Einzelbild herunterladen

X

535 gültig.

erung

lnkfurl. rbel enf, Qnb ver-

-Quhiann

. RiBere eine Le,

S «u*o.

it Ätriflit

;W

'7. Per.' jJ Pei )tter Na.

tan.

J Tarnt.' Bei.'

kochen kach mfiL »4«n andgassej oerl., Äß ip*

Üf °l"v

bsp* Näbkenntn.

bet gu» ssfe

WD

m &"tn3l0<

SK

feilt» dort.Vertre- g als Bezirks- er gesucht. hDauerverd. nf gkich. ostenfreie I inführung I ingiloW tvellRh-We

^Jdjon , uNen °en Wirb. . voraus, MNg

Winde.

Vange.

>jt Slum. ,e Silber: Äriot* ^zeigen. lht)Qlt der M: 9090. Ist) ruderet Jtsbejuos. liellgebühr, eloerkoufs.

mit bet

Ur.22' Zweites Blatt

Mittwoch 22. September |937

Gießener Anzeiger tGeneral-Anzetger für Oberhessen)

auf

also

ent»

Ausbildung bekommen, wie er es sich gewünscht

der der der

wickeln. Vielfach litt der Blüteoerlauf im Frühling unter der Nässe oder unter dem kalten Wetter, das Ende April und anfangs Mai herrschte. Deshalb war auch der Ertrag an Kirschen, Mirabel - l e n und Frühpflaumen mäßig. Besser hielten sich dagegen Pfirsiche, vor allem an der Berg­straße, im Rheingau und im Taunus. Als gut wird die Ernte in Zwetfchen bezeichnet, allerdings mit Ausnahme, denn es gab Orte, die fast keinen Behang an den Zwetschenbäumen zeigten, während in den Nachbardörfern durchaus zufriedenstellende Ernteerträge vorhanden waren. Ganz allgemein

LPD. Das Rhein-Main-Gebiet hat nicht nur für die heimische Obstversorgung besondere Bedeutung, sondern es ist darüber hinaus auch Lieferant für weite, weniger obstreiche Landstriche unserer Hei­mat.

schon Ende August und anfangs September den Märkten. .

Viel Aepfel, Birnen knapper.

Sehr zufrieden kann man mit dem Ertrag Aepfelbäume sein, die im Taunus, in W e t t e r a u , im Rheingau, im Ried und an

des Rhein-Main-Gebietes mindestens normal, gut gewesen ist.

Steinobff litt unter der Nässe.

Weniger günstig konnte sich das Steinobst

Ausgezeichnete Beerenernte.

Ueberall im Rhein-Main-Gebiet war die Beeren­ernte, soweit es sich um Johannis- und Sta­chelbeeren handelte, recht gut, so daß nicht nur der häusliche Bedarf voll gedeckt werden konnte, sondern auch genügende Mengen für die Marme­ladefabrikation übrigblieben. Ungleichmäßiger ist die Erdbeerernte ausgefallen, die unter der Trockenheit litt. Mengenmäßig dürfte der Ertrag des Vorjahres in den meisten Erdbeergemeinden nicht erreicht worden sein, obwohl der Fruchtansatz ungewöhnlich reich war. Aber die Erdbeere braucht nicht nur warmes Wetter, sondern auch Nässe. Heidelbeeren gab es reichlich in den ersten Erntewochen. Die «Sammler in den Wäldern des Taunus, des Odenwaldes und der Pfalz fanden die Sträucher übersät mit den leckeren blauen Bee­ren, aber die späteren Sorten fielen vorzeitig ab, da ihnen Feuchtigkeit fehlte. Das gleiche' gilt von den Himbeeren, die frühzeitig zu Ende gingen. Dafür gab es aber große Mengen Brombee­ren. Man kann wohl sagen, daß in einzelnen Ge­genden, etwa an der Bergstraße und im Rhein­gau, die Beerenernte überdurchschnittliche Erträge gebracht hat, und daß sie in allen andern Orten

fache wird ihm immer wieder entgegentreten: Es be­steht ein allgemeines Mißverhältnis zwischen den Ab­messungen der verfügbaren Wohnräume und den allgemeinen angebotenen Möbelstücken. Fast noch schlimmer aber ist es zu bewerten, daß Möbel in der für ihn als Inhaber einer Kleinwohnung ge­gebenen Preisgrenze meist nur minderwertige Nach­ahmungen teurer Möbelformen darstellen.

