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rats Aden zur Kronkolor und dem Ausbau des Flottenstützpunktes Simonstown bei Kapstadt, gleichzeitig auch der Sicherung der Verbindungs­wege des Empire, an der neben Südafrika vor allem auch Indien und Australien im Falle eines Konflikts im Stillen Ozean hervorragend inter­essiert sind. Eine andere Frage ist es für die Do­minions aber, ob es irgendwo sonst, besonders i n Mittel- und Osteuropa ein Problem gibt, das ihnen wichtig genug erscheint, im Konfliktsfalle ihre Haut zu Markte zu tragen, wenn England sich hier zum Eingreifen verpflichtet oder veranlaßt fühlen sollte. Daß hiermit in den Unterhaltungen der Reichskonferenz ein recht kitzeliger Punkt der Edenschen Außenpolitik berührt worden ist, scheint aus den etwas gedrückten Kommentaren der Lon­doner Presse heroorzugehen. Die Dominien-Minister haben anscheinend klare Auskunft über Englands kontinentale Verpflichtungen verlangt und werden Eden wohl kaum darüber in Zweifel gelassen haben, daß sie eigene Sorgen genug haben, um noch eine Belastung durch europäische Händel auf sich zu neh­men. Vielleicht haben auch die Dominien-Minister, wenn sie diese Händel aus der Nähe betrachten, statt durch die englische Brille, weniger von europäischen Vorstellungen beherrscht und in traditionellen Vor­urteilen verrannt als ihre britischen Kollegen, doch auch etwas davon gespürt, baß die neue Ordnung der internationalen Beziehungen, die die so oft grundlos verdächtigten autoritär regierten Staaten der Achse Berlin-Rom anstreben, weit eher ein Ele­ment des Friedens sein könnte, als die Militär­bündnisse und Generalstabsabmachungen alten Stils, in denen die westlichen Demokratien auf einer Linie mit dem russischen Bolschewismus ihre natio­nale Sicherheit suchen. Die Leiter der italienischen Außenpolitik Graf C i a n o und Bastianini haben erst in diesen Tagen wieder die Verständi- aungsmöglichkeiten betont, die bei selbstverständ­licher Wahrung aller nationalen Lebensnotwendig­keiten tatsächlich vorhanden sind und von der ande­ren Seite nicht immer wieder arglistig bagatellisiert werden dürfen.

Wir nannten schon einen Zweck dieser namentlich in England sehr beliebten Propaganda der einseiti­gen Betonung der vorhandenen Konfliktstoffe. Es ist der Wunsch, den Dominien die Notwendigkeit vor Augen zu führen, sich in verstärktem Maße an der Aufrüstung zu beteiligen, die England für die Aufrechterhaltung seiner Macht oder um mit Herrn Eden zu sprechen für die Erfüllung seiner Völkerbundsoerpflichtungen zur Wahrung des Frie­dens für erforderlich hält. Es ist wohl kaum ein Zweifel, daß das britische Kabinett mit diesem Appell bei den Dominien-Ministern auf Verständ­nis stoßen wird, denn wenn auch z. B. Kanada sich in der Anlehnung an die Vereinigten Staaten wohl- geborgen fühlen mag, so wissen doch die anderen, Australien, Neuseeland und Indien vor allem, daß ein gut Teil der englischen Ausrüstung auch ihrem Schutz zugute kommen wird, und sie haben durch­weg auch schon ihre Bereitschaft gezeigt, das Ihre zur Verteidigung des Empire beizutragen. Es wird dies geschehen durch vermehrte Aufstellung eigener Seestreitkräfte und den Ausbau eigener Flotten­stützpunkte. Wir nannten schon Simonstown an der Südspitze Südafrikas, ein anderer ist Port Dar­win in Nordaustralien. Aber schon die Eröffnungs­sitzung der Empire-Konferenz hat gezeigt, daß die Dominions auch ihre eigene Auffassung von den Reichsproblemen haben und sich nicht damit begnü­gen möchten, fatalistisch alles auf den äußersten Fall des bewaffneten Konflikts abzustellen. Sie wollen rüsten, gleichzeitig aber auch verhandeln, um diesen äußersten Fall so weit wie nur möglich hinauszu­schieben. Australien ist durch seinen Minister­präsidenten Lyons mit dem Vorschlag hervor- qetreten, zwischen den Anrainern des Stillen Ozeans, neben dem Britischen Reich also haupt­sächlich den Vereinigten Staaten, Japan, China, Holland und vielleicht auch Frankreich für Indo- China und Sowjetrußland für Sibirien, einen re­gionalen Nichtangriffspakt anzustreben, der vielleicht die Grundlage für eine weitergehende Verständigung über die vielerlei tiefgreifenden Probleme territorialer, wirtschaftlicher und wehr­politischer Natur bilden könnte, die den Stillen Ozean ja für den Weltfrieden seit langem schon zu einem Gefahrenherd erster Ordnung machen. Hier liegt tatsächlich einlebenswichtiges Interesse" des Empire und es ist begreiflich, daß der Vorschlag des australischen Ministerpräsidenten in der britischen Presse lebhaft besprochen wird, zumal er zusammen­fällt mit Anzeichen einer Besserung in dem so lange äußerst gespannten britisch-japanischen Verhältnis.

