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Montag, 25. Januar 1957

187. Jahrgang

Gietzener Anzeiger

Berlin

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i Lyon eine Rede gehalten, der die Pariser Wchssi die Bedeutung eines europäischen Ereignisses -»omr gesagt hatte. Blum bekannte, daß er durch 'lititie Voraussage überrascht worden sei, aber den- lAoch «ereit sei, über das deutsch-französische Ver- i25//iiäittn zu sprechen. Die Worte, die er an Deutsch- 'ichtete, waren nach jeder Richtuna hin ver- ?miidlch, und es war nichts in seinen Ausführungen,

IMtnib nit Befriedigung kann man auch feststellen, r nichts vorschlagen wolle, was einem Handel isijtiilbl sehe, obwohl die Idee entstanden sei, daß

m.üHe iQilfe für Deutschland auf wirtschaftlichem Ge- ITItlr ,ur bann in Frage komme, wenn es sich zu iL.uliterlbefriedigenden Teilnahme an der friedlichen l32.bR jgtung der europäischen Lage bereit findet. Es ach nicht sein Wunsch, eine mögliche Berschlech-

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^rrMär«, daß er an dem von Adolf Hitler mehrfach uo'xebvrlch proklamierten Friedenswillen nicht zweifele,

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Das alle Verlangen nach Gesamlregelung undunteilbarem" Frieden.

gäbe und die ganze Macht seines nationalen Wil­lens einsetzt, um ernste Schwierigkeiten wirtschaftlicher Art zu überwinden. In vielen Köpfen ist daher von selbst der Gedanke an eine Art Austausch, eine Art Vertrag wach gewor­den, durch den Deutschland auf wirtschaft­lichem Gebiet eine Hilfe erhalten würde, die es durch eine befriedigende Teilnahme an der friedlichen Regelung der europäischen Lage wettmachen würde.

Ich möchte mich nicht auf diesen Boden stellen. Ich bin nicht der Ansicht, daß wir Deutschland etwas vorschlagen sollten, was einem han­del ähnelt. Wir sind uns unserer nationalen Würde zu sehr bewußt, und wir sind ent­schlossen, nötigenfalls deren Achtung durchzu- sehen, um nicht selbst die Würde der anderen Nationen zu achten. Noch ferner liegt uns der falsche wie gefährliche Gedanke, daß die Ver­schlimmerung der wirtschaftlichen Schwierig­keiten Deutschlands dieses eines Tages zwingen könnte, um Hilfe zu bitten und Bedingungen zu erdulden. Schließlich hüten wir uns, einen Zweifel zu hegen an dem Friedenswillen, den Reichskanzler h i t- ler bei feierlichen Gelegenheiten proklamiert hat. wenn eines Tages Abkommen zustande- kommen sollten, so können und dürfen sie nur in einem Gei st e des Vertrauens und auf dem Fuße der Gleichheit abgeschlossen werden.

Wie kann man sich aber beim gegenwärtigen Stand Europas, während das Wettrüsten überall in beschleunigterem Tempo als vor dem Kriege fortgesetzt wird, Wirtschaftsabkommen un­abhängig von der politischen Rege- lung denken? Welches Volk würde einwilligen, mit einem anderen Volk zusammenzuwirken, sei es durch Eröffnung von Krediten, sei es durch Besse­rung seiner Rohstoffversorgung, sei es durch Erleich­terungen für die Siedlung oder Kolonisierung, wenn cs auch im geringsten Maße Bedenken haben müßte, daß die von ihm geleistete Hilfe Gefahr läuft, sich pines Tages gegen es zu richten, daß die Kredite, die Rohstoffe, die auswärtigen Niederlassungen noch eme militärische Stärke und eine militärische Mög­lichkeit (potentiell steigern würden, deren Opfer es selbst oder seine Freunde sein würden. Es besteht also ein unvermeidlicher Zusammen­hang zwischen der wirtschaftlichen Zusammenarbeit einerseits, der friedlichen Organisierung und dem Aufhalten des Wettrüstens auf der anderen Seite.

