Einzelbild herunterladen

eindringlichsten äußere sich das Deutschtum in der Kunst, die uns Grundwerte der deutschen Seele offenbare. Das Erlebnis Goethes fei für den Deutschen immer das gleiche geblieben, nämlich deutsche Gesinnung, Verklärung des Volkes und des Vaterlandes. Wir hätten es Goethe zu verdanken, daß wir das Wesen unseres Volkes mit einem Wort in dem Namen F a u st auszudrücken vermöchten. Dr. Schlösser nannte das Reich den seelischen ße*. bensraum aller Deutschen, dessen Wunder nicht aus- zuscböpfen sei, der ein ständiger Befehl zu einer Haltung des äußersten Adels sei, ein unoergäng- kicher Aufruf, Herz und Geist an die Volksgemein­schaft zu verschenken. Der Bestand des Reiches werde immer nur von der deutschen Jugend ge­sichert werden können. Es hätte unseres tausend­jährigen Leides bedurft, ehe wir begriffen hätten, daß das Reich ohne den Staat eine Ohnmacht sei. Der Staat ohne das Reich fei nur eine äußere Macht, die die Seele nicht binde und daher stets gefährdet sei. Nur Reich und Staat ge­meinsam könnten zu wahrer Größe verhelfen, deshalb müßten Wehrpflicht und Kulturpflicht gleich hoch eingeschätzt werden.Stählen wir unseren Kör­per, daß wir gute Soldaten werden, und üben wir unseren Geist, daß wir den Staat tüchtig verwal­ten, vergessen wir aber nicht das Musische als den das Volk gestaltenden Faktor, so erzwingen wir jene Ewigkeit, die wir für das Dritte Reich wollen."

Oie lieichssteuereinnahmen im April 1937 um 131 Millionen RM. über Vorjahrshöhe.

Berlin, 21. Mai. (DNB.) Die Einnahmen des Reiches an Besitz- und Verkehrs steuern betrugen im April 1937 560,5 Millionen Mark gegen 455,3 Millionen Mark im gleichen Dorjahrs­monat, an Zöllen und Verbrauchs st euern 350,1 (324,3) Millionen Mark, insgesamt also 910,6 (779,6) Millionen Mark. Das Auskommen an Einkommen st euern im April 1937 übersteigt dasjenige vom gleichen Zeitpunkt des Vorjahres um 23,9 Millionen Mark. Die Körperschafts­steuer hat im April 1937 ein Mehr von 19,7 Mil­lionen Mark gegenüber April 1936 gebracht. An Umsatzsteuern sind im April 1937 44,8 Mil­lionen Mark mehr aufgekommen als im April 1936. Bei der B e f ö r d e r u n g s st e u e r ist im April 1937 ein Mehraufkommen von 5,5 Millionen Mark gegenüber dem April 1936 zu verzeichnen. Im ganzen sind im April 1937 an Besitz- und Ver­kehrssteuern 105,2 Millionen Mark mehr aufgekommen als im April 1936. Bei den Zöllen und Verbrauchssteuern betrug das Aufkom­men im April 1937 gegenüber April 1936 bei den Zöllen 11,7 Millionen Mark mehr, bei der Tabak st euer 7,9, bei den Einnahmen aus dem Spiritusmonopol 12,9, bei der Mineral- elfte u er 4,6 und bei der Schlacht st euer 3,3 Millionen Mark mehr.

Deutscher Mietertag in München.

München, 21. Mai. (DNB.) In der Haupt­stadt der Bewegung wurde am Freitag der 29. Deutsche Mieter tag mit einer Beiratssitzung des Bundes der deutschen Mieterver- eine, der alleinigen Spitzenoertretung der deut­schen Mieterschaft, einqeleitet. In der Sitzung sprach Landgerichtsdirektor Roemer über die Preis- stopverordnung und über die Mietpreis- b Übung. Er äußerte sich über die Wirkung der Stopverordnung, die u. a. auch ein Verbot von Mieterhöhungen zum Inhalt habe. Soweit aus volkswirtschaftlichen Gründen oder zur Ver­meidung besonderer Härten Ausnahmen notwendig seien, würden diesen Rechnung getragen. In einem zweiten Vortrag sprach Gauverbandsleiter Gramse über die Hausbesitzer- und Mieterschaft. Hausbesitzer sei kein Beruf, sondern eine Der- mögensanlage. Der Eigentümer verwalte diese An­lage und der Mieter gebe ihm durch Entrichtung der Miete die Möglichkeit zur Verwaltung und In­standsetzung des Eigentums. Der von den Spitzen­verbänden der Mieter und Vermieter geschaffene deutsche Einheitsmietvertrag sei der beste Beweis für den Willen zur Gemeinschaftsarbeit zwischen Hausbesitzern und Mietervereinen.

