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Itr.m viertes Blatt

Kießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)

Samstag. 21. August 1937

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Raps oder Rübsen, das Rohmaterial für die Oelgewinnung.

Eine alte oberhessische Oelmühle.

erwiesen.

sind im Die Der- hier

Schlag ° Mühlen Sinne des Wortes Frucht wird der arbeitunqsgang sei

läßt sich eine Entwässerung des Körpers herbei­führen. Man hat in übertriebener Sorge für Zu­fuhr von Salzen künstliche Nährsalzgemische her­gestellt. die dem in der Milch nachaebildet waren und die von Nährsalzsekten angepriesen wurden, es hat sich aber diese besondere Zufuhr nicht als nötig

kurz beschrieben zuerst in einem Mahlgang ge­quetscht, dann in einem besonderen Behälter er­hitzt (auf eine Tempera­tur von etwa 70 Grad Celsius) und hierauf un­ter das eigentliche Schlag­werk gebracht. Dieses Schlagwerk ist eine alt­väterliche Einrichtung, die zwar zweckmäßig ist, aber keine sehr hohe Leistung ermöglicht. Auf einer ro­tierenden Walze sind derbe Stangen angebracht, an deren Enden bewegliche Hämmer sitzen, die in gleichmäßigen Abständen auf die Frucht einschlagen und das Del austreiben. In mittleren Betrieben geschieht die Oelgewin-

In der Oelmühle. Am Oelfruchterwärmer (im Bilde rechts) und an der hydraulischen Presse, deren Zylinder unmittelbar links neben dem Oelmüller zu sehen ist.

Die von den Bauern sehr begehrten Oelkuchen, ein eiweißreiches Futtermittel für das Milchvieh.

Unter dem schweren Kollergang wird die Oelfrucht für den Preßvorgang vorvereitet.

(Aufnahmen söj: Neuner, Gießener Anzeiger.)

Die Bedeutung des Oelfruchtanbaues im kleinen ländlichen Betrieb liegt auf der Hand. Was der Bauer für seinen eigenen Gebrauch an Speiseöl aus eigenem Boden gewinnt, braucht schon nicht aus ausländischen und daher devisengebundenen Oel- früchten gewonnen zu werden! Durch die staatliche Förderung wird mancher Bauer veranlaßt werden.

Unser täglich Brot.

Von Professor Or. Bürler, Direktor des physiologischen Instituts der Universität Gießen.

eine verblüffend einfache, aber aus der Erfahrung heraus absolut sichere Weise festgestellt. Die Bäuerin wirft eine kleine Zwiebel in das Del, und wenn diese Zwiebel dun- feibraun geworden ist, dann ist das Del von sei­nem rauhen Geschmack befreit und für alle mög- lichenSpeisezwecke brauch­bar Es steht den Speise­ölen, die man beim Kauf­mann in der Stadt erhält und die meist aus aus- ländischen Delfrüchten ge- Wonnen sind, an Güte und Reinheit nicht nach.

Bleibt noch zu erwähnen, daß aus dem Flachssamen das vorzügliche Leinöl und aus Bucheckern ein sehr zartes Del geschlagen wer­den Fann. Auch für diese beiden Arten gibt der Staat hohe Ausgleichsteuersätze.

Speiseöl aus bewährte Bauernart

Raps und Rübsen auf dem Weg durch die Oetmühlen.

Die meisten oberhessi- schen Delmühlen

Aus sauberen Gefäßen wird das Del' in Kanister gefüllt.

gleichmäßiger Menge zwischen große kreisrunde Stahlplatten gebracht wird (der Durchmesser dieser Platten entspricht der lichten Weite des Preß­zylinders), vom Metall durch Roßhaardeckchen ge­trennt, so daß auch aus der Mitte des dabei ent­stehenden Kuchens das Del ungehindert abfließen kann. Zur besseren Ausnützung werden die Kuchen aus dem ersten Preßgang unter einem schweren Kollergang noch einmal bearbeitet, wiederum der Erhitzung und dem Preßvorgang unterzogen. Gelb und schwer fließt das Del in bereitgefteUte Eimer und Kannen. In derHintergässer Mühle" zu Nieder-Dhmen, in der auch die hier gezeigten Bilder ausgenommen wurden, wird das Del auf die hier beschriebene Weise gewonnen. Zn der Menge und im vollen Eimer erscheint das Del dunkel, Sinkstoffe setzen sich aber bald ab, und das hellgelbe, goldig glänzende Del kann abgeschüttet werden.

