lfr.?22 Zweites Vlali Aießener Anzeiger (Aeneral-Anzefger für Oberhessen)
Donnerstag, 23. September 1937
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Die Herbstmanöver des IX.Korps.
Heftiger Kampf um den Uebergang über die Werra.
Der zweite Tag.
Eisenach, 22. Sept (LPD.) Die roten und blauen Aufklärer trafen fast gleichzeitig am Montagmittag an dem Werraabschnitt bei Creuzburg ein, jedoch gelang es den blauen Sperrtrupps nicht mehr, alle Uebergänge über die Werra an dieser Stelle zu sperren, da sie von starkem roten Maschinengewehrfeuer daran gehindert wurden. Lediglich die Brücke bei Creuzburg wurde durch schnelle Sprengung für Fahrzeugoerkehr unbrauchbar gemacht. Erst spätere blaue Verstärkungen zwangen die vorderen Teile der roten Aufklärer, sich bei Creuzburg von der Werra zurück- zuziehen. Sie setzten sich in den westlichen Höhen des Werraufers fest. Diese Gelegenheit benutzten die Pioniere der blauen Sperrtrupps, die Brücke bei Creuzburg restlos zu zerstören.
Die roten Truppen unter Führung des Generalleutnants Oßwa 1 b hatten zu dieser Zeit die Gegend des Meißners überschritten und stießen beiderseits der Werra in R i ch t u n g auf Eschwege vor. Im Raume Creuzburg— Spichra soll mit Unterstützung von Artillerieabteilungen ein Uebergang über die Werra erzwungen werden, um einen Brückenkopf auf den Höhen Des östlichen Werraufers zu schaffen. Der Führer von Blau, Generalleutnant von Wietersheim. ist mit einer starken Sicherung in Richtung auf die Werra im Anmarsch. Roter Infanterie gelingt es im Morgengrauen des Dienstag, mittels Schlauchbooten und Floßfäcken auf dem Stauwasser des Kraftwerkes Spichra über die Werra zu fetzen. Teile des Infanterieregiments 55 (Würzburg) haben sich geschickt dem Feuer der blauen MG s entzogen, die die östlichen Werraabhänge besetzt halten. Unter dem Schutze seiner Artillerie können Dienstags vormittags zwei Bataillon übersetzen und einen Brückenkopf an dieser Stelle mit dem Hopfen- und Tellberg schaffen.
Blau hat vor allem Artillerie in Richtung Madelungen—Krauthausen in Marsch gesetzt, die den vorgeschobenen Sperrverband beim Halten der östlichen Werraufer unterstützen soll. Erst später einsetzende Panzerangriffe und Tiefangriffe der blauen Jagdflieger zwingen die roten Truppen zum Rückzug. Da Rot um die Mittagsstunde weitere Infanterie mit Unterstützung seiner Pioniere übersetzen konnte, mußte Blau von den wiedergewonnenen Höhen zurückgehen und das Herankommen stärkerer Jnfanteriemassen abwarten.
Der dritte Tag.
Trotz mehrfacher Angriffe war es der blauen 29 Division am 21 September nachmittags nicht gelungen, das Ostufer der Werra zwischen Creuzburg und Spichra zu säubern. Die rote 15 Division hielt bei Einbruch der Dunkelheit die Westhänge des Hörschel- und des Hotzenberges und das Gelände südlich von Creuzburg Das rote IX Armeekorps beabsichtigte am Morgen des 22. September den Uebergang über die Werra zu erzwingen In der Nacht vom 21. zum 22 September stellten sich die röte 15. Division bei Spichra, die 9. Division zwischen Creuzburg und Mchle zum Angriff bereit Der Schwerpunkt dieses Angriffs lag im Abschnitt der 9. Division und sollte durch besonders starke Artillerie unterstützt werden
Die blaue 29 Division hatte sich auf dem Ostufer der Werra mit den Regimentern 15 und 86 in vorderster Linie zur Verteidigung eingerichtet Das Regiment 71 sollte in zweiter Lime bei einem Vorstoß über die Werra Rot im Gegenangriff über den Fluß zurückwerfen. Die blaue 29 Division war sich bis zum 21 September früh nicht im klaren, wo der Hauptangriff der roten Kräfte zu erwarten
Uebergang über die Pontonbrücke bei Kreuzburg über die Werra. (Aufn.: Carl Eberth, Kassel.)
