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Samstag, 24.2lpril 1937

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheffen)

Nr. 95 Zweites Blatt

Der Maibaum für die Michshaupistabi

Sphäre" und daß die Freiheit zur Eigengestaltung

: >cach Eigenwünschen nicht mehr zulässig wäre. Solche Febersteigerungen müssen mit aller Klarheit in die

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Spiel und gutes Einvernehmen zwischen uns zu währen. Dann aber kam, irgendwann, der Augen­blick in dem der eine seinen Machtbereich von den 1

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1 a 5 Gemeinschaftsleben. Irgendwie pflegt ja das entfaltete persönliche Sein auch das Gemein- chaftsleben zu bereichern, die Gesamtheit und ihr Leben, ihr Gedeihen, ihre Höherentwicklung zu för-

Kähnen des anderen überschnitten wähnte oder sich über den Wellengang empörte, den jener mit fei­nem unruhigen Körper hervorrief, und wie von un­gefähr ließ er dessen Segelboot in den Strudel des grollenden Strahles gleiten; der leckte und kitzelte das Boot, daß es schwankte und sich drehte, traf dann das hochragende weiße Segel, es spritzte und zischte, und das eben noch stolze Schiff kenterte und trieb flach und kümmerlich auf den Wellen. Unver­züglich sog sich das Segeltuch voll Wasser, und, wenngleich auch der schwere Bleiklumpen sich redlich bemühte, ein ausreichendes Gegengewicht zu bilden, war das Schiff an diesem Abend nicht mehr see­tüchtig zu machen es legte sich immer wieder auf die Seite, mochte es auch noch so behutsam

Schranken gewiesen werden, denn das Aufhören ter persönlichen Sphäre wäre ein Verlust für

Für einen Schilling mietet man ein passables Bicicle" für den ganzen Tag! die eingeborenen Europäer mieten es natürlich monatweise und wenn es kaputt ist, gibt es ein neues. Herrlich fährt es sich auf den gut gepflegten breiten Sttaßen, die in sanfter Berg- und Talbahn mit zahlreichen Kur­ven durch die ganze köstliche Landschaft der fünf Hauptinseln führen, die untereinander mit Brücken verbunden sind; St. Georges, St. Davids, Main Is? land (mit der Hauptstadt Hamilton), Somerset und Jreland Island.

Auf dieser letzteren, die den Halbkreis im NW beschließt, befindet sich d i e W e r f t mit den mili­tärischen Anlagen der englischen Marine, die hier den Stützpunkt ihres westindischen Kreuzergeschwa­ders besitzt. Im geschützten Hafen der Werft macht die Schleswig-Holstein am Mittag des 8. März fest. Es istwie in W i l h e l m s h a v e n", dieser Gedanke kommt einem jeden und einer spricht es aus so ganz anders als unsere Liegeplätze seit­her, so vertraut die lange Reihe der Hallen und Werkstätten, das große Schwimmdock vor uns, das uns bequem aufnehmen könnte die heulenden Sirenen und die Scharen der bei Arbeitsschluß mit dem Fahrrad heimwärtsstrebenden Werftarbeiter. Hier aber der erste große Unterschied: zahlreich die schwarzen und braunen Gesichter der Arbeiter, und

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aufgerichtet werden ...

