Dienstag, 23.Zebruar 1957
M-45 Erstes Blatt
187. Jahrgang
granHurt a^main 11686 vruL unö Verlag: vrühl'sche UMverstläls Such- und Stetnörudcret 8. Lange in Stehen. Schrtstleilung und SeschSfisftelle: Schulftrotze 7
alichkeit geben, den Staat autoritär zu ge» Wenn auch die letzte Verfassung maßgebend
Der Gedanke, eine Staatsreform auszuarbeiten.
2. Febr. (DRV.) Die neue polt»
Warschau
rt* h,s Dberften Koc erhält Zustim- wurde dem Obersten Koc in eingeweihten Kreisen
munasSungen aus allen Teilen des Landes. Warschaus schon zu der Zeit zugeschrieben, als er von ^n den Organisationen, die sich bisher zur Ver- 1932 bis zum Frühjahr 1936 Staatskomm.ssar bzw. füauna stellten sind schätzungsweise vier Mil - Präsident der polnischen Notenbank war. Am 24. Mai Nonen Personen ersaßt. Bisher liegen Er- „hirlt er dann von Marschall Rgdz-Smigly den dl- 1 1 0 n e rl -P c L 1 hör nnlnifdien .. L... ar..ci--- ---horo ta hom SRnrlns
nicht teilgenommen hätte. 23jährig i junger Leutnant unter dem Deck-
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den Erklärungen des Obersten Koc.
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retten Auftrag, nachdem Polen bereits dem Parlamentarismus alter Form endgültig den Garaus gemacht hat. Dieser Mann, der als junger Student Literaturgeschichte studierte, und auch heute noch gern ein lyrisches Gedicht schreibt, steht schon seit 1909 an allen Brennpunkten der nationalen Politik Polens. Keine Verschwörung in der Zarenzeit, kein geheimer Offizierskursus des polnischen Schützenverbandes damals, an dem er I 1-:f u‘AUa
übernimmt er als junger Leutnant unter dem Decknamen Withold im Auftrage Pilsudskis die Organisierung des bewaffneten Aufstandes seiner polnischen Landsleute hinter der russischen Front. Als Bataillonskommandeur wird er gefangen genommen,Apirl 1918 wieder frei, stoßt er sofort 3U Rydz-Smigly, der damals bereits eifrig die polnischen Geheimverbände sammelte und schulte, wird dann Hauptmann im neuen polnischen Heer und mit 29 Jahren Oberst nach dem Sieg über die Bolschewistenheere Trotzkis. 1926 sichert er als Befehlshaber des Truppenübungen
stalten. Wenn auch die letzte Verfassung maßgebend sein soll, so ist es doch klar, daß gerade dieser Punkt in den Auseinandersetzungen zwischen den Parteien eine große Rolle spielen wird, da das polnische Parlament selbst auf das Maß an Kritik wird verzichten müssen, das ihm jetzt zusteht. Weiter verlangt Koc, neben der Erklärung des Katholizismus als Staatsreligion unter weitgehender religiöser Toleranz die autoritäre Führung der gesamten Wirtschaftspolitik Polens und vor allem die Förderung des polnischen Bauerntums. Weiter wird das Judentum in die Schranken zurückgewiesen, und
er aus dem aktiven Dienst aus und half den Pil- sudfki-Block im Parlament bilden. Als Staatsbank-
Nach Abschluß der politischen Besprechungen begab ich der Reichsaußenminister in die Deutsche Gesandtschaft, um die Leiter der reichsdeut- chen Organisation in Wien zu empfangen. Der Leier der Landesgruppe Oesterreich der A. O. der
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Der Staatsbesuch des Reichsaußenministers in Wien
Herzliche Begrüßung in der Nonausiadt. - Harmonischer Verlauf der Besprechungen mit der österreichischen Regierung.
Um das Recht her Suoetendeuischen.
