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Donnerstag, 25. Zebruar 1957
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)
ttr.47 Zweites Blatt
Das Hochwasser in Oberhessen
Handwerk hat goldenen Boden
Hochschulnacbrjchten.
Ans den preußischen Nachbargebieten
walte, Aerzte und dergl.
Oec Unterschied ist ju groß! Wenn Sie im Winter aus der geheizten Wohnung ins Freie gehen, kann Ihre Haut rissig und spröde werden. Darum vor- beugen! Mit der euzerithaltigen Nivea-Creme einreiben! Das erhält Ihre Haut weich u. schmiegsam.
Das Hochwasser unserer heimischen Fluß- und Bachläufe hat verschiedentlich Schäden zur Folge gehabt. Nicht nur in Kellern ist erheblicher Sachschaden angerichtet worden, vielmehr haben auch die Fluren gelitten. Aus Grebenau wird uns gemeldet, daß dort, veranlaßt durch Hochwasser, an der Eisenbahnlinie A l s f e l d — H e r s f e l d ein Dammrutsch auf einer Länge von 30 bis 40 Meter zu verzeichnen war. Die Bahnoerwaltung hat sofort alle Vorsichtsmaßregeln ergriffen, um den Verkehr aufrechterhalten und ungefährdet fortführen zu können.
Umsatz des Buchbinder- ; Handwerks bis 1932 um . etwa 50 v. H. — von 118 I Mill. Mk im Jahre 1928 | auf 61 Millionen im Jahre 1933 zurückgegangen.
Und da von den etwa 8000 G Betrieben allein rd. 6500 | Betriebe entweder nur | von dem Meister allein V oder mit nur einem Ge- j (eilen betrieben wurden, traf dieser Umsatzschwund | in erster Linie kleine Be-
Geh. Rat Professor Dr. Erwin Payr, Ordinarius für Chirurgie an der Universität Leipzig, ist von den amtlichen Verpflichtungen entbunden worden. Prof. Payr, der 1871 in
Sehr viel Hochwasser führte in unserer engeren Heimat auch die Wetter. Das ganze Wettertal war vorübergehend ein einziger See. In Trais- Münzenberg waren die Ortsstraßen teilweise überschwemmt. Durch die anhaltenden Niederschläge stieg der Grundwasserstand, wie uns aus E b e r - st a d t gemeldet wird, ganz erheblich. Das Wasser drang vielfach in die Keller ein, die geräumt werden mußten. Unweit von G a m b a ch hat das Hochwasser der Wetter ebenfalls unangenehme Folgen gehabt.
gen Willi Sindel und den 39jähriaen Hans Schleich zu je 15 Monaten Gefängnis und 450 Mark Geldstrafe verurteilte.
Wegen B'gamie verurteilt.
Frankfurt a. M., 24. Febr. (LPD.) Ein jetzt 52jähriger Angeklagter verheiratete sich in Ostpreußen mehrere Jahre vor dem Kriege. Aus der Ehe sind vier Kinder hervorgegangen. Er trennte sich dann von Frau und Familie und kam in die Frankfurter Gegend. Hier lernte er ein Mädchen kennen, das er, ohne geschieden zu sein, im Jahre 1925 heiratete. Auch in dieser Ehe wurden ihm Kinder geboren. Durch gelegentliche Nachforschungen der ersten Frau stellte sich die Bigamie heraus. Die Große Strafkammer verurteilte den Angeklagten zu neun Monaten Gefängnis.
In Okarben wurden fast sämtliche Straßen unter Wasser gesetzt. Nur große Kraftwagen konnten noch die Fluten durchqueren. — (Scherl-Bilderdienst-M.)
Zwei Oelgemälde gestohlen.
Frankfurt, 24. Febr. (LPD.) In einer der letzten Nächte wurden in der Umgebung Frankfurts zwei Oelgemälde im Werte von etwa 2000 Mark gestohlen. Die Gemälde werden wie folgt beschrieben: 1. „Jatlienischer Markt", 94:100 Zentimeter groß, ohne Rahmen; in der rechten unteren Ecke befindet sich das Signum C. P. Ber- chem 1620—1683. 2. „Italienischer Krieger" mit rotem Federhut und nackter Brust, 61:50 Zentimeter groß, mit altem Augsburger Profilrahmen. Vor Ankauf dieser Bilder wird gewarnt. Sachdienliche Mitteilungen nimmt die Kriminalpolizei entgegen.
Hand in Hand 38000 RM. un erschlagen.