Der, dem solche wenig ehrenvolle Kränkung ge­schehen, zögerte nicht mit der Rache und versenkte vor des Bruders Augen dessen mckchtvolles Kriegs­schiff gewaltsam und mit Mann und Maus, so daß das Wasser glucksend in den einen offenen Schorn­stein eindrang und Uhrwerk und Kajüten ersäufte. Aber noch ehe die letzte flinke Luftblase aus dem hohlen Schiffskörper entwischt war, hatte der zur See begonnene Krieg ernstere Formen angenom­men, die beiden Admirale kümmerten sich nicht mehr um ihre Boote, sondern schlugen schnell ent­schlossen aufeinander ein, es klatschte auf den nassen Rücken, Schreie gellten auf und manche heiße Woge spülte über den Rand der Wanne, bevor die Mut­ter hereinkam und Ruhe zu stiften vermochte. End- gülttg war das Spiel nun aus, die Schiffe wurden an Land genommen und einer klagte entrüstet den andern an, wenn er nun unter dem bunten Anstrich seines liebsten Schiffes mehr und mehr das weiße Holz hervorleuchten sah. Sachlich und nur wenig gewonnen für unseren Streit, begann die Mutter mit dem Abseifen, sehr grimmig saßen wir uns gegenüber, jeder in der äußersten Ecke der langen Wanne und jeder im Innern ent­schlossen, den andern für immer zu meiden; wenn dann aber der Mutter, während sie uns den Rücken wusch, das Stück Seife entglitt und ins Wasser fiel, sich dort seltsam lebendig wie aus eigener Kraft fortbewegte und stets an einer anderen Ecke neckisch auftauchte, um sogleich wieder unsichtbar zu ver­schwinden und für lange Zeit überhaupt verschollen zu bleiben, vergnügte uns dieses Spiel des Zufalls derart, daß ein plötzliches Einverständnis uns ver­söhnte, in geheuchelter Ahnungslosigkeit spielten wir uns das lustig wandernde Stücklein zu und hinter­trieben in jeder Weise das eifrige Suchen der Mut­ter bis sie ärgerlich und bis an die Schultern naß ! sich' abwandte. Dann erst wollte es uns glücken.

Am Freitagvormittag traf der riesige Maibaum, der in Ostpreußen gefällt wurde, in der Reichshauptstadt ein und wurde hier vom Bahnhof auf einem Spezial-Transportgerat zum Lustgarten gebracht. (Scherl-Bilderdienst-M.)

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ihm zu dienen jedes Glied der Gemeinschaft höchste Verpflichtung hat. Einzelfreiheit ist auch in solchem Staate Lebenslust; aber während sie im liberalisti- schen System erstes Gesetz ist, ist sie im autoritären Staate dienend untergeordnet den Le­bensgesetzen des Ganzen. Die aber lassen Freiheit, ja, sie fordern Freiheit als Lebens- grurchlage. Freiheit, aber nicht Willkür!

Wenn wir sicher sein wollen, den Begriffsinhalt erfaßt zu sehen, den wir als Vertreter des politi- chen Führergedankens tadelnd treffen wollen, dann sollten wir den Liberalismus, dann sollten wir die tadelnswerte individualistische Freiheit besser als Will kür tum kennzeichnen.

km. Wenn neben allem selbstverständlichen Dienste cm Ganzen nicht mehr das Recht und die Freiheit celasten würden, auch einmal mit sich allein jit sein, und im stillen Nachdenken die Kräfte des inneren Seins zu pflegen, dann lohnte das Menfch- tin nicht mehr. Die großen Gedanken der Mensch- cit sind im tiefsten Alleinsein, im stillen Kämmer-

Isin oder in der Einsamkeit der Natur gedacht wor- kn, die höchste Forscherleistung ist im letzten immer p.ur dem einzelnen zu verdanken. Das Austilgen ! er privaten Sphäre wäre das Ende der höheren Gesittung, und eine Erziehung und eine Gestaltung ks Gemeinschafts- und Staatslebens, bei der die private Sphäre vorenthalten bliebe, wäre Sünde cm Volke und am kommenden Geschlechte.

Es gibt ja doch keinentweder oder", entweder Gemeinschaft oder Erfüllung des eigenen Seins: Es ilt vielmehr: Dienst am Persönlichen, damit es dem tzanzen am besten dient; und Dienst am Ganzen, amit eben Leben und Gedeihen der Gemeinschaft die Erfüllung auch des persönlichen Seins dem Zolksgenossen gewährleisten kann.

Freiheit ist Lebensbedingung, ist Lebenslust. Was Dir in den Jahren seit dem Kriege bis zum Um­bruch als so quälend empfunden haben, war ja ge- mde der Verlust der deutschen Freiheit; denn Dolks- rnfreiheit bedeutet ja auch Einzelunfreiheit. Denn :on derFreiheit", aus der Not des Volkes Vor- !eil zu ziehen durch gewissenlose, die Not benutzende ent) das Volk aussaugende Geschäfte, wollen wir 'icht mit dem Worte Freiheit reden; das ist nicht ke Freiheit des sittlichen Handelns, sondern die Freiheit von den Geboten des Gewis­sens. Das ist Gewissenlosigkeit, nicht selten aller­dings Gewissenlosigkeit im Rahmen und unter dem Schutze des Gesetzes, das sie in der einmal gegebenen Brägung des Gesetzes nicht wirksam genug hindern lemn, solange nicht neues Gesetz nach dem Willen ks neuen Staates gestaltet ist.

