Aus der engeren Heimat
an«
(Nachdruck verboten.)
26 ftort|efcung.
„Die Donka hat keinen Namen genannt. Es war ganz gegen das Ende zu, müht ihr wissen. Ob sie nicht mehr konnte oder nicht wollte, mag ich nicht entscheiden. Auf alle Fälle hat sie euer in ihren letzten Minuten gedacht, und sie erinnerte sich gern an uns. Ihre letzten Worte waren: ,Einer von ihnen ist Annas Vater!'" Fogg hatte die Zigarre weggelegt und sah ernst aus.
Die vier Männer sahen stumm und betreten da. Die Raucher liehen den Tabak ausgehen, der Ameiser schneuzte sich zartfühlend, und der Fenzl kämmte mit den Fingern durch seinen Bart. Ihre Mienen verrieten nichts als ein wenig Rührung oder angestrengtes Nachsinnen.
„Oder glaubt ihr, daß man dicht vor dem Sterben lüge? Ohne jeden Sinn und Grund? Ich nicht. Wir waren damals jung, ledig und keine Heiligen. Ich mache niemand einen Vorwurf. Außerdem ift die Donka ja am nächsten Morgen verschwunden und hat nichts mehr von sich hören lassen. Heute seid ihr gestandene Männer mit Familie, mit Ansehen, mit Sorgen. Wenn da plötzlich so eine funkelnagelneue Tochter vom Himmel fiele, gäbe es allerhand Aufsehen und Spektakel daheim und in der Gemeinde. Ich kann mich da gut hineindenken. Vielleicht ist es auch besser, man läßt die Anna in dem Glauben, ihr Vater sei längst tot. Ich frage also nicht, wer von euch es damals war. Aber um eines bitte ich euch, und zwar alle vier gleichmäßig: Stoßt nicht in dasselbe Horn wie die anderen Klatschmäuler hier! Nehmt die Anna in Schutz! Wir sind das ihrer Mutter wohl schuldig. Die Anna steht ja so bitter allein in der Welt und hat niemand als uns. Helft mir, ihr eine Heimat schaffen hier im Dorf. Sie ist jetzt in den Jahren, wo so ein junges Ding einen Rückhalt braucht, damit es sich nicht an den nächstbesten wegwirft. Und damit komme ich zu diesem Tutschek, der sich an sie herangemacht hat. Ich habe es erst heute erfahren. Nun,
stellen; einmal erzählte er:
„Also, wenn ich an Ihrer Villa vorubergehe, muß ich immer in mich hineinschmunzeln. Das Häusl hat früher dem Mesner Steinacher gehört. Und der war ein rechter Schlawuzi. Und das Steinacher-Mariele war meine erste Liebe. Der Lachner-Pauli hat sie auch gern gesehen, und wie ich beim Studieren in der Stadt war, hat er sie mir ausgespannt. In der nächsten Vakanz hab' ich ihm dafür- die Schiefertafel über den Kopf gehaut, daß bloß der Rahmen heil geblieben ist. Da hat sich das Mariele doch wieder für mich entschieden. Und heut hat das Mariele sieben Kinder, und der Pauli ist ihr Mann, und die Liebe von ihr ist quasi im Zickzack gegangen." .
Viktoria lachte, und das ergab wieder eine ganze Ausstellung tadelloser Zähne. Sie hätte brennend gern noch mehr über das Liebesleben Foggs gehört, wie alle Evastöchter. Als sie schüchtern auf sein Junggesellentum anspielte, brummte er:
„Frauen qäb's schon, aber jede mag man halt wenn man meint, man hat die
spräch. Glauben Sie mir?"
Die Zeit verstrich wie im Flug, und als sie am Münchener Hauptbahnhof ausstiegen, wußten sie beide ziemlich viel voneinander. Noch nie waren sie so lange beisammen gewesen. Frau Engasser spähte die schwarze Zugschlange entlang, dann meinte sie:
„Ich muß jetzt gleich in mein Hotel."
Da Fogg nicht recht wußte, wo er übernachten sollte, entschloß er sich ebenfalls für dieses Hotel, das in der Nähe des Bahnhofs lag. Viktoria erklärte, daß sie leider keine freie Minute habe wegen dringender Besorgungen. Sie wisse auch nicht, wenn sie zurückfahre. Ein 'besserer Beobachter als Fogg hätte bemerkt, daß ihr daran lag, ihren Begleiter jetzt loszuwerden. Aber Fogg war mit einer gehobenen und ziemlich verrückten Blindheit geschlagen, ergriff höflich ihren Koffer und begleitete sie zum Hotel. Der Rhythmus ihrer Schritte klappte wegen des Größenunterschiedes nicht ganz.
