Ausgabe 
25.3.1937
 
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Donnerstag, 25. Marz 1957

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Ltm die Zurückziehung der Freiwilligen

Die militärische Lage vor Madrid

Aus

Vorrnachts- und Interventionsvolitik ein geschickter Zug. Aber so sehr die französischeSchn^rnocht" sich auch bemühte, diesen Gebilden durch Anleihen usw. von außen her Lebensenergien zuzuführen, eines konnte der Quai d'Orsay nicht verhindern: d-«ß nämlich diese Verbände nur auf negativen Zielsetzungen aufgebaut waren. Eine zeitlang, vor allem solange die Nachwirkungen des Krieges noch nicht überwunden waren, mochte das gehen. Je mehr aber mit wachsendem zeitlichen und morali­schen Abstand vom Krieg die wahren Interessen und Notwendigkeiten sichtbar wurden, desto unbe­quemer mußte eine sich nur in der mißtrauischen Beobachtung derB^sieaten" erschöpfende Konrev- tion werden. Was zunächst und unter dem Einfluß einer entsprechenden Propaganda als Lebenserfor­dernis erscheinen konnte, das erwies sich nun als ein Nachteil. Starre Verbandspolitik und unfrucht­bare Defensivbündnisse behinderten nur die schöpfe­rische und befreiende Verständigung von Volk zu 93011* und die Anbahnung jener guten Nachbar­schaftsverhältnisse, auf denen jeder Friede sich zu allererst aufbauen muß.

Auf diesem Unterarund von Enttäuschungen und Erkenntnissen entwickelte sich jener Selbstbesin­nungsprozeß der Südoststaaten, der in Paris als eine" unwillkommene Erschütterung des Friedens-

Wann sind ihre empfindsamen Nerven durch die barbarischen Brutalitäten der sog.Vorkämpfer der Demokratie" in Spanien erregt worden? Es sei klar, daß die unberufene Einmischung mehr Schaden als Nutzen angerichtet habe. Dadurch sei eine grö­ßere Kluft als je zuvgr zwischen zwei Völkern ent­standen, die im Begriff gewesen seien, ihre Streitig« feiten beizulegen. Das Blatt wendet sich gegen die anglikanischen Priester, die eine beleidi­gende Sprache gegen Mussolini gebraucht hätten.

AuchD a i l y M a i l" wendet sich mit scharfem

Falle aber glaube die Sowjetregierung Grund zur Annahme zu haben, daß tatsächlich Vertragsbrüche erfolgt seien (!). Sie fordere daher, daß der Fall geprüft werde.

Der deutsche Vertreter erklärte in Ueber- einftimmung mit dem Vorsitzenden, daß die Frage, die vom Sowjetvertreter angeschnitten worden sei, vor den Unterausschuß gehöre. Er habe jedoch sofort eine Kopie der Erklärung des Sowjet­vertreters verlangt, weil er nicht wünsche, daß diese für Propagandazwecke benutzt würde. Er wünsche, überhaupt, daß verhindert würde, den Ausschuß in ein Propagandabüro z u verwandeln. Er fordere daher Garantien, daß die Arbeiten des Ausschusses nicht für Propagandazwecke und unbe­gründete Anschuldigungen mißbraucht würden. Wenn das nicht möglich wäre, müßte jedem Ver­treter das Recht gegeben werden, die Presse über die Ausschußarbeiten zu unterrichten.

Lord Plymouth erklärte, er glaube, daß die vom Sowjetvertreter angeschnittene Frage v o r den Unterausschuß gehöre, in dessen Ermäch­tigung es gestellt sei, in welcher Form er die Frage behandeln wolle. Was den vom deutschen Vertre­ter berührten Punkt anlange, so müsse er den Aus­schuß daran erinnern, daß mehrmals beschlossen worden sei, daß alle Vorgänge des Ausschusses und seiner Unterausschüsse streng vertraulich be­handelt werden sollten.

kauer Kurs zu haben sind, den die Prager Regie­rung auf Betreiben Frankreichs steuert, und der die beiden anderen Partner der Kleinen Entente nur inneren und äußeren Belastungen aussetzen würde. Den stärksten Einwand aber tragen die französischen Wünsche in sich selbst: sie berücksichtigen nicht die lebendigen Interessen, denen diese Staaten Raum geben wollen, sondern versuchen umgekehrt, sie wie­der und in verstärktem Maße in das starre System der französischen Vormachtspolitik hineinzuzwängen.