Es ist viel beachtet roorben, daß der Bruder des Kaisers von Japan, Prinz C h i ch i b u , bei lieber« reichung des Chrysanthemenordens an König Georg VI. Öen Wunsch nach Herstellung freund­schaftlicher Beziehungen der beiden einst so engver- bunbenen Nationen besonders betonte unb gleich­zeitig strebt bas Kabinett H a y a s h i offensichtlich irgendeine Form japanisch-britifcher Zusammen­arbeit in Dftafien, namentlich in China, an, weil es anscheinend zu der Ueberzeugung gekommen ist, daß eine Außenpolitik, wie sie gewisse radikale Kreise der Armee befürwortet haben, die neben China alle drei andern Großmächte des Pazifik, das Britische Reich, die Vereinigten Staaten und Sowjetrußland gleichzeitig zu Gegnern haben müßte, über die wehrpolitischen und wirtschaftlich­finanziellen Kräfte Japans hinausgehen würde. Australiens Vorschlag würde also in diesem Augen­blick bei dem wichtigsten Partner eines pazifischen Nichtangriffspakts auf wohlwollende Beurteilung stoßen, wenn auch japanische Marinekreise im Gegensatz zur Armee erneut Japans Interesse an einer vorerst wohl nur wirtschaftlich und bevölke­rungspolitischen Durchdringung der Südsee in den Vordergrund zu schieben geneigt sind, eine Ent­wicklung, die ja gerade Australien am meisten fürchtet. Andrerseits ist Australien, wenn es den hohen Lebensstandard seiner sich in den wenigen großen Städten der Süd- und Ostküste zusammen- brängenden Bevölkerung erhalten will, barauf an­gewiesen, bie Überschüsse seiner Probuktivn an Weizen, Fleisch und Walle, bie es in ben Ländern des Empire allein niemals unterzubringen vermag, in den übrigen Randstaaten des Stillen Ozeans ab­zusetzen. Es denkt dabei vor allem an Japan, das einen großen Bedarf an Wolle hat, aber auch Siedlungsland braucht für seine an warmes Klima gewöhnten Bauern, die in der Mandschurei und in Nordchina nicht gedeihen, sondern mit aller Macht nach Süden streben, wo ein ganzer Kontinent ohne Menschen vor ihrer Tür liegt. So sucht Australien, das bie Gefahr bieses bevölkerungspolitischen Drucks seit langem spürt, mit Hilfe bes in Lonbon vargeschlagenen Nichtangriffspakts eine Basis für wirtschaftliche Verständigung mit Japan, ohne dessen bevölkerungspolitische Wünsche berücksichtigen zu müssen, gegen die es auch weiter den Schutz der bewaffneten Macht des Empire in Anspruch neh­men möchte. Man sieht, es stehen auch einer Be­friedung im pazifischen Raum Schwierigkeiten ent­gegen, Die, ba sie Lebensfragen der Nationen be-

Die britische Reichskonferenz erörtert die weltpolitische Lage.