Es erwächst für Hanhwerk, Industrie und Handel die Aufgabe, dafür zu sorgen, daß geeigneter Klein­wohnungshausrat -auf den Markt kommt, der frei ist von kurzlebigen modischen Einflüssen und sich zugleich in der Preisgestaltung der Kaufkraft der Mehrheit unserer Volksgenossen anpaßt. Durch das Reichsheim st ättenamt der Deutschen Arbeitsfront ist mit der Herausgabe grund­legender Bestimmungen über Siedlerhausrat und mit den in Gemeinschaftsarbeit festgelegten Liefer­bedingungen für Siedlerhausrat bereits vorbildliche Arbeit hierfür geleistet worden ebenso durch das Hausratzeichen der Deutschen Ar­beitsfront. Durch die Werbeschau des Deutschen Möbels soll nun erreicht werden, daß innerhalb der Gesamtherstellung guter deut­scher Möbel auch der Hausrat für Kleinwohnungen und Siedlungsbauten stärker als bisher gepflegt wird.

Hausrat für Kleinwohnungen

N S G. Wer heute als Kleinwohnungsinhaber mit bescheidenen Einkünften vor der Aufgabe steht, den Hausrat zu beschaffen, kennt die Schwierig­keiten, die ihm auf der Suche nach geeigneten Ein­richtungsstücken begegnen. Vor allem die eine Tat-

Gute Obsternte im Rhein-Main-Gebiet

Aber keineswegs gleichmäßiger Behang.

ren studier! er die Bücher:W ie baue i cb ein Einfamilienhau s?" Skizzen hat er schon mehrere gemacht; in zehn Jahren wäre er vielleicht so weit gewesen. Um so schöner, daß dieser Wunsch schon jetzt in Erfüllung gehen kann. Für ihn ist das Problem jetzt gelöst/.,Wie baue ich ein Ein­familienhaus?" Mit Hilfe der Preußisch-Süddeut­schen! Uebrigens spielt er auch schon länger als zehn Jahre in der Lotterie, früher nur in einer an­deren Stadt Er wird weiter spielen.

Nachdem wir auch der Frau weiterhin viel Glück und vor allem gute Erholung gewünscht haben, scheiden wir. Acht Leute und jeder 50 000 Mark. Wieviel Menschen mögen an diesem Glück teil­haben? Aber das muß man sagen: Haltung haben die Hallenser! Sie lassen sich durch nichts aus der Ruhe, aus dem durch Arbeit und Pflicht oorge- schriebenen Gleise bringen, selbst nicht durchs Große Los.

Das muß man sagen: Die Verwaltung der Preußisch - Süddeutschen Klassenlot­ter i tz arbeitet präzise und schnell, musterhaft: Punkt neun Uhr wurden, unter Höchstspannung eines mit Zuschauern vollbesetzten Saales, die Glücksräder in Bewegung gesetzt. Zweimal ein ton­vollesHm", was Einsatzgewinn oder 150 Mark bedeutet bann:300 Mark!" Das Große Los auf Nummer 1 96 7 1 0. Fünf Minuten spä­ter wissen wir bereits, daß bas Los in Vierteln ge­spielt wirb, in ber einen Abteilung in Schlesien, in ber anberen Abteilung in Halle.

Wir steigen in ben kleinen Wagen: Auf nach Halle; wir sollen dabei sein wenn ben Glückspilzen bie Freudenbotschaft überbracht wird. In Vierteln wird das Los gespielt? Das sind je 200 000 Mark für jeden, märchenhaft. Wir fahren über die Avus, Potsdam liegt bald hinter uns. Das Laub der Bäume zeigt den Frühherbst an; goldbraun, wein- rot, dunkelgrün das gibt einen kräftigen Farb­akkord. lieber dem Fläming pfeift ein unfreundlicher Wind; wir ziehen die Mäntel fester und schlagen den Kragen hoch. Aber den Windmühlen, die hier noch nicht durch die moderne Technik umgelegt wurden, ist dieser Wind gerade recht. Wittenberg, bie Lutherstadt, ist freundlich geschmückt, Stadt­kirche, Schloß und Schloßkirche bilden eine impo­sante Silhouette. Jenseits der Elbe ändert sich das Landschaftsbild. Reichs-Elektrowerke, Braunkohlen­bergbau, Fabrikanlagen das ist die moderne Industrielandschaft, reizvoll unterbrochen durch hoch­gelegene Ortschaften, weitragende Kirchtürme und einige wenige Wälder.

