Ausgabe 
21.7.1937
 
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ttr.167 Zweiter Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)Mittwoch, 21. Zuli (957

Wolkig llche Winde westliche öl9 und geil.

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Wir haben Logierbesuch...

.. unO machen keine Umstande

Jetzt zur Ferienzeit sagen sich öfter Freunde und Verwandte als Logierbesuch an, oder auch man selbst saßt den Plan, irgendeinen «leben Menlchen zu besuchen und bei ihm zu wohnen Seien mir als Hausfrauen einmal ganz ehrlich. Logierbesuch wird immer mit einem lachenden und einem wei­nenden Auge begrüßt Jeder Gast stellt an den Haushalt Anforderungen, man muß Rücksicht neh­men und umorganisieren Nicht jedei hat ein Frem­denzimmer zur Verfügung, oft ist es nur die Chaiselongue, die den Gast aufnehmen kann Und io wird oft die Abreise für beide Teile mit einem Aufatmen begrüßt

Muß das so fem? Ich glaube, mit ein bißchen gutem Willen von Gast und Gastgeber ließe sich hier vieles ändern Es ist ja unbequem, in einem fremden Bett zu schlafen, man weiß nicht recht, wo man mit seinen Sachen hm soll, und das .aus dem Koffer leben" muß gelernt lein' Aber auf keinLN Fall darf sich die Hausfrau durch chren Loglerbesuch aus der Regelmäßigkeit des Haus­haltes bringen lassen.

Der Hausherr liebt es nämlich gar nicht, wenn plötzlich die Zeiten für die Mahlzeiten dem Gast zuliebe geändert werden. Ein Mann, der feinem Beruf nachgeht, braucht seine Regelmäßigkeit, sonst wird er nervös und das beeinflußt die Atmo-

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Sommersrüchte für den Winter

Einmachrezepte

von SriDo Aiich, Bad-Nauheim

Was uns in der Sommerzeit reichlich zur Ver­fügung steht, ist im Winter teuer und selten: Früchte und Gemüse. Eine gut gefüllte Speise­kammer gibt uns Hausfrauen Ruhe und Sicher­heit im Hinblick auf die Wintermahlzeiten, die einen Tag wie den andern wieder auf dem Tisch stehen sollen. Darum wollen mir einheimsen, was in un­seren Kräften steht, um den winterlichen Tisch so nett als möglich zu besetzen Laßt sehn was uns gerade im Garten. Feld und Flur zur Verfügung E Da ist zuerst das B e e r e n o b ft. Hoffentlich haben sich die lieben Leserinnen die Nummer des Gießener Anzeigers" vom vorigen Jahr aufge­hoben mit den Vorschriften für Saft und Gelee un­ter dem Titel: Dreierlei aus denselben Früchten

Auch reife Stachelbeeren sind reichlich da zur Marmeladenbereitung. Wir entfernen Stiel und Blüte, wobei wir gleich zu Beginn der Arbeit eine kleine, krumme Nagelschere nehmen und uns nicht erst mit dem Küchenmesser langsam abqualen. Gewaschen kommen die Beeren mit wenig 215 al] er aufs Feuer, nachdem sie durch die Maschine gedreht sind. Wir lassen sie langsam etwas zerkochen Wir stibitzen uns zuerst etwas Saft, indem wir den Brei auf einem groben Tuch etwas ablaufen lassen. Diesen Saft wiegen wir, setzen dasselbe Gewicht Zucker zu kochen ein paar Minuten auf. Weil der Gelee von selber zu wenig steif ist, geben wir etwas Opekta ober Aehnliches zu. Er hat eine entzückende lachsrosa Farbe und ist für viele etwas Unbekanntes, Den Brei im Tuch, der natürlich nicht sehr stark ausgelaufen fein darf, kochen wir zu Marmelade. Auf 500 Gramm Brei 400 Gramm Äudter unb, um -die Schärfe etwas zu milbern, eine Taffe Himbeeren In gewärmte, geschwefelte Glaser bis zum-Rand füllen unb abkuhlen. Dann em mit Weinsptt ttus genäßtes, runbes Papier auflegen unb mit Glas­papier verschließen.