Ich habe die Aeberzeugung, daß gerade die übertriebenen Rüstungen Europa zwingen wer­den, die Frage der Abrüstung einer erneu­ten Prüfung zu unterziehen. Ein Abkommen über die Begrenzung und allmähliche Beschrän­kung der Rüstungen muß notwendiger weife wichtiger Bestandteil einer allgemeinen Rege­lung der europäischen Probleme fein. Aber die kriegsmaterialherslellung nimmt heutzutage einen solchen Platz in der Erzeugung der industriellen Völker ein, daß es wahrschein­lich unmöglich wäre, einfach ihren Stillstand anzuordnen, ohne sich der Gefahr schwerer in­nerer Krisen auszufehen. Vielleicht ist es nicht

2ser Wille zur Zusammenarbeit ist deutscher Seite uneinge s ch r änkt 7»'Händen. Wenn der französische Ministerprä- 1kit erklärt, daß auch er bereit sei, ohne Hint^- Jibiinten und ohne Hemmung in eine Aussprache Deutschland einzutreten, so mag das als ein Brs Vorzeichen für die Zukunft gedeutet werden;

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Regierungswechsel in Japan.

General Ugaki

mit der Kabinettsbildung betraut.

Tokio, 25. Ian. (DRB. Funkspruch. Ostasien- dienst.) General U g a k i wurde vom Kaiser m i t der Kabinettsbildung betraut. Die Be­auftragung erfolgte auf den Rat des Prinzen S a i o n i, des Siegelbewahrers P u a f a und des Präsidenten des Staatsrates, h i r a n u m a. Der gemeinsame Vorschlag dieser drei Staatsmänner be­deutet die Wiederbelebung der früheren Gepflogen­heit, daß der Kaiser von der (Bento, einem Kreis alter Staatsmänner, beraten wird. General Ugaki findet bei den Parteien, in der Presse und in der wirtschaft eine günstige Aufnahme, da er eine Verständigung mit den Par­teien anstrebt und, wie die Presse betont, die Einmischung des Heeres in die Staats- führung eindämmen werde. Er fei ein wann großen Formats mit reichen Erfahrungen und vie­len Beziehungen zu Politik und wirtschaft.

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iifoMHU nötigen, um Hilfe zu bitten und sich poli- .kisühc Bedingungen zu unterwerfen.

das Zurückgreifen auf die Vergangenheit aber wird immer wieder zu einer Politik im Kreise füh­ren müssen.

Die Rede in Hon.

Paris, 24. Ian. (DNB.) In Lyon fand am Sonntag die angekündigte Volksfrontkundgebung statt. 15 Minister und Unterstaatssekretäre, darunter auch Außenminister D e l b o s, Parlamentarier und hohe Beamte hatten den Ministerpräsidenten Blum nach Lyon begleitet. Nach einem Besuch bei Bürgermeister H e r r i o t begaben sich der Mini­sterpräsident und seine Begleiter zurArbeiter­börse", wo ein Festessen von 2000 Gedecken statt­fand. Nach Schluß des Essens nahmen die Ver­treter der der Volksfront angehörenden Linkspar­teien und Verbände das Wort, darunter auch H e r - r i o t und der Sekretär der Kommunistischen Par­tei, Duclos. Dann sprach Leon Blum vor etwa 6000 Personen, denn inzwischen hatten sich die Zu­schauertribünen und die anliegenden Säle mit wei­teren Zuhörern gefüllt. Seine Worte wurden mit lebhaftem Beifall ausgenommen. Anschließend er­tönten die Internationale und die Marseillaise.

Leon Blum

wies einleitend darauf hin, daß die Volksfront fest stehe. Die französische Wirtschaft müsse einen ganzen Komplex von wichtigen Maßnahmen ver­dauen, von dem sie fast gleichzeitig betroffen wor-

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Deutschland und Frankreich.

Oer französische Ministerpräsident Blum über Methoden und Möglichkeiten einer deutsch-französischen Verständigung.

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politit im Kreise.

Rede Blums schreibt derDeutsche

Unmittelbare Aussprache mit Deutsch­land", was bedeutet das eigentlich? Wir haben stets unmittelbare Besprechungen mit Deutschland durch Vermittlung des deutschen Botschafters in Paris oder des französischen.Botschafters in Berlin, durch Fühlungnahme unserer Minister, wenn sie das Glück haben, einander zu treffen. Unmittelbare Verhandlungen bestehen also; aber ich fürchte, wenn man von unmittelbarer Verhandlung spricht, benft man in Wirklichkeit an etwas anderes. Un­mittelbare Verhandlung bedeutet in der Auffassung der Männer, die diesen Ausdruck am liebsten brauchen, in Wirklichkeitgesonderte Rege- l u n g". Man versteht darunter, daß zwischen Deutschland und Frankreich nach einer Aus­sprache zu zweien ein festes Abkommen Zu­standekommen könnte, ohne daß andere Mächte an der Aussprache teilnehmen oder an die Lösuna ge­bunden werden. Natürlich läuft diese Auffassung auf die von Reichskanzler Hitler befürwortete und angewendete Methode hinaus, die nach dem A b - schluß von zweiseitigen Pakten abzielt, die gesondert von einem Staat mit jedem der Staaten abgeschlossen werden, die ihn umgeben oder interessieren, und die in ihrer Verhandlung wie in ihren Auswirkungen voneinander getrennt werden.