Der Zufall wollte es, daß Fogg ein Zimmer ini selben Stock bekam wie Viktoria Engasser. Sie schien sich mit seiner Gegenwart abgefunden zu haben und stieg plaudernd mit ihm die läuferbelegte Treppe hinauf.---(Fortsetzung folgt.)
selbst aussprach, daß er die Arbeit, die zu leisten er sich vorgenommen hatte, auch tatsächlich zu Ende
ich habe ihm das Nötige gesagt. Und jetzt danke ich euch, Manner, und gute Nacht!"
Die vier erhoben sich, gaben Fogg ohne viel Gerede die Hand und schoben sich zur Tür hinaus. Keiner beteuerte: Ich war es fein nicht, damit ihr es bloß wißt! Es riß auch keiner einen Witz darüber. Korpsgeist und Takt wachsen auch auf dem Lande. Dor dem Haus trennten sie sich, und jeder schritt eilig in einer anderen Richtung davon.
*
Foggs Zweisitzer krakeelte durch die Gegend. Blechteile klapperten, der Motor donnerte wichtigtuerisch, und die Zündung parierte nicht recht. Fogg hörte das alles nicht oder nur mit halbem Ohr.
Er will zu Dolschi, und zwar mit der Bahn. Denn einmal spart das Nerven und zum anderen traut er Schorschi solche Strecken nicht mehr zu. Den Wagen wird er in der Bahnhofswirtschaft hinterstellen. Nach dem Mißerfolg bei Engasser ist Fogg fest entschlossen, das Graphitunternehmen auf eigene Faust anzupackm. Seine paar tausend Mark reichen zwar nur für das Allernötigste, aber ein Anfang muß sein, und irgend etwas muß geschehen. Man muß all diesen Zweiflern und Angstmeiern beweisen, daß man kein Schwefler und Sprüchemacher ist und daß die Kuhleiten in der Tiefe genau so graphithaltig ist wie oben. Ja, das muß man. Dolschi soll nun raten und ihm einen Fachmann benennen, dem man die Leitung der Grube anvertrauen kann. Keinen Ingenieur oder Akademiker, behüte, soviel Geld kann Fogg nicht dranwenden; sondern einen tüchtigen Vorarbeiter, oder wie das in diesem Zweig des Bergbaus heißt, einen intelligenten Mann eben, der schon mal in einem Graphitwerk beschäftigt war.
Kurz vor dem Stationsgebäude geriet eine Gestalt in Foggs Blickfeld. Es war noch früh am Morgen, Tau lag auf den Gräsern und Dunst verschleierte die Berge. Es war ein wenig kalt ohne Handschuhe, und scharfer Wind biß in die Ohren. Diese kleinen, flinken Schritte kenn ich doch? sagte sich Fogg und bekam so ein ziehendes Gefühl in der Herzgegend.
„Dachte ich es mir doch, daß Sie es sind", meinte Frau Engasser, als er neben ihr bremste. Sie lachte : ihn mit ihren gesunden, schönen Zähnen an und war ein wenig erhitzt vom rasch-n Gehen.
„Auch zum Zug? Dann bitte einsteigen! Trauen
nun auf der Rückfahrt begriffen war. Der Autobesitzer hatte bei dem Unfall einen Beckenbruch erlitten, die Frau, die das Auto steuerte, einen Handgelenkbruch und die Tochter zog sich eine Ellenbogenoerletzung zu. Die drei Verunglückten wurden durch die Sanitätskolonne vom Deutschen Roten Kreuz Gießen in die Chirurgische Klinik gebracht, lieber die Ursache des Unfalls sind die Ermittlungen noch nicht abgeschlossen.
Landkreis Gietzen.
