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28 Fortfetzung.
(Nachdruck verboten.)
Händeklatschen, mit Bravorufen und sogar mit dem Deutsche Gruß begrüßt. Als der Leiter der Gruppe, Georg Heß, mit einer kleinen Abordnung seiner Hes- sen den Kranz am Denkmal niederlegte, brach unter der anwesenden Volksmenge ein lebhafter Beifalls» sturm aus. Man hörte sogar Rufe „Es lebe Deutschland!" Das Auftreten der Deutschen und die Kranz» niederlegung am Ehrenmal der gefallenen Franzosen wurde von der örtlichen Presse am Montag mit großer Genugtuung hervorgehoben.
Am Sonntagnachmittag zeigten die Hessen im Blumenpavillon und am Abend im Kasinosaal wieder ihre Vorführungen und ernteten auch jetzt wieder stürmischen Beifall. Drei mächtige Blumensträuße, die den Mädchen aus Leihgestern, aus dem Schlitzerland, dem Odenwald und dem Hinterland überreicht worden waren, zierten bei ihrer Rückkehr in die Unterkunft die Vorhalle des Hotels. Diese Sträuße waren den Hessen als Zeichen der Gastfreundschaft und als Anerkennung für ihre Darbietungen überreicht worden.
Der Montag brachte für die Gruppe eine Freizeit und am Nachmittag eine Autofahrt an den herrlich gelegenen Bougaedsee. Das Auto brachte die Burschen und Mädchen auf 800 Meter Höhe und gestattete ihnen einen herrlichen Ausblick auf die noch mit Schnee bedeckten Alpen. Am Dienstagfrüh erfolgte dann wieder die Rückfahrt nach Freiburg im Breisgau, wo ein Kameradschaftsabend mit den Gliederungen der Partei stattfand. Am heutigen Mittwoch kehrt unsere hessische Trachtengruppe wieder zurück, dankerfüllt für all das große und schone Erleben, das ihr durch die Vermittlung der NS.- Gemeinschaft „Kraft durch Freude" und das Internationale Zentralbüro „Freude und Arbeit" in Berlin ermöglicht wurde. Mit Stolz waren sie sich des- sen bewußt, im Dienste der Völkerversöhnung unter der Flagge des Dritten Reiches im Bunde mit den Vertretungen vieler anderer Nationen für deutsches Volkstum wirken zu dürfen.
WOOMfllKW
JRoman von Walther Kloepffer
Copyright 1936 by August Scherl G. m. b H. Berlin
„Schweigen Sie!" rief der Professor drohend und machte eine abwehrende Handbewegung. „Und gehen Sie jeijt, bitte!" Sein Antlitz war blaß, fast grau. „Oder halt! Noch eines. Können Sie mir Ihr Ehrenwort geben, daß Sie die Wahrheit sprechen?"
„Ich kann nur sagen: So habe ich es gesehen und nicht anders!" beteuerte Tutschek. Ihm war nicht ganz wohl bei seiner schäbigen Rache. Er verbeugte sich und ging auf Zehenspitzen aus dem Saal.
Engasser stand noch immer an den breiten, wuchtigen Schreibtisch gelehnt, die eine Hand auf das braune Holz gestützt. Mit der anderen fuhr er sich über die Stirn. Sein Gesicht hatte den Ausdruck eines Kindes, das zu Unrecht gescholten worden ist. Dann ließ er sich in seinen Sessel fallen.
„Daß Vicki sich nicht schämt und mir das antut!" murmelte er verstört und hatte einen töricht beleidigten Zug um den Mund. Zornig fegte er vom Tisch den alten ©eener, der plötzlich nicht mehr wichtig war. Also darum bat Vicki ihn so dringend, diesem Fogg das Geld für sein Unternehmen zu leihen! Und darum hörte man in der letzten Zeit von ihr keine Klagen über Langeweile mehr! Es fügte sich eins zum anderen, und wenn man dies und jenes unter dem Gesichtswinkel der Untreue besah, wurde mit einemmal ein Indizium daraus ...
Ich habe sie zuviel allein gelassen, das ist es! Ich habe immer nur diese Bücher gekannt, seit ich hier bin, diese verdammten Bücher. Zum erstenmal kostete Engasser das Gefühl der Eifersucht. Sie ist jung, und ich bin ein vorzeitig verbrauchter, alter Mann, hielt er sich vor. Er ging wie betrunken zum Spiegel und starrte selbstquälerisch hinein. Dann griff er nach seinem Hut und Irhroantte aus der Bibliothek.
