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Getreidekammer vorsieht, die dem Land­mann sein Getreide $ u erheblich g ü n st i g e - ren Preisen abnimmt, als er sie bislang er­zielen konnte. Aus diese W^se werden die Speku­lanten ausbeschaltet, die früher das Getreide zu lächerlich niedrigen Preisen aufkausten. Die Ge­treidekammer wird sich ferner um das Wohl des Landarbeiters kümmern und als erstes einen allgemeinen Mindestlohn festsetzen, der bei Androhung schwerer Strafen oom Arbeitgeber anzuerkennen ist. Eine andere Aufgabe der Ge­treidekammer besteht in der Ueberwachung der Getreideanbauflächen zur Vermei­dung von Ueberproduktion bei den einzelnen Ge­treidesorten.

reichen Besuch der Militärtechnischen Akademie Ber­lin-Charlottenburg rückte er als Führer eines Pion- nier-Begleitkommandos ins Feld und wurde mehr­mals schwer verwundet. Nach Auflösung der alten Armee trat Roettig zur Sicherheitspolizei über, wurde dann zur Schutzpolizei übernommen und tat als Major beim Kommnoo der Schutzpolizei in Berlin Dienst. 1927 trat Major Roettig zur Gen­

darmerie über und wurde beim Regierungspräsi­dium Münster verwendet. Nach der nationalsoziali­stischen Machtübernahme wurde Roettig Komman­deur der Gendarmerieschule Trier, von wo er nach seiner Beförderung zum Oberst und einer vorüber­gehenden Tätigkeit als Inspekteur der Ordnungs­polizei in Stettin zum Stabe des Chefs der Ord­nungspolizei abgeordnet wurde

©oppelmitgliedfchast NSDAPRotary-Klub unzulässig.

Oer deutsche Marineattache in London 1*.

Amsterdam, 24. Aug (DNB) Der Marine­attache an der Deutschen Botschaft in London und an der Deutschen Gesandtschaft im Haag, Konter­admiral Waßner, ist am 24. August in den frü­hen Morgenstunden im Haag, wo er sich auf einer Dienstreise aufhielt, am Herzschlag ge- st o r b e n. Konteradmiral Waßner war während des Krieges 0-Bootskommandant und wurde am 15. März 1918 mit dem Pourle

M

Konteradmiral Waßner. (Scherl-Bilderdienst-M.)

merite ausgezeichnet. Nach Beendigung des Krieges war Waßner von 1921 bis 1925 zur Dienst­leistung bei der Marineleitung kommandiert und anschließend u. a. Kommandant des Segelschul­schiffesNiobe" und des KreuzersKarls - r u h e". Am 1. April 1933 wurde er Marine- attach 6 an der Deutschen Botschaft in London. Am 1. Oktober 1936 erfolgte seine Beförderung zum Konteradmiral.

Berlin, 24. Aug. (DNB ) Nach einer Meldung des23. B." aus München hat d e r o b e r st e P a r- tei richte r, Reichsleiter Walter Buch, eine An­ordnung erlassen, in der es heißt:Parteigenossen, die gleichzeitig Mitglied des Rotary-Klubs sind, ha­ben ihre Mitgliedschaft zu diesem bis zum 31. Dezember 1 937 z u lösen. Nach diesem Zeitpunkt wird die Doppelmitgliedschaft als den Bestrebungen der Partei zuwiderlaufend angesehen und verfolgt.

