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Donnerstag, 24. Juni |93Z

ttrJ44 Zweites Blatt

(Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)

feinem deutschen, schwarzweißroten Köpfchen und seinen österreichischen gelbschwarzen Flügelfebern und der behagliche Gimpel, der Dompfaff. Da sind die Kreuzschnäbel, der Grünling und der Kirschkern­beißer. Da sind die Würger mit ihren kräftigen Raubtierschnäbeln und die glänzenden Stare. Da ist der federgekrönte Wiedehopf und der prungoolle Eisvogel mit seinem langen, fischestechenden Schna­bel. Vergessen wir auch nicht, der Raben und Krähen zu gedenken, die mit weiten Flügelschlägen über die Dörfer und Felder ziehen. Ihr krächzendes Geschrei gehört zu unserer Heimat wie der Ruf der Elster, wie das Geschrei des Hähers wie das Ge- kruckse der Wildtauben und das Uhu und Uehü der Eulen, Käuze und Uhus.

Aber wir haben das kleine Volk der Meisen ver­gessen, die so flink an Birken, Buchen, Erlen herum­klettern, die Blaumeise mit ihrem himmelblauen Köpfchen, die Kohlmeise mit ihrem schwarzen Käpp­chen und gelben Bauch, die Haubenmeise, Schwarz­meise und Sumpfmeise. Und der Kleiber und die breitbeinigen Baumläufer verdienen es, genannt zu werden, auch die Lerchen, die in den Feldern woh­nen und, während sie sich in Höhen schrauben, wo das Auge sie nicht mehr findet, ihre tirelierenben. unaufhörlichen Etüden anstimmen. Aber nun hätten wir beinahe, wie es zu gehen pflegt, des Allerall­täglichen nicht Erwähnung getan, unserer Sperlinge und Spatzen, des frechen und lästigen Volkes, das Dörfer und Städte, Felder, Gärten, Höfe zahlreich bewohnt, wie alles Gewöhnliche auch diebisch, schäd­lich und aufdringlich, aber barrm doch zu uns ge­hörig, zu unseren Giebelhäusern und Fachwerk­mauern, zu unseren Brunnen und Pfützen, zu un­seren Gartenwirtschaften, wo dickporzellanige Tassen und Kannen und Teller mit Käsebroten. Platz, Gugelhupf und Butterkuchen, Kaffe und Sonntags­kleider sich einfinden Ueberall ist er, der Spatz, überall redet er mit. anspruchslos, mit einer naiven Selbstverständlichkeit nimmt e sich wichtig, redet, schimpft, begreift gar nicht, wieso er lästig sein könnte, nimmt trotzdem nichts übel, hält sich jedem wert und genießt sein Leben noch mitten im Lärm der Städte Nein, es wäre ungerecht, seiner nicht zu gedenken, wenn vom Frühling und Sommer in Deutschland aesprochen wird

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Dem außerordentlichen Professor Dr. Hermann Ellinghaus ist unter (Ernennung zum Ordina­rius der Lehrstuhl für Volkswirtschaftslehre an der Landwirtschaftlichen Hochschule Hohenheim über­tragen worden.

Tageslauf in Potsdam.

Stundenplan für einen Kronprinzen

König Friedrich Wilhelm 1. hatte für den Kron­prinzen folgende Tagesordnung aufgesetzt und dem französischen Erzieher Duhan de Janbu zur ge­nauesten Nachachtung empfohlen:

Des Morgens um 6 Uhr wird Er aufgeroecfet, und sobald solches geschehen ist, sollen sie ihn an- halten, daß Er, sonder sich zu ruhen oder nochmals umzuwenden, hurtig und sogleich aufsteht, und muß Er alsdann niederknieen und ein klein Gebet hal­ten, wie des Sonntags Früh. Sobald Er solches gethan, soll Er, so geschwinde als möglich, die Schuhe anziehen, auch das Gesicht und die Hände waschen, aber nicht mit Seife, ferner soll Er das Casaquin anziehen, das Haar auskämmen und schwänzen (b. h. in einen Zopf flechten), aber nicht pubern lassen. Jnbeß er sich kämmen unb aus» schwänzen läßt, soll er zugleich Thee unb Früh­stück nehmen, baß bas zugleich eine Arbeit ist, unb muß bies alles vor halb sieben Uhr fertig sein

Alsbann Duhan unb alle feine Domestiquen her­einkommen sollen, unb wirb alsbann bas große Ge­bet gehalten. Ein Kapitel aus ber Bibel gelesen, ein Lieb gesungen, wie am Sonntage, welches alles bis sieben Uhr bauert, worauf bie Domestiquen wie­her weggehen sollen Von sieben bis neun Uhr soll Duhan mit ihm Historie traktieren, um neun Uhr kommt ber Hofprebiger Noltenius ber soll ihn bis breioiertel auf eilf Ühr im Christentum infor­mieren.

