Ausgabe 
24.5.1937
 
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Wetterau allein ist schon eine solche Fahrt wert. Die Eröffnung dieser Kraftomnibusoerbindung nach Gießen erfolgte am Samstagnachmittaa von Frankfurt a. M. Um 18.45 Hhr verließ der Wagen Frankfurt a. M., und er traf nach einer Stunde und 5 Minuten am Gießener Bahnhof ein. Der Omnibus war 19.18 Uhr an der Reichsautobahn­strecke Ober- und Rieder-Mörlen, 19.48 Uhr an der Liebigstraße, Ecke Frankfurter Straße. Auf der Rückfahrt nach Frankfurt geht der Wagen um 20.30 Uhr vom Bahnhof Gießen und um 20.32 Uhr von der Liebigstraße, nahe der Polizeiwache, ab, und trifft um 21.03 Uhr in Ober-Rieder-Mörlen ein, um schon um 21.35 Uhr wieder in Frankfurt am Main zu sein. Der Preis für eine solche Auto­fahrt entspricht dem gleichen Preis für den Eilzug.

Bei genügender Benutzung dieser Fahrgelegenheit soll der Pendelverkehr erweitert werden, so daß auch am Morgen eine Verbindung nach Frankfurt ge­schaffen wird. Es ist zu wünschen, daß diese Einrich­tung sich bewährt und sich auch zum Vorteil unserer Stadt auswirkt.

(Siebener Wochenmarktpreise.

* Gießen, 25. Mai. Auf dem heutigen Wochen­markt kosteten: Deutsche feine Molkereibutter, % kg 1,57 Mark, feine Molkereibutter 1,52, Markenbutter 1,55 bis 1,60, Landbutter 1,42, Matte 20 bis 25 Pf., Käse, das Stück 4 bis 10, Eier, deutsche, Klasse S 11, Klasse A 10%, Klasse B 10, Klasse C 9%, Klasse D 9, ungezeichnete 8, Enteneier 10 bis 11, Wirsing, % kg 15 bis 18, Weißkraut 12 bis 15, Rotkraut 18 bis 20, gelbe Rüben, alte, 25 bis 30, neue, das Bündel 20 bis 60, rote Rüben, % kg 10, Spinat 15 bis 18, Römischkohl 12 bis 15, Bohnen, grün, 30 bis 35, Spargel 1. Sorte 40 bis 47, 2. Sorte 35 bis 41, 3. Sorte 30 bis 35, 4. Sorte 17 bis 20, Unterkohlrabi 10 bis 12, Erbsen 30 bis 35, Tomaten 50 bis 90, Zwiebeln 14 bis 15, Meerrettich 60 bis 70, Schwarzwurzeln 25 bis 30, Rhabarber 10 bis 15, Kartoffeln, alte, % kg 5 Pf., 5 kg 46 Pf., 50 kg 3,80 bis 3,95 Mark, neue, % kg 18 bis 20 Pf., Aepfel 40 bis 70, Erdbeeren 90, Zwetfchenhonig 45, Blumenkohl, das Stück 60 Pf. bis 1 Mark, Salat 10 bis 15, Salatgurken 50 bis 60, Oberkohlrabi 15 bis 20, Lauch 5 bis 10, Rettich 5 bis 10, Sellerie 10 bis 30, Radieschen, das Bündel 10 Pf.

** Silberne Hochzeit. Hausverwalter An­dreas Baader und Ehefrau Friederike, geb. Pau­lus, Steinstraße 1, und Automobilmechaniker Carl Lorey und Ehefrau Marie, geb. Lolh, Kaiser­alle 5, sowie Georg Reh und Frau, wohnhaft Krofdorfer Straße 14, begehen am heutigen 25. Mai das Fest der silbernen Hochzeit.