Hier unb ba fangen schon bie H o 11 u n b e r - beeren an, sich zu färben. Wer also noch Ka­pern machen will, muß bies halb tun, so lange bie Beerchen noch grüi sind. Die entftengelten Bee­ren werben einfach in gutem Essig aufgekocht, nach- t>em sie eine Nacht leicht elngelataen P,standen ha- den. Dann füllt man sie in kleine Flaschen, der Essig muß sie bebecken Noch zehn Minuten steri­lisieren Sie halten sich viele Jahre, auch >m An­bruch

, Auch reife Hollunberbeeren heben wir mühelos für ben Winter auf. Die gewaschenen Bee­ren werben mit einem Tuch getrocknet und m trockene Flaschen so fest als möglich emgefuttt Sie

sphäre bes Hauses. Jeber Gast hat es gern, wenn ihm von vornherein gesagt wirb wie ber etun= benplan bes Hauses ist: bann unb bann frühstücken wir, bann und dann wird zu Mittag gegessen Un­ter diesen Umständen braucht sich der Gast gar nicht zu genieren, einmal eine Mahlzeit abzusagen, er kann sich dann alles viel besser einrichten

Sehr wichtig für beide Teile ist, daß man nicht unaufhörlich dem anderen am Schürzenband hängt und ihn keine Minute des Tages allein läßt. Es ist ja gar nicht notwendig, daß wir unseren Lo­gierbesuch aus allen seinen Wegen begleiten, es ist gar nicht angebracht, wenn man sich unaus­gesetzt um ihnkümmert", das belastet den ande­ren nur. Es ist selbstverständlich, daß eine viel­beschäftigte Hausfrau nicht immer Fremdenführer spielen kann, das muß der Lvgierbesuch einsehen und dann selbst einmal ben Weg finben. Auf ber anberen Seite ist es natürlich sehr nett, wenn man burch ben Besuch einmal Gelegenheit hat, bie Schönheit seiner Heimat kennenzulsrnen. bie man sich ja meist nur bann anschaut, wenn einen ber Logierbesuch bazu zwingt.

Für ben Gast ist es selbstverstänblich, ben Gast­geber nicht zu übersteigerten Gelbausgaben zu ver­leiten. Es muß nicht (eben Tag etwasunternom­men" werben, es muß nicht jeben Tag etwaslos fein". Es ist ein bebrücfenbes Gefühl für einen Gast, wenn er benfen müßte, baß sich seine Gastgeber nun viele Wochen krumm legen müssen, um bie Kosten ihres Besuches roieber herauszubekommen. Man kann ja auch einmal bie Rollen tauschen unb die Gastgeber einlaben zum Theater ober Kino, so etwas wirb immer sehr gern angenommen!

Eine selbstverstänbliche Michl sollte es für jeben Gast sein, sich ben Lebensgewohnheiten seines Gast­gebers anzupassen Es geht nicht, baß er bis in Den Mittag hinein schläft unb die Hausangestellte nicht weiß, wann sie das Logierzimmer aufräumen muß. Selbstverständlich ist es ebenso störend, wenn ber Gast zu früh aufsteht unb baburch bie Haus­frau bie gern noch ein bißchen im tiefsten Ne­gligee herumgewirtschaftet hätte, zwingt, sich ihm au mibmen unbbesuchsmäßig" angezogen zu er­scheinen. B L

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Glas rni Haushalt.

