Samstag, A. August 1937
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)
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Leistung und Erfolg.
Or. Roderich von Llngern-Sternberg.
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London, August 1937.
Die Herren vom „FO." — wie oft müssen sie nicht in Leitaufsätzen aufmarschieren! Wie oft müssen sie nicht ihre Köpfe dafür Hinhalten, wenn dieser oder jener Staat mit der amtlichen Außenpolitik Großbritanniens unzufrieden ist und trotzdem das Londoner Kabinett nicht direkt verantwortlich machen will. Ein fast legendärer und mystischer Schimmer umhüllt ihre Arbeit und — wer wollte es leugnen — auch ihre Erfolge. Die Stätte ihres Wirkens, das F o r e i g n Office, in der Straße der britischen Ministerien, Whitehall, ist mehr als nur ein renaissancehaftes sandsteinernes Gebäude im Londoner Häusermeer, ist ein Begriff geworden, wie die Wilhelmstrahe in Berlin, der Quai d'Orsay in Paris, der Palazzo Venezia in Rom und der Ballhausplatz in Wien. Rücken wir aber diesem Begriff einmal auf den Leib, so werden wir entdecken, daß aus Legende und diplomatischem Mythos eine recht nüchterne, lebendige Wirklichkeit wird.
Wir blättern in der Geschichte des Foreign Office, des britischen Auswärtigen Amtes, zurück und stellen mit einiger Überraschung fest, daß es ein gutes Stück jünger ist als unser deutsches, das ja über eine gute und direkte Tradition zum preußischen verfügt, dessen Geburt in das Jahr 1728 fällt. Erst 1782 begegnet uns der Name Foreign Office, und es ist fein geringerer als der sehr bürgerliche, mit seinem großen adligen Gegenspieler William Pitt ewig im Streit liegende Charles James F o x, der als erster Staatssekretär für auswärtige Angelegenheiten den Reigen berühmter britischer Außenminister eröffnet, unter denen hier nur Canning, Palmerstone und Salisbury genannt seien. Bis 1782 hatte es überhaupt nur zwei Staatssekretäre gegeben. Der eine verwaltete sämtliche inneren Angelegenheiten, und darüber hinaus mar ihm die Sorge für Irland, Amerika, Frankreich, Spanien, Portugal, Italien, die Türkei usw. aufgetragen. Der zweite Staatssekretär hatte sich um das übrige Europa zu bekümmern. Sein Amt wurde 1782 das Foreign Office, wahrend sich äug’ dem des ersteren das Innenministerium, das sogenannte Home Office, entwickelte. Erst 1868 zogen die Herren vom Foreign Office in das große Gebäude von Whitehall ein, bis dahin hatten, anfänglich nicht mehr als ein Staatssekretär, zwei Unterstaatssekretäre und 11 weitere Beamte, in kleinen, dunklen, fast barackenähnlichen Gebäuden gehaust und gearbeitet.
Bis in die Mitte des vorigen Jahrhunderts wurden von den Beamten des FO. keine besonderen Dorkenntnisse verlangt. Auch gab es keinen besonders durchgegliederten diplomatischen Dienst. Der König, der Ministerpräsident oder selbst irgendein anderer Minister ernannte seine Freunde zum Gesandten, diese wieder wählten ihren Stab aus ihren Freunden und Verwandten; mit Lord Clarendon wurde das anders. Examina wurden eingeführt und die Herren vom FO. den übrigen der Zivilverwaltung gleichgestellt. Eine Domäne des
Das Backfischerl — es heißt, sagen wir einmal Else — knobelt an einem Rätsel herum. Wie halt Rätsel sind: man muß aus zwanzig Silben einen Philosophen, einen indischen Fluß, eine ilßüftens pflanze, ein Hausgerät, einen Dichter, eine Frucht,
erhält. Im einzelnen hängt natürlich viel vom Temperament des betreffenden Volkes ab, aber es ist doch ganz ausgeschlossen, daß die Leistungsfähigkeit einer Nation unter einer fortschreitenden Vergreisung nicht leidet, denn trotz aller erhöhten Leistungsfähigkeit unserer alten Jahrgänge kann der alternde Mensch niemals eine so starke Beanspruchung seiner Kräfte ohne schädliche Folgen für seine Gesundheit ertragen, wie der jugendliche. Jung bleiben heißt, volksbiologisch gesehen, dafür sorgen, daß die Zahl der jungen Menschen, daß die Kinder anteilsmäßig nicht ab-, sondern zunehmen und das ist nur durch Aufrechterhaltung bzw. Wiedererlangung einer hohen Geburtenhäufigkeit zu erreichen.
