Nein, nein, mein lieber Jochen, nicht ein bißchen .. Aber nun halt mich fest und gib mir einen langen, langen Kuß.
Ich war sehr tapfer.
Oie Fahrt auf dem Orinoco
Von O. G. Lupke.
Bevor Tommy Burns den Orinoco durchpaddeln wollte in einem nach indianischer Art angefertigten Kanu, hatte er alle Bücher, die er bekommen konnte, über den Genuesen Christoforo Colombo oder, wie er von den Spaniern genannt wurde, Christoval Colon, den Entdecker Amerikas, gelesen. Vor allem blieb in Tommy Burns' Gedächtnis haften, daß Columbus bereits seit seinem vierzehnten Lebensjahre zur See gefahren war. Auch fand es Tommy bemerkenswert, daß Columbus im Dienste und Solde des Königs Rene von Anjou die Meere der Levante und des Abendlandes bis England durchfuhr. Ja, daß er sogar übör Island hinaus fuhr.
Tommy Burns studierte wie Columbus die Karten. Nur hatte es Tommy insofern leichter, als er die auf den Karten fein säuberlich verzeichneten Ströme und Flüsse durchfahren wollte, während Columbus noch aus der Kosmographie des Petrus de Alliaco alles Notwendige erlernen mußte. Wie Tommy wußte, war die Weltbeschreibung des Petrus de Alliaco dürftig, äußerst dürftig. Trotzdem hatte Columbus den Plan gefaßt, gen Westen zu fahren, um Indien (er meinte allerdings India superior - China) zu besuchen.
Tommy sah in Columbus den großen Entdecker, der er auch gerne werden wollte. Aber gab es heute noch Neuland, das Niemandsland ist?
San Salvador nannte Columbus die Insel Gua- nahani der Vahama-Gruppe. Er entdeckte Cuba und Haiti, die Karibischen Inseln, Portorico und Jamaica. Das waren die ersten beiden Weltfahrten des Columbus. Aber erst auf seiner dritten Reise fand er das Festland von Südamerika an der Ori- noco-Mündung.
An den Quellen dieses berühmten Orinoco begann Tommy Burns seine Wanderung und Kanufahrt. Er war damit rund 850 Kilometer von der Mündung des Orinoco, dem Ziele von Columbus' Fahrt, entfernt. Erst bei den Katarakten von Maypures setzte sich Tommy in sein Boot und erlebte dabei die tollsten Dinge. Die große Zahl kleiner Kaskaden verursachten ein Getöse, daß Tommy nicht einmal sein eigenes Geschrei hörte, als er wie wild in seinem Kanu hin- und hergerissen wurde Blitzartig sah Tommy einen Mann am Ufer stehen, der heftig mit den Armen winkte. Tommy Burns hatte aber zuviel mit sich selbst zu tun, so daß er nicht auf
das Winken achten konnte. Da war aber auch schon das Unglück geschehen. Tommy wurde mit seinem Kanu in einen Strudel gerissen, der es wie wahnsinnig Herumriß und dann plötzlich losließ. Ehe Tommy zur Besinnung kam, wurde sein Kanu gegen eine der vielen Klippen geworfen.
Tommy klammerte sich an das auf dem Wasser schwimmende Kanuwrack und trachtete danach, das Ufer zu erreichen, an dem schon viele Menschen versammelt waren, die lange Stangen bereithielten, damit er sich daran festhalten konnte. Aber soweit war es noch lange nicht!
Tommy wußte genau, daß er jetzt elendiglich ertrinken würde, wenn er das Kanuwrack losließe. Er verfluchte sich selbst, daß er diese Fahrt unternommen hatte und bedauerte, nicht mit feiner Reise an der Mündung des Orinoco begonnen zu haben. Was hilft es aber, in dieser abscheulichen Lage zu klagen? Man muß sie irgendwie zu Überstehen versuchen.
Tommy kämpfte und schwamm mit dem Mute der Verzweiflung. Mit größer Mühe gelang es ihm, sich von den Strudeln fernzuhalten. Und nach anderthalbstündigem Kampfe konnte er eine Stange ergreifen. Noch wenige Minuten und — er war am Ufer, gerettet!
Vollkommen erschöpft schloß Tommy Burns die Augen. Schon im Halbschlaf hörte er eine Stimme sagen: „Fünf Dollar Strafe kostet das Befahren der Orinoco-Quellen!"
