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Klar und feierlich klangen die Worte in die Stille und das Dunkel der Nacht. Dann warfen die Fackel- träger unter kurzen Sinnsprüchen die Fackeln in das dürre Holz des hohen Stoßes, aus dem im Nu die Flammen emporzüngelten und in lebendigem Schwung zum Himmel schlugen. Die Kameraden des Sturmes fangen dann einen Vers des Liedes Flamme empor r Nachdem ein dreifaches Sieg- Heil auf. den Führer ausgebracht und das Deutsch­landlied und das Horft-Wesfel-Lied gesungen waren, lagerten die Kameraden am leuchtenden und wär­menden Feuer, um erst gegen Mitternacht in die Stadt zurückzumarschieren. Die Feier war allen Kameraden des Sturmes ein schönes Erlebnis.

EG.,HZ.undLDM.amBismarckturm

Gestern abend versammelten sich die Gefolgschaf­ten der Hitler-Jugend, Scharen des BDM. und eine Abteilung von Kameraden der SS. auf Oswalds- garten, um gemeinsam hinauszumarschieren zu einer Sonnwendfeier am Bismarckturm. Noch als die Formationen im Anmarsch waren, leuchteten ihnen vom Turme auf der Höhe schon Flammen entgegen, die aus der Feuerschale auf dem Turm mächtig emporloderten. Bei der Ankunft auf dem großen freien Platze stellten sich Fackelträger an den Treppen vor dem Turm auf, und zwei SS.- Kameraden schwangen mächtige Kienfackeln im Kreise. Rasch formierten sich die Kameradschaften um den großen Holzstoß. Die Fahnen der Hitler- Jugend und des Jungvolks flatterten im Winde. Gemeinsam wurde zum Auftakt der Feier das Lied der Jugend gesungen. Ein kurzer Dorspruch stellte den Sinn der Feier vor das geistige Auge. Dann

wurde der Holzstoß entzündet, aus dem prasselnd die Flammen auffuhren und einen mächtigen Fun­kenregen um sich breiteten. Ein Kamerad aus dem Kreise der HI. Überreichte dann einem Kameraden der SS. die im vorigen Jahre von der Hitler-Ju­gend übernommene Sonnwendfackel. In einer kur­zen Ansprache rückte der SS.-Oberscharführer Goubeaud den tiefen Gehalt der Feier in den Bewußtseinskreis aller seiner Zuhörer. Es seien Ewigkeitswerte, die uns hier ergriffen, fo führte er u. a. aus, wenn wir an diesem Feuer ständen. Tag und Nacht berührten sich. Das Feuer schweiße uns zusammen in eine Unsterblichkeit. Es sei sym- l/olisch für unser geeintes Schicksal, für Leben und Tod, für Sieg ober Untergang. Hier sei eine Glut und e i n Geist, der uns Menschen emporreiße und in solcher Stunde vernähmen mir das Walten un­serer Stammesseele in uns und die Gemeinsamkeit unseres Blutes mit dem unserer Ahnen. Hier an solchem Feuer könnten wir immer die Kraft finden für den Glaubenskampf unseres völkischen Seins. Eine Gruppe der HI. beschloß die Worte des SS.- Kameraden mit zwei Versen des LiedesWenn alle untreu werden". Während das Feuer, das hellen flackernden Schein auf die ernsten Gesichte^ der jungen Menschen warf, langsam in sich zusammen- sank, beschlossen das dreifacheSiegheil" auf den Führer und das gemeinsam gesungene Deutschland­lied und das Horst-Wessel-Lied die erhebende Feier. Geschlossen rückten die Formationen wieder ab und noch mancher Teilnehmer warf auf dem Heimweg noch einen Blick zurück, empor zum Turme, auf dem jetzt auch das Feuer in der Schale allmählich verlosch.

So fährt ein ritterlicher Kraftfahrer!

Korpsführer Hühnlein gibt 12 Thesen bekannt.