Daraus, daß wir gerade auf die innerpolitische Gestaltung in den Jahren der Volksnot die Kenn­zeichnung alsl i b e r a l i st i s ch e s S y st e m" enmenben, wird klar, daß hier mit Liberalismus Aber-frei) die Freiheit gemeint ist, die den Nahmen der sittlichen Freiheit p r e n g t und als Freiheit auch von notwendigen Bindungen anzusprechen ist. Wenn man den ent- cheidenden Unterschied festlegen will zwischen der Ordnung des Liberalismus und der Ordnung der l utoritären Staatsführung, dann ist es der: Im ILiberalismus ist die Freiheit des einzelnen höchstes gebot nur so weit gedämpft, daß der einzelne lediglich gehindert wird, dem Ganzen und dem Mitmenschen unmittelbaren groben ersichtlichen Schaden zu tun. Die autoritäre Staatsführung geht s avon aus, daß das Volk als Lebensgebilde in alle Zukunft rein und stark weiterleben muß, und daß

XV.

Merwochenmseln."

In See, April 1937.

Die Bermudainseln, so benannt nach ihrem Entdecker Juan Bermudez (1515), bestehen aus nicht weniger als insgesamt 365 kleinen Inseln und Klippen, deren größte ein bewohntes, überaus liebliches Paradies im milden ozeanischen Klima darstellen, und ihren BeinamenF l i t t er­wach e n i n s e l n" nicht zu Unrecht führen. Doch können leider nur sehr wohlsituierte, dollargeseg­nete Amerikaner sich die Hochzeitsreise nach den lieblichen Inseln leisten oder dort ihre Ferien ver­bringen, wo man in luxuriös eingerichteten Hotels wohnt, im eigenen Schwimmbad badet, je nach Lust und Laune in der tiefblauen Meeresbucht segelt oder Motorboot fährt, wo man Golf spielt ober reitet unb sich ben Genuß einer Spazierfahrt im Pferbewagen durch die prächtigen Zedernwälder, vorbei an weiten Grünflächen und bunten Blumen­feldern hingibt. Es läßt sich leben hier draußen wie gesagt, aber es gibt auch einen billigen Sport, und das ist deshalb auch der verbreitetste und zugleich von den Bewohnern dieses gesegneten Eilandes täglich betriebene: das Radfahren!

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4., abds. Sen 8 unb 9 Mitteilung ten geg. gute elognung:

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tff. Str. 38, 2103. 28630

stoß erschüttert schien, zerfloß auf der Hand und weich und warm rieselte nichts als klares Wasser über die Finger, tropfte plätschernd in die Wanne, Kreise wellten sich ringsum und zerstörten den freundlichen Wasserspiegel, aus dem die zahllosen blauen Flämmchen des Gasofens mit ihren nervösen gelben Spitzen zu uns heraufgeleuchtet hatten...

Kaum daß bann die Wanne zu einem Drittel gefüllt war, warfen wir Brüder ungestüm die Hemdchen ab, überstiegen mit einem mühsam wetten Schritt die hohe weiße Wand, hockten uns nieder, daß es bis in die Mitte des Zimmers spritzte, und nur einen Augenblick später schon schaukelte zwi­schen den naß glänzenden Leibern auf den erregten Wellen eine mächtige Flotte, die wochenuber m einem großen Karton vor Anker lag, an diesem Abend aber stets fahrplanmäßig in See stach. Kleine schlanke Ruderboote waren darunter, denen ein Kiel geschnitzt war, so daß sie schnittig die Richtung einhielten, in die man sie fortstieß, etn schmuckes Segelschiff, mit bunten Lackstreifen ringsum und einem schweren Bleiklumpen darunter, em breites Fischerboot nach Holländerart, träge unb mit wenig Tiefgang, und schließlich zwei graue Kriegsschiffe aus Blech, die Federwerk und Schraube besaßen und mit Hilfe der blanken Rauchfahne über dem ersten Schornstein aufgedreht werden konnten. All dies also schwamm und glitt zwischen den beiden Jungen in der großen Wanne, em Piratenboot trieb zwischendurch sein Unwesen und entzog sich stets den Verfolgern, da es sich m der Hohle zweier hochgestellter Knie zu verbergen wußte; die beiden Kriegsschiffe mit ihren vielen Kanonen ratterten gewichtig ihren Weg, ließen eine wellige Schrauben­spur hinter sich zurück wie ein großes Schiff unb steuerten dennoch bald darauf eine Ecke der Wanne an, wo ihr Uhrwerk ebenso eigensinnig wie nutzlos auf der Stelle ablief, und hinter unseren Rucken vorbei schlängelten sich zwei mächtige Goldfische aus Zelluloid, die hohl waren und gegen lebe Fischesart vergnüglich hoch auf den SBogenfammen ^webten. Manchmal auch fiel einer der bleiernen Matrosen über Bord, die Ankerketten glitten m die Tiefe um sich zwischen den starren Beinen des Er­trunkenen zu verfangen und ihn so vom Boden der Wanne heraufzuheben, aber meistens wollte dies nicht gelingen und zuletzt angelte ihn weniger glaubhaft als wirksam, eine menschliche Hand aus der Tiefe... __ ... ,e