„Wenn das Columbus gewußt hätte!" Mit diesen Worten auf den Lippen fiel Tommy Burns in tiefen Schlaf.
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Am 23. Juni begeht der bekannte Mufikgelehrts und Universitäts-Musikdirektor Professor 3)r Hermann Stephani in Marburg seinen 60. (Geburtstag. Der Gelehrte wurde weiteren Kreisen zuerst als Erfinder und Do.kämpfer der Einheitspartitur bekannt, einer Partiturreiorm, in der alle Stimmen im Violinschlüssel mit Oktavmarken und in C-Stimmung notiert werden. Aus dem Gebiete der modernen Musikpsychologie gilt er als eine der führenden Persönlichkeiten. 'Von seinen Schriften seien hervorgehoben: „Ueber das Erhabene in der Tonkunst und das Problem der Form", „Ueber den Charakter der Tonarten" und „Ueber Grundfragen des Mufikhörens." Seine Bearbeitungen der Händel- fchen Oratorien „Jephta" und „Judas Makkabäus" erlebten mehrere hundert Aufführungen im In- und Auslande, feine „Euryanthe"-Bearbeitung wurde an vielen deutschen Bühnen aufgeführt. Äks Komponist Hai Stephani eine große Anzahl von reichem Innenleben und starkem Formensrnn zeugende Werke geschrieben.
Eichener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhesfen)
Hr.H3 Drittes Blatt
Große Strafkammer Gießen.I
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Kopfschmerzen am
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starkduftenden Lilie, hohe Vase auf den
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Morgen. Ebenso ist es mit der wir stellen sie in eine dunkle Gartentisch.
liche Stimmung.
Jetzt blühen auch die Nelken. Wir holen uns von den blutroten und den kleinen weißen, die so dankbar blühen und immer wiederkommen, einen kräftigen Busch und setzen sie in ein hohes weites Glas, da nicken und wippen sie über den Rand in ihrer zierlichen Art.___________________
ratest, tapfer ist. Denn die Ehe ist kein rosarotes Paradies, sagst du, und unsere Kinder sollen keine Angsthasen werden.
Siebzehn! Nie, nie kann ich dir das verzeihen!
Aber ich rufe dich nicht an. Nein, unsere Kinder sollen keine Angsthasen werden, darum lege ich den Hörer wieder hin und nehme mir lieber ein frisches Taschentuch. Oh, ich will tapfer fein! Aber findest du nicht, daß es für den Anfang genug sind —
Achtzehn Minuten!
Nun klingele doch endlich, du kleines, schwarzes Biest, sonst fliegst du an die Wand, daß du für alle Ewigkeiten das Klingeln vergißt ...! Nein ... du klingelst nicht. Der Herr Jochen geruhen dich nicht klingeln zu lassen, der Gauner! Nein, bitte, lieber Jochen, nicht böse sein, das habe ich eben nicht gedacht. Das kommt nur davon, wenn man tapfer ist und nicht weiß, wie man das machen muß. Aber ich lerne es noch, du sollst stolz auf mich fein. Wenn es auch schon neunzehn Minuten sind!
Aber ich habe auch meinen Stolz! Glaubst du vielleicht, daß ich dir das ungestraft durchgehen lasse? Oh nein, wenn ich auch erst neunzehn bin und noch nie einen anderen geliebt habe, das will ich dir gleich sagen: Du brauchst nicht zu denken, daß ich mich an dich hänge. Oh nein, wenn du mich so einfach vergessen kannst — beinahe schon zwanzig Minuten lang — dann werde ich dich wohl auch noch vergessen können. Da sollst du mal sehen, wie tapfer ich fein kann. Ha! der Herr denkt wohl, ich sitze hier und weine mir nach ihm die Augen aus! Oh nein, mein Lieber! Zwei Taschentücher habe ich noch, dann höre ich auf! Auch wenn du bis dahin nicht angerufen hast.
Und dann kannst du so lange klingeln, wie du willst. Dann ist Fräulein Edith ausgegangen. Allein und sehr vergnügt, jawohl, wenn ich jetzt auch mein vorletztes Taschentuch nehmen muß.
Doch ein Gauner bist du!
Und meinetwegen brauchst du überhaupt nicht mehr anzurufen. Nie mehr, nein, bemühen Sie sich nicht mein Herr! Ich will dich überhaupt nicht mehr' sehen. Und das will ich dir gleich sagen und darum rufe ich dich nun doch an ...
Aber da klingelt es.
