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von Staat zu Staat hat bereits so reiche Früchte getragen, daß in Wirklichkeit keiner der mittleren und ZI einer en Staaten Europas noch Sehnsucht nach der Genfer Kollektioitätssuppe hat. Gerade die so- ge nanntenneutralen" Länder haben längst er­kannt, daß sie im alten Genfer System nur als Vorspann für irgendwelche fremden Großmacht­interessen dienten. Wenn dem so ist und wenn die Brüchigkeit des Bundes selbst von seinem Schutz­herrn erkannt wird, dann muß man sich nur wun­dern, daß bei allen internationalen Verhandlungen noch immer die Unterordnung unter die Genfer Satzung als dem allein seligmachenden Friedens­prinzip gefordert wird. Die Idee des Völkerbundes würde sicherlich höher im Kurse stehen, wenn sie aufrichtigere Diener hätte. Ev.

Oie Genfer Ratssitzung.

Genf, 25. Mai. (DNB.) Der Volke rbunds- rat trat Dienstagnachmittag zur ersten öffentlichen Sitzung seiner gegenwärtigen Tagung zusammen. Der Ratspräsident widmete dem verstorbenen frü­heren englischen Außenminister Sir Austen Cham­berlain einen Nachruf. Hierauf wurden Berichte über technische Fragen angenommen. In der voran­gegangenen nichtöffentlichen Sitzung hatte sich der Rat mit der Sandschak-Frage beschäftigt. Dabei stellte es sich heraus, daß diese Frage zur öffentlichen Beschlußfassung noch nicht reif ist.

General Franco hat in einer Note an den Generalsekretär des Völkerbundes unter Hinweis auf die vollkommen gesetzlosen Zu stände im Gebiet der spanischen Bolschewi­sten und die zahllosen von dem Valencia-Aus­schuß begangenen oder geduldeten Verbrechen gegen die Zulassung eines Vertreters des Valencia- Ausschusses zur Tagung des Völkerbundsrates Einspruch erhoben.

Der britische Reichsverteidigungsausschuß

Keine Illusionen mehr über Genf.

London, 26. Mai. (DNB. Funkspruch.) Der Be­schluß der britischen Reichskonferenz, einen ständi­gen Ausschuß in London einzusetzen, der sämt­liche Fragen der R ü st u n g e n und der Vertei­digung des Weltreiches auf einen Generalnenner bringen soll, hat in der Londoner Presse größte Be­achtung gefunden.Morning Post" schreibt, ver­schiedene Vertreter der englischen Dominien seien nach London gekommen in dem Glauben, die Völ­kerbundssatzungen könnten noch als Grund­lage für eine gemeinsame Politik innerhalb des eng­lischen Weltreiches benutzt werden. Edens Bericht hat den Vertretern aber jegliche Illusion über den Völkerbund genommen. Die Erfahrungen, die die britische Regierung wäh­rend des abessinischen Krieges gesam­melt hat, seien weitaus vernichtender gewesen für den Völkerbund, als alles das, was bisher veröffent­licht worden sei. Daraufhin hätten die Vertreter der Reichskonferenz jetzt eine andere Auffassung von derkollektiven Sicherheit" als früher.Daily Telegraph" meint, der neue Em­pire-Verteidigungsausschuß, der sobald wie möglich zusammentreten solle, werde sich zu beschäftigen haben: 1. mit dem Bau von Rüstungswer­ken in den Dominien, die gegen Luftan­griffe zu schützen seien, 2. mit der Ausarbeitung eines Systems, auf Grund dessen die gesamte Rüstungsindustrie des Weltreiches sich gegenseitig ersetzen und ergänzen könne. DieNews Chronicle" unterstreicht, daß Irlands Fehlen bei den Beratungen der Reichskonferenz und gerade bei den Besprechungen über die Reichsoerteidigung nicht geringe Störungen hervorgerufen hat.

Kleine politische Nachrichten.