Lonbon, 21. Mai. (DNB.) Die britische Reichs­konferenz hielt am Freitagnachmittag eine zweiein- halbstünbige Sitzung ab. Nachbem in ben beiden Dorangegangenen Sitzungen Außenminister Eben ausführlich über bie außenpolitische Lage einaegan- gen war, sprachen die Vertreter Kanadas, Austra­liens, Neuseelands, Südafrikas und Indiens. Man beschloß, daß sie am Samstagvormittag aufs neue im Foreign Office zusammentreten. Dabei soll Eden wiederum zu gewissen Fragen Stellung nehmen, die von den Hauptvertretern angeschnitten wurden. Die Presse betont, daß alle aktuellen Fragen der internationalen Lage be­sprochen wurden.Daily Telegraph" berichtet, daß Eden besonders ausführlich darüber gesprochen habe, weshalb Enalanb der Wahrung der poli­tischen Unversehrtheit Belgiens und Hollands so große Bedeutung beimesse.

DieIHorning Post" schreibt, Eden habe die e n g l i s ch e n V e r p f l i ch t u n g e n in Eu­ro p a sowie das Problem der englisch- italienifchen Beziehungen, insbe­sondere unter Berücksichtigung der abessinischen Frage, besprochen. Besonders hinsichtlich der englischen Stellungnahme im Falle von Konflikt en auf dem Kontinent be­stunden Meinungsverschiedenheiten zwischen den Konferenzteilnehmern.

Daily Herald" meldet, daß sich ein Sonderaus­schuß insbesondere mit der Frage beschäftigt habe, ob Abessinien aus dem Völkerbunde ausgeschlossen werden solle. Die britische Re­gierung sei bemüht, daß alle Dominien eine ein­heitliche Stellungnahme vertreten sollten, wenn diese Frage zur Entscheidung komme. Bisher seien aber Neuseeland und Südafrika gegen einen Ausschluß Abessiniens aus dem Völkerbund. Der kana­dische Ministerpräsident habe erklärt, daß Kanada jede außenpolitische Verpflichtung vermeiden wolle. Der a u st r a l i s ch e Vertreter habe eine Vereinheitlichung der Politik der britischen Staaten gefordert und General H e r tz o g (Süd­afrika) habe sich u.a. mit der deutschen K o - lonialforderung beschäftigt. Die weiteren Konferenzberatungen über außenpolitische Fragen würden sich hauptsächlich mit der Mi11elmeer - läge und etwaigen britischen Verpflichtungen in Mitteleuropa beschäftigen. Einige Dominien- Vertreter, besonders aber die Vertreter Kanadas, feien sehr beunruhigt über diese Frage.

Daily Mail" will wissen, daß die englische Regierung den Dominienvertretern erklärt habe, sie werde vor Fertig st eltung des eng­lischen Aufrüstungsprogramms sich nicht an internationalen Konferenzen beteili­gen oder in neue Pakte eintreten. Aus diesem Grunde sei wenig Hoffnung vorhanden, daß England gegenwärtig die Bestrebungen Roose­velts für Einberufung einer Weltwirtschafls- konferenz unterstützen werde.

Die Sandelsvolltik des Empire.

Die Dominien und der englisch- amerikanische Handelsvertrag.

Landon, 22. Mai. (DNB. Funkspruch.) Auf der Reichskonferenz werden den Dorninien-Veriretern Pläne für einen englisch-amerikanischen Handels­vertrag Dorgetragen werden. Die Stellungnahme der Dominien wird von entscheidender Bedeutung sein, da die amerikanische Regierung u. a. die Her­absetzung der gegenwärtigen engli­

schen Schutzzölle für landwirtschaft­liche Erzeugnisse und damit eine Aenderung der in Ottawa eingeführten Vorzugsbehand­lung für die Dominien fordert. Bevor die Ver­handlungen mit den Vereinigten Staaten eröffnet werden können, muß darum jedes Dominion um feine Meinung befragt werden. DieTimes" mel­det, daß anscheinend alle Dominien eine kühne Initiative auf wirtschaftlichem Gebiet wünschten, um damit auch die politische Lage zu entspannen. Die Dominien begännen einzusehen, daß der eng­lische Marktausdie Dauer für sie nicht genüge und daß sie sich also nach neuen Märkten außerhalb Englands umsehen müßten.