** Familienausflug der Altersver­einigung 1 882/193-2. Die Altersoereinigung 1882/1932, deren Mitglieder in diesem Jahre das 55. Lebensjahr vollenden, unternahm aus diesem Anlaß am Sonntag einen Familienausflug durch Oberhessen. Mit drei Autobussen fuhren die etwa 100 Teilnehmer über Steinbach, Lich, Hungen nach Bad Salzhausen, wo bei zweistündigem Aufenthalt die Sehenswürdigkeiten dieses Badeortes besichtigt wurden. Von dort ging die Fahrt nach Nidda, nach längerem Aufenthalt dann nach Büdingen, wo die Fahrtteilnehmer von Mitgliedern des dortigen Der- kehrsvereins geführt wurden. Nach der Besichtigung der Stadt ging die Fahrt- nach dem neuangelegten Strandbad Hillersbach, wo man Gelegenheit hatte, sich in einer mehrstündigen Ruhepause an den Schönheiten dieser Anlage zu erfreuen. Die Weiter­fahrt ging über Schotten und Laubach, von wo nach einer weiteren kurzen Rast die Heimfahrt nach Gießen erfolgte.

Runvfunkprogramm.

Mittwoch, 26. Mai.

6 Uhr: Gymnastik. 6.30: Frühkonzert. In der Pause (7): Nachrichten. 8.10: Gymnastik. 8.30: Bä­derkonzert. 10: Schulfunk. 11.15: Hausfrau, hör zu! 11.40: Gaunachrichten. 11.50: Deutsche Scholle. 12: Musikalische Kurzweil. 13: Nachrichten (auch aus dem Sendebezirk). Offene Stellen. 13.15: Musika­lische Kurzweil. 14: Nachrichten. 14.10: Das Stünd­chen nach Tisch ... 15.15: Was man schwarz auf weiß besitzt ... 15.30: Volk und Wirtschaft. 16: Unterhaltungskonzert. 17: Lieder zeitgenössischer Komponisten. 17.40: Sport zeitgemäß belauscht. 18: Unser singendes, klingendes Frankfurt. 19.45: Der Zeitfunk bringt den Tagesspiegel. 20: Nachrichten. 20.10: Lauf ins Glück. 22: Nachrichten (auch aus dem Sendebezirk). Grenzecho. 22.20: Kamerad, wo bist du? 22.30 von Freiburg anläßlich des Brahmsfestes: Zigeunerlieder. 23: Unterhaltungs- und Tanzmusik. 24 bis 2: Nachtmusik.

Aus der engeren Heimat

führt.

Landkreis Gießen.

Mit dem Auto verunglückt.

* Klein-Linden, 25 Mai. Heute früh gegen vier Uhr verunglückte auf der Landstraße zwi­schen Klein-Linden und Dutenhofen ein mit drei Personen besetztes Personenauto aus Berlin. Die Insassen erlitten Verletzungen am Kopf und Beinen, die aber zum Glück nicht schwer sind und in der Hauptsache aus Prellungen bestehen. Die Verunglückten wurden der Gießener Klinik zuge-

Zum Kartenverkauf.

Seit einigen Tugen verkaufen Angehörige des Infanterie-Regiments 116 Karten zum Wehr­sport f e st. Dieses beginnt am Sonntag, 30. Mai, 14 Uhr und wird voraussichtlich um 18 Uhr beendet sein. Die Veranstaltung zeigt eine Fülle einzelner Teile der Ausbildung unserer jungen Armee von Mann, Pferd und Sonderwaffen.

Ausdrücklich wird jedoch darauf hingewiesen, daß die Karten in blau, gelb und rot, die bisher noch mit dem Aufdruck:116er-Treffen Gießen 29./30. Mai 1937" abgezeichnet waren, nur für das Wehrsportfest gültig sind. Die jetzt zum Ver­kauf kommenden Karten tragen den AufdruckWehr­sportfest". Zu der Veranstaltung am 29. Mai abends in der Dolkshalle gelten nur die Festabzeichen und besondere Eintrittskarten. ,

Der jetzt schon sehr rege eingesetzte Verknus zeiat, welch großes Interesse von der Gießener Bevölke­rung dieser Veranstaltung entgegengebracht wird.