Bis die Haut unserer Fingerspitzen innen welk erschien und ernste Sorgenfalten zeigte, pflegten

radenkreise auf dem Fahrrad durchqueren.

Am Nordstrand entlang mit malerischen Aus­blicken bis hinüber nach Jreland-Jsland, wo unser Schiff brav an der Pier liegt, geht es nach dem nordwestlichen Zipfel St. Georges hinaus, wo wir vorzüglich lunchen und das alte englische Fort besteigen, über die lange, klappernde Holzbrücke, zurück am Südstrand entlang nach Hamilton. Herrlich wohl tut diese ungewohnte körperliche Be­tätigung der Beine, erstaunlich ist die Leistungs­fähigkeit unseresvollschlanken" Oberstabsarztes, dessen jugendliches Vorwärtsstürmen wir kaum mit­zuhalten vermögen! Ein Gin tonic, unser schon aus Brasilien bekanntes und beliebtes Getränk erfrischt uns nach vier geschlagenen Stundenim Sattel" durch die im ewigen Wechsel gleich reizvolle Land­schaft.

Die Inseln erstrecken sich über 50 Quabratkilvmeter in einem langen, nach NW offenen Bogen mit einer größten Ausdehnung von 40 Kilometer OW. Be­wohnt sind etwa 20 der Inseln. In geologisch frühe- rer Vorzeit wohl zusammenhängend, senkten sie sich, auf unterirdischen Kratern erloschener Vulkane sitzend, bis zu 20 Meter unter ben Wasserspiegel und bauten sich in Jahrtausenden aus denKalkresten der Korallentierchen zu ihrer heutigen Ausdeh­nung und Gestalt auf. Außer Kalkstein bilden Rot­erde und Dünensand das Fundament, die Humus­schicht ist fruchtbar, aber nicht sehr tief. Das Wasser wird ausschließlich durch Auffangen des Regens in Zisternen gewonnen, Quellen gibt es so gut wie gar nicht. Abgesehen von einigen weit vorgelagerten und gefährlichen Korallenriffen fallen die Wassertiefen schon dicht an der Küste steil auf 4000 bis 5000 Meter ab, der beste Beweis für die vulkanische Herkunft dieser nördlichsten Korallenriffe der Erde. Auf einem der Unterwasferriffe, mehrere Seemeilen von der Küste entfernt, sitzt seit Monaten ein mexi­kanischer Dampfer, von feiner Mannschaft ver­lassen man erzählt uns, daß er auf der Rückkehr von Spanien, wohin er rote Fracht gebracht haben soll, in Nacht und Nebel hier aufgelaufen fei und seitdem hoffnungslos festfitzt.

In dem milden Klima wächst die typische Insel» zeder, deren dunkles Grün wirkungsvoll mit den

Seltsames von der chinesischen post.

