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Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhefsen)

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Susannes Tochter.

Vornan von Hedda Westenberger, lvpyright by Carl Duncker, Verlag. Berlin W 35. k Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)

Richailow sieht ihm noch eine Weile träge zu, bonn steht er auf, reckt sich und tut ein paar Schritte auf den Mann und das Pferd zu:Du, Joseph, weißt du, was ich mir überlegt habe? Don morgen ob werden wir uns die Arbeit wieder ein bißchen achsrs einteilen. Ich werde die Füchse wieder selber füttern, und du brauchst mir nur noch früh das 8-vg dazu herzurichten. Dafür kannst du dann $<itger im Stall anfangen, und so haust du am Rilhmittag ein bißchen Zeit heraus, um dem Mern auf dem Feld zu helfen. Wenn jetzt so tänzU Sommer wird, drängt sich's ihm wahrschein- lii) ziemlich mit der Arbeit, meinst du nicht auch? Uni außerdem ist ja auch so allerhand, was jetzt »Mich mal gerichtet werden muß, zum Beispiel bfr Zaun, der die Haaslinger Wiese gegen unsere abgienzt, und die äußere Tür vom zweiten Wasser- hierDoir. Erinnerst du dich, die wollten wir schon ® Herbst machen. Und dann dachte ich mir..

; hält inne und zündet sich umständlich eine Tgvrette an, um dem erstaunten Blick des Knechtes W begegnen zu müssen.

La, und dann dachte ich mir", fährt er fort, Wem sich die Augen des Knechtes wieder zu feintr Arbeit zurückgefunden haben,daß du dir io ciud) ein bißchen Zeit für Herrn Lyk freihalten Wiest. Ich kenne ihn ja nicht, aber ich denke mir, tr toirb so dies und das finden, was er lieber uöiTS haben möchte, als es jetzt ist, und den Barem kann er ja dazu nicht anstellen. Also bleiben Ws Sachen an dir hängen, verstehst du? Und bei ist ja weiter auch nicht schlimm."

D.*r Knecht nickt, ohne in seiner Arbeit innezu- bolten:Tut der lang dahierbleiben, der Herr Lyk frtg: er, und es klingt, als sei auch er nicht gar foschr erfreut über den zu erwartenden Besuch.

Üichailow lächelt belustigt:Lieber Joseph, da htdft du mich zu viel. Aber ich nehme an, daß er b Herbst bleiben will, sonst brächte er ja nicht fat Haushällerin mit."

Uh Jesses Maria!" Der Knecht gibt dem Rappen einen freundschaftlichen Klaps in die Seite. Dabei schielt er zu Michailow hinüber, als wollte er sagen: das hagelt uns aber bös' ins Korn, mein Lieber!

Michailow versteht diesen Blick sehr gut, aber er tut, als habe er ihn nicht gesehen, und sieht über den Hof hin, auf dem noch immer der Pfau auf und ab stolziert und ein paar Hennen geschäftig gackernd nach Würmern suchen.

Da fällt ihm auf einmal ein Mensch auf, der jenseits des Gutszaunes steht und unbeweglich in den Hof starrt: ein bärtiger Mann mit einem ver­witterten breitrandigen Hut und einem großen Rucksack. Er unterschied sich in nichts von anderen Landstreichern, die oft genug hier vorbeikommen, hätte seine Haltung nicht etwas unheimlich Ver­steinertes.

Als er bemerkt, daß Michailow ihn gesehen hat und ihn. beobachtet, gerät endlich Bewegung in ihn. Er nimmt den Hut vom Kopf, öffnet das Gatter, das den Hof gegen die Wiesen hin abschließt, und kommt langsam näher.

Michailow, froh darüber, von dem etwas pein­lich und zu vertraulich ausgelaufenen Gespräch über Lvks Kommen ablenken zu können, tippt dem Knecht leicht auf die Schulter:Du, Joseph, wer kommt denn da? Kennst du den Mann.

