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Nr. 142 Erstes Statt

187. Jahrgang

Dienstag, 22. Juni 1937

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Deutschland will als Weltmacht behandelt werden!

Friedensbrecher müffen zur Ordnung gerufen werden.Neichsminister Dr. Goebbels auf der Berliner Gonnenwendfeier.

Berlin, 21. Juni. (DNB.) Die große Sonn­wendfeier des Gaues Berlin fand in Anwesenheit zahlreicher führender Persönlichkeiten von Partei und Staat im überfüllten Olympischen Stadion statt. Fanfarenklänge kündeten die Ankunft der deutschen und der 18 ausländischen Volksgruppen, die aus Anlaß des Kongresses für Freude und Arbeit in Deutschland weilen. Den reizvollen heimatlichen Spielen, Liedern und Reigen der Trachtengruppen, den Tanzvorführungen der BDM.-Mädchen folgte der Einmarsch der mehr als tausend Angehörigen der italienischen Jugendführerakademien. Blenden­des Scheinwerferlicht flammte auf, und nun zeigten die Frauen gymnastische Reigentänze, während die männliche Jugend ein hervorragendes Schauerer- zieren vorführte. Mit dem feierlichen Einmarsch der 500 Standarten und Fahnen wurde die eigentliche Weihestunde eingeleitet. Das Lied Der Fahne, der wir folgen" leitete über zu der Ansprache des Obergruppenführers von Jagow, der anschließend den Befehl zum Entzünden der Holzstöße gab. Fanfarenklänge hallten vom Turm in das andächtige Schweigen der Massen, als nun die Feuer aufflammten und in blutrotem Schein zum nächtlichen Himmel emporloderten. Die feierliche Stille wurde abgelöst von dem begeisterten Jubel, mit dem die Hunderttausend Reichsminister Dr. Goebbels empfingen.

Die Feier, so sagte er, die hier begangen werde, sei nicht eine Angelegenheit der oberen Zehntausend, nicht eine Sache der Stände von Besitz und Bil­dung, sondern eine wahre Volksfeier des erwachten neuen Deutschlands. Ein alter Brauch lebe in dieser Feier wieder auf. Es ist kein heidnischer Brauch, so erklärte der Minister un­ter dem stürmischen Beifall der Massen, denn der Nationalsozialismus hat nicht den Ehrgeiz, durch solche Feiern eine neue Religion zu begründen. Kirchen gebe es in Deutschland schon genug, viel­leicht zuviel.Wohl aber wollen wir das Volk lehren, Achtung vor seiner Vergangenheit zu ha­ben!" Das habe nichts mit Bilderstürmerei gegen die Kirche zu tun. Wenn aber 130 000 Menschen zu einer ehrwürdigen völkischen Feier zusammen­strömten, dann sei das ein Zeichen dafür, daß unter diesen Menschen eine neue Zeit ausgebrochen sei, die nicht mehr ausgeschaltet werden könne, weil sie sich bereits ihre neuen Menschen selbst geformt habe.

Diese neuen INenschen zeigen der Well ein anderes Gesicht, das Gesicht des heuti­gen Deutschlands. Dieses Deutschland denkt real, fühlt heroisch und handelt mutig. Die Feinde in der Welk und die wenigen noch Übriggebliebenen Gegner im eigenen Lande sol­len wissen, daß dieses Volk nicht mehr das des Zusammenbruches vom November 1918 ist."

Immer wieder von stürmischen Zustimmungs­kundgebungen unterbrochen, wandte sich Dr. Goeb­bels gegen den Vorwurf gewisser ausländischer Kreise, das neue Deutschland dulde keine Kri- i k, Kritik tue aber Not. Ihnen könne man nur antworten, daß in Deutschland ganz etwas anderes Not tue als Kritik.Es tut Not, daß wir uns unserer Haut wehren, daß die Regierung Zeit und Gelegenheit hat, für des Volkes tägliches Brot zu sorgen, daß wir die Nation wehrhaft machen, daß wir Zusammenhal­ten und uns nicht von ein paar Hetzern ausein­anderreden lassen." Die nationalsozialistische Bewe- glung werde schon dafür sorgen, daß das getan, was notwendig, und das unterlassen werde, was über­flüssig und schädlich sei. Wie zu allen Zeiten macht auch heute noch das Volk Geschichte durch seine großen Männer. Wenn das Demokratie ist, daß ein paar Dutzend Parteipäpste das Recht haben, mit den vitalsten Interessen einer Nation Schind- luder zu treiben, dann danken wir für diese Demo­kratie!"

