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Städte und Dörfer im Dunkeln.

Eine Erinnerung aus Welikriegstagen.

Vom 20. September abends bis zum 26. September morgens wird in Berlin und anderen deutschen Städten eine Derdunke- lungsübung durchgeführt.

Langsam glitt der abgeblendete Zug in den Bahn­hof von Lille, dessen Halle zu unserer Verwunde­rung im tiefsten Dunkel lag Wir waren, von Osten kommend, am Abend vorher durch das lichterfüllte, strahlende, fast forglofe Brüssel gebummelt, und empfanden daher die schweigsame Dunkelheit des Bahnhofs von Lille um so drückender und lastender. Die Stadt Lille war uns nicht fremd. Wir kannten sie aus den ersten Wochen des Bewegungskrieges. Aber Lille im Dunkeln? Das kannten wir nicht.

Mit einem Blick auf unsere erstaunten Gesichter, sagte uns jemand mit leichtem Achselzucken:Ja, hier hat sich manches verändert. Zwar verläuft die Front noch immer weit ab von Lille, aber die Flieger..."

Wir hatten verstanden. Ein neuer Abschnitt des Krieges hatte im Westen begonnen, während wir im Osten noch imalten Stil" gekämpft hatten.

Wir hatten verstanden. Trotzdem packte uns ein Grauen, als wir draußen auf dem Bahnhofsplatz standen. Wir waren an zerschossene Häuser ge­wöhnt, deren Ruinen gespenstisch zum fahlen Him­mel ragten. Doch nun ragte eine ganze Stadt dunkel und geheimnisvoll vor uns auf. Wie sollten wir den Weg finden zum Hotel, für das wir Quartierscheine in den Händen hielten?

Wir fragten uns durch, verliefen uns natürlich in den Straßen, die in ihrer grau-dämmernden Einförmigkeit einander ähnelten. Dann aber fan­den wir oas Hotel doch, dessen breite Fassade und dessen Vestibül kunstgerecht verhangen und abge­blendet waren. Erst als uns die Lichterfülle der Vorhalle umfing, atmeten wir wieder auf.

So also sah der Krieg nun aus!

Der nächste Morgen war hell und voller Sonne. Aller Spuk der vergangenen Nacht war verflogen. Wieder ging's zum Bahnhof. Wieder pfiff die Loko­motive des Zuges, der uns immer näher an die Front brachte, die für uns keinen Schrecken hatte. Abschüsse, Einschläge, Sprengtrichter boten uns nichts Neues. Krieg ist Krieg, und Front ist Front! Und daß man mit der Taschenlaterne nicht über den Schützengraben winkt, wußten wir schließlich auch. Die Dunkelheit hier vorn hatte für uns nichts Absonderliches. An Lille dachte keiner mehr von uns.

Wirvon der Front" lächelten dieEtappenhasen" überlegen an:Wird schon nicht so schlimm werden, Kamerad!"

Es wurde sehr schlimm! In dieser Nacht kamen feindliche Bombenflugzeuge über das Dorf, an dessen Rand ein deutscher Flugplatz lag. Auch unser Bataillon hatte starke Verluste.

Mit demFrieden" war es nichts gewesen.

Dann gab's sogar Urlaub. Nicht in die Heimat. Aber in das nahe Metz. Willkommene Abwechslung, einmal wieder in einer deutschen Stadt zu sein und in ihr einen geruhsamen Abend zu verbringen.

Wir lachten fröhlich, als wir den Bahnhof von Metz verließen und uns in den grünen Mosel­anlagen ergehen konnten. Für den Abend hatten wir uns in eine kleine, versteckt gelegene, aber um so traulichere Weinstube verabredet.

Kaum haben wir zu ihr hingefunden. Denn nun am Abend lag Metz, lag auch die deutsche «tadt Metz im Dunkeln. Lag im Dunkeln wie das er­oberte Lille; im Dunkeln wie das französische Dorf mit dem deutschen Flugplatz. Durch welche Straßen wir auch gingen, welche Plätze wir auch über­querten, immer gingen und stolperten wir im Dunkeln. Und waren doch in Deutschland. Die Straßenbahnen krochen wie schwarze Särge dahin. Die Fahrzeuge, ob mit Pferden bespannt oder motorisiert, fuhren im Schneckentempo. Wer nicht auszugehen brauchte, blieb daheim.

Und wir hörten: So leben wir seit Monaten, seit Jahren! F-B

Aus dem Manöver zurück nach Gießen.

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Wenig später kam unser Regiment an eine ruhige^ Front. Hier gab es noch ein regelrechtes Ablösen. Eine geraume Zeit lagen wir vorn im Graben, dann aber kamen wir in ein rückwärts gelegenes Dorf in Ruhestellung.

Eitel Freude herrschte. Das Dorf lag außer dem Bereich der feindlichen Geschütze. So erwartete uns Frieden". Doch der Abend kam schneller, als wir dachten. Bei der Befehlsausgabe war uns einge­schärft worden, unsere Quartiere abzublenden. Streifen der Ortskommandantur gingen durch das Dorf und schritten unnachsichtlich ein, wenn sich nur ein kleiner Lichtschimmer am Fensterkreuz zeigte.