Skandalöse Zustande in einem Fuldaer Kloster.

Völliges Versagen der Aufsichtspflicht der Ordensleitung.

Koblenz, 21. Mai. (DNB.) Die Dritte Große Strafkammer des Landgerichts Koblenz verhandelte am Freitag gegen den ehemaligen Bruder Teo- dolus, (Karl Maibach) aus Oberhausen. Der An­geklagte ist Angehöriger der Ordensgenossenschaft der Barmherzigen Brüder von Montabaur. Er hat sich schwerste sittliche Verfehlungen auf homo­sexuellem Gebiet zuschulden kommen lassen. Der Angeklagte lernte im Kloster Krankenpflege und kam als Koch in das Kloster in Reichenhall. Diesen Posten mußte er aber bald wieder verlassen, weil damals schon von sittlichen Verfehlungen die Rede war. Von ihnen hatte der Ordensobere zwar dem Ordensoberen der Barmherzigen Brüder Mitteilung gemacht, jedoch begnügte sich die Ordensleitung mit einerVersetzung" des Maibach nach Monta­baur, wo er ausgerechnet der Abteilung der Schwachsinnigen als Krankenpfleger über­wiesen wurde. Mit dieser Versetzung war ihm ge­radezu Gelegenheit gegeben worden, sein Treiben von neuem zu beginnen. Wegen der in Montabaur begangenen Unzuchthandlungen ist der Angeklagte bereits in Essen verurteilt worden. Damals hat sich die Montabaurer Ordensleitung mit einer e r - neuten Versetzung begnügt, und zwar nach Dorsten. Wie nicht anders zu erwarten war, setzte Maibach auch dort fein Treiben fort. Die Strafe" für die neuen Verfehlungen ist wieder einmal lediglich eineVersetzung" nach Fulda. Dreimal ist Maibach von der Ordens­leitung wegen seines schändlichen Treibens versetzt worden, dreimal wurde ihm so Gelegenheit gegeben, in neuer Umwelt unschuldige Menschen zu ver­derben, obwohl die Ordensleitung, die über den Angeklagten unterrichtet war, sich über die außer­ordentlichen Gefahren dieses Derschleppungssystems im klaren fein mußte.

In feinem Plädoyer wies der Staatsanwalt dar- auf hin, daß Bruder Theodolus bereits der fünfte Bruder der Anstalt in Fulda fei, der sich vor Ge­richt wegen unzüchtiger Handlungen zu verantwor­ten habe. Weitere Prozesse wegen dieser Vergehen würden in einigen Wochen noch folgen. Wenn er, der Staatsanwalt, dasHerz-Iesu-Heim in Fulda" als eine Lasterhöhle übelster Sorte be- zeichnss, so gebe es wohl niemanden, der den Der- Handlungen in allen furchtbaren Einzelheiten ge­folgt fei, der die Bezeichnung nicht für vollauf

Windhosen, Haaelschlaa und Mhnstürnie

Schwere tlnwetterverwüstrrngen in

Der Kreis Sonneberg in Thüringen wurde Frei- tagnad) mittag von einer Windhose, verbunden mit Hagelschlag, heimgesucht. Anschließend ging ein wolkenbruchartlger Regen nieder. Riesige Wasser- massen ergossen sich über Felder und Straßen, Bäume und Telegraphenstangen mit sich reißend. Der Hagel schlug allein im Kreiskrankenhaus 60 Fensterscheiben ein. In Blechhammer wurde eine Linde entwurzelt. Eine 86jährige Frau wurde dabei so schwer verletzt, daß sie bald darauf im Kranken­haus ft a r b. Auf der Strecke SonnebergSteinach wurde ein aus einigen hundert Tannen bestehender Waldstreifen dem Erdboden gleichgemacht. Feuer­wehren und Technische Nothilfe sind zur Hilfelei­stung eingesetzt.