Um brei Vierthel auf eilf Uhr soll Er bas Ge­sicht geschwinbe mit Wasser unb bie Haube mit Seife waschen, sich weiß anziehen pubern unb ben Rock anziehen, unb um eilf Uhr zum Könige kom­men: ba bleibt er bis zwei Uhr, alsbann er gleich roieber nach seiner Kammer geht Duhan soll als- bann auch gleich ba sein, ihm von zwei bis brei Uhr die Landkarte zu weisen: dabei sie ihm sollen alle Europäischen Reiche, Macht und Schwäche. Größe, Reichthum und Armuth der Städte expliciren Von drei bis vier Uhr soll er die Moral traktieren, von vier bis fünf Uhr soll Duhan teutsche Briefe mit ihm schreiben, und dabin sehen daß Er einen guten Stylum bekomme.

Um fünf Uhr soll Er die Hände waschen unb zum Könige gehen ausreiten, sich in ber Luft unb nicht m ber Kammer binertiren. unb thun was Er will, wenn es nicht gegen Gott ist."

Einzug ins befreite Bilbao.

Unser Bild zeigt eine nationale Truppenabteilung, im Begriff, sich zum Einmarsch zu formieren. Zwischen den Soldaten befinden sich Bewohner, die in die anliegenden Berge geflüchtet waren und nun nach dem Ende des bolschewistischen Terrors wieder in die Stadt zurückkehren. (Scherl-Bilderdienst-M.)

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Frankreichs afrikanischesTruppenreservoir

Von Major a. O. von Keiser.

Für Frankreich stehen in der Auswertung seiner Kolonien nicht die wirtschaftlichen und kulturellen, andern die wehrpolitischen Gesichts- ) u n f t e unbedingt im Vordergründe. Vor allem ein riesiges Kolonialreich in Nord-, W e st - und M i tt e l a f r i ka , das sozusagen vor Frankreichs Toren liegt, gilt ihm in seiner großartigen Ge­schlossenheit mit seiner Bevölkerungszahl von minde­stens 30 Millionen Eingeborenen und seinem Reich­tum an Rohstoffen und Nahrungsmitteln als mili­tärische Kraftquelle ersten Ranges. In Algier und Tunis werden über sechs Millionen Tonnen Eisen­erze gewonnen, die nach England ausgeführt werden, aber im Kriegsfälle sofort für militärische Zwecke von Frankreich, das in der Heimat über große Eisen­erzlager verfügt, mit Beschlag belegt werden würden. Außerdem ist Nordafrika sehr reich an Holz, Ge­treide, Vieh und Düngemitteln, alles Produkte, die für die Versorgung von Heer und Volk im Kriege von größter Bedeutung sind. Nach Fertigstellung der Transsaharabahn wird Frankreich auch die reichen Schätze Französisch-Westafrikas, besonders an Holz und Baumwolle, für eine etwaige Kriegführung in ganz anderer Weise ausnützen können, als dies im Weltkriege möglich war.

Da Frankreich die an Bevölkerungszahl schwächste europäische Großmacht, aus eigener Volkskraft nicht mehr imstande ist, seine Vormacht­stellung in Europa aufrechtzuerhalten, stützt es sich schon heute vorwiegend auf seine farbigen Divisio­nen. Bereits in den neunziger Jahren des vorigen Jahrhunderts antwortete der französische Außen­minister Hanoteaux dem König Leopold II. von Belgien auf dessen Frage, was Frankreich in Afrika wolle:Majestät, Sie suchen dort Gold und wir Soldaten." Je kleiner im Laufe der Jahre die weißen Rekrutenjahrgänge Frankreichs infolge seiner Bevölkerungsabnahme geworden sind, desto mehr sind die schwarzen und braunen Truppen Französisch-Afrikas zum Heeresdienst heranqezogen