Prag, 20. Febr. (DNB.) Die tschechoslowakische Regierung hat eine Verlautbarung her- ausgegeben, die als Antwort auf eine von den sogenannten deutschen Regierungsparteien ausgearbeitete Denkschrift zur Frage des Ausgleichs zwischen Deutschen und Tschechen zu gelten hat. Die Sudetendeutsche Partei Konrad Hehnleins, die einzige zahlenmäßig ins Gewicht fallende deutsche Gruppe, ist an diesen Verhand-
durch Rundfunk verkündete Programm vorher in allen Einzelheiten vom Marschall gebilligt worden ist. „Ein kommunistisches Polen ist kein Polen mehr", sagte Oberst Koc. Weiter stellte er die polnische Armee, wie sie Marschall Pilsudski geschaffen und, mit seinem Geist erfüllt hat, in den Brennpunkt alles politischen und wirtschaftlichen Geschehens, er will dem Marschall Rydz-Smigly
Nach der Aussprache empfing Bundespräsident Niklas Freiherrn von Neurath am Ballhausplatz in Audienz. An die Audienz schloß sich em Frühstück, das Staatssekretär Dr. Schmidt und seine Gemahlin zu Ehren des Reichsaußenmmisters und seiner Gemahlin im Grand Hotel gab. Dem Frühstück wohnten außer den deutschen Gästen noch bei: Ihre Exzellenzen die Gesandten R u d n a y (Ungarn) und Salata (Italien), Vizekanzler Feldmarschalleutnant H ü l g e r t fy mit Mitgliedern der Regierung, der Präsident des Bundestages Hoyos, die Bundeskommissäre Pressechef Walter Adam und Hammer st ein-Equord, der Bürgermeister von Wien Richard Schmitz, Nationalbankpräsident Dr. Kienböck, Fürstin Hanna Starhemberg, der österreichische Gesandte in Berlin Ingenieur Tauschitz, ote Spitzen der Generalität und hohe Funktionäre des Außenamtes und des Bundeskanzleramtes.
. Staatssekretär Dr. Schmidt führte in einer Ansprache u. a. folgends aus: Seit meinem Aufenthalt als Gast der Reichsregierung in Berlin habe ich Aich nach Jahren der Trennung von Herzen auf den Augenblick gefreut, in dem wir dem Außen- Ainister des Deutschen Reiches in unserem geliebten österreichischen Vaterlande die Gastfreundschaft in alten ehrwürdigen und zugleich ewig jungen Hauptstadt Wien erwidern können.
Heber der Freude des Wiedersehens möchte ich aber nicht vergessen, wertend festzustellen, daß der mannhafte Entschluß des Reichskanzlers und des Bundeskanzlers vom 11. Juli 1936, nicht nur einem Herzenswunsch des deutschen Volkes dieses und jenseits der Grenzen gefolgt ist, sondern sich ats eine reale Tat von großer sachlich politischer Bedeutung sowohl für die beiden deutschen Staaten als auch für den Frieden und die ruhige politische Entwicklung Europas erwiesen hat. Die Erfahrung, die erfreulicher Weife eine Reihe von (Erfolgen — die, wenn auch nicht ohne Ueberroin- dung von Schwierigkeiten, erzielt werden tonnten — aufweist, hat inzwischen gezeigt, daß der tm Juli 1936 beschrittene weg der rechte ID eg ist. Gr führt zu keinen Luftschlössern, ober, was ur,endlich mehr bedeutet, er führt
w-i^i.k-nminister Freiherr von Neurath wird am Bahnhof in Wien von dem
polens nationale Sammlung.
Unter dem Eindruck des Kocicken Programms.
rrjcheim tügltd), aufc« Sonntags and Feiertags Betlagen; Vie Illustriert« Gießener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholl»
Monatt vezugspreir: gjltt 4 Beilagen NM. 1.95 Ohne Illustriert« . 1.80 Zustellgebühr .. e -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer GewaV
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schließlich verlangt Koc von den nationalen Minderheiten die Anerkennung des polnischen Staates, wofür er ihnen ein „brüderliches staatsbürgerliches Zusammenleben" verspricht. Wir begrüßen diese Erklärung. Ein in sich starker nationaler Staat muß sich vor Zwangsnationalisierung der völkischen Minderheiten hüten. Wir hoffen, daß diese Selbstverständlichkeit endlich dazu beträgt, die Ueberspitzung chauvinistischer polnischer Tendenzen durch das neue Programm Kocs zurückzudrängen.
Neuer Wirtschaftsvertrag mit Polen.
Warschau, 22. Febr. (DNB.) Am 20. Februar ist der Vertrag über die Verlängerung des Wirtschaftsvertrages zwischen dem Deutschen Reich und Polen unterzeichnet worden. Der Vertrag regelt bis zum 28. Februar 1939 die Handelsbeziehungen. Es ist eine Auswirkung der Festigkeit der deutsch-polnischen Politik und zugleich eine Bestätigung des beiderseitigen Vertrauens in die wirtschaftlichen Verhältnisse des Partners, daß an die Stelle des bisherigen Abkommens ein Vertrag treten kann, der als erster in der Reihe der neuzeitlichen Verrechnungsoerträge von der üblich gewordenen einjährigen Frist abweicht. Selbstver- tändlich ist dabei die als praktisch bewährte Elast i z i t ä t gewahrt worden. Die, Regierungsauschüsse werden, um Schwierigkeiten aus dem Wege zu räumen, die sich bei der praktischen Durchführung des Vertrages ergeben können, alle Vierteljahre tagen. Dem neuen Wirtschaftsvertrag liegt die aus in früheren Verträgen vorgesehene Ziffer von je etwa 17 6 Millionen Zloty als Wert der 1:1 auszugleichenden gegenseitigen Jahresein- und - ausfuhr zugrunde. Diese Ziffer war bisher nicht erreicht worden. Beide Vertragspartner find aber überzeugt, daß sie den realen Möglichkeiten des deutsch-polnischen Wirtschaftsverkehrs entspricht und in Zukunft eher erreichbar sein wird, nachdem durch eine Neugestaltung der Kontingente eine bessere Anpassung an die tatsächlichen Marktbedürfnisse gewährleistet sein dürfte.
