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Donnerstag, 22.3uli W3Z

Gießener Anzeiger (General-Anzetger für Gderheßen-

HrJ68 Zweites Blatt

öie I Den, Freimaurern und Emigranten sind die ge» -its fügigften ffierheuge her franx#I'.'chen Pro.

werke usw.

widerspruchsvoll.

Verordnungen über die Erhöhung der Steuern und Abgaben erhalten hat.

Dieser Wandlung entspricht ferner das Wirt­schaftsprogramm. Das ursprüngliche Pro­gramm der Regierung Blum war ein sozial­reformerisches und kleinbürgerliches. Es sollten Sozialreformen nachgeholt werden, die in anderen Ländern seit Jahrzehnten Selbstver--

wird.

Gegenüber dieser Opposition hat sich Leon Blum in innenpolitischer Hinsicht durchsetzen können. Die Regierung Chautemps kann vorläufig mit einer weiteren Unterstützung der Sozialdemokratie rech­nen und somit ihre Politik der Pause fortsetzen. Die revolutionären Elemente der Sozialdemokratie sind aus der Innenpolitik ausgeschaltet. Ein anderes Bild ergibt sich aber für die außenpolitische Lage. Es wurde nämlich eine Entschließung an­genommen. gemäß der die von Löon Blum bisher befürwortete Politik der Nichteinmischung als gescheitert betrachtet und die U n t e r st ü tz u n g des roten Spaniens in Aussicht gestellt wird. Bor allem sollen dem roten Spanien Waffen, Munition und Lebensmittel zur Verfügung gestellt werden und die sozialdemokratischen Minister im Sinne dieser Politik innerhalb der Regierung tätig sein. Die Annahme dieser Entschließung bestätigt, daß die französische Sozialdemokratie immer mehr ins radikalmarxistische Fahrwasser kommt und daß die kleinbürgerlichen Elemente keinen nennenswer^ ten Einfluß mehr haben Hierin ist wohl zugleich eine Bestätigung der Gerüchte zu sehen, daß die französische Regierung unter Drui Der sozialdemokratischen Mitglieder die internationale Kontrolle an den Pyrenäen auf­gehoben hat und dafür als Entgelt von den Sozia - Demokraten die Zustimmung zu den Bonnet-Rot-

terlegenheit des Landes gegenüber der deutschen Wehrmacht überhaupt nicht erwägenswert ist. Die außenpolitische Neutralität der Eid­genossenschaft wirkt sich in der gegenwärti­gen Verstärkung der Landesverteidigung u a so aus, daß der neue Grenzschutz und die zahlreichen Befestigungsanlagen an a l l en Landesgrenzen aus­gebaut werden. 'Wenn im Hügelland der Nord- grenze die Zahl der kleineren Sperrwerke größer ist, als etwa im Jura oder in den Alpen, so ist das nicht eine einseitige Maßnahme gegenüber dem nördlichen Nachbarn: die unterschiedliche Befesti­gung der Landesgrenzen ergibt sich aus der Be­schaffenheit des Geländes. Diese Feststellung ist schon deshalb nicht überflüssig, weil M a r x i st e n B o l- s ch e w i st e n und gesinnunqsverwandte Gruppen, die nach der französischen Pfeife tanzen immer wieder Sinn und Ziel der schweizerischen Auf­rüstung verdrehen. Diese Kreise im Bunde mit Ju-