Der da?" sagt er in einem Ton zwischen Mit­leid und Geringschätzung,dees isch 'lei der Renz, der Taglöhner." Und als lohne es nicht, dem Naher- kommenden mehr als einen Blick zu schenken, wendet er sich wieder seiner Arbeit zu.

Inzwischen ist der Bärtige schon auf Sprechweite heran. Er macht mit dem Hut, den er jetzt m der ftanö hält, eine Bewegung, die einen Gruß an­deuten soll, und fragt mit heiserer Stimme nach Herrn Lyk.

Herr Lyk sei nicht da, gibt Michailow kurz zu­rück und läßt die Augen flüchtig über des Frem­den Gestalt gehen, über die zerrissenen, abgetrage­nen Stiefel, über die vielfach geflickten Hosen und den abgeschabten Rock.

Da der Tagelöhner ruhig stehenbleibt und wie in scharfem Nachdenken den Kopf senkt, fügt Michailow schon etwas ungeduldig und herrisch hinzu: überdies empfange Herr Lyk durchaus nicht jeden Hergelaufenen, und um was es sich denn handele?

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Ausländsdeutsche Mädchen helfen bei der Ernte in Hof-Güll.

Erntedienst.

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Unter den Sensen fällt das Getreide. Viele Hände binden.

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uns ermöglicht.

(Aufnahmen [5]: Neuner, Gießener Anzeiger.)

Feld zu bringen hatten, erscheint das Bild noch um einiges geruhsamer. Kühe legen sich in philo­sophischer Gleichmütigkeit in das Gras und wieder­holen ihr Mittagsmahl. Derweile singen Sicheln und Sensen im Korn! Wundervoller Rhythmus! Doppelt bedeutungsvoll und heilig in unserer Zeit, da es der Bauer gern übernommen hat, das deutsche Volk aus eigenem Boden zu ernähren! Da gilt es nun auch doppelt viel, daß Überall in un­serer Heimat das Getreide kraftvoll steht und nur an wenigen Stellen ein star­ker Regen oder ein Ge­wittersturm die Halme an die Erde legte. Es ist dem Bauern zu gönnen, daß ihm dadurch die Arbeit leichter ist. So kann also da, wo die Maschine zur

Verfügung steht, der Mähbinder eingesetzt werden. Das Rattern der Maschine ist dem Bauern auch eine Melodie. Denn rascher ist die Ernte gesichert und weniger Schweiß braucht zu fließen: Harte Arbeit hat er das Jahr über genug. Ganz zu schweigen von der Arbeit an der Dreschmaschine. In vielen Dörfern unserer Heimat steht die Dresch­maschine jetzt in Höfen, in der Scheunentenne oder gar auf den Feldern.

zur Burg hinübergeblickt haben, wie sie es heute tun. Heute ist der Bauer ein freier Mann, doppelt frei kraft des Gesetzes einer Regierung, die die Ar­beit des Bauern zu schätzen weiß.

Das kommt auch äußerlich zum Ausdruck! Der Bauer bekommt Helfer für seine Erntearbeit, wenn er glaubt, daß er es nicht allein schaffen kann. In manchen Dörfern sind die Arbeitsdienstmänner aus dem Gießener LagerJustus von Liebig" einge­zogen. Sie helfen mit! Fünf oder sechs Wochen lang! So lange es eben notwendig ist! Sie, die Ar­beitsdienstmänner, fahren auf den Wagen mit hin­aus, fitzen zwischen Söhnen und Töchtern des Bau­ern, gehören mit zur Familie, sitzen mit am Tisch und schlafen des Nachts, müde, wie sie der arbeits­reiche Tag gemacht hat, tief und traumlos in Bau- ernbetten.

Aber noch andere Helfer trifft man an. Helferin­nen vielmehr! Der Zufall wollte es, daß mich der Weg an ein Feld des Gutes Hof-Güll führte, auf dem viele Männer, Frauen und Mädchen arbeiteten. Einige der Mädchen sprachen auffällig anders, als unsereOberhesse". Lag die Frage nahe, wo sie her seien! Ausländsdeutsche Mädchen, lautete die Ant­wort! Gern weilen sie im Mutterland. Sie sind seit April hier, bleiben bis Dezember, helfen gern mit bei der Arbeit an der Muttererde und freuen sich der freundlichen Aufnahme, die sie fanden.