sicher zwischen den drohenden Gefährlichkeiten einer unsicheren Zeit hindurch. Ihr Wiener Besuch, Exzellenz, wird — das hoffen wir fest — einen neuen Markstein auf dem Wege der geistigen und wirtschaftlichen Zusammenarbeit zwischen dem Deutschen Reich und Oesterreich bedeuten.
Reichsaußenminister Frhr. von Neurath erwiderte u. a.: Die herzliche Teilnahme, die auch die Bevölkerung dieser uralten deutschen Stadt, der ehrwürdigen Hauptstadt Oesterreichs, an unserem Besuch bekundet, zeigt wohl am besten, daß der Weg, den der Führer und der österreichische Bundeskanzler am 11. Juli vorigen Jahres beschritten haben, einem tieferen Herzenswunsch des gesamten deutschen Volkes entsprochen hat. Die politische Tat, die in der am 11. Juli erfolgten Aussöhnung der beiden beut» chen Staaten liegt, verbunden mit der neuerlichen Willenskundgebung der österreichischen Bundesregierung „ihre Politik auf jener grundsätzlichen Linie zu halten, die der Tatsache entspricht, daß Oesterreich sich a l s d e u t s ch e r S t a a t bekennt", ist zu einem-wichtigen Faktor des europäischen Friedens geworden. In Fortsetzung der seinerzeit in Berlin aufgenommenen Arbeit werden wir die uns gemeinsam betreffenden Fragen auch weiterhin in freundschaftlicher Gesinnung behandeln. Die bisherige Erfahrung läßt uns erwarten, daß wir auch bei Fragen, deren Erörterung zunächst vielleicht schwierig erscheinen könnte, Lösungen finden werden, die beide Teile befriedigen.
SSMLW-M S bie ®efellfd)aft her Staatsbeamten unb Be- rufsDerbänbe ehemaliger Armeeangehöriger, ber Verbanb der christlichen Handwerker, sowie zahlreiche Innungen unb bie ..Legion ber Jugend .
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h™H,ma 9rnCs?äbe ?e6ine negative Stellungnahme zu doinit die Niederwersung ber Opposition 1928 schied dritten Ausgabe reine neu aktiven Dienst aus und half den Pll-
Wien, 22. Febr. (DNB.) In Erwiderung des Berliner Besuchs des Staatssekretärs Schmidt traf jeute vormittag um 9.12 Uhr der Reichsaußen- ninifter mit Freifrau von Neurath sowie den Herren seiner Begleitung, Gesandten Lschmann, Vortragenden ßegatiansrat von Kotze und Legationsrat Altenburg, auf dem festlich geschmückten Wiener Westbahnhof ein. Der österreichische Gesandte in Berlin, Tauschitz, hatte die Gäste auf ihrer Fahrt begleitet. Zur Begrüßung hatten sich Bundeskanzler Dr. Schuschnigg und Botschafter von Papen eingefunden, ferner im Auftrag des Bundespräsidenten Kabinettsdirektor Huber, Staatssekretär des Aeußeren Dr. Schmidt mit Gattin, die Gesandten Italiens und Ungarns, der Beauftragte der Auslandsorganisation ber NSDAP, für Oesterreich Konsul Bernard (Salzburg), der Beauftragte für Wien und Niederösterreich S ch l i e p h a k e sowie der Obmann des Bundes der Reichsdeutschen. Auf dem Wege zum Hotel Imperial, wo die deutsche Abordnung als Gast der Bundesregierung wohnen wird, umsäumten dichte Menschenmassen die Straßen. Die Rufe „Heil Deutschland", „Heil Neurath", „Heil Hitler" und „Heil Oesterreich" pflanzten sich rote em Sauffeuer fort.
