Lumpen haben Devisenwert.
Einst Verschwendung, heute planmäßige Bewirtschaftung. Vielhundertjährige Erfahrungen ausgenutzt.-Ausländische Kundschast.
Von unserem PAR.-Sonderberichierstaiter.
II*
Grünberg (Schles.), im April.
Falls Sie etwa glauben sollten, daß man heute über Die Qualität solcher Bekleidungsgewebe, die aus deutschen Roh st offen hergestellt sind, nicht frei von der Leber weg reden kann, dann lassen Sie sich folgendes einmal durch den Kopf gehen:
Wenn man diese vielen verschiedenen Stoffarten in ihren schönen Farben und ihrer „Ausrüstung", wie der Fachmann sagt, so gänzlich ohne die geringste Kenntnis des Herstellungsverfahrens ansieht, dann könnte man ja vielleicht den vorsichtigen Mann markieren und sagen: na ja, aussehen tun sie ja sehr schön — aber mehr weiß man Nicht davon! Wenn man aber in einer derartig offenherzigen und rückhaltlosen Weise durch eine Tuchfabrik geführt wurde und auf sämtliche Fragen ebenso offen Antwort bekam, wie es uns bei der Deutschen Wollenwaren Manufaktur AG. hier in Grünberg geschah, dann kann man über jene Bedenken nur noch lächeln.
Der entscheidende Unterschied gegen früher sieht nicht etwa so aus, als wenn nun hier jeder erste beste Lumpendreck unbesehen zu Stoffen verarbeitet würde (minderwertige Lumpen werden vielmehr aussortiert und an die Papier- und Dachpappenfabrikation abgegeben), sondern er besteht darin, daß wir nicht wie in den früheren Jahren der unbegrenzten Abhängigkeit und Verschuldung gegenüber dem Ausland aus dem Vollen auf unsere Bestände drauflos wüsten; vielmehr wird das, was einmal durch den Verbrauch gegangen ist, sorgfältig gesammelt und das wirklich Brauchbare unter sorgfältig st er Schonung der wertvollen Fasern wieder für den neuen Verbrauch bereitgestellt. Es geschieht also nichts anderes als das, was jede verständige, sparsame Hausfrau in ihrem kleinen Arbeitsbereich schon immer als etwas ganz Selbstverständliches getan hat.
Außerdem aber müssen Sie bedenken, daß hier die Herstellung der Stoffe selbstverständlich wie auch anderswo im deutschen Vaterland nur nach den modernsten Verfahren, mit den besten Maschinen und unter Hinzuziehung ausgesuchter Ingenieure und Facharbeiter erfolgt. Schließlich kann es sich eine so uralte Stoffindustrie wie die schlesische so wenig wie irgendeine andere leisten, von heute auf morgen statt guter Verbraucherware plötzlich Schund zu fabrizieren. Dazu würde sich niemand hergeben in einem Gebiet, dessen Tuch-
* Vgl. den ersten Artikel in Nr. 93 des Gieß. Anz.
macherhandwerk schon so alt istwredie Stadt Grünberg selbst, die im 12. Jahrhundert gegründet wurde und der u. a. auch Friedrich der Große durch den Bau von Tuchmacherhäusern unter die Arme griff. Der Uebergang vom Tuchmacherhandwerk zur Industrie setzte schon um 1800 ein. Mit anderen Worten, solche Werke arbeiten mit der Summe von Erfahrungen, die sie in einer vielhundertjährigen Tradition sammeln konnten. Wie begehrt solche Erzeugnisse einer hochgezüchteten Fachindustrie waren, geht ja u. a. daraus hervor, daß vor dem Kriege nicht weniger als 60 bis 70 v. H. der Produktion dieses Werkes ausgerechnet nach dem angeblich klassischen Lande der Tuchfabrikation, nachEngland, ging! Man kann den vielen Leuten den „Reinfall" nur gönnen, die früher über einen deutschen Stoff die Nase rümpften, aber denselben Stoff über den grünen Klee lobten, weil er „echt englisch" sein sollte und in Wirklichkeit doch aus einer deutschen Fabrik nach England nur geholt worden war.
Aber die neuen Stoffe? Nun, glauben Sie etwa, daß eine Reißwollfabrik minderwertiges Zeug liefern kann, wenn sie so stark beschäftigt ist, daß sie in dieser Zeit allein 28 Krempelmaschinen i m Wert von einer runden Million aufstellen mußte und die schon im frühen Frühjahr bis zum Oktober mit Aufträgen völlig eingedeckt war? Oder glauben Sie, daß das Ausland wie etwa Norwegen, Holland, Griechenland, Jugoslawien, Türkei usw. noch große Aufträge erteilen würden, wenn die laufenden Bestellungen nicht zur vollen Zufriedenheit der ausländischen Abnehmer ausfallen würden? Selbstverständlich hat die Fabrikation zuweilen ihre Sorgen, beispielsweise darum, daß bei den häufigen Nachbestellungen für einen Stoff die Nachlieferung wieder in genau der gleichen Zusammensetzung und genau dem gleichen Farbton aus den Maschinen herauskommt wie die bisherige Bestellung. Man braucht ja nur zu bedenken, daß beispielsweise Art und Qualität der Wolle völlig verschieben ausfällt nach Alter und Größe der Tiere, nach dem Klima und dem vorwiegenden Futter der betreffenden Gegend, ja daß sogar, wie der Fachmann weiß, es an einem einzigen Tier nicht weniger als 10 bis 12 verschiedene Wollarten gibt. Aber anderseits ist die deutsche Tuchherstellungstechnik auf einer solchen Höhe, daß an dem Fertigprodukt kein merklicher Unterschied gegenüber einer Vorlieferung festgestellt werden könnte, der irgendwie von Bedeutung wäre.