Mit Kolumbien ist ein neues Handels­abkommen abgeschlossen worden, durch das Ko­lumbien in devisentechnischer Beziehung die gleiche Regelung erhält, wie sie für die meisten südame­rikanischen Staaten vereinbart ist. Durch die Ein­beziehung von wichtigen Rohstoffen, insbesondere von Häuten, in die Verrechnung werden für Ko­lumbien neue Ausfuhrmöglichkeiten nach Deutschland eröffnet.

Oer alte Mann am Murray.

Von Heinrich Hauser.

Immer flacher wurden die Ufer, immer breiter der Strom.Snags, verdorrte, weggeschwemmte Bäume trieben in großer Zahl; ich umschiffte sie in weitem Abstand, denn sie strecken ihre Zweige unter Wasser, und ich wollte keinen Schraubenbruch riskieren. Menschliche Siedlungen erkannte man fast nur an den Zäunen, die in weiten Abständen quer über Land bis in den Fluß hineingeführt waren. Pferde nahmen eine Dusche, mit den Hufen Wasser schlagend, daß es ihnen über Bauch und Rücken spritzte.

Vier seltsame kleine Hügel, Strohmieten ähnlich, fesselten schon seit einer Weile meinen Blick. Jetzt sah ich Menschen, die da anscheinend ein- und aus­krochen, Menschen mit schwarzen Gesichtern und schwarzen Händen; am Ufer stieg ein dünner Rauch- saden auf: ich war in ein Eingeborenenlager ge­stoßen! Ein paar Kinder liefen an den Strand und winkten dem knatternden Silberfisch zu. Aber ich fuhr vorbei zunächst.

Es mußte in aller Eile ein Schlachtplan gemacht werden. Hätte ich unmittelbar angelegt mit lausen­dem Motor und großem Aufsehen, es hätte sicher einen Volksauflauf gegeben; sie hätten alle dage­standen wie auf Postkärtenbildern, und das war nicht das, was ich wollte.

Ich fuhr dis der Strom eine Biegung machte, die Deckung bot, dann stellte ich den Motor ab, setzte mich hoch, so daß mein Rücken als Segel diente, und ließ mich langsam van dem Wind zurücktreiben. Ich landete etwa hundert Meter vom Lager, watete an Land mit der Kamera, setzte mich ans Ufer und wartete in Ruhe auf die Entwicklung der Dinge.

Als erster kam ein alter Mann. Im Schatten unter dem alten Schlapphut war sein Gesicht so schwarz, daß die Züge nicht zu unterscheiden waren, aber sein Bart schimmerte silberweiß. Er mußte sehr alt fein, denn erst im hohen Alter bekommen diese Eingeborenen weißes Haar.

Er hatte eine Pfeife im Mund und setzte sie mit einem Stückchen glimmendem Holz in Brand, das er in der hohlen Hand getragen hatte.

Er ließ sich neben mir nieder. Ich ließ mir Feuer

Deutsche Forschung im Dienst derRohstoffversorgun g

Eröffnungssitzung des Reichsforschungsrats in Anwesenheit des Führers.

Berlin, 25. Mai. (DNB.) Im Festsaal des Neichsministeriums für Erziehung, Wissenschaft und Volksbildung fand die Eröffnungssitzung des Reichsforschungsrates statt. Die Bedeu­tung der Arbeit dieser neugeschaffenen Institution, zu deren vordringlichsten Aufgaben der geschlossene Einsatz der deutschen Forschung zum restlosen Ge­lingen des Vierjahresplanes gehört, wurde durch die Teilnahme des Führers und Reichs- kanzlers an der Eröffnungssitzung unterstrichen. Weiter sah man Ministerpräsident Generaloberst Göring, die Reichsminister Graf Schwerin von Krosigk und Frank, den stellvertretenden Präsidenten des Neichsforschungsrates, Staats­minister Dr. Wacker, den Leiter des Amtes für Roh- und Werkstoffe, Oberst Loeb, sowie zahl­reiche Persönlichkeiten des wissenschaftlichen und wirtschaftlichen Lebens, unter ihnen die Rektoren der deutschen Hochschulen.