Ein verheerendes Unwetter entlud sich über Kölleda. In kurzer Zeit boten Straßen, Gärten und Felder ein Bild der Verwüstung. Eine W i n h o s e, die mit einem Wolkenbruch verbunden war, ver­nichtete alles, was nicht fest auf steinernem Grunde ruhte. Der kurz vorher aufgebaute Zirkus Bellini wurde vollkommen zerstört. Bäume wurden über dem Erdboden weggeknickt, wobei Dächer einge­drückt und Lichtleitungen zerstört wurden. Das Wasser stand in den Straßen teilweise über einen Meter hoch. Der Reichsarbeitsdienst mußte $ur Hilfeleistung eingesetzt werden. Außerhalb der Stadtgrenzen wirkte sich das Unwetter gleichfalls katastrophal aus. Der Verkehr auf der Straße Köl­ledaWeimar wurde vollkommen lahmgelegt. Was nicht vom Sturm zerstört wurde, vernichtete der Hagel, der alles zerschlug.

Das Unwetter hat auch den Kreis Sangerhausen, das Mansfelder Land und die östlichen Randgebiete des Harzes schwer heimgesucht. Ueberall sind die Straßen verschlammt, die Keller unter Wasser ge­setzt und zahlreiche Bäume umaerissen worden. In Sangerhausen wurden Schaufensterscheiben und selbst Fachwerkböden eingedrückt. In Artern an der Unstrut hat ein schwerer Hagelschlag Tausende von Fensterscheiben zertrümmert.

Verhängnisvoll wirkten sich die Wolkenbrüche in der Gegend von Aschersleben aus. Ueberall an Straßen und Eisenbahnlinien flauten sich die von

Mitteldeutschland und Oberbayern.

den Bergen stürzenden Wasfermassen, die geknickte Bäume, Telegraphenstangen usw. mit sich führten. Viele Ortschaften waren stundenlang von der Außenwelt abgeschnitten. Der Eisenbahn­verkehr war während mehrerer Stunden lahmgelegt.

(Sin Oorf unrer Wafter

Im Gebiet zwischen Güsten und Aschersleben scheint das Dorf Giersleben im Tal der Wip­per am schlimmsten vom Unwetter betroffen worden zu fein. Die Wipper überschwemmte die Gegend, so daß sie einem großen See glich. Bis zur Brust im Wasser stehend retteten die Feuerwehr und die frei­willigen Hilfsmannschaften, was zu retten war. Militär, SA. und Arbeitsdienst beteiligten sich nach Kräften an den Hilfsmaßnahmen.

Orkan Über Oberbayern

Freitag früh wütete auf dem Chiemsee ein Föhnsturm von außergewöhnlicher Gewalt. Bei aus­gesprochener Hitze wurde eine Windgeschwindigkeit bis zu 90 Stundenkilometer erreicht. Zahlreiche Ru­der- und Segelboote wurden losgerissen und zerstört. Auf der Fraueninsel gingen die Fischkalter in Trüm­mer, wobei viele Zentner Fische verloren gingen. Der fahrplanmäßige Schiffsverkehr erlitt Verspätungen. Auf der Herreninsel kam es mehrfach zu Baum­brüchen.

Auch über vielen anderen Gegenden Oberbayerns tobte ein Föhnsturm von unerhörter Wucht. Im Kocheltal schwoll er zu einem Orkanan, der großen Schaden anrichtete. In Schlehdorf wurden Häuser und Obstgärten stark mitgenommen. Kaum ein Haus hat noch ein ganzes Dach. Auch Benediktbeuren und Bichl wurden schwer mitgenommen. Aus Schongau am Lech wird gemeldet, daß zeitweise bei völliger Windstille feiner dünner Sand zu Boden riefelte, während die Temperatur ungewöhnlich hoch war und die Landschaft in fahler Beleuchtung dalag. Am Starnberger See hatte der Sturm arg gewütet. Kähne und Segelboote wurden zum Teil zersplittert. In den Wäldern von Seeshaupt wurden große Ver­wüstungen durch Windbruch festgestellt.

berechtigt halte. Dieser Prozeß habe wieder bewie­sen, daß die Ordensleitung solche skan­dalösen Zu stünde geduldet habe. Jede Aussicht habe gefehlt. Es sei zwar nichts Neues mehr, auf die Unfähigkeit der Ordensleitungen Hin­weisen zu müssen. Aber trotzdem müsse man es immer wieder tun, weil die Taten der angeklagten Ordensbrüder durch diesen Umstand manchmal in einem etwas milderen Licht erscheinen könnten. Daß die Ordensleitung jeweils von den Verfehlungen gewußt habe, gehe aus der Beweisaufnahme, aus Aktenstücken usw. klar hervor.