Die NSKK.-Motorbrigade Leipzig veranstaltete am Sonntag den ersten geschlossenen Aufmarsch. Dem Appell kam besondere Bedeutung durch die Anwesenheit des Korpsführers Hühnlein zu. Den Höhepunkt erreichte die Veranstaltung mit der Verlesung der vom Korpsführer ausge­stellten zwölf Thesen, die, da sie erstmalig hier in Leipzig bekanntgegeben wurden, als ,,D i e zwölf Leipziger Thesen Ms NSKK. - Mannes für anständiges und ritter­liches Fahren" für das ganze Reich gelten. Diese zwölf Thesen, die nicht nur für jeden NSKK. - Mann verbindlich sind, sondern jedem deutschen Kraftfahrer in das Stammbuch gehören, und für jeden Führer eines Kraftfahrzeuges Richt­schnur sein müssen, haben folgenden Wortlaut: 1. Die Beherrschung der Fahrkunst wie der Ver­kehrsregeln allein genügt nicht. Erst durch die Rit­terlichkeit seiner Fahrweise und die Disziplin seiner Haltung erweist sich der NSKK.-Mann als vorbild­licher und erzieherisch wirkender Fahrer.

2. Der Zustand eines Kraftfahrzeuges ist die Vi­sitenkarte seines Fahrers. Wer nicht alles daran setzt, um sich den Wert seines Kraftfahrzeuges durch beste und liebevollste Pflege zu erhalten, vergeudet Volksvermögen.

3. Das freihändige Fahren mit Motorrädern, die Mißachtung der Autobrille und das Lümmeln am Steuerrad mit heraushängenden Ellenbogen sind nicht etwa ein Beweis für die besondere Forschheit des Fahrers, sondern nur ein Zeichen für mangeln­des Derantwortungs- und Anstandsgefühl.

4. Ein verantwortungsbewußter Fahrer weiß, wann er sich während der Fahrt allch einmal einige Züge aus einer Zigarre oder Zigarette unbedenk­lich' gestatten kann.

5. Du kennst die scharfen Maßnahmen des deut­schen Polizeichefs gegen betrunkene Kraftfahrer. Prüfe aber auch vor 6er Fahrt, ob Verärgerung, dienstliche oder geschäftliche Belastung ober Gemüts­

bewegung bein inneres Gleichgewicht stören.

6. Mit unoerminberfer Geschwindigkeit beim Be­gegnen mit anberen Verkehrsteilnehmern rücksichts­los burch Pfützen zu fahren und leichtfertig Staub­wolken aufzuwirbeln, verstößt gegen alle Regeln nationalsozialistischer Verkehrsgemeinschaft.

7. Motorengeknatter und Auspuffknallen find kein Ausdruck heldischer Gesinnung. Ruhiges, üverlegtes Anfahren und Schalten schonen die Nerven anderer und finden die Anerkennung des Fachmannes.

8. Flottes zügiges Fahren entspricht dem Sinn des Kraftfahrzeugs und macht uns Freude. Nur die gewissenhafte Beachtung unseres Grundsatzes, daß die Geschwindigkeit nach den Verkehrsverhältnissen einzurichten ist, hält uns Geschwindigkeitsbeschrän­kungen vom Leibe.

9. Ein einziges ruhiges Wort der Belehrung und sachlicher Feststellung stärkt deinen Standpunkt; sinnloses Schimpfen schwächt ihn ab.

10. Wer aus dem fahrenden Kraftfahrzeug Zei­tungen, Obstschalen und Stullenpapiere hinaus­feuert, verunreinigt die Straßen und gefährdet den Verkehr.

11. Schwere Gewichte, höhere Pferdestärke und größere Ausmaße des Kraftfahrzeuges erhöhen nicht die Rechte, sondern die Pflichten der Rücksichtnahme.

12. Die freudige und bereitwillige Ausübung einer steten Hilfsbereitschaft der Landstraße ist vornehmste Pflicht. Der Sanitätskasten gehört zum Kraftfahr­zeug wie die Kerze zum Motor.

Wer diese Regeln beachtet, ist ein ritterlicher und anständiger Kraftfahrer!

Rundfunkprogramm

Mittwoch, 23. 3uni:

6 Uhr: Choral. Morgenspruch. Gymnastik. 6.30: Frühkonzert. 7: Nachrichten. 8.10: Gymnastik. 8.30: Bäderkonzert. 10: Schulfunk. 10.30: Hausfrau, hör

zu! 11.50: Deutsche Scholle. 12: Mittagskonzert. 13: Nachrichten, auch aus dem Sendebezirk. Offene Stel­len. 13.15 Mittagskonzert. 14: Nachrichten. 14.10: Klingende Farben. 15: Richtig lüft- und sonnen­baden. Referat von Dr. med. Alfred Brauchle. 15.15: Von der Größe und Gewalt der Bergnatur. 15.30: Volk und Wirtschaft. 16: Konzert. 17: Aus

der Welt des Sports. 17.30: Billette Nr. 3 sind ab. gelaufen! Kintopp anno bunnemal. 18: Unser sin- genbes klingendes Frankfurt. ,19.45: Der Zeitfunk bringt den Tagesspiegel. 20: Nachrichten. 20.10: Unterhaltungskonzert. 22: Nachrichten, auch aus dem Sendebezirk. 22.20: Kamerad, wo bift du? 22.30: Tanzmusik. 24 bis 2: Nachtmusik.

