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Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen)

Nr. 94 Zweites Blatt

Freitag, 2Z.April 1957

Fein!" sagt Gisch.Mit meiner Wirtin habe ich andauernd Krach, wenn ich mir in der Küche Was­ser heißmachen will."

Hernach wird gegessen. Gisch muß heimlich an ihre Haferflocken denken, die sie mitgebracht hat. Sie entwickelt übrigens einen ganz anständigen Appetit. Maria freut sich und spart nicht mit anerkennenden Worten.

Nach Tisch ziehen sich die beiden in die Bibliothek zurück. Da gibt es eine feine Ecke mit einem Rauch­tisch und gepolsterten Sesseln, in die man sich or­dentlich hineinkuscheln kann.

Wollen wir noch ein bißchen plaudern?" schlägt Maria vor.Da sind Zigaretten, und ich glaube sogar, es muß irgendwo eine Flasche Cura^ao stecken."

Die Flasche findet sich.

Als Maria die Gläser gefüllt hat, legt sie die Hand auf Gischs Knie.Passen Sie mal auf, Fräu­lein Amelung, ich möchte Ihnen einen Vorschlag machen."

Gisch zeigt ein erwartungsvolles Gesicht.

Ich möchte gerne, daß wir du zueinander sagen."

Ach!" schluckt Gisch.

Einverstanden?"

Ja, aber was wird Ihr Bruder--*

Es heißt: dein Bruder!"

Was wird der dazu sagen, wenn--?"

Wir werden ihn erst gar nicht fragen. Also ein­verstanden?"

Ja, wenn Sie wirklich--V*

Du" heißt es doch. Du mußt das gleich mal ordentlich üben. Also sag mal: Liebe Maria!"

Liebe Maria!" stotterte Gisch.

Wie geht es dir? Nachsagen!"

Wie geht es dir?"

Siehst du, es ist gar nicht so schlimm. Aber nun auch darauf achten! Bei jedem Fehler werde ich dich bei den Ohren zupfen!"

Oh, Gisch paßt ordentlich auf. Es geschieht bloß dreimal, daß sie sich verplappert.

Dann beginnt Maria von ihrem Bruder zu er­zählen, von seinem Leben, wie schwer er es hatte, wie erbittert er kämpfen mußte, um Schritt für Schritt seinem Ziele näher zu kommen.

(Fortsetzung folgt!)

Frühling in den Gießener Anlagen

(Nachdruck verboten.)

24. Fortsetzung.

am 1. Mai vor des Staatsaktes übrigen gilt das-

Betriebsfahrten nach auswärts Beendigung der llebertragung etwa 14 Uhr) sind verboten. 3m elbe wie für die Vetriebsfeiern.

3n Gießen werden die Feiern nur von den Be­trieben durchgeführt. 3n den anderen Städten und Dörfern des Kreises Wetterau hat nur die zustän­dige Ortsgruppe der NSDAP, die Entscheidung darüber, ob eine gemeinsame Feier für die gesamte Bevölkerung, oder einzelne Betriebsfeiern zur Durchführung kommen. 3n Zweifelsfällen haben sich die zuständigen Ortsgruppen und der zuständige Vetriebsführer vorher zu verständigen.

Die Ortsgruppen der NSDAP, sind allein für die Durchführung des Nationalen Feiertages zu­ständig und dafür verantwortlich. Es bleibt ihnen überlassen, ob sie die einzelnen Dörfer ihrer Orts­gruppen zu zentralen Kundgebungen zusammen­ziehen, oder jedes Dorf den Tag für sich durchfüh­ren lassen. Die Ortsgruppen treffen umgehend die Vorbereitungen für Aufmarschplähe, Anmarschwege, Aebertragungsmöglichkeit des Staatsaktes und der Iugendknndgebung.

Staatsakt und Zugendkundgebung werden unter allen Umständen bei jeder Witterung im Freien durchgeführt.

Kleidung am 1. Mai ist der Festanzug der DAF.» Zivil- oder Berufskleidung. Uniform tragen ledig­lich die Ehrenabordnungen der Partei und ihrer Gliederungen und die Beauftragten der NSDAP.

Oeffentliche Gebäude und Privathäuser werden geschmückt, ebenso Lokale, Verkehrsmittel usw. Die in Frage kommenden Stellen und Behörden wollen die Bestellungen für Grünschmuck und die in Frage kommenden Aufträge umgehend aufgeben.