Zum 116er Tag bereit!

Alle Vorbereitungen für ein gutes Gelingen der Veranstaltung sind getroffen!

Am Sonntagnachmittag schließt sich eine große Wehrsportveranstaltung des Infan­terie-Regiments 116 auf dem Trieb zwi­schen der Dolkshalle und der Artilleriekaserne an. Bei dieser Veranstaltung werden die Besucher in vielfältiger Weise sehen können, wie schlagkräftig unser Regiment 116 nicht nur in den militärischen Dingen des Dienstes, sondern auch auf allen Ge­bieten des Sports ist. Die vorgesehenen 18Uebungs- gruppen bieten eine Fülle von interessanten Dar­bietungen, die den Besuchern ständig großes Inter­esse abnötigen werden. Man sagt sicherlich nicht zu­viel, wenn man heute schon betont, daß dieser Teil des großen Soldatentages einer der schönsten und wertvollsten sein und allen Augenzeugen noch lange in Erinnerung bleiben wird.

Den Ausklang der Veranstaltung bilden Kon­zert und Tanz in der Volkshalle und im Schützenhaus.

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vollsten Zufriedenheit aller Kameraden und Kame­radinnen und wird ihnen unvergeßlich bleiben.

wg. Großen-Buseck, 24. Mai. Am Sonntag unternahm der hiesige GesangvereinHei­terkeit-Sängerkranz" in zwei Postomni- bussen eine Fahrt an den Rhein. Die Fahrt ging zunächst bis kurz vor Bad-Nauheim, dann durch den Taunus nach Lorch am Rhein. Ferner wurden Rüdesheim, das Nationaldenkmal auf dem Nieder­wald und Bingen besucht Die Rückfahrt erfolgte über Wiesbaden in Richtung Frankfurt und dann über die Reichsautobahn nach Gießen hierher. Allen Fahrtteilnehmern wird dieses schöne Erlebnis noch lange in Erinnerung sein.

+ Grünberg, 24. Mai. Seine 60. ordentliche Mitgliederversammlung hielt am Sonntag der Grund erger Pferde - Versicherungs- Verein unter dem Vorsitz seines Direktors Karl Schäfer I. (Grünberg) in der Gastwirtschaft der Adolf Repp Wwe. ab. Nach dem Geschäftsbericht waren versichert: im ersten Halbjahr 914 Pferde mit einem Dersicherungskapital von 554 400 RM., im zweiten Halbjahr 929 Pferde mit einem Versiche­rungskapital von 567 300 RM. Pn Entschädigungen wurden für 62 Pferde 21 403 RM. gezahlt. Die Rechnung ergab bei einer Einnahme von 25 602,29 RM. und einer Ausgabe von 25 652,04 RM. einen Fehlbetrag von 49,75 RM. Das Dereinsvermögen stellte sich am Schlüsse des Geschäftsjahres auf 10 673,55 RM. (im Vorjahr 10195,25 RM.). Der Mitgliederstand stieg von 605 auf 614. Nach der Rechnungsablage würde dem Rechner Entlastung er­teilt. Der Vorsitzende schloß die Versammlung mit einem Sieg-Heil auf den Führer und Reichskanzler.