Reichsminister Rust

führte u. a. aus: Der Reichsforschungsrat tritt in einem Augenblick ins Leben, in dem das deutsche Volk sich anschickt, in einer unerhörten Anspannung aller seiner Kräfte sich die Grundlagen seines natür­lichen Daseins unabhängig von seiner Umwelt zu erobern. Unsere Losung heißt, durch den Einsatz der geistigen und seelischen Kräfte des ganzen Volkes die physischen Kräfte unseres Landes zur höchsten Leistung steigern. Was das Schicksal unserem Volk an Schätzen des Bodens versagt hat, das soll ihm durch die gemeinsame Anstrengung der Herzen und Hirne abgerungen werden. Der nationalsozialistische Aufbruch hat die Wissenschaft dorthin gerufen, wo die Entscheidungsschlacht geschlagen wird. Das deut­sche Volk verlangt nicht nach einer Wissenschaft, die nur nachredet, was die politische Führung für rich­tig erkannt hat, so wie sich etwa die Herrschaft des Liberalismus eine Wirtschaftswissenschaft hielt, die zu verkünden hatte, daß Freihandel und Weltwirt­schaft der Weisheit letzter Schluß seien; das hieße wirklich Ergebnisse der Wissenschaft vorwegnehmen und ihr damit ihr Hoheitsrecht nehmen. Wenn da­

gegen der nationalsozialistische Staat heute die deut­sche Wissenschaft aufruft zum Einsatz für den Vier­jahresplan, so doch wahrhaftig nicht, weil er die Ergebnisse der Wissenschaft vorwegnimmt, denn ge­rade diese, die uns von der Natur versagten Stoffe, soll ja die Wissenschaft erst liefern. Eine solche Auf­gabe aber kann nur eine freie Wissen­schaft lösen. Unfrei ist die Wissenschaft, wenn ihre Ergebnisse von einer außerwissenschaftlichen Macht vorgeschrieben werden, frei aber, wenn sie souve­rän die Probleme meistert, die das Le­ben ihr (teilt. Gerade 'weil wir die Eigengesetz­lichkeit erkennen und respektieren, können wir uns in der Wahl der Gegensätze unseres Forschens be­stimmen lassen von den politischen und völkischen Notwendigkeiten des geschichtlichen Augenblicks. Der deutsche Gelehrte und Forscher wird seine Kräfte ebenso an den großen Aufgaben entfalten können, die der Staat ihm stellt, wie der Künstler zur vol­len Entwicklung seiner Fähigkeiten des ihm vom Leben gestellten Auftrages bedarf. Mit der Grün­dung des Reichsforschungsrates wird nicht ein neues Prinzip des wissenschaftlichen Verfahrens ein- geführt, weithin brauchen die einzelnen Wissenschaf­ten die Richtung ihrer bisherigen Arbeit nicht zu ändern. Neu aber ist der geschlossene und planmäßige Einsatz der technischen und Na­turwissenschaften für die Selbstermächtigung der deutschen Wirtschaft.

Bleiben Sie", rief Reichsminister Rust abschlie­ßend den versammelten Gelehrten zu,auch als Forscher und Lehrer dessen eingedenk, daß diese Aufgabe eine Erziehungsaufgabe ist. Denn der wahre und letzte Nationalreichtum eines Volkes besteht nicht in feinem Besitz an materiellen Schätzen, sondern in der Energie und Lei­denschaft des nationalen Willens. Ihnen fällt nicht nur die Aufgabe zu, bestimmte Stoffe, deren die deutsche Wirtschaft bedarf, in Ihren Laboratorien zu erzeugen, sondern in dieser Arbeit zugleich ein junges Geschlecht deutscher Forscher zu erziehen, die bereit und fähig sind zur letzten Anspannung des Willens und Gei­stes."