Adels blieb das FO. indessen lange Zeit darüber " ' ,u tun.
tastisch. Dann aber klärte sich alles auf. Es gab eine sehr einfache und natürliche Erklärung. Sie werden sich vielleicht erinnern, meine Herren, daß es im Jahre achtundzwanzig einen Ausbruch des Aetna gab. Einen kurzen Ausbruch. Eigentlich nur ein Rumpeln. Es genügte jedoch, um ein Seebeben zu entfachen, das eine gewaltige Flutwelle bis hinüber bis Bengasi trieb. Dieser Flutwelle waren wir begegnet. Ihr war Mr. Sharp zum Opfer gefallen. Sie sehen, das alles hatte nichts mit Spuk oder übersinnlichen Kräften zu tun. Es ging alles ganz natürlich zu."
Sir John schwieg. Hauptmann Gwsvno schwieg gleichfalls, und Mr. Cutwell betrachtete versonnen seinen Skarabäus. Plötzlich nahm er den Stein und warf ihn über die Brüstung weit in den dunklen Park. .
„Hallo, was machen Sie da?!" rief Sir John erstaunt. _ ,
„Ich will sicher gehen", sagte Mr. Cutwell. „Ich will das Teufelszeug nicht haben. In acht Tagen fahre ich nach Hause — durch das Mittelmeer, durch die Biscaya und quer über den Atlantik. Es ist ein weiter Weg. Und ich möchte heil drüben ankommen."
jungen Jahrgänge groß ist, das andere aber eine unverhältnismäßig starke Besetzung der älteren und alten Jahrgänge aufweist, das erstere einen natürlichen Vorzug und eine Überlegenheit besitzt. Eine „vorgreifende" Altersgliederung, zumal eine schnell fortschreitende Zunahme des Anteils der alten Leute und eine anteilsmäßige Schrumpfung der jugendlichen Jahrgänge führt notwendigerweise dazu, daß Vorsorglichst, Bedenklichkeit, Verzichtstimmung usw. zu sehr um sich greifen und sich auf Kosten des jugendlichen Wagemutes, der Opferwilligkeit und Begeifterungsfähigkeit und der körperlichen und geistigen Spannkraft ausbreiten und dadurch das ganze Leben einen übertrieben konoersatioen Zug
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die für sehr zahlungsfähige Touristen Mittelmeerreisen machen. Wir hatten eine Auswahl reicher Leute an Bord, darunter viele Landsleute von Ihnen Mr. Cutwell. Einer davon, ein Mr. Sharp — ich glaube, er hatte Spinnereien in St. Louis oder so etwas — machte sich ein bißchen unangenehm bemerkbar. Der Mann hatte offenbar ein übersteigertes Geltungsbedürfnis. Er war nicht glücklich, wenn er nicht ständig Mittelpunkt der Gesellschaft war. Er übertrieb in jeder Hinsicht — in feinem Auftreten und in seinem Aufwand. Nun wir haben alle unsere Fehler."