Frankfurt, 24. Febr. (LPD.) In einem kaufmännischen Betrieb wurde festgestellt, daß zwei Angestellte seit 1929 Hand in Hand gearbeitet und 38000 Mark unterschlagen hatten. Der eine Angestellte war im Außendienst tätig und kassierte die Kundengelder, während der andere die Bücher führte. Die eingenommenen Gelder wurden von den beiden für private Zwecke benutzt. Die beiden Defraudanten hatten sich jetzt vor dem Schöffengericht zu verantworten, das den 26jähri-
VIII.
Der Vuchbmdermeister
zu der Zeit der Schnellhefter auf, der diesen Einsparungen in gewisser Weise noch einen Nachdruck verschaffte. Und auch die gesamte Bucherzeugung'zeigte in jener Zeit eine rückläufige Bewegung. Man verzichtete also in vielen Fällen auf einen wertvollen Einband und kaufte sich lieber ein Buch mehr dafür. Aus diesem Grunde ist denn auch der
triebe. Mancher Buchbindermeister hat damals seinen Gesellen entlassen müssen, so daß 1933 ebenfalls 50 v. H. der Buchbindergesellen erwerbslos waren. Und da es sich bei den Erzeugnissen dieses Handwerkszweiges vor allem um Handarbeit handelt und die Maschine nur eine untergeordnete Rolle spielt, ist auch der Reingewinn nur beschränkt, denn mit der Hand allein kann man nicht soviel schaffen wie mit Hilfe einer Maschine. Wenn also der Umsatz auf die Hälfte zurückging, dann mußte ebenso auch der Reingewinn kleiner werden, der 1928 noch 24 Millionen Mark betrug, 1933 aber nur noch 12 Millionen.
Als nun nach der Machtergreifung allenthalben das Einkommen langsam stieg, konnte das Buchbinderhandwerk wieder einen Teil seiner alten Stammkunden zurückgewinnen, so daß die Aufträge zum Einbinden von Zeitschriften und dergl. schon wieder zahlreicher geworden sind. Außerdem gibt es jetzt allmählich auch schon wieder mehr Volksgenossen, die ihre Bücher ungebunden kaufen.
Vor allem hat das Buchbinderhandwerk aber durch etwas, was ihm an sich ferner liegt, eine ganze Reihe von Aufträgen bekommen. Durch die Forderung des Ahnennachweises und die Weckung des Familiensinnes sind viele Volksgenossen veranlaßt worden, sich kunstvolle Ahnentafeln, Familienstammbücher und dergl. anzulegen. Und gerade hier hat dieses Handwerk die beste Gelegenheit, sein Können unter Beweis zu stellen, indem es Stammbücher und Ahnentafeln anfertigt, die sowohl haltbar und preiswert sind, die aber auch eine Schönheit zeigen, die nichts mehr mit den Schnörkeln der Vorkriegszeit zu tun hat. Die zahlreichen Ausstellungen im Hause des Handwerks in Berlin, im Pavillon des Handwerks au der Ausstellung „Deutschland" anläßlich der Olympischen Spiele, auf dem Reichshandwerkertag in Frankfurt usw. sind Beweis genug dafür, daß das Buchbinderhandwerk wieder in der Lage ist, gute Arbeit, die gar nicht einmal teuer ist, zu leisten.
V. A. Durch eine ganze Reihe deutscher Lichtspieltheater ist vor einiger Zeit ein Film gelaufen, der die Herstellung des handschriftlichen Werkes „M e i n Kampf" zeigte, das die deutsche Beamtenschaft dem Führer zu seinem letzten Geburtstag geschenkt hat. Wir haben hierdurch schon einen guten Einblick in die Tätigkeit des Buchbinders erhalten, die oftmals so recht einer beschaulichen Kunst nahekommt. Wer immer Bücher oder Zeitschriften, Zeitungsausschnitte oder dergleichen einzubinden hat, der findet auch gelegentlich Zeit, das eine oder andere ihm anvertraute Buch einmal zu lesen, und nicht zuletzt deshalb finden wir gerade in diesem Handwerkszweig so manchen stillen Philosophen.
Das Buchbinoerhandwerk hat früher gut zu tun gehabt. Wir brauchen uns nur an die pompösen gold- oder messingverzierten Einbände, Poesie- und Bilderalben vergangenen Zeit zu erinnern, um zu verstehen, was es rein wirtschaftlich für diesen handwerkszweia bedeutete, daß die Nachkriegszeit diese durch die schlichten Papp- und Leineneinbände ersetzte. In der Gegenwart vollends legt man auf den Einband eines Buches offenbar noch wenig Wert, wenn er nur haltbar und zweckmäßig ist, während es früher noch eine Menge von Buchliebhabern gegeben hat, die sich alle ihre Bücher nach eigenem Geschmack einbinden ließen.