Zu dieser Anordnung veröffentlicht der Reichs­leiter imV. B." unter der UeberschriftTar­nung!" einen Aufsatz, in dem es unter anderem heißt: Die deutschen Rotary-Klubs waren nach der Machtübernahme beflissen, sich dem Geist der neuen Zeit anzupassen und beeilten sich, die a u f g e - nommenen Juden aus ihren Reihen auszu­schalten. Zudem stellten sich deutsche Rotarier in großer Zahl bereitwilligst zur Verfügung, der jüdi­schen Lügenflut und den Greuelmärchen entarteter Deutscher in Rotarierkreisen außerhalb der deutschen Grenzen entgegenzuwirken Infolgedessen sah sich die deutsche Staatsführung sowie die Reichs­leitung der NSDAP, nicht veranlaßt, von vorn­herein eine ablehnende Haltung gegen Rotary ein­zunehmen, wenngleich erhebliche Bedenken ihr die­sen Schritt nicht erleichterten. Die Bedenken rich­teten sich vor allem gegen die Art seiner Organisation. Rotary ist über die ganze Erde verbreitet und in eine große Anzahl Distrikte ge­gliedert. Sie sind zusammengefaßt unter einem ge­meinsamen Präsidenten. Dadurch entsteht ein Zu­stand, daß ein Ausländer einer Gemein­schaft in Deutschland Weisungen ge­be n k a n n , die geeignet sein können, deutsche Men­schen in einen gewissen Konflikt zu ihren Pflichten ihrem Volke gegenüber zu bringen. Die Prüfung der Satzung und der Besuch von Veranstaltungen des Rotary-Klubs ergaben keinen Anhalt, daß seine Gründung von Freimaurern ausging oder daß fein Brauchtum den Menschen derart in seinem Mannestum bräche, wie dies die Freimaurerei in

ihren höheren Graden tut. Während es der Jud­in der Freimaurerei fertig gebracht hatte, die Man- ner durch ein aberwitziges und verabfcheuungswer- tes Brauchtum in den höheren Graden sich unbe­dingt hörig zu machen, war davon bei den Rota­riern nicht das mindeste zu spüren. Das wurde in Deutschland nach dem Regierungsantritt des Füh­rers anders. Die Dienststellen des Dritten Reiches mußten feststellen, wie allmählich immer mehr An­gehörige aufgelöster Freimaurerlogen Eingang in die verschiedenen deutschen Rotary-Klubs fanden, ohne daß diese eine Ahnung zu haben brauchten, aus welchen Kreisen ihre neuen Mitglieder kamen. Weder die deutsche Staatsführung, noch die natio­nalsozialistische Bewegung wollen es erleben, daß das deutsche Volk noch einmal durch eine Organi- sation wie die Freimaurerei an seinem Leben Scha­den nähme, wie durch den Weltkrieg. Darum ist es notwendig, daß die Männer seiner führenden Schicht sowohl der Staatsführung, der Wehrmacht, als auch in der Partei ferngehalten werden von Gemein­schaften, in denen im zunehmenden Maße Gedan­kengänge freimaurerischen Gepräges Eingang finden.

Als daher die Prüfung der Dinge ergab, in wel­chem Umfange die Träger freimaurerischen Gedan­kengutes während der letzten Jahre Eingang in die Rotary-Klubs gefunden hatten, war es nur selbst­verständlich, daß der Reichsinnenminister für seinen Dienstbereich den Beamten die weitere Zugehörig­keit zu den Rotary-Klubs untersagte Ebenso selbstverständlich, daß die übrigen Minister ihm folgten. Die Bewegung ist dem Pg. Dr. Frick für seinen Schritt dankbar, und es liegt auf der Hand, daß sie ihm ebenfalls folgen wird. Es geht natür­lich nicht an, daß ein Parteigenosse einer Gemein­schaft angehört, die die Staätsführung ihren Un­tergebenen verschließt. Wer in Deutschland führen will, kann hinfort keiner irgendwie international gebundenen Gemeinschaft mehr angehören. Sein Blick ist ausgerichtet auf sein Volk. Seine Devise lautet:Ich dien'!".

©er Kampf gegen den Krebs.