gen nahe: diesem bäurischen, in seiner Rauheit treu­herzigen, in seinem primitiven Willen schöpferischen Soldatenkönig Friedrich Wilhelm, fühlt sich nahe dem wahrhaft braven alten Schulmann, der bitter­lich lernen muß, den Schein aufzugeben und die Wirklichkeit zu ergreifen. und fühlt sich endlich ganz besonders nahe dem Fabrikherrn, der sich vom einfachen Schlosser zum Leiter des riesigen Betrie­bes heraufgedient hat. Zu diesen GestaltenEmils als zu Hochformen des Volksempfindens sieht das Volk anerkennend und dankbar auf: es nötigt ihm Achtung ab, wie dieser Mann, der auf manchen Blick, nicht nur auf den ersten, so ungeschlacht, so brutal wirkt, ein ernstes gutes Herz offenbart, wie es ihm, vergleichsweise gesprochen, Achtung und sogar eine ganz eiaenartige Vorliebe abnötigt, wenn die dralle Paula Wessely, die fast spöttisch her­ausfordernd dreinschaut, eine grundanstandige Ge­sinnung und Tatkraft offenbart

Zu dieser verborgenen Weisheit hat Emil Jan- nings auch mit seinen Bühnenrollen hingefunden. Sein Schulmeister in GrabbesScherz, Satire, Ironie und tiefere Bedeutung" und sein Mephisto in GoethesFaust" sind Anfänge, die sich im trieb­haft Wilden ausgeben konnten. Und setzt, da der Fünfzigjährige auf der Höhe seines Schaffens steht, mit hohem 'Staatspreis ausgezeichnet, stellt man fest- er hat aus jenem chaotischen Beginn, der immer schon eindrucksvoll war, auf ereianisreichen Wegen hinaefunden zu der männlichen Milcht und Vorbildlichkeit, wie sie sein Bismarck m Wolfgang Goetzens Bühnenwerk , Der Ministerpräsident' ver- förpert Dr. Johannes Günther.

Gloria-palast: »Land der Liebe/'

Ein Tobis-Rota-Film, Lustspiel mit Phantasie- 'handlung, operettenhafter Begleitmusik und ver­schwenderischer Ausstattung: die märchenhafte Ge­schichte von der kleinen Prinzessin, die statt eines ungeliebten Königs den unbekannten jungen Mann bekommt, der ihr Herz gehört. Dankbare Ausgaben für zwei junge Leute vom Filmnachwuchs: Albert Matterstock, den man erst kürzlich für diesen Film entdeckte, und die hübsche, begabte Gustl Huber, die wir zuerst neben Albers spielen sahen (Savoy-Hotel"). Dazu Valerie v on Mar - tens, scharmant und witzig, die Komiker Oskar Sima und Wilhelm Bendow. Regie: Schun- 3 ei - Musik: Melichar. - Im Beiprogramm sieht'man u.a. die neue Wochenschau und auf der Bühne einen bemerkenswert sauberen ßuftan (^-a- bora). Hans Thyrl0t

Schweizervolk zu beunruhigen und die öffentliche Meinung des Landes gegen Deutschland zu beein­flussen.

Prüfen wir die Wirkung der völlig abwegigen Behauptungen in der französischen und der engli­schen Presse auf die Schweiz, dann ergibt sich zu­nächst, daß sie überwiegend mit großer Zurückhal­tung ausgenommen werden. Heute ist nicht mehr die kritik- und vorbehaltlose Weitergabe von solchen Gerüchten aus französischer Quelle zu beobachten, wie noch vor einigen Monaten. Eine Reihe schwei­zerischer Blätter bringt die Tendenzmeldungen des Echo de Paris" überhaupt nicht, andere weisen sie in Kommentaren zurück und beleuchten die wah­ren Hintergründe dieser deutschfeind­lichen Stimmungsmache. Keinen Zweifel läßt man darüber bestehen, daß die Eingliederung der Schweiz in das französische System der Bünd­nisse auch mit dem Hinweis auf die militärische Un-

Der Parteitag von Marseille verlief somit höchst ' ' ,v Einerseits wurde die Unter-

paganba, sie stürzen sich gierig auf heimtückische Verleumdungen, die die guten Beziehungen zwischen Deutschland und der Schweiz vergiften wollen.