Es ist das gleiche Bild, das die Auseinander­setzungen um Belgiens künftige Stellung bieten. Hier wie dort sucht die französische Politik dem Prozeß der Selbstbesinnung entgegenzuwirken. Hier wie dort wird der krasse Egoismus solcher Be­mühungen durch teilnehmende Sorge an dem Wohl­ergehen und an der Sicherheit dieser Staaten ge­tarnt. So muß denn wieder einmal das Schlag­wort von derdeutschen Gefahr" herhalten. Fast kein Tag vergeht, ohne daß die offiziösen Organe des Quai d'Orsay nicht zu diesem verwerf­lichen Mittel greifen und Belehrungen austeilen, von wo die Welt allein Gefahren zu erwarten hätte. Kein Wunder, daß in diesem Zusammenhang auch Oe st erreich mit Ermahnungen besonderer Art bedacht wird und daß derTemps" im Anschluß an hie Budavester Reise Schuschniggs sofort mit der Behauptung bei der Hand ist, es gäbe für Oester­reichnur eine Gefahr, nämlich die Nazi-Propa­ganda". In Wien wird jetzt sehr stark die Not­wendigkeit einer besseren Zusammenarbeit der Donauraum-Staaten betont. Niemand wird ver­nünftigerweise etwas einzuwenden haben, wenn zwischen Oesterreich und der Kleinen Entente sich eine Annäherung anbahnen würde. Aber der un­gezügelte Beifall und die Hintergedanken, die in der französischen Presse bei dieser Gelegenheit sofort wieder zum Vorschein kommen, sollten immerhin

bewogen. Nicht zuletzt erzwang ihn auch die Mas» sierung von neuen roten Flugzeugge­schwadern, die in der bis dahin noch niemals festgestellten Menge von 90 Flugzeugen die einzige Etappenstraße der motorisierten nationalen Armee mit Bomben belegten. Wir werden allerdings allen ausländischen Meldungen über Gefangenenziffern und Toten auf beiden Seiten mit Vorsicht gegen« überstehen. Von -einer Sprengung des Rinr's um Madrid kann keineswegs die Rede fein. Auch nach diesem abgeschlagenen Angriff auf Guadalajara kann jeder neue Angriff der nationalen Streitkräfte die Abschnürung bedeuten. Darüber ist man sich auch im Lager von Valencia vollkommen im klaren. Deshalb auch die Materialmengen, die ungeachtet der Kontrollbestimmungen laut präzisen italienischen Angaben über die französische Grenze nach dem roten Spanien herüberkommen. Der Rückschlag an der Nordfront von Madrid beweist, daß man sich auf noch sehr schwere Kämpfe gefaßt machen muß, ehe es den Nationalen gelingen wird, Madrid zu nehmen.

als genügender Grund betrachtet werden, um Vor- sicht walten zu lassen. Denn was man in Wien als Teil eines Befriedungsprogramms im Donau- raum bezeichnet, das erweckt in Frankreich ganz andere Hoffnungen.