Edith reißt den Hörer herunter: Jochen? Endlich!
Kein Jochen meldet sich. Es meldet sich überhaupt niemand, die Leitung ist tot. Sie konnte gar nicht klingeln, und es hat ja auch an der Tür geklingelt. Und nun klingelt es noch einmal, stürmisch und ungeduldig. Edith fliegt zur Tür: Endlich, Jochen!
klagte, durch dessen Hände das Geld lief, bemerkte den Fehler und leitete an die Fnedhofsverwaltung den regulären Betrag weiter, behielt aber die überschüssigen 100 Mark für sich.
25 Jahre Lleberlandwerk Oberheffen.
Gemeinsam mit dem Wasserwerk Inheiden begeht das Ueberlandwerk Ober Hessen in diesen Tagen die Feier seines 25jährigen B e - stehens. Beide Werke sind im Zweckverband ober- hessischer Versorgungsbetriebe zusammengeschlossen, dessen Leitung Staatsrat Reiner hat. Der Festakt findet am 24. Juni im Saal des Hotels Trapp zu Friedberg statt, bei dem Staatsrat Reiner sprechen wird. Später erfolgt eine Besichtigung des neuen Verwaltungsgebäudes des Ueberlandwerkes Oberhessen, das nach seiner endgültigen Fertigstellung ein Schmuckstück der Stadt bilden wird.
Eine Schäferhunde-Gchau in Gießen.
Am kommenden Sonntag veranstaltet die Fachschaft deutsche Schäferhunde, Kreisfachgruppe Gießen, auf dem Waldsportplatz des VfB.-Reichsbahn eine große Sonderschau für deutsche Schäferhunde, jenem Hunde, dem heute das größte Interesse entgegengebracht wird. Im Jnlande wie auch im Auslande behauptet diese Rasse die Spitze' als Meldegänger, Sanitätshund, Schutz-, Begleit- und Polizeihund und zum Teil auch als Herdengebrauchshund. Zahlreiche Ehrenpreisstiftungen von Behörden und Pri-
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Ja, mein Liebes! Entschuldige, aber ich konnte dich nicht erreichen, die Leitung ist nicht in Ord- ... hast du sehr gewartet, war es sehr
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In ein hohes Glas gehören
stiele des Rittersporns und des Fingerhuts; der bräunlich glasierte Tontopf hebt die warme Farbe des fammetbunElen Goldlacks; jede Blume für sich reizvoll und ein kleines Wunder an Schönheit. Der leuchtend rote Mohn, den viele so lieben, gibt einen eigenartigen Zimmerschmuck, aber leider ist die Freude nur von kurzer Dauer. Schon nach einigen Stunden oder sicher am anderen Morgen sind die blutroten Blütenblätter herabgetropft, und die kahlen Stengel starren traurig in die Luft. Dagegen halten sich die meisten Schnittblumen lange, wenn wir sie nicht zu sehr der Mittagssonne aussetzen, ihnen oft frisches Wasser mit etwas Salz geben und die Stiele kürzen.
Jeder, der ein Gärtchen fein eigen nennt, wird Blumen säen und seine Freude daran haben. Draußen im Gärtchen der Siedlung am Stadtrand finden wir oft die lieben, alten Bauernblumen wieder. Die junge Siedlerfrau pflückt einen großen bunten Strauß davon. Jungfer im Grünen, die jeden Strauß durch ihr hauchfeines Blau und ihren duftigen grünen Schleier verschönt, zusammen mit der duftenden Resede geben ein hübsches Gebinde. Ein bunter irdener Topf mit leuchtender Kresse auf den Tisch der Wohnküche gestellt, schafft eine fröh-
den geschloffenen Raum ist ihr Duft zu streng, man hüte sich, sie in ein Gastzimmer als Willkommen zu setzen. Zwar wird ihr .DuA als Rache der Blumengeister, nicht tödlich fein, aber schwere Träume sind die Folge und "
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Wie erinnerlich sind der 36jährige Heinrich N e e b gebürtig aus Staufenberg, wohnhaft in Großen- Linden, und der 46jährige Jean Dürr, wohnhaft in Gießen, durch Urteil der Großen Strafkammer vom 23. Dezember 1936 wegen Unterschlagung im Amt und Untreue zu einer Zuchthaus st rafe von je zwei Jahren und acht Monaten verurteilt worden.