Das Urteil lautete auf Zuchthaus von drei Jahren bei Aberkennung der Ehrenrechte auf die gleiche Zeit. In der Begründung wird darauf hingewiesen, daß die schwerste Schuld den Ange- geklagten deshalb treffe, weil er sich in Erzie- Hereigenschaften diese Verbrechen zuschulden kommen ließ. Mildernde Umstände könnten wegen der Gewissenlosigkeit und der Beharrlichkeit des Vorgehens des Bruders Theodolus nicht in Frage kommen. Das höchste deutsche Gut, die deutsche Ju­gend, müsse energisch geschützt werden. Nur der Umstand, daß der Angeklagte jung ins Kloster kam und auch bei Begehung der Taten noch jung war, daß schließlich jede Aufsicht gefehlt und der Angeklagte von sich aus aus dem Kloster ausge­schieden sei, um ein anständigeres Leben zu begin­nen, habe das Gericht bewogen, die Mindeststrafe anzusetzen.

1,5 Milliarden Dollar für Unter­stützung der Arbeitslosen in USA.

N e u y o r k, 22. Mai. (DNB. Funkspruch.) Das Repräsentantenhaus nahm am Freitag die Not- standsvorlage des Präsidenten Roosevelt vor, die für die Unterstützung der Arbeitslosen IV2 Milliar­den Dollar (ca. 3,75 Milliarden Mark) vorsieht. Trotz der hartnäckigen Versuche des konservativen Flügels, die vorgeschlagene Summe um 500 Mil­lionen zu beschneiden, sah sich das Repräsentanten­haus veranlaßt, die Vorlage in der ursprünglichen Fassung anzunesimen.

Kleine politische?iad>rtd>fcn

Reichskriegsminister Generalfeldmarschall von Blomberg hat am Freitagvormittaa mit seiner Begleitung an Bord derGrille" von Cowes (Insel Wright) aus die Rückfahrt nach Deutsch- land angetreten.

Am 24. Mai, dem Vortage des argentinischen Na- tionalfeiertages, werden zwei argentinische Kriegsschiffe zu einem viertägigen Besuch in deutschen Häfen eintreffen. DieMoren 0" mit dem Konteradmiral Leon Scasso an Bord wird Wilhelmshaven, dieRiva da via" Hamburg an­laufen. Es handelt sich um die beiden größten Ein­heiten der argentinischen Kriegsflotte mit einer Wasserverdrängung von je 27 720 Brutto-Register- tonnen.

Der Chef des 4. japanischen Kreuzer- Geschwaders, Konteradmiral Kobayashi, der seine Flagge auf dem vom 24. bis 31. Mai 1937 in Kiel liegenden Schweren KreuzerA s h i- gara" gesetzt hat, roirt) in der Zeit vom 25. bis 29. Mai mit seinem Stab in Berlin weilen. Die japanische Abordnung wird im Hotel Kaiserhof Wohnung nehmen. *

Der österreichische Staatssekretär des Auswärti­gen Dr. Schmidt stattete dem schweizerischen Bundespräsidenten Motta in Bern einen Besuch ab. Die Unterredung war einem Meinungsaustausch über die gegenwärtige politische Lage in Europa gewidmet. Hervorgehoben wird die fast durchweg sich ergebende Uebereinstimmung der Auffassungen.

Der türkische Ministerpräsident Ismet I n ö n ü ist, von London kommend, am Freitagabend in Paris eingetroffen. Gleichzeitig traf der finnische Außenminister Holstein, der auf Emladuna der französischen Regierung der französischen Hauptstadt einen Besuch abstattet. Der polnische Handelsminister Roman, dem das Großoffizierskreuz der Ehren- legion verliehen wurde, wurde vom Präsidenten der Republik empfangen.