Sir John lächelte. „Jeder an Bord wußte, daß Mr. Sharp eine Unzahl ägyptischer Altertümer zusammengekauft hatte. Er selbst sprach dauernd davon. und wir hatten bald Gelegenheit, einen Teil der von ihm gesammelten Schätze zu bewundern. Wie ich schon sagte, war die „Segovia" mehr em Vergnügungsschiff als ein Reisedampfer. Alles war darauf abgestellt, die Passagiere zu unterhalten. Zwei Tage nach der Abfahrt von Alexandrien hatten wir ein Maskenfest an Bord. Und dabei geschah es.
Das Fest hatte begonnen. Die meisten Fahrgäste trieben sich mehr ober minder phantastisch kostümiert, auf dem Promenadendeck umher, als plötzlich ein seltsamer Zug erschien. Voran gingen zwei in ägyptischen Gewänder gehüllte Stewards. Dann kamen vier andere, die einen reich bemalten, prunkvollen Mumienschrein trugen. Es schien kein königlicher Sarg zu sein, aber aus einem vornehmen Grade stammte er sicher. Darm lag Mr Sharp. Er hatte sich als Mumie hergenchtet und trug eine Nachbildung der Krone Ober- und Unteragyptens auf dem Kopf. Eine verrückte Idee! Verrückt, wie der Mann selbst. Feierlich stellten die Stewards den Sarg auf das Deck nieder und traten beiseite. In diesem Augenblick stieß einer der Passagiere
Das mutige Mädchen.
Von Julius Kreis.
Grad noch unterm Abfahren hupft sie aufs Trittbrett, schlängelt sich an dem schon wetterleuchtenden Schaffner mit demütig-verschmitztem Augenaufschlag vorbei in den Wagen. Ein Strähnchen aus dem dunklen Haar fällt über die Stirn und wird verächtlich mit einem Kvpfwerfen abgetan, dann rascheln die Hände in die Schulmappe und ziehen unter Heften und Büchern ein kleines Schriftchen heraus „Zeitvertreib".
Nun sitzt das Mäderl, die Töchterschülerin, das nette Backfischerl, über den Blättern, und die Wangen glühen nach von Eile und Lauf, den Wagen zu erwischen. Jeder im Wagen gönnt dem Auge wohlgefällig ein Weilchen das zierliche, feingliebrige Figürchen, unb ber Schaffner verlangt schmunzelnb bie Schülerkarte. Denn im Eifer über bas Heftchen „Zeitvertreib" vergißt die Kleine alle Pflichten des ordentlichen Fahrgastes, dem Schaffner unaufgefordert und so weiter ...
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"ü glauben also nicht an diesen Fluch ■P Boonen?" fragte Mr. Cutwell erleichtert evii!i Blick auf seinen Skarabäus.
...rxd habe nur einmal daran geglaubt und
>r s_irze Zeit", sagte Sir John. „Wenn
•Wx. erzähle ich Ihnen die Geschichte."
„iie", sagte Hauptmann Giosono etwas steif.
«D c, erzählen Sie!" bat Mr. Cutwell eifrig.
-/'n Jahre achtundzwanzig", beaann Sir John »tu1: ich mit der „Segovia" von 9n»rnnhriPn nack ®Wb. Die Segovia ist eines
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Die Herren vom Foreign Office
Von unserem tbg.-Berichterstaiier.
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Llidjfeit, infolge einer unbestreitbaren großen Mchkeit und dem außergewöhnlichen Aufwand n Fleiß unb Energie, bie sie erforbern, von । b e r sozialer Bebeutung finb unb ein Dienst barstellen. Alles, was als Verbienst be- trlet werben muß, ist aber unbebingt eine Lei-
Lab en arbeiteten.