Auf die Revision der beiden hob das Reichsgericht dieses Urteil auf und verwies die Sache zur erneuten Verhandlung an die Große Strafkammer Gießen zurück.
Die gestrige Hauptverhandlung brachte bezüglich des Angeklagten N e e b im wesentlichen keine neuen Gesichtspunkte. Dieser war im Jahre 1933 im Lohnbüro des Hoch- und Tiefbauamtes Gießen dem Verwaltungsassistenten Zimmer, der bekanntlich Selbstmord verübt hat, zur Hilfe beigegeben. Schon bald nach feinem Eintritt im Jahre 1933 hatte er bemerkt, daß die Führung der Geschäfte durch Zimmer unordentlich und untreu geschah und Zimmer sich aus Geldern, die als Lohn für die Notstands- und Fürsorge-Arbeiter durch seine Hand gingen, unrechtmäßige Vorteile verschaffte. Der Angeklagte hat jedoch diese Entdeckung nicht der vorgesetzten Dienststelle gemeldet, sondern alsbald die Manipulationen des Zimmer mitgemacht und sich ebenso wie dieser unrechtmäßige Vorteile verschafft. So wurden z. B. sogenannte „blinde Passagiere" in die Lohnlisten eingeschmuggelt, das heißt, es wurden Arbeiter, die gar nicht mehr bei der Stadt beschäftigt ober krank waren, auch nach ihrem Ausscheiden in den Lohnlisten weitergeführt und die entsprechenden Lohne von der Hauptkasse angefordert. Auf diese Weise wurde die Stadt Gießen um rund 7000 Mark geschädigt Weiterhin wurde durch falsche Additionen die Zahl der geleisteten Arbeitsstunden erheblich übersetzt. Der Angeklagte, der sich dabei von der richtigen Erwägung leiten ließ, nämlich, daß die Addition der umfangreichen Zahlenkolonnen nicht nachgeprüft würde, forderte dann auch in der entsprechenden Höhe die Lohngelder von der Stadtkasse an, die dann auch ausbezahlt wurden. Dadurch entstand der Stadt ein weiterer Schaden von rund 20 000 Mark. Bezeichnend für die Skrupellosigkeit, mit der der Angeklagte zu Werke ging, ist folgender Fall:
Durch einen Rechenfehler der städtischen Fried-
Grenz« end der Jas Le- rin be- laupten t durch m Ein- Mchen urde die prochen, gsf.
■X leben geboren 2. Wit-
"°Sch°n sechzehn Minuten, Nweih^du wMstzdatz die Frau, die du hei-1 schlimm
Zwischenspiel.
Von Walter Kasten.
Zehn Minuten sind nun schon vorbei ohne daß Jochen, wie sonst immer, pünktlich um sieben, am gerufen hat.
Edith starrt auf das Telephon, als wollte sie es hypnotisieren: Gleich fofort klingelst du! Ich zahle bis drei! eins — zwei — drei — Nichts. ^tzt sind es schon zwölf Minuten!
Warum rufst du nun nicht an, Jochen? Du hast mich doch noch nie warten lassen, gestern nicht, vorgestern nicht — warum gerade heute? Wenn Freitag wäre und der dreizehnte, dann durftest du mich vielleicht vergessen ...
Nein, schändlich so etwas zu denken. Jochen vergißt mich nie!
Aber nun sind es schon dreizehn Minuten ...
Jochen, das ist nicht gut. Du weißt doch damals als du nur zehn Minuten zu lange bliebst — ou kamst zwar pünktlich, aber meine Uhr ging vor — wie ich in Tränen schwamm, weil ich glaubte, ein Unglück sei geschehen. Du hast mich trösten muffen und dann hast du gesagt, ich wäre kleinmütig. Aber du hast mir auch gestanden, daß es dich krank macht, wenn ich mich verspäte! Jede Minute eine Sünde gegen die Liebe hast du .es genannt Und seitdem habe ich nie mehr gesündigt! Willst du nun damit beginnen, und gleich so schwer?
Jetzt sind es schon vierzehn Minuten!
Aber nein, ich rufe dich nicht an! Sonst sagst du wieder, ich bin kleinmütig und lachst, und ich will nicht, daß du lachst, wenn ich Angst habe nur weil ich dich mehr liebe als ^Ues aus der Welt D es Lachen tut weh und ist auch.eine Sunde me ganz schlimme, und das will ich dir nachher gleich sagen, wenn ...
Fünfzehn Minuten!
