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Das Vermächtnis von Langemarck.
Reichsleiter Or. Dietrich spricht auf der Gedenkfeier der deutschen Studenten.
den Feldern und Aeckern von Langemarck nutzloses Blutvergießen, zweckloses Opfern war; das heldische Opfer von Langemarck war mehr als eine siegreiche Schlacht des Weltkrieges, es war das lodernde Fanal, das Feuer des Willens, das hier entzündet wurde und das durch feinen inneren Sieg den Weltkrieg überwunden und Versailles bezwungen hat. Wir wissen heute, daß ohne das Blutopfer des 9. November 1923, daß ohne das Feuer des Idealismus, das diese ersten Märtyrer der Bewegung entfachten, das nationalsozialistische Deutschland' nicht erstanden wäre. Aber ebenso gewiß ist es auch, daß ohne den Opfergei st von Langemarck, ohne den Feuergeist der deutschen Kriegsfreiwilligen-Jugend das Dritte Reich nicht Wirklichkeit geworden wäre!
Und es war ja nicht nur die Flamme des Idealismus, die hier entzündet worden war, es war ja auch ein Kriegsfreiwilliger, der dieses Reich erkämpfte. Aus Millionen unbekannter Soldaten des großen Krieges stieg einer empor zur höchsten Spitze des Staates. Wie hätte der Führer in seinem 15jährigen Ringen um die Seele des Volkes die Flamme der Begeisterung in Millionen Herzen spüren können, wenn er nicht selbst erfüllt gewesen wäre von jenem Feuergeist des jungen kriegsfreiwilligen Deutschland und von der Kraft seines Realismus! Er hat das Reich gestaltet nach jenem Bilde, das deutsche Frontsoldaten vier Jahre lang auf allen Schlachtfeldern der Welt im Herzen trugen. „Das Reich der Freiheit, der Ehre und sozialen Gerechtigkeit."
Die nationalsozialistische Jugend soll in ihrer Haltung das lebendige Vermächtnis von Langemarck fein. Sie soll das Feuer, das diese heldischen Opfer des großen Krieges in ihr entzückt haben, weitertragen von Geschlecht zu Geschlecht. Die studentische Jugend ist mitberufen, die Freiheit des deutschen Geistes zu erkämpfen! Sie soll vor allem d i e Wahrheiten suchen, die in ihrem Volke beschlossen liegen. Der nationalsozialistische Gedanke ist eine der unsterblichsten Ideen, die jemals der Welt geschenkt wurden. Mit ihr ist eine gewaltige Geistesmacht in die Geschichte eingetreten. Die todesverachtende stürmische Jugend von Langemarck und mit ihr das heldische Heer der Toten des Weltkrieges, die Kameraden unserer braunen Bataillone, die Rotfront und Reaktion erschossen, sie haben uns die Fahne vorangetragen! Die heutige Jugend nimmt sie in ihre Fäuste mit dem heiligen Gelöbnis, sie zum Siege zu führen!
Reichsstudentenführer Dr. Scheel teilte mit, daß in Zukunft die feierliche Aufnahme der jungen Kameraden des NSD StB. alljährlich am 11. November zu erfolgen hat, damit in jedem Studenten das Vermächtnis von Langemarck lebendig bleibt: Deutschland, Deutschland über alles!