In seinen weiteren Ausführungen stellte Dr. Goebbels noch einmal mit aller Deutlichkeit^ die Stellung des Nationalsozialismus den Kirchen gegenüber dar.Wir wollen keinen Streit mit den' Kirchen. Wir wollen sie nur auf ihr eigenes Gebiet beschränken." Christus habe den Kirchen nicht befohlen, so erklärte der Minister unter stürmischen Zustimmungskundgebungen, etwa die Staaten zu beherrschen, sondern er habe ihnen den Befehl ge­geben, die Menschen auf das Himmelreich vorzu- bereiten. Die politische Macht auszuüben, sei Sache des Führers, der dazu einen sehr realen Auftrag, nämlich den des Volkes, besitze. Die politisierenden Kleriker aber wollten die Autorität des Staates nicht anerkennen und versuchten, über der Autorität des Staates die der Kirchen aufzu­richten. Das werde der nationalsozialistische Staat jedoch niemals dulden.Im irdischen Deutschland regieren wir, und jeder Deutsche ist hier unserem Gesetz unterworfen. Der Minister wies darauf hin, daß uns feindliche Kreise im Ausland sich ja nicht etwa auf die Seite der Kirchen stellten, weil diese die Sache Gottes verteidigen wollten. Sie hofften vielmehr, daß auf solche Weise bie innere ®m= beit d e s deutschen Volkes zerrissen werden könne. Niemand hindere die Pfarrer, Gottes Wort zu predigen; aber das nationalsozialistische Reich werde es nicht zulasten, daß der politische Klerus in Deutschland das Ausland als Hel­fershelfer aufrufe, um unser Volk zu zerspalten.

Der Minister kam auch auf die verbrecherischen Anschläge rotspanischer Flugzeuge auf die deutschen Seestreitkräfte in den spani­schen Gewässern zu sprechen und hob mit allem Nachdruck hervor, daß sich Deutschland derartige Provokationen unter gar keinen Um* ständen gefallen lassen könne und werde. Es scheine, als hätte die rote Unterwelt die vor einiger Zeit anläßlich des Vombenüber- falles auf dieDeutschland" erteilte eindeutige Warnung immer noch nicht verstanden. Wir haben uns selbst angesichts der Schieß­übungen roter U-Boote auf den KreuzerLeip­zig" in der Abwehr dieser Provokationen streng an den legalen Weg gehalten. Wir haben an den Nichteinmifchungsausfchuh appelliert. Wir erwarten nun auch mit stürmischer Zustimmung nahmen die Massen diese Worte auf daß der Nichteinmischungs- ausschuh sich nicht etwa darauf beschränkt, einen Unter-Nichteinmischungsausschuh einzusehen, der dann nach den Methoden des Völkerbundes eine v Kommission einberuft, die untersuchen soll, ob

überhaupt etwas geschehen ist. Man muß die roten Provokationen abwehren! Das pazi­fistische Deutschland der Systemzeit, mit dem die Welt so leicht fertig wurde, lebt nicht mehr! Das Deutschland von heute ist eine Welt­macht und will auch als solche behan­delt werden. Es wünscht nichts sehnlicher als den Frieden, und den Frieden erhält man am besten dadurch, daß man die Friedensbrecher

zur Ordnung ruft.

Den Massen im Stadion sich zuwendend erinnerte der Minister an die schweren Jahre des Kampfes um die Macht und gab seiner stolzen Freude über den Wandel Ausdruck, der sich inzwischen vollzogen habe. Mit tiefer Genugtuung könnten wir fest­stellen, daß der Führer gehandelt und die Macht genutzt habe. Allzeit das große Symbol unserer Einigkeit und Freiheit, habe er auch in den schwersten Krisen ganz allein die Verantwortung auf seine Schultern genommen.Unter seiner histo­rischen Führung ist in den letzten viereinhalb Jah­ren in Deutschland wieder Geschichte ge­macht worden! Siegreich hat sich die Nation neu aufgerichtet!"

Neuraths Londoner Besuch verschoben.

Oer Neichsaußenminister in der neuen durch die bolschewistischen Anschläge geschaffenen Lage von Berlin nicht abkömmlich.