Aber noch kann es so in der Küche nicht verwandt werden. Das Del, wie es aus der Presse kommt, enthält nämlich noch Senföle, die ihm einen bitteren, herben oder rauhen Geschmack geben. Dieser Ge­schmack muß beseitigt werden. Deshalb muß die Bäuerin das Delkreischen". Sie bringt es zum Sieden! Dabei verdampfen die Senföle. Wenn dieser Berdampfungsprozeß beendet ist, wird auf

und Duftstoffen, die in den Nahrungsmitteln selbst enthalten sind, oder durch Zusätze von Kräutern, Blüten, Früchten, Samen, Wurzeln und Rinde, die als wirksame Stoffe messt ätherische, die Magen­saftsekretion anregende Dele enthalten.

Die Kenntnis von der Bedeutung der Vitamine hat vielfach zu einer Ueberfütterung mit diesen ge­führt, was sich ungünstig ausgewirkt hat; bei rich­tiger Wahl der Nahrung ist für den Gesunden ein besonderer Zusatz von Vitaminen nicht erforderlich.

Von Genußmitteln kommen besonders Kaf­fee, Tee, Kakao und Alkohol in geistigen Geträn­ken in Betracht. Die ersteren enthalten das Alkaloid Koffein oder verwandte Stoffe, die anregend und die Ermüdung beseitigend wirken. Was ist nicht schon alles über das letztere, den Alkohol, geschrie­ben worden, aber man sieht heute klar in bezug auf seine Wertung. Er ist ein energiereicher Stoff liefert doch ein Gramm 7,3 Kal., also mehr als Eiweiß und Kohlehydrate, der im Stoffwechsel auch ausgenutzt wird, sparend in bezug auf die andern energiereichen Stoffe wirkt und auch das Gefühl von Wärme erzeugt, aber es ist emHei­zen bei geöffneten Türen", da die Blutgefäße der Haut erweitert werden und so die Wärme wieder abgegeben wird. Er regt viele Funktionen und be­sonders zu hohem Geistesflug an, er fördert die Geselligkeit underfreuet des Menschen Herz", Freude aber ist die Duelle vieler Tugenden. Aber er wird leicht zum Blender, indem er Kräfte, kör­perliche und geistige, oortäuscht, die nicht vorhanden sind. Vor allem aber beseitigt er schließlich die für den Menschen so notwendigen psychischen Hem­mungen, wirkt narkotisch, lähmend und schwemmt auch wichtige Stoffe der Gehirnsubstanz aus. Alles in der Welt hat eben feine zwei Seiten. Da er in geringen Mengen schon im Blut nachgewiesen wer­den kann, muß jeder Autofahrer, der unter Alko­holeinfluß steht, bei Unglücken der Bezichtigung

3n den vergangenen Jahrzehnten war es in un­serem Vaterland und damit auch in unserer ober­hessischen Heimat um die Schlagmühlen, die Oel- mühlen, reichlich still geworden. Lange genug waren von den früheren Regierungen ohne Bedenken Del- früchte und Dele eingeführt worden. Dadurch kamen Die Delmühlen zum Stillstand, gerieten sie fast in Vergessenheit Zn Dberhessen waren bis 1933 nur noch wenige Delmühlen in Betrieb. Aber, wie auf so manchem Gebiet, auch hier hat der national­sozialistische Staat Wandel zum Guten geschaffen. Zm Jahre 1934 erging die erste staatliche Maß­nahme, die der Förderung des Delfaatenanbaues diente Dem Bauern, der sich bereit fand, Del- faaten, insbesondere Raps und Rübsen anzubauen, wurde ein fester Preis, ein Mindestpreis von 32 Mark für den Doppelzentner Oelfrucht garantiert, die ihm der Oelmüller für feine eigene Rechnung abnahm. Dem Oelmüller wurde für die gesetzliche Besteuerung eine Ausgleichsförderung bewilligt, die ihm zu einem Zeitpunkt bezahlt wird (von Staats wegen), der erheblick vor dem Fälligkeitstermin der Fettsteuer liegt. Diese Ausgleichsförderung liegt für das Zahr 1937 zum Teil höher, als die Fettsteuer­beträge. Der Staat fördert also den Delfaatenanbau in erheblichem Maße, und das Hauptzollamt in Gießen, das für Oberhesfen die Versteuerung der Dele und Fette vornimmt, auch die Ausgleichssteuer­beträge verteilt, ist also weniger Steuerheber, als vielmehr eine F^derungsstelle, die mehr Geld gibt, als sie einnimmt.