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well die Leserschaft gleichsam sofort auf die Erwar- ung eingestellt worden war, ein neues großes Werk des begrüßten Autors zu erhalten. Aber das Leben gleiche sich hier wieder aus und so dürften wir hoffen, daß sich viele angemeldete Talente in tetiger ausreifender Arbeit zu Darstellern unserer Zeit herauswachsen würden. Der Nationalsozialis- wus habe einige entscheidende, dem Leben dienende Postulate verkündigt und keine abstrakten Dogmen. 3ene vertrete er, ja bisweilen hart, sonst aber wolle kr schöpferischen Persönlichkeiten den größten Spielraum lassen. Der Nationalsozialismus müsse groß- -äumig genug für diese reichen Persönlichkeiten sein. Sine wahre Einheit setze Vielfachheit voraus, die Vielfachheit aber, wenn sie Stil haben wolle, müsse luf ein Zentrum bezogen werden. So habe er seine Aufgabe aufgefaßt und das scheine ihm nach Heber- orüfung von einiger Jahre Arbeit auch auf dem Gebiete des Schrifttums als zweckmäßig. Gerade Hierin bestehe ein Unterschied zwischen Führern und vloßen Herrschern. Nachdem Reichsleiter Rosenberg uuf das Führerproblem im Bezirk des geistigen
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Darmstadt, 20.Nov. Die Beisetzung der ßherzoglichen Familie ist endgültig auf Diene» icy, den 23. November, 15 Uhr, festgesetzt worden. Al der feierlichen Ueberführung am vergangenem Freitag nahmen als Vertreter der Wehrmacht tej-en den bereits genannten Offizieren auch der >i,isionskommandeur General Ritter v. Scho- ert und der Kommandeur des Luftgaus XI Ge- eialmajor Willich (Gießen) teil, ferner als Vertreter des Deutschen Roten Kreuzes Oberst Schröder. Bei dem Prinzen Ludwig sind noch ir:2 Reihe weiterer Beileidstelegramme gegangen, darunter vom Reichsminister des Aus- Htrtigen, Freiherrn von Neurath, Reichs- itser Bouhler, dem stüheren deutschen iciser, der Königin von Italien, der Köni- ir von Rumänien, dem Kronprinzen von >tz)weden, dem Prinzregenten Paul von Ju- ass l a w i e n. — Der König von Bulgarien il-graphierte: „Zur furchtbaren Katastrophe sage ii meine wärmste Anteilnahme und mein innigstes lelleid. Möge die Vorsehung schützend Dich vor inerem Unheil bewahren." — Die vormalige Großem z o g i n Hilda von Baden telegraphierte: „lüfs tiefste erschüttert sprechen Dir allerwärmst- innigstes Beileid aus, von ganzem Herzen mit Lii fühlend." — Das Königspaar von Dä- nemarf telegraphierte: „Sprechen Dir unsere in« rigtte Teilnahme aus." — Der ehemalige Groß- herzog von Mecklenburg: „Sprechen Ihnen twre herzlichste Teilnahme aus zu dem großen Lellust." — Der Oberbefehlshaber des Heeres, Ge- pmloberft Freiherr von Fritsch telegra- ()i'*rte: „Tieferschüttert von der Trauerkunde bitte ich Ew. Grohherzogl. Hoheit zu dem schweren Un- fi'jT, von dem Ihr Haus betroffen wurde, mein yrlliches und tiefempfundenes Beileid und meine mf richtige Teilnahme entgegenzunehmen." — ©au» ab itsführer Faatz telegraphierte: „Das tragische chick, von dem das großherzogliche Haus betroffen ndbe, hat mich tief erschüttert. Ich spreche Eurer LrGherzogl. Hoheit auch im Namen der Führer Mines Arbeitsgaues meine aufrichtige Teilnahme a is‘"
Iriiter den am Mausoleum in schier unüberseh- berir Menge niedergelegten Kränze bemerkt man nd eine Kranzspende der Landesuniversi- 1:1 Gießen, der Stadt Darmstadt, der Offiziere d; ehern. Jnfanterie-Leibregiments, der Flieger- ®ifie, des Eleonorenheims, der Königin Elisabeth
England, des Botschafters von Ribbentrop und itotrer Mitglieder der deutschen Botschaft in London.