Berlin, 21. Juni. (DNB.) Da die Lage, die durch die wiederholten rotspanischen Attentate auf deutsche Kriegsschiffe entstanden ist, die Abwesenheit des Relchsmlnl- sters des Auswärtigen von Berlin nicht ge­stattet, ist gestern dem hiesigen britischen Botschafter mitgeteilt worden, daß der geplante Besuch des Freiherrn von Neurath in London verscho­ben werden muß.

Die Llbootsangriffe einwandfrei sestgestellt.

Der Bericht derLeipzig".

Berlin, 21. Juni. (DNB.) Von zuständiger Stelle werden über den spanisch-bolschewistischen U-Bootangri f f auf den Kreuzer Leipzig noch folgende Einzelheiten mitgeteilt:

Nach der ersten Meldung des Kommandanten wurde am 18. Juni um 15.37 Uhr auf den Kreu­zer Leipzig auf dem Standort 36 Grad 6 Minuten Nordbreite und 0 Grad 23 Minuten Westlänge ein Torpedoschuß gefeuert. Der Schuß ist ein­wandfrei durch Unterwasserharchapparate und durch Beobachtung der Luftblasen, die sich beim Torpedo­schuß eines U-Bootes an der Wasseroberfläche häu­fig zeigen, erkannt worden. Das Schiff drehte als Äbwehrmanöver sofort auf die gesichteten Blasen zu. Beim Ueberlaufen der Abschußstelle hörten mehrere Heizer in einem Maschinenraum einen harten metallischen Anschlag an der Außenwand, der wie ein schwerer Hammerschlag klang, und anschließend ein kratzendes Geräusch. Der Schlag war so hart, daß unter den Leuten sofort die Vermutung geäußert wurde, es handele sich um ein U-Boot. Die gleiche Beobachtung machten zwei Obermaschinisten, die sich zu dieser Zeit im Niedergang zum Maschinenleitstand befanden. Auch an einer dritten Stelle des Schiffes, dem Motoren­

raum, wurde trotz laufender Motoren ein starkes Geräuch gehört, das so klang, als ob ein metallischer Gegenstand an der Bordwand von vorn nach hinten entlang schleifte. Diese Beobach­tungen wurden am 20. Juni durch eine Tau­cheruntersuchung bestätigt. An der Bord­wand unter Wasser in der Nähe der oben erwähn­ten Räume wurde eine Druckstelle mit einem Durchmesser von etwa 15 Zentimeter festgestellt. Es ist damit erwiesen, daß der Kreu­zerLeipzig" entweder einen Teil der Aufbauten eines U-Bootes berührt hat ober daß ein nicht detonierter Torpedo im spitzen Winkel auf die Bord­wand aufgetroffen und abgeglitten ist.

Heule noch einmal Volschafterbesprechung.

London, 21. Juni. (DNB.) Nach Abschluß der heutigen Sitzung der vier Flottenmächte wurde fol­gende amtliche Witteilung ausgegeben.-

Am 19. und 21. Juni sanden Zusammen­künfte zwischen dem englischen Außen­mini st er und dem deutschen, französi­schen und italienischen Botschafter statt, um die Frage der Zwischenfälle zu erörtern, in die der deutsche k r e u z e rL e i p z i g" am 15. und 18. Juni verwickelt wurde. Auf diesen Sitzungen wurde eine Anzahl von Vor­schlägen erwogen, um die angemessensten Methoden zur Behandlung der Frage festzulegen. Da bis jetzt kein endgültiges Ueberein- kommen über die zu treffenden Maßnahmen er­zielt worden ist, wurde beschlossen, daß sich die vier Vertreter vor ihrer nächsten Zusammen­kunft, die morgen, am Dienstag, stattsinden wird, erneut mit ihren Regierungen in Verbindung sehen sollen.

Gauleiter Sprenger eröffnet das Sommer-Zeltlager der HZ.

LPD. Dieburg, 21.Juni. Gauleiter Spren­ger eröffnete Montagabend das Sommer­lager des Jungbannes 2 8 7 in Urberach im Kreise Dieburg. Zur gleichen Zeit hat im ganzen Gau Hessen-Nassau das Lagerleben der HI. für diesen Sommer seinen Anfang genommen. Mit der Feierstunde war gleichzeitig eine Sonnenwendfeier verbunden. Zahlreiche Eltern der im Laaer ver­einten Jugend und viele Volksgenossen aus der Um­gebung hatten den weiten Weg nicht gescheut, um der Eröffnungsfeier beizuwohnen. Unter den Klän­gen des Musik- und Spielmannszuges des Jung­volks schritt der Gauleiter die Front ab und begab sich dann durch den Wachtturm in das weite Rund des Zeltlagers. Auf dem von Fahnen flankierten Sitzring hatte das Jungvolk Aufstellung genommen; in der Mitte des Platzes ragte ein gewaltiger Holz­stoß empor.