So ist in vielerlei Hinsicht die Erntezeit des Jah­res eine Zeit der Freude und des Segens, den wir um so mehr zu würdigen wissen, weil er die Er­nährung unseres Volkes aus eigener Kraft zu sichern

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Wer jetzt von Stadtbewohnern fei jetzt ein­mal gesprochen Tage eines verdienten Urlaubs genießen kann und sich der Natur und Landschaft unserer engsten Heimat zuwendet, kann, wenn er aufgeschlossenen Herzens ist, viel Freude erleben. Der Glanz der Felder scheint einen Abglanz auf die altersgrauen Mauern von Gleiberg und Vetz­berg zu werfen und läßt sie freundlicher erscheinen. Werße Haufenwolken segeln am Himmel dahin, in tiefdunklem Blau, und machen die Illusion der Hochsommertage vollkommen. Hin und wieder scho­ben sich in der vergangenen Woche am Horizont Gewitterwolken herauf und umdüsterten für kurze Zeit das Bild der Landschaft aber immer wieder gelang es den Strahlen der Sonne, die Wolken auf­zulösen. Ungestört konnte der Bauer arbeiten.

Herrlich von der Höhe des Bergfrieds des Glei­bergs über die Felder zu blicken. Ebenso eindrucks­voll der Ausblick von den sanften Hügeln der Wetterau. Festliches Land! Die Türme der Burg Münzenberg sind das Wahrzeichen der Wetterau in unserer engeren Heimat, und heute ragen sie empor fast wie ein Sinnbild des Schutzes über der bäuer­lichen Arbeit. Das mag nicht immer so gewesen fein. Zu früherer Zeit mögen die Bauern im Ernte­feld mit anderen Gefühlen von ihren Feldern aus

Oer Bauer steht im Erntefeld

Das Bild dieser Sommertage. Auf allen Feldern stehen die Getreidehocken

Gießener Arbeitsdienstkameraden im

Ein Leben war's im Aehrenfeld, wie sonst wohl nirgends auf der Welt: Musik und Kirmes weit und breit und lauter Lust und Fröhlichkeit

De Grillen zirpten, die Käfer und Bienen tarnen, Fliegen und Mücken summten und tanzten.

Das war ein Leben ringsumher, als ob es ewig Kirmes wär Die Gäste zogen aus und ein und ließen sich's gar wohl dort sein. Wie aber geht es in der Welt? Heut ist gemäht das Aehrenfeld, zerstöret ist das schone Haus, und hin ist Kirmes, Tanz und Schmaus.

Jetzt also geht die Roggenmuhme um, zur hohen Zeit des Mittags und schreckt manchmal die Kinder. Niemand aber hat sie je gesehen! Aber glauben mir getrost an sie. Sie gibt durch ihr vermutetes Dasein den rauschenden Getreidefeldern etwas Ge­heimnisvolles, und wenn der Sommerwind durch die Aehren sirrt, könnten wir glauben, sie rausche durch die Halme. Noch deutlicher konnten wir ihre Anwesenheit im Getreide erfahren, wollten wir uns zu heißer Mittagsstunde an das Kornfeld legen; benommenen Kopfes würden wir erwachen. Wenn nicht die Sonne, so müßte die RoggenmUhme schuld daran fein.

Pferd und Wagen stehen überall an den Wegen und unter Bäumen im Schatten. Die Pferde dosen vor sich hin oder tun sich im Gras des Raines gütlich. Da, wo die Kühe das Fuhrwerk auf das

Der Bauer summt das wehmütige Lied mit, wenn ihm auch die reiche Ernte große Freude macht. Zu keiner Zeit des Jahres empfindet der Bauer den Segen der Arbeit mehr als in den Tagen der Ernte. Dankbar und unverdrossen hat er seine Pflicht getan und für unser deutsches Volk gesorgt. Nun steht er draußen auf dem Acker und muß schwer und ausdauernd arbeiten. Da gilt es, jede Minute des Hellen, sonnigen Tages auszunützen. Das geht vom frühen Morgen bis in die Nacht hin­ein. Das Essen nehmen die Schnitter mit ober lassen es sich von Kindern aufs Feld hinaustragen. Alle im Hause, bis zum ältesten Großvater, müssen an die Arbeit. Auch die Kinder können hinter Vater und Mutter hergehen und die Aehren auflesen. H.