schaffens, das die freie Forschung nicht einengen dürfe, eingegangen war, wandte er sich den Problemen des O ft e n s zu, die den Sondergehalt dieser vierten Reichstagung seines Amtes für Schrifttumspflege ausmachten. Zweimal sei auf den Reichsparteitagen zu Nürnberg das Wesen des Bolschewismus beleuchtet worden, aber darüber hinaus bestünde für uns die Pflicht, allen Ursachen des bolschewistischen Phänomens nachzuspüren, denn dieses sei eine Erscheinung, das nicht nur aus den letzten Jahrzehnten, sondern aus vielen Jahrhunderten verständlich werde. Bei allem dürfe man eines nicht übersetzen: Zwischen Sowjetrußland und Deutschland liege eine Anzahl von Staaten, die auch einmal unter schwerster Bedrohung gestanden hätten, heute mit aller Kraft sich bemühten, ein Eigenleben zu führen. Sie alle haben ihr Gesicht nach Europa gekehrt und haben durch diese eine Tatsache allein schon ein geschichtliches Verdienst, eine trennende Mauer zwischen Zentral- und Westeuropa und den bolschewistischen Fluten abgegeben.
Berlin, 21. Nov. (DNB.) Die deutsche Stu- entenschaft veranstaltete am Totensonntag in 93er« tin im Theater am Horst-Wessel-Platz eine Lange- ; narck-Feier. Der Ernst der Feier fand einen sinn- iälligen Ausdruck in einigen zur Verlesung gebrach- Isn Kriegsbriefen gefallener Stu- len t e n , die bereits das Deutschland unserer Tage ihnen ließen. Der Reichspressechef der NSDAP., Leichsleiter ^-Gruppenführer Dr. Dietrich, childerte dann den Geist, der in den Augusttagen 1914 die gesamte deutsche Jugend erfaßte und sprach :on dem unsterblichen geistigen Vermächtnis, das Lese Jugend uns hinterlassen hat. Er zeichnete ein buchtendes Bild von dem heldischen Einsatz deut- cher Jugend in Flandern, der mit dem Sturm auf langemarck in die Geschichte des großen Krieges lüngegangen ist.
Diese deutsche Jugend wußte nicht nur zu stürmen, sie wußte auch zu sterben! Zu ihren ©rä- tern in fremder Erde wurden in diesen Tagen die Iränze der Erinerung getragen. Der Heldenfriedhof on Langemarck, den die deutsche Studentenschaft inen an der Stätte ihres geheiligten Opfers errich- He, birgt das, was an ihnen sterblich ist. Hier in befer feierlichen Weiheftunde aber wollen wir ihr ^sterbliches geistiges Vermächtnis in uns lebendig verden lassen!
In den zehn Gesetzen des deutschen (tudenten, die auf dem diesjährigen Reichs- Iirteitag verkündet wurden, steht das Wort: „Im 'ienen liegt mehr Freiheit als im Eigenen Beseh l". Gibt es einen höheren Be- ' riff, einen tieferen Sinn der Freihit als den, den liefe Freiwilligen des Krieges verwirklichten, sie, iie den Einsatz des eigenen Lebens für die Ge- neinschaft nicht als Pflicht empfanden, sondern als iiyeres Muß den Ausdruck des eigenen Seins? Sio die Stimme des Blutes zum Weck- tj f der Gemeinschaft wird, ist das Blut- oj'fer für die Nation der Freiheit höchster Sieg! । Freiheit „wovon" ist Willkür, ist Zügellosigkeit und sHrt zur Anarchie. Wahre Freiheit, schöpferische ?"eiheit „wozu", jene Freiheit, die der Gemein- fc aff dient und sich bis zur Selbsthingabe ihr ver- b. nden fühlt.