worden. Im Weltkriege wurden im ganzen von den afrikanischen Kolonien etwa 500 000 Mann zum französischen Frontheer gestellt, heute beträgt die Zahl der in Afrika ausge­bildeten farbigen Soldaten bereits rund 1 200000 Mann. Wenn sich die 1933 erfolgte Einfüh­rung der allgemeinen Wehrpflicht in allen' französischen Kolonien erst genügend ausge­wirkt hat, sollen nach einer Mitteilung des Heeres­berichterstatters in der französischen Kammer die farbigen Truppen auf eine Gesamtkriegs- stärke von drei Milionen Mann kom­men, wovon zweieinhalb Millionen allein auf Afrika entfallen dürften, d. h. etwa zwei Drittel der Kriegsstärke des weißen Heimatheeres ober au- nähernb bie Hälfte bes gesamten Kriegsheeres.

Unter sorgfältiger Berücksichtigung aller Mobil- machungs- unb Transportschwierigkeiten wirb man in ben ersten brei Monaten eines etwaigen euro­päischen Krieges mit bem Einsatz von 20 bis 30 farbigen gegenüber 60 bis 80 weißen französischen Divisionen an der Front rechnen können, ein Stcirke- verhältnis, das sich im Laufe des Krieges immer mehr zugunsten der farbigen Truppen verändern wird. Zur Beschleunigung des Truppentransports im Ernstfall baut Frankreich seit einigen Jahren sein Eisenbahnnetz in Nord- und Mittelafrika fast ausschließlich nach strategischen Gesichtspunkten aus. Allein in Algier sind 4800 Kilometer Eisen­bahn angelegt worden. Die Transsahara- bahn, die in kurzer Zeit fertiggestellt sein wird, soll diö Fahrzeit nach Frankreich für die westairi- kanischen Kontingente, die heute auf den langwie­rigen Seeweg angewiesen sind, von 7 bis 8 Wochen auf 12 bis 14 Tage herabsetzen. Zur Sicherung der Transporte über' das Mittelländische Meer hat Frankreich sehr starke Flotten- und Luft­stützpunkte in Algier und anderen, nordafri­kanischen Häfen sowie in Korsika und dem großen Kriegshafen Toulon angelegt, und die Ausrecht-

Was da singt und kling«...

(Sine Betrachtung von Otto Gmelin.

Jetzt ist es an der Zeit, der kleinen Vögel zu ge­denken und ein Wort von ihnen zu sagen, der kleinen Sänger, die uns morgens aus dem Schüaf wecken und abends zur Ruhe singen mit ihrem Ge­zwitscher und Gepiepe, mit Singsang und Floten- musik, Fanfaren und melancholisch-sehnsüchtigem Schluchzen. Und es ziemt sich bei der Nachtigall zu beginnen, die draußen in den dunklen Fueder­häschen, Holunderbüschen, Schneeballbüschen, Jas­minbüschen und Hainbuchen glockt und lockt, klagt und süß jauchzt, allabendlich, wenn am offenen Fenster der fleißige Schreiber schreibt. Irgendwo, irgendwie liegt diese Stimme schon im Blut, viel­leicht von Ahnen her. Es ist, wie wenn sie Erinne­rungen weckte, unbestimmte, gar nicht zu greifende, vielleicht an frühe und früheste Kindheit, vielleicht an Vorfahren, Ahnherren und Ahnfrauen, Die m einer fernen Welt von Posthorn und einsamen Gärten lebten, vielleicht auch an Burghofe, Stadt­mauern, Giebelhäuschen, Pferdegetrabe mahnend. Etwas ist erhalten geblieben, etwas lebt weiter von all jenen bekannten und unbekannten fernen vor­deren: des Vogels süße Stimme ruft aus jenen Vergangenheiten: berauscht und verzaubert, entrückt ""und? nächst der Nachtigall findet die Drossel ihren Platz, die um Sonnenuntergang auf dem Giebel bes Nachbarhauses sitzt unb in ben Abend laut unb schallend flötet; die Schwarzdrossel mit dem ge­ben Schnabel, die oft so zahm und wohloertraut über die Gartenwege hupft, die uns zu unserer Fahrt in den Frühling Abschied w,pM und die. selbe, die unsere Erbsenk-imlmqe und den Salat so übe, zurichtete. Jetzt macht sie ost Jagd arRegem Würmer und Raupen, wenn sie nicht gar zu haarig sind dagegen hat di- Gärtnerin nichts e.nzuwenden