Sv singt ja wohl der Dichter Hoffmann von Wollersleben. Nun haben wir die Höhe des Jahres überschritten, die Ernte hat begonnen. Wo noch oor einigen Wochen das grüne, wogende Getreide rauschte, steht heute beinahe erstarrt die reife Fracht. Schon sehen wir auf einzelnen Aeckern die augeftelüenHausten", beschützt von einem Hut oip Getreidehalmen. Aus der Ferne erklingt der Grang der Schnitterinnen, Sensen und Sicheln, ober auch die rasselnden Maschinen tun ihre Arbeit.

Da tauchen wohl bei den älteren Bauern Er­innerungen aus der Jugendzeit auf. Sie denken an die Zeiten, in denen bei der Ernte neue Kleider aaxezogen wurden, Knechte und Mägde sich mit Blumen schmückten und die Wagen mit geputzten Hrdon bespannt waren. Auf dem letzten Wagen M die Magd mit dem Erntekranz, geflochten aus bet Aehren des Feldes, mit Blumen und Bändern reif) geziert. Die Musik spielte, und jung und alt dütyte sich im Tanze auf dem Gemeindeanger. Das Sritebier wurde getrunken ...

>ie Zeiten haben sich geändert, die Kinder tanzen km en Ringelreihen mehr um die letzte Garbe, die aus dem Äcker liegen blieb, als Opfergabe für die jNrtheit, einst dem Wotan geweiht. Viele alte Brauche gingen unter, wurden in der schnellebigen Zeit vergessen. Nur die Kirmes, das höchste dörf­lich; Fest, das meistens nach der Ernte gefeiert mürbe, erinnert noch an bas Erntebier, an den Erntekranz.

Trotzdem übt die Erntezeit noch ihren ganzen Zauber aus, benn nun sammeln die Bauern die Fruchte, bie sie einst gesät unb gepflegt haben, ber Haube Fleiß, von Gott gesegnet.

Kornblumen unb leudjtenber Mohn müssen nun nid) ihr Leben lassen.

Aber noch eins ist von der Poesie der alten Ernte - ;eii geblieben, das ist der Gesang der Mädchen und Freuen, die die Fruchtabnehmen". Die Mäh- Michinen umfahren die großen Getreidefelder, fleißige Hände binden die Halme zu Garben und stellen sie zusammen. Ganz von selbst kommt da bos alte Schullied auf die Lippen der Mädchen:

Goldne Aehre, du muht fallen!"

Der Bärtige starrt eine Zeitlang vor sich hin, bevor er antwortet. Es handle sich darum, sagt er dann langsam und hängt mit zwei Fingern der rechten Hand in dem wirren, rötlich-grauen Bart, es handle sich darum, daß er an Herrn Lyk emp­fohlen worden fei. Er suche eine Stelle.

Eine Stelle? Was für eine Stelle?"

Nun so auf dem Gut. Als Knecht oder " Ein müder Blick aus tiefliegenden Augen über den Hof hin vollendet den Satz.

Als Knecht?" wiederholt Michailow, und wäh­rend er schon die Lippen öffnet, um, dem Mann zu bedeuten, daß hier auf dem Hof niemand ge- draucht werde, geht es ihm durch den Kopf, daß es eigentlich nicht unangenehm wäre, noch eine zweite Kraft zur Verfügung zu haben, jetzt, da Herr Lyk mit zwei Begleitpersonen eintrifft unb zu ber gewöhnlichen Arbeit bie für biefe drei neuen Menschen noch hmzukommt. Aber ist es klug, zwei Tage vor Lyks Ankunft jemanden einzustellen? Wäre es nicht viel klüger, dies Herrn Lyk zu über­lassen? Es kann auf diesen reichen, sichtlich befehls- gewohnten Mann doch nur einen guten Eindruck machen, wenn man ihm sagt: dieser Tagelöhner hat uns um Arbeit gebeten, aber ich wollte Ihnen doch nicht oorgreifen, Herr Lyk...