s. Lang-Göns, 23. Mai. Am Freitag zeigte die Gaufilm stelle einen schönen FilmRück­schau auf die Ausstellung des Reichsnährstandes 1936 in Frankfurt a. M.", der besonders für unsere bäuerliche Bevölkerung von Interesse war. Als Hauptfilm des Abends liefSavoy-Hotel 217". Der Sommerfahrplan der Reichsbahn brachte für unsere Station einige begrüßenswerte Verbesserungen. Seither ging in den Morgenstun­den zwischen 8.54 und 12.12 Uhr kein Zug nach Gießen. Das ist jetzt anders geworden. Nach 8 Uhr fährt der nächste Zug um 10.04 Uhr nach Gießen. Damit.ist die große-cke zwischen 9 und 12 Uhr ausgefüllt. Ebenso fährt jetzt noch am späten Abend ein Zug von Gießen nach Butzbach, Gießen ab 23.25, Lang-Göns an 23.37 Uhr. Dieser Zug fährt nur bis Butzbach, kommt aber den Theater- und Kinobesuchern zugute. Seicher mußten diese manch­mal schon vor Schluß des Stückes zur Bahn eilen.

Nur noch wenige Tage trennen uns von dem großen 116er Treffen 1 937, das der fünfte 116er Tag sein wird. Am nächsten Samstag und Sonntag werden viele alte 116er wieder einmal in ihrer ehemaligen Garnisonstadt weilen, um hier die einstiges Kameraden wiederzusehen und gleich­zeitig mit den jungen Kameraden des wiedererstan­denen aktiven Regiments 116 enge Tuchfühlung auf­zunehmen bzw. diese noch mehr als bisher zu ver­tiefen. Aus den Mitteilungen an die Leitung des 116er-Treffens ist ersichtlich, daß man überall im Rhein-Maingebiet und darüber hinaus bei den alten 116ern der kameradschaftlichen Feier mit gro­ßem Interesse entgegensieht.

Der geschäftsführende Ausschuß trat am gestrigen Montagabend noch einmal zu einer Beratung zu­sammen. Zunächst nahm er in der Volkshalle die Platzeinteilung vor. Es wurde dabei an- georonet, daß die alten und die aktiven 116er bataillonsweise innerhalb ihrerKom­panien gemeinsam an den Tischen Platz nehmen. Die Offiziere der alten Kompanien und die aktiven Offiziere werden inmitten der Kom­panie-Kameradschaften sitzen. Durch diese kompame- weise Tischgemeinschaft soll das kameradschaftliche Band zwischen den alten und den jungen 116ern möglichst eng und tiefwirkend gestaltet werden.

Am Samstag um 18.30 Uhr beginnt das Treffen mit der Gefallenen-Ehrung am 116er- D en km al auf dem Landgraf-Philipp-Platz. Eine Ehrenkompanie des Regiments, die Regimentsmustk und alle Gießener Soldaten-Kameradschaften wer­den an dieser Gedenkfeier teilnehmen. Im Anschluß an die Gefallenen-Ehrung erfolgt unter Vorantritt der Regimentsmusik und der Ehrenkompanie ein Marsch der alten Soldat en durch die Stadt, wobei der Marsch durch- folgende Straßen gehen wird: vom Landgraf-Philipp-Platz durch die Brandgasse, Walltorstraße, Kirchenplatz, Schulstraße, Sonnenstraße, Kreuzplatz, Seltersweg, Hindenburg- wall, Ludwigsplatz, Kaiserallee, zur Dolkshalle.

In der Volkshalle vereinigt am Samstag ein K a - meradfchaftsabend die alten und die jungen Soldaten des Regiments mit den Kameraden der anderen Waffengattungen zu einigen frohen Stun­den. Dabei werden einige kurze Ansprachen an die Kameraden gerichtet, im übrigen wird der Abend ausgefüllt sein mit mancherlei Darbietungen der Sol­daten des aktiven Regiments. Die Regimentsmusik wird natürlich ebenfalls eifrig am Werke sein und die Besucher mit einem guten Militärkonzert er­freuen.

