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18?. Jahrgang

Keltag, 24. September 1957

Siebener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

Prüft und Verlag: vrühlsche Univ-rfitätsdruckerei «.Lange in Gießen. Schriftleitung und Seschästrstelle: Schulftraße 7

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Mussolinis Besuch in München.

Das Programm für den morgigen Samstag.

München, 24. Sept. (DNB.) Der Sonderzug mit dem italienischen Regierungschef trifft a m Samstag, dem 25. September 1937, um 10 Uhr ein. Der Führer und Reichskanzler empfängt in Anwesenheit der Reichsleiter der NSDAP, seinen Gast und fährt mit ihm durch das geschmückte München. Fahrtweg: Schützenstraße, Karlsplatz, Neuhauserstraße, Kaufingerstraße, Ma- rienplatz, Dingerstraße, Residenzstraße, Max-Josef- Platz, Residenzstraße, Odeonsplatz, Ludwigstraße, von-der-Tann-Straße, Prinz-Carl-Palais.

Um 11.25 Uhr fährt Mussolini in Begleitung von Rudolf Heß zum Besuch in die Privatwoh­nung des Führers. Fahrtweg.- Prinzregenten­straße, Friedensengel, Aeußere Prinzreqentenstraße, Prinzregenten-Platz.

Um 12.55 Uhr erfolgt die Ausfahrt zu den Ehrentempeln am Königlichen Platz zur Kranzniederlegung. Fahrtweg: Prinzregenten- Platz, Aeußere Prinzregentenstraße, Friedensengel, Prinzregentenstraße, von-der-Tann-Straße, Lud­wigstraße, Odeonsplatz, Briennerstraße, Karolinen­platz, Königlicher Platz. Um 15 Uhr Vorbei­marsch der Parteiformationen vor der Ewigen Wache. Es marschieren: Motorisierte Poli­zei, motorisierte Hitler-Jugend, Nationalsozialistisches Kraftfahrkorps, die alten Kämpfer des Führers vom 8./9. November 1923, Hitler-Jugend mit NS.- Schulen, die Standarten der Bewegung, SA.-Stan- darte Feldherrnhalle, Reichsarbeitsdienst, SA.-

Gruppe Hochland, Nationalsozialistisches Kraftfahr­korps, Nationalsozialistisches Fliegerkorps,SS.-Ober- abschnitt Süd, Junker der Burg Vogelsang, Poli­tische Leiter, SS.-Totenkopfoerbände, SS.-Stan­darte Germania, SS.-Standarte Deutschland, zwei Bataillone SS.-Standarte Adolf Hitler.

Um 17.45 Uhr begibt sich der Führer mit Benito Mussolini in das Haus der Deutschen K u n st zur Besichtigung der großen deutschen Kunst­ausstellung. Anschließend findet ein Tee-Emp­fang statt, zu dem deutsche Künstler und Künstle­rinnen eingeladen wurden. Um 18.50 Uhr geleitet der Führer den Duce zum Bahnhof. Fahrtweg: Prinzregentenstraße, von-der-Tann-Straße, Odeons­platz, Maximilianplatz, Lenbachplatz, Elisenstraße, Luisenstrahe, Bahnhofsplatz.

Oer Duce überbringt öie Grüße der Faschistischen Partei.

Rom, 23. Sept. (DNB.) Bei der Abreise Musso­linis nach Deutschland werden auf Befehl des Par­teisekretärs, Minister S t a r a c e, die Mitglieder des Parteidirektoriums, die Parteiinspektoren, die Leiter der verschiedenen faschistischen Organisationen und eine starke Vertretung der faschistischen Kampf­bünde, Sektion Rom, mit der Parteistandarte auf dem Bahnsteig Aufstellung nehmen, um dem Duce den Gruß der Faschistischen Partei für seine Reise nach Deutschland mitzugeben.

Die Enteignungen im Memelgebiet.

Der Duce.

Mussolini Mann des Volkes.

