthalten. Trotzdem blieb der Angeklagte bei seinem hartnäckigen Leugnen. Wegen Beleidigung in Tateinheit mit übler Nachrede verurteilte ihn das Gericht zu einer Ge« fängnisftrafe von fünf Monaten.
Amtsgericht Gießen.
Der E. K. aus Gießen war wegen Übertretung der Reichsstraßenverkehrsordnung in zwei Fällen zu einer Geldstrafe von 50 Mark verurteilt worden. Er fuhr am 18. Februar 1937 mit feinem Personenkraftwagen, aus Staufenberg kommend, durch die Hauptstraße in Lollar und wollte dort in die Schlageterftraße einbiegen. Dabei hat er es unterlassen, den Richtungsanzeiger rechtzeitig herauszustellen. Es wurde ihm weiter zur Last gelegt, beim Einbiegen nach links die Kurve nicht in einem großen Bogen genommen zu haben. Durch diese Fahrweise wurde ein hinter dem Personenkraftwagen fahrender Motorradfahrer irritiert. Es erfolgte ein Zusammenstoß, bei Dem der Motorradfahrer erheblich verletzt wurde.
Gegen den Strafbefehl hatte der Angeklagte Einspruch eingelegt. Die gestrige Hauptverhandlung, die wegen eines erforderlichen Augenscheintermins in Lallar stattfand, ergab die Schuld des Angeklagten. Das Gericht verurteilte ihn wegen fahrlässiger Körperverletzung in Tateinheit mit einer Übertretung der Reichsstraßenverkehrsordnung zu einer Geldstrafe von 25 Mark, unter Berücksichtigung der Tatsache, daß der Angeklagte einmal noch nicht vorbestraft ist, zum anderen der Verletzte sich auch nicht ganz einwandfrei verhalten hatte.
OasEmährungshilfswerk in Frankfurt 750 Schweine werden gemästet.
Lpd. Frankfurt a. M, 24. Aug. Zur Durchführung des Ernährungshilfswerks der NSV. werden nun auch in Frankfurt a. M. Schweinemästereien errichtet. Die Stadtgemeinde stellt den Platz und neue Gbäudeanlagen zur Verfügung, Das Sammeln der Küchenabfälle unD das Mästen der Schweine ist Sache Der NSV. Als erste Schweinemastanlage ist eine Anlage in Frankfurt am Main-Fechenheim geplant, mit Deren Errichtung dieser Tage begonnen wurde. Die Anlage umfaßt Drei Ställe für je 250 Schweine, so daß im ganzen 750 Tiere Dort gemästet werden können.
Es ist ferner Die Errichtung eines kleinen Ge- bäuDes vorgesehen, dessen ErDgeschoß ein Schreibzimmer für Den Schweinemeister, einen Aufenthaltsraum für die Arbeiter und für die Nachtwache sowie Umkleide- und Waschräume enthält. Im Obergeschoß befindet sich Die Wohnung für Den Schweinemeister. Freiflächen roerDen mit Grün- hecken und Baumgruppen bepflanzt, so Daß Ge- währ dafür geboten ist, Daß sich die Bauten gut in das LandschaftsbilD einfügen werden.
Gewerbsmäßige Abtreiberin kommt in Sicherungsverwahrung.
Lpd. Hanau, 24. Aug. Das Schwurgericht Hanau verurteilte Die 35jährige Margarete Fried- rich, aus Neubruch in Polen ftammenD, zuletzt in Hanau wohnhaft, wegen gewerbsmäßiger Abtreibung zu vier Jahren Zuchthaus unD fünf Jahren Ehrverlust; auch wurde auf Sicherungsverwahrung erkannt. Die Angeklagte ist wegen des gleichen Verbrechens wieder- yolt vorbestraft.
Zwischen den Schienen tot aufgefunden.
Lpd. Dillenburg, 22. Aug. Nachts wurde der 26jährige Albert Clemens aus Dem Kreisort Eiershausen auf Der eingleisigen Bahnstrecke Dillenburg—Frohnhausen tot aufgefunDen. Wie vermutet roirD, versuchte Clemens wahrscheinlich unterwegs auf Den fahrenden Zug aufzuspringen.