Aufbau und Ausgaben des Reichssorschungsrats

Der Präsident des Reichssorschungsrates, General der Artillerie Vecker, nahm dann das Wort, um die Leiter der einzelnen Fachgliederungen des Reichsforschungsrates auf ihr Amt zu verpflichten. Er führte u. a. aus: Wieder­holt ging in den letzten Jahren vor 1933 von den technisch-wissenschaftlichen Verbänden der Ruf Forschung tut not" ins deutsche Land,hin­aus. Es war ein Notschrei, bestimmt, das öffentliche Gewissen aufzurütteln und Staat, Gemeinden und Industrie zu veranlassen, trotz des wirtschaftlichen Tiefstandes reichliche Mittel zur Förderung der wissenschaftlichen und technischen Forschung bereit­zustellen. Zweifellos war die Not, wenn man von einigen wenigen Forschungsinstituten großer Jn- dustriekonzerne absieht, sowohl was die Mittel als auch was die personelle Ausstattung anlangt, an den meisten Forschungsstellen bis zum Jahre 1933 eine sehr große. Anders stellt sich aber die Lage in der Vergangenheit dar, wenn man die reine Zahl der vorhandenen Forschungsinstitute berücksichtigt. So wurden von meiner Forschungs­abteilung z. B. für die Gebiete Physik und Chemie allein über 200 Forschungsinstitute größeren und kleineren Umfangs gezählt. So war es auf vielen Teilgebieten der Forschung kaum möglich, daß eine einzelne staatliche Stelle einen zuverlässigen Ueber- blick über den jeweiligen Stand der Forschung, über die Ausstattung mit Forschern und deren Eignung gewann. Aus den gleichen Gründen war es auch für die Notgemeinschaft der deutschen Wis­senschaften, die jetzige Forschungsgemein­schaft, an die sich die einzelnen Forscher mit ihren Anträgen um Unterstützung ihrer Vorhaben wen­

deten, außerordentlich schwierig, Entscheidungen zu treffen. Konnte sie doch vielfach kaum feststellen, ob nicht das gleiche Vorhaben an einer oder an mehreren Stellen bereits in Angriff genommen war.

Im neugegründeten Reichsforschungsrat sind für eine Reihe wichtiger Teilgebiete der For­schung hervorragende Vertreter der betreffenden Fachwissenschaften zur Mitarbeit gewonnen. Die Leiter der Fachgliederungen bearbeiten die Planung und die Mittelverteilung. Diese ihre Tätigkeit ist zwar zunächst entsprechend dem Gründungserlaß auf die dem Reichs- und Preußischen Minister für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung unter­stehenden, sich mit Forschung befassenden Stellen beschränkt. Sie müssen aber auch in die Lage ver­setzt werden, Einblick in die wichtigsten Forschungs­arbeiten ihrer Fachgebiete an allen Forschungs- stellen des Staates und der Industrie zu gewinnen. Ich hoffe, daß die Leiter zu den anerkanntesten Ver­tretern ihres Faches gehören, im Wege der frei­willigen Vereinbarung viel erreichen läßt. Ich gebe die bisher gebildeten Fachgliederungen und die Namen ihrer Leiter bekannt:

1. Physik (einschließlich Mathematik, Astro­nomie und Meteorologie), Staatsrat Prof. Dr. E s a u , Direktor der Physikalisch-Technischen An­stalt der Universität Jena.

2. Chemie und physikalische Chemie. Mit der Leitung dieser Fachgliederung hat der Herr Minister vorläufig mich selbst betraut.

3. Treibstoffe. Prof Dr.-Jng. A. W. Schmidt, Rektor der Universität München, Direktor des Insti­tuts für chemische Technologie und des Versuchs­laboratoriums für Mineralöle.

4. Organische Werkstoffe (Kunststoffe, Kautschuk, Textilien, Fette, Zellstoff), Prof. Dr. Peter

Thiessen, Direktor des Kaiser-Wilhelm-Jnstituts für physikalische Chemie und Elektrochemie, Berlin.

5. Nichteisenmetalle, Prof. Dr. W. Koe­ster, Direktor des Kaiser-Wilhelm-Jnstituts für angewandte Metallkunde, Stuttgart.

6. Bodenkunde (Mineralogie, Geologie, Geo­physik), Prof. Dr. Karl Beurlen, Direktor des Geologisch-Paläontologischen Instituts der Univer­sität Kiel.

