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Ur. 116 Erstes Blatt
187. Jahrgang
5am8tag,22.Mai 1Q57
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Oie Heimkehr der Toten von Lakehurst.
Gtaatstrauerfeier für die Opfer der „Hindenburg"-Kaiastrophe in Cuxhaven.
Die „Hamburg" legt an.
Cuxhaven, 21. Mai. (DNB.) Deutschlands Fahne weht auf Halbmast. Dampfer „Hamburg" der Hamburg-Amerika-Linie ist mit den sterblichen Resten der Passagiere und Besatzungsmitglieder des LZ „Hindenbur g" in Cuxhaven eingetroffen. Die deutsche Heimat grüßt die Toten des „Hindenburg". Das ganze deutsche Volk trauert mit ihren Familienangehörigen und Freunden. Cs ist einig in dem Willen, das Andenken der Toten durch vermehrte Tatkraft beim Aufbau der Luft-
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In feierlichem Zuge wurden die 25 Särge von der „Hamburg" in die Hapag-Halle getragen, in der der Staatstrauerakt stattfand. — (Scherl-Bilderdienst-M.) fahrt zu ehren. Wenn deutsche Zeppeline ihren Weg über Meere und Länder ziehen, dann werden sie das erhabenste Denkmal auch für die Toten des „Hindenburg" sein.
Im Cuxhaven, Deutschlands Vorposten am Meere, wehen die Flaggen auf Halbmast. Vom Steubenhööft grüßen die Flaggen des Dritten Reiches, die Reichskriegsflagge, die Fahnen der Zeppelin-Reederei und der der Hamburg-Amerika-Lmie weithinaus über das Meer zum Gedächtnis der Toten. Als Dampfer „Hamburg" vor den Landungsbrücken eintrifft, heben sich die Arme der vielen Tausende zum stillen Gruß für die Toten. Gerne Kompanie der Luftwaffe erweist die militärische Ehrenbezeugung. Unter den Klängen eines Chorals und bei gedämpftem Trommelklang macht die Hamburg fest. Hoch über den Anlegebrücken donnern Flugzeuge der deutschen Luftwaffe und bringen ihren töten Kameraden die letzten Grüße. Heber der hohen Bordwand des Dampfers „Hamburg erscheint Sarg auf Sarg, mit dem Hakenkreuzbanner und mit frischen Blumen bedeckt Besatzungsmitglieder vom Luftschiff „Graf Zeppelin" und die Mitglieder der Besatzung des „Hindenburg . die nicht an seiner letzten Fahrt teilgenommen haben, tragen mit Kameraden der Bodenmannschaft des Weltluftschiffhafens Rhein-Main, der Zeppelin- Reederei Friedrichshafen und des Luftschiffbaues Zeppelin die sterblichen Reste ihrer Kameraden und der übrigen Opfer zur Trauerhalle, wo die Toten in langen Reihen zwischen einem Meer von Blumen und Grün aufgebahrt werden.
Am frühen Nachmittag trifft auf dem Flugplatz Cuxhaven das Flugzeug ein, das die sterblichen Reste Kapitän Lehmanns, des toten Zeppelm- führers und um die deutsche Luftschiffahrt so bach- verdienten Direktors der Deutschen Zeppelin-Reederei, von Plymouth aus nach Hamburg brachte. Kapitän von Schiller vom Luftschiffbau Zeppelin und Knud Eckener sowie Vertreter der Luftwaffe haben sich eingefunden, um ihren Kameraden in der Heimat zu empfangen.
Die Trauerseier.
Am Abend fand in der großen Hapag-Passagier- Halle eine S t a a t s t r a u e r f e i e r für die Opfer der Katastrophe von Lakehurst statt. In der großen Halle steht die lange Reihe der Särge, bedeckt mit dem Hakenkreuzbanner, umgeben von eine Fülle frischer Blumen. Aus Schwarz umkleideten Pylonen lodern Opterflammen und werfen ihren Schein gegen die Wände der Halle, auf das Schwarz der Trauer und das leuchtende Rot der Hakenkreuzfahnen, der Reichskriegsflagge und der Fahne der Zeppelin-Reederei. Das Sternenbanner der Vereinigten Staaten und die Flagge Schwedens legen Zeugnis ab für die Opfer, die auch diese beiden Länder durch das Hnglück von Lakehurst erlitten
haben. In den vordersten Reihen haben die Angehörigen der Verunglückten Platz genommen.