Zu Hause fragte er die Köchin Emerenz mit ge» senktem Kopf: ,Lst meine Frau schon da?"
♦* Laune der Natur. Heute Morgen wurde uns eine Kornähre in die Schriftleitung gebracht, die alle Merkmale einer besonderen Laune der Natur an sich trug. Diese Aehre zeigte die seltene Erscheinung, daß sie sich aus einem etwa zwei Zentimeter langen Aehrenstück (mit einer stattlichen Anzahl Körner) plötzlich in drei Aehren teilte, die ebenfalls viele vollständig ausgebildete Körner trugen.
** Heimische Schafzüchter auf Studie n s a b r t. An der 3. Reichsstudienfahrt der führenden Manner der Schafzucht aus den einzelnen Landesbauernschaften, die in diesem Jahre nach Mecklenburg führt, nachdem zuerst der ostpreußischen Schafzucht und im letzten Jahre der süddeutschen Schafzucht derartige Studienbesuche ab» gestattet wurden, nehmen aus dem Bereich der Landesbauernschaft Hessen-Nassau der Vorsitzende des Landesverbandes Schuster, Heuserhof, der jetzt an die Stelle von Tierzuchtdirektor Oberlanb- vvrtschaftsrat Dr. Wagner (Gießen) getretene Geschäftsführer Tierzuchtdirektor Lanbwirtscbaftsrat Dr. Tornede (Biedenkopf) und der Sachvearbei- ter der Schafzucht bei der Landesbauernschaft Menges teil. Die auf acht Tage berechnete Fahrt begann in Neu-Strelitz und führt durch die mecflen» buroischen Zuchtgebiete bis nach Holstein, um dann in Hamburg zu enden.
** Keine Grashalme oder Aehren in den Mund nehmen! Viele Menschen haben die Gewohnheit, bei Spaziergängen und Ausflügen Aehren von den Feldern abzurupfen und in den Mund zu nehmen. Andere nehmen Grashalme zwischen die Zähne und zerkauen die Stengel wegen des erfrischenden Geschmacks. Diese scheinbar ganz harmlose Sache ist aber nicht gefahrlos. Abgesehen davon, daß manchmal Grannen (Aehrenstachel) mit ihren Widerhaken oder.Fasern im Halse und zwischen den Zähnen steckenbleiben und reizen können, besteht die Gefahr, die Strahlenpilzkrankheit zu bekommen. Diese Krankheit wird sonst nur bei Leuten beobachtet, die viel im Stall oder in der Scheune arbeiten. Auch bei diesen ist der Mund der Ausgangspunkt des Leidens. Es äußert sich in Schwellungen des Unter- und Oberkiefers, über welchem die Gesichtshaut blaurot wird. Nach einiger Zeit bricht die Haut auf und es bilden sich Fisteln. Auch Zunge, Lunge und Darm können befallen werden. Die Heilung ist schwierig, und die Krankheit wird bedenklich, wenn sie die Lunge erfaßt. Es besteht also aller Grund, davor ernstlich zu warnen, Grashalme ober Aehren in den Mund zu nehmen.
Schalkes Heimkehr.-Umjubetter Szepan
Der Mannschaft von Schalke 04, die am Sonntag im Berliner Olympia-Stadion durch ihren Sieg über den 1. FC. Nürnberg die Deutsche Fußballmeisterschaft errang, wurde in ihrer Heimatstadt em festUcher Empfang bereitet. Einer der am meisten umjubelten Spieler war Szepan, den unser Bild zeigt. (Scherl- Bilderdienst-M.)
Die heimischen Sieger beim Jeldbergfest.
Auszug aus der Siegerliste.
Nachstehend veröffentlichen wir aus jeder Stufe die ersten Sieger und anschließend in einem Auszug die Preisträger aus unserem engeren Heimatgebiet.
Mä n nerklasse I (351 Bewerber, 207 Sieger): 1. F. Wilhelm, Tv. Maikammer, Ph. Heß, Pol.» Spo. Frankfurt a. M., W. Freitag, Tv. Jahn Siegen, 66 Punkte: 5. Arnold Fehrenbach, Mtv. Gießen, 57; 10. Kurt Strack, Mtv. Gießen, 51; 12. Adolf Klinkei, VfL. Lollar, 49; 17. Willi Färber, MSV. Barbara Gießen, 44; 18. Ernst Decher, T.- u. Sp.-Gem. Schlitz, 43; 19. Willi Ellermeier, Tv. 1846 Gießen, Ioh. Dietz, Tv Alsfeld, 42; 20. Heinz Berg, T.» u. SpD Butzbach, Wilhelm Moos, Tv. Lollar, Otto Lindenstruth, Mtv. Gießen, Erich Ploch, Mtv. Gießen, 41; 22 Heinz Bach, Mtv. Gießen, 39 Punkte.
