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Nr. 20R Zweites Mott

SNeßener Anzeiqer (Aenerak-Anzeiaer fflr(DbcrI)efien)

Mittwoch 22. Dezember l<)5Z

Aus dem Reiche der Frau.

Kind und Spielzeug.

Ein weihnachtliches Kapitel.

Das Spielzeug ist so alt wie die Kultur der Menschheit. In den historischen und völkerkundlichen Museen aller Länder werden die Funde aufbewahrt, I die beweisen, daß auch die Kinder der Frühzeit ihr! Spielzeug hatten So werden im Londoner Briti­schen Museum aus Aegypten stammende Figürchen gezeigt, die unzweifelhaft Puppen darstellen. Mögen sie auch noch so einfach in der Form sein, daß es kleine Menschen sind, mit denen einst Kinderhände gespielt haben, ist unverkennbar. In germanischen Gräbern fand man eine Art Brettspiele: primitiv zugeschnittene Holzbretter und Vertiefungen und Spielsteine verschiedener Art und Farbe. Puppen, Baukasten, Brettspiele sie haben heute noch nichts von ihrer Bedeutung für das Kind einge­büßt, dessen erstes Spielzeug meist aus diesen ein­fachen Dingen besteht, an denen sich Handfertigkeit, Phantasiebetätigung und Denkkräfte zuerst erproben und schulen.

Im Spielzeug spricht sich auch immer die Zeit aus, in der es entsteht. So hat man unter «den Spielsachen früherer Epochen auch Bauspiele ge­sunden, die ganze Dörfer darstellen die Umwelt des Kindes auf die ihm eigenen Maße zugeschnit­ten. Zu den frühesten Kinderspielzeugen gehört auch der Soldat mit dem Aufbau und der Unifor­mierung regulärer Armeen zieht ihr verkleinertes Abbild in den Bereich des kindlichen Spiels ein. Die erste Eisenbahn fährt durchs Land und sofort erscheinen sie in Liliputformat auf dem Spielzeug­markt. Das Kind will immer die Entwicklungen der Technik, das Wesentliche an Erscheinungen seiner Zeit auf seine eigene Weise erproben und ergrün­den. Es will seine Kräfte an ihnen wirken lassen, will sie beherrschen lernen. Gerade den kleineren Kindern tut man keinen Gefallen, wenn man ihnen technisch allzu vollkommenes Spielzeug schenkt, das chnen keine eigene Betätigungsmöglichkeit läßt, oder wegen seiner Kostbarkeit geschont werden muß.

Von hohem erzieherischem Wert ist die Selbst- h e r st e l l u n g von Spielzeug durch die größeren Geschwister für die kleineren. Sie stehen ihnen ja auch altersmäßig noch so nahe, daß sie sehr genau wissen, was dem Schwesterchen, dem kleinen Brü­der gefällt, was er selbst noch daran tun will. Neben dem der Selbstbeschäftigung der Kinder die­nenden Spielzeug sollte unterm Weihnachtsbaum auch das Gemeinschaftsspiel nicht fehlen, das die ganze Familie um sich sammeln kann. Da gibt es eine fast unerschöpfliche Fülle: Geduld- und Vexierspiele, die Brett-, Lotto-, Würfel- und Ge­schicklichkeitsspiele. Wie unterhaltend und belehrend zugleich sind schon die verschiedenen Lottospiele: Rechen-, Zitaten-, Sprichwörter- und Geographisches Lotto, mit denen die Kinder wirklich spielend zum Lernen gebracht werden. Bilder-, Völker- und Re­chendomino vermitteln ebenfalls unmerklich allerlei nützliche.Kenntnisse.

Auch die Brett- und Kartenspiele haben oft eine große Vergangenheit, too will diö Kulturgeschichte wissen, daßGlocke und Hammer" schon unfern germanischen Vorfahren bekannt war, die mit ihm ihre Götter ehrten. Die Pflege des Gemeinschasts- spiels bindet ein starkes Band um Eltern und Kin­der es sammelt sie zu einer stunde gemeinsamer Fröhlichkeit und die Art wie die einzelnen Kinder sich im Spiel zeigen, wie sie Gewinn und Verlust aufnehmen, gibt den Eltern wertvollen, erzieherisch auszuwertenden Einblick in Art und Wesen ihrer Kleinen und Großen. , 0.8.

Weihnachlsft'mmung bei den Arbettemaiden.