Ein wichtiger Gegenstand ärztlicher Fortbildung.

nisation vollstes Vertrauen bei der Arbeit an dem ungelösten Krankheitsproblem von der Volksge­meinschaft entgegengebracht werden müsse. Gerade hier ist Kurpfuscherei zu gefährlich und zwingt zu einer internationalen Abwehrmaßnahme. Für den Arzt ist ständige Wachsamkeit oberstes Gesetz. Methoden einer zuverlässigen stati­stischen Erfassung der Erkrankung und Todesfälle besprach Dr. H a u b o l d. Ungefähr ein Viertel aller Krebsfälle werden erst durch die Leichen­öffnung festgestellt, wie Professor Fischer (Rostock) ausführte. Deshalb kann eine frühzeitige Diagnose nicht genug gefördert werden.

Professor König (Würzburg) betonte die hohe Verantwortlichkeit des Universitätslehrers bei der Ausbildung des Studenten und der ständigen Fort­bildung der Praktiker. Diese müssen die Grenzen der verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten genau kennen, um eine möglichst große Zahl von Dauer­heilungen des Krebses zu erreichen. Schröder (Leipzig) wies ebenfalls darauf hin, daß in der Früherkennung des Krebsleidens die wesent­liche fortschrittliche Bekämpfung in der Frauenheil­kunde liege. Sowohl die operativen Verfahren als auch die Bestrahlungen sind in ihren Erfolgen kaum

Berlin, 24. Aug. (DNB.) Noch immer ist der Krebs eine Geißel der Menschheit. Jedes Land hat in der Krebsbekämpfung seine Erfahrungen ge­macht. Diese auszutaufchen und unnötige Fehler zu verhindern, war der Zweck des dritten Sitzungs­tages des internationalen Kongresses für ärztliche Fortbildung. Hierbei wurde nicht so sehr das Wissenschaftliche als vielmehr das Organisatorische berücksichtigt, wie die Pro­bleme der Krebsbekämpfuntz dem praktischen Arzt ständig näher zu bringen feien. In Deutschland hat bereits der 1933 vom Reichsminister des Innern berufene Ausschuß zur Krebsbekämp­fung große Erfolge gezeitigt. Dr. S ch r a e n e n (Belgien) stellte die Krebsbekämpfung als eine soziale und psychologische Forderung auf. Die Zahl der Erkrankungs- und Sterbefälle könne man am besten dann eindämmen, wenn man im Früh- stadium den Krebs zur Behandlung bekomme. Es muß daher die Oeffentlichkeit voll und ganz mit dem Wesen des Krebses vertraut fein, ebenso wie dem Arzt die Frühbehandlung und Erkennung er­möglicht werden muß. Professor A u l e r , der Generalsekretär des Deutschen Ausschusses für Krebsbekämpfung, wies darauf hin, daß der Orga-

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Die Nachricht von dem plötzlichen Tode des deut­schen Marineattachss wird von den englischen Abendblättern an hervorragender Stelle wieder­gegeben. Die Blätter weisen auf die erfolgreiche Laufbahn von Konteradmiral Wahner hin und be­tonen, daß er ein sehr guter Kenner des englischen Lebens gewesen fei. Sie heben auch hervor, daß Konteradmiral Waßner an den Verhandlungen für das deutsch - englische Flottenabkommen beteiligt gewesen sei.

Ein neuer 0eneraiinfoeffeur der Gendarmerie und Gemeinde­vollzugspolizei ernannt.

Berlin, 24 Aug (DNB.) Der Reichsführer SS und Chef der deutschen Polizei hat den frühe­ren Kommandeur der Gendarmerieschule Trier, Oberst der Gendarmerie Roettig, zum General­inspekteur der Gendarmerie und Gemeindevollzugs­polizei ernannt. Damit ist die Stelle, die durch die Ernennung des Generalmajors der Schutzpolizei, von Kamptz, zum Kommandeur der Berliner Schutzpolizei freigeroorben war, neu besetzt worden. Oberst Roettig ist aus dem Magdeburgischen Pio- nierbataillon hervorgegangen. Nach dem erfolg-

noch zu steigern. Die wissenschaftliche Erkenntnis, die zu einer Erfassung aller Frühfälle führt, ist da­gegen in einem steigenden Ausmaße auszubauen.