Vor dem Podium stehen Kameraden der Marineluftschiffertraditionskompanie Hamburg mit ihren Fahnen, zu beiden Seiten Besatzungsmitglieder des Luftschiffes „Graf Zeppelin", ein Teil der Besatzung der „Hindenburg", der nicht an der letzten Fahrt teilgenommen hat. Eine Abordnung des Luftschiffbaues Zeppelin mit Obermeister Schwarz, der im Luftschiff LZ IV die Katastrophe bei Echterdingen im Jahre 1909 miterlebt hat, ferner Arbeitskameraden der Bordmannschaft des Luftschiffhafens Rhein-Main. Eine Ehrenkompanie der Luftwaffe ist vor der langen Reihe der Särge aufgezogen.
Als Vertreter des Führers und Reichskanzlers ist der Staatssekretär der Reichskanzlei Dr. Lammers gekommen, als Vertreter des Reichsministers der Luftfahrt der Staatssekretär im Reichsluftfahrtministerium, General der Flieger Milch. Unter den Trauergästen bemerkt
den die Lücken geschlossen, die der Tod riß, und nette Männer setzten das Werk fort. Je größer die Widerstände waren, um so größer waren Wagemut und Wille zur Tat. — Rach jahrelanger, sorgfältigster Entwicklung glaubten wir, den Luftschiffverkehr meistern zu können, und das neue Deutschland stellte in großzügiger Weise die Grundlagen für einen Weltverkehr sicher. Viele Hunderte von Fahrten mit vielen Tausenden von Fluggästen zeugten für den Glauben an die Sicherheit des Luftschiffoerkehrs. Da traf uns Deutsche — und ich darf auf Grund der unzähligen Trauerbeweise dankerfüllt sagen: die ganze Welt — der furchtbare Schlag vom 7. Mai, der alle menschlichen Erfahrungen erschütterte. Noch weiß man nicht die Gründe, noch arbeitet eine deutsche Sachverständi- gen-Kommission gemeinsam mit den hilfsbereiten Fachleuten der Vereinigten Staaten von Nordamerika fieberhaft an der Aufklärung des Unglücks, und schon liegen so viele Vertrauensbeweise vor, daß man ein Gefühl tiefer Rührung nicht unterdrücken
Lebenswichiige Mressen.
Die Zusammenkunft so vieler Fürstlichkeiten und Staatsmänner zur Krönungsfeier in London Hal natürlich sowohl bei den vielerlei gesellschaftlichen Veranstaltungen, Empfängen, Bällen, Soupers im Buckinghampalast, in den Ministerien und in den ausländischen Botschaften wie im vertraulichen Zwiegespräch manche Gelegenheit zur Erörterung der politischen Lage im ganzen wie auch ihrer besonderen Probleme gegeben. Ob und was dabei an positiven Ergebnissen nach der einen oder anderen Richtung herausgekommen ist, läßt sich nicht agen, wenn auch der tschechoslowakische Ministerpräsident H o d z a , einer der rührigsten und plane- reichsten Politiker in den Kabinetten Europas, dessen nervöse Geschäftigkeit an die Diplomatenjahre seines jetzigen Staatschefs Eduard Benesch erinnert, selbstzufrieden festgestellt hat, daß in London „gute Arbeit" geleistet worden sei, selbstverständlich nach einer Meinung im Sinne jener Leute, die aus den Gegensätzen zwischen den europäischen Großmächten für sich Kapital zu schlagen suchen. Gerade die tschechoslowakische Politik fühlt sich durch die enge Verbindung Deutschlands mit den Mächten der römischen Protokolle einerseits und die Aussöhnung zwischen Italien und Jugoslawien anderseits in eine Klemme geraten, die durch die Erneuerung der polnisch-rumänischen Freundschaft noch empfindlicher geworden ist. Freilich will man es in Prag nicht wahr haben, daß die eigene Auslieferung an Sowjetrußland durch den Anschluß an den französisch- owjetrussischen Militärpakt der wesentlichste Beitrag zu dieser Entfremdung zwischen den Partnern der Kleinen Entente und der eigenen Isolierung im Donauraum gewesen ist. Um so heftiger war Hodzas Verlangen, in London Verständnis zu finden für die tschechischen Sorgen, und es ist kein Zweifel, daß die politische Atmosphäre für solches Liebeswerben nicht ungünstig war. Das Schlagwort von den zwei weltanschaulichen Lagern, in das Europa gespalten sei, beherrscht nach wie vor die Reden der englischen und französischen Staatsmänner, und es ist selbstverständlich, daß man in Paris und London die Schuld an dieser „beklagenswerten" Spaltung den autoritär regierten Staaten in die Schuhe zu schieben sucht und die Gemeinschaft der Demokratien als Hort des Friedens hinstellt, schon allein um besonders begriffsstutzigen Steuerzahlern im eigenen Lande die ungeheuren Lasten der Aufrüstung als notwendige Stärkung des Sicherheitsfaktors in der Welt schmackhaft zu machen und die einer Einmischung in europäische Konflikte abgeneigten britischen Dominien für die europäischen Sorgen des Mutterlandes zu interessieren.