Lind noch ein zweites ist uns aus diesem Geist dNitschen Kriegsfreiwilligentums erwachsen. Er le rte uns nicht nur den Sinn der Freiheit, sondern aief) ihre Tat! „Du kannst nicht anzünden, rann es in Dir nicht brennt", heißt das jr eite jener Gesetze des deutschen Studenten, in brien wir das geistige Vermächtnis der jungen L ten von Langemarck erblicken müssen. Durch ihre eigreifenben Opfer entzündete die sterbende Ju- qnb von Langemarck das Feuer in Millionen und U ermillionen Herzen und hielt es wach durch viele Flhre der Schande und Schmach, bis es endlich dich von einem der Ihren zum Siege getragen w.irbe. Es ist nicht wahr, daß die Todesernte auf
Der 16. November, an dem das furchtbare Unglück in Ostende geschah, dem fast die ganze groß- herzrgliche Familie zum Opfer gefallen ist, ist wie aus einer Zuschrift an das Darmstädter Tagblatt hervorgeht, auch schon früher ein besonderer Schicksalstag des großherzoglichen Hauses gewesen. Am 16. November 1903, also vor 34 Jahren, starb am russischen Zarenhofe in Zarskoje Selo an Paratyphus die kleine Prinzessin Elisabeth, das einzige Töchterchen Großherzog Ernst Ludwigs aus seiner ersten Ehe mit der Prinzessin Viktoria Melitta von Sachsen-Koburg und Gotha und am 16. November 1878 starb an Diphtherie die Schwester des Großherzogs Ernst Ludwig, die Prinzessin M/o r i e, der wenige Wochen später am 14. Dezember 1878 die Mutter, die Großherzogin Alice, eine Tochter der Königin Viktoria von England, in den Tod nachfolgte.
Oie Trauerfeier für Arthur Martens.
Lpd. Frankfurt a. M., 21. Nov. Nachdem am Samstag die Heddernheimer Kupferwerke eine Gedenkfeier für ihren bei dem Flugzeugunglück bei Ostende ums Leben gekommenen Arbeitskameraden Dipl.-Jng. Arthur Martens veranstaltet halten, fand am Sonntagmittag a u f dem Frankfurter Hauptfriedhof die Einäscherung der sterblichen Ueberrefte statt. Zu der Trauerfeier hatten sich neben zahllosen Freunden Arthur Martens Vertreter der Partei und ihrer Gliederungen, der Wehrmacht, Arbeitskameraden und Tausende von Volksgenossen eingefunben, um dem Flieger bie letzte Ehre zu erweisen. Ehrenstürme mit umflorten Fahnen hatten zwischen brennenden Pylonen Ausstellung genommen, als der Sarg von Fliegerkameraden unter einem Segelflugzeug, das den Namen des Verewigten trug, aufgebahrt wurde. Pfarrer G r ö n h o f f gab in seiner Gedenkrede einen Ueberblirf über das Leben Arthur Martens, der, aus der Richthofen-Staffel hervorgegangen, als Pionier des Segelflugs und der Nachkriegssliegerei unvergessen bleibe. Die große Liebe und Verehrung, deren sich Arthur Martens in allen Kreisen, besonders aber bei seinen alten Fliegerkameraden erfreute, klang aus den Abschiedsworten, die ihm die Männer widmeten, mit denen er auf der Wasserkuppe und im Berufsleben zusammengearbeitet hatte. Vertreter der Partei, der Wehrmacht, des Flugwesens und zahlreicher Organisationen überbrachten Kranzspenden als letzten Gruß.
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Mit Roald Amundsen am Südpol.
Helmer Haussen erzählt aus seinen Erinnerungen.
In Tromsö lebt, etwas außerhalb der Stadt, in einem kleinen rotgemalten Hause, dessen Gärtchen im Sommer über und über blüht, in beschaulicher Ruhe Helmer Haussen, der Gefährte A m u n d- f e n 5 auf der Fahrt zum Südpol, sein Kapitän auf allen seinen Polarsahrten. Der heute Sieben» unosechzigjährige ist ein kleiner Mann mit einem vertrockneten Gesicht, in dem Jochbein und Kinn stark hervortreten, mit lebhaften Augen, die tief unter der hohen Stirn liegen. Alles an ihm und in feinem Häuschen atmet Bescheidenheit, wie er sich auch immer damit begnügt hat, im Schatten des stets sehr selbstbewußten Amundsen zu stehen. Im letzten Sommer hat ihn (Tesco Tomaselli, ein Mitarbeiter des „Corriere della Sera", in seinem Heim besucht und gibt nun eine fesselnde Schilderung von diesem stillen Helden, dem „letzten Wikinger", wie er ihn nennt.