Kurz und gut, es handelt sich bei dieser sehr komplizierten, sehr sorgfältigen, sehr scharf kontrol- lierten Verarbeitung etwa dieser Lumpenballen
hier nicht um eine Qualitätsminderung, sondern um eine Rohstofferhaltung und -neuausnutzung, die uns sehr erhebliche Devisenausgaben erspart. Daß der Uniformstoff für den Soldaten im Vergleich zu einem bunten Sommerkleiüchen eine schier unbegrenzte Strapazierfähigkeit haben muß, darüber braucht man unter vernünftigen Menschen kein Wort zu verlieren. Die Zusammensetzung der verschiedenen Gewebearten ist aber nach den Anforderungen und den Ergebnissen der Praxis, d. h. des täglichen Lebens, forgfältigst ausprobiert, der Gesichtspunkt der jeweiligen Zweckmäßigkeit entscheidet bei der Zusammensetzung der einzelnen Gewebearten. Diese Tatsache rechtfertigt vollauf das Vertrauen, das der Verbraucher diesen Stoffen in wachsendem Maße entgegenbringt.
Die private Krankenversicherung betreut 6,5 Billionen.
In der vom Reichsaufsichtsamt für Privatversicherung herausgegebenen großen „Statistik für 1935 über die unter Reichsaufsichtsamt stehenden Versicherungsunternehmungen und Bausparkassen" werden 43 große private Krankenversicherungsunternehmungen mit einer im Jahre 1935 erzielten Beitragseinnahme von 363,713 Mill. Mark angeführt. Darunter befinden sich jedoch 17 Ersatzkosten mit einer Beitragseinnahme von 179,152 Mill. Mk. Wenn man diese, die durch die am 1. Januar 1936 in Kraft getretene gesetzliche Neuregelung zu ausschließlichen Trägern der gesetzlichen Krankenversicherung geworden sind, absetzt, dann bleiben 26 eigentliche private Krankenversicherungsunternehmungen mit einer Beitragseinnahme von 184,561 Mill. Mark übrig. Dazu kommen nach der Statistik des Reichsaufsichtsamtes noch 277 kleinere Krankenversicherungsunternehmungen, die im Jahre 1935 Beiträge in Höhe von 11,965 Mill. Mark erzielt haben.
Diese Angaben sind aber nicht vollständig, da nach dem Versicherungsaufsichtsgesetz nur die Versicherungsunternehmungen vom Reichsaufsichtsamt beaufsichtigt werden, die sich über mindestens zwei deutsche „Länder" erstrecken. Allerdings werden auch Versicherungsunternehmungen, deren Geschäftsbetrieb auf ein Land beschränkt ist, vom Reichsaufsichtsamt beaufsichtigt, wenn es das Land beantragt und der Reichswirtschaftsminister anordnet. Bisher haben aber nur Bayern, Baden und einige kleine Länder ihre Aufsichtsbefugnisse auf das Reichsaufsichtsamt übertragen, während Preußen und andere Länder noch ihre eigenen Aufsichtsbehörden behalten haben. In diesen Ländern finden wir aber auch größere Krankenversicherungsanstalten, die Beitragseinnahmen von mehreren Millionen Mark erzielen. Aus diesen Gründen kommt Generaldirektor Bökenkamp, Dortmund, der Leiter der Fachgruppe „Private Krankenversicherung" in einer größeren Arbeit über die private Krankenversicherung zu neuen Ergebnissen. Nach Bökenkamps Angaben erfaßte am 31. Dezember
1935 die Fachgruppe „Private Kran, kenversicherung" der nach den gesetzlichen Vorschriften alle privaten Krankenoer, sicherungsunternehmungen in Deutsch, land angehören müssen, 457 Unternehmungen mit 5 886 387 Versicherten und einer Beitragseinnahme von 245,120 Millionen Mark. Inzwischen hat sich die private Krankenversicherung günstig weiterem, wickelt. Heute dürfte sie etwa 6,5 Millionen Der. sicherte betreuen, denen im Jahre 1936 die Summe von etwa 205 Millionen Mark an Schadensleistun- gen gewährt wurde.
Zeitschriften.
