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Hr.92 Drittes Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)

Mittwoch, 2l. April (937

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Die Gießener Truppenparade am Geburtstag des Führers.

Ein Nachklang in Wort und Bild.

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Nebenstehend: Berittene Truppen beim Vorbei­marsch vor dem Stand­ortältesten.

Unten links: General­leutnant Ostwald rei­tet die Front ab. Neben ihm (im Vordergrund) der Paradeführer Oberst­leutnant Döring.

Unten rechts: Motori­sierte Truppen in Pa­rade vor Generalleut­nant Ostwald.

(Aufnahmen (3): Neuner, Gießener Anzeiger).

Die Parade der Gießener Truppen am gestrigen Geburtstag des Führers und Reichskanzlers, über teren Verlauf wir in unserer gestrigen Ausgabe bereits berichteten, war eines der bedeutendsten Ereignisse, das einen so gewaltigen Widerhall bei ter Bevölkerung von Stadt und Land ausgelöst teit, wie wir es in diesem Ausmaße seit langer oieit bei Aufmärschen in Gießen nicht mehr erlebt leben.

Das schöne Frühlingswetter am Vormittag lie Parade hatte gewissermaßen zwischen zwei gro- |ien Regenfronten, deren eine am Montagabend ^schloß, während die andere am Dienstagnachmit- :ng begann, einige Stunden schönen Wetters als Begleiterin hatte Tausende von Männern und rrauen und die Jugend aller Altersklassen nach tem Trieb in Bewegung gesetzt, die sich dieses präch- bge militärische Ereignis ansehen wollten. Eine v»ahre Völkerwanderung zu Fuß, mit der Straßen- loahn, mit Kraftfahrzeugen usw. ging von allen Seiten her vor sich, und gewaltig groß war das bedränge am Schluß der Parade, als die Men­schenmassen zur Stadt bzw. zu den Nebenstraßen ii Richtung der Nachbarorte abströmten.

Von der Volkshalle bis zur Artilleriekaserne stan­den aus dem Gelände entlang der Grünberger Straße die Menschenmassen in vielfacher Tiefen­gliederung wie eine Mauer, um von hier aus den militärischen Vorgängen auf dem Paradefeld zuzu­schauen. Viele junge Leute, denen ihr Beobachtungs­stand inmitten des riesigen Menschengewühls nicht behagte, zogen es vor, auf die hohen Straßen­bäume zu klettern, zum Teil bis hoch hinauf in die Spitzen, von wo aus sie allerdings alsLuftikusse" einen weit besseren Ueberblicf hatten denn viele, die sich dafür entschieden hatten, mit beiden Beinen auf der Erde zu bleiben. Es war manchmal ge­radezu gruselig anzuschauen, wenn man sah, welche Kletterkunststücke da angewandt wurden, um mög­lichst hoch hinauf zu kommen.

Leider ereignete sich bei dieser Kletterei auch ein Unglücksfall, der zum Glück aber noch glimpflich abging. Ein Bub stürzte, infolge Abbrechens des Astes, einige Meter hoch von einem Baume ab, so daß die Sanitätsmannschaften zur Hilfe her­beigerufen werden mußten: glücklicherweise stellte sich bald heraus, daß der Junge mit einer leichten Verletzung am Knie davongekommen war. Im üb­

rigen wurden die Männer der Sanitätskolonne vom Deutschen Roten Kreuz noch fünfmal zur Hilfeleistung in Anspruch genommen, u. a. bei eini­gen Ohnmachtsanfällen: erfreulicherweise handelte es sich aber immer nur um harmlose Vorgänge.

Unsere Polizei hatte bei ihren Absperrmäßnähmen alle Hände voll zu tun, um die riesige Menschen­menge rasch und reibungslos zu den Zuschauer­plätzen zu bringen bzw. beim Abmarsch |o zu be­wegen, daß alles gut und glatt abgehen konnte. Diese Anforderungen stellten die Polizeibeamten vor manche schwierige Aufgabe, die aber samt und son­ders in vorbildlicher Weise mit Takt, Entgegen­kommen und zum Teil auch einem trefflichen humo­ristischen Wort ausgezeichnet erfüllt wurden.

Der Massenbesuch und die riesige Begeisterung von jung und alt für alle Vorgänge auf dem Paradefeld, die mit lebhaftestem Interesse verfolgt wurden, waren erneut eindrucksvolle Beweise da­für, wie stark unsere Gießener Garnison mit der Bevölkerung unserer Stadt und der Umgegend ver­bunden ist und wie aufrichtig die Sympathien aller Volksgenossen sind, die den Männern unserer präch­tigen Wehrmacht allenthalben dargebracht werden.

