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Nr. 145 Erstes vlatt

187. Jahrgang

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Wie sieht es in der Wirtschafl aus.

In der letzten Zeit ist von berufener Seite wieder­holt betont worden, eine wie große Bedeutung der sachgemäßen fachlichen Ausbildung un­seres Nachwuchses zukomme. Es ist hierbei besonders der Notwendigkeit gedacht worden, dem deutschen Volke die technische Ueberlegenheit, die es vor anderen Nationen voraus hat, zu erhalten. Im Zeichen des Facharbeitermangels und der Erweite­rung der heimischen Rohstoffbasis bedarf es nicht vieler Worie, um die Bedeutung eines hohen Stan­des des technischen Könnens auch in der Arbeiter­schaft für die gesamte Volkswirtschaft zu erläutern. Die Notwendigkeit gründlichen Fachkönnens be­schränkt sich aber nicht auf Werkstatt und Labora­torium, sie ist im Kontor, im Büro und in der Ver­kaufsstelle ebenso unentbehrlich. Denn Deutschland braucht, um die vielen wirtschaftlichen Aufgaben zu lösen, die sich aus dem Kampfe um die Erhaltung seines nationalen Lebensrechles ergeben, auch hier einen Nachwuchs, der ein Höchstmaß kaufmännischer Fähigkeiten besitzt. Es braucht nicht vieler Worte, um beispielsweise die Notwendigkeit gediegener Sprachschulung für den Außenhandelskaufmann oder die Bedeutung gründlicher Warenkenntnis für den Einzelhändler zu begründen. Gleiches gilt auch für die fachliche Schulung des B a n k - Na.chwuchses im Hinblick auf die außerordentlich große Bedeutung, die ein gut funktionierendes Bank­wesen für die nationale Gejamtwirtschaft hat. Die Vielfältigkeit des Tuns und Schaffens eines moder­nen Bankbetriebes und feine enge Verflechtung mit allen Teilen der Volkswirtschaft erfordert Kenntnisse ganz besonderer Art.

Die Tätigkeit des Bankkaufmanns beschränkt sich nicht nur auf die Ausfüllung von Ueberweisungs- formularen und das Verbuchen von Ein- und Aus­zahlungen. Bereits die Bearbeitung des Kreditge­schäftes fetzt nicht nur eine Beherrschung der ver­schiedenen Kreditformen, sondern überdies auch eine wirkliche Vertrautheit mit der allgemeinen Wirt­schaftslage, ferner einen sicheren Blick für die beson­deren Verhältnisse des einzelnen Kreditnehmers vor­aus, die u. a. auch dafür maßgebend find, in welcher der vielfältigen Formen (Wechselkredit, Barkredit, Lombardkredit usw.) der Kredit im einzelnen Falle zweckmäßigerweise gewährt wird. Es ist hier nicht der Ort, alle gegebenen Möglichkeiten des Kredit­geschäftes aufzuzählen, betont sei nur, daß jedes Kreditgeschäft neben seiner buch- und formaltech­nischen Seite vor allem die Kunst des Bankleiters voraussetzt, zweckentsprechend, d. h. gemäß den ihm durch die Bedürfnisse der Gesamtwirtschaft gestellten Aufgaben über die verfügbaren Geldmittel zu dis­ponieren.

Ein anderes Tätigkeitsfeld eröffnet sich, wenn wir jetzt einen Augenblick beim Außenhandel verweilen. Die Aufrechterhaltung einer Rohstoffzufuhr zu marktgerechten Preisen setzt das Bestehen von Bank­einrichtungen voraus, die die sehr komplizierten For­men des Dokumenten- und Rembourskreditgeschäfts sicher beherrschen. Der Außenhandelskaufmann muß sich darauf verlassen können, daß seine Bank die ihr erteilten Aufträge so ausführt, daß das Ansehen der deutschen Kaufmannschaft im Auslande voll gewahrt bleibt. Die Tätigkeit der Bank im Dienst der Wirt­schaft beschränkt sich jedoch nicht auf die vorerwähn­ten Hilfsleistungen. Wir finden andere Formen bank­mäßiger Hilfe für die Erzeugung sowie für die Be­wegung von Waren und Werten an der Börse, bei der Anlage und Verwaltung größerer und mittlerer Vermögen, bei der Durchführung des Reiseverkehrs von und nach dem Auslande. Alle die verschiedenen Formen der Verrechnung, Verbuchung, alle die Rechts- und Verwaltungsausgaben, die bei jedem dieser Geschäfte in allen ihren Unterarten verbunden sind, lassen sich hier im einzelnen nicht aufzählen. Im übrigen ist es gerade der Sinn fachgemäßer Vankarbeit, dem Fabrikanten, dem Kaufmann, dem Reisenden,' dem privaten Vermögensbesitzer diese vielen Einzelsorgen abzunehmen, ihm das Gefühl zu geben, daßfeine Bank" schon wissen wird, was zu tun ist. Nur so ist es möglich, daß Kaufleute und Fabrikanten sich auf ihre eigenen Aufgaben spe­zialisieren.