Halle finden wir in einiger Aufregung. Die Zei­tungsfilialen sind umlagert. Freudestrahlend emp­fängt uns der Lotterieeinnehmer, dem unser Kom­men telephonisch angekündigt ist.Endlich ist das Große Los nach Halle gefallen, fast sah es schon so aus, als wollten die Berliner es stets für sich haben!" Wir erklären ihm, daß doch Berlin 20maI so viel Einwohner hat, wie Halle, daß die Berliner außerdem sehr fleißige Lotteriespieler seien, daß die Berliner verhältnismäßig nicht mehr gewännen als bie Provinz. Ader keine langen Reben wir wol­len boch bie Freubenbotschaft überbringen.

Zu Dritl fahren wir los, in bie östliche Vorstabt. Es ist niemanb zu Haus. Also kehrt an bas ent­gegengesetzte Ende ber Stadt. Hier wohnt ein Spie­ler, der sogar zwei Viertel hat.Bei mir spielt er Zum ersten Male; ich kenne ihn gar nicht", erzählt unser Einnehmer. Wir kommen in eine kleine Straße, die alle Bausünden der Vorkriegszeit auf­weist unfreundliche, schmucklose Miethäuser, da­zwischen Lagerplätze und kleine Industrieanlagen. Hier soll jemand wohnen, der demnächst 400 000 Mark sein eigen nennt? Dafür kann er ja die ganze Straße kaufen! Wir haben kein Glück mit den Glücklichen. Auch dieser ist nicht zu Hause; er kommt erst gegen Abend von der Arbeit.

Den dritten Spieler fassen wir endlich. Aber leider eine Unterhaltung mit ihm ist unmöglich. Mit Geld hat er täglich zu tun, mit viel Geld so­gar. Er ist Kassierer eines großen Unternehmens. In aller Kürze teilt ihm der Lotterieeinnehmer mit, warum hier plötzlich drei Mann bei ihm erscheinen. Skeptisch hört der Spieler, was ihm gesagt wird. Das Große Los? Er begreift nichts, er denkt viel zu sehr an seine Arbeit, an seine Kasse. Erst als er die Botschaft zum zweitenmal vernimmt, da zuckt es plötzlich über sein Gesicht, er lacht, wir beglückwünschen ihn unauffällig aber er kann hier ja nicht fort, er kommt morgen. Etwas ver­dutzt steigen wir wieder in den WagenWenn einer 30 Jahre oder länger seine Arbeit tut und nichts als seine Pflicht kennt und darüber, wie dieser hier, alt und grau geworden ist, dann gidt's nichts, was ihn von seiner Pflichterfüllung abhalten könnte. Und wenn's das Große Los wäre!" Ob er bas Los allein spielt? Wir wissen es nicht.

Stippvisite bei Glückspilzen

Wenn man das Große Los gewinnt...