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sei, vermutete aber diesen beiderseits B u - ch e n a u. Durch geschickte Maßnahmen der roten 9. Division blieben die Vorbereitungen zum Angriff bis kurz vor Angriffsbeginn der blauen Division verborgen. Um 5.30 Uhr erfolgte überraschend ohne artilleristische Vorbereitung der Angriff der roten 9 Division beiderseits Buchenau In breiter Front gingen die roten Regimenter 57 und 196 auf Floß- säcken über die Werra. Begünstigt durch dichten Rebel gelang es fast überall die Ueberraschung zu wahren Sobald aber die vordersten Teile der roten Regimenter die Steilhänge des Ostufers heraufkamen, stießen sie auf gut ausgebauteVer- teidigungsstellungen der blauen 29 Division Bis 12 Uhr gelang es Rot, unterstützt durch starke Artillerie, auf dem Oftufer zwischen Creuzburg und Mihle Fuß zu fassen Auch die 15. Division griff aus Spichra mit dem 55 und 88. Regiment an. Die roten Angriffe wurden durch mehrfache Tiefangriffe von Jagdfliegern unterstützt.
Gegen mittag erhielt die blaue 29 Division die Weisung des Armeeoberkommandos, daß die blauen Hauptkräfte in der Nacht vom 21 auf 22 September mit dem rechten Flügel auf Eisenach zurückgegangen seien, um sich hier erneut zur Verteidigung einzurichten. Die 29 Division sollte den Schutz der rechten Flanke spätestens in der Linie Berka—-Eisenach übernehmen, um hier einen feindlichen Vorstoß in die eigene Flanke zum Stehen zu bringen Diese Linie sollte bis 24 Uhr gehalten werden Das rote Korps erhielt zu derselben Zeit den Auftrag, mit allen Kräften den Angriff in Richtung Gotha iortzusetzen. Für diesen Angriff soll für den 23 September eine Panzer- abteiluna zugeführt werden Vergeblich versuchte die blaue 29 Division, durch örtliche Gegenstöße die über die Werra vorgegangenen Teile der roten 9 Division zurückzuwerfen. Aber auch Rot gelang es nicht, den Angriff weiter auf dem Ostufer vor- zutragen. Daher entschloß sich die 29 Division, den Angriff auf dem Ostufer der Werra neu z u o r - g a n i j i e r e n Hierzu soll das Regiment 36 bei Creuzbura eingesetzt werden um dann mit dem
Regiment 116 und mit Unterstützung der gesamten Artillerie den M i e h 1 b e r g zu nehmen und weiter in Richtung auf Lerchenberg und Reu- tenberg vorzustoßen. Bei Creuzburg wurde durch Hanauer Pioniere eine Brücke gebaut, auf der immer stärkere Teile von Rot auf das Ostufer der Werra übergingen. Die 15. Division griff nachmittags in der Gegend von Spichra an und nahm den Hörschel- und den Stadtfelder Berg. Von hier aus soll in Richtung Moseberg und Eichelberg angegriffen werden Der Gauleiter von Kurhessen, Staatsrat W e i n r i ch und SA.-Gruppenführer Beckerle (Frankfurt a. M.) wohnten dem Uebergang des Gros der roten Infanterie über die bei Creuzburg errichtete Pontonbrücke bei.
Ein neuer Schlag gegen die Deutsche Schule in Polen
Katlowih, 22. Sept. (DRB.) Das deutsche Schulwesen in Ofloberschlesien, das in der letzten Zeit so manchen schweren Schlag erlitten hat, ist durch eine erneute Zwangsmaßnahme wiederum auf das fchwerste betroffen worden. Der Deutsche Schulverein unterhielt in Pietz ein Internat, in dem 28 Schüler des deutschen Privat- gymnasiums Pleß untergebracht waren. Das Internat, das einzige deutsche in ganz Polen, befand sich in einem Gebäude des Fürsten von Pietz. Die Zwangsverwaltung der Pletz- schen Betriebe hat eine Räumungsklage angestrengt, die anerkannt wurde Obgleich das Räumungsurteil infolge des Einspruchs des Schulvereins noch nicht rechtskräftig geworden ist, wurde das Internat am Dienstag zwangsweise geräumt Die 28 deutschen Schüler muhten ihre Sachen packen und das haus verlassen. Die gesamte Einrichtung des Internats ist auf die Strafte gestellt worden Diefe Zwangsmaftnahme hat |
unter Der deutscher Bevölkerung begreiflicherweise lebhafte Entrüstung hervorgerufen.