V.A. Auch bei den Maiden im weiblichen Arbeits­dienst herrscht Weihnachtsstimmung. Frisches Tan­nenreis liegt auf den weißgedeckten Tischen. Im großen Tagesraum kündet ein Adventskranz mit vier dicken roten Kerzen vom ewigen Kreislauf der Zeit. Nüsse und rotbäckige Aspsel leuchten ver­lockend aus den selbstgeschnitzten Holzschalen. Im Lesezimmer stehen jetzt weiße Kerzen in den Leuch­tern, an denen noch* in letzter Woche fleißig ge­bastelt wurde. Selbst der kleine Vorraum ist durch eine bunte Adventslaterne festlich beleuchtet. Alles ist weihnachtlich geschmückt und gestimmt.

Und die Arbeitsmaiden? Wenn sie am frühen Nachmittag von der Außenarbeit zurückkommsn, machen sie sich sogleich an die Weihnachtsarbeiten. Hier sitzt eine Gruppe zwischen Stoff- und Holz­resten, die sie geschickt zu allerhand Spielzeug ver­arbeitet. Die Kinderihres" Dorfes sollen sich über die neuen Eisenbahnen, die Puppenkleider und Puppenstubenmöbel im Kindergarten freuen. Am anderen Tisch sind em paar Mädel mit Hand­arbeiten für die Siedlerkinder beschäftigt.

In der Diele ist es heute geheimnisvoll. Nie­mand darf hindurch. Da wird sicher eine Ueber- raschung vorbereitet, denn morgen ist ja der letzte Adventssonntag. Verheißungsvoll strömen schon wohlbekannte Düfte aus der Lagerküche, in der fünf Arbeitsmaiden am Pfefferkuchenbacken sind.

Am letzten Adventssonntag sitzen dann alle im großen Kreis unter dem brennenden Kranz und lauschen bei knisterndem Kaminfeuer der lustigen Hirtenmusik, die aus Blockflöte, Geige und Laute ' erklingt. Bald singen alle Maiden die alten Hirten- weisen mit. Und'dann werden endlich die vollen, ' bunten Teller herumgereicht, die auf dem mit Tannenreis bedeckten Boden in der Mitte aufge­baut sind und schon lange die Blicke angezogen haben. Beim Knabbern fängt die kleine Gerda aus Sachsen an zu erzählen von ihrem vorjährigen Weihnachtserlebnis im Erzgebirge, zeigt Bilder von den vielen geschnitzten Weihnachtsfiguren aus ihrer Heimat und singt das Lied vomheiligen Ohmd". Das muntert wieder Ilse aus Kassel dazu auf, die unheimlichen Gestalten, dieKlöwesse", zu schildern. Plötzlich ertönt ein dumpfes Geräusch, und wir alle fahren erschreckt zusammen. Nur Ruth lacht und bringt hinter ihrem Rücken eine leere, an der Oeffnung mit einer Haut bespannte Konserven­büchse hervor, aus der ein Quirl herrliche Töne hervorzaubert.So etwas gibt es bei uns in Pom­mern", erzählt sie. Nachdenklich hören die Maiden von der Heimat ihrer Kameradinnen, von vielen Weihnachtsbräuchen, von einem Fest, has so ver­schieden, aber überall mit gleicher Innerlichkeit ge­leiert wird.

Und wieder klingt ein gemeinsames Lied auf, und dann kommt die große vorbereitete Ueber- raschu-ig: Das Märchenschattenspiel vomStern­taler", in dem das opferbereite Kind mit den vom Himmel fallenden Talern belohnt wird. Fröhliche Musik bringt den schönen Gemeinschaftsabend zum Abschluß.

Morgen in der Frühe setzen die Maiden ihre Ar­beit beim Siedler und im Lager fort. Bald sind die wenigen Tage herum, und sie fahren nach Hause. Bei der Hälfte von ihnen mischt sich in die Freude auf das Fest ein leiser Kummer, denn sie scheiden

fsir immer aus dem Arbeitsdienst, wo sie ein halbes Jahr lang in froher Gemeinschaft' gelebt haben. Für sie ist die Adventszeit im Lager Höhepunkt und schönster Abschluß gewesen, und der letzte Ad­ventssonntag ist zugleich der Abschied von einer Zeit, die' ihnen unendlich viel schenkte. Innere Freude und Glück über das eigene Schaffen, über das Helfendürfen.

Für die aber, die das Frühjahr noch im Lager erleben, ist diese Zeit schönster Auftakt gewesen und hat Kraft gebracht für kommende Aufgaben.

Eine Lagerführerin.

as sollen wir tragen?

PRAKTISCHE VORSCHLÄGE UNSERES MODEZEICHNERS

UND

Schiwesten und Schiblusen zum Selb st an fertigen zeigen wir heute.