Trotzdem haben die Buchbinder aber auch in den Nachkriegsjahren bis 1928/29 noch immer genug Arbeit gehabt, denn es gehörte beispielsweise zur Praxis eines Rechtsanwaltes oder Arztes, daß er sich seine Fachzeitschriften halbjährlich einbinden ließ. Aus diesem Grunde hat das Buchbinderhandwerk auch noch 1928 einen Gesamtumsatz von rund 115 Millionen Mark gehabt, von dem allerdings etwa 45 Millionen auf den sogenannten Handelsumsatz entfielen. Gerade in kleineren und mittleren Städten hat ja der Buchbinder oft noch einen Buch- und Schreibwaren-, auch Spielwarenhandel, weil er sich allein aus seiner handwerklichen Tätigkeit nur noch schlecht ernähren konnte.
Nun läßt man sich aber seine Bücher und Zeitschriften schließlich nur dann einbinden, wenn man ■ bas nötige Geld dazu hat, und deshalb gingen auch ------------------- ---- -f .
die Umsätze des Buchbinderhandwerks zurück, als Innsbruck geboren wurde, hat sich durch seine zahl- das Geringere Einkommen - auch der Rechlsan- reichen Arbeiten auf bem Gebiete der Chirurgie, wälte Aerzte und dergl. — die bisherigen Kunden der allgemeinen Pathologie und der Orthopädie zu Einsparungen veranlaßte. Außerdem kam auch einen ausgezeichneten Namen gemacht.
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eine eben erst eingelangte Zeitung auf dem Tisch, wird in der Gebäudegruppe die Bibliothek und das deren Beilage durchzusehen mich vor allem erst Museum den Vorrang haben. Hier sollen Studen-
lerTeil- aes und
ten und Forscher Gelegenheit haben, ihre Kenntnis der elisabethanischen Zeit, ihrer Literatur und ihres Lebens zu vertiefen. Es wird auch ein großer Musiksaal geschaffen, in dem ein Orchester mit der ganzen Reihe der Instrumente jener Zeit wirken wird. Dazu wird es Säle für Vorlesungen und Tagungen geben, auch Räume für Klubs und gesellschaftliche Veranstaltungen, wie die Vereinigung überhaupt anstrebt, daß diese Gedächtnisstätte ein Mittelpunkt des kulturellen Lebens in London wird.
Das Globe-Theater wurde im Southwark-Diertel in London im Jahre 1599 erbaut Es hatte einen fast kreisförmigen Grundriß und war in der Hauptsache aus Holz errichtet. Shakespeare war Miteigentümer des Theaters mit Burbage und seinen Schauspielerkollegen und scheint ein stetiges Einkommen daraus bezogen zu haben. Die Seejungfern-Schenke lag in derselben Straße, in der John Milton geboren wurde. Es ist keine Beschreibung dieser berühmtesten der alten Londoner Schenken erhalten; das einzige noch vorhandene Dokument ist eine genaue Rechnung aus dem Ende des 17. Jahrhunderts. Man hofft, die erforderliche Summe durch Subskriptionen aufbringen zu können und die Sauarbeiten schon im Krönungsjahr zu beginnen.
Spiel des Zufalls
Bon Iran, Karl Ginzkey.
beispielmäßig hier anführen will. Ich war auf meinem nachmittägigen Spaziergang durch mein liebes Salzburg vom Mozartplatz aus in die schmale, mittelalterliche Pfeifergasse gelangt und diese führte mich zu einem kleinen, von höchst romantischen alten Häusern umstandenen Platz, eigentlich kaum mehr als eine Straßenkreuzung, von der sich wieder andere enggerounbene Gäßchen ins Dämmerig- Abenteuerliche verloren. Auf diesem altersverzauberten winzigen Platz nun gewahrte ich ein schmales hohes Haus und darauf unter einem Erkeroor- fprung, zum erstenmal feit den vielen Jahren, die ich in Salzburg wohne, eine Marmortafel mit einer Inschrift. Sie verkündete, daß hier Paul von Hofhaimer, fürsterzbischöllicher Domorganist, in den Jahren 1519 bis 1537 gelebt habe und hier auch gestorben sei „als der Töne größter Meister feiner Zeit". Es überkam mich nach dieser unerwarteten Kenntnisnahme keine geringe Beschämung, War es auch nicht die Aufgabe meines mehr ober weniger der Literatur gewidmeten Lebens, in der Musikgeschichte lückenlos Bescheid zu wissen, so betraf es mich doch nicht wenig, von diesen meist so berühmten Mann kaum mehr zu kennen als das Echo seines Namens. Auf dem Heimweg nahm ich mir vor, zu Hause meine Bildung etwas auszubessern und zunächst einmal bas Orakel aller Ratlosen, bas Konversationslexikon, zu befragen. Es lag aber
Man muß sich nur vergegenwärtigen, was so ein Zufall eigentlich bebeutef Es gibt nicht wenige Zeitungen unb es gibt Millionen Dinge, über bie barin geschrieben- wirb. Unb von allen biefen war es gerabe bas eine, was mich eben fragenb beschäftigt hatte unb mir im selben Augenblick ba ich nach ihm verlangte, wie eine Offenbarung entgegentrat.