Stärkere Kräfte als der Völkerbund.

London, 22. Mai. (DNB. Funkspruch.) Außen­minister Eden wird sich am Sonntag nach Genf be­geben, um den Sitzungen des Völkerbundsrates und

der Vollversammlung beizuwvhnen. Dielimes* weist auf Den großen Prestigeverlust hin, ben öer Völkerbunö in letzter Zeit erlitten habe. Es gebe nur wenige, bie heute noch behaupteten, baß öer Völkerbund basMonopol für friedliche Bemühun­gen" habe, ober baß jebe Anstrengung für ben ^rieben ben Völkerbunbsstempel tragen müsse. Die in letzter Zeit in ber europäischen Lage eingetretene Entspannung sei hauptsächlich barauf zurück- zuführen, baß größere Kräfte als der Völkerbund am Werke seien, um bie poli­tische und wirtschaftliche Befriedung zu fördern. Das Blatt weist auf die diplomatischen Besprechungen hin, die anläßlich der Krönung in London stattfan­den, sowie auf die Bemühungen, die internationa­len Handelsschranken zu verringern und gleichzeitig eine Verbesserung der politischen Lage herbeizufüh­ren. Auch die Entspannung im Gebiet des Stillen Ozeans und im Fernen Osten und die enge Zu­sammenarbeit unter den amerikanischen Staaten übten eine beruhigende Wirkung aus.

Was bedeutet Bilbao für England?

Die Verhinderung jeder Blockade Bilbaos durch England hat eine recht handfeste wehrwirtschaftliche Ursache. Bilbao ist die Pforte, durch bie ein großer Teil ber spani­schen Erzausfuhr geht. Etwa sieben Zehntel bes Gesamtexports Spaniens stammt aus bem Bil­bao-Revier. Von biefer Ausfuhr ist ein recht er­heblicher Prozentsatz nach England gegangen, wie England überhaupt von jeher ein sehr guter Käu­fer spanischer Erze war. Es ist die Art der eng­lischen Roheisengewinnung, die England veranlaßt, phosphorarme Erze im Ausland einzukaufen und die es auch genötigt hat, etwa drei Zehntel öer gesamten spanischen Erzföröerung aufzunehmen.

Die Ereignisse in Spanien störten naturgemäß öie britische Erzversorgung aus öieser Richtung. Sa ist z. B. Spanisch-Marokko als Lieferant ausgefallen, weil bie Nationalregierung die hier ge­forderten Erze für eigene Zwecke brauchte. Poli­tische Verstimmungen zwischen Salamanca und Lon­don haben sehr dazu beigetragen, das englische Erz- geschäft noch mehr zu beeinträchtigen. Die Roten in Bilbao dagegen lieferten weiter, wenn auch stockend und mit Unterbrechunaen. Immerhin kamen doch fortlaufend recht stattliche Mengen aus dem Bilbao- Revier in England an und seit dem Dezember des vorigen Jahres ist der Bilbao-Export nach England sogar stark in die Hohe gegangen. Da die britische Rüstungsindustrie nach Erzen schreit, die Eisen- und Stahlausfuhrländer aber für die Befriedigung des englischen Bedarfs wegen der vielen Ausfuhrverbote nur noch eine bescheidene Rolle spielen, wird ver­ständlich, warum man nichts unversucht läßt, um eine Verstopfung der Bilbao-Quelle zu verhindern. London rechnet aber damit, daß die Franco-Regie­rung, sobald sie das Bilbao-Revier besetzt hat, auch diese Förderung für sich beschlagnahmt und sich um die englischen finanziellen Interessen am Bil­bao-Bergbau wenig kümmert. Darum die Ver­hinderung jeder Blockade, darum auch die Entsendung von Lebensmitteln in großen Mengen, wobei es fraglich bleibt, ob nicht Darüber hinaus mancherlei geschieht oder geschehen ist, wodurch auch in anderer Weise die Widerstandskraft der Roten im Norden Spaniens gestärkt wurde.