Welche Ausmaße aber der neue Verleumdungs- feldzua angenommen hat, das zeigte am deutlichsten der Besuch des schwedischen Außen» ministers in Paris. Herr Sandler ist vom Temps" geschmackoollerweise sofort als der Staats­mann des Nordens begrüßt worden, der sich über diedeutsche Gefahr" wohl im klaren sei. Daß dem­gegenüber sein dänischer Kollege, Staatsminister S t a u n i n g , es an dieserErkenntnis" fehlen lasse, hat diesem einen scharfen Tadel des gleichen Blattes eingetragen. Ein allzu geschwächtes oder dem deutschen Einfluß allzu fügsames Dänemark, so ließ sich das Sprachrohr des Quai d'Orsay ver­nehmen, könne eine Gefahr für die Sicherheit aller skandinavischen Staaten bilden. Dies ist Brunnen- oergiftung übelfter Art. Es genügt also Unnorein» genommenbeit und Unbefangenheit eines Staats­mannes gegenüber Deutschland, um ibn nicht nur öffentlich zu kritisieren, sondern seine Politik oben­drein noch als eine Gefährdung dritter Staaten hinzustellen! Man sieht, woraus diese Kampagne, die selbst dieNeutralen" nicht verschont, abzielt: mit dem Schlagwort von derdeutschen Gefahr" will die französische Politik ihre ins Wanken ge­ratenen Stellungen retten und der Gefahr eines Ausbrechens" vorbeugen. Unter diesen Umständen wird man es der deutschen Politik nicht verübeln können, wenn sie die geistige Einstellung, die aus solchem Verhalten spricht, zur Kenntnis nimmt und sich mit gesundem Mißtrauen gegen Kollektivpläne jener wappnet, die böswillige" Verdächtigungen anderer als normales Mittel der Politik erachten­

haben, die nur einige Kilometer vor jenen liegen, von denen aus der Vormarsch vor etwa 14 Tagen begonnen wurde. Fortlaufende Meldungen über Schneestürme, Regengüsse usw. zeigten, auf welche ungewöhnlichen Hindernisse die Formationen der Nationalregierung gestoßen waren. Es liegen nun auch zuverlässige Berichte darüber vor, mit welchem gewaltigen Aufwand an Material und Menschen die roten Gewalthaber dem Vormarsch begegnet sind. Dieses Material, vorwiegend franzö­sischen und russischen Ursprungs in der Hand von nicht weniger als 11 Brigaden von Ausländern unter der roten Flagge hat die offenbar durch die unerhörten Geländeschwierigkeiten und das Klima stark mitgenommenen Freiwilligen zum Rückzug

wort, die Grandi auf dennaiven" Vorschlag zur Zurückziehung der Freiwilligen gegeben habe. Die italienischen faschistischen Freiwilligen werden in Spanien bleiben, bis der Krieg über den Bolschewismus vollendet ist.

M o r n i n g P o st" weist darauf hin, daß das Kabinett die Lage ruhig beurteile. Aehnliche Zwischenfälle seien im Nichteinmischungsausschuß schon häufig vorgekommen und die Schwierigkeiten seien stets nach einiger Zeit überwunden worden. Die Zrückziehung der Freiwilligen sei immerhin ein äußerst schwieriges Problem, besonders bei demokratischen Regierungen, die nur eine geringe Kontrolle über Staatsangehörige im Auslande hätten. Es sei daher überhaupt sehr zweifelhaft, ob der Vorschlag durchführbar sei. Daily Erpreß" schreibt, daß die englische Regie­rung beschloß, alles zu unternehmen, um eine Entspannung der e n gli sch -i t ali enisch en Be­ziehungen zu erreichen. Die Minister tfien sich be­wußt, wie gefährlich und unnötig es sei, die Ent­fachung einer unfreundlichen Stimmung zwischen zwei befreundeten Nationen zuzulassen, da hier­durch eine Rivalität im Mi11elmeer ent­stehen könnte. Dem Kabinett habe auch eir' in 24 Stunden ein gegangene Versicheruna aus Rom vorgeleaen, daß die italienische Regierung nicht die Absicht habe, das Abkommen über die Freiwilligenentsendung zu brechen. Die britischen Minister hätten beschlossen, diese Versicherung a n - zunehmen und ihr möglichstes zu tun, um den Geist des enalisch-italienischen Mittelmeerabkommens wi°derherzustellen.