Der Sonntagmorgen bringt von 9 Uhr ab das Eintreffen der auswärtigen Kame­raden mit Sonderzügen und fahrplanmäßigen Zügen der Reichsbahn. Sonderzüge werden von Frankfurt und von Lauterbach kommen und in Gießen um 8.57 bzw. 8.30 Uhr eintreffen. Ein Ehrenzug des Regiments mit der Regimentsmustk wird die Kameraden am Bahnhof abholen, und von dort durch die Bahnhofstraße, Kaplansgasse, Kreuz­platz, Sonnenstraße, Neuen Säue, Ludwigsplatz zur Volkshalle geleiten. Hier wird sich die Wieder­sehen s f e i e r anschließen, an der natürlich auch die alten 116er aus Gießen uitb aus der Umgegend in großer Zahl teilnehmen wollen. Wer Lust hat, kann die Kasernen besichtigen. Ebenso wie in der Volkshalle wird auch im Schützenhaus Gelegenheit zum kameradschaftlichen Treffen gegeben sein, und in beiden Stätten kann auch gemeinsam das Mittagessen aus der Feldküche einge­nommen werden. Für die Verpflegung aus der Feldküche ist das 116er-Stammessen (Grüne Bohnen mit Kartoffeln und Rindfleisch) vorgesehen. Für die Verpflegung sorgt das Regiment, das für etwa 3500 Personen Mittagessen kochen lassen wird. Jeder Schlag" kostet 50 Pf., den Löffel kann man für 10 Pf. pro Stück kaufen; für 2000 Löffel ist auf alle Fälle jetzt schon Vorsorge getroffen worden. Kein Kamerad oder sonstiger Besucher der Veranstaltung darf glauben, daß er ohne vorherige, rechtzeitige Beschaffung einer Eßkarte mit Sicherheit auf einenSchlag" rechnen kann. Die Nachfrage nach dem gemeinsamen Mittagessen ist vielmehr so stark, daß die rechtzeitige Beschaffung der Essenkarte dringend zu empfehlen ist. Also heißt es auch hier: Der kluge Mann baut vor und beschafft sich bei­zeiten die Eßkarte! Während des Mittagessens in der Volkshalle und im Schützenhaus wird gutes Konzert die Freude der Stunde erhöhen.

£ Wieseck, 24. Mai. Der hiesige Obst- und Gartenbauverein hat in den letzten Jahren einen schönen Aufschwung zu verzeichnen. Er zählt heute über 200 Mitglieder. So erfreulich wie die Entwicklung des Vereins, so ist auch die Vermehrung unseres Obstbaumbestandes. Zählt man doch in unse­rer Gemarkung weit über 12 000 Obstbäume. Wenn auch noch nicht alle Obstbaumbesitzer ihren Obst­bäumen die nötige Sorgfalt widmen, wie bei dem Gemarkungsrundgang des Vereins am Sonntagvor­mittag feftgestellt wurde, so darf doch gesagt wer­den, daß in den weitesten Kreisen der Bevölkerung großes Interesse für die richtige Behandlung der Obstbäume besteht. Lehrer B e p p l e r und Ludwig Haas zeigten auf dem Rundgang des Vereins durch die Gemarkung die Obstbaumschädlinge, die in diesem Jahre sehr stark auftreten; sie wiesen auf die Bekämpfung der Schädlinge hin und forderten alle Besitzer auf, jeder feinen Teil bei dieser Arbeit zu leisten. Besonders wurde noch auf den Vogelschutz hingewiesen. Hierbei wurde die Anregung gemacht, weitere Vogelschutzhecken anzulegen. Nachdem noch einige Anlagen besichtigt waren, schloß der Rund­gang auf der Marburger Straße. Die Teilnehmer waren von dem Gesehenen und Gehörten befriedigt.