Es ist also die englische Aufrüstung, die hinter Der britischen Unterstützung der Bilbao-Bol­schewisten steht, wobei sich einem die Frage auf« drängt, ob wir es hier noch mit einem Akt der Dieb gerühmten politischen Klugheit britischer Regierun­

gen zu tun habens Wir können uns z. B. vorstellen, daß England wesentlich rascher an die spanischen Erze herangekommen wäre, wenn es von vornher­ein den General Franco mit aller Macht unterstützt hätte. Es tat das Gegenteil und entfernte sich damit von den spanischen Erzen, es steht heute sogar in dem nicht ganz angenehmen Geruch, durch feine Bilbao-Politik noch die spanischen Bolschewisten zu stützen und Moskaus Ziele indirekt zu fördern.

Englische Jnitiatibe in der Fmimlligen-Frage?

London, 22. Mai. (DNB. Funkspruch.) Die Morgenblätter beharren dabei, daß die englische Regierung in mehreren englischen Hauptstädten Sondierungen zu öer Frage öer Zurückziehung öer auslänöischen Freiwilligen aus Spanien angestellt habe, obwohl von zuständi­ger Seite ein Derartiger Schritt in AbreDe gestellt würbe.Daily Telegraph" meint, Daß man in Son- Don auch sich mit Der Möglichkeit befasse, eine vor­übergehende Einste 11ung öer Feindselig» feiten in Spanien herbeizuführen. Die eng­lischen Vorschläge sollen in Valencia keine befonöere Gegenliebe gefunöen haben, weil man zwar mit bem Ziel, aber nicht mit öer vor­geschlagenen Methode einverstanden ist. Dagegen rechnet das Blatt mit einer Unter st ützung eines etwaigen englischen Vorgehens durch Frank­reich und Belgien. Auch der Vattkan begün­stige Den englischen Vorschlag.

Neue bolschewistische Verbrechen.

Salamanca, 22. Mai. (DNB. Funkspruch.) Der nationale Heeresbericht meldet von der Front von Bilbao: Das schlechteWetter behinderte bie Tätigkeit ber nationalen Truppen. An einigen Ab­schnitten würben bie Stellungen ber Nationalen ver­bessert. Eine große Anzahl Toter würbe auf bem Kampffelb gefunben unb viel Kriegsmaterial auf­gelesen. Bei Munguia sah man hohe Rauchsäulen aufsteigen. Der Ort Munguia ist von ben Bolsche­wisten in Branb g e ft e cf t roorben, bie Flücht­linge berichten über bie von ben Bolschewisten be­gangenen Verbrechen. In Fruniz mürben ber Pfarrer unb ein Mann, ber ihn versteckt hielt, ermorbet.

rühren, im Grunde mel tiefgreifender sind, als die aus Presttgebedürfnis und Machtkitzel, Unverstand und Vorurteil einer vernünftigen europäischen Neu­ordnung entgegengestellten Hemmungen. Fr. W. L.

Italiens U-Boot-F1otie.