öd Alten-Bus eck, 20. Juni. Nachdem im vorigen Jahr in dem hiesigen Schulgebäude die
des Maipilzes mit den Rißpilzen, insbesondere mit dem lebensgefährlichen ziegelroten Rißpilz. Im Merkblatt des Reichsgesundheitsamtes, das unter Mitwirkung der Darmstädter Landesstelle für PUz- und Hausschwammberatung und des Mykologischen Instituts der deutschen Gesellschaft für Pilzkunde entstanden ist, wird mit Recht auf diese Verwechselungsgefahr hingewiesen, wie das auch andere Fachleute in der Zeitschrift für Pilzkunde vor Jahren schon getan haben. Der ziegelrote Rißpilz, der wiederholt schon Menschen ums Leben brachte, wächst ebenfalls im Frühsommer auf grasigen Plätzen. Er bleibt meist etwas kleiner als der Maipilz, kommt aber ebenfalls mit weißlicher bis gelblicher Färbung aus dem Boden, ähnlich wie der
„Frauen gäb’s auch nicht. Und
I Richtige, dann ift sie schon vergeben."
GedeMundeimbenSchöPierdesMrg-Mvseums
Ehrung für Professor Sommer.
Mord noch 20 Lohren aufgeklärt.
rNieger sen. als Täler.
Frankfurt a. M., 20. Juni. (LPD.) Jrn Auf« trag der Staatsanwaltschaft Frankfurt a. M. und in Verbindung mit dem Gaujägeramt für den Regierungsbezirk Wiesbaden hat sich die Mordkommission der Kriminalleitstelle Frankfurt nach der Aufklärung des Mordes an dem Jagdhüter Hofmann in Köppern nunmehr zusammen mit den örtlichen Gendarmerie- und Polizeibeamten auch mit dem Mord an dem Forstmeister Birkenauer aus Usingen beschäftigt. Birkenauer wurde am 31. Oktober 1917 von Wilderern erschossen und am 1. No- ocmber 1917 in einer Futterraufe im Walde bei Obernhain im Taunus aufgefunden. Dringender Tatverdacht richtete sich seinerzeit gegen den Wilhelm M i e g e r sen. aus Köppern, der sich mehrfach zum Wildern aus der Kaserne in Frankfurt entfernt hatte. Bei der Verhandlung vor dem Kriegsgericht in Frankfurt im Frühjahr 1918 wurde Mieger durch den Meineid zweier Schutzzeugen freigesprochen, die mit Mieger in der früheren Zeit gewildert hatten, aber niemals eine Schrot- flinte (Tatwaffe) gesehen haben wollten. Diese Per- jenen haben nunmehr ein Geständnis abgelegt und den Wilderer Mieger sen. als den Täter bezeichnet, der sie auch zu dem Meineid angestiftet habe. Die Polizeibeamten bemühen sich zur Zeit um die Wiederherbeischaffung der Mordwaffe, die durch mehrere Hände in Köppern gegangen ist.
Innenräume neu hergerichtet wurden, erhielt der Bau in den letzten Wochen ein neues äußeres Kleid. Bei dem unteren Teil des Schulhauses wurde der Sandstein freigelegt und bestochen, wahrend die obere Hälfte einen passenden Naturscheibeputz er- hielt. Mit seinem neuen äußerst schmucken Aus« eben steht das Gebäude würdig neben nuferem Gemeindehaus, dessen schönes Fachwerk vor einiger Zeit eben alls neu hergerichtet worden ist.
* Großen-Buseck, 20. Juni. Die Monars- Wanderung des V H C., Zweigverein „Buse ck er t al", ging von Großen-Buseck aus zur Ganseburg. Hier war Treffpunkt für die von an- bereu Orten ankommenden Wanderer. Wenn schon der Gang durch den Busecker Struthwald ein Genuß war, so war es erst recht die bann folgenbe Waube- runq burch ben Feruerwalb, am Langen Morgen, ber Stirn und dem Luh vorbei nach Oppenrod, dessen Flur von der werdenden Autostraße durchschnitten wird. Der gerade Verbindungsweg Dppenrob— Großen-Buseck wurde nach der wohlverdienten Rast als Heimweg benutzt. _
s Lang-Göns, 22. Ium. Am 24. Ium kann eine unserer ältesten Einwohnerinnen, Frau Katha- rine Förster, Wwe., geborene Müller, ihren 8 4. Geburtstag begehen. Sie feiert diesen Tag in recht guter körperlicher und geistiger Frische. In diesen Tagen stattete die Evangelische Frau e n- Hilfe des rheinhessischen Dorfes Gimbsheim bei Worms, dem früheren Wirkungsorte unseres Pfarrers Wahl, der hiesigen Gemeinde einen Be- such ab. In drei großen Autobussen fuhren sie, nachdem sie unterwegs die Taunusbäder besichtigt hatten, zur Mittagszeit hier vor, nahmen in dem Gemeindehaus der evangelischen Gemeinde ihr Mittagsmahl ein und verlebten einige frohe Stunden mit ihrem früheren Seelsorger.