In Bulgarien ist die schon feit einiger Zeit erwartete Teilumbildung des Kabinetts Kjos- s e i w a n 0 f f vollzogen worden. An Stelle der

zurücktretenden Minister für Handel, Landwirt­schaft und Justiz sind ernannt worden: Der Rektor der Handelsakademie Buer off zum Handelsmi- nifter, der Vorsitzende der Landwirtfchaftsvereini- gung Bank 0 ff zum Landwirlschaftsminister und der Sofioter Rechtsanwalt Ogianoff zum Ju- stizminister. Ministerpräsident Kjosseiwanoff erklärte, da der Umbildung des Kabinetts keine politische Be­deutung zukomme, bleibe die Innen- und Außen­politik völlig unverändert.

An der Grenze von Waziristan (NorDwestt inbien) ist es wiederum zu einem größeren Gefecht gekommen. Der Stamm der Lascht ar griff eine britische Truppenabteilung in der Nähe von Jan- dula an. 9 britische Offiziere und 20 indische Sol­daten fielen. Auch die Angreifer sollen schwere Ver­luste erlitten haben.

Aus aller Meli.

Sieben Todesopfer eines Vrandunglückes in der Steiermark.

Ein entsetzliches Brandunglück, dem sieben Menschenleben zum Opfer fielen, ereignete sich in einem Bauerngehöft in Baierdorf in der Steier­mark. Dort geriet das mit Stroh bedeckte Holzhaus des Pächters Mayerhöfer in Brand, Die acht Hausbewohner, die sich bereits schlagen gelegt hat­ten, als der Brand ausbrach, versuchten, das in Flammen stehende Haus eilends zu verlassen. Im Augenblick aber, als sie den Hof betraten, stürzte das brennende Strohdach herab und begrub sie unter den Flammen. Sieben Personen ver­brannten. Nur der Pächter Mayerhöfer konnte noch lebend aus dem Flammenmeer geborgen wer­den. An seinem Aufkommen wird aber gezweifelt.

Sieben Kinder in der Donau ertrunken.

Die nordbulgarische Ortschaft Eigen an der Donau wurde von einem schweren Unglück betroffen. Bei der Hitze, die seit Tagen über Bulgarien lastet, war ein großer Teil der Dorfbevölkerung zum Baden an die Donau gegangen, die noch Hochwasser führt. Fünf Kinder im Alter von sieben bis zehn Jahren, die sich zu weit in den Fluß hinausgewagt hatten, wurden von einem Strudel erfaßt und kamen in den Fluten um. Zwei Tage vorher waren schon zwei Kinder aus Eigen fast an der gleichen Stelle er­trunken.

Schwere Unwetterschäden in Tlorbifatien.

Die andauernden Regengüsse der letzten Tage verursachten in den oberitalienischen Bergen ver­schiedentlich Erdrutsche und Ueberschwem- mungen. Der Fluß Toce überschwemmte bei Ossola die Felder und überflutete Die Simplon- straße. Zudem wurde die Straße durch nieder­stürzendes Gestein an verschiedenen Stellen unter­brochen. Die Eisenbahnlinie ZürichArosa wurde durch niedergehendes Geröll ebenfalls unterbrochen. Auch die Linie ArofaAre Saint Didier ist unter­brochen. In der Gegend des Gardasees haben schwere Stürme große Verwüstungen ange­richtet. Häuser wurden abgedeckt und Bäume ent­wurzelt. Die Etsch führt H 0 ch w a f f e r, Das in Verona in die am Flußufer stehenden Häuser ein­gedrungen ist. Das Unwetter hat, soweit bis jetzt bekannt ist, ein Menschenleben gefordert.

Meuterei in einem französischen Gefängnis.

In den letzten Tagen ist es im Gefängnis von Riom bei Clermont-Ferrand zu Zwischenfällen ge­kommen. Eine Anzahl Zuchthäusler, die eigentlich nach Guayana gebracht werden sollten, infolge der Schließung des Zuchthauses auf dieser Verbannten- Insel aber jetzt ihre Strafe in Riom absitzen müs­sen, traten in den Hunger st reik. Dann kam es zu einer offenen Meuterei. Die Verbrecher sangen die Internationale und zerstörten die ganze Einrichtung des Schlaffaals. Die SInftaitsleitung sah sich gezwungen, Polizei und Mobile Garde zu alarmieren, Die schließlich Den Aufruhr niederschlu- gen.