Die Engländer verfolgen mit großer Aufmerksam­keit die italienische Seerüstung. ImDaily Tele­graph" findet sich eine längere Abhandlunb über die italienifche U-Bootflotte. Italien war bei Aus­bruch des Abessinienkonflikts im Begriff, zwei 35 OOO-Tonnen-Schlachtschiffe fertigen« stellen, die eine Antwort auf die französischen Schiffbauten darstellen sollten. Die Bauten wurden aber in dem Augenblick, als ber Waffengang in Abessinien unvermeiblich war, unterbrochen. Dafür erhielten bie Werften zahlreiche Aufträge, kleinere Schiffe herzustellen. Es waren in erster Linie schnelle Zerstörer unb Unter­seeboote, bie gebaut wurden, also Fahrzeuge, mit beren Hilfe sich Italien im Mittelmeer sckon einigermaßen behaupten konnte, sofern es gleichzeitig seine Luftwaffe einsetzte. Inzwischen hat es neue Stützpunkte geschaffen und vor allem auch bie Insel P a n t e 11 e r i a, zwischen Sizilien und Tunis, befestigt, was bie Engländer mit sichtlichem Unbehagen zur Kenntnis genommen haben. Italien will nun zwanzig weitere Untersee­boote bauen. ImDaily Telegraph" wirb eine Rechnung über bas U-Bootkräfteverhältnis ber größten Nationen aufgemacht, wie es sich nach Fer- tigstellung bieser Unterseeboote und unter Ausschluß ber überalterten Schiffe ergibt. Italien würbe mit hundert Schiffen an der Spitze stehen, Dann käme Frankreich mit 85, Japan mit 64, England mit 54 und die Vereinigten Staaten mit 51 Unterseebooten. Diese Aufstel­lung scheint aber die Neubauten Der anderen Staaten unberücksichtigt gelassen zu haben, denn die Franzosen, die bisher die stärkste U-Bootslotte ihr eigen nannten, haben eine ganze Reihe von Neu­bauten vorgesehen, unb Sowjetrußland, bas seine U-Bootflotte in letzter Zeit gewaltig verstärkt hat, wirb in ber Ausstellung gar nicht genannt.

Oer italienische Besuch in Budapest.

Ungarns wehrpolitische Gleichberechtigung.

Bub a pest, 21. Mai. (DNB.) Der britte Tag bes Bubapester Aufenthalts des italienischen Herr­scherpaares war mit Besichtigungen ausge­füllt. Der König begab sich auf einem Donau- Dampfer nach bem Römerbab Aquincum, um bie Ausgrabungen unb Sammlungen zu be­sichtigen. Anschließend stattete er in Begleitung bes Unterrichtsministers Homan bem ungarischen Nationalmuseum einen längeren Besuch ab, wobei ihm seltene altdalmatinische Sil­

bermünzen zur Vervollkommnung seiner welt­berühmten Sammlung als Geschenk überreicht würben.

Die politischen Besprechungen Des italienischen Außenministers Graf Ciano mit Daranyi unb Kanya wurden fortgesetzt. Die Presse spricht bie Vermutung aus, daß die Frage der militäri­schen Gleichberechtigung Ungarns im Mittelpunkt öer Verhandlungen gestanden habe. Weiter wird angenommen, daß Die Möglichkeit einer Annäherung Ungarns an Jugosla­wien behandelt worden fei. Einen breiten Raum nehmen Londoner Berichte ein, in denen auf ein wachsendes Interesse ber englischen Regierung für eine grundlegende Neuregelung im Donautal und eine wirtschaftliche Zusammenarbeit öer Donau- mächte hin gewiesen wirb.

Stalinsäubert" die Wissenschaft

Massenverhaftungen von Gelehrten.

Moskau, 21. Mai. (DNB.)Jswestija" ver­öffentlich einenRechenschaftsbericht" bes ständigen Sekretärs ber Moskauer Akademie ber Wissenschaf­ten, Gorbunow, in bem bie Akademie als ein Nest von Staatsfeinden, Hochverrätern unb Ter­roristen" hingestellt wirb, wobei bie Schuld an die­sem Zustande in erster Linie auf den Einfluß B u - charins zurückgeführt wird. In der Meteorologi­schen Sektton sei eine ganze Organisation vonKon- terreoolutionären" aufgedeckt worden und in der Verwaltung der Akademie wurden angeblichTrotz­kisten" enttarnt. Erwähnt werden weiter als Herde staatsfeindlicher Umtriebe" die Institute für Ge­schichte, für Literatur, für Staatsrecht, die Sektto­nen für Philologie, für Orientalistik, für Archäo­logie, für Ethnologie usw. Zahlreiche Gelehrte wer­den alsStaatsfeinde" gebranbmarft. Die auf biefe Weifegesäuberte" Akademie hat bieAustreibung" bes inzwischen schon abgeurteilten Bucharin aus ihren Reihen beschlossen. In fast allen aufgezählten wissenschaftlichen Instituten ist es zu zahlreichen Verhaftungen gekommen.