Kreisleitung Wetterau der NSDAP.

mit aller Vorsicht zu Werke. Um das frisch und locker geharkte Pflanzbeet nicht betreten zu müssen, bauen sie sich eine Brücke aus einem kräftigen Brett, das auf zwei Böcken ruht, und von hier aus setzen sie die Blumenpflanzen. Unser Bild zeigt die Gärtner der Stadtverwaltung bei ihrer Arbeit in der Anlage am Bahnhos. (Aufnahme: Neuner, Gießener An­zeiger.)

Dornotizen.

Tageskalender für Freitag.

Stadttheater: 20 bis 22 Uhr,So leben wir" (Gastspiel der Nachrichter). Gloria-Palast, Sel­tersweg:Die gläserne Kugel". Lichtspielhaus, Bahnhofstraße:Gefährliches Spiel". Aula der Universität: Konzert von Ugo Äjello. Deutscher Biologenverband, Oberhessische Gesellschaft für Na­tur- und Heilkunde: 18 Uhr, Vortrag von Dr. Rot­mann (Köln) im Zoologischen Institut, Bahnhof­straße.

gen Gastspiel verpflichtet. Ein Abend unter der De­vise: Kabarett wie es sein soll!

Vortrag im Zoologischen Institut.

Die Gießener Ortsgruppe des Deutschen Biologen- vcrbandes und die naturwissenschaftlich-medizinische Abteilung der Oberhessischen Gesellschaft für Natur- und Heilkunde veranstalten am heutigen Freitag einen Vortrag mit Lichtbildern im Hörsaal des Zoologischen Instituts.

Der Schühenverein Gießen eröffnet feine diesjährige Schießsaison am kommen­den Sonntag auf allen seinen Ständen am Schützen­haus. Es ist allen Liebhabern des Schießsportes Gelegenheit geboten, die gesamten Anlagen, sowie die Ausübung des Schießsportes in allen seinen Arten kennenzulernen. ___

Sladlthealer Gießen.

Aus dem Stadttheaterbüro wird uns geschrieben: Die Intendanz hat für den heutigen Abend die auch bei uns bekanntenNachrichter" zu einem einmali-

Aus Anlaß des Nationalen Feiertages werden, wie alljährlich, Vetriebsfeiern durchgeführt. Von allen Betrieben wird erwartet, daß sie solche Feiern veranstalten, kleinere Betriebe schließen sich zweck- mähigerweise zusammen. Wir ersuchen die zuständi­gen Dienststellen der DAF., sofort die erforderlichen Anregungen zu geben. 3n den Orten und Städten, in denen die vorhandenen Räumlichkeiten nicht ausreichen, können die Vetriebsfeiern in der Zeit vom 26. April bis 10. Mai durchgeführt werden.

Skandal um Dr.Vandergruen Roman von Hans Hirthammer.

Copyright by Verlag Oskar Meister, Werdau i.S.

nationaler Feiertag des Deutschen Volkes 1937

Allgemeine Richtlinien des Kreises Wetterau.

Ganz sicher! Darum war ich ja so erschrocken, als Herr Doktor Vandergruen den gleichen Namen nannte."

Nun ist es Maria, die Gischs Hande festhalt. Fräulein Amelung, Sie müssen sich melden. Sie müssen über Ihre Beobachtungen aussagen. Ich bitte Sie darum!" r _

Ja!" sagt Gisch.Ich will alles tun, daß Herr Doktor Vandergruen wieder frei wird."

Ihre Stimme, die wie von einem tiefen Gefühl beschwingt erscheint, läßt Maria aufhorchen. Und was sie vor zwei Tagen ahnte, wird ihr jetzt Ge-

S^e'besinnt sich, ihr Blick schweift verloren in den sinkenden Tag. Dann drängt sich die Frage auf ihre Lippen.

Sie haben meinen Bruder gern?

Gisch sitzt ganz still und rührt sich nicht. Es ist ihr aber, als hebe ein Klingen in ihrem Innern an, sckiön ist das, wie ein Wunder.

Langsam wendet sie den Kopf. Ihre Augen suchen den Anblick der Frau, die seine Schwester ift.

Maria nickt. Sie hat den reinen Glanz dieser Augen gesehen und ist von der Kraft, die sie aus- ^^Sie^'kann^ sich zwar nicht vorstellen, daß ihr Bruder diese Liebe jemals erwidern könnte, ja, daß er überhaupt von ihr Notiz nehmen wurde aber sie will dies funge brennende Herz nicht traurig ^Die^Bilder der ersten Begegnung kehren wieder

finden, ihre Kameradschaft auf. Die Regungen der

Abwehr und der Eifersucht sind einem schmerzlich- süßen Mitfühlen gewichen.