In bem Bemühen, bie Verwenbung von Metallen zur Herstellung von Gegenstänben bes täglichen Ge­brauchs nach' Möglichkeit einzuschranken unb sie burch anbere Werkstoffe zu ersetzen, hat gezeigt, baß babei bem Glas eine große Bebemung zukommt. Nicht nur, baß Wissenschaft unb Technik bie oer­schiebensten Apparaturen aus Glas benutzen, baß sogar ganze Röhrenanlagen baraus hergestellt unb in Gebrauch genommen sind, auchimHaushalt läßt sich künftig noch mancherlei, von dem mir ge­wohnheitsmäßig annehmen, daß es aus Metall ge­fertigt sein müsse, aus Gios herst-llem

Das og I e n a e r G i a s , dessen Beschassenheit e« erlaubt, in ihm zu kochen und dessen hübsches Aussehen es möglich macht, daß wir es mit dem fertigen Gericht zu Tisch bringen, Hal neben sonstigen Vorzügen den, daß es der ssaussrou ein gut Teil der übelsten Arbeit erspart, der Spularbeit Denn es ist schon eine große Zeit- und Arbeitsersparnis, wenn wir statt der Töpfe und Schusseln nur em Glasgefäß zu reinigen haben. Glas hat auch große hygienische Vorzüge: es nimmt feinen Geruch an es ist leicht zu säubern, unb feine Durchsichtigkeit läßt jeberzeit bie Beschaffenheit bes in ihm auf­bewahrten Nahrungsautes erkennen

Aber nicht nur Koch- unb Backfchuffeln aus feuer­festem Glas stehen ber Hausfrau zur Verfügung, auch so manches anbere Gerät läßt sich aus Glas Hersts- ist in seiner Anwenbung arbeite

Aus dem Reiche der Krau.

fallen jehr zujammen Ehe w r Die Flalchen ichlie- gen, geben wir auf jebe volle Flasche einen Finaer- hut voll Weinspiritus, Kognak ober Rum stöpseln mit Korken zu und binden sie lest bequemer finb bie mobernen Gummikapseln Man kann sie immer wieber gebrauchen. 45 Minuten bei 70 Grab erhitzt halten sie sich viele Ja'.re Kühl unb trocken aui- heben Die Flaschen müssen aufrecht stehn Der Hals bars >.cht gefüllt fein Wir dürfen also bas beim Kochenntftanbene Loch nicht nachfüllen sonst knal­len bie Flaschen in die Luft

Sehr reife Hollunberbeeren geben Mus Der Saft wirb roh burch em Tuch gebrückt Ohne allen Zusatz steil eingekocht ist es em gutes Färbemittel für bleichsüchtige Bratentunken In meiner Kmber- zeit würbe es in winzigen Steintöpfchen auf bem Wochenmarkt verkauft

Mit Aepfeln, Gelberüben, Pflaumen ober Kürbis, Gewicht auf Gewicht bereiten wir Marmelabe Die Hollunberbeeren werben zu Brei gekocht burchgefchlagen unb bann mit Den anberen Zutaten. Gewürzen unb Zucker, zur nöti­gen Steife gekocht Der Zuckerzusatz beträgt den dritten Teil des ganzen Gemenges Zimt und Nelken sind geeignete Gewürze

Reich ist dies Jahr die Blaubeerernte aus­gefallen Wir freuen uns sehr darüber, ist doch diese Waldbeere, die so bescheiden im Hintergrund bleibt

eine unserer besten Haushaltfrüchte Immer ist sie da wo ihre prunkenden Gartenschwestern versagen. Die mühevolle Arbeit bei ihrer Ernte steht in kei­nem Verhältnis zu dem geringen Preis Mit allen andern Früchten haben wir Hausfrauen mehr Ar­beit als mit ihr Darum wollen wir recht viel da­von haltbar machen W-> brauchen nichts dazu, als beliebige Flaschen Wer fein Zuckergeld für andere Früchte, bie es nötiger gebrauchen, oerwenben will, kann Blaubeeren auch ohne Zucker aufheben Wir lassen bie gewaschenen Beeren auf bem Feuer zu­lammenfallen, füllen sie in saubere Flaschen, ber Hals bleibt ber Sicherheck wegen frei, verschließen unb entkeimen sie, wie bie Hollunberbeeren Auch im Schatten auf Pappbeckeln getrocknet geben sie gutes Backobst