Das I. Bataillon Infanterie-Regiments 116

(Aufnahme: Neuner

Nachdem am gesttlgen Donnerstagabend bereits motorisierte Teile unseres Infanterie-Regiments 116 aus dem Manöoergelände zurückgekommen waren, kehren seit den frühesten Morgenstunden des heu- ttgen Tages auch die Marschkompanien unserer 116er und die Batterien unserer III. Abteilung Artillerie-Regiment 9 aus dem Manöver in den Standort Gießen zurück.

Heute früh gegen 7.30 Uhr marschierte das I. Bataillon Infanterie-Regiment 116 unter Füh-

auf dem Marsch vom Bahnhof zur Kaserne.

Gießener Anzeiger.)

rung des Bataillons-Kommandeurs, MajorWiefe, und unter Vorantritt der Regimentsmusik vom Gü­terbahnhof zur Kaserne. Das Bataillon marschierte durch die Hammstraße, Horst-Wessel-Wall, Bahnhof­straße, Kaplansgasse, Seltersweg, Hindenburgwall, Gartenstraße, Kaiserallee, Licher Sttaße zu seiner Unterkunft. Auf dem ganzen Marsche wurde unse­ren Infanteristen die herzliche Zuneigung der Be­völkerung bekundet.

Gegen 7.45 Uhr kam auch der erste Transport

unserer Artillerie an, der auf dem Marsche zu seiner Kaserne gleichfalls die Wahrnehmung machen konnte, daß die Gießener sich mit ihren Soldaten in engster Gemeinschaft verbunden fühlen.

Im Laufe des heutigen Tages werden bis zum frühen Nachmittag die weiteren Transporte unserer 116er auf dem Bahnhof eintreffen, der letzte Trans­port unserer Artillerie wird heute abend auf dem Güterbahnhof ankommen. Die Ankunftszeiten der verschiedenen Transporte haben wir in unserer gestrigen Ausgabe bereits mitgeteilt.

Der Damhirsch in der Garlenschaukel.

4 Butzbach, 23. Sept. Ein Ereignis seltener Art erlebte gestern ein hiesiger Einwohner, der in der Nähe des Waldes wohnt. Als er am Morgen seinen Garten betrat, fand er einen Dam­hirsch vor, der sich in den Seilen einer Schaukel, mit seinem Geweih derart verfangen hatte, daß er ich selbst aus seiner unangenehmen Lage nicht be=. reien konnte. Der Besitzer des Gartens, der von dem Blick des gefangenen hilflosen Tieres über­wältigt war, kam ihm sofort zu Hilfe und entfernte die Fesseln. Hurtig trabte der Hirsch dem nahen Walde zu, sich noch manchmal nach seinem Befreier umsehend, als wollte er ihm für seine rettende Tat Dank sagen. Vermutlich handelt es sich bei dem Hirsch um eines der beiden Tiere, die aus dem Wildpark des Jagdpächters Rumpf ausgebrochen sind.

Landkreis Gießen

00 Klein-Linden, 23. Sept. Die Ver­st eigerung des Gemeindeobstes, die am Mittwochvormittag in Gegenwart vieler Steigerer vorgenommen wurde, brachte verhältnismäßig hohe Preise. Aepfel, meist Goldparmänen und Allen- borfer Rosenäpfel von guter Beschaffenheit lamen pro Zentner auf 10 bis 12 Mark am Baum. Bir­nen kosteten 4 bis 6 Mark der Zentner, je nach Qualität. Zwetschen waren in diesem Jahr keine oorhanben.

8 Alten-Buseck, 24. Sept. Am Donnerstag fanb in ber Gemarkung Alten-Buseck eine V e r st eigerung bes Gemeinbeobstes unb ber Bestäube der Rabenauschen Besitzungen statt, an der sich viele auswärtige Käufer beteiligten. Da dis Obsternte dieses Jahr in der näheren Umgegend durchschnittlich nicht gerade gut ausgefallen ist, wurden verhältnismäßig hohe Preise erzielt. Es kosteten durchschnittlich 1 Zentner Aepfel 10 bis 12 Mark.

Steinbach, 23. Sept. Auf seiner Arbeits­stätte an der R e i ch s a u t o b a h n bei Steinbach kam heute der Arbeiter Otto G e i s l e r aus Frank­furt a. M. mit einem Fuß zwischen zwei Pufier der Feldbahn. Mit einem Fußbruch mußte der Mann von der Gießener Sanitätskolonne der Chirurgischen Klinik in Gießen zugeführt werben.

Watzenborn-Steinberg, 23. Sept. Der 38 Jahre alte Schleifer Fritz. Pitz erlitt einen Bruch bes linken Fußes unb mußte nach Gießen in die Klinik gebracht werden.

Kreis Zriedberg.

ch Butzbach, 23. Sept. In der gestrigen Mo­natsversammlung der NS. - Frauenschaft und des Frauenwerkes trugen die Mitglieder Küchel und Schnack ihre Eindrücke und Erleb­nisse bei dem Besuche des diesjährigen Reichspartei­tages in Nürnberg vor.

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