Gewiß sind es im Leben eines großen und be­deutenden Menschen immer die Taten gewesen, die Leistungen und Erfolge, welche den Ausschlag ge­geben und ihn in das Buch der Geschichte haben eingehen lassen. Aber im Herzen des Volkes sind nicht nur die Taten eines Großen lebendig und werden in der Erinnerung wachgehalten, sondern oft sind es kleine Geschehnisse, gewissermaßen am Rande der Weltgeschichte, die im Volke fortleben und von denen man oft und gern spricht. So ist es auch im Leben des italienischen Staatschefs. Es gibt neben den unvergänglichen Leistungen die­ser großen Persönlichkeit eine ganze Reihe an sich unbedeutender und belangloser Geschehnisse, die aber im Herzen des Volkes ebenso Fuß gefaßt haben wie die großen Taten, weil sie, so unwichtig sie auch sein mögen, dennoch typisch sind und ein bezeichnendes Licht auf den Charakter Mussolinis werfen.

Es war greifen wir eine dieser kleinen Be­gebenheiten heraus am 29. Oktober 1922, als der Duce in seiner neuen Eigenschaft als Minister­präsident vom König nach Rom gerufen wurde. Mussolini steht auf dem Bahnsteig des Bahnhofs in Mailand, als auf einmal der Bahnhofsvorsteher an ihn herantritt und ihm seine Glückwünsche aus­spricht. Welche Antwort wird ihm zuteil?Ich er­warte, daß der Zug um 8 Uhr Mailand verläßt. Von heute an herrscht Ordnung in Italien!" Worte, die gar bald in die Tat um­gesetzt werden. Das italienische Volk ist es gewöhnt, daß bislang einer neuen Regierungsbildung'wochen-, ja monatelang Verhandlungen zwischen den einzel­nen Parteien voranzugeben pflegen (auch wir erin­nern uns ja noch jener Zeit, welche erst fünf Jahre zurückliegt), und nun auf einmal tritt ein Ereignis ein, das geradezu einmalig dasteht: Binnen eines Tages, binnen 24 Stunden gelingt es Mussolini, eine Regierung zu bilden, und zwar eine Regierung, die nicht nach kurzer Zeit wieder auseinanderfällt, sondern die Bestand hat. Sprach­los steht die Oeffentlichkeit vor diesem Ereignis, dessen Größe und Bedeutung wohl in diesem Augenblick nur die wenigsten zu fassen verstehen.

Zerrüttet sind die Finanzen des Staates, die Währung ist dank einer unglückseligen Wirtschafts­politik in größter Gefahr, eine K-atastrophe droht herein,3ubred)en Der Appell des Duce, sofort für den neuen Staat z u opfern, verhallt nicht ungehört und findet in allen Kreisen der Nation einen Widerhall, den wohl niemand in dieser Art erwartet hatte. Denn was geschieht? Aus ganz Italien treffen nicht weniger als 147 Millionen Lire Schuldverschreibungen ein, die von italienischen Bürgern, vom Großindustriellen genau so wie vom kleinen Handwerker, dem Staat ohne Entschädigung zurückgegeben werden, um die Finanzen des Lan­des zu verbessern und die Währung zu festigen. Und was tut Mussolini mit diesen Schuldverschrei­bungen? Er verbrennt sie eigenhändig auf einem kckoßen Vlatz, eine symbolische Handlung, die im ganzen Volk ungeheures Aufsehen erregt und Stürme des Jubels und der Begeisterung hervor- ruft.

Wir muffen arbeiten, arbeiten, arbeiten! Das ist die Parole, die Mussolini unaufhörlich in cie Herzen der Nation hämmert, damit sie sich be­wußt wird, daß nur ein einheitliches und geschlosse­nes Zus-ammenstehen aller zum Wiederaufstieg des Volkes führen kann. Der Duce dekoriert auf großen Kundgebungen Veteranen der Arbeit mit'Denk­münzen, zeichnet sie so angesichts der ganzen Na­tion aus, er sührt die gewaltige K o r'n s ch l a ch t durch, m der er selbst mit einem Preis ausgezeich­net wird^ und vor den aus ganz Italien versam­melten Bauern und den Spitzen des Staates ver­kündet er den Sieg in dieser friedlichen, aber den­noch so lebensnotwendiaen Schlecht wobei er während die kornreichsten Aehren Italiens auf hem Tisch vor ihm fieaen, erklärt:Schafft im nächsten Jahr noch 15 Millionen Meterzentner Weizen mehr, und ich zeige Euch, daß nicht nur ein Stück Brok auf jeden Italiener fällt, sondern ein ganzer Laib!" Und weiter fetzt er sich unermüdlich für die Schaf­fung von Neuland ein, immer wieder bringt er zum Ausdruck, daß es die höchste Aufgabe des Staates fein muß, den letzten Fußbreit Bodens in der Heimat urbar zu machen und die Sümpfe trocken zu legen. Und angesichts der Tatsache, daß die alten Römer die besten und kühnsten Wege- bauer waren, deren Verkehrsstraßen in fremden Ländern noch heute befahren werden, ist für Mus­solini die Einweihung jeder neuen Straße mehr als ein reiner Repräsentationsakt, denn für ihn laufen