Gegen Abenb sind wir wieder vor dem kleinen Haus in der östlichen Vorstadt. Das hier ist ein alter Bekannter, ein treuer Kunde unseres Ein­nehmers.Heil Hitler! Herr M., wir haben wieder einmal einen Heinen Gewinn gemacht!"So, wie­viel ist es denn?" Erst jetzt bemerkt der Spieler, ein rüstiger älterer Mann, daß der Einnehmer nicht allein gekommen ist.Nicht aufregen, es ist dieses- mal eine ganze Menge, es hat sich gelohnt, es ist das Große Los!"Wie ist denn das möglich?" Etwas blaß ist er doch geworden; aber er faßt sich schnell. Wir müssen es ihm schwarz auf weiß zei­gen, daß es seine Nummer ist, die das große Rennen gemacht hat Etwas spät kommt es ja, das große Glück. Er ist, was man ihm nicht ansieht, an die 70 Jahre, und seine Frau ist schon einige Jahre tot. Sein Leben lang hat er tüchtig arbeiten müs­sen; vom Lehrling zum Handwerksmeister ist ein schwerer Weg Den Betrieb hat er zwar seinem Sohn übergeben, aber er hilft immer noch ordentlich mit. Jetzt wird ers sich etwas bequemer einrich­ten; um Dummheiten zu machen, dazu ist er ja zu alt. Immerhin, wenn er so alt wird, wie seine Eltern, dann hat er noch gute 30 Jahre vor sich. Die weitere Unterhaltung ergibt, daß »rein alter Kunde der Preußisch-Süddeutschen ist. Wohl an die 40 Jahre spielt er schon. Glück hat er öfter in seinem Leben gehabt. Schon einmal hat er einen Hauptgewinn gemacht; in einer Tombola gewann er einen Flügel.Die jungen Leute? Die bekom­men vorläufig keinen Pfennig! Die sollen arbeiten. Ich habe auch mehr als 50 Jahre vom Morgen bis in die Nacht arbeiten müssen." Er wird alles in Ruhe abwarten. Wenn das Geld ba ist, bann wirb er sich entschließen, wie es angelegt wirb. Einige Verwanbte, ja, bie wirb er unterstützen. Da ist einer, ber vor Schulden nicht aus ben Augen gucken kann; ein anberer kommt auf keinen grünen Zweig, weil sein Betriebskapital zu klein ist. Und diese Nacht, versichert er, wird er genau so gut schlafen wie sonst; eine Flasche Bier wird er trinken, weiter nichts. Was hat der Mann für Nerven! Sie sind vielleicht das Geheimnis seines erfolgreichen Ar­beitslebens, seines großen Glücks.

Aber es ist dunkel geworden, höchste Zeit, noch einmal zu unserem dritten Mann zu fahren. Jetzt ist er zu Hause; er wußte es schon. 400 000 Mark feiert er jetzt ein rauschendes Fest? Fließt der Sekt in Strömen? Nichts von alledem; als wir kommen, sitzt er an seinem Schreibtisch, schon wieder über seine Arbeit gebeugt. Strahlend nimmt er un­sere Glückwünsche entgegen. Er hatte, auf dem Wege nach Hause, im Vorübergehen eine Zeitungs­überschrift gelesen, so obenhin auch die Nummer ge­sehen. Einige Schritte weiter kommt ihm der Ge­danke:Ist das nicht deine Nummer?" Zurück und noch einmal gelesen 106 7 10! Ob's nicht ein Druckfehler ist? An einer anderen Zei­tung die Nummer noch einmal geprüft und nun im Eilschritt nach Haus, bis er die beiden Viertel­lose in Händen hat die Nummern stimmen! Ob er allein spiele?Wo denken Sie hin? Acht Mann teilen sich in den Gewinn, alles technische und kauf­männische Angestellte." Acht Mann, da bekommt jeder 50 000 Mann. Gebrauchen können sie's alle. Einer hat sich ein kleines Haus gebaut und wußte schon nicht, wie er es durchhalten sollte. Mehrere haben eine große Familie.

Bei ihm selbst fommts gerade zur rechten Zeit. Seine Frau, seit Jahren schwerkrank, kann nun endlich eine Kur machen. Seinem Vater, dessen Grundstück demnächst zur Zwangsversteigerung kommen sollte, wird er vor einem argen Schicksal bewahren. Vier Jahre Krieg und drei Jahre Arbeitslosigkeit sind schließlich auch an ihm nicht spurlos vorübergegangen Sein Arbeitseinkommen kann er jetzt verbrauchen; die Kinder werden eine