Professor R e ö i n g (Brüssel) zeigte die in der medizinischen Wissenschaft als krebserzeugende Sub- stanzen bekannten Mittel auf und forderte, daß sie aus dem Arzneibuch gestrichen werden müßten. Aber auch die Erkrankungen, die als Vorboten des Krebses anzusehen sind, müßten energisch einge­dämmt werden. Professor Lambadaridis (Griechenland) beleuchtete die Frage der Krebs­bekämpfung durch Laien. Es fei bekannt, daß die Krebskranken zu spät zum Arzt kommen. Er verlangte daher die Organisation der Laien und die Einrichtung von Kontrollstationen, in denen die Bevölkerung von Zeit zu Zeit kostenlos auf Krebs untersucht werde. Professor H u s s y sprach als Ver­treter der schweizerischen Liga zur Krebsbekämp­fung. Diese Organisation versucht, durch Fort­bildung des Arztes und Aufklärung des Volkes durch Wanderausstellungen den Kampf gegen den Krebs in verstärktem Maße aufzunehmen, lieber den Stand der Krebsforschung in seinem Heimat­lande berichtete Dr. A s u (Estland). Zum Schluß machte Dr. K i t t l e r bemerkenswerte Ausführun­gen über den Film in der ärztlichen Fortbildung, wobei er praktische Beispiele gab.

Empfang des Reichsärzteführers.

Die Teilnehmer des III. Internationalen Kon­gresses für das ärztliche Fortbildungswesen hatte der Reichsärzteführer mit ihren Damen und viele Gäste, vornehmlich die Vertreter der medizinischen Behörden und Hochschulen, zu einem Bunten Abend in die Krollschen Festsäle geladen. Die Besonder­heit dieses Abends lag darin, daß das gesamte künstlerische Programm ausschließlich von Aerzten be st ritten wurde, die damit ihre enge Verbundenheit mit den schönen Künsten und auch der heiteren Muse bewiesen. Viele Darbie­tungen waren von ihnen verfaßt und vertont. So wurde dieses trotz des internationalen Rahmens echt deutsche Fest eigener Prägung eine Veranstaltung van besonderer gesellschaftlicher Kultur, die allen Teilnehmern nach lange in der Erinnerung bleiben wird.

Kleine politische Nachrichten.

In München traf eine aus elf Regierungsmitglie­dern bestehende belgisch-luxemburgische W i r t s ch a f t s d e l e g ation ein, die von der Stadt im Rathaus feierlich empfangen wurde.

Der Reichs- und Preußische Arbeitsminister hat den Regierungspräsidenten Rüdiger in Oppeln zum Sondertreuhänder der Arbeit für die Rege­lung der Altersversorgung der Bühnenschaf, senden bestellt.

3m Rahmen des zwischen Dr. Ley und Präsident Cianetti getroffenen deutsch-italienischen Austauschabkommens hatte der Leiter des deutschen Handels in der DAF., Pg. Feit, mit dem Präsidenten der Conferederazione Fascista del Lavoratori e Commerzio, Dr. del Giudici, in Rom eine Unterredung, die den Austausch von Studien­kommissionen des deutschen und des italienischen Handels zum Gegenstand hatte und zu einer vollen Übereinstimmung hinsichtlich des Weges und Zie­les der gemeinsamen Arbeit führte

Kurz vor Vollendung seines 70. Lebensjahres starb auf Schloß Laar bei Zierenberg der ehema­lige Reichs- und Staatskommiffar für die besetzten rheinischen Gebiete, Karl von Starck. Die schwierigen Verhandlungen um die Erleichterung der wirtschaftlichen Verhältnisse der besetzten Zone führte Reichskommissar von Starck in Koblenz mit einer Beharrlichkeit, die viele Erfolge für Reich und Bevölkerung zu verzeichnen hatte.

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Der ehemalige rumänische Außenminister Ti tu- l e s c u ist von Außenkommissar Litwinow- F i n k e l st e i n zu einem mehrtägigen Besuch nach Moskau eingeladen worden.

Das alte Fräulein.

Don Walter Kasten.