— „Ueber geschichtlichen Glanz, künstlerische Pracht und geistige Ausstrahlung einzelner Städte mag eine Auseinandersetzung möglich sein, an Lage, Le. ben und Stimmung aber übertrifft Budapest fehe andere Siedlung am Donaugestade." So heißt es in den Begleitworten zu der eindrucksvollen Bilder, folge, die das neueste jneft der „Jllu ftr irten Zeitung Leipzig" (Verlag I. I. Weber, Leip, zig) einleitet. In Photographien und Zeichnungen wird der Zauber dieser einzigartigen Stadt lebendig.
Wetterbericht
des Reichswellerdienfles. Ausgabeort Frankfurt.
Nach dem Durchzug eines ausgedehnten Regen, grinetes, das sich zur Zeit noch in Mittel- und Süd. deutschland auswirkt, stellt sich wechselhaft bewölk. tes Wetter mit Schauerneigung ein. Die Großwetterlage befindet sich in einer Umbildung, die uns im ganzen freundliches, wenn auch noch kein durch, aus beständiges Wetter bringen wird.
Aussichten für Samstag: Wolkig bis aufheiternd und im ganzen freundlicher, doch immer noch vereinzelte Regenfälle, Mittagstemperaturen bei etwa 15 Grad, abflauende Winde.
Aussichten für Sonntag: Im ganzen freundliches, doch noch kein durchaus beständiges Wetter. #
Lufttemperaturen am 22. April: mittags 11,1 Grad Celsius, abends 8 Grad; am 23. April: morgens 9,7 Grad. Maximum 11,2 Grad, Minimum heute nacht 7,2 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 22. April: abends 9,4 Grad; am 23. April: morgens 8,4 Grad. — Niederschläge 5,1 mm. — Sonnenschein- dauer 2 Stunden.
Hauptschriftleiter: Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Stellvertreter des Hauptschriftleiters: Ernst Blum- schein. Verantwortlich für Politik und für die Bilden Dr. Fr. W. Lange; für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot; für den übrigen Teil: Ernst Blumschein. Anzeigen- leiter: Hans Beck. Verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. D. A. III 37: 10 496. Druck und Verlag: Brühl'fche Universitäts-Buch- und Steindruckerei R. Lange, K.-G., sämtlich in Gießen. Monatsbezugspreis RM. 2,05 einschließlich 25 Pf. Zustellgebühr, mit der Illustrierten 15 Pf. mehr Emzelverkaufspreis 10 Pf. und Samstags
15 Pf., mit der Illustrierten 5 Pf. mehr Zur Zeit ist Preisliste Nr. 4 vom 1. April 1937 gültig.
Gießen, den 23 April 1937.
2803 D
Herr Paul Lenzi
im 47. Lebensjahr.
Die trauernden Hinterbliebenen.
Jn der Bahnhofstraße 26
Baums & fFreifrig / Gießen
Fernruf Nr. 3700
im April -
Heute morgen entschlief sanft nach 9l/a jährigem schweren Leiden mein innigstßeliebter Mann, unser treusorgender Vater, Schwiegervater, Bruder, Schwager und Onkel
Frau Luise Guthardt
Annneliese Guthardt
Heinz Guthardt, cand. med. dent
Gießen (Ludwigstraße 60), Eisleben und Aschersleben, den 22 April 1937.
Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei unserem schweren Verluste sagen wir herzlichen Dank.
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allgemeinverständliche Darstellung der Forschungsergebnisse über das Seelenleben der Tiere mit praktischen Dersuchsonleitungen von Dr. Werner Fischet, Leiter der Forschungsstelle für Tierseelenkunde am Westfälischen Zoologischen (Banen zu Münster Jeder, der mit Tieren zusammenlebt, seien es Hunde. Katzen, Pferde und sonstig Haustiere, die Bewohner eines Aquariums, Stubenvögel oder Tiere in freier Wildbahn, jeder Naturfreund überhaupt hüt wohl schon Beobachtungen gemacht, die ihn zu der Frage anregten, ob man bei Tieren Gefühl und Verstand, ob man bei ihnen eine Seele voraussetzen darf- Die tierseelenkundliche Forschung ist dieser Frage nach den Verstandesleistungen und Gefühlsregungen, nach dem Seelenleben der Tiere nachgegangen und dabei zu beachtlichen Ergebnissen gelangt. Der Verfasser dieses Buches, ein Vertrete^ dieses jungen Zweiges der Wissenschaft, bietet hier in lebendiger, für jedermann verständlicher Darstellung anhand zahlreicher anschaulicher Bilder eine volkstümliche kleine Tierseelenkunde, wie sie jedem Tierfreund willkommen sein dürfte. Dem Hund und seiner Abrichtung ist ein besonderer Abschnitt gewidmet. Im übrigen ist der Inhalt des Buches sehr vielseitig. Die Berichte erstrecken sich auf Versuche mit Tieren aller Artin allen Regionen der freien Natur wie im Haus und Hof und in zoologischen Gärten. 140 5. mit 100 Abb. in Leinen geb. RM.3.60. — In jeder Gießener Buchhandlung erhältlich
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