Bergstraße gut trugen, wobei es allerdings erheb­lich mehr Wirtschaftsobst gibt Die besseren, aber auch empfindlicheren Sorten, tragen auch in guten Aepfeljahren nicht so reich. In manchen Dörfern hätte der Ertrag der Aepfelernte noch wesentlich besser sein können, wenn man auf die pflegliche Behandlung der Obstbäume sorgfältiger achten wollte. Den Birnen hat das Wetter während der Blüte nicht zugesagt, es war zu kalt. Die Be­fruchtung ließ deshalb zu wünschen übrig, in eini­gen Gegenden haben auch späte Nachtfröste den ohnehin geringen Behang schwer geschädigt. Wohl werden augenblicklich genügend Birnen angeboten, aber die Vorräte sind mefft nicht sehr groß, vor allem in den besseren Sorten. Wirtschaftsbirnen gibt es am meisten, da sie auch keineswegs so emp­findlich sind, wie die besseren Birnen und das Spalierobst.

Nußernle sehr gut.

Schließlich darf man die ungewöhnlich gute Nuß­ernte nicht übersehen, die dieser Herbst gebracht hat. Sie wird an der Bergstraße als Rekordernte bezeichnet, im Rheingau ist sie gut, im Taunus ist man mit der Nußernte zufrieden. Da nach den Nüssen erhebliche Nachfrage besteht, dürsten in den nächsten Jahren zu den zahlreich angepflanzten neuen Nußbäumen noch weitere hinzukommen.

^unbfunfprogramm

Donnerstag, 23. September.

6 Uhr: Choral, Morgenspruch. Gymnastik. 6.30: Frühkonzert. 7: Nachrichten. 8.10: Gymnastik. 8.30: Bäderkonzert. 10: Schulfunk. 10.30: Hausfrau, hör zu! 11.40: Deutsche Scholle. 12: Mittagskonzert. 13: Nachrichten (auch aus dem Sendebezirk). 13.15: Mittagskonzert. 14: Nachrichten. 14.10: Dem Opern­freund. 15: Volk und Wirtschaft. 15.15: Für unsere Kinder. 16: Operettenmusik im Wandel der Zeit. 18: Zeitgeschehen im Funk. 19: Kunterbunt??? Ein buntes Mosaik von Sendungen. 20: Nachrichten. 20.10: Kunterbunt??? 21.15: Konzert. 22: Nach- richten (auch aus dem Sendebezirk), Sportbericht.

ziuöDiiuung oeiumrnen, wie er es ycy gewun>cyt reifte das Steinobst wesentlich früher als in an­hat. Und bann wird er ein Haus bauen. Seit Iah-1 deren Jahren; so waren Spätzwetschen teilweise I

Deutsche Tragödie.

Zu Jürgen Lsiullenwevers 40V. Todestage.

In einer Zeit gewaltiger Umschichtungen, als Martin Luther seine Thesen an die Pforte der Wittenberger Schloßkirche heftete, als die unfreien Bauern aufbrachen, die Bürger sich gegen die Be­vormundung ihrer Patriziergeschlechter erhoben, als das Reich von Karl V., dem spanischen Habsburger, regiert wurde, stand in Lübeck Jürgen Wullen- w e v e r auf, ein Hamburger Bürger, gewann die Liebe der Lübecker, stürzte die Patrizier und brachte das Gemeinwesen ans Regiment. Er war ein Re­volutionär in des Wortes bester Bedeutung. Aber er war mehr als einer der vielen Revolutionäre feiner Zeit, er begnügte sich nicht mit dem, was seine Zeit charakterisiert: mit einem Kleinkrieg um eine Standesmacht, deren Interesse nicht über eng- begrenzte Bezirke hinauszuwachsen vermochte. Jür­gen Wullenwever war einer jener vereinzelten Män­ner zu Beginn des 16. Jahrhunderts, die eine deutsche Idee vertraten; er selbst war erfüllt von ihr wie kaum jemand vor ihm. Darum hat die Geschichte ihn in die Reihe der großen Deutschen gestellt.

Seine Tragödie steht nicht allein, aber ihr Aus­gang ist einer der beklagenswertesten. Unverstan­den in seinem heroischen Bestreben, gehetzt von .übermächtigen Gegnern, verraten von der Unzu­länglichkeit derer, für die er feinen Kampf führte, von Mißgunst verfolgt und von Eigensucht seiner Nächsten gefangen, ein Handelsobjekt seiner Be­zwinger, starb er nach dem Spruch eines ungesetz­lichen Bauerngerichts, das feine Feinde bestachen, am 24. September 1537 am Tollenstein bei Wol- senbüttel unter dem Richtschwert des Henkers.