Sie hat feinen Menschen auf der ganzen weiten Welt, das arme Fräulein Schrader",' hieß es im­mer, wenn auf sie die Rede kam. Meine gute Mut­ter machte immer ein bekümmertes Gesicht, und ihre Stimme zitterte vor Mitleid, wenn sie das sagte, bevor ich, ein pausbäckiger Vierjähriger, meinen morgendlichen Rundgang durch die Nachbarschaft antrat, -der, wie die Mutter wußte, bei Fräulein Schrader enden würde

Ich liebte diese Spaziergänge durch den Lüstern- graben, einer schmalen, langen Gasse in der Alt­stadt meines Heimatstädtchens, in der nur wenige Häuser standen. Alle Menschen kannten mich, alle waren freundlich zu mir. Aber alles reichte nicht an das Vergnügen heran, das ich empfand, wenn ich die windschiefe Treppe hinaufkletterte, die zu Tante Schraders Wohnung führte. Sie war mir die Liebste von Allen, denn sie hatte stets wunderbare Geschich­ten für mich. Geschichten, die sie nur mir erzählte, und die ich ja nicht weiter erzählen sollte, denn sonst dürfte ich nie wiederkommen. Es war ein großes Geheimnis in diesen Geschichten, das nur ich wissen durfte, noch nicht einmal meine Mutter, die doch sonst alles wußte: Fräulein Schrader hatte doch Jemanden auf der weiten Welt

Eigentlich war es immer dieselbe Geschichte, die sie mir erzählte Von einem jungen Mann, mit dem sie verlobt war, und der über das Meer gefahren fei, um in einem fernen, wilden und gefährlichen Land sein Glück zu machen Aber sie wußte es im­mer neu und fesselnd zu erzählen. Sie stand dabei an ihrem Plättbrett, links einen großen Korb mit Wäsche und rechts die säuberlich aufgeschichteten fer­tigen Stücke. Der Dampf, der von ihrer Arbeit aufftieg, hüllte sie in einen nebligen Schleier, aus dem ihre dünne Stimme seltsam feierlich hervor- tarn' .Und da sagte Theodor zu dem wilden In­dianer. Ich werde dir das ganze Land abkaufen, nut allen Bütteln und wilden Pferden. Aber die gittigen Schlangen die mußt du mit deinen Leuten umbringen denn meine Frau die nun bald kom­men wird, kann Schlangen nicht leiden Da sagte be*- Indianer Ich wußte nicht, daß du eine Frau haft Herr' Das glaube ich wohl, lachte Theodor, denn das weiß fein Mensch auf der Welt Nur

Agnes und ich Aber das ist ja die Haupt» willen <>«- und werden es nie ver­gesse.

Mit so einem Satz schloß jedesmal irgend ein

erregendes Abenteuer Theodors, das ich in atem­loser Spannung miterleben durste: und manchmal fuhr sich Fräulein Schrader am Schluß ihrer Er­zählung verstohlen über die Augen

Sonntags war es besonders schön bei ihr. Ich kam immer, wenn ich wußte, daß sie aus der Kirche zurückgekommen war. Dann war das Plättbrett roeggeräumt sie saß an dem runden Tisch am Fen­ster und blätterte in einem dicken, ledergebundenen Album mit einem goldenen Schloß. Es war ange­füllt mit Bildern, Photographien und vielen bunten Postkarten. Auf der ersten Seite war ein großer schnurrbärtiger Mann abgebildet, dessen Augen kühn in die Ferne blickten. Das'war der Theodor ihrer Ge­schichten. Dann kam sie selbst mit einem ganz jungen Gesicht und einem großen Federhut auf der hohen Frisur. Endlich sie beide, Arm in Arm, starr gerade­aus lächelnd. Dann kam wieder Theodor, als Ulan, hoch zu Roß, als Reservist mit einer langen Pfeife, als Kletterer an einer Felswand und mit einem Fernrohr, auf örei Beinen stand, durch das er auf eine