Gerabe bieses kleine Beispiel scheint mir sehr bezeichnen!) ba es kaum einen Menschen geben wirb, ber Aehnliches nicht erlebte. Es wirb aber meist nach einer kurzen Verwunberung mieber beiseite gestellt, weil es „eben so ist". Ich meine aber wir täten gut, uns solchen großen ober kleinen Wunberlichkeiten bes Lebens hingebenber zu wib- men. Sie sind unterhaltsam und bringen etwas Farbe in den Alltag der Selbstverständlichkeiten, von denen wir bedrohlich und unfruchtbar umgeben sind. Nur die Seele, die noch erstaunen kann, ist wirklich noch lebendig.
Das «Siobetheater so» wieder erstehen.
Ein großangelegter Plan, mit einem Kostenaufwande von etwa 3 Millionen Mk. ein Shakespeare- Zentrum in London an der Stätte zu schaffen, an der der Dichter bie wichtigsten Jahre seines Lebens verbrachte, seine Dramen schrieb und zuerst aufführen ließ, ist von führenden Männern in England unb Amerika aufgestellt worden. Die „Globe- Mermaid Association of England and America“ verfolgt das dreifache Ziel: Shakespeares altes Globe-Theater wieder aufzubauen, das im Juni 1613 durch Feuer zerstört wurde; zugleich die alte Seejungfern-Schenke zu erneuern, die ursprünglich in der Bread Street, Cheapside, lag und durch den Dichter und seine Freunde berühmt geworden ist; eine große Bibliothek unb ein Museum ber Elisabeth-Zeit zum Gebrauch für Gelehrte unb Besucher aus aller Welt zu gründen Es wird beabsichtigt, diese Gebäude an einer hervorragenden Stelle am Sübkai ber Themse zu errichten und das Ganze mit Bäumen, Gehölzen und Blumen aus Warwickshire, wo ber Dichter geboren war, zu umgeben.
Der Plan will bas alte Theater unb bie Schenke in ben charakteristischen Formen ber Originale wie- ber erstehen lassen, ganz im Geist unb in ber Atmosphäre ber Shakespeare-Zeit, so baß sich ber Besu-
sitzen wieder über bas Haben stellt: man wirb von manchem besessen, was man nicht ursprünglich hat. Ist man so selber in Besitz genommen, zum Besitz geworben, bann erfährt man bie bem Haben überlegene Kraft unb Gewalt bes Besitzens am eigenen Leibe, um zu wissen: alles kann ich haben, aber nur bas besitzen, was von mir besessen werben kann. Unb so gilt ein kleinerer Besitz vielleicht mehr
einmal verlockte. Unb ba fiel mein Blick, kaum, daß ich bas Blatt geöffnet hatte, auf einen längeren Aussatz eines bekannten Musikgelehrten. „Auf Paul von Hofhaimers Spuren."
Vom Besitzen und Haben. 11
Von Oskar Sande.
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Wer kennt nicht bie trüben Stunben, in denen . bie Welt so vollkommen erscheint, baß es mit bem - besten Willen nichts mehr an ihr zu verbessern gibt? Nur ihnen ist ber Tag vergleichbar, an bem man in keiner Zeitung, keinem Wochenblatt, keinem Buch auch nur bie geringste sprachliche Entgleisung zu entbeden vermag. Man finbet nichts in diesem faltenlosen Meer unb rounbert sich nur, baß ber Deutsche Sprachverein seine Auflösung noch nicht befanntgegeben hat, unb baß man selber noch ben traurigen Mut hat, überhaupt an bie Möglichkeit eines Fehlers zu denken.