Die Post des himmlichen Reiches blickt auf die älteste und ehrwürdigste Geschichte zurück. Nach den chinesischen Chroniken reicht sie etwa 3000 Jahre in die Vergangenheit hinaus, und schon damals gab es einen Dienst von Läufern, den die Regierung zur Bestellung von Nachrichten unterhielt. Später entwickelte sich dann eine große Anzahl von Privat- unternehmungen, und feit den sechziger Jahren des vorigen Jahrhunderts ist die Postorganisation tn den Händen der englischen Zollbehörden gewesen, bis die Kontrolle 1911 wieder auf die chinesische Regierung überging. So alt die Post im Reich der Mitte auch ist, so haben sich doch seine Bewohner an die modernen Formen des Postdienstes nur schwer gewöhnt. Merkwürdig berührt es den Euro­päer, daß vielfach die Hälfte des Poftgeldes früher von dem Absender und die andere Hälfte von dem Empfänger bezahlt wurde. Wenn der Adressat seine Gier nach dem Brief nicht verbergen konnte, bann wurde ihm wohl noch etwas mehr abgenommen mit der Begründung:Die Wege sind schlecht, das Wetter ist stürmisch, unb ich habe viel Arbeit und Mühe gehabt, um ben Brief hierher zu bringen". Noch jetzt ist es nicht selten, baß man in den Brief­kästen eine Anzahl Kupfermünzen findet, die mit dem unfrankierten Brief hineingeworfen wurden. Manchmal erscheint eine ältliche Dame hn Post- büro und beschwert sich, daß ein Brief sein Ziel nicht erreicht hat. Wird sie nach dem Schein ge­fragt, so hält sie stolz eine zerdrückte Marke empor: sie hat die Marke gekauft, ben Brief in ben Kasten geworfen unb biefe alsEmpfangsbestätigung" auf­bewahrt. Ober eine sehr laute Dame beschwert sich darüber, daß sie von ihrem Sohn in einem sehr entfernten Teil des Landes so lange nichts gehört hat. Wenn der Beamte achselzuckend erklärt, daß er da nichts machen könne, so erwidert sie trium­phierend:Aber ich habe doch den Brief einschreiben lassen", unb glaubt, baß badurch bie unbebingte Gewähr für eine Rückantwort ihres Sprößlings gegeben fei. Manche Chinesen kaufen Marken, tun sie in ben Briefumschlag, kleben biefen zu unb glauben dann, bas Ihrige getan zu haben.

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auch sonst allerlei, was den kolonialen Charakter dieser Werst verrät. Gut vertäut liegen wir im Hafen, und das ist viel wert bei dem bald ein- etzenden schlechten Wetter, wenn auch der Weg nach Hamilton durch die ganze Breite der Bucht ür die Urlauber reichlich lang ist.

Hamilton, die schmucke Hauptstadt mit ihren auberen weißen Häusern, liegt malerisch in einer Bucht der Hauptinsel, umgeben von idyllischen In- eichen. Markant die mächtige Fassade der großen amerikanischen Hotels, bas Princeß-Hotel mit eige­nem Babestranb unmittelbar an ber Küste und etwas höher gelegen bie großen Bermubian-, Wind- or-Hotels unb wie sie alle heißen. In ber Blüte­zeit ber Prohibition sinb sie aus bem Bvben ge­soffen, und die alkoholhungrigen Yankees ließen es sich hier in der lieblichen Umgebung wohl sein, ohne auf den Luxus verwöhnter Lebenshaltung verzichten zu müssen. Ihre Berühmtheit als Tou­risten- unb wie gesagt Flitterwochenaufent­halt haben bie Inseln feitbem behalten und Tau­sende von Amerikanern unb viele Englänber be­völkern jährlich bie großen Hotels. Das originellste ist, daß es auf den Inseln keine Autos gibt, was ben Großstabtmenschen, bie hier Ausspannung und Erholung suchen, besonders reizvoll erscheint. Das neben bem Fahrrab häufigste Verkehrsmittel ist bie Pferbebrofchke, die man überall haben kann, unb beren freunbliches Klipp-klapp statt Hupengetön und Benzingestank den lieben langen Tag durch die Straßen und Täler klingt ein paradiesisches Traumland voll Blüten, Duft und Sorglosigkeit, das wir nun an einem wachfreien Sonntag im Kame-

Willkürtum ist die Loslösung von nötigen Bin­dungen, die dem einzelnen auferlegt werden und auferlegt bleiben müssen, wenn das Ganze leben soll. So haben wir mit einem deutschen Worte wiedergegeben und verurteilt, was wir nicht wol­len: Eine Art zu denken, eine Art zu handeln,, eine Art zu leben, ohne Rücksicht und entgegen ber Rücksicht auf das deutsche Volk, sein gegenwärtiges und fein künftiges Leben in Reinheit und Kraft. Und was wir dagegensetzen wollen und müssen, ist Erfüllung bes Führ eryedan- fens, der geleitet wird vom reinen Willen zur künftigen deutschen Größe.