Die Weste oben links ist aus "Segeltuch mit Schulterauflagen und Taschen aus farblich passen­dem'Leder. Die Schlitze am Halse und an den Aermeln schließen Reißverschlüsse.

Das Bild in der Mitte zeigt einen Sw enter mit Rollkragen und aufgesetzten Taschen aus Trockenwolle in blau-weiß.

Aus naturfarbenem Waschleder ist die Weste rechts unten mit dem schmalen Stehbund und den schräggestellten Taschen, die wie die Weste selbst und ihre Aermel durch rote Reißverschlüsse geschlossen werden können.

Farbiger, waschbarer Wollflanell oder Sportella ist das Material der beiden einfachen Hemdblusen unten links. Die Taschen sind ein- oder aufgesetzt, die Knopfe aus Perlmutter. H.

Die alte Puppenstube.

bon Ilse Hattenhof.

Sse steht bei der Großmutter im Besuchszimmer. Und wenn Bärbel oder Marlene zur Großmutter gehen, um ihr einen schönen Sonntag zu wünschen, dann dürfen sie mit der Puppenstube spielen, sie können die kleinen Puppen schlafen legen oder umkleiden, sie spielen Gesellschaft und spazie­rengehen. Großmutter erzählt dann von ihren Kin­derspielen. Jede der kleinen Puppen hat eine Ge­schichte, und Großmutter erzählt so schön.

Sie wanderte aus dem elterlichen Hause mit, weil so viel Erinnerungen an dieser Puppenstube hjingen, so viel Wünsche und Hoffnungen waren in die Spiele verwoben.

Und eines Tages wird die Puppenstube der Großmutter oder der Mutter den Enkelkindern und Kindern zu Weihnachten beschert. Die Tapeten und der Anstrich, die Gardinen und Frisuren, die klei­nen Stühle und Sofas sind, mit viel Liebe und Mühe neu und frisch gemacht. Wie schön ist doch so ein Erinnern im Spiel, und wie werden die Kinder sich freuen.

Endlich ist der heilige Abend gekommen und Gerda oder Bärbel, Marianne und Grete sollen die schöne Puppenstube ganz zu eigen haben, mit der sie sonst nur mit besonderer Erlaubnis einmal ein Weilchen spielen durften. Sonderbar, ihre Freude ist gar nicht so groß, sie ist eher ein wenig klein zu nennen. Fast scheint es, sie gebeft sich be­sondere Mühe, nur der- Mutter zuliebe. Die Mut­ter muß ihre Enttäuschung verbergen. Sie hatte sich so gefreut auf die Freude ihrer Mädel. Dar­über kam es ihr gar nicht in den Sinn, daß sie etwas anderes vielleicht lieber haben könnten. Jeden Tag hatten die Kinder poch mit den Freundinnen zusammen Puppenstube gespielt. Warum ließen sie nun die eigene Puppenstube in der Ecke stehen?

Es ist nicht immer die vererbte Puppenstube, zu­weilen sind es die Puppen oder der Puppenherd, der Puppenwagen, seltener die Bilderbücher und Baukästen, die aus der fröhlichen Bescherung eine kleine Niederlage für Eltern und Kinder machen, eine Niederlage,'bei der es keine Schuldigen gibt, an der beide gleich schwer tragen, weil sich eine Kluft aufgetan hat, hüben und drüben stehen die Alten und die Jungen und fühlen einen Gegensatz, den zu überbrücken sie Zeit gebrauchen.

Es ist eine Fremdheit, eine Entfernung von ein­ander. Wie weit die Wege auseinanderführen, wis­

sen die Mütter noch nicht. Vielleicht fragen sie, ob sie die Puppenstube oder die andern Andenken an ihre eigene Jugend und Kindheit noch länger- hät­ten verwahren sollen.

Aber der Zeitpunkt wäre früher oder später doch gekommen, an dem die Mutter oder die Ettern es erfahren müssen, daß ihre Kinder in ihrer Zeit leben und daß die Spielzeuge ihrer Eltern ihnen eben nur Spielzeuge sind, fremd wie jedes andere neue Spielzeug auch.

Man kann ja den Kindern auch nicht die Er­innerungen an die eigene Jugend zum Spielen geben. Wohl können die Erinnerungen und die Erzählungen aus der Kindheit der Eltern Kinder und Eltern mit einander verbinden, aber ebenso wenig roi* man seine eigenen Erlebnisse noch ein­mal erleben kan, ebenso wenig können sie von den Kindern wiederholt werden.