* PteT die Wege von Vergangenheit und Zukunft ineinander.

So ist es auch für Mussolini selbstverständlich, oor er alle Bestrebungen warmherzig fördert und unterstützt, welche zum Ziel haben, Sitten und Ge- rt?,1- $er Vorfahren aufzudecken. Bei der Be- sichtigung neuer Ausgrabungen spricht er zu den Arbeitern, welche bei der Abtragung alter Häuser in - Rom einen antiken Kopf gefunden haben, die bezeichnenden Sätze:Ich meine oft, die alten

0 P1 ! Jß0en. Sie sind mir so nahe, als hätte nd) sie leibhaftig vor mir!" Mit diesen Worten zeigt Der Duce deutlich genug, wie tief er im alten Romertum wurzelt. So ist es auch kein Wunder, Daß er ollen wissenschaftlichen Fragen und Pro- EHemen das stärkste Interesse entgegenbrinqt. Er eröffnet Songreffe für Philosophie und fühlt sich ^abei ganz besonders in feinem Element, verdankt ?r Ööch nach feinem eigenen Urteil gerade Nietzsche außerordentlich viel. Er ruft dieKönigliche Jta- lenische Akademie" ins Leben, in der dis 60 her­vorragendsten Vertreter von Italiens Kunst und

Litauische AvsMchte.

Berlin, 23. Sept. (DNB.) Das Echo, das die von der litauischen Regierung ausgesprochene Ent­eignung einer Landfläche von 440 Hektar in der Stadt und im Kreise Memel in der deutschen Oeffentlichkeit gefunden hat, vor allem die Feststellungen, daß es sich hier um einen glatten Verstoß gegen das Memel- ft a t u t und einen Eingriff in die Rechte der auto­nomen Behörde des Memelgebietes handelt, veran­lassen dieLitauische Telegraphenagentur" zu der Erklärung, daß die zuständigen litauischen Stellen auf dem Standpunkt ständen, das Enteignungsge­setz stehe mit dem Memelstatut in Einklang, die (Enteignungen seien daher gerechtfertigt. Die Be­stimmung des Artikels 5 Ziffer 9 des Memelstatuts, die ausdrücklich vorschreibt, daß die bürgerliche Ge­setzgebung einschl. des Eigentumsrechtes zum Zuständigkeitsbereich der autonomen m e - melländischen Behörden gehört, wird mit dem Bemerken beiseite geschoben, daß die Ent­eignungen für öffentliche Zwecke nicht zum Bereich des Z i v i l r e ch t e s gehören. Auch wird die Tatsache mit Stillschweigen übergangen, daß der litauische Völkerrechtler Robinson in einem Kommentar zum Memelstatut sich auf den Stand-

Wissenschaft vereinigt find, kurzum, es gibt keine geistige Frage, an der er nicht Anteil nimmt.