Nur in einer so verzweifelten Gemütslage kann einem der Gedanke kommen, sich über Haben unb Besitzen Rechenschaft zu geben. Was habe ich? Was besitze ich? Ich fanb — was offenbar an mir lag — heute keinen Fehler. Konnten bie Schriften, die ich durchblätterte, etwa doch Fehler besitzen? Es ist nicht müßig, einmal über ben Besitz von Fehlern ober Mängeln nachzubenken. Zugegeben, baß ber Mensch wesensmäßig Fehler unb Vorzüge ebensowohl besitzen wie haben kann, so wirb ein Menschenwerk. gleich welcher Art, wenn es nur zufällig fehlerhaft ausgefallen ist, boch keinen Fehler besitzen, sonbern einen haben. Denn ber Fehler gehört nicht zur Sache, ist nicht beabsichttgt, nicht notwendig, sonbern nur zufällig ba unb also kein Besitz. Fanb ich heute in meiner Zeitung keine Sprachfehler, so hatte sie eben keine, unb wenn sie morgen welche hat, so wirb sie boch niemals welche besitzen. Denn Fehler unb Mängel sinb nur zufällig in ihr enthalten. Sie ist ursprünglich vollkommen, besitzt Vollkommenheit ihrer Wesenheit nach.
Mit bem Menschen ist es, wie gesagt, schlechter bestellt als mit ben Dingen, die von seiner Arbeit erschaffen werden. Er kann Untugenden und Mängel besitzen. Aber einen Unfall, ein Unglück wird er immer nur haben, nicht besitzen, wie er auch das Glück nicht besitzen kann und überhaupt nichts Zufälliges ober Vergängliches mit Ausnahme von Gelb unb Gut und jedem wirklichen Eigentum, solange er es eben hat. Dagegen Schulden kann man wiederum nicht besitzen, sondern nur haben, weil sie einem nicht selbst gehören, sondern einem anderen.
Was einer hat, ist also immer mehr als was einer besitzt. Dieser sehr einleuchtende Satz schrankt das Besitzen auf ein sehr wirkliches und zuverlässiges Haben ein. Nur eins ist zu bedenken, eine kleine, doch sehr wichtige Ausnahme, die das Be-
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bekannten ich Herrn
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Ueberaus vergnüglich wäre es, wenn jeber der Zufallsdinge erlebt (und wer erlebt sie nicht), sie niederschreiben und sammeln würde, so daß sich bann vielleicht im Zusammenhang vieler solcher Sammlungen eine großzügige Uebersicht ergäbe über das Wesen des Zufalls, feine Eingangs- und Ausgangswege und fein sonderbares Treiben überhaupt. Anders als erfahrungsgemäß kommt man ja an solcherlei geheimnisvolle Dinge doch niemals heran. ., .. , ., . ,
Gerade am Tage, bevor id) dieses geschrieben, erlebte ich solch einen erquicklichen Zufall, den ich
Für Menschen, die ein „inneres Leben" chen (würde es jeder besitzen, wäre manches, was uns heute im großen Zusammenhang als fast unlösbar bedrängt, schon zu einem guten Teil gelöst), für solche Menschen also bietet das Spiel des Zufalls, dem sie hin und wieder begegnen, eine Freude besonderer Art. Das Geheimnisvolle, Ueber- raschende, Verblüffende an ihm durchbricht als erquickendes Abenteuer ben normalen Ablauf ber Geschehnisse, man ahnt im Hintergrunb, ben mir nicht kennen, eine rätselhafte Macht, bie ben Dm- gen eine anbere Drbnung zumeist, als sie ber „Verstaub bes Derstänbigen" sieht. Für mich unb gereift auch für manche andere bedeutet vom Zufall überrascht zu werden ein vergnügtes innerliches Fest, fast eine Begnadung von feiten des Schicksals, die mich, so lange es sich nicht um peinliche oder tragische Dinge handelt, mit Heiterkeit erlöst und aus den Fesseln des gedanklichen Alltags befreit Aehn- lich ben Spitzbübereien, bie uns m ber Kinbbeit Spaß machten, sinb biese Kapriolen bes Schicksals uns erfreulich als kleine Bocksprünge bes betrach- tenben Alltags Freilich gibt es viele, bie ben Zufall mathematisch unb vernunftgerecht ernst nehmen unb bamit behaupten, baß es ihn eigentlich gar nicht gibt. Aber gerabe sie betreten bamit bas Reich des Übersinnlichen, wohin man nur guten Glaubens, aber nicht beredjnenb gelangen kann.
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