D.e überwiegende Mehrheit des Schweizervolkes ist nicht gewillt, den in jüngster Zeit wieder auf­tauchenden Gerüchten Gehör zu schenken, so daß |ie viel von ihrer früheren alarmierenden Wirkung verloren haben. Darüber hinaus bemüht man sich immer mehr, die wahren Absichten dieser Propc^ ganda zu durchschauen. Bekanntlich ist Frankreich dazu übergegangen, unter großem finanziellem Aufwand auch die Juragrenze zu befestigen. Die Kosten hat der französische Steuerzahler zu tragen. Jedes Mittel scheint erlaubt zu sein auch das törichte Geschwätz von deutschenDurchmarschpl^ nen", die die Schweiz und damit auch Frankreich bedrohen sollen um ihm die Notwendigkeit einer über den Raum von Belfort hinaus verlängerten Maginot-Linie vor Augen zu führen. Dabei wird in der Schweiz nicht über- sehen, daß diese Befestigungen stets auch offen­siven Charakter haben, zumal sie den Aufmarsch einer angreifenden Armee schützen und verschleiern können. Sollte etwa Frankreich in Erfüllung seiner Bündnisverpflichtungen der Tschechoslo­wakei militärische Hilfe leisten wollen, dann liegt der Weg durch die Schweiz durchaus im Bereiche des Möglichen. Es ist bezeichnend daß in der Schweizer Presse auf Ausführungen des französi­schen Kriegsministers D a l a d i e r in der Kammer­sitzung vom 20. Februar 1937 hingewiesen wird, die eine derartige Vermutung als nicht unbe­gründet erscheinen lasse. Diele Schweizer er­blicken in den Durchmarschlegenden französischer Blätter ein Ablenkungsmanöver, das die strategischen Pläne Frankreichs tar- n e n soll. Immerhin wird als Fortschritt anerkannt, dasi Frankreich das Schweizer Heer nicht mehr als verbündete Armee betrachtet, die den Interessen des westlichen Nachbarn zu gehorchen habe. In dle­dern Zusammenhang ist daran zu erinnern, daß die von einem schweizerischen Offizier vor einigen Iah- ren vertretene Auffassung, die eidgenössische Armee dürfe nur so aufgestellt werden, daß sie gegen Den­jenigen Staat konzentriert sei, der nicht Mitglied des Völkerbundes ist oder dessen Satzungen ver- letze, in politischen und militärischen Kreisen ein­mütig abgelehnt wurde. Aus der strikten Neutralität der Schweiz mußte schließlich Frank­reich die Schlußfolgerung ziehen, daß seine militä­rischen Grenzen im Jura und nicht am Ober­rhein und Bodensee liegen. Befestigt tue Schweiz ihre Nordgrenze, so sichert sie auch auto­matisch ihre Westgrenze und umgekehrt, irgendwelche Versuche Frankreichs, im Ernstfälle den Schutz der schweizerischen Rheingrenze zu übernehmen, werden damit von vornherein unterbunden. Die Schweiz bestimmt selbst das Ausmaß ihrer Auf­rüstung und die Art der Grenzschutz- anlagen. Ihre militärischen Vorbereitungen richten sich nicht gegen einen bestimmten Staat, sie sind lediglich Ausdruck des Willens, aus eigener Kraft, d.h. ohne Rückendeckung in militärischen Bündnis­verträgen mit dem Ausland die Neutralität im Falle eines Krieges zu verteidigen.

Trotz der Lügenhetze deutschfeindlicher Mac^e ist das Schweizer Volk, das in Fr e u n d s ch a st mit dem neuen Deutschland leben will, weit davon entfernt, die Gefahren für die Freiheit und Unabhängigkeit des Landes dort zu suchen, wo die r o t e' P e st endgültig ausgerottet ist Im Kampfe gegen den Bolschewismus wird die Schwei­zer Armee ihre Pflicht erfüllen, wenn er in feiner Zerstörungswut zu den Waffen greifen sollte. Und hier hat das mit Moskau verbündete Volks­front-Frankreich Gelegenheit genug, die ein­zige die Schweiz und ihre Neutralität bedrohende Gefahr von den Grenzen fernzuhalten: M a r x i s» m u s und Kommunismus!