Noch zum Schluß einen kleinen Rat Wir würben gern mehr einkochen haben aber zu un­gleiche Mengen bes Einkochgutes Auch bie Reste füllen nur ein halbes G>as Wir geben dies Wenige in die für die kleine Menge paffenden kleinen Glä­ser In den leeren Topf stellen wir probeweise das größte Glas das gekocht werden soll, daneben dies ganz kleine Jetzt bauen wir unter das kleine so viel Glasdeckel bis es gerade so hoch ist, wie bas große Glas unb befestigen es mit Der Klammer, wie bie anbern Gläser Dann füllen wir bas Wasser ein. bem großen Glas entsprechenb

as sollen wir tragen?

PRAKTISCHE VORSCHLÄGE UNSERES MODEZEICHNERS

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Im Hochsommer weiß! ist bie Parole vor allem für bas einfache Lauf- unb Sportkleib

Das Material ist Seibenleinen, Wolleinen, Lei­nen, Waschfeibe. Rohseibe. Baumwoll- ober Kunst- feibenpiföe

Das Kleib links in M a n t e l f o r m mit ben großen Knöpfen unb ben breiten Steppnähten ist aus schwerem Wolleinen Schnittform: Vier Bahnen Aermel: Raglan. Die Knopflöcher finb eingefaßt, ber Gürtel ist aus Leinen

Aus Baumwollpiköe in Waffelmuster ist

bas Kleib in ber Mitte. Aus ber aparten Schnitt­form ergeben sich bie Taschen im Blusenteil und im kurz geschlitzten Rock. Das Kleid wird im Rük- ken durch drei Knöpfe geschlossen. Der Gürtel ist aus rotem und weißem Wildleder.

Die Taschen, die Aermel und das Blusenteil des Rohseidenkleides rechts sind durch Reißverschlüsse aus rotem Galalith geschlos­sen. Das einfache Kleid in leichtglockiger Vier­bahnenform erhält so seinen Reiz. Der Gürtel ist aus rotem Leder H.

sparend und hygienisch. Da sind z. B. die F e n st e r- und Türdrücker, die heute fast stets aus Me­tall bestehen gegenüber gläsernen, wie sie jetzt ge­fertigt und besonders in Neubauten und Siedlungs­häusern angebracht werden, recht unpraktisch, wie Denn überhaupt Metallgegenstände eine zeitraubende Pflege durch Putzmittel verlangen, während zur Reinigung von Glasgegenständen solcher Art ein Ab­wischen mit feuchtem Tuch genügt.

Handtuchhalter, Schrankknöpfe, Drehknebel und gepreßte Glaseinlagen in Waschbrettern zeigten weitere Verwendungsmöglichkeiten von Glas im Haushalt. Gläserne Vorratsbüchsen sind den üblichen aus lackiertem Metall bei weitem vorzu- ziehen; sie sind schneller zu säubern und zeigen uns jederzeit den Stand unserer Vorräte an Zucker, Ge­würzen und ähnlichem an. Eine Neuerung sind bruchsichere, mantellofe I s o l i e r f l a s ch e n aus Glas, die an die Stelle der heute üblichen Thermos- flaschen treten.

Neben dem Praktischen fehlt auch das Anmutige nicht das der Heimaestaltung dient: zierliches Tee- und Kaffeegeschirr, Vasen und Schalen, zarte Figurinen aus den verschiedensten Glasarten: stabil und hauchdünn, weiß und farbig, überspannen ober geätzt - wahrlich, Glas ist ein Werkstoff von fast unbegrenzten Möglichkeiten. Die Hausfrau bie sich seiner bebient, hilft ber beutschen Wirtschaft in boppelter Weise: burch Einsparen von Metall unb burch Arbeitsbeschaffung für bie fleißigen Glas­hüttenmänner im Thüringer Walb. D. S.