Kreis Alsfeld
führen konnte.
Der Vortragende schilderte in interehanter Weise, wie die erste Anregung zur Schaffung des Liebig- Museums nicht von Robert Sommer ausgegangen war, sondern wie er selbst in einem Entwurf zur Verbesserung der Gießener Eisenbahnverhältnisse sogar die Niederlegung des alten Liebig-Laboratoriums vorgesehen hatte. Erst die Mahnung eines Unbekannten in der „Chemiker-Zeitung" (1898), aus dem auch in seinem schmucklosen Gewände ehrwürdigen Laboratorium Justus von Liebigs, der hier als erster in Deutschland einen für die damalige Zeit als Musterstätte geltenden Bau für den Unterricht in der praktischen Chemie schuf, ein Werk zu gestalten, das der chemischen Wissenschaft zur Ehre gereiche und der Nachwelt zeigt, aus welch mühseligen Anfängen sich die Chemie zu ihrem jetzigen Glanz durchgekämpft hat, bestimmte Sommer zu einer Aenderung feiner Haltung. In vortrefflicher Weise erinnerte Professor Dr. Behaghel daran, wie nunmehr Sommer mit der ihm eigenen Begeiste- rungsfähigkeit sich für die neuen Gedanken einsetzte, sofort einen Plan bereit hatte und sich die Sache eine Herzensangelegenheit werden ließ, deren Durchführung ihm durch vier Jahrzehnte hindurch schließlich fast zu einer Lebensaufgabe werden sollte.
An Hand von vielen Aufzeichnungen und Erinnerungen schilderte der Vortragende die nunmehr unermüdliche Arbeit Robert Sommers bis zur Gründung der Liebig-Museums-Gesellschaft, deren Aufruf an die Wissenschaftler aller Welt eine große Spende für den Gebäudeankauf einbrachte. Aber erst als Geheimrat E.A. Merck (Darmstadt) in hochherziger Weise eingesprungen war und mit der Stadt Gießen einen Kaufvertrag zustande brachte, konnte die Wiederherstellung der alten Räume be- aonnen werden, bei der unersetzliche Schätze für die Kulturwelt in den ältesten chemischen Herden, dem alten Kaliofen und den reichhaltigen Sammlungen aller Art vor der Vernichtung bewahrt wurden.
lieber ein Persönlichkeitsmuseum hinaus wuchs diese Erinnerungsstätte zu einem familien- und zeitgeschichtlichen Museum, das im Rahmen der deutschen chemisch-historischen Sammlungen eine Stätte von besonderer Eigenart und ein Mittelpunkt bester deutscher Ueberlieferung wurde. So soll beim Lesen der Worte am Giebel des Museums „Dem Andenken Liebigs" mit aufrichtiger Dankbarkeit an den Mann gedacht werden, der diese goldenen Lettern gesetzt hat: an Robert Sommer.
Mit einem Rundgang durch die Arbeitsstätte des genialen Chemikers Justus von Liebig, in der die Erinnerung an deren Wiederhersteller stets fortleben wird, fand die Gedenkstunde ihren Ausklang.
LU. Von der Landesuniversität. Don der Pressestelle der Universität Gießen wird mitgeteilt- Der ordentliche Professor für Botanik an unserer Universität, Dr. Ernst Küster, wurde von der Akademie der Wissenschaften in Wien zum korrespondierenden Mitglieds der mathematisch-naturwissenschaftlichen Klasse gewählt.
** D i e Glocken für die neue katholische Kirche. Die katholische Gemeinde in unserer Stadt erwartet noch in dieser Woche die Ankunft von fünf Glocken, die für den Turm der Kirche bestimmt sind. Die Glocken stammen aus der Werkstatt der Glockengießerei Otto aus Hemelingen bei Bremen. Die Weihe wird voraussichtlich am kommenden Sonntag erfolgen und durch den Generalvikar Mooser vom Domkapitel zu Mainz vorgenommen werden. ,
** Unfall. Am Samstag erlitt ein 13)ähnges Mädchen, das mit dem Fahrrad unterwegs war, in der Marburger Straße durch einen Sturz einen Armbruch. Das Kind mußte zur Behandlung in die Chirurgische Klinik gebracht werden.