Der Sieg des Marxismus in Marseille

Don unserem vp.-Berichterstatier.

Schweizer Neutralität und französische Durchmarschlegende

Don unserem Or. S.-Äerichierstatter.

EinfachEmii". ,

Zum 50 Gebmtstaae des Staatsschouspieie-s Emil Lannings am 23. Juli.

Es war nach einer der ersten Vorstellungen des ' mimt D e r Kerrscher" im BerlinerUfa-Pa- Faft am Zoo". Ich ließ mir an der Garderobe Stock und Hut zurückgeben. Neben mir sagte eine alte, schon gebückte, aber noch imposante Dame zu der Garderobefrau:Sie sehen mich ja son .ani. Als darauf die Garberobefrau meinte gna Frau , wolle nur entschuldigen, und sie sei doch wohl schon das dritte Mat in der Vorstellung unb fte muffe auch ,gnä Frau" sonst schon kennen, da lachte die alte Dame in sich hinein, und erst, wie sie sich angetakelt hatte aale sie:Mich werden Sie nicht kennen, aber" und dabei wies sie auf 6en Zuschauer- raum der sich eben zur neuen Vorstellung füllte JUJennen Sie . 5. ich bin doch die Mutter vom

bin die Mutter vom Emil", - wie ein Schein lag es um ihre alte Gestalt, und UNI berech­tigtem Stolz leuchtete es noch aus chr°rgalten Lu- aen Auaen. Müh am, aber zuversichtlich ging sie dann auf der Straße hin: die Meisten beachteten sie nicht die Meisten blickten auf zu der riesigen R^ klame-Front des Ufa-Palastes, blickten auf zu dem Kolossalbild von Emil 3annina5.

darunter hin: die heimliche Herrscherin, dieMut- termütkrlaben das Recht, auch "°nch-°ngr°U Kindern noch mit Vornamen zu reden, .aber oie al e Frau Janrsings hat dies Recht besonders, well auch das breite Film-Publikum 'hn gern. einfach Imil" nennt und ihm damit den Ehrent,tel des volksverbundenen Schauspielers gibt

Non Anfang an ist Emil Janmngs nicht vorn Verstände, rllcht von der Erwägung mckst vom Gedanken ausgegangen Umbern vom T , starken, ja derben Gefüfl.. r liebierlleaunfl

und dies, weiß Gott, nicht aus. einer: Ueberlegung heraus, sondern weil sein dreistes Dubenherz ihm so eingab Und wenn er dann Schauspieler wurde und von Schmiere zu Schmore ging,Jo g schcch das nicht aus Berechnung, so war das re^ planvoller Weg, sondern ein fi gleicht mit der unterbewußten Segnung, Daß iai w aus derSchmiere" und zwar dien als viel

echte große Schauspielkunst.

stützung der Regierung Chautemps zugejagt, Die 1 eine ausgesprochen kleinbürgerliche ist, anderseits » aber Forderungen aufgestellt, die die hinter der

Regierung Chautemps stehenden bürgerlichen Par­teien nie annehmen können. Den Spanien-Forde­rungen des Marseiller Parteitages ist die Regie­rung Chautemps zwar schon weitgehend entgegen­gekommen, aber doch nur, well sie die Unterstützung der Sozialdemokratie für ein Wirtschaftsprogramm haben will, das den Marseiller Forderungen völlig entgegengesetzt ist. Das jetzige W i r t s ch a f t s - Programm der Regierung Chautemps bildet eine schwere Belastung für öie breiten Schichten d e r Bevölkerung. Nachdem schon unter der Regierung Blum die Preise der Lebensrnittel um etwa 40 v. H. ange- ftiegen waren, erfolgten jetzt 20- bis 30prozentige Erhöhungen der verschiedensten direkten und indi­rekten Steuern und Abgaben. Der Mann des Volkes bekommt dies Programm sofort zu fühlen in der Heraufsetzung der Fahrpreise der Eisenbahnen, der anderen Beförderungsmittel, in der Erhöhung der Steuern, der Abgaben für Gas und Elektrizität, der Zigarettenpreise, also in einer erheblichen Verteuerung der Lebenshaltung.