Männerklasse II (33 bis 39 Jahre), 143 Bewerber, 122 Sieger: 1. Fritz Zeller, Tv. Offenbach, 66; Karl Reuter, Tv. 1846 Gießen, 64; 9. Otto Dietz, Tv. Lollar, 56; 15. Paul Zöller, Hausen bei Gießen (im Tv. 1817 Mainz), 50; 16. Adolf Müller, Postspv. Gießen, 49; 21. Wilhelm Rinn, Tv. Heu- chelheim, 44; 2. Gg. Hauser, T.- u. Spv Butzbach, 43 Punkte.
Männerklasse III, 40 bis 44 Jahre (75 Bewerber, 70 Sieger): 1. F. Gemündt, Jahnvvlk Eckenheim, H. Knoche, T.- u. Spg. Ober-Ramstadt, W. Monzy, Tv. Schwabach, 67 Punkte; 11 K. Heß, Tv. Braunfels, 55; 19. Franz Sauer, Tv. 1846 Gießen, 47 Punkte.
Männerklasse IV, über 45 Jahre (130 Bewerber, 126 Sieger): 1. G. Burkart, Tv. 1875 Sindlingen, H. Bolze, Tv. 1860 Frankfurt a. TL, 77; 23. K. Müller, Tv. 1846 Gießen, 55; 33. Ph. Götz, Postspv. Gießen, 45; 35 W. Schmidt, Pvstsp. Gießen, 42 Punkte.
Männliche Jugend (423 Bewerber, 251 Sieger): 1. Paul Schümpf, Tgm. Vorwärts Mühlheim; H. Schleenbecker, Tv. Ruttershausen, 73 P.; 5. Erich Opper, Tv. Reiskirchen, 64; 8. Erich Rinn, Tv. Heuchelheim, 61; 10. Friedrich Ott, Tu. Ruttershausen, 59; 12. Erich Heß, Tv. Braunfels, Fritz Gräser, Tv. Wetzlar, 57; 13. Walter Rinn, Tv. Heuchelheim, 56; 16. Hrch. Ferber, Tv. Lollar, Karl Allgaier, Tv Lollar, 53; 17. Willi Schreier, Postsportverein Gießen, 52; 21. K. H. Richter, Tv. 1846 Gießen, 48; 22. Wolfgang Parlow, Tv. Lollar, 47; 25. Karl Reitz, T.- u. Sptv. Butzbach, 44; 26. Otto Rauh, Mtv. Gießen, Bertram Decher, Tgm. Wölfersheim, 43; 31. R. Lind, Tgm. Wölfersheim, 38.
Frauen (80 Teilnehmerinnen, 68 Siegerinnen): 1. Maria Staudt, T.- u. Spg. Reichst). Limburg, 72; 2 Erika Röhmig, Mtv. Gießen, 70; 7. K. Luh, T.- u. Spv. Butzbach, 53; 8. A. Ruppel, T. u. Spv. Butzbach, 52; 19. M. Seim, Mtv. Gießen, 41; 21. A. Sack, Tv. Heuchelheim, 39 Punkte.
Weibliche Jugend (224 Teilnehmerinnen, 224 Siegerinnen): 1. M. Drumm, Tv. Schwanheim, 78; 6. E. Reinstädler, Tv. Heuchelheim, 67; 9. Seim, Mtv. Gießen, 66; 10. H. Buß, Mtv. Gießen, 62; 13. E. Schäfer, Mtv. Gießen, I. Baum, Postspv. Gießen, 59; 15. A. Becker, VfL. Lollar, 57; 16. H. Langlouis, T.- u. Spv. Butzbach, I. Schäfer, T.- u. Spv. Butzbach, 56; 17. H. Ruppel, T.- u. Spv. Butzbach, 53; 23. E. Müller, T.- u. Spv. Butzbach, E. Ruppel, T.- u. Spv. Butzbach, 49; 25. E. Büch, T- u. Spv. Butzbach, 47 Punkte.
Hessens neue Leichtathletik-Meister.