Die Geschäftsfrau.

Ein verantwortungsvoller Beruf.

V. A Die Hauptaufgaben ber Frau liegen zwar in ihrer Eigenschaft als Hausfrau unb Mutter be­gründet und füllen im allgemeinen ihre Zeit auch ganz aus Trotzdem ist die Frau nicht nur auf dem Lande, sondern auch im städtischen gewerblichen Leben in bie Berufsarbeit eingespannt. Von ben in Deutschlanb über 32 Millionen tätigen Er­werbspersonen sind 5,3 Millionen mithel­fe n b e Familienmitglieber, bie befonbers zahlreich in ber Lanbwirtschaft, im Nahrungsmittel­gewerbe, im Hanbel unb im Gaststättengewerbe zu finben finb Den Hauptanteil stellen bie Ehefrauen, bie hier also neben ihrem Hausfrauenberuf einen zweiten Beruf zu erfüllen haben.

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Mit bem Eintritt tn bie Ehe, ben manches junge Mäbchen ebenso reizvoll empfinbet wie etwa ber Konsirmanb bie Beenbigung ber Schulzeit unb ben Eintritt ms Berufsleben, hört bie alte Einteilung in Achtstunbentag unb Freizeit auf. Es beginnt ein mit beruflichen und häuslichen Pflichten ausgefülltes Leben, das im allgemeinen für bas eigene I ch keine Zeit mehr übrig läßt. Es entsteht eine Häufung von Einzelfunktionen, bie bie Hausfrau je nach ber Größe bes Haus- unb Gefchftsbetriebes teils alle selbst, teils mit Hilfe von ein ober mehre­ren Gehilfinnen bewältigen muß.

Im kleinen Betrieb finb ja bie einzelnen Arbeiten nicht so umfangreich, baß bie Anstellung frember Arbeitskräfte sich lohnt. So ist es natürlich, baß bie auf sich selbst angewiesene Nur-Hausfrau oft mehr zu tun hat als bie von vielen Hilfskräften unter­stützte Geschäftsfrau. Dennoch zwingt schon ber viel­seitige Arbeitsbereich ber Geschäftsfrau bazu, bie Aufgaben ber Hausfrau unb Mutter zurückzustellen. Denn wenn auch bie Tätigkeit im Geschäft oft nur Bereitschaftsbienst ist, weil ja auch geschäftsstille Stunben am Tage vorkommen, so bür- bet boch ber laufenbe Geschäftsbetrieb gerabe ber Frau so viel auf, baß sie ftänbig von einer Arbeit zur anberen wechseln muß, um bas Kunststück fer­tigzubringen, alles richtig unb zur rechten Zeit zu erlebigen.

Schon vor ber Geschäftseröffnung wollen z u gleicher Zeit sowohl bie privaten Hausarbeiten, als auch bie geschäftlichen Angelegenheiten erlebigt sein. Währenb sie noch bie Kinber für ben Schulgang fertig macht, wollen schon bie ersten Kunben bebient werben, unb vorher soll auch ber Laben zum Kun- benempfang in Orbnung gebracht sein. Im Nah­rungsmittelbetrieb z. B. verlangt nicht nur bas Ge­setz, svnbern auch ber Kunbenbienst eine peinliche Sauberkeit unb Drbnung. Da müssen Fußböben unb Möbel gesäubert, Stangen unb Scheiben, Behält­nisse unb Geräte geputzt sein, unb bie Ware selbst muß griffbereit bereitstehen. Selbst wenn eine La­benhilfe vvrhanben ist, so muß boch ftänbig bie Meisterin mit Rat unb Tat eingreifen unb kann nur für Sekunben abkommen. Im Lause bes Vor­mittags kollibieren bann bauernb bie hausfraulichen Arbeiten für bie Mittagsvorbereitungen mit ber Abfertigung von Kunben unb Lieferanten. In Be­trieben, in benen bie Gefolgschaft mit im Haus wohnt, hat bie Meisterin gerabezu einen kleinen Hotelbetrieb zu unterhalten unb zu überwachen. Schon allein bie Wäsche macht soviel Arbeit, baß sie fast eine Kraft allein in Anspruch nimmt. Die Pflege ber Wäsche, bie jeber Geschäftsfrau Herzens­sache ist, füllt auch manche Abenbstunbe aus unb wirb selbst bei Uebermübung unb Erschöpfung noch bewältigt.