Diese Politik ist alles andere als populär, und es wird für die Sozialdemokraten nicht leicht sein, ihre Mitwirkung an dieser Politik zu rechtfertigen. In Marseille haben sie nun ein Programm auf­gestellt, durch das sie die Schuld für diese ungünsti­gen Rückwirkungen auf dieDunklen Mächte des Finanzkapitals" abschieben und als Forderung die einer Verstaatlichung der maßgeblichen Wirtschafts­zweige aufstellen. Somit haben die Sozialdemo­kraten ein Wirtschaftsprogramm in der Hand, um bei passender Gelegenheit die Regierung Chautemps i zu stürzen und die Massen um das Banner des I Marxismus zu sammeln.

(Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten)

Parts. 20 Juli 1937.

Es ging oft reichlich dramatisch her und der Saal alich gelegentlich mehr einer Boxoeranstal- tung als einer solchen einer Partei, als in Mar­seille die Delegierten der französischen Sozialdemokratie zum 34. Male bzw zum ersten Male nach dem vorjährigen Wahlsieg der Volksfront zum Parteitag versammelt waren. Zur Debatte stand die uralte Streitfrage, die seit dem Eintritt des damaligen Sozialisten unb jetzt weit rechts stehenden Senators Millerand in die Regierung Waldeck-Rousseau im Jahre 1899 so oft die französischen Parteitage beschäftigt hat, ob die Sozialdemokratie sich an einer R e - gierung unter,bürgerlicher Führung bzw. Mitwirkung der Bürgerlichen be­teiligen darf. Wie stets zeigte sich hierbei die Zwit­terstellung der Partei. Diese ist einmal eine revo­lutionäres die den syndikalistischen und marxistischen Bestrebungen radikaler Elemente Rechnung tragen will und das Klasseninteresse über das nationale setzt; sie ist aber auch seit einem Jahr eine Regie­rungspartei, die erfahren hat, daß gegebenenfalls revolutionäre Ideale gegenüber außen- und wirt­schaftspolitischen Notwendigkeiten zurückgestellt wer­den müssen.

Die reformistische Richtung vertraten auf dem Parteitag in Marseille vor allem die sozial­demokratischen Mini st er unter Führung von Blum und F a u r e. Diese Richtung setzte sich auch äußerlich durch: 84 v. H. der Delegierten stimmten für eine Billigung der Politik der Regie­rung Blum: 65 v. H. waren sogar dafür, daß die sozialdemokratischen Minister in der Regierung Chautemps bleiben, falls diese am Programm der Volksfront festhält; 35 v. H. der Delegierten waren gegen diese Beteiligung, was immerhin eine erheb­liche Opposition darstellt. Diese ist aber wieder in sich gespalten. Die radikalste Richtung, geführt von Marceau P i v e r t, ist für die sofortige Bildung einer Stampfregierung marxistischen Charakters, um das Programm der Sozial­demokratie durchzuführen. Eine solche Regierung solle sich gegebenenfalls auf den revolutionären Willen der Arbeiterklasse stützen. Die mehr ge­mäßigten Elemente unter Z y r o m s k i wollen zu­nächst die Regierung Chautemps am Ruder lassen, aber zielbewußt dahin arbeiten, daß diese Regierung möglichst bald durch eine sozialdemokra­tische unter Führung von Leon Blum ersetzt

chen marxistischen Charakters zur Annahme zu bringen. Die Sozialdemokratie wird gemäß die­sen Beschlüssen von Marseille künftig die Ver­staatlichung oder die staatliche Beaufsichtigung fast aller Wirtschaftszweige fordern, so der Eisenbah­nen, der Versicherungsgesellschaften, der Banken, der Bergwerke, der Eisenindustrie, der Elektrizitäts-