Michailow richtet einen flüchtigen, forschenden Blick über den immer noch gebückten Rücken des Knechts hin, dann schaut er den Bärtigen an und nickt beinah freundlich: Ja, es könne schon sein, daß Herr Lyk noch eine Kraft einftelle. Herr Lyk treffe aber erst in einigen Tagen hier ein.

Haben Sie denn schon mal auf einem Gut ge­arbeitet?" will Michailow wissen.Können Sie mit Pferden umgehen? Holz schlagen?"

Würde ich mich denn anbieten, wenn ich es nicht könnte?" fragt der Fremde halblaut, beinah hochmütig zurück; er sieht abwechselnd den Knecht, den Rappen und Michailow an, bis sein Blick an der breiten, behäbigen Front des Gutshauses aus­ruht.

Und Ihre Papiere?"

Alles in Ordnung. Ich arbeite doch schon lange hier in der Gegend.

Michailow nickt ihm zu und tut ein paar schlen­dernde Schritte auf das Gutshaus hin.Also schön", sagt er abschließend, schon im Gehen und sehr über die Schulter hin, weil ihm der gründliche, tiefe

Blick des Mannes unangenehm ist,also schön, bann melden Sie sich in ein paar Tagen wieder. Möglich, daß ich sogar ein gutes Wort für Sie einlege."

Der Bärtige macht hinter ihm her eine dankende Bewegung mit dem Hut. Ja, er werde also wieder­kommen. Dann wendet er den Kopf zu dem Knecht hin, der sich inzwischen aufgerichtet hat und faul gegen den Leib des Pferdes lehnt, und es ist, als wollte er etwas zu ihm sagen. Ader er tut es nicht, er sieht ihn nur an, fährt dann dem Rappen über das weiche Maul, schickt die Augen noch ein­mal über das Gutshaus und den Hof und den großen Stall hin, murmelt kaum hörbar einen Gruß und geht.

Er geht langsam und so, als wäre er ein wenig erschöpft.

Man hätt' ihm was zu essen geben sollen, denkt der Knecht, der ihm nachsieht. Aber nun ist es zu spät. Und, du lieber Himmel, es kommen halt aar zu viele vorbei, wenn man denen allen was geben wollte?

Als der Bärtige das Gatter sorgsam hinter sich schließt, läuten vom Dorf herauf die Glocken.

Es ist Mittag.

Der Wagen der Gelähmten fährt knirschend über den Kies.Irina?"

Das junge Gesicht der Pflegerin beugt sich for­schend nach vom:Bitte, Exzellenz?"

Glauben Sie nicht, Irina, daß es heute schon warm genug ist, um ein Stündchen draußen zu sitzen? Sie könnten mich hinauf zu unserem Aus­guck fahren, dort ist um diese Zeit Sonne, und ich könnte dann bis zum Essen dableiben glauben Sie nicht? Ich hätte so gern ein bißchen Sonne auf den Füßen..."

Irina Kontschakowna betrachtet prüfend das ein­gefallene, fast leberfarbene Gesicht ber alten Dame unb bann ben blauen Himmel mit ben wehenben weißen Wölkchen:Ausgerechnet heute, Exzellenz, wo Ostwinb geht? Und abgesehen davon, daß er noch ein bißchen zu frisch sein dürfte es riecht heute wieder so abscheulich nach den Füchsen. Es wird einem immer ganz übel davon. Ein Glück, daß so verhältnismäßig selten Ostwind geht, sonst hätten wir immerzu den Geruch von der Fuchs­farm im Garten."

Fortsetzung folgt.