Bis in das vergangene Jahrhundert hielt sich das Urteil, das weltliche und gesetzliche Machthaber über Jürgen Wullenwever gefällt hatten, und noch heute begegnet man Ansichten, die das Urteil der Ge­schichte nicht wahr haben möchten, das den Pro- I zeß Wullenweoers als denscheußlichsten Justiz­mord der deutschen Vergangenheit" anprangert.

Entartete Patriziergeschlechter hatten die Hanse an den Rand des Verderbens gesteuert; der große Verband war auseinandergefallen in die Wester- finge, die niederländischen und die Osterlinge, die deutschen Städte; Schweden, Dänemark und Nor­wegen hatten sich dem deutschen Einfluß entzogen. In der letzten Stunde der Hanse begann Jürgen Wullenwever sein Erneuerungswerk. Er hätte der Unterstützung aller deutschen Mächte sicher sein müs­sen, wäre das Reich nicht in ungezählte Splitter

zerfallen gewesen, die die Eigensucht über des Rei­ches Belange stellten. Jürgen Wullenwever galt die­sen Mächten als Neuerer, der gefürchtet und darum zu bekämpfen war; er galt ihnen auch als Em­pörer gegen alle Obrigkeit, weil er die aus ange- maßten Rechten die Städte beherrschenden Patrizier ihrer Aemter entsetzt hatte; er war also abzustra­fen wie ein Verbrecher. Schließlich war er für die Altgläubigen ein Ketzer, der verfemt werden mußte. Und als nun dieser Neuerer, Empörer und Ketzer sein gewaltiges Werk wirklich zu schaffen schien, als er das Vertragsbrüchige Dänemark aus eigener Kraft besetzte, das Banner der Hanse wieder im Winde der nördlichen Meere knattern ließ und eine erstarkende Hanse die Vormachtstellung im Norden bezog, da liefen sie Sturm gegen den Urheber des Werkes, das sie ein Werk des Teufels nannten.

Deutsche Mächte unterstützten gegen den Erneue­rer der Hanse fremde Feinde, sie wiegelten die Städte gegen ihn auf, stifteten Empörungen und Attentate gegen ihn an, scheuten nicht List noch Ge­walttat, Bestechung oder Verleumdung, ihn zu Fall zu bringen. Während das lübilche Heer siegreich in Dänemark stand, müße die Stadt eine Belage­rung erleben. Da forderte Wullenwever Opfer von seinen Bürgern, die feit Generationen daran ge­wöhnt waren, Soldknechte für sich Krieg führen zu lassen. Sie wollten nicht opfern und sagten ihrem einstmals geliebten Bürgermeister das Vertrauen auf. Sie zwangen ihn zu einem unvorteilhaften Frieden, der den Grund zu seinem Sturz legte. Ein Mißgeschick seines Generals in Dänemark, eine Niederlage des lübischen Heeres, bei dem Wullen­wever weilte, benutzten seine Gegner, ihn vollends zu Fall zu bringen. Als man ihn später in bischöf­lich bremischem Gebiet verräterisch fing und vor Gericht stellte, hatte er ungezählte Ankläger, keinen Verteidiger. Ein deutscher Mann stand ohne das Verständnis Deutschlands vor feinen Richtern, die ihm auf der Folter die widersinnigsten Geständ­nisse erpreßten. Nach diesen fällten gedungene Bauern auf Weisung ber den Spruch selbst nicht wagenden Mächte sein Todesurteil.

Er war seiner Zeit um Jahrhunderte voraus; in feiner Zeit konnte er fein Werk nicht verwirklichen. Die Hanse war zudem ein Schiff, das ein zu gro­ßes Leck hatte. Nur ein einziger Wille im Reiche hätte es stopfen können. Statt dessen riß man es gewaltsam weiter auf, überließ England und Spa­nien die Beherrschung der Meere und sah tatenlos dem Absinken des stolzen Hanseschiffes mit feinem letzten Steuermann zu. So vollzog sich mit Wullen­weoers Schicksal eine deutsche Tragödie.