Heute finb biefe Zeiten vorbei. In keinem britischen Ministerium wirb wohl intensiver gearbeitet als im „FO.". Für bie Zunahme ber Arbeit mag vielleicht bie Tatsache sprechen, baß im Jahre 1934 genau 155 081 Dokumente registriert würben, wäh- renb deren Zahl noch 30 Jahre vorher nur 49 556 betrug. Ob bie Gehälter ber Beamten bem Arbeits- aufwanb entsprechen, müssen biefe mit sich selbst abmachen. Im Durchschnitt beträgt bas Gehalt eines jungen Diplomaten 300 Pfunb Sterling in Lonbon unb 500 Pfunb Sterling im Auslanb. Das Höchstgehalt eines Geheimrats ist 1200 Pfund Sterling im Jahr. Sollte er mit 50 Jahren Minister sein oder gar Botschafter werden, dann allerdings ist er ein wohlhabender Mann. Die Tätigkeit selbst erstreckt sich bis tief in den Abend, ja ist dann be« sonders intensiv. Einige jüngere Beamten wohnen sogar im „FO.", um auch nachts erreichbar zu sein, was das Witzblatt „Punch" zu der boshaften Be- merfung veranlaßte, es gebe im „FO." immer, sogar nachts, einige Beamte, die in den Amtsräumen schliefen.
Wie die Arbeit verläuft, hat der frühere Presse- chef des „FO., Sir Arthus W iUert, selbst einmal sehr anschaulich geschildert: „In den Abendstunden ist das Foreign Office am stärksten beschäftigt, wie eine Zeitung; denn bie Nachrichten, befonbers aus Europa, treffe in Lonbon meist spät ein. Man nehme z. B. an, es sei eine internationale Krise ausgebrochen. Das Kabinett faßt am Vormittag einen Beschluß — ber Staatssekretär eilt in bie Downing Street unb beruft seine engsten Mitarbeiter, um einen Aktionsplan zu entwerfen — Ferngespräche mit Rom und Paris — ber Botschafter in Rom wird beauftragt, Mussolini ober dessen Vertreter aufzusuchen — ber Botschafter in
Also, unsere Else brütete über den Welträtseln ...
Da verdunkelt sich mit einemmal der Wagen, und drohend wie eine Gewitterwolke erscheint der Kontrolleur im Türrahmen. Wie reißt es da das Herz des loyalen Untertanen und Staatsbürgers: Kontrolle! Straßenbahnfahrende Geheimräte unb Minister werben ängstlich, wenn sie ben Fahrschein nicht gleich finben. Au weh! Diesmal ift’s noch dazu ber Grimmige, ber Scharfe, ber von ber Linie X ...
Bitet bie Fahrscheine ...!! Heut hat er noch bazu seinen schlechten Tag. Da grantelt er mit einem Herrn, weil ber zu lang nach bem Fahrschein sucht, eine Frau kriegt ihren Rüffel, weil sie ihren Fahrschein so „zusammengewutzelt" hat, ber Schaff- ner wirb angehaucht, weil er bie Zeit unbeutlid) angestrichen. Immer finsterer wirb bas Kontrolleurgesicht. Die Fahrgäste haben Herzklopfen. Der Geheimrat glättet heimlich feinem Fahrschein sauber bie Büge aus ...
Nun steht er vor Else ... Dräuenb ... Vor Else mit bem Rätsel. Schon verlangt er streng nach ber Fahrkarte.
Da hebt Else bas Köpfchen, die großen blauen Augen, das süße Kirschengoscheri, und sagt--
ja fällt denn da ber Himmel nicht ein — sagt: ,,Ach, bitte, leihen Sie mir boch ein bißl ben Bleistift, Herr Schaffner". Sie muß nämlich bie Silben anstreichen ... „Herr Schaffner!" ... Das auch noch!!
So?---Wir sitzen alle mit gepreßtem Atem.
— Eine (Sefunbe vor Weltuntergang.--Unb
siehe, ber Gewaltige, Dräuenbe brummelt etwas in den Schnauzbart, über sein Gesicht geht's wie ein Apriltag, so zwischen Sturm unb Sonne hin unb her ... noch kämpft er, bann angelt bie Hanb in bie Tiefen ber Tasche, holt ein Bleistümvchen heraus unb reicht es bem mutigen Mäbchen. Fast mit einer knappen höflichen Verbeugung ...