Den Stolz auf die Nation in das Herz jedes Untertanen, auch des schlichtesten Arbeiters zu häm­mern, sieht er als seine vornehmste Aufgabe an, denn er weiß, daß er nur dann all' die großen Ziele verwirklichen und in die Tat umsetzen kann, wenn das ganze Volk hinter ihm steht.Ita­lien muß sich selbst helfen", ist fein Leit­gedanke, dem er bei mehr als einer Gelegenheit beredten Ausdruck verleiht. Als bei den großen Erdbebenkatastrophen von zahlreichen Kreisen des Auslandes erklärt wird, daß man den Opfern hel­fen wolle, da lehnt Mussolini diese Hilfsbereitschaft ab. Er will beweisen, daß Italien stark genug ge­worden ist, um das Mitleid der Welt entbehren zu können. Niemals versäumt er es auf feinen Inspek­tionsreisen, die in Waisenhäusern untergebrachten Kinder der bei solchen Katastrophen verunglückten Eltern aufzusuchen. Besonders läßt er sich auch die Verbundenheit mit den auslandsitalieni­schen Volksgenossen angelegen fein, weil er wohl weiß, ein wie wichtiges Bindeglied zur Heimat sie darstellt. Wenn er in jedem Jahr eine Anzahl Kinder der in fremden Ländern lebenden Italiener während der Ferien nach Italien kommen läßt, um die lebendige Beziehung dieser Jugend zum gemeinsamen Vaterland Rom wachzuhalten, dann weiß er, daß dies feine Früchte trägt, daß diese Jugend sich nun erst recht ihrer Verantwor­tung, auf Vorposten der Nation zu stehen, be­wußt ist.

Was Mussolini auch immer tun mag, in seinem ganzen Denken bleibt er von dem gleichen Geist beseelt, wie in jenen Tagen, da er den Marsch auf Nom antrat. Wenn er sich im Schwarzhemd, dem Ehrenkleid seiner Sturmscharen zeigt, dann bringt er damit zum Ausdruck, daß faschistisches Denken eine Weltanschauung und faschistische Tracht eine Uniform ist, durch die der gemeinsame Wille ich dokumentiert. Und weil er das Vaterland vom Abgrund des Bolschewismus emporgerissen hat zur Freiheit, Weltgeltung und nationaler Ehre, weil er fein ganzes Leben einzig und allein in den Dienst der Nation gestellt hat, deshalb schlagen ihm auch die Herzen aller Italiener entgegen und des­halb heißen auch wir Deutschen, die wir eine tiefe Achtung vor einer so starken und ausgeprägten Persönlichkeit haben, den Duce im Deutschland Adolf Hitlers herzlich willkommen. - D. S,

punkt gestellt hat, daß Enteignungen im Memelge­biet Sache des Memelländischen Direk­toriums, der obersten autonomen Behörde des Memelgebietes, fei.

Die litauischen Argumente können somit in keiner Weise ernst genommen werden. Wenn behauptet wird, daß der Gouverneur nur solche Gesetze mit dem Veto belegt, die entweder im Widerspruch zum Memelstatut stehen oder die die Bestimmungen des Statuts nicht genügend berücksichtigen, so kann an Hand zahlreicher Beispiele das Gegenteil festgestellt werden. Aber den Kownoer Stellen ist es ja um eine sachliche Auseinandersetzung gar nicht zu tun, sondern lediglich darum, durch eine im Ton der gekränkten Unschuld vorgetrageneWiderlegung" nach bewährter Methode den Spieß umzudrehen. Wenn dieLitauische Telegraphenagentur" schließ­lich versichert, daß Litauen immer danach trachtet, die guten nachbarlichen Beziehungen zu Deutsch­land zu erhalten und zu vertiefen, so ist das auch der Wunsch Deutschlands. Die litauische Regierung muß sich aber darüber klar werden, daß die Vor­aussetzung dieser guten Beziehungen die Ein­haltung der von Litauen im Memelabkommen über­nommenen internationalen Verpflichtungen und die Achtung der Rechte der Memelländer der darstellt.

Rom ehrt den Gründer des ersten Imperiums.