Aus der engeren Heimat.

Abschluß der hermatbotanischen Woche in Bad-Nauheim.

LPD. Bad-Nauheim, 21. Juni. Mit einem Kameradschafts- und Hessischen Heimatabend fand die arbeitsreicheHeimatbotanische Woche" ihren Abschluß. Professor S p i l g e r (Darmstadt), der Leiter der Tagung, dankte allen denen, die für die vorbereitenden Arbeiten der Tagung verantwortlich zeichnen, sowie den Dozenten, die sich zur Ver­fügung gestellt hatten.

Der siebente und letzte Tag der Heimatbotanischen Woche des NS.-Lehrerbundes brachte nochmals eine zusammenfassende Besprechung der Ergebnisse der Arbeitswoche, außerdem wurden Plan und Gestal­tung der zukünftigen heimatbotanischen Arbeit in den einzelnen Kreisen des Gaues in den wesent­lichen Zügen festgelegt. Anschließend fanden Füh­rungen durch bas Museum, bas Kerckhoff-Jnstitut unb die technischen Betriebe des Staatsbades statt.

Landkreis Gießen.

< Garbenteich, 21. Juni. Die evangelische Frauenhilfe Garbenteich kann mit Befriedigung auf den Ausflug zurückblicken, den sie am vergangenen Sonntag machte. Zwei Autobusse der Post brachten die 80 Teilnehmerinnen zunächst nach Frankfurt, wo nach einer Rundfahrt durch die Stadt der Pal­mengarten besichtigt wurde, dessen Blumenpracht gerade bei den Landfrauen ganz besonderes Interesse erregte. Es blieb noch Zeit, um einen Teil des Vor­mittagskonzertes mitanzuhören und nach einer Mit­tagspause, über Darmstadt fahrend, das nächste Reiseziel, die Epileptische Anstalt und das Krüppel- Heim zu Nieder-Ramstadt zu besichtigen. Das frohe

bunte Bild des Palmengartens wandelte sich nun zu einem erschütternden Eindruck. Die Frauen waren tief ergriffen von so viel menschlicher Not, die sich hier offenbarte, zugleich konnten sie aber auch etwas erleben von der selbstverleugnenden Tat der Liebe, mit der die Innere Mission sich armer Menschen- Einber annimmt. Im Erholungsheim der evange- lischen Frauenhilfe unter der freundlichen Leitung von Frl. Luthardt wurde der Neubau besichtigt. Die Rückfahrt erfolgte auf der Reichsautobahn Darmstadt Bad-Nauheim. Mit Bewunderung konnten die Frauen dieses Wunderwerk deutscher Technik und Aufbauarbeit sehen. So war es ein Tag, reich an mannigfaltigsten Eindrücken, der den Teilnehmerinnen lange in der Erinnerung bleiben wird.

(XD Cberstadt, 21. Juni. Die Heuernte kann hier als beendet angesehen werden. Fast bas ganze Heu ist sehr gut heimgekommen. Jetzt sind bie Bauern beim Dickwurzsetzen, wobei bie Regenfälle der letzten Tage sehr zustatten kamen. Die Kar­toffelfelder sind zum größten Teil gehackt unb auch schon gehäufelt. Von den ©etreibearten verspricht der Winterweizen bie beste Ernte. Roggen mußte zum größten Teil im Frühjahr umgesät werben.

* Allendorf a. b. Lba., 21. Juni. Der hiesige Einwohner Heinrich K r i e b konnte am heutigen Montag, 21. Juni, seinen 9 5. Gehurtstag feiern.

Kreis Iriedberg.

LPD. Bad-Nauheim, 21. Juni. Auf dem Gipfel des Wintersteins wird in nächster Zeit ein neuer Aussichtsturm von etwa acht Meter Höhe errichtet werden. Der Turm soll aus Holz ge­baut und noch im Laufe dieses Jahres fertiggestellt werden.

Geplanter Neubau für die Realschule Hungen.

Gleichzeitig Heimbeschaffung für die HZ.