Gisch ist ihr zur Schwester geworden.

Sie erheben sich und gehen langsam zum Park­eingang zurück. Als Gisch sich dann verabschieden will, greift Maria mit einer bittenden Bewegung nach ihrer Hand.Ich habe ein großes Anliegen an Sie, Fräulein Amelung! Ich fürchte mich, m das vereinsamte Haus zurückzukehren, solange mein Bruder nicht da ist. Würde es Ihnen ein großes Opfer fein, für diese Zeit in die Breite Straße überzusiedeln?" Ä ,

Gisch senkt den Kopf.Aber meine Anwesenheit kann Ihnen doch nichts bedeuten?" flüsterte sie.

Doch, doch! Wenn Sie wüßten, welche Kraft von Ihrer Jugend ausgeht!"

Gisch versucht ein Lächeln, es will rhr nicht recht gelingen.Ich will gerne zu Ihnen kommen", sagt sie schlicht.In zwei Stunden?"

Ja!" stimmt Maria eifrig zu.Ich freue mich sehr." . f s .

Hernach, in ihrem Zimmer, als sie den kleinen Koffer einpackt, wollen ihr Bedenken kommen.

Ich hätte nicht darauf eingehen dürfen, was soll das bloß? Morgen wird das Fräulein diese Stim­mung überwunden haben und meinen Aufenthalt in ihrem Hause aufdringlich finden.

Und es ist ja gar nicht wahr daß ich den Dr. Vandergruen gern habe. Ich habe höchstens Mll- leid mit ihm, jawohl, gar nichts weiter. Lächerlich, so einen gescheiten Mann, außerdem ist er minde­stens zwölf Jahre älter als ich.

Sehnsucht? Ja, Sehnsucht habe ich chon aber da muß einer kommen, der zu nur paßt, und dem ich auch etwas sein kann.

Der Doktor würde mich ja gar nicht ernst nehmen, das wäre ein schönes Theater.

Und überhaupt! .. .

Aber Gisch geht dann doch zu Frau Burklein hinüber und sagt ihr Bescheid, daß sie jetzt auf ein paar Tage zu ihrer Freundin zöge, die Adresse werde sie aufschreiben, auch die Telephonnummer, damit Sie wissen, wo Sie mich außerhalb der Arbeitszeit erreichen können, falls etwas sein sollte!"

Wieso nur auf einmal?" wundert sich Frau Bürklein. , . . ., .. ,

Na eben darum!" sagt Gisch und zieht die Nase hoch, oh, sie kann auch patzig sein.

Die Ausgabe, die deutsche Volkswirtschaft mög­lichst unabhängig vom Ausland zu gestalten, be­dingt zu mancher Zeit eine Verbrauchslenkung von , Lebensmitteln, eine Verknappung, die von der . Hausfrau, die gewöhnt ist, ihren Küchenzettel von . heute auf morgen zu überlegen, unangenehm emp- ' funden wird. Sie ist dadurch gezwungen, eine Vor- 1 ratswirtschaft einzuführen, die vor allen Dingen verstanden sein will. Und hier setzt der Kampf ein! Vorräte halten und erhalten, heißt sie pfleglich be­handeln und beim Verbrauch sorgfältig einteilen und verwenden.

Eine Hauptsache ist die richtige Aufbewahrung der zu erhaltenden Lebensmittel. In vielen Neu­bauten in den Städten sind die Vorratsräume so klein, daß es für die Hausfrau ein Problem be­deutet, Ordnung und Sauberkeit walten zu lassen. Wo ein Keller bequem zur Verfügung steht, regelt sich die Unterbringung leichter. Der Keller muß trocken, luftig und kühl sein, im Winter nicht zu kalt. In gewissen Zeitabständen sind die Einmach­gläser nachzuprüfen, ob die Deckel alle fest geschlos­sen sind, ob bei Marmelade und Gelee nichts schim­melt oder gärt. Die Hausfrau muß sich zu helfen wissen, wenn etwas zu verderben anfängt. Durch Entfernen der Schimmeldecke und Auskochen der Übrigen Masse kann mancher Brotaufstrich gerettet werden, ebenso gärende Früchte durch nochmaliges Aufkochen und Zusatz von Zucker Steintöpfe mit eingelegten Gurken, Essigpflaumen oder eingeschnit- tenem Kraut sind nachzusehen Der Inhalt ist ab­wechselnd zu verwenden.