Gerade soviel Wachen kennen mir uns, Ich wallte mir kennten uns erst fünfzehn Minuten, dann brauchte ich jetzt nicht diese — Wochen — zu mar ten. Nein, damals in der ersten Viertelstunde hast ich niemals geglaubt, daß es °>nm°l 1° -m- Viertelstunde wie diese mit dir geben wurde. Damals mußte ich nur, daß ich me mehr ohne d,st> i-m kann Und du dachtest dasselbe, das fühlte ich ■- Warum denkst du jetzt nicht daran? Dann brauch - ich mir jetzt nicht schon zum zehnten Male d.e Nase zu putzen und rote Augen haben nachher, wenn du
Aus den Gießener Gerichissälen
Auch unsere Kinder sollten wir frühzeitig in ein freundschaftliches Verhältnis zu den Blumen bringen. Die meisten Kinder haben Sinn dafür und beschäftigen sich gern mit der Pflege der Pflanzen. Ein achtloses Abrupfen und Wegwerfen sollte nicht geduldet werden. Wenn auch die Natur verschwenderisch spendet, das Kind muß die Ehrfurcht vor jedem Lebewesey behalten, sonst zerstört es sich selber für spätere Zeit die Freude an der Natur.
Holt Blumen herein! F. K.
IM. ünfcrqau 116, Gießen.
Dienstbefehl!
Am Mittwoch, 23. Juni, kommen alle IM.-Gruppenführerinnen mit ihren Scharführerinnen um 18 Uhr zu einer Besprechung auf die Dienststelle des Untergaues 116.
Doriwlizen.
Tageskalender für Mittwoch.
Ortsgruppe Giehen-Ost: 20.30 Uhr Schützenhaus, Schulungsabend. — Gloria-Palast, Seltersweg: „Eine Nacht mit Hindernissen". — Bekenntnisgemeinde Gießen: 20.15 Uhr Johannessaal, Vortrag. — Oberhessischer Kunstverein: Skagerrak-Ausstellung, 17 bis 19 Uhr, Gesellschaftshaus, Sonnen- straße.
Aus der Stadt Gießen.
Immer Blumen im Zimmer!
Es scheint oft so, als ob wir Frauen eine besondere Beziehung zu den Blumen hätten. Sie locken uns unwiderstehlich, und wir üben eine anziehende Kraft auf sie aus. Blumen und Frauen, hübsch, wenn sie zueinander passen! Der Mann bringt sie der Frau als zarteste Huldigung, und wir Frauen schmücken unser Heim mit Blumen, wir zieren den festlich gedeckten Tisch mit ihnen, und der Arbeitstisch des Mannes trägt unfern Blumengruß. Das Tischchen am Krankenbett wird niemals ohne Blumen sein.
Der Juni ist der rechte Blumenmonat — und besonders der Rosenmonat. Rosen sind ein Kapitel für sich. Die Rose ist die Königin der Blumen. Sie wird von allen geliebf Es. gibt aber auch noch andere Lieblingsblumen. Wenn wir über den Markt gehen, welch eine Fülle von Blumen bietet sich an jedem Stand! Wir nehmen einen Strauß bunter Wicken mit nach Haufe und stellen sie in die weiße Vase, die Sommer und Winter die buntesten Farben trägt. Wie flinke, ungeduldige Seepferdchen an grünen Zügeln, so hängen die Blüten in ihrem Gerank. Ein wunderfeiner Duft umschmeichelt sie. Obgleich diese Blume beinah Mode geworden ist, schwebt um sie der Geist des Biedermeier; sie paßt gut zu weißen Mädchenkleidern und zu einem zierlich gedeckten Tisch.
Der Städter kann fast das ganze Jahr über alle Arten von Blumen in sein Zimmer stellen, er kann auch im Winter die schönsten Blüten kaufen, wenn er Sinn dafür und das nötige Kleingeld hat. Aber der Gartenbesitzer richtet sich nach der Jahreszeit. Mancher Blumenfreund ist sehr zurückhaltend mit dem Pflücken und Schneiden seiner Blüten, aber wir können getrost die Stauden und Büsche lichten, es wachsen um so mehr und schönere Blüten.