Hanssens einfache Häuslichkeit hat nichts von einem Museum wie es oft bei Forschungsreisenden zu beobachten ist. Ein mächtiger ausgestopfter Albatros, der fast vier Meter klaftert, ein paar Bärenfelle,
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die vielleicht an Abenteuer erinnern, ein Holzlöffel mit dem Schiffsnamen „M a u d", der Chronometer, der in der endlosen Polarnacht die Stunden anzeigte, und an den Wänden einige Photographien, das ist alles.
Oie Momentaufnahme am Südpol.
Ein Bild zieht die Aufmerksamkeit besonders auf sich. Man sieht ganz ermattete Hunde, mit der Schnauze auf den Pfoten, und neben ihnen steht ein Mann auf Skiern, in eine Windjacke gewickelt, der eine Peitsche in der Hand hält. „Das bin ich", sagt Haussen. Die Photographie trägt dasselbe Datum wie ein Kompaß, der auf einer Konsole liegt: 14. Dezember 1911" — das Datum der Ankunft am Südpol! Haussen führte den Leitschlitten mit diesem Kompaß. „Diese Aufnahme ist für dich", hatte Amundsen gesagt, als sie an ihr Ziel gelangt waren, „aber jetzt mußt du uns zurückbriugen." Wochen und Wochen hatten sie nichts anderes getan als über die ungeheuren weißen Flächen vorwärts zu stürmen. Jetzt mußten sie diesen tob» drohenden Weg noch einmal zurücklegeu, in die Welt zurückkehreu, die Frucht ihrer Entdeckung wie einen retten.
Heute ist es kalt, — 61 Grad.
Wenn Haussen davon erzählt, ist nichts von dieser Augst zu spüren. Er spricht vom Südpol mit der unbeteiligten Objektivität eines Kanzleisekretärs. ,Od es kalt war? Natürlich; in jenen Gegenden ist es doch selbstverständlich kalt. Aber ein Tag war doch, da war es schlimmer als gewöhnlich, an dem ich zu Amundsen sagte: „Heute habe ich den Eindruck, daß es kalt ist." Ja, es war ein Augustmorgeu, an dem wir, als wir aus dem Zelte kamen, fanden, daß das Thermometer 61,8 Grad unter Null anzeigte." „Aber was empfanden Sie bei dieser Temperatur?" fragte der Besucher, „wirkte sie stark körperlich auf Sie?" „Freilich. Sehen Sie, das muß ich Ihnen erklären. Es war kein Wind. Bei Wind können aucy zehn Grad unter Null eine Qual fein. Aber wenn es wirklich kalt ist, ist die Luft tot. Dann steigt die Flamme eines Streichholzes senkrecht hoch, und wenn man den Arm ausstreckt, sieht man es schneien, weil der Atem zu Schnee wird, sobald er aus dem Munde heraustritt."
Ein Marsch von 196 Tagen.
Haussen war 1902, als Amundsen die berühmte klein Pacht „Gjöa" in Tromsö gekauft hatte, in der er seine ersten Fahrten machte, von diesem als Pilot durch die Eisfelder gewählt worden. Die Fahrten dauerten Jahre, die Reise der „Maud" drei, in denen sie für die Welt verschollen waren. Eines Tages, als sie in den Eisfeldern eiugefchlosseu waren, rief Amundsen Haussen und Wistliug, der im vorigen Jahre in Oslo gestorben ist, und sagte zu ihnen: „Wir müßten dieses Telegramm aufgeben." Die beiden beluden einen Schlitten und fuhren mit 12 Hunden nach der sibirischen Küste ab, um das nächste Telegrapheuamt zu suchen. Es war der 1. Dezember 1919. Unterwegs wurde Wistliug krank, und Haussen mußte ihn bei einem Amerikaner lassen, einem früheren Goldsucher von Alaska, der jetzt als Pelzhändler bei den Tschukt» scheu tätig war. Bei der Rückkehr nahm Haussen ihn wieder mit. „Und die Telegramme?" „Alle abgesandt. Der Beamte versicherte mir, daß sie noch an demselben Abend ankommen würden. Auch die Antworten kamen an. Aber um die Telegramme aufzugebeu, mußte ich hin und zurück eine Reise von 100 Meilen machen; ich war unterwegs vom 1. Dezember 1919 bis zum 14. Juni 1920, genau 196 Tage. Das ist alleichaud, um ein Telegramm auf« zugebeu ..