Fast?--Dann sagt er mit milber, amtlicher
Freundlichkeit: „So, jetzt aber bie Fahrkarte, bitte". Unb Eischen kramt in ber Mappe, unb der Gewaltige wartet — wartet so lange, bis sie gefunden ist Dann fertigt er, gar nicht mehr brummeiig, die übrigen Fahrgäste ab. Unb als er sich roenbet, reicht ihm Eischen mit einem schönen artigen Knicks unb mit einem Lächeln — so ganz von unten her — aus den Augenwinkeln — den Bleistift.
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Erfolg sicherlich keinesfalls; im Gegenteil. Wir j müssen uns darüber klar sein, daß es sich hier um : eine der abstoßenden Eigentümlichkeiten des kapi- । talistischen Zeitalters handelt, die sich herausgebil- : bet hat im Gegensatz zu früheren „gebunbenen Zei- , ten, wo es bem Menschen allerbings nicht vergönnt war, „vorwärts zu kommen", unb auf ber sozialen Stufenleiter aufzusteigen, als noch, von wenigen Ausnahmen abgesehen, jeber fein Dasein im Rahmen eines bestimmten Stanbes unb wirtschaftlichen Lebenskreises vollenbete unb es kein Trachten nach Erfolg, im Sinne eines Beifalls, ber bie Möglichkeit ber Bereicherung unb bes Aufstieges eröffnet, ja zur Voraussetzung hat, gab. Erfolg ist gleich solchen Begriffen wie „Fortschritt", „Verkehr", „Tempo", usw. erst im Laufe bes 19. Jahrhunberts im Zuge ber kapitalistischen Entwicklung zu einem wesentlichen Bestaubtet! unserer täglichen Erwägungen unb Bestrebungen geworden.
Für bas Wohl der Allgemeinheit kommt es jedoch nicht nur auf Höchstleistungen einzelner Personen an. Die durchschnittlich gute Leistuna, die, wie gesagt, ein Verdienst darstellen kann, ist für das allgemeine Wohlergehen von außerordentlicher Bedeutung. Daher spielen auch diejenigen Eigenschaften, die diese hohe Durchschnittsleistung sichern, eine sehr große Rolle. Es kommt vielmehr auf den Grad des Fleißes, der Ausdauer, des Pflichtbewußtseins, der fachlichen Bildung für die Befriedigung der täglichen Lebensbedürfnisse an, als auf die Spitzenleistungen in Kunst und Wissenschaft die zu erstreben nur wenigen vorbehalten bleiben muß, denn es ist sicherlich richtig, wenn Goethe sagt: „Daß sich das große Werk vollende, genügt ein Geist für tausend Hände".
Die wertvolle Durchschnittsleistung ist aber zum Teil von Vorgängen abhängig, von deren Wesen und Wirksamkeit man gewöhnlich keine Vorstellung hat. So ist es für die Leistungsfähigkeit einer Gemeinschaft von großem Belang, daß das Lebensalter (15 bis 65 Jahre) von möglichst vielen Zugehörigen erreicht und auch durchlebt wird, d. h. ber Tod barf nicht allzu häufig Menschen, deren Heranbildung Kosten verursacht hat, Hinwegraffen, bevor ihre erworbene Arbeitsfähigkeit ausgewertet ist, mit anderen Worten, die durchschnittliche Lebensdauer muß ausreichend lang sein. In dieser Beziehung können die westeuropäischen Völker allerdings mit Befriedigung feftftellen, daß Bedeutendes erreicht worben ist, benh bie Lebensbauer beträgt bereits heute im Durchschnitt bei Männern säst 60 Jahre unb bei Frauen sogar 62 Jahre.