Die Frau auf dem Lande, die selbst mit großer Mühe und Fleiß die Ernte der Felder und des Gartens einbringt, weiß die Lebensmittel zu schätzen und sachgemäß zu verwalten. Es gibt aber auch auf dem Lande junge Frauen/ denen nicht alles zu- wächst, die auch von Haus aus nicht gewöhnt sind, Vorratswirtschaft zu treiben; ihnen zu helfen ist die Pflicht der älteren Landfrau. Sie muß der Uner­fahrenen mit Rat und Tat beistehen, muß ihr Wis­sen und Können, ihre alten, guten Rezepte weiter­geben zum Nutzen der Allgemeinheit.

Für die Siedlerfrau bedeutet die Vorratswirt­schaft das langsame Anwachsen eines kleinen eigenen Besitzstandes, wie er schöner nicht zu denken ist. Jedes Glas Gelee, jede Weckbüchse wird sie mit Stolz und Freude betrachten. Beim Verbrauch wird sie dieses mühsam erworbene Gut sorgfältig einteilen und verwerten. Dafür wandern ein paar Pfennige in die Sparbüchse oder etwas Zucker wird gekauft, um in 'der Erntezeit den Vorrat an Gläsern und Töpfen mit gut bereitetem Inhalt vergrößern zu können.

Ein Kapitel für sich ist die Verschwendung von Stoffen aller Art durch leichtsinniges Aufbewahren und nachlässiges Reinigen. Wohl jede Hausfrau hat schon Aerger gehabt, wenn sie entdeckte, daß ihre Wintersachen von Motten heimgesucht und zerfressen wurden. Aber auch Betten, Decken und Polstermöbel gilt es zu schützen. Wir finden in allen Hauswirt- jchaftsblättern Ratschläge, wie dieser Plage zu be­gegnen ist.

Wenn alle Hausfrauen mithelfen, daß die Verlust­ziffern an tatsächlichen Werten herabgedrückt wer­den, wenn alle Familienmitglieder verständnisvoll der Frau und Mutter helfen, dann wird das so ge­rettete Volksgut dazu beitragen, unsere Volkswirt­schaft vom Ausland frei zu machen und unsere Le­benshaltung zu erhöhen._______________ F. K.

Aus der Stadt Gießen.

Es darf nichts umkommen!

Wenn wir Hausfrauen hören, wie statistisch fest- gestellt wird, daß jährlich IV2 Milliarden Volksver­mögen durch Nachlässigkeit, Verschwendung und Un­wissenheit vergeudet wird, dann fragen wir uns wohl alle: wie kommt das und wie kann das ge­ändert werden?

Nach der Knappheit der Kriegsjahre, die für alle Hausfrauen eine harte Schule bedeuteten, haben wir uns zu schnell wieder daran gewöhnt, aus dem Vollen zu wirtschaften, oder alles kaufen zu kön­nen, was wir nur wünschten, sofern uns nicht der Geldbeutel Halt gebot Es gilt also zunächst einmal die Achtung vor jedem Ding wiederzugewinnen und uns klar zu machen, wie wir in dem großen Haus­halt des Staates helfen können, zu sparen

Frau Bürklein wetzt sich geschwind an den Zähnen (die nicht mehr alle echt sind) die Zunge scharf. Wird wohl lange Hosen tragen, die Freundin, was?"

Gisch lacht.Wie Sie alles gleich erraten!" und trollt sich.

Es kommt Maria Vandergruen fast sündhaft vor, daß sie mit solcher Freude und Festlichkeit die Vor­bereitungen für Fräulein Amelungs Ankunst trifft. Sie hat allerlei Hübsches zum Abendbrot eingekauft, hat das Bett im Fremdenzimmer neu bezogen und aus dem Garten einen mächtigen Blumenstrauß auf den Tisch gestellt.

Vielleicht ist dies der Grund ihrer Beschwingt­heit, daß sie nie sie selbst war, daß sie immer im Schatten ihres Bruders stand, aus freiem Willen zwar, aber doch gebunden von der Kraft seines Wesens. Es wäre "ein unmöglicher Gedanke gewe­sen, etwa eine Freundin ins Haus zu bringen, seine Arbeit duldete derlei Störungen nicht. Nicht, daß sie unter solchem Zustand gelitten hätte, aber jetzt kam es doch wie ein Aufwachen über sie.

Jeder Mensch muß einmal er selbst sein können, muß sich einmal loslösen dürfen von dem Gleich­maß, das ihm der ewige Alltag auferlegt.

Als es bann klingelte, eilt Maria selbst zur Tür, denn das Mädchen Else, nur tagsüber beschäftigt, ist schon nach Hause gegangen.

Draußen steht richtig Gisch, hat ihr verschrammtes Köfferchen in der Hand und ist etwas verlegen.