Als Haussen selbst ein wenig zweifelnd uachrechuet und feststellt, daß die Zahlen stimmen, fragt der Besucher: „Aber im Jahre 1920 hatten doch alle Schiffe schon Radio ..." „Amundsen wollte nicht. Und er hatte Recht. Wenn ich heute wieder zu einer solchen Reise aussahreu müßte, würde ich es auch nicht wollen. Da kommt, nehmen wir an, die Nachricht, daß in der Familie jemand krank ist. Wozu soll das nützen? Mau kann doch nicht den Schnellzug nehmen und nach Hause rasen. In manchen Lagen ist es besser, nichts zu wissen. Der Sinn bleibt heiter, und man erfüllt besser seine Pfticht..."
C. K.
Nervosität in Paris.
Auf der Jagd nach den Leitern der Geheimorganisation.
Paris, 20. Nov. (DNB.) Die Nachforschungen nach den Leitern der Geheimorgauisation sollen so weit gediehen fein, daß in Kürze deren Verhaftung zu erwarten sei. Die Namen der Betreffenden sollen angeblich der Polizei genau bekannt fein, doch will man sie noch nicht veröffentlichen, um zu verhindern, daß sie sich durch eine Flucht ins Ausland retten. Die französischen Flugplätze und Bahnhöfe und sämtliche Ausfallstraßen von Paris, vor allem auch die Grenzübergänge werden von der Gendarmerie scharf bewacht, da einige Rädelsführer bereits in Kraftwagen auf der Flucht fein sollen. Sämtliche Automobile wurden auf Waffen untersucht. Der „Jour" will wissen, auf den Militärflugplätzen sei Alarmbereitschaft angeordnet, die Soldaten dürften die Kasernen nicht verlassen. — Die Nachforschungen nach den angeblich vorhandenen 2 00 Geheimsendern hat bisher nur zur Entdeckung eines einzigen Senders geführt. Allem Anschein nach hat dieser Geheimsender in einem Pariser Vorort gearbeitet.
Die Zeitungen fordern die Namensangabe der Anstifter dieser „riesigen Geheimorganisation des Bürgerkrieges", wie der „Paris Soir" schreibt. Die Betreffenden müßten mit aller Schärfe bestraft werden, und die Aufftandsbewegung sei in ihren Anführern niederzuschlagen. — Der „Populaire" schreibt, daß der Charakter der Geheimbünde, die unterirdischen Lager und Gefängnisse auf be deutende finanzielle Mittel schließen ließen. Die notwendige Schlußfolgerung sei daher die, daß die eigenen Mittel dazu niemals ausgereicht hätten, und daß unbedingt eine oder mehrere ausländische Mächte an der Finanzierung des Unternehmens beteiligt gewesen seien. Es scheine sogar, als ob sich die Unterstützung nicht nur auf finanzielle Mittel beschränkt habe, sondern auch ausländische Fachleute an der Ausarbeitung und Durchführung der Pläne mitgearbeitet hätten. Das Ziel der Verschwörung sei aber zweifellos der Sturz der Republik und die Errichtung eines faschistischen Regimes gewesen.
Kunst und Wissenschast.