Demgegenüber besteht aber innerhalb unseres Kulturkreises eine anbere Gefahr: bie Zahl ber im probuktiven Alter Stehenden ist zur Zeit wohl noch verhältnismäßig sehr groß, sie wirb aber infolge bes Geburtenrückganges ber letzten Jahre unb Jahrzehnte sehr halb anfangen, abzunehmen. Schon heute finb bie 18- bis 20jährigen erheblich geringer an Zahl als bas ehebem ber Fall war, was sich in einem Mangel an jungem Nachwuchs in sehr vielen Berufen bereits heute bemerkbar macht und auch in Zukunft geltend machen wird. Allerdings bietet die verlängerte Lebensdauer, die zugleich eine Erhöhung ber Leistungsfähigkeit ber älteren unb alten Jahrgänge, selbst der über 65jährigen, bedeutet, eine Reserve, auf die man zurückgreifen kann im Falle, daß Mangel an Arbeitskräften eintritt, denn die Zahl derjenigen älteren Menschen, die noch eine unverbrauchte Arbeitsfähigkeit aufweisen, hat natürlich infolge der Zunahme der Lebensdauer, die ja nur ein Ausdruck der allgemeinen gesundheitlichen Ertüchtigung ist, erheblich zugenommen.
Trotzdem darf nicht verkannt werden, daß eine fortschreitende „Vergreisung", wie man die unverhältnismäßig starke Besetzung der hohen Altersklassen nennen kann, besonders auf geistigem Gebiet nachteilig wirken muß. Es ist doch unverkennbar, daß von zwei Volkern, von denen das eine ausgesprochen jugendliche Alterszusammensetzung hat, d. h. in dem anteilsmäßig die Besetzung der
hinaus. Allzu viel war damals wohl nicht 31 Man verglich in den Tagen ber Königin 23i die Beamten des FO. mit bem Springbrunnen auf bem nicht weit entfernten Trafalgar Square, weil sie ebenfalls von 10 bis 4 Uhr „spielten". Damals gab es bas sogenannte „Kinderzimmer", in bem ben jungen Herren ein Klavier, Florette unb Box- hanbschuhe zur Verfügung standen. Damals mußte ber große Lord Palmer st one seinen Beamten seine Mißstimmung darüber ausbrücken, baß sie in ben Amtsstuben junge Damen „reflektierten". Es waren nämlich Beschwerden darüber eingelaufen, daß sich die jungen Herren ihre Zeit damit ver- trieben, Sonnenstrahlen auf bie Gesichter von Mo- biftinnen zu lenken, bie in einem gegenüberliegenden
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fr es nicht auch Leistungen, jrn ist, Erfolg zu haben? Unter Erfolg verstehen \x i>en Beifall, Den die Menge einer bestimmten liiilung ober Darbietung entgegenbringt. Sicher- t gibt es aber Leistungen, bie ihrem Wesen nach H ficht erfolgbebürftig finb, bie nicht geeignet er- tin?n, Erfolg zu zeitigen, währenb es andrerseits I Crbcltungsroeifen unb Hanblungen gibt, bie aus- Mlich auf Erfolg abgestellt finb.
Um hierüber Klarheit zu schaffen, müssen wir -ts zuvor bas Wesen ber Leistung ver- ^enmärtigen. Unter Leistung ist nicht nur eine fiöietung zu verstehen, bie burch ihre Außer- Sahnlichkeit unseren Beifall unb unsere Bewun- hing auslöst, vielmehr finb unzählige Hanblungen |k deswillen Leistungen, weil sie, trotz ihrer All
ing, wobei berjenige, ber sich oerbient gemacht I, deshalb noch längst nicht Erfolg zu haben md)t. Zum Beispiel: wirb man sicherlich nicht itreiten, baß eine 25jährige Tätigkeit als Loko- itivsührer ober Weichensteller eine größere Lei- ng (unb unter Umftänben auch ein Verbienst) rjiellt als eine sehr gewinnbringende und erreiche Lancierung eines Schuhputzmittels. Im Iperen Fall werden wir aber nicht von einem Er- Ijg sprechen, während im zweiten Fall ein Erfolg uz offensichtlich in einem mehr oder weniger gro- 1 Geldgewinn in Erscheinung tritt.