** Die Steuerbewertung von g e - s ch i ch 11 i ch w e r t v o l l e n G r u n d st ü ck e n. Bei der Steuerbewertung können gewisse Vergünstigungen für Gebäude, Grundstücke und auch für bewegliche Gegenstände eintreten, wenn deren Erhaltung wegen ihrer Bedeutung für die Kunst, Geschichte oder Wissenschaft im öffentlichen Interesse liegt. Zur Durchführung der einschlägigen Bestimmungen wird dem Landesfinanzamt von hier aus jeder rechtskräftige Eintrag eines Baudenkmals in die Denkmalliste mitgeteilt. Die Bewertung gilt für die Reichsvermögenssteuer, für die Reichserbschaftssteuer sowie ab 1. April 1937 auch für die Landes- und Gemeindesteuern.
** D i e städtische Fuhrwerkswaage im Wetzlarer Weg wird für die Zeit vom Dienstag, 22. Juni, bis einschließlich Samstag, 26. Juni, gesperrt. Die Waage wird einer Neueichung unter-- d°**1 93 or f i cf) t beim Pilzsarnrneln. Mit dem Beginn der Pilzernte zeigen sich auch als böse Begleiterscheinung die Fälle von Pilzvergiftung, die bei größerer Vorsicht vermieden werden könnten. Einer der letzten Fälle gibt Anlaß zu folgender Warnung: Man sammle niemals unbekannte Pilze zum Essen, ohne daß man diese zuvor in einer Beratungsstelle vorgelegt hat. Der jetzt noch vorkommende Maipilz erscheint an grasigen Wegrändern, auf Wiesen und ähnlichen Plätzen. Sein $ut wird meist kaum breiter als 10 Zentimeter. Alle Teile dieses Pilzes: der Hut, die Blätter auf der Hutunterseite und der Stiel sind weißlich bis rahmgelblich. Auffallend ist der Geruch nach Mehl. Man hüte sich jedoch vor Verwechselungen
Sommer Hingaben. ,
Der 1. Vorsitzende der Gesellschaft
©r. Hntz Merck-Darnistadl
hatte es sich nicht nehmen lassen, selbst diese Gedenkstunde zu leiten, zu deren Eingang er auf das tragische Schicksal hinwies, das wie damals bei dem Tode des Ehrenvorsitzenden und Ehrenmitgliedes, Geh. Rat Sommer, kurz nach der Hauptversammlung auch jetzt wieder die Gesellschaft durch den Verlust des Wächters des Museums, des dieser Tage verstorbenen Werkmeisters a. D. August Schädlich betroffen hat. Am 1. Juli d. I. waren es zehn Jahre geworden, in denen der Entschlafene mit regem Interesse und vieler Hingabe Geheimrat Sommer bei seinen Arbeiten unterstützte und in denen er unermüdlich der Gesellschaft gedient hatte. Ihm zu Ehren erhoben sich die Teilnehmer von den Plätzen.
Dr. Merck gab unter Bedauern bekannt, daß ein in Lübeck wohnender Verwandter Geh. Rat Sommers nicht zu dieser Gedenkstunde kommen konnte. Um so herzlicher begrüßte er den Prorektor der Universität, Professor Dr. Hildebrandt, Generalmajor der Flieger Will ich als Vertreter der Wehrmacht, Regierungsrat Dr. K r ü g e r , Bürgermeister Professor Dr. Hamm, die Dekane der Philosophischen und der Medizinischen Fakultät, den Vertreter des Arbeitsdienstlagers Gießen, das den Namen „Justus von Liebig" führt und O. H. Behrens von der Liebig-Gesellschaft Köln. Nach einer kurzen Würdigung des Mannes, dem die Gesellschaft ihre Gründung und das Liebig-Museum sein Ent- jtehen verdankt, hielt
Professor Dr. Behaghel
die Gedenkansprache für Robert Sommer und das Gießener Liebig-Museum. Wenn irgend jemand, so führte er u. a. aus, die besondere Pflicht und auch ein besonderes Anrecht darauf hat, Robert Sommers zu gedenken, dann ist es die „Gesellschaft Lie- big-Museum" für die in dem Entschlafenen ihr Gewissen dahingegangen ift. Auf sein Betreiben ist die Gesellschaft gegründet worden, um das zu schaffen, was heute als Liebig-Museum vorhanden ist. Besonders befriedigt hat es Sommer, wie er es
Schwerer Autounfall bei Reiskirchen.