So sind natürlich Englands kontinentale Verpflichtungen auch Gegenstand der Beratungen a u f der britischen Reichskonferenz. Edens Referat über die weltpolitische Lage ist zwar nicht befanntgegeben worden, aber es verlautet, daß der britische Außenminister zu den Staatsmännern der Dominien unter Hinweis auf jenes Schlagwort von den weltanschaulichen Gegensätzen in Europa von der Möglichkeit einer „gewaltsamen Entladung" der explosiven Kräfte gesprochen hat, eine Intervention Englands aber nur für den Fall in Aussicht gestellt haben soll, daß ein lebenswichtiges Interesse Englands und damit auch des britischen Weltreichs auf dem Spiele stehe. Eine Beteiligung Englands an einem europäischen Kriege werde also immer eine Maßnahme der Selbsterhaltung sein, in die die Dominien automatisch einbezogen würden. Die Frage ist also biet ob England und die Dominien darüber einer Meinung sind, wo Englands „lebenswichtige Interessen" liegen. Wir wissen aus Jahrhunderten englischer Geschichte —und Baldwin, Eden, Chamberlain u. a. haben es auch für die Gegenwart immer wieder bestätigt, daß die Unversehrtheit Hollands, Belgiens und Nordfrankreichs für die Engländer ein solch lebenswichtiges Interesse bedeutet. Man darf annehmen, daß auch die Dominien dies anerkennen und deshalb den baldigen Abschluß eines neuen Westpaktes wünschen. Deutschland hat bereits mit dem deutsch-englischen Flottenabkommen und dem in ihm enthaltenen Verzicht auf jedes Wettrüsten zur See seine friedfertige Gesinnung unter Beweis gestellt. Es hat weiter als wesentlichster Kontrahent eines neuen Westpaktes ein Neutralitätsabkommen mit Holland und Belgien angeboten und sich durchaus geneigt gezeigt, auch den Westpakt unter Dach und Fach zu bringen. Nicht seine Schuld ist es, wenn die diplomatischen Besprechungen hierüber sich seit Jahresfrist in einen Stellungskampf verrannt haben, aus dem in einer Atmosphäre wachsenden Mißtrauens und mangelnden Verständnisses für eine zukunftsträchtige konstruktive Außenpolitik aufrichtiger europäischer Zusammenarbeit nur schwer ein Ausweg gefunden werden wird. Und doch muß auch weiter alles für eine baldige Verständigung getan werden, wenn nicht eine bedenkliche Verhärtung der Fronten, non denen man in Varis und London so geflissentlich spricht, den Brückenschlag unmöglich machen soll
Im Abessinienkonflikt ist erneut deutlich geworden, daß England auch die ungehinderte Verbindung durch das Mittelmeer als fein „le- benswichtiges Interesse" betrachtet. Es leuchtet ein, daß die Dominien eine Beeinträchtigung dieser Verbindungslinie zwischen dem Mutterland und den Reichsteisen des Ostens und Südens ebenfalls als eine Bedrohung des Empire ansehen würden und bah zumindest die Südafrikanische Union die Begründung des italienischen Imperiums in Ostafrika gleich mißgünstig betrachtet wie das englische Mutterland. Englands Bemühungen um den Ausbau von Flottenstützpunkten im östlichen Mittelmeer dienen nicht nur der Sicherung der britischen Interessen in Vorderasien, sondern zusammen mit den neuen Befestigungsanlagen am Ausgang des Roten Meeres mit der Erklärung des bisherigen Protekto-
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Bildtelegramm von der Ankunft des Dampfers „Hamburg", der die Opfer der Luftschiff- kataftrophe in die Heimat zurückführte. Eine Kompanie der Luf roaffe fuhrt die militärische Ehrenbezeugung aus. — (Scherl-Bilderdienst-M.)