In einer dunkelblauen Majolikavase im offenen Erker stehen noch ein paar Zweige Jasmin. Für
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Im Gegensatz zu dem Angeklagten Neeb, der auch heute den ganzen Sachverhalt zugab, widerrief der Angeklagte'Dürr fein schon in der Voruntersuchung gemachtes Geständnis. Er bestritt heute ganz entschieden, auch nur irgendwie mit diesen Veruntreuungen etwas zu tun, noch überhaupt davon gewußt zu haben. Er gab lediglich zu, einmal von Neeb 700 Mark erhalten zu haben, er fjabe jedoch angenommen, daß dies fein Provisionsanteil für die Überführung einer Sterbekaffe nach, Berlin, die von den Angeklagten verwaltet worden war, darstellte. Außerdem gab er noch zu, daß er aus der Kasse Vorschüsse gegeben habe, das sei aber dort sehr üblich gewesen.' Im Gegensatz hierzu belastete der Angeklagte Neeb nach wie vor Dürr. Neeb stellte auch die Angaben des Angeklagten Dürr, wonach er einmal zu anderen Mitgefangenen gesagt haben soll, er habe den Dürr damals zu Unrecht belastet, entschieden in Abrede. Als dem Angeklag- ten Dürr das in der Voruntersuchung gemachte Geständnis vorgehalten wurde, erklärte dieser hierzu, er sei damals in einer derartigen Verfassung gewesen, daß er, um nur seine Ruhe zu haben, alles unterschrieben habe. Die Beweisaufnahme gestaltete sich recht umfangreich und nahm den ganzen Verhandlungstag in Anspruch. Die Sache wurde daher auf Mittwoch vertagt.
Amtsgericht Gießen.
Durch Strafbefehl des Amtsgerichts Gießen war der W. Sch. aus Nieder-Weifel mit einer Geldstrafe von 20.— RM. belegt worden. Bei einer in Gießen vorgenommenen Kontrolle wurde polizeilicherfeits festgestellt, daß die Bremsvorrichtung des Anhängers des Angeklagten derart schadhaft war, daß sie bei der geringsten Inanspruchnahme reißen mußte. In der auf Einspruch des Angeklagten hin stattgefundenen Hauptoerhandlung ergab sich, daß der Angeklagte ein neues Bremsseil bereits bestellt, aber noch nicht geliefert erhalten hatte. Das Gericht ermäßigte daher die gegen ihn im Strafbefehl ausgesprochene Geldstrafe auf 10.— RM. Der Angeklagte hat die Kosten des Verfahrens zu tragen.
Mittwoch, 23. Zmi 195Z
Daten sind für diese Schau bei der Leitung der Ausstellung eingegangen. Züchter aus dem ganzen Gau und weit darüber hinaus werden sich am Sonntag im friedlichen Wettkampfe in der züchterischen Leistung durch ihre Hunde messen. Als Richter wurde Fabrikant Müller (Wuppertal- Barmen) verpflichtet.
Glückskind
der Arbeitsbeschaffungslotterie.
In diesen Tagen saßen hier im Bierkeller des Viktoria-Hotels mehrere Marine-SA.-Männer beisammen. Ein brauner Glücksmann trat an sie heran und bot ihnen feine Losbriefe an. Der SA.- Mann Robert Diehl versuchte fein Glück, zog ein Los und wurde der Gewinner von 10 Mark. Wiederum versuchte Diehl sein Hlück im Spiel und wer beschreibt den großen Jubel, als Diehl zum zweiten Mal einen Gewinn herauszog. Waren es beim erstenmal zehn Mark, so hatte Diehl diesmal einen großen Schlager gemacht, denn auf feinem Losbrief stand die schöne Zahl 500 Mark. Für eine- Mark Ausgabe hatte er eine Einnahme von 510 Mark zu verzeichnen. Damit wurde auch in Gießen der erste große Treffer gezogen, aber immer noch stehen große Gewinne offen. (Aufnahme: Winterhoff.)
Trachtengruppe
im Dienst der Völkerversöhnung.
TDeiferer Bericht von Georg Heß aus Frankreich.
Am vergangenen Sonntag nahm unsere hessische Trachtengruppe, wie wir bereits kurz berichteten, an einer würdigen Gesallenen-Gedenkfeier am Ehrenmal von Aix-les-Bains teil. Unter dem Vorantritt einer französischen Militärkapelle marschierten alle Gruppen zum Ehrenmal. Die Deutsche Volkstums- gruppe, die als einzigste einen großen Kranz mit einer Hakenkreuzfahne trug, hatte die Ehre, an der Spitze des Zuges zu marschieren. Von der Volksmenge, die die Straßen säumte, wurden sie mit