Es gibt in Dberhessen 25 Delmühlen, die gegen­wärtig in Betrieb sind Diese 25 Delmühlen unter­stehen dem Hauptzollamt Gießen in drei Hebebe­zirken: Gießen Nidda und Lauterbach. Des allge­meinen Interesses halber seien die Orte hier auf­geführt, in denen Delmühlen in Betrieb find. Im Hebebezirk Nidda m dem sich die meisten Schlag­mühlen befinden, find sie in folgenden Orten: Mit­tel-Seemen, Hitzkirchen, Büdingen, Gedern, Schot­ten, Eschenrod, Wohnfeld, Wingershausen, Selln­rod, Unter-Schmitten, Burkhards und Babenhau­sen. Zum Hebebezirk Gießen gehören Burgge- münden Nieder-Dhmen, Ehringshausen, Treis (Lumda), Londorf und Großen-Bnseck Der Hebe­bezirk L a u t e r ba ch erfaßt die Mühlen in Kir­torf, Eichenhain und Heisters. Merkwürdigerweise befinden sich im Kreis Friedberg gar keine Del­mühlen im Betrieb, und es ist bei den Bauern der Wetterau, soweit sie Delfaaten anbauen, üblich, daß sie ihre Oelfrucht auf Lastkraftwagen sammeln und in die Mühlen von Büdingen, oder um Nidda schaffen.

Die meisten dieser rein bäuerlichen Mühlen (es gibt auch eine modern-industrielle Verarbeitung und Extraktion) arbeiten imLohnschlag" Das heißt: die Bauern bringen ihre Oelfrucht zum Schlag­müller und erhalten von ihm sofort oder nach dem Schlag ein bestimmtes Quantum 0 e l (etwa 17 Liter für den Doppelzentner) und eine bestimmte Menge Oelkuchen. Diese sind den Bauern sehr wichtig! Oelkuchen (das sind feste Rückstände der ausgeschlagenen Frucht) sind ein wertvolles, eiweiß­reiches Futter für das Milchvieh. Nach einem alten Gewohnheitsrecht kann der Schlagmüller einen Teil des geschlagenen Oeles einbehalten, darüber hinaus bekommt er den üblichen Schlaglohn, der für den Doppelzentner Oelfrucht zwischen 6 und 7 Mark liegt. Die Bauern bauen meist und gegenwärtig nur so viel Raps oder Rübsen an, wie sie Del für den eigenen Gebrauch im Hause benötigen bzw. wie­viel Oelkuchen sie haben wollen. Wieviel Del der Schlagmüller aus dem Doppelzentner angelieferter Frucht gewinnen kann, ist zum Teil abhängig von der Vollkommenheit feiner Einrichtungen.

2. Fortsetzung*).

Von Nahrungsmitteln, die hauptsächlich Kohle­hydrate, und zwar Stärke, als Nahrungsstoffe ent­halten, sei die uns unentbehrliche Kartoffel ge­nannt; die schon erwähnten Getreidekorner sind noch reicher an Stärke. Das weitere in pflanzlichen Nahrungsmitteln vorkommende Kohlehydrat, die Zel­lulose, wird im menschlichen Magendarmkanal kaum verdaut, regt aber zu den so notwendigen Darm­bewegungen an. Fett steht als tierisches und pflanzliches in Schmalz, Butter, Palmin, Marga­rine zur Verfügung, das Speiseöl stammt meist aus Pflanzensamen. Kohlehydrate und Fette wirken eiweißsparend, können aber, selbst in größter Menge dargereicht, das lebenswichtige Eiweiß nicht ersetzen. Das Sättigungsgefühl wird durch Fett eher hervor­gerufen als durch Kohlehydrate. Der Organismus kann Fett aus Kohlehydraten bilden. Fett ist auch Träger fettlöslicher Vitamine Im großen Krieg hat es an Fett schließlich sehr gefehlt, auch jetzt bestehen noch Schwierigkeiten mit der Beschaffung von Fett. Der Mangel an den energiespendenden Stoffgrup­pen hat dasKriegsödem", auchHungerödem" genannt, hervorgerufen.