Diese Methode befürwortet und wendet die französische Regierung nicht an. Ich glaube, Wirklichkeitssinn zu beweisen, wenn ich erkläre, daß wir die französische Sicherheit nicht vom europäischen Frieden trennen wol­len, und wir wollen das nicht, weil wir es nicht können. Wir sind überzeugt, daß keine für Frankreich besonders geschaffene Verpflich­tung die Sicherheit Frankreichs verbürgen würde. Das ist die Ueberzeugung, die durch die oft fo falsch verstandene Formel vom unteil­baren Frieden zum Ausdruck gebracht wird, wir können in Europa nicht gleichgültige Zuschauer bleiben, wir sind Mitglieder des Völkerbundes. Wir sind seinen Grundsätzen und seinen Satzungen treu. Wir haben Freund­schaften angeknüpft, an denen wir voll und ganz fefthallen. (Auch mit Moskau!) Wir haben Verpflichtungen übernom­men, denen wir uneingeschränkt treu bleiben. Unser Ziel bleibt, um eine Wendung der Lon­doner Verlautbarung vom Juli wieder aufzu­nehmen, die Gesamtregelung der europäischen Probleme, wir haben bewiesen, daß wir, um dazu zu gelangen, be­reit sind, den freimütigsten, uneigennützigsten, ja ich möchte beinahe sagen, den vollsten Beitrag zu liefern.

Aber wir suchen im Hinblick auf eine allgemeine Reaeluna ober inmitten einer allgemeinen Rege­lung die Lösung des beutsch-sranzosl- schen Problems. Ich halte bie Regelung wei­terhin für möglich, wenn alle europäischen Natto- nen einen gleich guten Willen zeigen. Aber ,ch bm wie es Eben am Dienstag in seiner Rebe gesagt hat, der Ansicht, daß diese Möglichkeit zur ge­genwärtigen Stunbeim wes e ntl i ch e n oon Deutschlanb abhängt. Ich chochte und) zu biesem Punkt mit einer uneingeschränkten Frei­mütigkeit äußern. Man sieht gerabe m dieser Zett, wie der deutsche Staat seine ganze Organrsattons-

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mehr möglich, ein internationales politisches Abrüftungsabkommen ins Auge zu fassen, das nicht ein internationales Wirt­schaftsabkommen zum Gegenstand hätte, das E r f a h m ö g l i ch k e i t e n für die Unter­nehmen und für die Arbeitskräfte bereitstem. So würden ganz natürlich die Fragen der Aus­rüstung und großer Arbeiten in Europa, in den Kolonien und in der Welt auf den Plan treten, d. h. die Fragen der materiellen und technischen Zusammenarbeit, die Kreditfragen, die finan­zielle Zusammenarbeit.

Ich komme hier auf gewisse Anregungen des Pla­nes, den zu Beginn der Krise bas Internatio­nale Arbeitsamt im Einvernehmen mit ben Gewerkschaftsoerbänben aufgestellt hatte, unb ich komme damit auch auf die Gedanken, die meine Freunde und ich nach dem Kriege für die Lö­sung des Reparationsproblems ange­regt hatten. Enge Verbindung des deutsch-französi­schen Problems mit dem gesamteuropäischen Pro­blem, notwendiger Zusammenhang der wirtschaft­lichen Zusammenarbeit mit der politischen Regelung und der Organisierung des Friedens, das sind meine Schlußfolgerungen. Ich weiß, daß sie banal sind. Aber ich hatte Sie vor der Enttäuschung gewarnt.