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Der Kattowitzer „Slufbrudj", der seit einiger Zeit In Posen gedruckt wird, verfiel auf Anordnung der Posener Zensur zweimal hintereinander der Beschlagnahme. Dessen ungeachtet beschlagnahmte die Polizeidirektion i n Kattowitz dasselbe Blatt noch einmal wegen anderer Artikel, die in Posen nicht beanstandet worden waren Auf diese Weise verfiel das Kampfblatt der fungdeutschen Erneuerungsbewegung in zwei Tagen einer viermaligen Beschlagnahme.
Ein demokratischer Brock in polen.
Warschau, 22. Sept. (DNB.) Zwischen den ausgesprochen marxistisch und demokratisch eingestellten polnischen Gruppen ist ein Abkommen geschlossen worden, das die Gründung eines demokratischen Blockes oorsieht. Diesem demokratischen Block, der nicht mit der vor einiger Zeit gegründeten demokratischen Partei in Krakau verwechselt werden darf, gehören die bäuerliche Volks Partei, die als die stärkste politische Partei in Polen gilt, die polnisch-sozialdemokratische Partei, der linke Flügel des alten Legionärslagers und eine Gruppe links eingestellter Akademikerkreise, die im letzten Regierungslager auf dem äußersten linken Flügel standen, an. Die bekannteste Persönlichkeit dieser akademischen Linkskreise ist das frühere Mitglied der polnischen Literaturakademie R z y m o w - s k i,-der vor einigen Monaten wegen seiner krassen sozialistisch gefärbten Auslassungen seinen Posten als Hauptschristleiter des Kurier Poranny räumen mußte.
Oie Beisetzung des Präsidenten Masaryk.
Prag, 21. Sept. (DNB.) Der Schöpfer der Tschechoslowakischen Republik Präsident T G. M a s a r y k, hat seinen letzten Weg von der Prager Burg nach dem kleinen Friedhof in Lana angetreten. Um 10 Uhr wurde der Sarg von dem Katafalk des Säulensaales der Prager Burg vor das Matthiastor getragen. Hier nahm Präsident Dr. B e n e s ch vom Alterspräsident Masaryk Abschied Er zeichnete das Bild des Toten als Vereinigung religiöser und politischer Ideale und mahnte, das Lebensziel des Altpräsidenten als Verpflichtung zu betrachten und einen vollkommen harmonischen, politisch gerechten Staat zu schaffen. Die Bürger Prags gestalteten den Weg durch die Stadt zum Bahnhof zu einem ernsten feierlichen Akt. Der Sonderzug traf Dienstag abend in Lana ein Auf dem Wege zum Friedhof begleiteten den Sarg die Familienmitglieder, ferner der Präsident der Republik, Dr Benefch, die offiziellen Trauergäste aus dem Auslande, die Mitglieder der Regierung und die Vorsitzenden der beiden Kammern der Nationalversammlung. Unter den Klängen der Staats- Hymnen wurde der Sarg neben der Ruhestätte der Gattin Masaryks ins Grab gesenkt.
Kleine volitische Nachrichten.
In Frankfurt überreichte Generalkonsul Marchese Agustino Ferrante di R u f f a n o dem Oberbürgermeister Staatsrat Dr. Krebs mid dem Führer des deutschen Handels, Präsident Prof Dr. Lüer, für ihre hervorragenden Verdienste um die Ausgestaltung der deutfch-italieifchen Beziehungen auf kulturellem und wirtschaftlichem Gebiete die C o m - menda desOrdens der Krone Italiens.
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Aus Anlaß der Beteiligung der deutschen Hansestädte auf der Marseiller Messe fand eine deutsch-französische Kundgebung statt, auf der der Präsident der Handelskammer, La- vire, die deutschen Gäste herzlich willkommen hieß. Namens der deutsch-französischen Gesellschaft in den Hansestädten dünkte Herr M e y e r - La Ma- stille für die gastliche Aufnahme. Anschließend sprach der Vizepräsident der deutsch-französischen Gesellschaft Professor Grimm.
KleinesAbenteuerinFmnland
Von Adols Aowakotvsky.
Wir waren zu britt auf dem Wege von Jmatra nach Enso. Ganz plötzlich war es uns am Abend eingefallen, unser Zelt, das wir am Ufer des Sees aufgeschlagen hatten, abzubrechen und in der Nacht zu wandern.