Große Strafkammer Gießen.
Unter Ausschluß Der Öffentlichkeit hatte sich die Große Strafkammer gestern mit Dem 69 Jahre alten, bereits 15mal vorbestraften Gottlieb Wiener aus Butzbach zu befassen. Er hat mit einem 13 Jahre alten Judenmädchen unzüchtige Hand- lungen vorgenommen. Durch Diese Handlung hat er gleichzeitig ein Sittlichkeitsverbrechen im Sinne Des § 176 Abs. 3 und eine Zuwiderhandlung gegen Das Blutschutzgesetz begangen. Das Gericht verurteilte ihn zu einer Zuchthaus strafe von Zwei Jahren. Außerdem wurden ihm die bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von fünf Jahren aberkannt. Zwei Monate Der Untersuchungshaft wurDen dem Angeklagten auf Die Strafe angerechnet.
Der RicharD Kuhn aus BüDingen hatte sich wegen mehrerer Diebstähle zu verantworten, Die er mit anderen zusammen in Den Jahren 1936 unD 1937 ausgeführt hat. U. a. ist er in Keller eingestiegen unD hat eingemachtes Obst, Wein, Sekt unD Dergleichen weggenommen. Die gestohlenen Sachen hat er entmeDer selbst verzehrt oDer sie anDeren:
Gießener Arbeitsdienst baut in eigener Sache.
Unser Gießener ArbeitsDienstlager „Justus von Liebig" erfährt gegenwärtig eine Erweiterung. Das Lager hat mir Wirkung vom 1. Oktober 1937 ab einen vierten Zug ArdeitsDienstmänner aufzunehmen, so Daß Die Belegstärke Des Lagers von bisher 153 Mann auf 202 Mann anwachsen roirD. Der vierte Zug soll voraussichtlich am 1. Oktober ein- rücken und selbstverständlich Die gleiche Unterbringung erfahren wie Die übrigen Züge.
Aus diesem Grunde ist man in unserer Arbeitsdienstabteilung 5/222 gegenwärtig dabei, die notwendigen Vorbereitungen für die Erweiterung des Lagers zu treffen. So wurden nun in diesen Tagen einige Bäume gefällt, und zwar unmittelbar am Lagerplatz am Rande des Philosophenwaldes, so daß Raum gewonnen wurde für eine Baracke, die dort für den vierten Zug aufgestellt werden wird. Bei der Baracke, die die Arbeitsdienstkameraden des vierten Zuges aufnehmen soll, handelt es sich um eine Reichsbaracke von Standardausmaßen und einer Grundfläche von 8,10 X 26,55 Meter. Diese Baracke wird in montierten Teilen geliefert und kann ohne weiteres aufgestellt werden. Sie bietet den Kameraden, die in ihr hausen werden, eine vorbildliche und geräumige Unterkunft, so daß sie sich sehr wohl- fühlen werden.
Ein Bauzug unserer Arbeitsdienstabteilung hat nunmehr Die Aufgabe, für Diese neue Baracke Das GelänDe vorzubereiten. Den Boden zu roDen unD zu planieren und bann die Fundamente für Die Baracke herzustellen. Für Diese letzteren Arbeiten
Aus den Gießener Gerichtssälen.
Susannes Tochter.
Vornan von Hedda Westenberger.
Copyright by Carl Duncker, Verlag, Berlin W 35.
33 Fortsetzung. (NachDruck verboten.)
Renz schließt für ein paar SekunDen Die Augen unD zieht röchelnd Den Atem ein, um Die letzten Kräfte zusammenzuholen. „Erinnerst Du Dich, Albert, --Susanne fuhr Damals für kurze Zeit zu
einer Tante ... gleich nachdem Du ... nach Hamburg gegangen warst. Als sie wiederkam, war sie vollkommen oeränDert ... sie hatte einen Offizier kennengelernt, einen Oesterreicher ... Muß ich noch mehr sagen, Albert? Sie hat es einfach nicht gewagt, mit Den Folgen Dieser Bekanntschaft Dir unter Die Augen zu treten... Aber mir hat sie gebeichtet, unD ich ... ich liebte sie Doch, Das weißt Du ja... Ich habe ihr angeboten, Daß ich sie heiraten will. Damit Das KinD ... einen Vater hat."