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Samstagabends..

Don Karl llde

Am Samstagabend, bald nach dem Sieben-Uhr- Säuten kam bie Mutter vom Einkäufen nach Hause, mit prallen Taschen unb bazu noch, mühsam unter ben Arm geklemmt, mancherlei Tüten unb Flaschen icnb ein paar kühle Salatköpfe ober einen paus­bäckigen Blumenkohl, so daß sie an der Haustur einen von uns Jungen herunterschellen mußte, da- nit er chr auf der Treppe tragen helfe. Wenn sie br-ann alle bie neuen Vorräte auf bem Kuchentlsch tiebergelegt hatte unb sich, mübe unb em wenig abgespannt, bran machte, bas Gemüse auf den Button und das Fleisch bedächtig in den Kuhl- 'chrank zu legen unb bie golbbefd)nebenen Por- .ellantöpfe auf der Anrichte aufzufüllen, standen Dir Brüder schweigsam dabei und fühlten einen Feierabend beginnen, dessen wunschlose Gelassen- eit uns mehr schien als alles Glück, das der nahe Sonntag verheißen mochte. Die Stadt ringsum mit ihren vielerlei Ansprüchen unb Nöten war mit inemmal vergessen unb auch bie Woche, bie nun rft wirklich enbete; niemanb von braufeen mehr mar erwartet unb niemanb mehr hatte etwas zu n eaebreri als sei sie eine einsam gelegene Festung, Maß sich in bieser Stunbe bie Wohnung um uns, nur noch innerhalb ihrer Wänbe unb ganz sich selber venug, verlief alles Leben, unb bie Vorräte auf em Tisch unb in ben Schranken versprachen, se wst- a.ewufet bafe bieser festlich-stille Zuftanb soweit es uuf sie ankomme, noch recht lange werbe dauern jedoch es tarn nicht auf sie an, unb nicht viel vaier schan, wenn die Mutter in- Badezimmer 4na da- Bad für uns zu richten, wurde eine felt- 5 ünruhe wach. Schreckhaft fturmifch harten wir

Wmmchen des Gasafens aufzucken und das Mer fo dröhnend dumpf in den echareichen Hahtt F°um d r weißen Wanne praffeln als fei es nicht Mer das da zu Waffer laufe, sondern irgendein Cmweres flüffiqes Metall - Quecksilber etwa oder chweres si n g bQ5 &a au5 glühenden

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Ireiheil-abermchtLMm!

Don Staatsmimsier a D. Dr. Hartnacke.

Vor einiger Zeit ist angekündigt worden, bafe bas Bürgerliche Gesetzbuch burch neue Gesetze ersetzt »erben solle, in benen beri n b i v i d u a l i st i - ch e n Freiheit" gesetzliche Schranken auferlegt würben. Also der individualistischen Freiheit soll gesetzlich Halt geboten werden, nicht der Freiheit überhaupt, auch nicht der individuellen Freiheit.

Persönliche, individuelle Freiheit ist etwas Un­entbehrliches, ist Lebensgrundlage in allen gesitteten Völkern. Das scheint manchem lieber» eifrigen nicht ganz selbstverständlich zu sein, denn n gibt in der Tat Meinungen, private Meinungen, die dahin gehen, dafe es ein Ende haben müsse mit der individuellen Freiheit, mit derprivaten

MderSchleMg-Holstem"ausSchuWffsreise

Don Karl Friedrich Birnbaum, Kapitänleutnant.

bas Verlorene zu greifen, das nach solch langem Jagen im warmen Wasser stets merklich verkleinert wieder zum Vorschein kam. Ein wenig schlug uns bei feinem Anblick bas Gewissen unb wir bedauer­ten sogar mit Worten biefes nutzlose Vergeuden, im Grunde aber schien uns diese besondere Freude damit keineswegs zu teuer bezahlt ...