* Reiskirchen, 21. Juni. Gestern abend ereignete sich auf der Strecke Gießen—Grünberg, am Abzweig nach Großen-Buseck, ein V e r k e h r s u n - fall. Ein Personenkraftwagen, mit drei Personen besetzt, der aus der Richtung Gießen kam, fuhr die Böschung hinunter, gegen einen Schutzstein an der Kurve, riß dabei den Stein aus, überschlug sich und kam dann wieder auf die Räder zu stehen. Die drei Insassen wurden verletzt. Bei den Verunglückten handelt es sich um eine Familie Altag aus Weimar, die in Badenweiler zur Kur weilte und
Viktoria erhob sich, um das Fenster zu öffnen. Fogg sah mit Vergnügen, wie hoch ihre Hüften gesetzt waren; es erinnerte ihn an die Wunschbilder mancher Modezeichner. Ueberhaupt empfand er diese ganze Fahrt als große Annehmlichkeit. Er kam sich vor wie ein Diabetiker, der sich in einer Konditorei vollstopft und genau weiß, daß er es am nächsten Tag büßen muß.
Viktoria fand, daß Fogg noch nie so nett und gelockert gewesen war wie heute. Fogg war endlich einmal ein Mann, der für alles Sinn hatte und den man alles fragen konnte, weil er alles verstand. Sein Urteil war gut, wenn auch mit leicht bäuerlichem Einschlag. So sagte er: „Wenn ein junger Dachs sein Bündel schnürt und loszieht in die Welt, hat er eine Menge Phantasie und falsche Vorstellungen im Gepäck. Wie ein Heißhungriger frißt er alles in sich hinein, die anderen Gegenden, die Frauen, das Neue, das ganze Leben mit feinen Leckerbissen. Aber wenn man älter wird und das alles kennt, wird einem von Worcestersoße und Henna an den Fingernägeln übel, und man hat Sehnsucht nach den schlichten und ewigen Dingen des Daseins, nach Arbeit und einem guten Ge-
ZWlWÄUWM
Roman von Walther Kloepffer
Copyright 1936 by August Scherl G m. b H.. Berlin.
war ein bunter bayerischer Bilderbogen, den diese Truppe mit viel Geschick, Temperament und Liebe vor den Gießenern ausbreitete. Die Urwüchsigkeit der Sprache, die nach Kuhschellen und Almensehnsucht klingenden Melodien und die alles beherrschenden Zitherweisen bestimmten farbenfreudig das Bild des unterhaltenden Abends. Gleich durch die erste Ansage von Willy Ang er er war die Verbindung zwischen Zuhörern und der Spieltruppe hergestellt, die durch das Auftreten Ignatz Eiseles bald verstärkt wurde. Man war überrascht von der Regsamkeit und Vielseitigkeit dieses Mannes, der durch die Wandlungsfähigkeit feines Gesichtsausdruckes dem so daher gesprochenen Worte eine ungeahnte Wirkung verschaffen kann. Er war sein eigener Ansager, spielte seine eigenen, von einer gewissen wehleidigen Stimmung getragenen oder schmiegsamen, anheimelnden Tönen bestimmten Kompositionen, „redete auf bayrisch" mit seinen „lieben Gästen", daß sie nur so lachen müssen und trat breit und behäbig auch als Komödiant auf.
Die Kost, die er seinen Gästen bot, war durch die handfeste Art der bayerischen Zubereitung herzerfrischend. Bei Schrammelmusik und Schuhplattlern gewann man einen Einblick in eine Welt, deren natürliche Fröhlichkeit zu Herzen geht. Namentlich aus den Volksliedern für gemischte Chöre, in den Jodlern von Michl Berger und der jungen Gar- mischerin Anni Klotz klang diese Eigenart der Menschen jener Landschaft heraus, für die Nazi Eisele mit seiner Truppe um Verständnis wirbt. Zu dem guten Gelingen trug auch die 73jährige Jodlerin Hirlanda EU mann aus Scharmtz bei, deren Charakterkopf ebenso einprägsam ist, wie ihre klangschöne Stimme. Fritz Roland gefiel mit seinem Baßbariton nicht weniger gut. Die Spiel- fruppe hinterließ in ihrer Gesamtheit einen ausgezeichneten Eindruck und brachte den Zuhörern zwei rückhaltlos luftige Stunden.