Kommen Sie!" ruft Maria, nimmt Gisch bei der Hand, und dann jagt sie mit ihr wahrhaftig im Laufschritt durch die Diele die Treppe hinauf und rechts um die Ecke.

Das ist Ihr Zimmer, und nun machen Sie sich's ein bißchen bequem. In einer Viertelstunde nehmen wir drunten das Abendbrot. Sie müssen sich einbilden, daß Sie hier zu Hause sind."

Als ob das so einfach wäre! Gisch hat ihr Leben lang zum Waschen bloß eine emaillierte Schüssel gehabt. Leicht gesagt, sich hier zu Hause zu fühlen!

Wenn Sie sich waschen wollen das Bad ist gleich gegenüber. Kommen Sie, ich zeige es Ihnen!"

Ja, von so etwas hat Gisch manchmal geträumt. Weißgekachelte Wände, eine versenkte Wanne, ge­nau wie es in den Romanen beschrieben ist.

Maria dreht den Hahn des Waschbeckens auf, dampfend fließt heißes Wasser heraus.

Wenn sich auch das Wetter noch immer hart­näckig unfrühlingsmäßig gebärdet, so ließ es sich doch nicht verhindern, daß die Anlagen unserer Stadt doch ihr Früh­lingskleid anlegten. Das zarte Grün, das nach zwei schönen sonnigen Tagen in der vorigen Woche üppig aus den Knospen schoß, ließ ein­deutig erkennen, daß des Winters Herrschaft end­gültig gebrochen worden ist. Die Natur hat also von sich aus schon getan, was zu tun war und hat die Bäume und Büsche mit frischem Grün geschmückt. Außerdem leuchten gegenwärtig um alle Hausecken die üppig mit hellgelben Blüten besetzten Zweige der

Forsythia, und die Magnolien schicken sich an, ihre Blüten, die sie bei der jetzigen regnerischen Witte­rung noch wie Kerzen geschlossen tragen, beim nächsten Sonnenstrahl zu öffnen.

Die Gärtner unserer Stadtverwaltung sind nun in allen Anlagen dabei, die Blumenbeete für den sommerlichen Schmuck herzurichten. Ueberall werden die herangezogenen Blumenpflänzchen ausgesetzt, und die Gärtner gehen dabei wie man sieht

Auf gefahrvollem Arbeitsplatz.

In diesen Tagen konnte man, wenn man durch Zufall ober auf dem täglichen Weg zur Arbeit an den Tonwerken Abendstern vorbeigeführt wurde, Volksgenossen bei einer Arbeit sehen, die sich unter nicht alltäglichen Umständen vollzog. In schwindeln­der Höhe, an der Krone des etwa 55 Meter hohen Schornsteines der Tonwerke Abendstern, wurde die Blitzableiter-Anlage einer gründlichen Ueberholung unterzogen. Die damit beauftragten Arbeiter (von der Spezialfirma Schmidt & Müller in Erda) hat­ten sich, um überhaupt bis zu ihrem Arbeitsplatz vordringen zu können, eine lange Leiter steil am Schornstein entlang hinaufführen und über diese Leiter das Material zunächst für einen Aufzug hinaufschaffen müssen. Schließlich wurde über den Aufzug alles Material für die Arbeitsbrücken em­porgezogen, von denen aus dann die eigentliche Arbeit am Blitzableiter begonnen werden konnte.

Es war immer wieder erstaunlich, zu sehen, mit welcher Sicherheit sich die vier Volksgenossen, die oben beschäftigt waren, auf ihrer schwanken Ar­beitsbrücke und in dieser Höhe bewegten. Heber- raschend war es ferner, zu beobachten, mit welcher Geschwindigkeit sie die lange Leiter hinauf- und hinabkletterten, sich ganz verlassend auf den siche­ren Griff ihrer Hände und den Stand ihrer Füße. Gestern nun wurde die Arbeit der Ueberholung des Blitzableiters abgeschlossen.

Unser Bild zeigt einige der Arbeiter an ihrem luftigen Arbeitsplatz. (Aufn.: Neuner, Gießener Anzeiger.)

Reichsmiitterdienst im Deutschen Irauenwerk.

gfs. Als Sachbearbeiterin des Reichsrnütterdien- stes im Deutschen Frauenwerk wurde Schwester Elisabeth Müller für den Kreis Wetterau be­rufen. Schwester Elisabeth Müller kommt aus dem Rheingau und hat hier ihre Arbeit mit einem Doppelkursus in Säuglingspflege angefangen. Außer-

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