= Heuchelheim, 24. Mai. Auch in unserer Gemeinde hat sich die Sitte eingebürgert, den 5 0. Geburtstag in einer gemeinsamen Feier zu begehen. Der Jahrgang 1886, der eigentlich im vorigen Jahre hätte feiern können, war durch ver­schiedene Umstände daran verhindert worden. Die Feier wurde nun am gestrigen Sonntag, begünstigt vom herrlichsten Maiwetter, in der Form einer Autotour durch den Taunus nachgeholt. Die Schulkameraden des Jahrgangs 1886 waren fast alle erschienen. Die Fahrt ging zunächst durchs Lahntal, über Wetzlar und Braunfels nach Weil­münster, von da nach Neu-Weilnau, wo eine kurze Frühstückspause eingelegt wurde. Die Fortsetzung der Fahrt brachte die Teilnehmer auf den Feldberg, nach Königstein, Bad Soden und Schmalbach. Dort wurde Mittagsrast gehalten. Darauf ging es nach Bad Homburg, über die Reichsautobahn nach Bad- Nauheim. Dann folgte die Heimfahrt. Während der Fahrt und der Aufenthalte wurden gemeinsam be­kannte Heuchelheimer Volkslieder gesungen. Dabei war das Heuchelheimer LiederbuchWie es rings um Gießen singt und klingt" (gesammelt von Pfar­rer Weisel, Heuchelheim) eine gute Hilfe. Es ist selbstverständlich, daß auch alte Jugenderinnerungen ausaetauscht und manche frohe Erlebnisse' aufge­frischt wurden. Die Autofahrt, die den Teilehmern nicht nur eine Anzahl der bekanntesten deutschen Badeorte und den schönen Taunus zeigte, verlief zur

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Roman von Walther Kloepffer

Copyright 1936 by August Scherl G. m. b. H., Berlin.

3. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)

Täusch dich bloß nicht, Kleiner!" knurrt der Ge­freite Fenzl.Wie ich die Russen kenne, werden sie jetzt hinten von ihren Chargen vermöbelt und zu- sammengestaucht und dann wieder oorgetrieben. Oder ich will Besenstiele fressen."

Meinst wirklich, Fenzl?" fragt der Ameiser klein­laut.

Ja, das mein' ich. Du, Fogg, wenn man halt das Maschinengewehr hätte, das die da draußen haben liegenlassen--Teifl, Teifl, denen könnte

man heimleuchten!"

Hilft dir ja nichts", sagt Fogg verdrießlich. Oder kannst du vielleicht schießen damit?"

Nein."

Na also! Ich leider auch nicht."

Aber ich!" ruft der kleine Kosak und spitzt vor­sichtig über den Grabenrand; denn der Russe hat die deutsche Stellung unter Dauerfeuer genommen. Er kann wegen des Nebels zwar nicht zielen, aber die ungefähre Richtung hat er doch. Auch seine Batte­rien sind ungewöhnlich rührig und decken das ganze Vorfeld mit Schrapnells zu.Wenn ihr es erlaubt, hole ich das Gewehr herüber!" ruft der Russe.

Was soll man von diesem Kerl halten? überlegt Fogg. Erst reißt er von drüben aus wie Schaf­leder, weil sie einen Angriff vorhatten, bann kommt er zu uns und verrät alles, und jetzt will er das MG. holen und feine eigenen Kameraden in den T^ schicken da stimmt doch etwas nicht. Gemein und tapfer zugleich, das reimt sich doch nicht zu­sammen. Na, wart. Freunder!, dir wollen wir ein­mal auf den Zahn fühlen.

Du kannst also ein MG. bedienen, Rußki?"

Ja."

Und holen willst du es auch noch?"

Ja."

Du, es ist aber nicht ungefährlich. Die schießen bös herüber. Hörst du es zwitschern und summen?"

Ich fürchte mich nicht."

Herrgott! So ein Bursche wie du ist mir noch nicht vorgekommen! Und wenn ich nun auf den Gedanken käme, daß du uns ausrücken willst, nach­dem du unsere Stellung gesehen hast?"

Boschemoi, das wäre ja irrsinnig! Die schlagen mich ja tot, nachdem ich alles ausgeplaudert habe. Ich will es dir erklären. Es ist Hatz gegen die von drüben! Verstehst du? Man hat mich mit der Naaaika gepeitscht, und auch sonst"

Ach so! Na, denn geh los, wenn du dich traust!"