Hier sollte nur eine Andeutung des Umfanges des Fachwissens gegeben werden, dessen Be­herrschung zur reibungslosen Abwicklung eines Bankbetriebes notwendig ist. Im Kampf um die Er­haltung des deutschen Fachkönnens steht die Erhal­tung eines hochqualifizierten Banknachwuchses mit an allererster Stelle. Es gibt kaum eine Form der Warenbewegung, sei es im Inland-, fei es im Aus- landverkehr, dem nicht eine besondere Art bankmäßi­ger Zahlungserledigung entspricht, so daß sich im Alltag eines Bankbetriebes der Alltag der weitver­zweigten, auf vielseitigster Facharbeit beruhenden deutschen Volkswirtschaft weitgehend widerspiegelt.

* X

Die Bauwirtschaft gehörte zu den deutschen Wirt­schaftszweigen, die in den letzten Jahren, nicht zuletzt durch die Unterstützung des Reiches, eine un­gewöhnlich gute Konjunktur zu verzeichnen hatte. Die Bautätigkeit, die schon 1936 den Stand der Jahre 1928/29 überschritt, nahm im Verlauf des Jahres 1937 noch weiter zu. Wenn auch d e r W o Y- nungsbau hinter die vordringlicheren öffent­lichen Bauten zurücktreten mußte, wird ihm doch größte Aufmerksamkeit geschenkt. Schon aus der Erkenntnis heraus, daß gesunde Wohnungen die Voraussetzung für eine gesunde Bevolkerungs- politik sind. Wieviel auf diesem Gebiet noch ge­bessert werden muß, beweist die Tatsache, daß zur Zeit bei uns, und namentlich in den großen Staa­ten, die kinderfeindlichen Kleinwohnungen immer noch viel zu häufig sind. Von dem in Den deutschen Großstädten vorhandenen Wohnungsbe­stand in Höhe von etwas über sechs Millionen wa­ren 50,5 v. H., nämlich etwas über drei Millionen

Oie Frontsoldaten weisen den Weg zu einem wahren und ehrenvollen Frieden.

Neichskriegsopserführer Oberlindober auf der pariser Tagung des Comite France-Allemagne

Paris, 24. Juni. (DNB.) Der zweite Tag des vom Comite France - Allemagne veranstalteten deutsch-französischen Gedankenaustausches war zu­erst sozialen und wirtschaftlichen Fragen gewidmet. Hauptamtsleiter Selzner gab einen Ueberblick üöer Aufbau und Inhalt der Deutschen Arbeitsfront. Ein Vertreter des verhinderten Präsidenten des Verbandes für wirtschaftliche Ausdehnung, Fou- g e r e, trug dessen Gedanken über die Belebung der deutsch-französischen wirtschaftlichen Zusammen­arbeit und Steigerung des deutsch-französischen Han­dels vor.

Dann ergriffen die Vertreter der Front­kämpfer das Wort zu dem Thema des Friedens. Reichskriegsopferführer Oberlindober betonte, der Ausgangspunkt unserer Gedanken werde stets der g r e Krieg sein, die Zeit, in der an die Stelle der Politiker und der Diplomaten der Sol- d a t trat, der tapfer, klar in feinen Entscheidungen, rasch in seiner Tat, heroisch in seiner Pflichterfül­lung und versöhnlich nach seinem Siege ist.

Wir Frontsoldaten flehen heule m i l k e n im Leben unserer Völker. Unser Ein- sah im Kriege und unser Ansehen im Volke legt uns die Pflicht auf, in der Oeffentlichkeil mitzureden über Krieg und Frie­den. Wir Frontsoldaten lieben den Frie­den, weil wir den Krieg kennen­gelernt haben. Wir bekennen uns zu einem Frieden, der für beide Stationen gleich ehrenvoll ist. Wir deutschen Frontsoldaten ver­stehen unter Frieden nicht einen einseitigen Vertrag, der neue Streitfragen beschwört, son­dern einen Zustand gegenseitiger Achtung und wechselseitigen Vertrauens.