Schon bald nach der Ankunft im Hotel fuhr Reichsaußenminister Freiherr von Neurath in Begleitung eines österreichischen Ehrenofftzters und gefolgt von Botschafter von Papen und dem deutschen Militärattache Generalleutnant von Muff zum Heldendenkmal. Eine Ehrenkompanie des Gardebataillons leistete die Ehrenbezeugung. Unter den Klängen der Nationalhymne schritt Freiherr von Neurath die Front ab und legte in der Krypta des Heldendenkmals einen Kranz mit Schleifen in den Farben des Reiches nieder, während die Musik das Lied vom guten Kameraden spielte. Anschließend fuhr der Reichsaußenminister nach dem Wiener Zentralfriedhof, wo er bie Gräber der im Weltkrieg in Wien verstorbenen Soldaten besuchte. Noch Montag vormittag fand die erste politische Fühlungnahme mit den österreichischen Staatsmännern statt. Ueber die im Bundeskanzleramt geführten Besprechungen wurde folgendes Kommunique ausgegeben:
Der Reichsminister des Auswärtigen Freiherr von Reurath stattete heute mittag in Begleitung des Botschafters von papen dem Staatssekretär für die auswärtigen Angelegenheiten Dr. Guido Schmidt einen Besuch ab. An- schließend wurde Reichsaußenminister von Reu- roth vom Bundeskanzler Dr. Schuschnigg im Beisein des Staatssekretärs Dr. Schmidt empfangen. Die Staatsmänner erörterten in freundschaftlicher Weise die beide Staaten berührenden aktuellen politischen und wirtschaftlichen Fragen. Rach der Unterredung wurden von Reichsaußenminister von Reurath die Herren seiner Begleitung dem Bundeskanzler vorgestellt.
Marschall Rydz-Smigly beauftragte Oberst Koe, eine neue polnische Regierungspartei zu gründen, die eine große Sammlung aller nationalen Kräfte des Staates herbeiführen soll. — (Scherl-M.)
Präsident trat er von seinem Posten zurück, weil er in der Devisenpolitik entgegengesetzter Meinung wie die Regierung war.
Neun Monate lang hat Oberst Koc an dem Re- ormplan für den polnischen Staat gearbeitet, wobei er den Wehrgedanken als entscheidend in den Mittelpunkt stellte: „Die einzige Losung, die uns voranleuchten soll, ist die Verteidigung Z o l e n s". Mit der ihm eigenen Wortkargheit hat er Oberst in diesen neun Monaten unzähligen Sonderbesprechungen mit allen möglichen Vertretern der Stände und Volkskreise beigewohnt und im übrigen völlig zurückgezogen seiner Arbeit gelebt. Es versteht sich von selbst, daß das nun von ihm
NSDAP., Konsul Bernhard (Salzburg), hielt eine herzliche Begrüßungsansprache, auf die Frhr. von Neurath mit freundlichen Worten erwiderte. Dann ließ sich Frhr. v. Neurath die Vertreter der reichsdeutschen Presse in Wien vorstellen.
Staatssekretär Dr. Schmidt überreichte am Montagnachmittag den reichsdeutschen Gästen die ihnen vom Bundespräsidenten verliehenen Auszeichnungen und zwar dem Reichsaußenminister Freiherrn von Neurath das Großkreuz Erster Klasse des österreichischen Verdienstordens und dem Gesandten A s ch m a n n das Großkreuz.
Empfang im Belvedere.
Gießener Anzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
Zu Ehren des Reichsaußenministers gab Bundeskanzler Dr. Schuschnigg am Montagabend im Marmorsaal des Schlosses Belvedere ein Essen. Der Bundeskanzler gab der Ueberzeugung Ausdruck, daß Wien die besten historischen und kulturgeschichtlichen Voraussetzungen besitze, um unvermeidliche Schwierigkeiten zu beheben und in Harmonie aufzulösen. Reichsaußenminister von Neurath dankte für die Worte der Begrüßung. Auch er sei der Ueberzeugung, daß wir nur durch Harmonie all das wiedergutmachen können, was in den letzten Jahren unsere Völker getrennt hat. „Wir haben in Hunderten von Schlachten Schulter an Schulter im Weltkrieg öie treue ft e Bundesbrüderschaft gepflegt", schloß der Reichsaußenminister. „Das sind Bande, die sich nicht beseitigen lassen. Wenn auch mitunter Schwierigkeiten auftreten, wir werden sie leicht überwinden, wenn wir nur wollen." — Im Anschluß an das Essen fand in der Galerie des Schlosses ein Empfang statt, an dem auch die übrigen auswärtigen Missionschefs, ;«I Persönlichkeiten des öfentlichen Lebens und Vertreter r | von Kunst und Wissenschaft beiwohnten.