t3m Geschäft selbst ist bie Geschäftsfrau, z. B. bie Frau bes Bäckermeisters, bes Schlächters, bes Le­bensmittelkaufmanns, volkswirtschaftlich gesehen, bie entscheibenbe Beraterin in ber Ver­brauchslenkung. Gerabe mit ihr will sich bie einfaufenbe Hausfrau über Verbrauchsfragen ein- gehenb unterhalten, will ihren Rat unb ihre Er­fahrung heranziehen unb wirb babei oft in reichlich weitschweifiger Form persönliche Angelegenheiten Vorbringen. In allen Fällen soll bie Geschäftsfrau Bescheib wissen, soll mit einem freunblichen Lächeln zuhören unb erklären, im ganzen also einen per­sönlichen Kunbenbienst pflegen, ber mate­riell gar nicht abzuschätzen ist. Wer fragt schon ba- nach, ob biefer Geschäftsbetrieb vor unb hinter ben Kulissen bie physische Leistungsfähigkeit einer Frau nicht übersteigt, ganz abgesehen bavon, baß sie ja auch schließlich selbst noch eine Familie zu betreuen hat. Es gehört eine ungeheure Selbstbisziplin ba­zu, in biefer Vielseitigkeit bes täglichen Lebens im­mer bie Ruhe zu bewahren unb auch Vorbilb für bie jugenblichen Verkäuferinnen unb Lehrlinge zu fein.

In ben Ansorberungen, bie an eine Geschäftsfrau gestellt werben, hat sich im großen unb ganzen nicht viel oeränbert. Die meisten Lebensmittelgeschäfte sinb Kleinfamilienbetriebe, in benen Mann unb Frau allein ober nur mit ein ober wenigen Gehilfen ar­beiten. Es liegt eine unerbittliche Tragik bariri, baß gerabe ber gewerbliche Kleinbetrieb bie Hausfrau in einem Maße in Anspruch nimmt, ber nicht nur einen Verzicht auf bie kleinen Freuben bes Lebens in sich schließt, fonbern sogar Mutter- unb Familien­pflichten ber Frau zurückbrängt. Währenb sich z. B. weibliche Angestellte unb Nur-Hausfrauen heute boch schon einen Erholungsurlaub leisten können, wird man nur selten eine Geschäftsfrau antreffen, bie einmal einen mehrwöchigen Erholungsurlaub genießen barf.

Don jebem Geschäftsinhaber, ob Hanbwerker ober Kaufmann, wirb heute burch bas Gesetz Sachkunbe unb Meistereigenschaft verlangt. In Zusammenarbeit mit bem Mann muß sich bie Frau bie geschäftliche Erfahrung meist erst selbst erwerben unb muß bes- halb oft Lehrling unb Lehrmeisterin in einer Perfon fein. Es ist baher um so höher anzuerkennen, baß bie Mitarbeit ber Frau im Ge­schäftsleben trotz ihrer meist nicht staatlich geprüften Sachkunbe noch zu keinerlei Beanstanbungen geführt hat Die Geschäftsfrau erfüllt nicht nur ihre schwere Berufspflicht, sie erfüllt sie auch wie bie Praxis zeigt vorbilblich unb mustergültig