Und des Rotkehlchens wollen wir Erwähnung tun. das drüben im Wäldchen -rgendwo im Busch­werk versteckt sein Nest hat - Gunther hat es ent- deckt und mir neulich gezeigt Moos u Flechiwerk an der Böschung. zugedeckt und mit Wollfäden von meinem alten Rock gepoltert, den wir als Vogelscheuche aufgehängt hatten. Dem Rotkehlchen ist Marianne besonders zugetan und betragt es mit großem Wohlwollen, wenn es gar nicht scheu über die Wege hüpft, hochbeinig stehen bleibtz drollige Bücklinge macht, den Schwanz in bie Höhe schnellt und lockt; so ungefahr, wie wenn zwei kleine Kieselstemchen aufe.nanderschla- gen klingt es. Marianne weiß und hat es mit

eigenen Augen gesehen, daß es die kleinen Schnek- ken, die der Regen an den Salat gelockt hat, mit wohligem Eifer verspeist. Morgens sehr früh klin­gen seine metallisch reinen Singetöne zu uns her­über.

Auch des Buchsinks wollen wir gedenken, der der frechste, zahmste und flinkste ist und sich gern auf dem Hof herumtreibt, an dem Freßteller des Schnauzers, angriffslustig und unverschämt gegen alle anderen; sogar die Spatzen haben Achtung vor ihm, wenn er schrittweise piepsend herantrippelt.

Und wir wollen in Bausch und Bogen uns aller derer erinnern, die Wald und Feld, Busch und Baum und Heide bevölkern, Anlagen, Parks und Gärten, Dickichte und Oedländer. Habt ihr den Pirol gehört, der im Park in den hohen Eichenästen sein Nest hat? Selten ist er zu sehen, denn er treibt sich hoch in den Kronen herum, kanariengelb und grünschwarz gefiebert; aber fern Ruf, vielfäl­tig, laut unb unnachahmbar, ist nicht zu verkennen, benn sein Sang enbet ähnlich seinem Namen mit einem flötenben", frohlockenben, volltönenbenTutüd- lio". Im selben Park unb in ben großen Eichen­wäldern, bie bie Heide umsäumen ruft auch der Kuckuck in die warmen Sonnenfrühen sein ununter­brochenes Gealock. unb ber Grünspecht hämmert oben an ben Stämmen, baß es weithin durch den Wald und über die Wiesen schallt. Vergessen wir auch nicht alle die kleinen und großen Sänger, die Grasmücken, Laubsänger, Rohrsänger, Steinschmätzer und Meisen, die Flieaenschnäpper, Bachstelzen, Ler­chen, Ammern und Finken Da ist der Fitis-Laub- sänger ein kleines grünes Tierchen das in den Auenwäldern die Oberonouvertüre beginnt, nur das Anfangsmotiv freilich und das niedliche Gold­hähnchen, das ein orangefarbenes und gelbes Mütz­chen auf hat; der Zaunkönig, der in der Hecke am Teich wohnt und trotz feiner drolligen Kleinheit un­entwegt laut feine hübschen Weisen schmettert; der Zwergfliegenschnäpper, der erst vor kurzem im Nachbargarten angelangt ist. und dessen liebliches Geklinge soar in die hellen Nachmittage fällt; der Gartenrotschwanz, der in Vaters Garten an der Mauer nistet; das Blaukehlchen, das in den Sumpf­niederungen der Heide haust Da ist die Bachstelze, die schlank, schwarzweiß über die Landstraße wippt, die Goldammer, die du fast kanariengelb an den Feldern und Wegrändern trifift, der unscheinbare Hänfling, der ein tüchtiger und vornehmer Sänger ist und' der kleine, grüngelbschwarze Zeisig, der im Harz und Spessart, im Schwarzwald und im Rie­sengebirge und in allen Nadelwaldgebirgen herum- hüpft und dabei immer in Gesellschaft unentwegt schwatzt, piept und singt. Da ist der Distelfink mit

erhaltung der Vormachtstellung im westlichen Mlt- telmeer ist der wichtigste Faktor im französischen Wehrprogramm. Auch ist die französische Regie­rung, bis jetzt anscheinend vergeblich, an Spanien herangetreten, um sich ein Durchmarschrecht für bie afrikanischen Truppen im Kriegsfall zu sichern.