7. Landbauwissenschaft und allgemeine Biologie (Zoologie und Botanik), Prof. Dr. Konrad Meyer, Leiter des Forschungsdienstes des Reichs­nährstandes, Direktor des Institutes für Ackerbau und Landbaupolitik, Berlin.

8. Forst- und Holzforschung. Professor Eberts, Oberlandforstmeister, Reichsforstamt, Berlin.

9. Wehrforschung 1 (Technik). Mit der Leitung dieser Fachgliederung bin ich selbst betraut.

10. Elektrotechnik, Prof. Dr.-Jng. Erwin Marx, Direktor des Instituts für elektrische Meß­kunde und Hochspannungstechnik an der Technischen Hochschule Braunschweig.

11. Berg - und Hüttenwesen, Prof. Jng. Beyschlag, Direktor des Instituts für Aufbe­reitung und Brikettierung, Berlin.

12. Eisen und Stahl, Prof. Dr.-Jng. Fry, Leiter der Abteilung für Metallkunde der Chemisch- Technischen Reichsanstalt, Berlin.

13. Medizin (einschließlich Rassenforschung und Rassenbiologie), Staatsrat Geheimrat Prof. Dr. W. Sauerbruch, Direktor der Chirurgischen Klinik und Poliklinik im Charitskrankenhaus, Berlin.

14. Wehrmedizin (in Verbindung mit den Sanitätsinspekteuren der drei Wehrmachtsteile und dem Leiter der Fachgliederung Medizin), Prof Dr. Wilhelm Richter, Universität Greifswald.

Für die geisteswissenschaftlichen Rich­tungen stehen die bei der Deutschen Forschungs­gemeinschaft eingesetzten Fachoertreter zur Ver­fügung. Nicht besetzt ist zur Zeit noch die Fachglie­derung Maschinenbau. Nach dem Gründungs­erlaß soll der Reichsforschungsrat bestehende Ein­richtungen nicht ersetzen. Er wird ihnen aber keiner­lei Konkurrenz machen. Die Einrichtungen der reinen Luftfahrtforschung sind voll außerhalb der Zuständigkeit des Reichsforschungsrates gelassen worden.

Auch der Bestand der Kaiser-Wilhelm- Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften wird durch die Neuordnung nicht berührt. Die er­forderlichen Verbindungen sind durch die Einsetzung zweier Direktoren von Kaiser-Wilhelm-Jnstituten als Leiter von Fachgliederungen des Reichsfor­schungsrates und durch meine eigene Zugehörigkeit zum Senat der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft gegeben. Dasselbe gilt grundsätzlich auch für die verschiedenen Reichsanstalten wie die Physikalisch-Technische, die Chemisch-Technische, für die staatlichen Material- prüfungsämter usw.

Ich darf zum Schluß die wichtig ft en Auf­gaben des Reichsforschungsrates zusammenfassen:

1. Einsatz der Forschung für vordringliche Staats­aufgaben. An der Spitze dieser Aufgaben steht zur Zeit die durch den Vierjahresplan bedingte Forschung.

2. Ständige Fühlungnahme mit allen wichtigeren deutschen Forschungsstätten. Durch frei­willige Vereinbarungen muß dabei versucht wer­den, auch andere als die dem Herrn Reichsminister Rust unterstellten Forschungsstätten zu erfassen. Ge­wisse Schwierigkeiten sehe ich dabei in den For­schungsstätten der I n d u st r i e. Im Hinblick auf die Staatsnotwendigkeit muß auch sie dazu gebracht werden, den Leitern der Fachgliederungen des For­schungsrates Einblick zu gewähren.