Lyk schnauft heftig: „UnD Das Kind, Nick?"
„Es ist nach Drei Monaten gestorben. Sabine kam erst später... Wo ist Sabine, Albert? Ist sie ... Da? ... Kann ich sie ... noch einmal sehen? Ich verrate mich nicht, Albert ... ich .. Du kannst Dich ... schon auf mich verlassen ..."
Erschöpft legt er Den Kopf zurück unD schließt Die Augen. Lyk legt Die matte, kühle Hand Des Freundes, Die er gehalten hat, sanft auf die Decke zurück und richtet sich auf: „Warte, Nick", sagt er, „ich hole Sabine her, sie hat gemeint, als sie dich herein- trugen, hörst du, Nick? Sie hat gemeint. Und sie bat dich immer sehr gern gehabt, sehr gern. Hast Du mich verstanDen, Nick?"
Aber Renz ist schon roieDer zu schroach, um Antwort zu geben. Lyk geht leise hinaus. Er braucht nicht lange zu suchen. Sabine steht glühend vor Empörung in Der Küche, roo sich Der Knecht Joseph, Die Bauersleute unD Der Gärtner aus Der Villa Caselli eingefunden haben.
„Nie märe Renz sähia geroefen, einen Menschen umzubringen! Das ist eine infame Verleumdung, Joseph! Viel eher roürDe Michailom jemanden umbringen ..."
In diesem Augenblick tritt Lyk ein und sieht verwundert von einem zum anderen: „Warum regen Sie sich Denn so auf, Sabine?" Eine kleine verlegene Stille entsteht. Aber Dann kommt über Sabine roieDer Die Helle Empörung: Joseph behaupte, daß Renz Den Russen habe umbringen wollen, weil Renz Dem Joseph GelD gesechnkt habe, nur Damit er an Josephs Stelle mit Michailow in Den Wald gehen könne, weil er mit Dem Russen etwas zu reDen habe, was nur ihn unD Den Russen angehe...
„Glauben Sie Das, Herr Lyk? Es kann sich Da doch nur um einen unglücklichen Zufall hanDeln, Daß Renz Das ausgerechnet an Dem Tag sagt, roo
irgenD jemanD es auf Michailow abgesehen hat. ODer glauben Sie, Daß Renz ...?"
Lyk lächelt schmerzlich: „Und weshalb sinD Sie so überzeugt von Renz' gutem Charakter, Sabine?" „Ich weiß nicht", sagt sie leise, „es ist einfach ein Gefühl ..., aber wenn Das mich täuscht, wüßte ich überhaupt nicht mehr, woran ich mich halten sollte."
Da legt Lyk sichtlich bewegt Den Arm um sie: „Bleiben Sie nur bei Ihrem Gefühl, Sabine. Ich habe heute eingesehen, Daß Sie es bestimmt noch nie an einen Menschen verschenkt haben. Der es mehr oerDiente als Renz. Wollen Sie ihm Lebewohl sagen? Haben Sie so viel Mut?"
Sabine nickt stumm, ohne zu zögern.
Renz sieht ihnen entgegen. Sein Blick umfaßt Sabine mit unenDlicher Zärtlichkeit und FreuDe. Er will auch etwas sagen, aber ihm fehlt Die Kraft dazu, Die Lippen bewegen sich nur stumm unD verziehen sich Dann zu einem weichen Lächeln.
Sabine kniet neben feinem Lager nieber unD legt ihre kühle Hand auf seine Stirn. Da schließt er die Augen, und es ist, als recke sich sein Körper in wohligem Frieden. Sabine rührt sich kaum. Ihr Mund preßt sich schmerzlich und herb zusammen, ihre Augen ruhen mit dem Ausdruck einer ganz reifen Frau auf dem Sterbenden. Lyk steht am Fußende des Bettes, sie hat ihn ganz vergessen.
Es verstreicht eine Viertelstunde und noch eine.