Die Ergebnisse:
100 Meter: 1. Leineweber, TuFC. Fulda, 11,4, 2. Henkel, SC. Wallau, 11,4; 3. Knappe, Hessen- Preußen Kassel, 11,4 Sek. 2 0 0 Meter: 1. Henkel SC. Wallau, 23,2; 2. Jung, VfB. Dietz-Lahn, 23,2; 3. Leineweber, TUFC. Fulda, 23,4 Sek. 4 0 0 M e - ter: 1. Helm, Universität Marburg, 51,4; 2. Seibert, Hessen-Preußen Kassel, 52,2; 3. Schaumlöffel, Kasseler Turngemeinde, 53,9 Sek. 8 0 0 Meter: 1. Zehnter, Hessen-Preußen Kassel, 1:59,3; 2. Pete r s, 19 0 0 Gießen, 2:02,4; 3. Kunze, Hessen- Preußen Kassel, 2:05,8 Min. 1500 Meter: 1. Roth, Kasseler Tgm., 4:10,6; 2. Kleemann,
1900 Gießen, 4:10,6; 3. Mennikheim, Hessen- Preußen Kassel, 4:17,2; 5000 Meter: 1. Knopploch, Hessen-Preußen Kassel, 15:47,6; 2.
Franz Reidel, Heuchelheim, 15:49,6; 3. Hans Reidel, Heuchelheim, 16:10,4 Min. 1 0000 Meter: 1. Jßland, TV. Hersseld, 34:57,5; 2. Förmer, Hessen-Preußen Kass-l, 35:05,6; 3. ©eifert, VfB. Dietz, 35:06,6 Min. 4 00 Meter Hürden: 1. Seibert, Hessen-Preußen Kassel, 56,3; 2. Harle, Reichsbahn Dillenburg, 60,9; 3. Hoffmann, Hessen-Preußen Kassel, 66,2 Sek.
Hochsprung: 1. Jakobs, Hessen-Preußen Kassel, 1,70; 2. Schumann, Hessen-Preußen Kassel, 1,65; 3. Röstner, Hessen-Preußen Kassel, 1,60 Meter. Weitsprung: Lange, Alt. Kasseler Tgm., 6,62; 2. Herrmann, Reichsbahn Gießen, 6,44, 3. Waßmer, MSV. Hersfeld, 6,49 Meter. Drei- fprung: 1. Jakobs, Hessen-Preußen Kassel, 13,41;
72. Mergardk Hessen-Preußen Kassel, 12,89; 3 Lange, Kasseler Tgm., 12,60 Meter. Stabhochsprung: 1. Jakobs, Hessen-Preußen Kassel 3,06. 2. Schumann Hessen-Preußen Kassel, 2,86 Meter. Speerwerfen: 1. Mankel, Tuspo Bettenhausen, 55,69; 2. Barthels, Universität Marburg, 54,70; 3. Klam, ma, Kasseler Turngemeinde, 49,95 Meter. Hammerwerfen: 1. Storch, Turn- und Fechtklub Fulda, 48,82; 2. Herrmann, Kurh. Marburg, 46,30; 3. Gary, Kurh. Marburg, 41,38 Meter. 4 mal 100 Meter: 1. Hessen-Preußen Kassel 44,7, 2. Universität Marburg 44,8; 3. VfB -Reichsbahn Gie- feen 46,6 Sek. 4 mal 400 Meter: 1. Hessen- Preußen Kassel 3:28,9, 2. Kasseler Turngemeinde 3:31,5; 3. Hessen-Preußen Kassel II 3:38,9 Min.
Diskuswerfen: 1. Kilo, 1900 Gießen, 41,01; 2, Luh, Gießen, 38,08; 3. Lüdge, Kasseler Tgm., 38,02 Meter. K u g e l st o ß e n : 1. Bartbels, Universität Marburg, 13,99; 2. Luh. Reichs- bahn Gießen, 13,54; 3. Hartung, Kassel, 13,14 Meter.
Weltmeisterschastskampf Schmeling —Farr abgeschlossen.
Max Schmeling, der deutsche Meister aller Klassen, erklärte am Dienstagabend dem DRB.-Spvrtdienst, daß der Kampf mit dem Meister des britischen Weltreiches, Tommy Farr, für September dieses Jahres abgeschlossen worden sei und in London ausgetragen werde. Als Austragungsstätte kommt das White City-Stadion in Betracht. Die Verträge RUHL Sehersweg Nr. 67 ■
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seien bereits unterzeichnet, doch würde der genaue Zeitpunkt des Kampfes erst später festgelegt werden. Der Kampf selb st geht um bie W e lt- meisterschaft, unabhängig von der Begegnung zwischen Braddock und Louis. Schmeling erklärte dem DNB.-Sportdienst weiter, daß man englischerseits die deutsche Ansicht vollkommen teile. Der Kampf Braddock gegen Louis könne nie als ein Weltmeisterschaftskampf angefechen werden, da er (Schmeling) Louis bereits k. o. geschlagen habe.