Dies Beispiel zeigt, wie sehr wir geneigt sind, ie Tätigkeit nach dem Erfolg, den sie hat 0. nicht hat, und zwar in erster Linie nach dem glichen materiellen Erfolg, zu bewerten und ein- ichützen. Wir leben noch immer in der Dyrstel- 10, baß Größe unb Menge bes Absatzes, des ilaufes und des Gewinnes einzig maßgebend finb b sein sollen für bie Bewertung einer Tätigkeit, ^erfolge erlitten bzw. keinen Erfolg gehabt hat dieser Auffassung jemanb, der nicht nachweisen An, baß er mit seinem Unternehmen (im weitesten |(nne bes Wortes) ober in feiner beruflichen Srhatftii« Söigteit ein überdurchschnittliches Einkommen er- ^UlCllcrhü hat. Bei dieser Gesinnung ist es selbstverftänb- t daß sich ein befonbers erfolgstüchtiger Men- inh)p, eine Art, ber Erfolg alles, Leistung Ne- --- ist, ausbilben muß unb baß biejenigen, die WWWW Ausfindung von Mitteln und Wegen wie ■Ln zu Erfolg gelangt, besonders begabt sind, sich 1er unb schneller burchsetzen unb in ben Dorder- mb schieben als biejenigen, bie es nicht verstehen, in bas rechte Rampenlicht zu setzen.
Erfolgstüchtigkeit unb Leistungstüchtigkeit sind ijrd) aus nicht wesensgleich. Beide Eigen- !l|u)nODlCri1fflift(n schließen sich sogar bis zu einem gewissen thmalben aus und finben sich in einer Person sehr fiten vereint. Besonbers leistungshohe Menschen ßiifen baher in ber Regel eines Förderers, der ßüt sorgt, daß ihre Leistungen bemerkt und ge- Krhqt werden, daß für sie, wenn notwendig, auch H Reklametrommel gerührt wird. Denn es wäre
Der rote Zeigefinger geht höflich an Den Mützenschild, und was noch nie beim Kontrolleuer der Linie X geschah: Ein ganz kurzes Schmunzeln, geradezu ein Lächeln huscht um den Schnauzbart.
„I fag’s halt, d' Weiberleut ... i sag's halt!" — — So konstatiert im Weiterfahren ein weiser Haid- rat einen Diajier. eine Hauser Bürger, auf ben Haklstock gestützt, unb be-
aUe Scheußlichkeiten, bie’s gibt, trachtet mit nachbenklichem Wohlwollen bas hübsche Eischen.
einen Schrei aus.
Ich habe so etwas nie vorher unb nie nachher gesehen. Die See war ruhig, vollkommen ruhig, — ober war es bis bahin gewesen 3efet ftanb im Westen eine riesenhafte Woge, bläulich schimmernb, steil wie eine Mauer, unb wälzte sich, mit rasenber Geschwinbiqkeit heran. Sekunben spater Meß bie Segovia mit bem Bug in bie H°he unb die Woge brach braufenb über uns hinweg. Als bas Wasser sich verlaufen hatte, hingen bie Passagiere die sich nicht unter Deck hatten retten können, tropfnaß an ber Reling unb ber Platz, wo eben noch ber Sarg mit Mr. Sharp gestanben hatte, war leer. Er unb ber Sarg tarnen nicht mehr zum Vorschein.