Eine Ausstellung zum 200. Geburtstag des Kaisers Augustus.

ar/ftom' 23. Sept. (DNB.) Arn Tag vor seiner Abreise nach Deutschland hat Mussolini die große Ausstellung eingeweiht, die anläßlich der Feier des 200 0. Geburtstages von Kaiser A u - a u st u s veranstaltet wird und als Symbol der Glanzzeit des ersten römischen Imperiums ein ganzes Jahr geöffnet bleibt Die Ausstel­lung gibt einen vorzüglichen Einblick in den monu­mentalen Bauwillen und die künstlerische Gestal­tungskraft der augustäischen Zeit und zeigt in ein» Zelnen interessanten dokumentarischen Stücken und Reproduktionen aus den wichtigsten Museen der Welt das Leben des antiken römischen Imperiums wobei Heerwesen, Verwaltung, Bewässerungsan­lagen sowie die sozialen Probleme besondere Be­rücksichtigung finden. Zu Ehren des Begründers des ersten römischen Imperiums war am Donnerstag­abend das Kapitol und der Kapitol-Platz das Fo­rum Romanum, der Palatin und andere Monu­mentalbauten des Altertums wie auch alle öffent­lichen Gebäude, darunter zahlreiche faschistische Bauwerke, f e st l i ch b e l e u ch t e t. Die Presse schil­dert Mussolini als den Träger der großen Tradi- Uon des antiken Roms, die er im faschistischen Staat zu neuem Leben gerufen und vor neue, habe in '3uEunft reichende Aufgaben gestellt

Aufrüstung auch in Holland.

Den Haag, 23. Sept. (DNB.) Die holländische Regierung hat einen Gesetzentwurf eingebracht nach dem das jährliche Rekrutenkontinqent von 19500 auf 32000 Mann erhöht wer­den soll. Ferner soll die Dauer der ersten militä­rischen Uebung für die unberittenen Truppen von 5% auf 11 Monate verlängert werden. Die bisher in Holland übliche Freistellung vom Militärdienst wegen Bruderdienst und die Auslösung der Dienstpflichtigen sollen ab ge­schafft und Befreiung vom Militärdienst in Zu­kunft nur aus gesundheitlichen Gründen gewahrt werden.

Wie sieht es in der Wirtschaft aus.

lieber 300 000 Lebensmitteleinzelhan. delsgeschäfte sind im ganzen Reiche in die Versorgung der Bevölkerung mit Nahrung-- und Genußmitteln eingeschaltet. Wo man in unserer Zeit von der Sicherstellung der Ernährung unseres Volkes aus eigener Kraft, von Marktordnung und Verbrauchslenkung spricht, darf der Mann hinter dem Ladentisch nicht vergessen werden, der als Propagandist unserer Ernährungspolitik neue Ge- dankengänae in die Verbraucherschaft trägt und sie mit den Zielen und dem Wollen der Führung unserer Agrarpolitik vertraut macht. Die Vielfalt der öffentlichen Aufgaben, die heute dem Lebens- mittelkaufmann als Mittler zwischen Er­zeugung und Verbrauch übertragen sind, verleiht ihm eine volkswirtschaftliche und ernäh- rungspolitische Bedeutung, die er früher nie ge­habt hat. So fallen zum Beispiel in der Ver­brauchslenkung dem Lebensmitteleinzelhandel die bedeutungsvollsten Aufgaben zu. In seinen Läden kaufen täglich Millionen Verbraucher und Verbraucherinnen, denen der Kaufmann aus feinem Wissen um die volkswirtschaftlichen Notwendigkeiten heraus nach der jeweiligen Markt- und Dorratslage Anregungen für ihre Einkäufe geben kann. Er kann aber auch Vorurteile bei der Verbraucherschaft beseitigen helfen, kann das Interesse der Haus­frauen wachrufen für neue oder in Vergessenheit geratene Lebensrnittel. Die Erfolge, die auf diesem Gebiete bisher erreicht wurden, lassen erwarten, daß die vielfach notwendige Verlagerung des Ver­brauchs auch erreicht wird. Die Jahrestagung der Fachgruppe Nahrungs- und Genußmittel in Dortmund und die gleichzeitig veranstaltete Reichsausftellung werden den Beweis für die Ein­satzbereitschaft der in der Fachgruppe vereinigten Lebensmittelkaufleute erbringen. Man wird« ihrer öffentlichen Funktion als Treuhänder der deutschen Ernährung nicht gerecht, wenn man nicht einen Blick auf die betriebswirtschaftlichen Verhältnisse wirft und daraus sieht, daß man es hier in der Mehrzahl mit kleinen Betrieben zu tun hat, die nur unter Mitwirkung von Familienangehörigen ihren Dienst ausüben können. 42,4 v. H. aller im Einzechandel Beschäftigten find selbständige Kauf­leute, 18,4 v. H. sind mithelfende Familienange- hörige. Bei größter Arbeitsleistung erfüllt der Lebensmitteleinzelhandel in unserer Ernährungs­wirtschaft eine Aufgabe, deren Bedeutung heute größer ist als je zuvor.