Braddock k. o.
Die Voxkomödie von Chikago.
Die Boxkomödie von Chikago endete mit einem Erfolg des seinerzeit von Max Schmeling k. o. geschlagenen Negers Louis. Vor rund 55 000 Zuschauern siegte Joe Louis über den „Weltmeister" James I. Braddock in der achten Runde durch Niederschlag. Wahrscheinlich wird nun Louis von den amerikanischen Boxbehörden, die ja das Geschäft weit höher als den Sport einschätzen, zum „Weltmeister" proklamiert werden. Für Europa und jeden fair Denkenden bleibt selbstverständlick Max Schme lina, vor dem Braddock kniff und der im Vorjahre Louis vernichtend besiegte, Weltbester.
Oberleutnant Cramer erzielte im Modernen Fünfkampf der Wehrmacht ein ausgezeichnetes Ergebnis. (Scherl-Bilderdienst.)
Mißtrauen zerfleischte sein Herz. Vielleicht steckte die Köchin unter einer Decke mit den beiden? Vielleicht belächelte sie ihn, während er sich nicht aufzusehen getraute? Vielleicht wußte es der und jener im Dorf, und man tuschelte hinter ihm her? Wenn der Argwohn einen erfaßt hatte, war nirgends mehr ein Aufhören und ein Halt.
„Die gnädige Frau ist oon Herrn Doktor Fogg zu einem dringenden Fall gerufen worden. Ich glaube, dem Brunner wird ein Finger aboenom- men. Sie ist schon eine ganze Stunde fort , sagte die Emerenz und öffnete die Tür zum Wohnzimmer.
„Es ist gut", erwiderte er heiser. Welch blödsinnige Redensarten man im Leben gebraucht! „Es ist gut." Nichts war gut! Da war wieder dieser verhaßte Name des anderen, der ihm das Blut ins Gesicht trieb. Natürlich, sie war wieder bei Fogg. Sie trieben ihre Heimlichkeiten miteinander. Möglicherweise machten sie sich über ihn luftig. Möglicherweise war das mit dem Brunner gar nicht wahr. Alles war plötzlich vergiftet, dieses Zimmer hier, die Luft darin, das ganze Leben. Er riß ein Fenster auf und setzte sich in den Lehnstuhl.
Engasser wußte nicht, wie lange er so saß und sich peinigenden Vorstellungen hingab. Auf einmal war Viktoria im Zimmer. Sie stand erhitzt, schlank und jung vor ihm, und ein bißchen Aethergeruch war um sie.
„Tag, Gottlieb! Du hast noch tzar kein Licht? Ich rieche wieder recht nach Apotheke, gel?" begrüßte sie ihn unbefangen.
Wie sie sich verstellen kann! dachte Engasser voll Haß.
„Nein, ich habe noch kein Licht", sagte er langsam und mit dunkler Stimme. „Lasse es nur zu. Ich sitze gern so in der Dämmerung." Er dachte: Dieser Tutschek ist ein Schuft! Erst macht er mir das Herz schwer, dann verbietet er mir, seinen Namen zu nennen. Ich kann nur auf den Busch klopfen „Sag mal: Hast du vorgestern alles erledigt^"
,,$n München? Gewiß habe ich das. Ich habe dir doch alles erzählt. Von der Staatsbibliothek, von dem netten Küchenherd und von deinem Schneider '
„Ach ja." Engasier ist Eem Mann, der in einer
solchen Lage eine klare Frage an seine Frau richtet. Ein Entweder-Oder. Obschon die Eifersucht und der Schimpf fürchterlich an ihm fressen, ist er für Umwege und Halbheiten.
„Hast du dich gut unterhalten, Vicki?"
„Es geht an, Gottlieb."
Engasser steht auf und geht zum Lichtschalter. Eine schmerzhafte Helligkeit ist plötzlich im Zimmer. Viktoria nestelt an ihren Schuhen herum. So, nun ist der Fuß frei, und sie kann ihre Zehen dehnen.
„Hast du Bekannte im Hotel getroffen?"