Der kleine Russe saust wie ein Hase aus dem Graben und. nimmt Richtung auf das Maschinen­gewehr. Nun hat er es erreicht. Er schleift es mit der Rechten hinter sich her, mit der Linken zieht er eine Patronenkiste nach. Der Rückweg geht viel langsamer, und der Kosak kommt nur schrittweise vorwärts, immer von Geschossen umschwirrt. Fünf Augenpaare saugen sich an ihm fest. Schafft er's? Wird er fallen? Die Waffe ist schwer und die Kiste nicht minder. Der Gefangene plagt sich, er ist ganz zusammengebogen vor Anstrengung. Schließlich kann Fogg diese Schinderei nicht länger mit ansehen. Er turnt aus dem Graben, läuft dem anderen entgegen und schwingt sich mit einem Ruck das MG. auf die Schulter. Dann keuchen sie zu zweit weiter und springen in den Graben. Fogg fühlt plötzlich ein Brennen am Oberarm und besieht sich den Schaden. Streifschuß, nicht schlimm, Glück gehabt. Dem ande­ren ist überhaupt nichts passiert.

Los! Das Gewehr einbauen! Wenn du dich nicht auf die Bedienung verstehst, schlag' ich dich ungespitzt in den Boden, Rußki! Zeig' mal, wie das geht!"

Ganz einfach. So. Du brauchst nur den Gurt zu halten, Herr", erklärt der Gefangene eifrig.

Gut. Schön. Jetzt sollen sie nur kommen, wenn sie Lust haben. Mit so einem MG. ist man gleich ein ganz anderer Soldat, was, Fenzl?" lacht Fogg.

Gute Augen hat dieser Rußki, denkt Fogg. Etwas verschüchtert, aber klar und offen. Was dem seine Landsleute wohl angetan haben? Sind manchmal richtige Teufel, diese Kosaken. Schön ist seine Hand­lungsweise nach unseren Begriffen nicht, aber Kosaken sind ja halbwilde Kerle; weiß der Kuckuck, was für Sitten und Gebräuche die haben.

Der Feind hat unterdessen, vom Nebel begünstigt, hinter einer Bodenwelle gesammelt und sich vom ersten Schrecken erholt: Die Offiziere, die Nagan- ptftole in Händen, haben ihren Leuten gut zuge­

redet und gedroht, haben geflucht und beschworen, haben die gelichteten Züge aufgefüllt und ihnen die Herrlichkeiten der Stadt Pinsk ausgemalt, und alles scheint gut. Um 7.30 Uhr brechen die gestaffelten Kolonnen abermals aus dem Nebel, der jetzt schon lichter wird und sich stellenweise in helle, wolkige Fetzen auflöst.

Die Russen kommen!" schreit Fenzl, was ganz überflüssig ist, weil jeder sowieso schon an seinem Platz steht.

Jetzt zeig, was du kannst. Rußki", murmelt Fogg, und es ist ihm nicht ganz geheuer.

Das Maschinengewehr beginnt zu tacken, erst zögernd und genießerisch sich einspielend, dann hell aufkläffend wie ein wutkochender Dorfköter. Der kleine Kosak mäht wie ein Schnitter in den Reihen seiner Landsleute. Nur jetzt keine Ladestörung, betet jeder im stillen. Kern und Gsodmair empfinden das Unzulängliche ihres Karabiners gegenüber diesem unersättlichen Ungeheuer, das sich da neben ihnen ein genistet hat uno die Feinde zu Dutzenden in den Tod schickt. Einigen Kosaken gelingt es, heranzu- springen, und nun ist der Gefreite Fenzl in feinem Element. Er ist der beste Handgranatenwerfer der Schwadron und hat feine eigene Technik. Ameiser muß ihm die Dinger abziehen und zureichen, er selbst schleudert sie hinaus. Arbeitsteilung. Ameiser muß dabei halblaut und langsam zählen. Eins, zwei, drei, vier, fünf. Bei eins reißt er die Schnur heraus, und bei längstens fünf muß bas kleine Biest aus Fenzls Hand fliegen, sonst gibt es Klein­holz im eigenen Graben. Ameiser ist auf dieses Tempo abgerichtet wie ein Schießhund. Plötzlich bricht das Zählen ab, und Fenzl dreht sich er­schrocken um.