50 Jahre physikalisch-technische Reichsanstalt. Die Physikalisch-Technische Reichs- anftalt in Charlottenburg beging in der neuen Aula der Berliner Universität die Feier ihres 5 0- jährigen Bestehens. Reichsminister R u st überbrachte die herzlichsten Glückwünsche des Führers und der Reichsregierung. Er betonte, dieser Glückwunsch der Reichsregierung sei als ein Bekenntnis zu der Arbeit und zu den Zielen der Anstalt und zur deutschen Wissenschaft und Forschung überhaupt aufzufassen. Ein großes Werk sei in diesen 50 Jahren vollbracht worden, und die Reichsanstalt habe ganz besonderen Anteil an dem Sieges» Zug, den dieses halbe Jahrhundert gebracht habe. Wie der echte Forscher und Wissenschaftler habe der Führer zunächst die ewigen Gesetzlichkeiten zur Grundlage seines Kampfes genommen. Denn wer zum höchsten Ideal strebe, muffe fest auf dem Boden der Wirklichkeit stehen. So sehr auch den Forscher ein höherer Sinn als der bloße Lebenstrieb
erfülle, so dürfe er doch niemals außerhalb der Wirklichkeiten dieser Erde leben und Anhänger einer sogenannten „wertfreien" Wissenschaft sein.
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Der Führer und Reichskanzler hat aus Anlaß der 50-Jahrfeier der Physikalisch-Technischen Reichsanstalt dem Präsidenten Prof. Dr. Stark seinen Glückwunsch und seine besten Wünsche für eine erfolgreiche Weiterarbeit der Anstalt übermittelt.
Oas erste staatliche Operetten-Theater in Deutschland.
Nach dem auf eine Anordnung des Führers ^urückgehenden in vier Monaten durchgeführten Umbau des Gärtnerplatztheaters hat nun München eine baulich und technisch vollkommen neuzeitliche Operettenbühne, das erste staatlich geleitete Operettentheater Deutschlands. Die Eröffnungsvorstellung mit der Operette „Die Fledermaus" von Johann Strauß gestaltete sich in Anwesenheit des Führers, feines Stellvertreters Rudolf Heß und des Reichspropagandaministers Dr. Goebbels zu einem besonderen Ereignis. Die Aufführung, von Carl Erhard- Hardt inszeniert, wurde unter der musikalischen Leitung von Georg Lippert, mit den Bühnenbildern von Hermann Kaspar und der Tanzge- staltung von Hans Schäfer zu einem verheißungsvollen Auftakt der neuen Spielzeit. — Nach der Eröffnungsvorstellung hatte Gauleiter Staatsminister Wagner, der Betreuer des Kunst- und Theaterlebens in Bayern, im Regina-Palast-Hotel zu einem geselligen Beisammensein eingeladen.
Aus aller Wett.
Typhus-Epivemie in London.
Die Entwicklung der Typhus-Epedemie die vor drei Wochen in der Londoner Vorstadt Croydon ausgebrochen ist, wird von der Londoner Bevölkerung mit Besorgnis verfolgt. Während die Aerzte den Höhepunkt der gefürchteten Krankheit bereits letzte Woche für gekommen hielten, haben sich die Typhusfälle nicht nur in Croydon erheblich vermehrt, sondern es ist jetzt auch im Zentrum Londons Typhus festgestellt worden. In Ken« fington liegen bereits fünf Typhusbehaftete darnieder. Zwei weitere Personen sind hier gestorben. In Croydon beläuft sich die Zahl der Typhuskranken auf 137, wovon am Sonntag 13 neue Fälle verzeichnet wurden. Insgesamt sind hier sieben Personen der Krankheit erlegen. Die Londoner Morgenzeitungen, die in großer Aufmachung die Beunruhigung dec Oeffentlichkeit über die Epidemie zum Ausdruck bringen, berichten, daß die Krankheit auch in Cardiff in Südweft-England ausgebrochen sei, wo sechs Personen von ihr befallen seien. Für nächsten Mittwoch ist in London eine Sitzung von 300 Aerzten anberaumt worden, die über Mittel und Wege zur wirksamen Bekämpfung der Epidemie beraten sollen.
Schweres Eisenbahnunglück in Andalusien.
Auf dem Bahnhof Alanis (Andalusien) fuhr ein Eisenbahnzug mit Kriegsgefangenen, die In das Gefangenenlager Andalusien übergeführt werden sollten, mit einem Güterzug zusammen. 49 Per so« neu wurden getötet, über 100 verwundet. Die Verletzten wurden in ein Hospital in Sevilla eingeliefert