ständlichkeiten sind, und es sollte so eine etwas gerechtere soziale und wirtschaftliche Ordnung ge­schaffen werden. Aber die Regierung Blum tarn immer mehr unter Öen Einfluß marxistischer Ele­mente unö führte ein Experiment durch, Das sehr schnell kläglich in sich zusammenbrach. Der Partei­tag in Marseille hätte Gelegenheit zu einer gewissen Selbbesinnung geben können, zur Prüfung Öer Frage, ob nicht nach Dem Scheitern öes Kaufkraftexperimentes eine Abkehr vom Marxismus öas Gegebene wäre, lieber Wirt­schaftsfragen wuröe aber in Marseille kaum Diskutiert. Diese Interesselosigkeit benutzten öie raöikalen Elemente, um ein Programm ausgespro-

(Nachöruck, auch mit Quellenangabe, verboten.) Zürich. 20. Juli 1937.

Von Zeit zu Zeit berichten französische Zeitungen über angebliche Deutsche Pläne für Den Kriegsfall, unter Umgehung Der französischen Maginot-Linie Durch Die Schweiz über Den^Jura unD Damit in Die rechte Flanke Der französischen Armeen vor- zustoßen. Die Pariser ZeitungEcho De Paris" will sogar auf GrunD ihrerguten Beziehungen zum Generalstab" in Der Lage sein, Einzelheiten aus Dem DeutschenDurchmarschplan" bekanntzu­geben: Der französische Generalstab habe Die not- roenDigen Vorsichtsmaßnahmen getroffen unD vor allem im Jura Befestigungen angelegt, Die auch einen überraschenDen Deutschen Vorstoß aufhalten können. In neuester Zeit hat Die englische Zeitung Time s" Die einen militärischen Mitarbeiter zum Studium Der eidgenössischen Landesverteidigungen in Die Schweiz entsandte, Die Durchmarsch­legen D e ebenfalls wieder aufgewärmt und u. a. darauf hingewiesen, daßdie Schweiz sowohl die Möglichkeit einer französischen, als auch einer deut­schen Invasion ins Auge fassen müsse, wobei von vornherein sich die deutsche Gefahr als größer dar­stelle." (!)

Was Deutschland anbetrifft, so handelt es sich hier um haltlose Verdächtigungen, um Märchen, die nicht dadurch wahr werden, daß man sie immer wiederholt. In seiner bekann­ten Unterredung mit Altbundesrat Sch ul th Ende Februar 1937 hat der Führer und Reichs­kanzler Adolf Hitler eindeutig festgesteilt:Zu jeder Zeit, komme, was da wolle, wer- den wir die Unverletzlichkeit und Neus­tra l i t ä t der Schweiz respektieren. Diese unmißverständliche Erklärung, die m der Schweiz mit großer ©enugtung ausgenommen wurde, widerlegt auch die neuerlichen Versuche, das

Mit den FilmenArme Eva",Kvhlhiesels Töch­ter"Die Brüder Karamasvff",Anna Bvleyn , Das Weib des Pharao",Quo vadts? ,Nju mußte Emil Jannings mehr oder weniger noch den Weg des Film-Fabrikats gehen, das eben vom Publikum als amüsante oder scharfe Ware bezahlt und genossen wird und seinem Wesen, seiner Grund­haltung nach mit Kunst nichts zu tun haben muß. Und doch wußte Emil Jannings schon in diesen

(Scherl-Bilderdienst-M.)