Maipilz und wird erst später (insbesondere beim Liegen des herausgenommenen Pilzes) mehr oder weniger ziegelrötlich, daher der Name. Im Gegensatz zum angenehmen Mehlduft des Maipilzes hat er einen viel strengeren Geruch, der gerade für den ziegelroten Rißpilz charakteristisch ift. Im Gegensatz zu den weißlichen Blättern des Maipilzes werden die Blätter auf der Hutunterseite bald mehr oder weniger bräunlich, ähnlich wie beim Anger- ling (Champignon). Dor einer solchen Verwechslung muß daher ebenfaU's gewarnt werden. Der Champignon hat einen angenehmen Duft und einen charakteristischen Schleier, bzw. Ring am Stiel, der dem Rißpilz fehlt.
Die Gesellschaft Liebig-Museum G letz e n veranstaltete am Samstag für ihren Gründer und den Schöpfer des Liebig-Museums, den verstorbenen Geheimen Medizinalrat und ehemaligen Direktor der Psychiatrischen Klinik der Universität, Professor Dr. Robert Sommer, eine Gedenkstunde. Die Stadtverwaltung hatte für eine Ausschmückung des Hörsaales Sorge getragen, in dem sich die Mitarbeiter und Freunde des Entschlafenen, jomie einige Ehrengäste der Erinnerung an Robert
—Homberg, 20. Juni. Am Freitagabend ereignete sich an dem unbewachten Bahnübergang der Strecke Burg- und Nieder-Gemünden—Kirchhain in der Nahe des Bahnhofs Neuhaus ein Zusarn- men stoß zwischen einem Personen w a - qcn und einem rangierenden Güterzug. Das Auto kam aus der Richtung Büßfeld und wurde durch einen Reichsbahnbeamten angehalten. Anscheinend durch ein mißverstandenes Zeichen fuhr der Autofahrer wieder an, um die Schienen zu überqueren. Im gleichen Augenblick rollte der Gütrrzug ebenfalls auf den Bahnübergang und schleifte das Auto ungefähr 10 Meter weit mit. Während die Insassen sich rechtzeitig durch Herausspringen in Sicherheit bringen konnten, erlitt der Fahrer glücklicherweise nur eine leichte Verletzung am Knie. Das Auto wurde stark beschädigt.
Kreis Wetzlar.
* Dorlar, 20. Juni. Das elfjährige Töchterchen des hiesigen Lehrers Plank erlitt durch einen unglücklichen Sturz einen schweren Schädelbruch und außerdem einen Armbr u ch. Das bedauernswerte Kind mußte in die Chirurgische Klinik nach Gießen gebracht werden.
Sie sich denn, bei Nacht und Nebel diesen Mordsweg zu laufen? Wofür hat der liebe Gott Autos wachsen lassen? Mein Gott, wenn ich nur eine Ahnung gehabt hätte, daß wir denselben Weg habend , „ .
„Ich muß dringend nach München, Herr Doktor, und konnte kein Mietauto auftreiben. Der Schlosser von Büchlkam muß eine Hochzeit fahren. Da bin ich eben zu Fuß gegangen. War übrigens herrlich. Nur durch den Wald ist es ein bißchen unheimlich. Ich habe es aber wie die kleinen Kinder gemacht, die in den Keller müssen. Fahren Sie auch nach München?"
„Ja. Wegen dieser schrecklichen Kuhleiten natürlich wieder. Ich habe eine Verabredung mit meinem Freund Dolschi. Außerdem will ich mir einen guten Tag machen, Deutsches Museum, Mittagessen bei Schleich, abends vielleicht Kabarett oder„ so. Man muß auch etwas für seine Bildung tun."
„Dann können wir ja zusammen fahren", warf sie hin. Im Zug plauderte er von seinen Plänen, seinen Reisen, seiner Kindheit. Es war ein ganz respektables Stück Mann, in das Viktoria da Einblick erhielt. E( hatte eine eigentümlich bildhafte Art, die Schilderungen vor feine Zuhörerin hinzu-