Der Gauleiter gab seiner Freude darüber Aus­druck, daß in seinem Gau zum ersten Male die Jugend in einem Sommerlager zusammengeführt wurde. Hier solle vor allem Kameradschaft gepflegt werden. Erfreulich sei die Tatsache, daß

gerade dieses Zeltlager nun mit allen notwendigen Einrichtungen ausgerüstet fei. Immer wieder wur­den neue Verbesserungen ausgeführt werden, aber nicht für ein luxuriöses Leben. Die Tage im Zelt­lager sollen für die Jugend ein Höhepunkt in ihrem Leben sein. Des Gebietsführers Brandt beson­deres Verdienst fei es, daß in diesem Jahre zum ersten Male in unserem Gau Großfahrten durchgeführt werden können; der Jugend werde da­mit Gelegenheit geboten, die schöne Heimat zu sehen. Darüber hinaus könnten durch Kampf spie le die körperlichen Kräfte der Jungen weiterentwickelt werden, um für die kommenden Taten den höchsten Anforderungen gewachsen zu fein. Der Führer habe das deutsche Volk aus tiefer Nacht zur Sonnen­wende zurückgeführt. Die Sonnenwende möge Sym­bol und ein Wunsch für alle Zeiten fein, über Deutschland dieses Licht hell leuchten zu lassen.

Die Sing- und Spielschar des Jungbannes 287 brachte die KantateFeuer steh auf dieser Erde" von Hans Baumann zur Aufführung Mit dem Führergelöbnis und dem G.'sang des Fahnenliedes der HI. fand die Feier ihr Ende.

Frankreichs Msionskrise.

In normalen Zeitläuften Frankreichs, d. h. bei dem ständigen Kommen und Gehen der koalitions­hörigen französischen Regierungen in diesem Lande des stärksten Regierungsv-erschleißes Europas ist es üblich, ein Kabinett grundsätzlich des Nachts und ebenso grundsätzlich wegen innerpolitischer Streitig­keiten zu stürzen. Die Regierung Blum starb den Scheintod auch zu nächtlicher Stunde und auch über die innerpolitische Angelegenheit des von der Kam­mer genehmigten, vom Senat zerpflückten Ermäch­tigungsgesetzes. Aber wie gesagt, sie starb lediglich einen Scheintod. Denn zwei entscheidende Unter­schiede kennzeichnen das Ende dieser ersten Volks­frontregierung Blum. Erstens hat Blum entgegen der ausdrücklichen Forderung des Präsidenten Le­brun die Stellung der Vertrauensfrage verweigert. Er hat sich also nicht stürzen lassen/ hat nicht gekämpft, obwohl er mit Hilfe der Kommunisten in diesem einen Jahr eine Rekordzahl innerer Krisen abgewettert hatte. Er hat es vielmehr aus wohl­überlegten Gründen vorgezogen,zurückzutreten". Natürlich kommen Umstände und Wirkungen dieses Rücktritts" in der Praxis einem Sturz gleich; aber in ultraparlamentarischen Ländern haben solche Manöver schon wiederholt den Wert von Injektions­spritzen mit dem Erfolg der Wiederbelebung gehabt.

Kurz uni) gut, Herr Blum, der Mann, unter dessen Regierung Frankreich den traurigen Ruhm erwarb, daß es keinen einzigen Tag ohne Streiks, Werkbesetzungen, Ausschreitungen usw. erlebte, der Mann, der ein Jahr Jllusionspalitik mit einer über SOprozentigen Teuerung abschloß, der Mann, der ungeachtet aller Warnungen und aller erschrecken­den Folgen seinem Lande mit der 40-Stunden-Woche weitere Milliarden Verluste aufbürdete, derselbe auch, der hinter dem arg durchlöcherten Schild der grundsätzlichen Nichteinmischung" lieber die direkte und indirekte Unterstützung 'des Sowjetkrieges in Spanien zum Prinzip erhob, als daß er eine der praktischen Verständigungsmöglichkeiten mit Deutsch­land nutzte, eben dieser selbe Leon Blum ver­mied in den Augen des parlamentarischen Frank­reich das Odium des Gestürztwerdens und hält sich zur Wiederkehr bereit. Wann? das gilt gleichviel; aber es ist bezeichnend, daß die Auguren in den Wandelgängen der Kammer eine .Wiederbetrauung Blums als durchaus möglich erörterten zu einem Zeitpunkt, als Chauternps noch nicht einmal feine Zusage zur Kabinettsbildung gegeben hatte!