* Hungen, 21. Juni. Dieser Tage fand unter dem Vorsitz des Bürgermeisters Dr. Hofmann eine Ratsherrensitzung statt, auf deren Tagesord­nung als wichtigste PunkteH e i mb e s ch a f f u n g für die HI." undBau einer Realschule standen. Als Vertreter der NSDAP, nahm Orts» qruppenleiter Kirchhöfer, als Vertreter der Realschule der Leiter derselben, Studienassessor Kratz, an der Sitzung teil. Der Ortsgruppenleiter betonte, daß es unbedingt erforderlich sei, für beide Probleme eine befriedigende Lösung zu finden. Bür­germeister Dr. Hofmann und Studienassessor Kratz gaben einen ausführlichen Ueberblicf über die Ent­wicklung der Schule, die nunmehr auf 60 Jahre ihres Bestehens zurückblicken kann. Die Anstalt, die aus sechs Realschulklassen besteht und an der vier Studienassessoren als hauptamtliche Lehrkräfte tätig sind, hat in diesem Jahre trotz schwacher Besetzung der oberen Klassen einen Stand erreicht, wie sie ihn in den 60 Jahren ihres Bestehens noch nicht auf- zuweissn hatte; so konnten im vergangenen Jahre allein 23 Kinder in die Sexta ausgenommen wer­den, während in diesem Jahre sogar 26 Sextaner die Anstalt besuchen. Es erübrigt sich, an dieser Stelle auf bie Bebeutung ber Realschule für bie vielen Nachbarorte unseres Heimatstäbtchens hinzu­

weisen. Mehr als die Hälfte ber Realschüler, kommt aus elf umliegenden Orten.

Die Realschule befindet sich augenblicklich noch im Gebäude ber hiesigen Volksschule; bie vorhandenen Räume reichen jedoch wegen ber steigenben Schüler- zahl nur noch im Schuljahr 1938 aus unb werden außerdem von, der Volksschule selbst dringend be­nötigt. Die Ratsherren gaben daher einmütig ihre Zustimmung zu dem Beschluß des Bürgermeisters, im Jahre 1938 einen Neubau f ü r die Real­schule auf dem neben der Volksschule gelegenen städtischen Grundstück zu errichten. Mit diesem Bau wird auch das Problem der Heimbeschaffung für die HI. seine vorläufige Lösung finden: Da die oberen Klassen ber Realschule erst in einigen Jah­ren voll besetzt sind, können zwei bis drei Räume, bie von ben übrigen Schulzimmern getrennt sind und einen besonderen Zugang erhalten, ber HI. für die nächsten Jahre zur Verfügung gestellt werden. Der Ortsgruppenleiter gab seiner Befriedigung über diese glückliche Lösung Ausdruck und erhielt vom Bürgermeister die Zusicherung, daß in etwa fünf Jahren, wenn sämtliche Räume von der Realschule beansprucht werden, für bie HI. ein eigenes schö­nes Heim errichtet werben solle.

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Noman von Walther Moepffer

Copyright 1936 by August Scherl G. m. b H Berlin

27 Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)

Beide ahnten nicht, daß zwei gehässige Augen ihnen folgten. Basil Tutschek stand, nur durch eine Glasscheibe von ihnen getrennt, draußen auf der Straße und beobachtete alles. Als das Paar nicht mehr sichtbar war, betrat auch er den Vorraum des Hotels und verhandelte mit dem Portier.

Ich möchte ein Zimmer."

Welche Preislage, mein Herr?"

Oh, geben Sie mir eins in der Nähe der beiden Herrschaften, die soeben hinaufgegangen sind."

Dasselbe Stockwerk geht. Aber das Zimmer ist ziemlich weit von denen des Herrn und ber Dame entfernt? Ein anderes ist leider nicht frei."

Tut nichts."

Ein Page trug Tutscheks kleines Gepäck in den dritten Stock. Das Haus war alt und so gebaut, daß die Frontzimmer auf zwei Straßenzüge, die Rückzimmer hingegen von vier Seiten in einen rechteckigen, sehr hellen unb sauberen Hof sahen, der von grünem Gras und Bäumchen bestanden war. Nachdem der Page seine Last auf dem Koffer­ständer verstaut hatte, trat er ans Fenster und sagte mit ausgestrecktem Finger:Sehen Sie, mein Herr, das da drüben überm Hof sind die Fenster des Herrn unb ber Dame. In Nummer 56 wohnt ber Herr, in 58 bie Dame. Soll ich etwas bestellen?"

Nein, mein Junge! Du sollst den Herrschaften auch nicht sagen, daß ich mich nach ihnen erkundigt habe." Er drückte dem Pagen eine Mark in die Hand.