,Was ist denn los?' will er jagen, bringt aber keinen Ton über die Lippen.

Ameiser, dieser Unglückswurm, kniet am Boden. Eine bereits abgezogene Handgranate ist ihm aus der Hand gerutscht und zwischen den Sprossen des Grabenrostes in den Schlamm gefallen. Nun angelt er nach dem gefährlichen Ding, und fein Gesicht ist mit kaltem Schweiß bedeckt. Er zählt unhörbar und automatisch für sich weiter. Drei, vier. Seine zittern­den Finger haben jetzt den Stiel und zerren daran, doch er verklemmt sich zwischen den Sprossen. Fünf. Jeder von den beiden Männern denkt blitzartig das gleiche: So, nun find wir hin. Der ganze Graben ist hin, und das Theater mit dem Maschinengewehr

war umsonst... Plötzlich roirft sich Ameiser mit seinem ganzen Körper der Länge nach hin und begräbt das tückische Nahkampfmittel unter sich. Es ist eine heldische und gefühlsmäßige Bewegung, um die anderen vor allem die Bedienung des MG.s vor den Splittern zu decken.

Fenzl, der starke, wilde Fenzl, hat ein graues Gesicht und vermag kein Glied zu rühren. Es ist eben nicht dasselbe, ob der Tod von ungefähr kommt, oder ob er es leibhaftig auf einen abgesehen hat. Fenzl denkt nichts mehr, sondern wartet nur noch auf die Katastrophe...

Aber seltsamerweise geschieht nichts, rein gar nichts. Blindgänger. Es ist wie ein Wunder. Eine halbe Minute später erhebt sich Ameiser. Wie ein uralter Mann kriecht er an der Grabenwand hoch und formt lallend die Worte:Da haben wir aber Glück gehabt, Mensch."

Fenzl nickt ihm wie gesoffen zu und lehnt mit schwachen Knien an der mürben Grabenböschung. Erst am nächsten Tag und durch Zufall erfahren die anderen von ihm, was hinter ihnen los war.

Das Maschinengewehr tackt noch immer wie be­sessen. Der kleine Kosak macht seine Sache erstklassig. Kimme, Korn, Russen Kimme, Korn, Russen. Er faucht unverständliche und drohende Worte dazu, die wohl Verwünschungen sein mögen. Er muß einen fürchterlichen Grimm auf diese Zwölften Kosaken haben, sonst wäre sein Tun nicht begreif­bar.

Der Angreifer hat jetzt genug. Was noch lebt, stürzt in Auflösung und Flucht nach rückwärts. Zu einer Verfolgung ist die Besatzung zu schwach; man muß sich damit begnügen, den letzten Gurt zu ver­schießen ...

Oestlich von Pinsk brach am 18. März ein feind­licher Angriff im Feuer unserer Vorposten zu­sammen", besagte etwas später lakonisch der deutsche Heeresbericht von diesem Tage.

Fogg ging von Mann zu Mann. Seine Leute waren bis auf ein paar Schrammen unverletzt, aber müde zum Umfallen. Fogg ließ sich feinen Arm von Fenzl verbinden. Dann klopfte er dem Gefangenen auf die Schulter:Brav gemacht, Rußki! Wie heißt du eigentlich?"

Stransky."

Pole?"

Jcnyohl."

Fortsetzung folgt.