Die konservativeMorning Post" schreibt, daß die englische Nationaleigenschaft, fremden Staaten die Leviten lesen zu wo l l e n, unglücklicherweise noch genau so wie vor hundert Jahren vorhanden sei. Dieser Eigen­schaft danke Enaland hauptsächlich seinen Ruf der Heuchelei. Es gäbe immer noch Leute, die auslän­dischen Ländern und Regierungen Reaeln erteilen wollten als ob es sich um niedrigere Rassen handele. Diese Leute versteiften fick auf ihre ..moralische" UeberlegenHeit, ohne auf die bedauerliche Wirkung Rücksicht zu nehmen, hie sie damit verursachten. Ein Beispiel seien die Straßenkundgebungen. ge a e n Mussolini infolge der Ereignisse in Addis Abeba. Doch wann haben diese Persönlichkeiten 1 ihren Abscheu über die systematischen Greueltatpn i in Sowjetrußland zum Ausdruck gebracht?

London, 24. März. (DNB.)Times" meldet, der Ausschußvorsitzende, Lord Plymouth, habe die Einsetzung eines beratenden ilssterausschusses vorgeschlagen, um die mit der Zurückziehung der Freiwilligen aus Spanien, zusam­menhängenden technischen Probleme zu prüfen. Der italienische Botschafter, Graf Grandi, habe hierauszum Erstaunen der meisten Aus- chußmitglieder" erklärt, daß er im gegenwärtigen Augenblick nicht in der Lage sei, in eine Be­sprechung dieser Frage einzutreten, da es sich nicht um ein technisches Problem, sondern um eine allgemeine Frage handele, deren Bespre­chung in einem technischen Unterausschuß wahr­scheinlich keine praktischen Ergebnisse zeitigen würde. Nach seiner Meinung würde Italien keinen ita­lienischen Freiwilligen aus Spanien zurückziehen, bevor der Krieg nicht durch die Niederlage der spanischen Bolschewisten entschieden worden sei. In chärsster Form wendet sichTribun a" gegen die antiitalienische Verschwörung der drei Staaten England, Frankreich und Sowjetrußland, die als offenkundige Helfershelfer die kommunistische Revolte in Spanien schüren und unterstützen. Das Blatt unterstreicht die entschiedene und klar?. Ant-

Sowiet-Provokalionrn im Londoner Ausschuß Scharfe deutsche Verwahrung gegen den Mißbrauch des Ausschusses zu bolschewistischer Propaganda.

systems emvtunden wird, tatsächlich aber einen er­freulichen Fortschritt darstellt. Schon die letzte Ta­gung des Balkan-Bundes in Athen stand sichtbar im Zeichen des Willens, neue Wege zu gehen. Förderlich wirkte dabei vor allem der Ab­schluß des jugoslawisch-bulgarischen Freundschaftsvertrages einerseits und die sich damals schon abzeichnende Bereinigung des Verhältnisses Italiens zur Türkei und zu Ju­goslawien andererseits. Durch diese Entwicklung war der Inhalt und die ursprüngliche Zweckbestimmung der Balkan-Entente: nämlich Vorsorge gegenüber Bulgarien und Italien, im Grunde gegenstandslos geworden. Neue furchtbare Aufgaben stellten sich ein. Die Aufgabe vor allem, die als Schutz- und Defensivbündnis aufgezogene Balkan-Entente der neuen Entwicklung anzupassen und ihr ein positives Vorzeichen zu geben.