Da öffnet Renz noch einmal Die Augen und sieht erst Den Freund an, Der ihm stumm in heißem schmerz zunickt, und Dann Sabine, deren Gesicht so rein und klar und innig neben dem seinen ist. „Verzeih..sagt Renz zu seiner Tochter. Aber nur noch Lippen und Gedanken formen dies Wort, feine Stimme versagt schon.
Doch Sabine lächelt und nickt, Renz erkennt es 9an3 deutlich. Ja, sie hat verstanden. Sie verzeiht ihm, ihrem Vater.
Ein wunderbares Gefühl süßen Aufgelöstseins durchströmt Renz, alles wird plötzlich leicht und hell, der Raum weicht zurück, die Wände zerfließen dort hinten, Lyks Gesicht zerfließt. Der Schmerz in feiner Brust, das schwere Tuch über feinem Körper Die Drückende Decke über ihm, alles zerfließt Nur Sabines Gesicht bleibt. Und ihr Lächeln tut sich ihm auf wie ein Meer, in Dem man versinken kann.
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Conrad Wünsch ist immer noch da. Im Trubel der Ereignisse hat es sich von selbst ergeben, daß er seine Abreise immer wieder verschob, und Lyk war herzlich froh darüber, Denn bei den endlosen Laufereien und Scherereien, in Dem heftigen Papierkrieg, Den Der noch unaufgeklärte Mord an Dem Knecht Georg Renz zur Folge hatte, war ihm Der Anwalt ein willkommener Berater.
Mit Wünschs Unterstützung ist es verhältnismäßig schnell gelungen, Renz' Leiche vom Gericht zur Be- erDigung frei zu bekommen, unD Das unaufhörliche Kommen unD Gehen Der Polizisten, Gerichtsbeam
ten, Sachverständigen und GemeinDeschreiber zu- rückzudämmen.
Wünsch hat auch eines Tages berausbefommen, daß Der Gärtner einen Brief von Irina Kontscha- kowna an Michailow abzugeben vergessen und im ersten Schreck über Den Mord und über Michailows verdächtige Flucht vernichtet hatte. Dadurch wurden Die Untersuchungen Des Gerichts auf neue Fährten gelenkt.
Das Lyksche Gut hat allmählich fast wieder sein altes freundliches und friedliches Gesicht bekommen. Seit einigen Tagen läuft ein neuer Fuchfer auf Dem Hofe umher, ein junger, schweigsamer, pockennarbiger Mensch, Der jede Berührung mit Den Bewohnern Des Herrenhauses meiDet und sich von Der ersten Stunde an ganz zu Dem Bauern im Anbau unD zu Dem Knecht Joseph hält.
UnD außerdem fehlt eben doch Der roifDbärtige Renz, sein schlurfender, schwerfälliger Schritt durchs Haus, feine halblauten zärtlichen Gespräche mit den Tieren, sein reglos-verträumtes Hocken vor der Stalltür, wenn es Abend wurde.
Aber auch mit Lyk ist eine Veränderung vorgegangen.
Lyk sieht nicht mehr herrisch drein, und manchmal starrt er traurig vor sich hin, Dann verlieren seine Augen die scharfe Helle. Er ist innerlich immer noch nicht fertig mit Dem, was geschehen ist, unD oft genug ertappt er sich Dabei, Daß er sich ausmalt, wie ganz anDers alles gekommen wäre, wenn er Renz Die Möglichkeit gegeben hätte, wie- Der Nick Lorenz und also Sabines Vater zu werden. Dies „Hätte ich" ... macht fein Gesicht weich, unDjßabine gegenüber ist etwas wie Demut in feinem Wesen.
Noch nie hat Wünsch Sabine so oft vorspielen müssen, wie in diesen ersten Tagen, da die Ruhe wieder heimisch wird auf Dem Gut. Wie Lyk, vermeidet sie das Alleinsein; Das morgendliche Umherstreifen auf den Wiesen und im Wald hat sie ganz aufgegeben, und selbst innerhalb des Hauses bewegt sie sich mit sichtlicher Unruhe, so lange sie sich selbst überlassen ist. Am ruhigsten ist sie, wenn Wünsch sich mit ihr beschäftigt. Dann lockt sie auch das Bad im Weiher, ein Gang durch den Wald, ein Ritt ins nächste Dorf.