H. P. Uhlenbusch.

arbeiten durfte. Durch seinen Tod im Januar d. I. brach für mich die Münchener Tätigkeit ab. In Gießen arbeite ich teils assistierend, teils selbständig an der Ausstattung mit. (Ausnahme: «Stabt» thectter-Archiv.)

Oie neuen Bücher des Insel-Berlages.

Der Insel-Verlag zu Leipzig legt sein Herb st programm vor. Aus dem Bereich der Weltliteratur verzeichnet esDantes Gött­liche Komödie" in der Uebertragung von Freiherrn von Falkenhausen, dieTragödien des So - p h o k 1 e s", übersetzt von Roman W o e r n e r und die erste vollständige deutsche Ausgabe des japani­schen RomansGenji", ber vor nahezu tausend Jahren von ber Hofdame Murasaki geschrieben wurde. An erzählenden Dichtungen erscheinen: der große FrauenromanKartrina" von S. Salmi- nen, der bei einem schwedisch-finnischen Preisaus­schreiben den ersten Preis davontrug und inzwischen einen Welterfolg errungen hat;Sibylle und die Feldblumen" von Friedrich Schnack,Erzählun­gen und Märchen" von Max Mell,Die Maabe» burgische Hochzeit" von Gertrud Le Fort,Frän­kischer Sommer" von Andreas Zeitler,Die drei Brüder" von Antoon Coolen,Der Flachs­acker" von Stijn S t r e u v e l s. Von Reinh. Buch» wald erscheint eine umfassendeSchiller-Biogra­phie" in zwei Bänden. Reinhold Schneider be­handelt ein bedeutungsvolles Stück deutscher Ge­schichte der Frühzeit:Kaiser Lothars Krone" Di? Reihe ber Briefveröffentlichungen Rainer Mana Rilkes findet ihren vorläufigen Abschluß in den ..Briefen aus den Jahren 1914 bis 1921".Jakob Böhmes Schriften" werden, neu ausgewählt von Friedrich Schulze-Mai zier, in dieHaus­bücher ber Insel" ausgenommen. Eine vollständige Ausgabe von Leo T o l st o i s RomanAnna Kare­nina" erscheint in zwei Bänden in der Bibliothek der Romane. Ein besonders reizvolles Weihnachts­geschenk sind dieDeutschen Weihnachtslieber", von Vaul Koch, dem Sohne Rudolf Kochs, in feiner Frankfurter Werkstatt zweifarbig gedruckt. Zu den bisher vorliegenden acht Bildtafeln aus der Ma­nessischen Liederhandschrift kommen imei weitere: Kaiser Heinrich und Wolfram von Eschenbach. DerInsel-Almanach auf das Jahr 1938" enthält als Hauptstück einen großen Bei­trag von Hans C a r o s s a ,Ankunft in München", in dem ber Dichter ben Lebensbericht seinerVer­wandlungen einer Jugend" fortsetzt.

Liselotte Erter, technische Assistentin.

Liselotte E r l e r, die für die Winterspielzeit als technische Assistentin an das Gießener Stadttheater verpflichtet wurde, schreibt über ihren Werdegang: In München wurden uns wißbegierigen Anfängern alle Schleusen der Theatermöglichkeit'en durch unse­ren verehrten Lehrer Professor Preetonus geöffnet.

Wir entwarfen in seiner Klasse für Szenenkunst Bühnenbilder, Kostüme und Illustrationen und durf­ten zwischendurch in den Staatstheatern unsere Studien erweitern. Sogar bis zu Bayreuths ge­weihten Gründen drangen wir vor, horten Proben und vergewisserten uns über die materielle Zusam­mensetzung aller Dekorattonsteile. Mir widerfuhr nach dem zweiten Semester das Glück, in die Baye­rischen Staatstheater verpflanzt zu werden, wo ich als Schülerin von Professor Linnebach Entwürfe für Szenen und Kostüme arbeitete und bald selb­ständige Ausführungen für einige Opern in Kostü­men übertragen bekam. Wertvolle Belehrungen er­hielt ich durch Prof. Pasetti, für ben ich später auch