Keine Frage, daß solche geistige und politische Auflockerung nur langsam vonstatten gehen kann. Keine Frage auch, daß Rückschläge nicht ausbleiben werden. Aber der Weg ist richtig. Das bestä­tigt auch das Pariser Mißvergnügen über die neuen Orienfterunasversuche von denen man befürchtet, daß sie Frankreichs Stellung auf dem Balkan zu­gunsten Italiens ernstlich schädigen könnten. Daß sich das Unbehagen vor allem gegen die türkische und die jugoslawische Politik richtet, ist beareiflid). Denn die Türkei hatte man durch die Gründung des Balkan-Bundes mit vieler Mühe non Italien weg ins französische Lager gezogen, wahrend man Jugoslawiens in seiner Eigenschaft als Mitglied dieses Bundes und der sich mit ihm überschneiden­den Kleinen Entente sich zu sein glaubte. Und nun muß man erleben, daß gerade dieser Staat die meiste Energie in der Richtung einer eigenständigen Politik entwickelt. _

Der Quai d'Orsay sollte sich eigentlich die Frage nach den tieferen Gründen all dieser das herkömm-

Die Krise des Kollektivismus.

Von Or. Hans von Malottki.

Es ist ganz nützlich, die We st paktausein - 1 andersetzungen nicht nur als ein Problem der fünf beteiligten Möchte zu betrachten, sondern sie auch unter einen allgemeineren Gesichtspunkt zu stellen. Nimmt man sie als Zeiterscheinung, dann zeigt sich sofort, daß sie lediglich einen Abschnitt jenes diplomatischen Kampfes darstellen, der gegen­wärtig die ganze europäische Lage beherrscht. Die­ser Kampf läßt sich überall im Grunde auf den gleichen Gegensatz zurückführen. Auf den Streit nämlich, ob die lebendigen Interessen der Völker Gestalt und Charakter der zwischenstaatlichen Friedenssicherung bestimmen, oder ob die Daseins­bedürfnisse der Staaten sich unter das Joch be­stimmter unveränderlicher Theorien zu begeben hätten. Weil die europäische Politik ganz allgemein im Zeichen dieser gegensätzlichen Auffassungen und Ausgangspunkte steht, deshalb hat sich in der West­paktdebatte auch sofort die belgische Frage als der Kern des ganzen Problems herausgeschält. Denn hier geht es um die grundsätzliche Frage, ob ein Land seinen wohlverstandenen Interessen folgen und sie durchsetzen kann, oder ob sie zugunsten eines starren Schemas vergewaltigt werden.

Der' gegenwärtig auf Belgien ausgeübte Druck der beiden Westmächte ist um so stärker, als es sich bei diesem Land um eine besonders wichtige Stellung innerhalb des von ihnen verfolgtenFrie­denssystems" handelt und ähnliche Sünden wider denunteilbaren Frieden" auch anderwärts in zu­nehmendem Maße zu beobachten sind. Die bevor­stehende Belgrader Tagung der Kleinen Entente und der ihr vorausgehende Besuch des italienischen Außenministers Grafen Ciano und des tschechoslowakischen Präsidenten B e n e s ch in der jugoslawischen Hauptstadt, verdienen gerade in diesem Zusammenhang besondere Aufmerksamkeit. Denn auch in diesem südöstlichen Raum, der vor allem in Paris stets als ein besonders verläßliches Bollwerk gegen jede Erneuerung der europäischen Politik betrachtet worden war, mehren sich die An­zeichen einer Auflockerung und Neuausrichtung, die aus den gleichen Quellen gespeist wirb, aus denen auch die neue belgische Politik ihre Kraft zieht.

Der Aufbau der Kleinen Entente und des Bal­kan-Bundes war vom Standpunkt der französischen

London, "25. März. (DNB.) In der Voll­sitzung .des Nichteinmischungsausschusses beantragte der Vertreter der Sowjetunion, dieNote" der Va­lencia-Bolschewisten vor den Ausschuß zu bringen, in der diese behauptet hatten, daß geschlossene ita­lienische Truppeneinheiten in Spanien eingesetzt worden seien. (!) Der Sowjetbotschafter forderte, daß ein Untersuchungsausschuß zur Nach­prüfung dieser Behauptung nach Spanien entsandt werde.