Nachdem der junge Mensch gegangen war, wusch sich Tutschek die Hände und überlegte dabei noch­mals die Reihenfolge der Geschehnisse. Als er gestern in der Schellenberger Postablage telepho­nieren wollte, war die Kabine von Frau Engasser bereits besetzt gewesen, aber die Tür war nicht ganz geschlossen. Er vernahm deshalb, wie sie ge­rade in ben Trichter sprach:

.. also schön, heben Sie mir die beiden Zimmer auf! Ich treffe mit dem Zwölfuhrzug ein. Wann

der Herr kommt, kann ich heute noch nicht sagen. Besten Dank, Herr Portier!" Dann verlangte Viktoria Engasser eine andere Nummer, den Miet- cmtobesitzer von Büchlkam.Was? Sie haben den Wagen morgen früh nicht mehr frei? Das ist aber peinlich! So, eine Hochzeit? Tja, dann muß ich eben zu Fuß an bie Bahn, obschon bas um sechs Uhr nicht gerabe angenehm ist. Danke!" Dann verließ Frau Engasser nachdenklich die Kabine, ohne den Verwalter zu bemerken.

Es erschien ihm gleich auffallend, daß die Pro­fessorsgattin auf der Post und nicht zu Hause tele­phonierte. Jetzt wußte er ben Grund. Sie wollte das Gespräch vor ihrem Mann geheimhalten, das war es. Tutschek hatte sich überlegt, daß er in den nächsten Tagen sowieso in die Stadt müsse, um eine neue Mähmaschine zu kaufen. Wie, wenn er bas gleich morgen erledigte, sich mit dem Coupe an die Bahn fahren ließ und Frau Engasser unter­wegs wie zufällig traf? Er konnte sie dann zum Mitfahren einlaben, unb bei dieser Gelegenheit würde die ärgerliche Geschichte- mit der Ohrfeige wieder in Ordnung kommen.

Tatsächlich gelang es ihm auch, Viktoria kurz außerhalb Schellenbergs zu stellen. Aber sie lehnte sein Anerbieten mit solcher Eiseskälte ab, daß selbst ber Kutscher es als Blamage empfand. Am Bahn­steig, immer noch wutkochend über diese neuerliche Abfuhr, trachtete er, im Hintergrund zu bleiben, sah zu seiner Verwunderung diese hochmütige Kratz­bürste mit Fogg ankommen, stieg in einen anderen Wagen und folgte in München den beiden nach ihrem Hotel.

Sollte er gar einem Liebespärchen auf die Schliche gekommen sein? Sapristi, bas wäre was! Wenn man es recht besah, steckten die zwei auch in Schellendera viel zu oft beieinander. Weiß Gott, was bei diesenberuflichen" Zusammenkünften alles getrieben wurde? Er besaß eine blühende Einbildungskraft, wenn es sich um derlei Dinae drehte. Nun, man würde ja sehen! Die Mäh­maschine war jetzt unwichtig. Viel notwendiger war es, dieses Turteltäubchenpaar zu beobachten. Zum Mittagessen erschienen weder Fogg noch Frau Engasser. Zum Abendessen nur Fogg allein.

Tutschek verschwendete seine Zeit mit einem prickelnden und lauernden Vergnügen an die Be­spitzelung der beiden; denn er versprach sich etwas Aufsehenerregendes. Stunde um Stunde saß er bald

am Fenster, bald schlich er in den Gängen umher, immer darauf bedacht, nicht gesehen zu werden. Punkt neun verließ Fogg das Restaurant und be­gab sich auf sein Zimmer. Licht flammte auf, etwa eine Viertelstunde lang, bann wurde es dunkel. In Frau Engassers Zimmer brannte bas Licht schon seit halb neun und blieb bis zehn Uhr hell. Plötz­lich erschien eine Silhouette auf dem erleuchteten Vorhang von Viktorias Zimmer, zwei einander genäherte Köpfe... Mensch, was willst du mehr! dachte Tutschek und trat von seinem Fenster zurück. Dann schlich er auf den Gang, ging hinunter, bog um eine Ecke, um noch eine unb machte vor ber Tür von Nummer 56 halt. Hier war alles ruhig, auch keine Schuhe lagen vor ber Zimmertür. Dann begab er sich ein paar Schritte weiter nach 58. Er legte sein Ohr an bas Holz und hörte gedämpftes Sprechen, aber die Worte konnte er nicht verstehen. Sicher war nur, daß es eine Frauenstimme gab, die Viktorias, und eine Männerstimme, die von Fogg... nachts zwischen neun und zehn in einem Münchner Hotelzimmer.