Günstig wirken auch Gemüse, Salate und Pilze,' weniger durch energiereiche als durch appetitreizende Stoffe und viel Vitamine und, mit Fett oder Del zubereitet, als Fetträger. Spinat ent­hält ziemlich viel Eisen, das für die Bildung des Blutfarbstoffs gebraucht wird. Die Ausnützung all dieser Nahrungsmittel ist aber nicht sehr groß.

Mit Recht beliebt ist das O d st durch reichlich Zucker, Vitamine, angenehm schmeckende organische Säuren und aromatisch riechende Ester, durch die Abwechslung in der Ernährung, die es bietet, und die leicht abführende Wirkung. Es enthält auch die gelatinierende Substanz Pektin. Nüsse und Man­deln zeichnen sich durch einen hohen Eiweiß- und Fettgehalt aus. Die erfrischend und anregend wir­kenden Fruchtsäfte enthalten fast alle wertvollen Be­standteile des Obstes.

Die Nahrung ist richtig zusammengesetzt, wenn sie auch noch anorganische Salze und Wasser, Schmeck- und Duftstoffe und Vitamine enthält, von Vorteil sind auch, richtig angewandt, die Genuß- mittel.

Es wurde im ersten Beitrag schon auf die Rolle der Salze hingewiesen, zugefügt sei hier noch, daß sie, und zwar besonders Natriumbikarbonat und Phosphate, zur Aufrechterhaltung des Säure- Bafen-Gleichgewichts dienen, indem sie als soge­nannte Puffersubstanzen Säure- und Basenstöße aufzufangen und die nur ganz schwach alkalische Reaktion des Blutes aufrecht zu erhalten haben, was für das Leben offenbar von großer Bedeutung ist. Auch auf den Zustand der hochmolekularen energiereichen Stoffe sind die Salze von Einfluß. In größter Menge ist Kochsalz nötig, das auch die Muttersubstanz der Salzsäure im Magensaft dar­stellt. Die Salze sind meist schon in den Nahrungs­mitteln enthalten, in tierischer Kost aber mehr als in gleichviel pflanzlicher. Vielfach werden die Speisen zu stark gesalzt, man spricht geradezu von einer landesüblichen Kochsalzvergiftung. Das Überschüssige Kochsalz wird gestapelt, was aber nur zusammen mit Wasser geschehen kann. Durch kochsalzarme Diät

*) Teil I in Nr. 188 vom 14. August, Teil II in Nr. 191 vom 18. August.

nung auf intensivere und nachhaltigere, also auch auf raschere Art. Die Frucht wird ebenfalls ge­quetscht und erhitzt, gelangt aber bann in bestimm­ten Mengen in eine hydrauliche Presse, die bis zu 300 Atmosphären Druck aufbringt. Der Zylinder, in dem die Frucht gepreßt wiro, hat an seiner Wandung eine große Anzahl von feinen Lochern, durch die das ausgepreßte Del abfließen kann. Um einen leichteren und gleichmäßigeren Abfluß des Oeles zu sichern, wird die Frucht, die in immer

Die Zufuhr von Wasser, das auch schon in den Nahrungsmitteln enthalten ist, wird am besten durch das Durstgefühl geregelt, nicht sinnloses Trinken darf hier einreißen. Bei starker körperlicher Arbeit verläßt viel Wasser mit Salzen den Körper durch die Haut, die Schweißdrüsen funktionieren dann geradezu als Nieren der Haut, der Harn ist daher sehr konzentriert. Hier ist das Bedürfnis nach Wasser besonders groß, wobei der Durst aber besser gelöscht wird, wenn dem Wasser etwas Kochsalz zugesetzt wird. Günstig wirkt auch ein Zusatz von Phosphaten, da sie die weitere Muskelarbeit er­leichtern.

Stets muß die Nahrung gewürzt sein, ent­weder durch an sich geringe Mengen von Schmeck­

seine Aufmerksamkeit mehr und mehr dem Oel- fruchtanbau zu widmen Die Erfahrung hat außer- dem gelehrt, daß Oelfrüchte eine gute Vorfrucht für Weizen barfteUen. Blühenbe Raps- unb Rubsen- felber finb eine vorzügliche Bienenweibe. Sichtlich können also mit bem Oelfruchtanbau, wie man lanbläufig zu sagen pflegt, mehrere Fliegen mit einer Klappe geschlagen werben. N.