Ich brauche wohl kaum hinzuzufügen, daß die französische Regierung heute ebenso bereit ist, wie sie morgen bereit sein wird, durch Handlungen ihren heißen Willen zu bekunden, Europa und der Welt die wahre Sicherheit wiederzugeben, d. h. das innere tiefe Gefühl, daß die Welt wieder fried­lich geworden ist, daß keine Befürchtung mehr auf ihr lastet, daß sie die Ruhe ihrer Arbeit unb ihres Schlafes roiebergefunben hat. Eben hat in ber Rebe, auf bie ich mehrmals zurückgegriffen habe unb mit ber ich gebanklich unb gefühlsmäßig ein« verstauben bin, gesagt:Wir können bie Welt nicht burch Pakte unb Verträge heilen, auch nicht burch noch so schöne unb vom Friebensgeist burch- brungene Reben; was nötig ist, das ist ber Wille, ber unbe ft rettbare Wille zur Zusam- menarbeit." Dieser Wille ist in Frankreich einmütig vorhanben. Er ist so offenkun­dig unb hat sich so offen gezeigt, daß ihn wohl niemand in ber Welt anzuzweifeln denkt. Aber wie wir es wünschen und hoffen, baß auch Deutsch­land seinen Willen der Zusammenarbeit bekun­det, sind wir bereit, mit ihm wie mit allen anderen Völkern ohne irgendeinen Hinterged an- k e n unb ohne irgenbeine Hemmung zu arbeiten.

In ber gemeinsamen Anstrengung werben wir uns von niemanben übertreffen lassen, und wir kön­nen uns nichts Glücklicheres für (Europa vorstellen, als den edlen Wetteifer zum Frieden, der bann an­heben würbe. Wir stehen auf bem Stanbpunkt, baß bas, wofür uns das Land vielleicht heute am mei­sten Dank weiß, unsere hartnäckige unb unerschüt­terliche Anstrengung ist, ben unteilbaren Frieden zu wahren. Wir werden nicht vergessen, daß in der Formel ber Volksfrontzusammenfassung ber Friebe ber Ausbruck ist, ber bie beiben anberen Begriffe beherrscht, ba ein Volk ohne Frieben auch kein Brot hat und da es, wenn es den Frieden verliert, stets Gefahr läuft, seine Frei­heit zu verlieren.

Frankreichs Schuldenlast.

Ausblick nach einer Ausländsanleihe.

Paris, 25. Ian. (DNB. Funkspruch.) Nachdem bereits am Sonntag ber frühere Ministerpräsibent Flanbin in einer Rede in Borbeaux an ber Wirtschafts- und Finanzpolitik der französischen Volksfront-Regierung scharfe Kritik übte, und der M a t i n" mit ernster Warnung auf die Zinsen- laft der Staatsschulden in Höhe von 18 Milliarden Franks hinwies, legt heute dasJournal" in einer Haushaltsbetrachtung dar, daß sich das fran­zösische Schatzamt für die bis Ende 1937 fällig wer­denden Bedürfnisse mindestens 5 5 Milliar­den beschaffen müsse, einschließlich der 30 Mil­liarden Franks, die für die Abdeckung der Haus- baltsfehlbeträge notwendig seien. Dabei sei die Lage für die Auslage langfristischer Anleihen ungünstig. Die ins Ausland verschobenen fran­zösischen Kapitalien seien nicht zurück- gebracht worden, und der Devisenausgleichsfonds werde ständig durch neue Anforder u n * g e n in Anspruch genommen. Unter diesen Umstän­den müßte eine Ausländsanleihe den Aus­fall des einheimischen Kapitals ausgleichen.

.. 1/ b tluich Herr Blum sollte deshalb die guten Ergeb-

dev, J)a7, Ö3O i it;i( unserer Methode nicht verkennen, und er sollte >4- SffLjorfi, 27- 3°nlir' 1 Here Uneigennützigkeit dabei ebensowenig in . ' ;FZlifel ziehen wie diejenige Englands ober Jta-

2 goniM: lin unb ber anberen Staaten, mit denen eine ,, hen R . ii: trlänbigung möglich war. Oder wünscht Herr

28. Januar. a ibelftunbe. ~ Ober* I gen. 20.15: grauen^ %

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Gegensatz dazu stehen die zweiseitigen Ver- die Frankreich trotz der durch den Diib seines Ministerpräsidenten verkündeten kimbsätze geschlossen hat. Deutschland hat durch ei Abkommen mit Polen und Oesterreich, durch isZlottenabkommen mit England und durch seine keilte Aussprache mit Italien viele Gefahren­en k t e aus ber Welt geschafft. Der rcmzös isch - sowjetrussische Pakt aber bt. bis zum heutigen Tage nicht nur von Deutsch- oil als eine große Gefahr für Europa 1 lWsehen.