Verhaftung jüdischer Schwindelbankiers in Holland und Frankreich.

Die Amsterdamer Polizei verhaftete den Juden Fritz Heimann, dem der Boden in Deutschland zu heiß geworden war. Heimann verlegte sich in Holland auf Das einträgliche Geschäft Des Effekten­schwindels und gründete zu diesem Zweck ein Schwindelunternehmen unter dem wohlklingenden NamenHollandsche Escompto Bank", das durch pompöse Prospekte zu Börsengeschäften aufforderte. Als Sicherheit mußten die Kunden Effekten hinter­

legen; sie sollten Dann riesige Gewinne erhalten. Heimann selbst hielt sich dabei natürlich, entspre­chend den Gepflogenheiten seiner Rasse, im Hinter­grund. Er verkaufte Die ihm anvertrauten Effekten und war eines Tages verschwunden. DieHol­landsche Escompto Bank" hatte damit ihren Zweck erfüllt und schloß ihre Tore. Hunderte von Leicht­gläubigen in der holländischen Provinz, in Belgien und Frankreich, die den UeberreDungsEünften Der Agenten Heimanns Glauben geschenkt hatten, waren uni ihre Ersparnisse betrogen. Heimann suchte sich seine Opfer vornehmlich unter kleinen Sparern, die nichts von Geldgeschäften wußten. Die Polizei konnte anfänglich nur die durch Heimann vorge­schobenen Personen verhaften, bis ihr jetzt Heimann selbst, der sich bereits in Sicherheit wähnte, ins Netz ging. Der französischen Polizei gelang es, auch Den Komplicen Heimanns, Den Juden Rosenthal, zu verhaften.

Tschechoflowakifcher Unteroffizier wegen Militär- Verrates hingerichtet.

In P r a g erfolgte im Hof Des Militärgefängnisses die Hinrichtung des ehemaligen Rottenmeisters Josef Crejza durch Den Strang. Crejza war wegen Mili­tär-Verrates zum Tode durch den Strang, Degradie­rung und zur Ausstoßung aus Der Armee verurteilt worde^

3ugenöeert>er6er kommt ins Zuchthaus

LPD. Darmstadt, 21. Mai. Vor Der Großen Strafkammer hatte sich Der 34jährige Ernst Drieß aus Darmstadt wegen Vergehens und Verbrechens gegen § 175 StGB, zu verantworten. In neun Fällen war er Der Verführung von Jungen ange­klagt. Der Angeklagte hatte sich namentlich in Padd­ler- und Schwimmerkreisen bewegt und dort seine Opfer gesucht. Acht der Straftaten liegen vor In­krafttreten des neuen Gesetzes, so daß Drieß Dafür

Ruhl SeLersweg Nr. 67

adiO Telephon Nr. 3170

eparaturen ,897 D

noch nach Den früheren Strafmaßstäben behanbelt werben mußte. Das Gericht war Der Ueberzeugung, Daß ein Mensch, Der in den Kreisen Der Jugend Derart verderblich wirkte und Dies nach einem wohl- durchdachtem System im vollen Bewußtsein seiner Gefährlichkeit tat, hart angefaßt werden müsse. Der medizinische Gutachter bezeichnete Drieß als Psycho­pathen, Der jeDod) für seine Taten voll verantwort­lich sei. Das Gericht verurteilte Drieß zu einer Ge­samtstrafe von zwei Jahren Drei Monaten Zuchthaus und Aberkennung Der bürgerlichen Ehrenrechte auf fünf Jahre. Das Urteil ist rechts­kräftig.

Seltsamer Fischfang.