Der Vertreter Portugals verwies auf die Derfahrensoorschriften des Ausschusses, die vor­sehen, daß Anschuldigungen schriftlich erfol­gen und mit B e w e i s e n v e r s e h e n sein müs­sen. Bei einer früheren Gelegenheit habe der Sow­jetvertreter schon einmal unbegründete Anschuldigungen erhoben. Es sei aber äußerst gefährlich für die Arbeit des Ausschusses und den Frieden der Welt, ein solches Verfahren fort­zusetzen.

Demgegenüber behauptete der Sowjetoer- treter, daß die Verfahrensvorschriften jeder Re­gierung, die im Ausschuß vertreten sei, das Recht gäben, Fragen anzuschneiden, die sich auf Brüche des Nichteinmischungsabkommens bezogen, wenn Grund zur Annahme vorläge, daß solche Brüche erfolgt seien. Wenn die Brüche des Abkommens be­reits festgestellt seien, sei es nicht mehr notwendig, weitere Beweise zu erbringen. Im gegenwärtigen

____ den übereinstimmenden Berichten der ita­lienischen wie der englischen und französischen Presse ging bereits seit einigen Tagen hervor, daß in dem Vormarsch der nationalen Armee auf Guadalajara nicht nur ein Stillstand ein­getreten war, sondern sich die Streitkräfte des Ge­nerals Moscardo in Stellungen zurückgezogen

liche politische Profil des Südostens verändernden Bewegungen vorlegen. Es würde dann nicht nur auf die Abneigung jener Staaten gegen fremde Be- Dornfunbungen stoßen, sondern auch auf einen Tat­bestand wie den R u s s e n p a k t, der das franzö­sische Bündnissystem für die übrigen Teilhaber un­heimlich gemacht und dadurch die neuen Entwick­lungen noch beschleunigt hat. Auch die Zersetzungs­erscheinungen des innerfranzösischen Le­bens waren bei solcher Gewissenserforschung in Betracht zu ziehen. Unter diesen Umständen ist es erstaunliche Unkenntnis oder bewußte Böswilligkeit, wenn dasOeuvre" die Erklärung in derUn­tätigkeit Frankreichs anläßlich der Rheinlandbe­setzung" sehen will. Etwas anders liegen die Dinge denn wohl doch! Und deshalb wirb man auch in Ruhe abwarten können, ob Frankreich bei ber be- vorstehenben Belgraber Tagung der Kleinen Entente zum Ziele kommt, v

Dort steht bekanntlich ber tschechische, von ber französischen Politik unterstützte Plan zur Aus­sprache, die drei Partner, bie bisher nur burch einen Defensivpakt gegen Ungarn oerbunben waren, in einem Pakt mit allgemeiner gegenseiti­ger Beistanbsleistung zusammenzufassen. Ihre Krönung soll biese Ausweitung ber militäri­schen Verpflichtungen burch ein Bünbnis erfahren, das Frankreich mit ber Kleinen Entente ins­gesamt, an Stelle bes französisch-tschechischen Mili- tärbündnisses, abschließen würde. Gegen diese Be­strebungen, die klar das Ziel Frankreichs erkennen lassen, der Auflockerung der Kleinen Entente durch eine Gleichschaltung a u f b er Linie Daris Prag Moskau entgegenzuwirken, hat der jugoslawische Ministerpräsident schon in sei­ner letzten Parlamentsrede im voraus Stellung ge­nommen. Es ist auch sonst kaum anzunehmen, daß Belgrad und Bukarest jetzt etwa für jenen Mos-

Tadel an gewisse Würdenträger der englischen Kirche, die anscheinend entschlossen seien, England in einen Krieg zu stürzen. Dasselbe treffe auf eine Gruppe von rosaroten und pazifistischen Journalisten zu. Die anglikanischen Priester sollten, bevor sie kriegshetze­rische Worte sagten, nachdenken, daß es England fei, das den P r e i s an Blut und Leid zahlen müsse. England müsse sich unter allen Umständen von ausländischen Verwicklungen fern- halten. Es sei noch nicht genügend gerüstet, um zu kämpfen.