3. Belebung der Forschung durch B e r e i t ft e I» lung hochwertiger Hilfsmittel mit dem Ziele der Arbeitsbeschleunigung. Wenn in den letz­ten Jahren in steigendem Maße beobachtet werden konnte, daß in anderen Ländern, besonders auch i n Amerika, die naturwissenschaftliche Forschung zu beachtlichen Ergebnissen geführt hat, so ist dus dar­auf zurückzuführen, daß den Forschern technische Hilfsmittel modernster Art zur Verfügung gestellt wurden, während vielfach in Deutschland die For­scher sich diese Hilfsmittel in mühsamer Kleinarbeit im eigenen Laboratorium schaffen mußten. Daß

geben und bewunderte dabei die feingliedrige, schmale Hand, die die Glut hielt, ohne zu ver­brennen. Ich stellte ein paar Fragen über den Fluß, konnte aber das seltsam harte, gebrochene Englisch der Antworten nicht verstehen. Zwei Kinder kamen, viel heller in der Hautfarbe, kastanienbraun, beide in hellen, europäischen Kleidchen. Mit Kindern hat man es leicht: Ich watete zum Boot zurück, holte Apfelsinen und verteilte mehr Kinder tarnen, fünf oder sechs. Der Alte wies sie an, die Apfelsinen zu verteilen, was mit größter Gerechtigkeit geschah. Hat man selber Kinder, so redet man mit Kindern aller Völker in der Sprache, die man mit den eigenen Kindern gebraucht.

*

Sie sind deutsch", sagte plötzlich der Alte.

Ich war mehr als erstaunt: Wieso erkannte er die deutsche Sprache, er, der kaum Englisch konnte?

Der Alte taute auf: Sie hätten einen Freund, sie, die Eingeborenen, einen der wenigen Weißen, die es gut mit ihnen meinten. Das fei ein deutscher Arzt aus Adelaide. Er besuche sie oft. Aber er wußte noch mehr von Deutschland und den Deut­schen: Vor Jahren sei ein deutscher Flieger in Australien notgelandet, im Norden, in der einsamen Wüste. Eingeborene hätten ihn gefunden und er­nährt, bis Hilfe kam. Er hätte den Namen ver­gessen, ob ich ihn nicht wisse?

Ich wußte ihn, und mehr: ich kannte den Mann selbst:Bertram".

Ja, das war er. Sein Stamm, seine engeren Landsleute hatten Bertram damals gefunden. Er war stolz darauf, er war dabei gewesen, er hatte Bertram gesehen.

Wie seltsam war das, wie klein war die Welt! Man trifft einen Menschen am andern Ende der Welt, einen Halbwilden, unendlich fern an Rasse und Kultur, und siehe da: man hat einen gemein­samen Bekannten!

Die Freundschaft war geschlossen: gemeinsam schlenderten wir dem Lager zu, wo der Rest des Stammes sich in den Hütten sehr zurückhielt. Diese Hütten waren denkbar primitiv. Weidenäste, im Kreis in den Sandboden gesteckt, waren in der Mitte zusammengebunden, lieber die Wölbung waren alte Decken und ausgeschnittene Säcke ge­breitet; das war alles. Trockenes Dorngestrüpp war im Halbkreis um die Feuerstelle geschichtet. Ein

altes Weib mit starkem Schnurrbart schob gerade einen Teller mit Mehlfladen in einen Haufen heißer Asche. Der alte Mann setzte sich ans Feuer und fuhr fort in der Arbeit, die ich unterbrochen hatte: Er machte sich einen Krückstock. Neben ihm lag ein Häuschen Flaschenscherben; er wählte sich die schneidenden Flächen aus und schabte damit an dem Stab entlang, als sei er ein Gewehr, und schabte weiter. Seine Vorfahren hatten das gleiche mit Steinsplittern getan. Vor mir schaukelte mein klei­nes Faltboot mit seinem Motor vom letzten Modell und neben mir saß die Steinzeit wenn auch eine durch die Zivilisation entartete Steinzeit.