Or. Dürr vor dem Untersuchungs­ausschuß in Lakehurst.

N e u y o r k, 21. Mai. (DNB.) Der Untersuchungs« ausschuß bes amerikanischen Wirtschaftsministeriums in Lakehurst vernahm am Freitag als erstes Mitglieb ber beutschen Kommission ben Chefkonstrukteur ber Zeppelinwerke. Dr. Dürr erklärte es für unmöglich, baß Funken aus bem Auspuffrohr ber Motoren bas Luft­schiff in Branb gesetzt haben könnten. Er schilderte weiter ben Verlauf von Experimenten, bie ber Fest- ftelluna bienen sollten, ob bie Funken in ben Aus­puffrohren eine Gefahr barstellen. Er wies barauf hin, baß Benzin, Wasserstoffgas unb sogar Nitro­zellulose, bie im Auspuffrohr untergebracht worden waren, sich bei keinem ber Experimente

entzündet hätten. Nach ber Möglichkeit einer Selbstentzündung bes Wasserstoff- g a f e s befragt, erklärte Dr. Dürr, daß in ben Aus­puffrohren ber Motoren bes LZ Hindenburg eine Temperatur von etwa 250 Grad herrsche, während Öer Selbstentzündungsgrad des Wasserstoff­gases bei etwa 6 0 0 Grad liege. Schließlich be­schrieb Dr. Dürr die K o n st r u k t i o n des Luft­schiffesHindenburg", die jede Möglichkeit einer Ansammlung freien Wasser st offgases in ber Schiffshülle ausgeschlossen hätte. Die Gaszellenbecken seien burch nichtentzünbbare Chemi­kalien gesichert gewesen. Die gesamte Metallkon- struktton sei außerdem gegen von außen tommenbe Elektrizität durch Zusammen­fügung aller Metallstücke geschützt gewesen.

Oie Opfer von Lakehurst in der Heimat.

Ankunft des Trauerzuges in Frankfurt a. M.

Frankfurt, 22. Mai. (DNB. Funkspr.) In ben frühen Morgenstunben bes Samstag traf auf bem Frankfurter Hauptbahnhof ber Trauer­zug mit ben Toten von Lakehurst ein. Die Fahnen wehen auf Halbmast, auf bem Vahnhofsplatz stehen bichtgedrängt bie Menschen, auf bem Bahnsteig haben sich bie Angehörigen eingefunden, als die acht Wagen des Zuges, bie bie Särge bergen, in bie Halle rollen. Mit einer Abordnung der Zeppelin­reederei ist auch ber Musikzug ber SA.-Haltemann­schaft bes Weltflughafens Rhein-Main angetreten, ber einen Choral fpielt. Dan einer Fülle van Blu­men umgeben, mit ber Hakenkreuzfahne beb eckt, stehen bie Särge in ben Waggons. Ein Wagen mit fünf Toten aus Frankfurt a. M. bleibt zurück, wäh- renb bie übrigen Wagen weitergeleitet werben. Auf bem Eilgüterbahnhof findet bann bie Ueberführung ber Frankfurter Opfer auf bie Leichenwagen statt. Kränze über Kränze werben aus bem Wagaon ge­bracht, man sieht ben Kranz bes Führers und Blumenspenden ausländischer Staaten in reicher Pracht. Während die Musik das Lied vom guten Kameraden spielt, setzen sich die Leichenwagen in Begleitung einer Abordnung ber Zeppelinreeberei zu ihrer letzten Fahrt in Bewegung.

Kutturpstichl deutscher Jugend

Präsident Schlösser spricht in Weimar zur HI.

Weimar, 21. Mai. (DNB.) Im Reichsführer­lager ber HI. sprach im Rahmen einer Morgenfeier ber Präsident ber Reichstheaterkammer, Dr. Schlosser, über bie Begriffe Staat und Reich unter besonderer Berücksichtigung bes kulturellen unb geistigen Erlebens. Im gesamten geistigen Le­ben bes neuen Deutschlands erblicke er einen Ab­schnitt jener großen Front gemeinsamer Bewäh­rung, die das Dritte Reich uns gebracht habe. Am