Ein Kind, ob es nun ein Junge oder ein Mäd­chen ist, fühlt sich ja auch nicht wohl in den Klei­dern, die Vater oder Mutter getragen, als sie so jung und so kl»in waren. Und wie die Kinder ihren Eltern zugehörig und verbunden sind, so sind sie auch der Zeit verbunden, in der sie leben und auf­wachsen.

Spielsachen und Kleider tragen das Gepräge ihrer Zeit. Es ist ein Unterschied, ob man sie gelegentlich anschaut oder ob man mit ihnen spielen oder die Kleider als Alltagskleider tragen möchte. Mit den Kleidern ist es eine einfache Sache, wie leicht wird ein neues daraus, wenn man sie kürzt, ihnen etwas von ihrer Weite nimmt oder einen Ausputz gibt. Nicht anders ist es mit den Puppen, obwohl es zuweilen Schwierigkeiten macht, aus einer jahr­zehntealten Puppe ein modernes Puppenkind zu machen.

Leicht hat man es mit den Puppenstuben, ihren drei Wänden und dem Fußboden! Es kann zu einem Spiel für sich, es kann zu einer ununter­brochenen Kette von Überraschungen werden, wenn die Puppenwohnung allmählich umgebaut wird Der Vater legt eine Lichtleitung, die Mutter nimmt sich der Gardinen, der Kissen und Decken an. Eine Badestube wird angebaut, und in der Küche müs­sen auch allerhand Verbesserungen oorgenommen werden.

So können Kinder und Eltern im Spiel mit der alten Puppenstube, die dann nicht nur ein Er­innerungsstück ist, die alte Zeit und die neue Zeit gemeinsam durchleben. Dieses Spiel ist dann mehr als ein Zurückschauen, es ist ein Spiel mit der Gegenwart, das Brücken schlägt.

Küchenzettel für die Feiertage.

Das Deutsche Frauenwerk, Abteilung Volkswirtschaft-Hauswirtschaft, Gaustelle Hessen- Nassau, Frankfurt a. M., macht folgende Vorschläge zu einem Kücherizettel für die Weihnachtsfeiertage, der festlich, billig und eine Entlastung für die Hüusfrau ist.

Weißbrot, Stollen und Weihnachtsgebäck werden schon -vorher gebacken. Ein Weißbrot ist anzuraten, da man dadurch Butter sparen kann. Rezept: 2 Pfund Mehl, 50 bis 60 Gramm Hefe, knapp V2 Liter.Milch, 100 Gramm Fett, 50 Gramm Zucker (evtl, mehr), V2 Teelöffel Salz.

Zum Festessen nimmt man am besten einen Bra­ten oder sonst ein Stück Fleisch für zwei Tage. Kalbsbrust gefüllt, Sauerbraten oder Hammelkeule. .Man kann die Kalbsbrust tags vorher fertig machen und anbraten, kann am zweiten Feiertag aufwärmen und abends kalt aufschneiden mit etwas falscher Mayonnaise. Zum Sauerbraten eignen sich Kartoffelklöße, die man am Tage vorher in der Schale gekocht, abgezogen und durchgedreht hat. Es bleibt am Feiehag nur ba£ Fertigmachen, Formen und Kochen in Salzwasser übrig. Apfelkompott kann die Hausirau am Tag vorher kochen und fertig­machen. Das Gemüse kann ebenfalls schon geputzt werden, damit die Hausfrau das Weihnachtsfest in Ruhe verbringen kann. Wenig Arbeit macht auch Huhn oder Kalbsfrikassee mit Reis. Vom übrig» gebliebenen Fleisch und Reis kann man am ande­ren Tag einen leckeren Auflauf machen, der in we­nigen Minuten vorbereitet ist und am zweiten Tag nur V2 Stunde im Backofen gebacken zu werden braucht. "

Rezept für den ersten Feiertag: Kalbfleisch etwa IV2 Pfund ohne Knochen oder ein Huhn von 2 Pfund mit Suppengrün und etwas Zitrone und Salz garkochen in reichlich Brühe. Reis 1 bis IV2 Pfund mit etwas Fett oder Butter hellgelb anbra­ten, mit etwa 2 Liter Brühe auffüllen und ankochen lassen. Dann in der Kochkiste oder einfach in ganz vielen Zeitungen gar ziehen lassen.