Sie stutzt eine Sekunde. Dann nimmt sie sich eifern zusammen und sagt: „Nein." Sie ist ein bißchen rot geworden bei dieser Lüge und beschäftigt sich mit dem zweiten Schuh. Sie denkt angstvoll: Sollte Gottlieb etwas herausgefunden haben? Er ist so merkwürdig heute. Hoffentlich fragt er nicht weiter. Ja, es war ein Mann in ihrem Zimmer, aber es war nicht Fogg. An den denkt sie nicht einmal. Den hat sie in München überhaupt nicht mehr gesehen. Auch auf der Heimfahrt nicht.
Engasser hat ihr Zaudern, diese Schrecksekunde, wohl bemerkt. Auch ihr Erröten. Vicki war von jeher eine schlechte Lügnerin. Also doch —! schießt es ihm durch das Hirn. Soll ich es ihr auf den Kopf zusagen?
Er bezwingt sich und beschließt abzuwarten. Man muß die beiden in flagranti ertappen; mochte sie sich jetzt in Sicherheit wiegen. Wie abscheulich das alles ist! Diese Untreue, diese Lüge, dieses Lauern und Bespitzeln..
„Ich möchte jetzt in meinem Zimmer arbeiten", sagte er, und die paar Worte verschlangen seine letzte Kraft.
„Gute Nacht, Gottlieb!"
„Gute Nacht!" erwiderte er feindselig.
Droben in seinem einsamen Bette, das mit dem Arbeiten war nur ein Vorwand gewesen, legte er sich die Frage vor: Wie ist das mit mir? Liebe ich Vicki eigentlich? Natürlich liebe ich fiel Er übersah, wie weit sie sich schon voneinander entfernt hatten; er übersah, daß seine Eifersucht mehr dem verwundeten Selbstbewußtsein entsprang denn einem starken Gefühl für feine Frau. Um Mitternacht erhob er sich von sein m zerwühlten Bett und schlich in den ersten Stock, wo Viktoria schlief. Er ver
nahm ihre ruhigen, gleichmäßigen Atemzüge durch das dünne Holz und rechnete ihr diese schamlose Ruhe als neues Verbrechen an. Er war gekommen, um eine Aussprache mit Viktoria zu haben, aber vor ihrer Tür verliefe ihn plötzlich der Mut, und er ging gebemütigt zurück in (ein freudloses Zimmer.
Fogg klob Fichtenscheite vor dem Schuppen. In dem verwaisten Kaninchenstall lag der Igel und überlegte, ob er nicht doch noch ausziehen sollte. Es war zuviel Unruhe rings um seine Behausung. Fogg hatte die Joppe ausgezogen, die Hemdärmel hinaufgetrempt, und auf jeden Hieb mit der langen Axt zerkrachte ein Scheit in zwei fast gleiche Stücke. Die Anna las diese Hälften zusammen und schichtete sie zu einer ordentlichen Beuge.
„Anna, vergiß nicht, Salat nachzustecken! Ich esse ihn gern", sagte Fogg plötzlich.
„Nein. Ich werde es noch heute besorgen", erwiderte sie gehorsam und machte sich einen Knopf in ihr Taschentuch.
Ihr Wesen war in letzter Zeit abermals umge- schlagen. Sie war nicht mehr bockig und kratzbürstig gegen Fogg, sondern von einer versonnenen, schwermütigen Höflichkeit. Sie hatte Kummer mit Basil. Aber sie durfte ihn nicht laut werden lassen, sondern sie mußte ihn in sich sperren und hinunterwürgen. Sie spürte: Basil liebt mich nicht mehr. Seit die neue Zofe im Schloß ist, diese geleckte Person mit den frechen Hüften, ist Basil verwandelt, kälter ganz einfach. Früher trafen sich Tutschek und Anna oft und lange; denn Doktor Fogg war viel abwesend, mal über Land, mal in München, mal bei einer Entbindung. Das Ueberwachungssystem, das er sich gelobt hatte, wirkte noch nicht recht. Anna setzte dann das Fenzlmädchen Regine an den Fernsprecher und war frei. Aber in allerjüngster Zeit wurden diese Stelldichein mit dem Verwalter immer seltener. Er schützte Zeitmangel vor, und man konnte wenig daraus erwidern. Gestern nun hatte sie ihn in seiner Wohnung aufgesucht, in diesem zartblau und honiggelb gehaltenen Zimmer, er war zornig geworden, hatte ihr eine Szene gemacht und sich ein für allemal derartige Ueberrumpelun» gen verbeten Ja, Anna war Ziemlich unglücklich, bas kann man wohl sagen.
Fortsetzung folgt.