„Unmöglich!" stieß Hauptmann Giosono hervor. e„ann totr yonn, "ga, bas dachte tch auch", Jagte Sir John. Merarchrien nach „Zuerst glaubte ich wirküch an 1° etwas roie bte DonVn Schiffen, Rache der Pharaonen. Die Sache war zu phan-
»«iirlich weltfremb, wollte man bie Ansicht vertre- I®, daß hohe Leistung sich stets unb rechtzeitig «setzt. Die Zahl ber leistungshohen Menschen, bi! «ahrenb ihres Lebens nicht zur Geltung unb Aüelkennung gelangen, weil sie nicht erfolgstüchtig iiiiiiiiiiiilllllllllllllM N>' ist zweifellos sehr groß unb in unserer IIIIIIHIIIIIIIIIIIIIIIIW M der Massenhaftigkeit auf allen Gebieten ist ber Gclbgriim Mch unb nicht bie Leistung (ohne bie auf bie ffiflllnnfillllll freilich auch kein Erfolg zu erzielen ist) von Wcll!u|IIIIII auMagaebender Bedeutung.
entflogen. («?« . Erfreulich unb begrüßenswert ist biefe Verlage- Abzugeben bei nimg Des Schwergewichts von ber Leistung auf ben Schmidt.
w-ih Maskenfest der „Segovia".
Kätzchen Von Peter Mattheus.
«II tzerscheM
stirchenvlatz l- Drei Herren faßen auf ber Terrasse bes Mena- heich Hotels in Giseh; angesichts ber Pyramiben, biii sch in ber beginnenben Dämmerung büster ge- Himmel abzeichneten: Sir John Bulkeley, ber E chrcher bes Weißen Nils, Hauptmann Giosono, ein italienischer Fliegeroffizier, unb Mr. Cutwell, eviueijenber Amerikaner. Vor Mr. Cutwell auf dem v'chn Tischtuch lag, aus Lapislazuli geschnitten, c nSlarabäus mit bem Zeichen Ramses bes Zwei- h n-einer jener Käfersteine, bie im alten Aegyp- t?n königlichen Toten mit ins Grab gegeben tmn. Mr. Cutwell hatte ihn am Nachmittag von eben Hänbler in Kairo erworben. Er war ber SChlcf des Gespräches.
,j8ir Flieger", bemerkte Hauptmann Giosone, J'iti abergläubisch. Ich für meinen Teil glaube an ^genannten Fluch der Pharaonen. Denken Sie nvrai die Entdeckung des Tut-anch-Amun-Grabes! ßcxrl Camarüon starb, Gould starb, der Aeavptologe fy'rte-t Lee starb. Kurzum, von zehn Männern, diiii qt der Entdeckung und Ausräumung des Gra- M mitgearbeitet hatten, waren nach knapp einem VW acht nicht mehr am Leben. Und —"
Herzeihen Sie, ich muß Ihnen widersprechen , untrirach ihn Sir John. „Was Sie da sagen, sti'Mi nicht. Es ist seinerzeit viel gefabelt worden übsi bie Sache. Gerüchte tauchten auf und hielten sic'), obwohl sie mit ber Wirklichkeit nicht überein- fthnm^n. Es ist richtig, Lorb Carnarvon starb. Er stc'ri m einem Insektenstich unb einer Blutvergif- tiM wie sie jeber hier in Aegypten bekommen kcckn. Goulb war seiner Lunge wegen hier, er st cm m Tuberkulose. Lee war lange vorher schon nejr:T?ranf. Er nahm sich eines Tages bas Leben. D,? oidern aber leben zum Teil noch heute, zum Tl il forben sie an gewöhnlichen Krankheiten ober eichlb, weil sie alt waren. Es ist für einen 9^jinien Verstanb unmöglich, eine Verbinbung Miih n ihrem Tob unb ber Auffinbung jenes p Waonengrabes zu sehen. So jebenfaüs stellt es wt) r bar."
gft eine Tat ober ein befhmmtes Verhalten schon "“■» Leistung, weil sie Erfolg hat — unb auch Leistungen, benen es nie ver-