Wir haben uns zu unserem Volke stets bekannt in guten und in bitteren Zeiten, zu seinen Vorzügen und zu seinen Schwächen! Deshalb sehen wir auch das französische Volk mit ganz anderen Augen an als mancher Journalist und Wirtschaftsführer. Wir werden niemals grenzenlos bewundern, aber auch nie hemmungslos kritisieren. Denn wir sehen in der französischen Nation die Wiege der Männer, deren Tapferkeit und Pflichterfüllung im anderen Graben unsere Achtung geweckt hat. In dieser Ach­tung, die eine gegenseitige ist, haben wir uns mit den französischen Frontkämpfern zur Zusammen­arbeit^ gefunden.

Unö' nun bitte ich Sie, als Frontkämpfer sich ein­mal zu überzeugen, wie wenig Streit­punkte zwischen unseren beiden Völkern eigent­lich noch bestehen! Das deutsche Volk, das seine Freiheit und seine Ehre nicht niedriger einschätzt als das französische, hat seinen Zusammenbruch und seine Demütigung überwunden. Sein Führer Adolf Hitler hat aus freien Stücken feierlich erklärt, daß nach der Saarabstimmung zwischen Frankreich und Deutschland territoriale Streitfragen nicht mehr bestehen!

Ich kenne nun Franzosen, die an der Ehrlich­keit dieser Erklärungen glauben zweifeln zu müssen! Ich sage ihnen, Adolf Hitler ist Frontsoldat, er hat dem deutschen Volke gegenüber in größter Ehrlichkeit und Offenheit gehandelt, die große deutsche Ra­tion schenkt ihm ihr uneingeschränktes Ver­trauen! Sie haben keinen Grund, dem Führer und Kanzler zu mißtrauen. Denken Sie groß vom deutschen Volk und vom Deutschen Kanzler, dessen großes Denken sich in seiner Erklärung über Elsaß-Lothringen offenbart!

Man hat auf die Unterschiede in d e r Staats form als Hindernis für eine Verständi­gung hingewiesen. Wenn sich ein Volk zu 99 v. H.

zu seiner Nation und seinem Führer bekennt, dann ist der Rest, der solchen Entscheidungen widerstrebt und die Verwirklichung seiner AnsichtDemokratie" nennt, nie wahrhaft demokratisch gewe­sen. Eine Nachbarnation, die sich stets jtolz zu ihrer demokratischen Grundauffassung bekannt hat, muß also aus ihrer demokratischen Stellung heraus die vom Nachbarvolk zu 99 v. H. bejahte Staats­form als fe ft ft eh ende Tatsache hin­nehmen.

Ein Volk, das in seiner wiedergewonnenen Frei­heit und Ehre so stolz auf feine Lebensauffassung geworden ist wie das deutsche, ist stets bereit, die Staats- und Lebensformen feines Nachbarn zu respektieren. Es wird sich aber jede Ein­mischung in seine inneren, eigenen Angelegenheiten ebenso verbitten, wie es nicht daran denkt, sich in die innere Politik seines Nachbarvolkes einzu­mischen. Wir deutschen Frontkämpfer sind der An­sicht, daß man sich znn ä ch st kennenlernen muß, denn im Sichkennenlernen liegt schon der Beginn des Verstehens, im Sichverstehen der An­fang der Kameradschaft. Wenn wir als starke Nachbarn Freunde sind, dann sind wir stark genug, um gemeinsam die größten Aufgaben Europas zu lösen.

Unsere Jugend erwartet das von uns!

Sie sieht voll heiliger Ehrfurcht vor den Grä­bern der toten Soldaten des großen Krieges und erwartet von den Ueberlebenden die Ge­staltung einer besseren und schöneren Zukunft. Unsere Kulturen haben sich in friedlichem Wett­bewerb zu immer erhabeneren Leistungen ge­steigert. Diese großen Schöpfungen der Ver­gangenheit, die uns gemeinsam gehören, können eine tragfähige Brücke fein über die Schützengräben des großen Krieges zu einer Zukunft froher und friedlicher Nachbarschaft. Europa ist zu klein geworden für einen neuen

Krieg, aber groß genug für die vertrauensvolle Zusammenarbeit unserer beiden starken Völker. Für zwei Völker, die in einem Jahrtausend den höchsten Waffenruhm an ihre Fahnen ge­heftet haben, ist der Weg zum Frieden eine neue hohe Ehre. Heber Gräber vorwärts zum wahren und ehrenvollen Frieden zwischen der französischen und der deutschen Nation!