Die Sonne war bereits untergegangen. Dennoch blieb es taghell. Es war, als habe sie das Licht mitzunehmen vergessen, das starr, wie gefroren über den Wäldern der felsigen Hügel und über den vielen Bächen stand, denen wir begegneten. Das Geräusch der Wasserfälle begleitete summend unseren Weg. Es hing in der Lust, die wie aus Glas war, durchsichtig wie ein Fenster Gewiß schliefen Baum und Gras, Tier und Mensch wie in dunklen Nächten, gewöhnt daran, daß die Sonne für einige Stunden blasses Gesicht über das Land legte, und da sich nichts regte, verschloß es auch unsere Lippen.
Die Straße floß baumlos hügelan und abwärts, weißgelb wie vom Mond beschienen. Kurt trug das Kochgeschirr und die Eßvorräte, Andreas die Schlafdecken, ich das Zelt. Die Ruckfäcke drückten unsere Rücken krumm An Kurts Rucksack hing baumelnd ein Topf mit Kartoffeln. Wir hatten sie auf Vorrat gekocht, um an Spiritus zu sparen.
Wie zauberhaft sind die Sommernächte Finnlands: nicht geschaffen für Schlaf. Wir wanderten und wanderten und kamen nirgends an. Wohl sahen wir Lichter in der Ferne, die zwecklos in den toten Tag hineinschienen, Lichter von Sägewerken. Sie starrten wie vergessen.
Ein Radfahrer kam vorüber, blickte uns verwundert an; sagte etwas, das wir nicht verstanden.
Andreas zog den Sprachführer aus der Tasche suchte zu enträtseln, was der Mann gemeint haben mochte. Wir errieten es nicht
Unser Weg schien sich Enso zu nähern. Noch war es früher Morgen, etwa 1 Uhr nach unserer Zeitrechnung, da kitzelten die ersten Sonnenstrahlen unsere Gesichter. Graue, bemooste Felsen tauchten mit runden Buckeln aus den Wiesenhängen, auf denen weißbraune Kühe ruhten Kleine Blockhäuser tauchten auf, die Türen offen ober angelehnt. In Finnlanb, sagte man uns, wirb nicht gestohlen. Dann näherten wir uns bem Ort, ben unsere Straße burchschnitt. Die Häuschen standen auf den Felsbuckeln, wo immer sie gerade Platz fanden Schmale Wege liefen zu ihnen hinauf und hinunter, mündeten in breitere, die in ben Stein gesprengt
waren, umarmt von ben Ausläufern des dichten Waldes.
Wo sollten wir hier unser Zelt aufschlagen? Nirgends ein ebenes Plätzchen für das benötigte Viereck Wir durchstreiften den schlafenden Ort nach allen Richtungen, hügelan, hügelab, über taufeuchtes Gras und riefelnde Bächlein. Fanden wir einen flachen Platz, so war es Stein, in dem unsere Pflöcke nie Halt gesunden hätten.
Da bemerkte Kurt auf einem größeren Hügel in der Nähe ein Holzgerüst Wir stürzten darauf zu. Eine braune Kuh trat uns aus dem Gestrüpp entgegen, sah uns verwundert an. Neugierig folgte sie uns ein paar Schritte. Dann schien sie uns zu vergessen
Wir erreichten das Holzgerüst Es war eine Ski- Sprungschanze. Wir stiegen die schmale Sttege zur Bühne hinaus. Sie bot gerade Platz für bas Zelt, wenn wir uns schmal einrichteten Das Gepäck legten wir unten nieber Kurt kochte Kaffee. Er wollte noch Kartoffeln braten unb begann sie zu schälen. Aber wir waren zu mübe um etwas essen zu können. Da lieft Kurt ben Topf unb kroch zu uns ins Zelt.
Nie war auf unserer Finnlanbfahrt mein Schlaf so tief wie an biefem Morgen. Wenn man uns bas Gerüst weggesägt hätte, wir würben es wohl kaum bemerkt haben. Etwas anberes aber weckte uns: ein schauriges bumpfes Heulen schrie uns aus bem Schlaf, brüllte von unten herauf, und Stöße erschütterten das Holzgerüst. Wölfe? Ein Bär? Hier, in Südfinnland? Wir sprangen alle drei zugleich auf, so daß ein Stock umfiel und das Zelt zusam- mensackte. Kurt war als erster draußen, bann ich, dann Andreas. Was wir unten erblickten, war komisch: da hatte sich die braune Kuh über den Topf mit den Kartoffeln hergemacht und in ihrem Eifer das Maul zu tief hineingesteckt. Nun raste sie, den Tops am Maul, sinnlos vor Angst heulend und mit dem Kopf um sich schlagend rund um das Gerüst herum. Kurt eilte die Stiege hinab, den Tops, die Kartoffeln und die Kuh zu befreien. Das war gewiß nicht ungefährlich, denn in feinem blinden Rasen hätte ihn das Tier dabei verletzen können Es gelang aber der Kuh, den Topf abzu- fchütteln. Immer noch muhend eilte sie davon.