Der zweite entscheidende Unterschied liegt darin, daß Blums Taktik den Nebenzweck hat, die2Itien", d e n Senat mit der Verantwortung für die jetzige Krise zu belasten. Der französische Senat hat oft Opposition gegen Beschlüsse der Kammer getrieben, aber die Fälle, in denen er ein Kabinett stürzte ge­gen eine fast hundertstimmige Mehrheit der Kam­mer, kann man sich in der ganzen französischen Geschichte an den Fingern einer einzigen Hand her- zählen. Blum wollte die Rückkehr des französischen Fluchtkapitals erzwingen. Es sollte in das lecke Faß jener erstaunlichen Volksfront-Mißwirtschaft strö­men, von der noch vor kurzem Caillaux dem Mini­sterpräsidenten in der Kammer zugerufen hatte: Geben Sie doch endlich zu, daß Frankreich feit über zwanzig Jahren weit über seine Ver­hältnisse leb t." Und Caillaux illustrierte diese Volksfront-Mißwirtschaft, indem er zugleich darauf verwies, daß in anderen Ländern Ausstellungen Geld einbringen, daß aber die Weltausstellung be­reits eine Milliarde Verluste für Frankreich ge­bracht f)at, ober, inbem er ben Finger auf die von Blum erneut geforderten fünf Milliarden zeigte, denen keinerlei Einsparungen gegenüberständen, und zwar einzig und allein, um die Wirklichkeit zu verschleiern und Illusionen zu verteilen."

Im Augenblick ist die Lage in Paris noch völlig ungeklärt. Was tun die Kommunisten und Marxi­sten? Wie werden sich die Radikalsozialisten ver­halten? Wird der Senat einem vom Nachfolger Blums abgeänderten Ermächtigungsgesetz feine Zu­stimmung geben? Der zunächst bezeichnete Nach­folger Blums, Chauternps, hat bis jetzt in fei­ner parlamentarischen Karriere das Pech gehabt, daß ihm zwischen Lipp- und Kelchesrand stets das Glas zerbrach, wenn er den Becher parlamentari­scher Machtfülle endlich errungen zu haben schien. Im Februar 1930 war er in der gleichen Lage wie jetzt, aber die Deputiertenkammer'lehnte seine Re­gierung sofort ab. Im November 1933 war er abermals am Ziel. Da brach der Stavisky-Skandal aus, Chauternps wurde beschuldigt, in feinen Krei­sen Korruptionisten geduldet zu haben, und aber­mals mußte er den Sessel des Ministerpräsidenten verlassen. Trotzdem ist Chauternps das ewige Wie­der - Stehauf - Männchen des französischen Parla­mentarismus; er versucht jetzt, als Radikalsozialist die Marxisten zu bereden und die Kommunisten ein­zuwickeln in den Parlamentarismus, den ihre Stachelhaut immer wieder zerreißt. Ob nicht die Straße, die von den Kommunisten und Marxisten aufgehetzten Massen, einen Strich durch die Rech­nung Chauternps' machen, wird sich sehr bald ent­scheiden. I o u h a u x, der Gewerkschaftsführer, hatte gedroht, im Falle die Volksfront-Regierung stürze, würde es zu außerparlamentarischen Aktionen kom­men. Er hatte die Straße gegen das Parlament ge­stellt, das Faustrecht gegen das gesetzmäßige Recht. Und Blum selbst hatte vor dem Senat Aeußerungen getan, die allgemein als Pression aufgefaßt wurden, während er nach seinem Rücktritt emphatisch ver­sicherte, die llebcrtragung der Macht müsse sich un­bedingt friedlich und gemäß dem Prinzip der re­publikanischen Legitimität vollziehen. Wird Frank­reich durch ein Jahr der Regierung der Volksfront wirtschaftlich förmlich umgestülpt, die Kraft haben, diesmal wieder das Gesetz, die Verfassung, walten zu lassen ober einen Rückfall in bic anarchischen Krisen erleben, die feine Geschichte kennzeichnen?