ben sei. Haushalt, Schatzamt und Markt hätten noch nicht ihr normales Gefickt wiedergewonnen. Der steigende Privatbedarf geselle sich zu dem öffent­lichen Bedarf, dessen Gründe man kenne: Fehl­beträge des Haushalts, Rüstungsprogramm, Fehlbetrag der Eisenbahn, außerordentliche Aus­gaben oder Vorschüsse sozialer oder wirtschaftlicher Art, die niemand bedauern dürfe, da sie gerade den Start ermöglich hätten. Die Preisbewe­gung müsse genau kontrolliert werden; im ganzen sei er optimistisch. Die Besserung der wirtschaftlichen Lage sei bereits eine Tatsache, und man sehe in einem zweiten bald bevorstehenden Stadium die Rückwirkung auf die gesamte Finanzlage. Diese Voraussage habe zur Vorbedingung, daß die in­nere Ordnung immer fester werde. Vorbe­dingung sei natürlich auch, daß nicht zu oft Sturm­zeichen den Wetterzust and Europas zu schwer störten. Die Regierung habe sich bemüht, Europa zu einem Zustand der Stabilität und der Eintracht zu bringen, auf dem sich der Frieden be­gründen könne.

Ich gelange jetzt, so fuhr Ministerpräsident Blum fort, zu dem Teil meiner Rede, der, wie ich weiß, überall mit aufmerksamstem Interesse erwartet wird. Nach den Pariser Zeitungen haben alle Zeitungen Europas und der Welt wiederholt, daß ich am 24. Januar in Lyon bie Beziehungen Deutschlands und Frankreichs behandeln würde. Ich werde sie also behandeln, da die inter­nationale Presse so entschieden hat. Wenn ich heute schweigen würde, wäre das eine Art des Sprechens.

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yjj Gönn Herr Blum jedoch versichert, er sei immer - bdkei gewesen, die aufrichtigste und freieste Anftren- -- U'giM zu machen, um mit voller Freimütigkeit die 13911382Pta^nen Probleme anzuschneiden, die das poli- 174,75 iMW Leben zweier großer Staaten aufmirft, so 162 jti Ducn igen wir ihm darin nicht zuzustimmen. Er 199 §Mv»rkAirft bie Methode ber zweiseiti- 203 -g!>- n'Pakte unb sucht die französische Sicherheit

118,75.117,15tniidLTum im Rahmen bes kollektiven will 57m Rri bens, inbem er sich auf bie Grunbsätze des v' ÖM 6unbes beruft. Gleichzeitig versichert er, daß to 1 26 tjriirireid) seinen Freunden treu bleiben wall Aber die Erfahrungen Deutsch- [iniis können die Forderungen nach dem unteil- birc Frieden nicht für die einzig w i r k - 22.ZüLun s inae Methode anerkennen. Gerade die Freunde -7Ulid Verbündeten Frankreichs sind es gewesen, die n internationalen Kollektivismus mißbraucht Hs fiWci, die sich von Frankreich Rüstungsan- leien geben ließen und durch ihre Haltung g^eiüber Deutschland erkennen ließen, daß sie es nich für nötig hielten, sich mit uns zu vertragen.

6- französische Ministerpräsident hat einen Er- fnljioorausgefagt, wenn alle gleich guten Will ens seien, aber die Eindrücke ber letzten 18 lnhre sind in Deutschland noch zu stark, als daß e 5 Ls Vertrauen in diesen guten Willen bei allen anirren aufbringen könnte. Nichts hat Deutsch- limil bisher auf dem Wege von Verhandlungen er- rrithn können, am wenigsten auf allgemeinen 5 Im reffen. Und wenn es auf dem Wege zur jlrea-eit und Gleichberechtigung vorangekommen ist, Slair nur deshalb, weil es s i ch den Weg selb st eiffifnet und sich nicht mehr auf den guten Zill in ber anderen verlassen hat. Auch müssen wir eir iten, daß unsere Methode der z w e i s e i t i - ;r Abmachung es an Wirklichkeitssinn hat Äm lassen. Keiner unserer Partner, die sich auf Hm Wege mit uns verständigt haben, hat sich i-hir übervorteilt gefühlt, unb niemand konnte 4 »urch die zweiseitigen Abkommen Deutschlands n Iren letzten Jahren beeinträchtigt oder bedroht

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General-Anzeiger für Oberhessen SsBS

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... soll? Oder soll bas starre Festhalten an ber yw,_ pen Methode wieder dazu führen, daß Deutsch-

[arl in die Zwangslage zurückversetzt wird, deren rechterhaltung das System des Völkerbundes nut *n Uid des Kollektivismus bildet. Leon Blum will Mniruf daß mit der Frage der politischen Verstän-

^L"Ng «in Handelsgeschäft gemacht werde, tft dennoch glaubt er, daß es heute nicht mehr t'Mich sei, gewisse politische Fragen von den wirt- iscillichen zu trennen.

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