Unö Conrad Wünsch ist glücklich. Den ganzen Tag ist er um Sabine herum, er betreut sie, als ob sie von einer schweren Krankheit aufgestanden sei, und versorgt sie so brüderlich, daß Lyk — der ebenfalls Wünschs Gesellschaft sucht, so viel er nur fann — zuweilen verwundert ist und sehr gemischte Gefühle hegt.
Warum sucht Sabine nicht Anschluß bei ihm? purt sie nicht, was er für Absichten hat? Oder--
J?urJ es ^wa doch und weicht ihm nur in mädchenhafter Scheu aus?
Obgleich er glaubt, was er wünscht, sagt er eines -boges zu Wünsch: „Sie verwöhnen mir Sabine..."
xßunfd) sieht erstaunt von feiner Zeitung auf.
„Verwöhnen..." wiederholt er halblaut, als müsse er diesen Ausdruck für sein Tun erst gründlich prüfen: „Verwöhnen?" Und dann bekräftigt er sein Tun: „Sie hat es nötig, sehr sogar..."
„Na ja ..." brummt Lyk. Es klingt nicht sehr freundlich.
„Außerdem fahre ich ja übermorgen. Dann hat alles ein Ende."
Lyk beherrscht sich zu fragen: „Was hat ein Ende, was ...?" Irgend etwas hemmt ihn. Und da Wünsch den Kopf schon wieder in die Zeitung steckt, ein Zeichen, daß er das Gespräch äußerst unwichtig findet, wechselt Lyk dankbar das Thema, und er lacht sich selbst aus über feine kindische Eifersüchtelei. Wünsch hat ja recht: man kann Sabine jetzt gar nicht genug verwöhnen, sie trauert um Renz, als spüre sie, daß Fäden zwischen ihr und ihm hin- und hergehen.
Später, wenn sie meine Frau ist, nimmt Lyk sich vor, will ich mit ihr über Renz sprechen. Und wenn ich sicher bin, daß ihre Liebe es trägt, will ich ihr auch Die Wahrheit sagen ...
Am Abend vor Wünschs' Abreise sitzen Sabine, Lyk und Wünsch auf der Veranda. Es ist ein herrlicher, warmer Augustabend. Die Drei sitzen in jenem geheimnisvollen HalbDämmer, Das nach strah- lenDen Tagen noch so lange gegen Das Nachtdunkel kämpft und so weich wie fließende Seide über der Erde hängt.
Sabine unterbricht Die Stille: „Morgen um Diese Zeit sind Sie schon in München und acht Stunden später in Berlin."
„Mächten Sie mit?" fragt er scherzhaft.
Sabine richtet sich in ihrem Liegestuhl auf und sieht zu Lyk hin: „Nein, wirklich nicht!" Aber es klingt nicht ganz echt, und Lyk zieht die Stirn kraus.
„Ich bliebe auch viel lieber noch hier", fagf Wünsch begütigend, hebt das Glas gegen Lyk und jagt herzlich: „Es ist lange her, daß ich einen so herrlichen Urlaub hatte."
Lyk nickt zufrieden: „Prost Kinder", sagt er jo» oial und tut einen fräftiqen Schluck: „Prost Kinder, und Ihnen gute Reise, Wünsch." In diesem Augenblick erst kommt ihm zum Bewußtsein, daß er morgen allein mit Sabine Zurückbleiben, daß moraen nur noch er als einziger um Sabine fein wirb. Da befällt ihn jene unbändige, überlustige Jungens- haftigkeit, die ihn schon damals angefallen hat, als er Sabine engagierte, und er beginnt lebhaft von feinen Streichen unD Jagderlebnissen, von feinen WanDerungen im Dunklen ErDteil und seinen gro- ßen geschäftlichen „Coups" zu erzählen.
Und Die beiDen hören ihm zu, ohne ihn zu unter- brechen, und stimmen zuweilen in fein frohes La- chen mit ein. Es ist ein überaus vergnügter, harmonischer Abend. Lyk kostet die Freude, daß Sa- bines Gesicht ausschließlich ihm zuaewandt ist, bis Zur Neige aus... (Schluß folgt.)