Auch aus ber Verteilung bes französischen Kolonialheeres in Afrika geht einbeutig bie übri­gens auch in Frankreich offen zugegebene Absicht seiner sofortigen Verwendung im Kriegsfall an ber europäischen Front hervor. Von ben zwölf afrika­nischen Divisionen stehen allein fünf im Mut­te r l a n b , bavon die Mehrzahl dicht an der deutschen Grenze, und sechs in Algier, Tunis und Marokko. Die fünf erstgenannten Divisionen

bilden den Kern der Stoßarmee, die im Ernstfall zum Angriff über Frankreichs Grenzen hinaus be­stimmt ist. Aber auch die sechs farbigen Divisionen in Nordafri?a sind nicht wie sonst Kolonialschutz­truppen lediglich für den Kampf gegen (Eingeborene, sondern ganz nach dem Muster der weißen Heimat» divisionen bewaffnet und ausgebildet. Sie verfügen über schwere Artillerie, Kampfwagen und etwa 300 Kriegsflugzeuge und sind daher im Kriegsfall ohne weiteres auf einem europäischen Kriegsschauplatz zu verwenden. Sie wie auch alle übrigen farbigen Soldaten Frankreichs haben nach einem bekannten Wort des französischen Kriegsministers Da lat) ter bie Aufgabe, in ben französischen Schützengraben bie Zivilisation ber Welt zu oerteibigen".

Amerikanische Kriegsschiffe in Kiel.

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Der deutsche Flottenchef Admiral Carls verläßt nach seinem Besuch das amerikanische Flaggschiff New York", das mit derArkansas" und derWyoming" anläßlich der Kieler Woche tm Reichskrieqshafen Kiel vor Anker ging. Im Hintergrund das PanzerschiffAdmiral Graf Spee . (Scherl-Bilderdienst-M.)

Besuch beim (Sultan der Wahehe.

Ostafrikanische Reiseskizzen.

Von Hauptmann a. O. Cordt von Brandts.

Der bekannte Douaumont=Stürmer Haupt­mann von Brandts, der sich im Welt­kriege vor Verdun unvergänglichen Ruhm er­warb und der sich 1918 auf eine ein­same Siedlerstelle im Rhinluch zurückzog, be­findet sich gegenwärtig auf einer Reise durch die ehemals deutschen Gebiete Afrikas, lieber seine dortigen Erlebnisse sch'ckt er uns fol­genden Bericht. (Alle Rechte beim Tradi­tionsverlag Kolk & Co.. Berlin SW 68.)

Im Südwesten unserer ehemaligen Kolonie Deutsch-Ostafrika, die jetzt englisches Mandatsgebiet ist und Tanganjyka genannt wird, befinden sich aus­gedehnte Hochländer die an Flächeninhalt mehrere preußische Provinzen übertreffen und die fast durch­weg gesund und für Besiedlung durch (Europäer geeignet sind. Diese Hochländer werden meist unter dem' Namen Hochland von Jringa zusammengefaßt. Im Kriege hatten deutsche Soldaten, die hier durch­zogen, das gute Siedlungsland erkannt, und sie waren es, die 1926, kaum daß die Einwanderung

von Deutschen wieder freigeaeben war, nach Jringa fuhren und dort Land aussuchten, um es für sich und die nach ihnen kommenden Ansiedler zu be­legen. Es trifft sich günstig, daß die große afrikani­sche Hauptstraße, die von Kapstadt nach Kairo führt, die Hochländer in ihrer ganzen Länge von 400 Kilometer durchmißt und sie mit der Station Do­doma, 360 Kilometer von Daressalam, verbindet.

Beiderseits dieser Straße sind bei Dabaga, Mu- finbi, Lupembe, Mbeja, Mbosi unb Ntukuju beut- s ch e Sieblungen entstauben. Diese Sieblungen liegen teilweise fast 2000 Meter hoch und haben in der kalten Zeit von Mai bis zum Juli ein recht rauhes Klima, das an alles andere erinnert, nur nicht an Afrika. Ohne Kamin mit brennenden Klo­ben ist dann nicht auszukommen, und wer nächt­licherweile im Auto fahren muß, der mag getrost feinen Pelz anziehen, falls er einen hat, sonst aber ben bicksten Wintermantel. Dieses rauhe Klima hat bie Siebter in Bebrängnis gebracht, denn ber Kaf­fee, ben sie bauen wollten, geriet in ben Hochgelege-