Rezept für den zweiten Feiertag: Das Fleisch wird von den Knochen gelöst, in kleine Stücke ge­schnitten, dann abwechselnd eine Lage Reis, eine Lage Fleisch und Tunke in eine gefettete Auflauf­form gefüllt, obenauf Reis und etwas Tunke, ein wenig Reibkäfe und kleine Butterflöckchen, V2 Stunde im Backofen hellgelb gebacken. Man kann dazu Salat oder selbsteingemachte Früchte essen. Auch Suppenfleisch ist ein empfehlenswertes Gericht. Man hat dann für zwei Tage Fleischbrühe, worin man Fadennudel gekocht hat. Am ersten Tage ißt man Suppenfleisch mit Gemüse und Petersilien- kartoffeln. Am anderen Tag wird das Fleisch in Stücke geschnitten, eine dunkelbraune Mehlschwitze gemacht, mit Apfel- ober Obstwein, Zitrone (evtl, etwas Zucker) und Salz abgeschmeckt, das Fleisch hinzugegeben und dazu Kartoffeln und Salat oder Gemüse.

VerAnupster WeihngchMann.

V. A. Wir meinen natürlich nicht, daß er ver­ärgert ist. Dazu hat er ein viel zu gutes Herz. Bei seinen verschlungenen Wegen durch kalte Straßen und warme Stuben kann er sich aber tatsächlich leicht einen richtigen Schnuvfen holen. Und wer möchte wohl, daß ausgerechnet der Weihnachts­mann krank werde?

Gäbe es nur einen leibhaftigen Weihnachtsmann, dann wäre es mit uns allen schlecht bestellt. So aber steckt er ja in jedem von uns drin, und jeder, der das Herz des Weihnachtsmanns besitzt und sich dann den Schnupfen holt, kann natürlich nicht seine Weihnachtspflichten erfüllen. Versucht er es doch, steckt er bloß noch die anderen Menschen an und hindert auch sie an ihren weihnachtlichen Pflichten. Deshalb sollte gerade jeder besonders vorsichtig sein und den Weihnachtsmann in ihm nicht durch einen Schnupfen außer Gefecht setzen.

Der Schnupfen stürzt sich am liebsten auf ängst­liche Leute. Wenn es draußen plötzlich winterkalt wird, dann packen sie sich in die dickste Winter­kleidung und meinen nun, gegen den Schnupfen genügend gewappnet zu sein. Meist erreichen sie damit aber nur das Gegenteil. Der Körper wird nämlich im Vergleich zur Außentemperatur über­mäßig warm. Kommt er dann in einen überheizten Raum, so geht das Kribbeln in der Nase schon los. Je wärmer die Zimmerluft ist, desto trockner ist sie meist auch, und desto flüchtiger wird der Staub, der auch im bestabgestaubten Zimmer noch aufflieat. Dieser Staub ist aber der stärkste Bundesgenosse des Schnupfens, weil er die feinempfindlichen Schleimhäute unserer Atemorgane funktionsunfähig macht. 'Die Schleimhäute der Nase, die normaler­weise gegen die Staubkörnchen wie ein Filter wir­ken, funktionieren nur, wenn sie durch eine über­triebene Heizung nicht ausgetrocknet werden. So­lange sie feucht sind, sind sie unempfänglich gegen­über Fremdkörpern und Keimträgern, die mit den Staubkörnchen in die Nase eindringen. Also auch in geheizten Räumen muß für eine gewisse Feuch­tigkeit der Luft aeforgt werden. Der Zimmer­ofen sorgt an sich ja selbsttätig für die notwendige Lüftung, wenn seine Züge wie bei der Nase die Falten in Ordnung sind. Man weiß ja, daß der Ofen nicht richtig in Gang kommt, wenn beim Auf­legen der Briketts nicht auch die notwendige Luft für eine lebhafte Entflammung vorhanden ist. Die dadurch verbrauchte Luft wird automatisch durch Frischluft ersetzt, die durch die porösen Hauswände und die natürlichen Undichtigkeiten der Türen und Fenster ins Zimmer einströmt. So ist auch im ge­heizten Zimmer stets ein ausreichender Feuchtig­keitsgrad gesichert; die Schleimhäute der Nase wer­den nicht trocken und nicht durch umherfliegenden Staub im lufttrockenen Raum gereizt.

Natürlich kann uns der Schnupfen oder gar die Krippe trotzdem überfallen, wenn nämlich der Körper nicht genügend gegen eine naßkalte Außen­witterung geschützt wird. Es kommt eben immer auf das Verhältnis von Außen- und Jnnentemperatur an. Den freien Raum außerhalb unserer Behausung können wir ja nicht durch Heizung oderStiftung2* regulieren. Aber alles, was dem Schnupfen durch die Zimmerluft-Temperatur förderlich fein kann, können wir verhindern und so schon eine ganze Menge dazu beitragen, daß wir zur Weihnachts­arbeit und zur Weihnachtsfeier nicht verschnupft sind. H. Sch-R.