Filmen künstlerisch auffälliae Eigenarten zu zeiaen: eine Gehaltenheit des Triebhaften, eine Schlichtheit ja eine Zartheit im Derben. Das ist es, was der verstorbene Spielleiter M u r n a u, dem die Jan- nings-Filme von 1924 bis 1926. nämlichDer letzte Mann"Tartuffe" undFaust", zu danken sind, 3iim künstlerischen Grundsatz machte was dann 1927 bis 1930 von Amerika aus in der Welt als deutsche Leistung Aufsehen erregte (Der Weg allen Fleisches",Sein letzter Befehl ), was dann im Blauen Engel", imLiebling Gotter schon falt 3ur Schablone wurde, aber danach, 1935 bis 1937* im DreiklangDer alte und der junge König",Iraumulus" und »Der q-rrsch-r" neuge- gründete menMich-künstlerffche Berechtigung besaß. ö Das Volk suhlt sich gerade diesen drei Gestaltun-

Sprechstunden der Redaktion.

11.30 bis 12.30 Uhr, 16 bis 17 Uhr. Samstagnach« mittag geschlossen

Rekordleistungen menschlicher Geduld.

Immer wieder begegnet man auf Straßen und Plätzen dem Schauspiel, daß auf irgendeinem kleinen Gefährt ein Bauwerk mit größter Geduld aus mög­lichst ungeeigneten Stoffen wie Streichhölzern nach­gebildet ist und sieht daneben einen Mann stehen. Der, stolz auf seine Leistung, einen kleinen Obolus von Den Vorübergehenden erwartet. Ursprünglich war es wohl ein Spiel, ein Zeitvertreib für müßige StunDen, aber Dann hat sich Das Werk Des Mannes ganz bemächtigt, er Hot Jahre Darüber gesessen und nun. Da er fertig ist, glaubt er Anspruch auf Be- munberung und auch klingenden Lohn zu haben. Man könnte ein merkwürdiges Museum aus solchen Leistungen zusammenbringen, wenn man aus der ganzen Welt diese Rekordleistungen menschlicher Geduld herbeiholen könnte. Da hat es in Amerika einen Mann gegeben, der aus reinem Vergnügen an Der Sache Damit begann, einen Anzug vom Kopf bis zu Den Füßen mit lauter Briefmarken zu be­lieben, Die er zu eigenartigen Mustern zusammen- stellte, und als er Damit fertig war. zog er Den Anzug an unD ging auf Die Straße, um sich ge- bührend bewundern zu lassen man kann fick) Denken, daß dies in hohem Maße geschah. Wurde dieser zu einer Art Schneider in Briefmarken fo entwickelte sich ein anderer zum Tiermaler in die­sem Werkstoff: aus einer Palette von 50 000 Brief­marken aller Länder gelang es ihm mit unendlicher Mühe ein Tigerbildnis hervorzubringen das foaar einen gewissen Eindruck machte. Wieder ein anderer fand ungeteiltes Vergnügen darin, aus Tausenden von Streichhölzern einen Aufbau so ausgeglichen auf einem Flaschenhals zu errichten, daß er im schönsten Gleichaewicht blieb, und er versichert Daß er. wenn sein Wunderbar, einmal doch umstürzen sollte, sogleich wieder von vorn anfangen würde. Etwas umfänglich war die Arbeit eines Garagen­besitzers in Hollywood, der die allgemeine Aufmerk­samkeit dadurch auf sich lenkte, daß er aus abgenutz­ten Autoreifen mit großer Sorgfalt eine Säule auf­türmte. die eine genaue Nachbildung Der Säule vom Baftille-Platz in Varis war Auf einem anDeren Blatt stehen Die GeDulDleiftungen von Handwerkern, Die mit den Mitteln ihres Berufs Meisterstücke voll­bringen. So baute ein Kunsttischler in sechsmonati­ger Arbeit einen Spieltisch aus vielen TausenDen kleiner Holzstückchen von 36 verschieDenen Holz­arten, Der wirklich allgemeine BewunDerung fanö. Anbere Arbeiten biefer Art zeichnen sich burdi ihre Kleinheit aus So hat ein amerikanischer Ingenieur einen Phonographen in einer Puderdose konstruiert.