man weiter den Reichsverkehrsminister Dr. D o r firn ü Her, die Gauleiter Telschow, Roever und Sprenger, den österreichischen Gesandten Tauschitz und den schwedischen Gesandten Richert, sowie sämtliche Luftfahrt-, Heeres- und Ma- rineattachss der auswärtigen Mächte, weiter den Korpsführer des NS.-Fliegerkorps, (Generalmajor Christiansen, den Kommandierenden General des V. Armeekorps, General der Kavallerie K n och e n h a u e r, den Kommandeur im Luftgau 111, Generalmajor Mohr, den stellvertretenden kommandierenden Admiral der Mannestation der Nordsee, Konteradmiral Stobwasser, SS-Obergruppenführer Heißmeyer, NSKK.-Gruppensuhrer Jürgensen, den amerikanischen Generalkonsul (Earhart, ben Regierenben Bürgermeister Baer- 1 i n - Friedrichshafen und den Schwiegersohn des verstorbenen Grafen Zeppelin, G r a f Br an Den» stein-Zeppelin. Nach den Klangen des Cho- pinschen Trauermarsches legt Staatssekretär Dr. Lammers im Auftrage des Führers und Reichskanzlers einen großen, mit Lilien und Nelken geschmückten Lorbeerkranz an den Särgen nieder. Im Auftrage des Reichsluftrnmisters Generaloberst Göring spricht darauf
Staatssekretär
(General der Tlieaer M ich
In tiefer Trauer empfängt heute das deutsche Volk die Opfer der Katastrophe von Lakehurst auf heimatlichem Boden. Schön und zugleich schwer war der Aufstieg der Luftschiffahrt, der nach jahrtaufende alten Träumen der Menschheit unserem Jahrhundert vorbehalten blieb. Wir alle kennen die Schwierigkeiten und Rückschläge des alten Grafen Zeppelin. Wir alle erinnern uns an Echterdingen und manch anderen Schickfalsfchlag, der unsere Luftschiffahrt traf. Aber immer wieder wur-
kann. So haben die engeren Kameraden unserer Toten, die Mannschaft vom „Graf Zeppelin", ausnahmslos gebeten, bie Fahrten fortzusetzen, und so haben zahlreiche Fahrgäste aus der ganzen Welt den gleichen Wunsch geäußert. Schöner kann niemand das Vermächtnis unserer teueren Toten auffassen, durch Pflichterfüllung und Einsatzbereitschaft folgt dem Tode die Auferstehung. Aus dem gleichen Geiste heraus gab unser Neichsluft- fahrtminister Generaloberst Göring noch in der Unglücksnacht die Parole heraus, daß wir tatkräftig im Sinne der Toten und im Vermächtnis des Grafen Zeppelin weiterarbei- t e n werden, nachdem jedoch vorher alle Maßnahmen ergriffen feien, die eine Wiederholung eines solchen Unglücks nach menschlichem Ermessen ausschließen. Das Heldenlied vom Leben und Sterben dieser Männer der Luft und die tiefe Mittrauer des ganzen deutschen Volkes und des Auslandes wird den Hinterbliebenen ein Trost in ihrem großen Leid sein. An sie alle denken wir in dieser Stunde, in erster Linie auch der Führer, der Luftfahrtminister und die ganze Nation. In stolzer Trauer wollen wir gemeinsam an das Ewige, Unvergängliche denken, in dem wir unseren Gefallenen zurufen: Hiermit danken wir euch allen, die ihr euer Leben ließt in treuer Pflichterfüllung und Kameradschaft, Kapitän, Besatzung und Passagiere! Wir wollen unser Werk' fortsetzen so gut es in unseren Kräften steht! Euch aber wird bie deutsche Luftfahrt und das ganze deutsche Volk niemals vergessen!
Staatssekretär Milch hat geendet. Die Ehrenkompanie der Luftwaffe präsentiert das Gewehr. Die Fahnen senken sich, und dasLiedvomguten Kameraden grüßt die Toten. Mit den Liedern i der Nation schließt die Trauerfeier. Staatssekretär Dr. L a m m e r s spricht den Hinterbliebenen in herz- 1 lidjen Worten das Beileid des Führers aus.