Der Präsident des Nationaloerbandes der Front­kämpfer (UNC.) und Abgeordnete G o y sowie der Präsident der Union Föderale Pi chot bekräftigten die dringende Notwendigkeit und Möglichkeit der deutsch-französischen Verständigung. Goy legte die Betonung auf die moralische Abrüstung, während Pichot auf die Fragen der politischen Verständigung im einzelnen einging. Der Tagungsleiter Bon- v o i s o n faßte die Ausführungen zusammen, indem er aufzeigte, daß die bisherigen Ergebnisse der Zu­sammenarbeit die Hoffnung auf Erreichung des anzustrebenden Zieles rechtfertigen.

Der Wille zur Verständigung.

London, 24. Juni. DerEvening Standard" meldet aus Dorcester, daß die dortige Ortsgruppe der British Legion sechs ehemaligeren t- s ch e Kriegsgefangene, die während des Krieges im Gefangenenlager von Dorcester mit 1200 anderen Gefangenen lagen, ein geladen habe. Die deutschen Soldaten werden bei ehema­ligen britischen Soldaten wohnen, tue während des Krieges den Wachdienst im Ge­fangenenlager durchführten. Unter den Gastgebern befindet sich auch der jetzige Vorsitzender der Orts­gruppe Dorcester der British Legion, der erklärte, die Einladung an die deutschen ehemaligen Kriegs­gefangenen erfolge im Interesse eine Festigung des guten Willens zwischen England und Deutschland.Wir sind", sagt er,sehr stolz darauf, unsere deutschen Freunde bei uns zu Gast zu haben."

Die post im Dienst des Gedonkenausiauschs der Völker.

Keichspostminister Ohnesorge auf einem Empfang des Außenpolitischen Amts.

Berlin, 24. Juni. (DNB.) Das Außenpolitische Amt der NSDAP, hatte für feinen Empfangsabend den Lichthof des Reichspostmuseums gewählt. Po­stillone in historischer Tracht vermittelten den Gästen schon am Eingang den besonderen Charakter dieses Abends. Der Leiter des Außenpolitischen Amtes, Reichsleiter Rosenberg, hieß seine Gäste herz­lich willkommen. Dann nahm Reichspostminister Ohnesorge das Wort. Der Minister legte nach einem Rückblick auf die Geschichte des Nachrichten­wesens, die durch die Einführung des Penny-Porto- systems durch den Engländer Roland Hill und die auf Stephans Initiative zurückzuführende Grün­dung des Weltpostvereins einen ungeheuren Auf­schwung bekommen habe, dar, daß man das Nach­richtenwesen keineswegs als einen Zweig der Wirt­schaft betrachten könne, weil seine Aufgabe nicht darin bestehe, einen möglichst hohen Gewinn zu erzielen, sondern der Gesamtheit ein gut funktio­nierendes Nachrichteninstrument gegen möglichst niedrige Tarife zur Verfügung zu stellen. Die Lei­stungen der Reichspost hätten ihren Anlaß nicht nur im geschäftlichen Leben der Nation, sondern sie dien­ten auch zur Erfüllung politischer, geistiger, sozia­ler, kultureller und privater Aufgaben. Die Reichs­post unterstützt mit allen Mitteln und Kräften jede

neue Schöpfung der Nachrichtentechnik, zur Zeit im besonderen die neueste des Fernsehens. Wir dürfen den Erfahrungen bei der Telegraphie, beim Fern­sprecher, beim Funk als Erkenntnis die Gewißheit entnehmen, daß das Fernsehen die gleiche über­raschende, große Entwicklung nehmen wird. Völker werden sich in ihrem Leben beobachten können, und bas lebendige Bild wird zum Guten über all die Grenzen wirken, die bisher dem Wort durch die verschiedenen Sprachen verriegelt waren. Die Reichs­post hat immer ihre Aufgabe darin gesehen, dem Gedankenaustausch innerhalb der Volksgemeinschaft und von Volk zu Volk die neuesten und besten tech­nischen Einrichtungen zu bieten. Es gilt nicht, wirt­schaftliche Erfolge zu erzielen, sondern durch beste Nachrichtenübermittlung die Kultur und das Ver­ständnis der am Gedankenaustausch teilnehmenden Menschen und Völker für einander, für den Frieden und den Fortschritt zu erhalten, zu festigen und zu fördern.

Die Ausführungen des Ministers begegneten größtem Interesse. Der Reichspostminister führte den Gästen anschließend die modern st en Fern­sehapparaturen vor, woran sich künstlerische Darbietungen, mustergültig durch den Rundfunk übertragen, anschlossen.