Kurt las die Kartoffeln auf. Er briet sie später. Wir andern aber hatten kein Verlangen danach, sondern richteten das Zelt wieder auf und schliefen bis in den bellen Tag. Als wir erwachten, standen Kinder und Frauen auf der Stiege unb betrachteten uns verwunbert.
Helga Retschy, Sentimentale und jugendliche Salondame.
Helga Retschy, bie für bie fommenbe Spielzeit als Sentimentale unb jugenbliche Salondame ans Stadttheater verpflichtet wurde, schreibt über ihren Werdegang: In Gießen beginnt erst das
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zweite Jahr meiner Thsaterlaufbahn. Mit sechs Jahren stand ich das erstemal auf der Bühne in Heidelberg, wo ich auch geboren bin. Als ich 16 Jahre alt war, bekam ich Schaufpielunterncht in Dessau bei August Eichhorn und Frieda Jahn- Mehring. Im Friedrich-Theater machte ich Statisterie, um überhaupt auf der Bühne fein zu können. Später nahm ich nochmals Unterricht bei Intendant Herbert Michels in Heidelberg und Margarete Pix in Karlsruhe Nach einem halben Jahr bestand ich die Schaufprelprüfung. Im Sommer 1936 ging ich
in mein erstes Engagement. Ich spielte im Frei- lichttheater in Oetigheirn (bei Baden-Baden) die Brunhild in Hebbels „Nibelungen". Das war meine erste große Rolle. Von September 1936 bis Ende 2IpriI 1937 war ich dann in Heilbronn engagiert (Aufn.: Stadttheater-Archiv.)
3m Auto vom Löwen verfolgt.
Eine gefahrvolle halbe Stunde erlebte eine Eng- länberin, bie in ihrem Kraftwagen burch bas Tierschutzgebiet Namanga in Tanganjika fuhr. Sie sah mitten auf ber Straße vor sich fünf junge Löwen, die luftig spielten unb sich burch alles Hupen und Schreien nicht aus dem Wege vertreiben lassen wollten. Sie fuhr ganz langsam an die Tiere heran, als sie Plötzlich Löwinnen sah, die drohend gegen sie vor- rückten. Jetzt gab sie schnell Gas, und es gelang ihr auch, mit größter Vorsicht gerade an den Jungen vorüberzukommen, als plötzlich ein prachtvoller, schwarzmähniger Löwe vor ihr auftauchte. Der Löwe machte einen Sprung gegen den Wagen, aber die Frau riß den Wagen zur Seite, und obwohl ein Rad in den Graben geriet, gelang es ihr, haarscharf an dem Löwen vorbeizukommen. Jetzt setzten sich Löwe, Löwinnen und die fünf Jungen in Bewegung und jagten hinter ihr her, aber nachdem die Fahrerin kein Hindernis mehr vor sich hatte, war sie nach einer kurzen Strecke außer Gefahr.
Hochschulnachnchten.
Dem Professor Dr. Erich Ja en sch, Ordinarius für Philosophie und Direktor des Instituts für psychologische Anthropologie an der Universität Marburg, wurde vom Führer und Reichskanzler das Olympia-Ehrenzeichen 2. Klasse verliehen. Professor Jaensch hat sich besonders durch seine Bücher „Die Wissenschaft und die deutsche völkische Bewegung" und „Das Kulturziel im neuen Reich" einen Namen gemacht.
Professor Dr. Heinrich von Ficker, Ordinarius für Meteorologie an der Universität Berlin unb staubiger Sekretär der Preußischen Akademie der Wissenschaften, hat einen Ruf an die Universität Wien angenommen, wo er Nachfolger des verstorbenen Professors Wilhelm Schmidt wird unb eine orbentliche Professur für Physik ber Erbe übernimmt.
Professor Dr Horst Müller, Extraorbinarius für bürgerliches Recht, ist zum orbentlichen Professor an ber Universität Freiburg ernannt worben.