Stangen sah.Thedor ist Landmesser, mein xiunge, bas mußt du auch einmal werden, das ist em schöner Beruf!" sagte Fräulein Schrader, wenn sie das Bild aufschlug. Dann kamen die vielen bun- ten Postkarten, über die ihre von der Arbeit aus­gebleichten Finger zärtlich liebkosend hinstrichen, nbnlt mir ^kl?rte, was jede einzelne dar- frMnfc nUtlh Postkarten zuende waren,

ft6 Jm A[bumc uni> erhob sich.So mein » jetzt mutzt du gehen, ,-tzt Hube ich einen Bries 3U schreiben nn einen lieben Menschen in der Ferne, ber mid, sehr heb Hut," Ich wußte natürlich daß damit nur Theodor gemeint war.

Meine Besuche bei Fräulein Schrader hörten auf, als ich in die Schule kam und das neue Leben mich ganj und gar ausfullte Zuweilen, Sonntags, ging noch zu ihr von der Mutter mit Plättwäsche rod) '"Er mit dem Album am Fenstertisch, aber sie wußte wohl, daß ich das In­teresse daran verloren hatte und forderte mich nicht auf, an ihrer Sonntagsfreude teilzunehmen Aber so oft ich kam, immer stand das Schreibzeug mit den vorbereiteten Briefbogen auf dem Tisch Viele Jahre spater, als ich die Schule längst verlassen hatte und auf Ferienbesuch nach Hause kam, qina ich wieder einmal zu ihr, um ihr meine Wäsche zu bringen Sie war nun alt und gebeugt, erkannte mich aber mit großer Freude gleich wieder. ,Nein" sagte sie,mein Kind, wie freue ich mich, dich zu sehen! Kannst du mir einen Brief in den Kasten werfen und mir das beschwerliche Treppensteigen ersparen?" Damals war die Erinnerung an die frühen gemeinsamen Sonntage nicht mehr lebendig

in mir, sonst hätte ich gewußt, daß ich einen Brief an Theodor besorgte.

Vor einiger Zeit nun ist Fräulein Schrader, nahezu siebzigjährig, gestorben. Meine Mutter hat sie in den letzten Wochen zu sich ins Haus genom­men, um sie aus der Hilflosigkeit ihres einsamen Krankenlagers zu befreien. Und so kam es, daß nach ihrem Tode ihre wenigen Möbel auf unseren Spei­cher wanderten. Zufällig stieß ich dort auf die Kommode, die ich noch in Erinnerung hatte und schaute nach, was wohl darin sein mochte. Die obe­ren Schubladen enthielten Wäsche und in der un­teren entdeckte ich das ledergebundene Album, oben­auf liegend auf einer Unzahl, teils vergilbter, teils noch frischer Briefumschläge. Die ganze Lade war bis zum Rande damit angefüllt. Es mußten weit über taufend Briefe sein, die in den verschlossenen Umschlägen ruhten. Alle trugen sie in dünnen, ver­schnörkelten Schriftzügen dieselbe Adresse: Herrn Theodor Fechter, Buenos-Aires, Argentinien, post­lagernd. Und alle waren sie, nicht abgeholt, zurück- gekommen.

Tausend Briefe ... und nie eine Antwort für ein einsames Fräulein ...

Der heißeste Ort der Erde.