Von einem FischerparaDies, in Dem es wenig­stens zu Zeiten möglich ist, Fische mit Den Händen zu greifen, erzählt ein Mitarbeiter Der Frankfurter WochenschriftDie Umschau". Er war im Juli 1917 an einem Nebenfluß Der Donau, Dem Busen. NachDem eine glühenDe Hitze Den BoDen so aus» aeDörrt hatte, Daß er überall von Rissen Durch­furcht war, kam über Nacht ein Gewitter mit furcht­baren Wolkenbrüchen. Am nächsten Morgen, als Der Himmel roieDer sonnenklar war, hörte man vom fernen Gebirge her ein seltsames Brausen, Das im­mer mehr an schwoll, in in Dem völlig flachen Ge- länDe sah man auf weite Entfernung eine Flut­welle Daherkommen, Die wie eine Mauer vvrrückte. Unter DonnernDem Brausen erreichte sie Den Ort unD füllte Das vorher fast leere Flußbett bis zum oberen RanD mit einer unDurchsichtigen, trübgelben Wassermasse, Der Spiegel lag Drei Meter über Dem gewöhnlichen. In Diesem Wasser aber schwamm eine fast unübersehbare Zahl von Fischen, vor allem fette Karpfen bis zu 10 Pfund, denen allen von Dem im Wasser schwebenDen Lehm Das Atmen fast unmöglich gemacht wurde, so daß sie luftschnappend an die Oberfläche kamen. Den Bewohnern war die­ses Schauspiel augenscheinlich nichts Neues; sie kamen sogleich mit mehrzinkigen Fischspeeren an vier bis sechs Meter langen Stangen an, die unter dem überstehenden Dach hingen und nur für solche Hochwasser Sinn hatten. Damit wurden die Fische vom Ufer aus harpuniert. Zugleich machten sich Frauen daran, Kleinfische, die sich in überschwemm­ten flachen Senken am Ufer sammelten, mit der Hand oder mit Körben herauszufischen. Natürlich beteiligten sich die Soldaten an dem Fischfang, und das ganze Bataillon konnte eine feste Karpfenmahl­zeit halten. Einige gute Schwimmer wagten sich auch in Die Fluten, trotz der Gefahr, und griffen Die Fische mit Der HanD heraus.

Wetterbericht

Des Reicksrvetterdienstes. Ausgabeort Frankfurt.

Begünstigt Durch Die starke Ueberhitzung Des euro­päischen Festlandes erfolgte am Freitag ein Ein­bruch kühlerer Meeresluft. Die bei uns schon vor Der eigentlichen Front einsetzende lebhafte Luftbe­wegung milberte die Gegensätze, so Daß Die Aus­wirkung sich in mäßigen Grenzen hielt, während weiter nach Osten hin heftige Gewitterböen auftra­ten. Zu stärkerer NieDerschlagstätigkeit infolge Schauerwirkung kam es in Der vergangenen Nacht in den süddeutschen Gebieten. In einem Zwischen­hoch hat sich bei uns schon wieder Besserung ein­gestellt, doch ist vorerst kein Durchaus beständiges Wetter zu erwarten. Der Witterungscharakter wird jedoch überwiegend freundlich sein.

Aussichten für Sonntag: Im wesent­lichen freundlich, Doch Auftreten einzelner, teilweise gewittriger NieDerschläge, tagsüber wieder warm, Winde um Süd.

Aussichten für Montag: Im ganzen freundliches, aber nicht durchaus beständiges Wet­ter.

Lufttemperaturen am 21. Mai: mittags 22,2 Grad Celsius, abends 15,7 Grad; am 22. Mai: morgens 13,8 Grad. Maximum 26 Grad, Minimum heute nacht 10,5 Grad. Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 21. Mai: abends 21,7 Grad; am 22. Mai: mor­gens 16,5 Grad. Sonnenscheindauer 10,4 Stunden.

Hauptschriftleiter: Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Stellvertreter des Hauptschriftleiters: Ernst Blum- chein. Verantwortlich für Politik und für die Bilder: Dr. Fr. W. Lange; für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot; ür den übrigen Teil: Ernst Blumschein. Anzeigen­leiter: Hans Beck. Verantwortlich für Den Inhalt Der Anzeigen: TheoDor Kümmel. D. A. IV. 37: 9657. Druck unD Verlag: Brühl'sche Unioerlitäts-Buch- unD SteinDruckerei R. Lange, K.-G., sämtlich in Gießen. Monatsbezugspreis RM. 2,05 einschließlich 25 Pf. Zustellgebühr, mit Der Illustrierten 15 Ps. mehr. Einzelverkaufspreis 10 Pf. unD Samstags

15 Pf., mit Der Illustrierten 5 Pf. mehr.

Zur Zeit ist Preisliste Nr. 3 vom 1. Juni 1935 gültig.