Kleinwohnungen. Die Hälfte aller Großstadtwoh­nungen umfaßt also nur eins bis drei Zimmer und zwar einschließlich Küche. Auch in den Mittelstädten ist der Prozentsatz der Kleinwohnungen mit 46,5 o. H. immer noch recht beträchtlich. Unter den Groß­städten liegt wiederum die Reichshauptstadt mit 67,2 v. H. Kleinwohnungen ganz erheblich über dem Reichsdurchschnitt, was den Anteil der Kleinwoh­nungen anbetrifft. Den Rekord hält jedoch bei den Großstädten die oberschlesische Industriestadt Hin­denburg mit 82,1 v. H. Kleinwohnungen. Braun­schweig, Münster, Stuttgart und Hannover gehören dagegen zu den glücklichen Städten, in denen eine günstige Entwicklung und eine wirtschaftlich kräf­tigere Bevölkerung den Anteil der Kleinwohnungen beträchtlich unter" dem Reichsdurchschnitt gehalten hat.

Wie groß allgemein der Wohnungsmangel heute bei uns in Deutschland noch ist, spricht sich auch in der Tatsache des sinkenden Prozentsatzes leerer Wohnungen aus. Während man im Frieden mit einem Leerstand von 3 bis 4 v. H. der Gesamt­wohnungszahl als einem Normalzustand rechnete, kommt man heute in Deutschland und übrigens auch im Auslande auf bedeutend niedrigere Ziffern. So ist z. B. am 16. Juni 1933 ein Reichsdurchschnitt von 1,3 v. H. berechnet worden, eine Zahl, die in der Zwischenzeit noch weiter zurückgegangen ist. Mit Rücksicht auf den bestehenden Wohnungsman­

gel mag die Höhe der Zahl der Leerwahnungen auf den ersten Blick überraschen. Genaue Untersuchun­gen ergaben, daß bas Leerstehen in der Haupt­sache darauf beruht, daß die Wohnungen durch langes Ungenutztsein im allgemeinen verfallen und reparaturbedürftig sind. Auffällig ist die Tatsache, daß in vielen Fallen die verfallenen Wohnungen in Häusern liegen, die von ausländischen Juden er­worben und ausschließlich als Ausbeutungsobjekt behandelt worden sind. Soweit Großwohnungen leer stehen, ist der hohe Preis die Ursache. Von fachmännischer Seite wird darauf hingewiesen, daß eine geregelte Wohnungswirtschaft am ehesten mit einem Wohnungsmarkt denkbar ist, der einen ge­wissen Prozentsatz Leerwohnungen aufweist, so wie es Jahre hindurch vor dem Krieg der Fall war. Ein gewisser Leerstand sei erforderlich, um die Qualität der Wohnungen durch Wettbewerb hoch­zuhalten und gründliche Instandsetzungen und Ver­besserungen zu ermöglichen.

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An der Grenze Deutschlands darf kein wirt­schaftliches Niemandsland entstehen. Das wirtschaftliche und kulturelle Leben muß gerade an der Grenze ganz besonders stark pulsieren." So äußerte Ministerpräsident Köhler, der Beauf­tragte für Rohstoffverteilung, bei der Gründungs- sihung des Grenzwirtschaftsausschusses in Karls­ruhe. Dieser Ausschuß, der im Einvernehmen mit

dem Reichs- und preußischen Wirtschaftsminister bei der Reichswirtschaftskammer gebildet wurde, hat die Aufgabe, den besonderen Verhältnissen der deutschen Grenzlande und den sich daraus er­gebenden vordringlichen Aufgaben fein besonderes Augenmerk zu schenken. Wie wichtig die Betreuung und Stärkung der deutschen Grenzlande ist, geht daraus hervor, daß die Wirtschaftsbesserung der letzten vier Jahr dort weit unter dem Reichs- durchschnitt liegt. Die Arbeitslosigkeit ist dort heute immer noch größer als im übrigen Reich und ebenso die Abwanderung der Facharbeiter. Aus den über­wiegend agrarisch eingestellten Grenzprovinzen Grenzmark und D ft pommern, die bereits in den Jahren 1925 bis 1933 durch Abwanderung 455 000 Menschen oder rund 1,7 v. H. der Bevölke­rung von 1925 verloren hatten, hielt auch in den folgenden Jahren die Flucht vom flachen Lande weiter an. Ebenso ist die Abwanderung aus den vorwiegend industriell eingestellten Grenzlanden Oberschlesien, Sachsen, Rheinland und Saargebiet ungewöhnlich stark gewesen. Hier waren es namentlich d i e Facharbeiter, die die Grenzgebiete verließen. Für die Industrie­arbeiter der Grenzgebiete sind in den letzten Jahren weitere Schwierigkeiten dadurch entstanden, daß zahlreiche Industrien, namentlich die, die in irgend­einem Zusammenhang zur Wehrwirtschaft stehen, aus staatspolitischen Rücksichten ins Innere des