Die höchsten Temperaturgrade auf der Erde sind bisher in dem kalifornischenTodestal" festgestellt worden. Das zwei bis vierzehn Kilometer breite und 150 Kilometer lange Tal, das mit feiner Lage unter dem Meeresspiegel den tiefsten Punkt der Vereinigten Staaten darstellt, ist slachmuldig und von hohen Bergketten gesäumt: es besitzt in derGreenland Ranch", die man dieBackofen- Farm" nannte, die heißeste Beobachtungsstation der Welt. Hier strahlt von dem stahlblauen Himmel eine uns unvorstellbare Hitze hernieder, die in einer Juniwoche 1914 auf 5 6,7 Grad im Schatten stieg. Selbst aus dem Innern der Sahara sind keine beglaubigten Messungen von solcher Höhe bekannt. Nun haben aber schon früher Reisende auf die Sommertemperaturen in der Wüste Lut im 3ran hingewiesen, in der sie 5 2 Schatten- g r a b im August, in einem anderen Fall im April 47 Grad im Schatten und 9 7 Grad in der Sonne gemessen hatten. Eine genauere Nachprüfung hat Dr. G. Stratil-Sauer auf einer Forschungsreise nach Süd- und Ostiran ver- ucht, da er annahm, daß in dieser Wüste, die noch südlicher und noch tiefer liegt als die Orte der er­wähnten Mesiungen, noch höhere Sommertempera» En zu erwarten sind, und er berichtet in der frankfurter WochenschriftDie Umschau" über seine Beobachtungen. Der erste Sommervorstoß in die

Lut, den Dr. Stratil-Sauer Ende Juni von der Stadt Barn aus unternahm, gelang nicht. Die Reise wurde bei 42 Grad im Schatten angetreten, eine für Iran nicht ungewöhnliche und als erträglich geltende Temperatur, aber die Sonnentemperatu- ren waren so außerordentlich hoch, daß das bis 100 Grad eingeteilte Schwarzkugelthermometer zer­sprang. Je weiter sie in die fast 1000 Meter tiefer liegende Lut vordrangen, um so unerträglicher lastete die Hitze; bei 47 Grad erkrankten sie und konnten sich nur mühsam retten. Erst nachdem die Forscher bet mehreren Lutreisen während des Win­ters genügend Erfahrungen gesammelt hatten, ge- lang ein neuer Sommervorstoß vom Masrabadad aus. Im Sommer liegt die Lut völlig tot, fein Kamel kann das Schreckensland durchqueren, da es wehr Wasser brauchen würde, als es tragen könnte. Nur mit einem deutschen Kraftwagen kannten sie in das Unbekannte vorstoßen. Unter unsäglichen Schwierigkeiten kamen sie bis zu einem Lager, das noch über 500 Meter höher lag als der Tiefftpunkt des Lukbeckens, aber schon dort war die Hitze nur dank der völligen Trockenheit der Luft erträglich. Die Insulation war so stark, daß man sich Brand­blasen zuzog, wenn man barfuß auf die besonnten Steine trat oder mit bloßer Hand Metall berührte. Die außerordentliche Hiße wird der Lut durch die aus dem Westen und Süden wehenden Föhnwinde oom Golf herangetragen, die nach dem Ueberstei- gen der Randketten sich beim Absturz so intensiv erwärmen, daß die Wüste außer der starken Son­nenbestrahlung noch eine Hitzezufuhr erhält, wie sie auf Erden kaum ihresgleichen findet An der Stelle, bis zu der die Forscher vordrangen, wurden 53 Grad im Schatten gemessen. Zur gleichen Zeit muß im Tiefstpunkt der Lut eine Schattentemperatur von etwa 56 Grad zu messen gewesen sein, und im Juli und August, wo die Sommerwärme des Gebietes täglich bis zu ihrem Höhepunkt ansteigt, sind Werte von 60 und mehr Grad im Herzen der Lut zu er­warten. Bis dorthin konnten die Forscher nicht vor- ?£n' ^nn sie mußten sich zur Umkehr ent- schließen. Das kalifornische Todestal beherbergt noch Menschen, Fauna und Flora. Die innere Lut ist dagegen das völlige Nichts. Der Regen, der nur alle Jubeliahre einmal fällt, verdunstet gewöhnlich schon im fallen, so daß man ihn zwar in der Luft sieht am Boden aber nicht spürt. So gibt es in der Ein­öde zur Sommerzeit keinen Halm, fein Getier, nicht einmal eine Fliege, und als nacktes Todesland war­tet sie noch auf den Menschen, der an diesem heiße- ften Ort auf der Erde als erster im Hochsommer eine Schattentemperatur von über 60 Grad messen wird. d