*

Hunde näherten sich schwanzwedelnd, Hunde aller Rassenmischungen; xu jeder Hütte gehörte wohl ein halbes Dutzend. Ich begann mit oen Aufnahmen. Die Hütten waren überfüllt; in jeder schienen min­destens ein Dutzend Kinder zu wohnen. Sie sahen gesund aus, durchaus nicht wie Kinder einer aus- fterbenöen Rasse. Je jünger sie waren, um so heller war die Hautfarbe. Ganz kleine Babys waren aus­gesprochen blond. Mischlinge sah ich nicht im Lager. Die Männer lagen träge im Schatten der Hütten; sie regten sich kaum. Mit primitiven, aus alten Brettern und Blech zusammengeschlagenen Booten betreiben sie etwas Fischerei; einige wenige arbeiten gelegentlich auf der nahen Schafstation. Sie sind träge von Natur, und der Himmel in Gestalt der Regierung liefert ihnen Nahrung und vollständige (nicht einmal häßliche) Bekleidung. Einige junge Mädchen krochen zu meiner Ueberraschung in ganz damenhaften Seidenkleidern aus den Hütten her­aus. Seltsam berührte mich der ausgesprochene Sinn für Wert und Qualität bei diesen Primitiven: die Kamera ging von Hand zu Hand und die Männer erkannten sofort, daß das eine ungewöhnliche und kostbare Kamera war. Sie stellten ganz sachver­ständige Fragen. Für Zahlen dagegen schienen sie wenig Sinn zu haben: es war nicht möglich, irgend­wie genaue Qmtfernung&angaben aus ihnen heraus­zubekommen.

Frauen brachten mir Matten und Körbe, die aus Binsen zum Verkauf geflochten waren, recht schlechte, von europäischem Vorbild beeinflußte Arbeit. Mit Stolz produzierte der Alte den letzten Bumerang, der sich im Lager fand, aber auch er warent­artet" er war mit einer Säge ausgeschnitten. Alte Stiefel, Konservendosen, alte Autoreifen,

Stacheldraht und die Trümmer eines Automobils lagen umher. Alles, was untergeht, sammelt Schutt­haufen der Zivilisation um sich; wir finden ja auch die neuenWilden", den menschlichen Abschaum unserer großen Städte oft auf den Müllfeldern am Stadtrand lebend. (In Chikago, St. Louis und anderen amerikanischen Großstädten ist mir das be­sonders ausgefallen.)

Ich verließ das Lager mit dem glücklichen Gefühl, einen guten Film in der Tasche zu haben.

Müde vom vielen Erleben, mit etwas Fieber von dem starken Sonnenbrand, fuhr ich am nächsten Tag in sechsstündiger Fahrt nach Murray-Bridge zurück.

Kampf mit Wölfen in Estland.

In Estland ist in letzter Zeit die Wolfsplage in furchtbarem Maße aufgetreten und hat einen Schrecken durch das ganze Land verbreitet. Mäch- tige Rudel großer Wölfe drangen aus Sowjetruß- land in das Land ein und griffen, vom Hunger getrieben, die Dorfbewohner an und brachen in Die Ställe ein, wo sie Blutbäder unter dem Vieh am richten. Während die Frauen und die Kinder in den Dörfern sich ängstlich in den verschlossenen Häu­sern hielten, unternahmen die Männer Streifzüge, um die Tiere abzuwehren. Kürzlich wurde ein Auto­bus, der die Verbindung über Land herstellt, von einem Rudel von dreißig Wölfen angegriffen und so stark bedrängt, daß der Fahrer anhalten mußte. Die Wölfe sprangen darauf gegen die Seitenwände des Wagens und versuchten die Reisenden zu fassen. Unglücklicherweise hatte nur ein einziger Reisender eine Pistole bei sich, und er war so erregt, daß er alle Schüsse verfeuerte, ohne auch nur einen Wolf zu treffen. Während die mitfahrenden Frauen vor Entsetzen wie gelähmt waren, bewaffneten sich die Fahrer und ein anderer Reisender mit Eisenstangen, die sie im Wagen fanden, und hieben damit auf die wütenden Tiere ein. Es gelang ihnen auch, einige von den Wölfen zu töten, aber die Schar war zu groß, und die Lage wurde immer bedrohlicher, als endlich ein Militärauto auf dem Schauplatz erschien und die Soldaten sofort mit einem Maschinengewehr das Feuer auf die Wölfe eröffneten, so daß sie zum größten Teil getötet wurden, während nur wenige entflohen.