Die Sparkasseneinlagen im August zei- gen eine weitere erfreuliche Aufwärtsentwicklung, womit bewiesen wird, daß die an dieser Stelle auf» gezeigten Besserungstendenzen in der Wirtschafts­lage der breiten Volksschichten angehalten haben. Nach den soeben veröffentlichten Monatsausweisen der deutschen Sparkassen betrugen die Sparein­lagen im Berichtsmonat 94,1 Millionen RM. Der Einzahlungsüberfchuß, also der Unter­schied zwischen den Ein- und Rückzahlungen auf den Sparkonten betrug allein 88 Mill. RM. Damit lag er erheblich über den entsprechenden Ueber- mfen der Vorjahre, die im August 1936 37,7 Millionen RM. und im August 1935 28,8 Mill. Reichsmark betrugen. In den ersten acht Monaten dieses Jahres betrug der Einzahlungsüberschuß 515,8 Mill. RM. und übertraf damit den Ueber- schuß von 1935, der 437,8 Mill. RM. betrug und der beste seit langer Zeit war. Deutlicher als im Dorangegangenen Monat ist das gute Sparergebnis im August auf die günstige Entwicklung der Ein­zahlungen zurückzuführen, die um 55,5 Mill. RM. oder 14 v. H. über jenen im August 1936 lagen und auch die vom August 1935 um 5 v. H. über» fliegen. Die Rückzahlungen hielten sich dagegen etwa auf dem Stand des Vorjahres, eine Entwicklung, die bei dem feit Jahresfrist um rund eine Mil­liarde Reichsmark gestiegenen Spareinlagenbestand auch recht positiv ist. Auch die Zweimonatsbilanzen der genossenschaftlichen Volksbanken stehen unter dem Zeichen eines stark erhöhten Ein­lagenzuwachses. Sieht man bei einem Vergleich mit dem Vorjahr von den durch Zu- oder Angang von Banken entstandenen Veränderungen ab, so ergibt sich für das erste Halbjahr 1937' ein Einlaqenzu- machs, der mit 104 Mill. RM. noch großer ist als der Zuwachs des gesamten Jahres '1936, der 99 Millionen RM. betrug. Der gesamte Einlagenbe- stand beläuft sich nunmehr auf 1683 Mill. RM.' (Einen großen Teil ihrer gesteigerten Kaufkraft konnten die Volksbanken durch erhöhte Abnahme von Reichsanleihen dem Staat zur Verfügung ftel- len. Der Wertpapierbestand erfuhr die ' außeror­dentliche, fast 20prozentige Zunahme von 28 Mil- lionen Reichsmark und stellte sich somit auf 180 Millionen RM. Die Zunahme der entsprechenden Zeit des Vorjahres betrug noch nicht die Hälfte, auch aus diesen Beispielen sieht man, daß die breite Bevölkerung immer mehr ihre Verdienste in Rück­lagen und nicht in einem Sofortverbrauch anzu­legen pflegt.

V. A. Der deutsche A u ß e n h a n Ü e l hat sich im August ganz besonders erfreulich entwickelt Die Einfuhr betrug im August 482 Millionen Mark damit gegenüber dem Vormonat rund 18 Millionen Mark oder um 4 v. H. niedriger Nach den bisherigen Erfahrungen pflegt die Einfuhr im orU$Uu fnoe ma^-S uachzulassen. Gegenüber dem ergibt sich allerdings eine Steigerung um 136 Millionen Mark. Von den beiden Haupt- warengruppen hat lediglich die Einfuhr der Er- nahrungswirtschaft abgenommen. Ausschlaggebend jur Dtelen Rückgang war die Verminderung der Ge- treideelNsuhr, die insgesamt 15 Millionen Mark betrug. Im Bereich der gewerblichen Wirtschaft hat sich Oie Einfuhr dagegen leicht erhöht. Aus Europa