Jetzt habe ich euch! dachte Tutschek höhnisch und schlich nach seinem Zimmer zurück. Hier machte er sich zum Ausgehen fertig; denn er hatte vor, sich die Nacht um die Ohren zu schlagen und sich nach Kräften zu vergnügen. Irgendwo würde schon Be­trieb sein. Bald darauf verließ er pfeifend bas Hotel.

*

Als Basil Tutschek die hohe Flügeltür zur Schloß­bibliothek öffnete, traf er ben Professor, wie stets, zwischen seinen Büchern, versponnen, festgelesen unb unwillig aufsehenb ob der Störung. Vor ben mäch­tigen Fenstern grünten bie Bäume, sang eine Amsel; Engasser war für beide, für Bäume und Amseln, ein verlorener Mann. Tutschek suchte seine Stimme freizubekommen, räusperte sich, wie immer vor pein­lichen Auseinandersetzungen, und sagte:Es tut mir leib, daß ich Sie unterbrechen muß, Herr Pro­fessor, aber eine vertrauliche Angelegenheit führt mich her"

Ja, bitte?" erwiderte der Professor ein wenig zerstreut.

Es betrifft Sie ober, besser gesagt, Ihre Frau Gemahlin. Ich habe lange geschwankt, ob ich über­haupt reden soll. Aber bann hielt ich mich boch für verpflichtet. Meine Wertschätzung für Sie, sehr ver­ehrter Herr Professor...!"

Sicher was Unangenehmes! dachte Engasser miß­trauisch. Der drückt ja furchtbar herum, nicht zum Anhören ist das ...

Ja, und?"

Sehen Sie, ich bin ein Ehrenmann und halte es ganz einfach für meine Pflicht, Sie über das traurige Geschehnis nicht im unklaren zu lassen." Tutschek sagt allen Ernstes Ehrenmann und Pflicht und sagt trauriges Geschehnis, seht an!Sie müß­ten mir aber zuvor Ihr Wort geben, meinen Namen zu verschweigen, gegen jedermann, auch gegenüber Ihrer Frau Gemahlin. Es ist mir außerordentlich peinlich, so gleichsam den Angeber spielen zu müssen, aber, wie betont" Er windet sich wie eine Ringelnatter, ber ein Unvorsichtiger auf den Schwanz tritt.

Meinetwegen. Gut, ich verspreche ba$. Aber nun reden Sie endlich, Herrgott noch mal! Sie spannen einen ja auf die Folter!"

Ist Ihnen noch nicht ausgefallen, daß Ihre Gattin unb dieser Doktor Fogg ein bißchen oft zu­sammen sind?"

Nun ja, bei Operationen" ermiberte Engasser, stutzig gemacht und mit einem unbehaglichen Ge­fühl in ber Magengrube.Er hat seinerzeit meine Frau ersucht, ihm behilflich zu sein. Es war kein Anlaß, ihm das abzuschlagen, nachdem es Vicki Spaß machte."

Operationen? Hm. Ihre Gattin ist über ben Durchschnitt hübsch, unb auch der Doktor ist ein gut aussehenber Mann, wie ich vielleicht am Rande bemerken darf."

Herr Tutschuk! Ich muß doch sehr bitten!" rief ber Professor scharf und schnitt ein verkniffenes Gesicht.

Bitte, erregen Sie sich nicht, lieber Professor! Ich will mich also kurz fassen und Ihnen alles be­richten, was ich mit eigenen Augen gesehen habe, und was mir aufrichtig Sorge macht", erwiderte der Verwalter und erzählte dem erschreckt auf­horchenden Engasser seine Beobachtungen, unbe­fangen von dem Schellenberger Telephongespräch bis'München. Auch bie Einzelheiten im Hotel schil­derte er sehr anschaulich und einleuchtend. Zum Schluß sagte er:Ich für meine Person kann aus alldem nur die Folgerung ziehen, daß zwischen Fogg und Ihrer Gattin Beziehungen bestehen, die"

Fortsetzung folgt.

denn ohne Opekia kocht die Marmelade durch die lange Kochzeit häufig bis zur Hälfte ein. Mit Opekta jedoch bekommen Sie ungefähr das ganze Gewicht an Marmelade in die Gläser, das Sie an Obst und Zucker in den Kochtopf geben.