Aus der Stadt Gießen.

Unsere Amsel!"

Mit dem ersten Dämmerschein ist sie da. Ob der letzte rosige Flaum des Abendrots lenzlich den Him­mel verklärt, ober ob ein Aprilschauer die Stadt in graues Einerlei taucht: immer sitzt die Amsel wie ein Dachreiter auf dem First des Nachbar­hauses und singt ihr weithin tönendes Lied.

Das Lied klingt feierlich. Beinahe wie ein Cho­ral, und doch auch wieder beschwingter, wie ein jubelndes Rufen und Jauchzen. Es ist viel Freude in diesem Gesang, der den Abendfrieden der Stadt merkwürdig spürbar macht und die Vorstellung weckt von stillen Feldern und dörflicher Geruhsam­keit. Und doch brandet nur wenige Schritte weiter der nimmermüde Verkehr, dessen Schall an den Häuserreihen der Straße verebbt

Es ist eine Straße wie so viele andere. Nüchtern recken sich die Häuser mit ihren gleichmäßigen Fen­sterzeilen. Der fteinere Boden der Straße läßt keinen Krumen der Erde sichtbar werden, und nur der schmale Ausschnitt des Himmels gibt eine Ahnung von der lichten Weite einer baumbestande­nen Landschaft, in der sich jetzt m tausend Wun­dern die lenzliche Wiederkehr erfüllt. Aber gerade deshalb hat das Lied der Amsel in dieser Straße einen so unbeschreiblich süßen Klang, und es ist, als ob sich alle Sehnsucht des Stadtbewohners nach grünen Auen und sonnigen Hängen darin ver­strömte.

Weshalb es auch nicht weiter verwunderlich ist, daß der Amsel die Liebe aller Straßenbewohner ge­hört, die im Umkreis der Gesangsdarbietung ihre Behausung haben. Ist der Abend freundlich mild, so sind alle Fenster der Nachbarschaft geöffnet, und kein Bühnenstar kann sich rühmen, eine solch inner­lich dankbare und gleichmäßig frohgestimmte Zu­hörerschaft zu haben, wieunsere Amsel". Denn daß es sich umunsere Amsel" handelt, darüber herrscht bei allen Anwohnern vollkommenes Ein­vernehmen. Sie alle betrachten den singenden schwarzrockigen Vogel als zu ihrer Gemeinschaft gehörend, und wenn sie einen Besucher auf den schönen Gesang aufmerksam machen, so geschieht es mit jenem Stolz, mit dem etwa von der besonderen Leistung eines Familienangehörigen gesprochen wird.

Die Amsel weiß indessen nichts von diesen Ge­fühlen herzlicher Zuneigung, die ihr entgegenge­bracht werden. Sie sitzt im Dämmerschein des Abends auf dem Dachfirst, und sie fitzt dort, wenn der Tag zu grauen beginnt. Und immer klingt ihr feierliches Lied, das sie singt, weil die geheimnis­volle Kraft der Natur ihr diesen Jubelruf gebietet. Aber daß ihr Gesang soviel Freude in jeder Straße entfacht, das ist ein stilles Glück, wie es im All­tagsleben dann und wann Einkehr hält.

H. W. Sch.

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Oer Forsythienstrauch

Von Ilse Schmidt-Wissendorff.

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D-rrounbert den Kopf, hob Ranken auf und band ii- fest, stutzte überflüssige Aeste zu geordneter

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Um das Haus dehnt sich nach allen Seiten . eim alter Garten. Ein wenig verwildert freilich ist er., denn der greife, aber noch rüstige Herr, der bis Haus bewohnt, kümmert sich nur um die paar ° tz>emüse- und Blumenbeete die in unmittelbarer Mhe des Hauses an der Mauer liegen und läßt in übrigen Teil alles wuchern und ranken, wie es neig. Das hat für die, die aus dem Nachbarhaus Iii den Garten fchauen, auch seinen Reiz.

Pappeln stehen in der einen Ecke, die sind vom K etterefeu ganz umsponnen. Die eine hat sich unter b r Last schon stark geneigt, jeder Sturm kann sie e.twurzeln ... und es fegen viele Stürme über boe Ebene daher. Die unteren Zweige des Baumes sind schon abgestorben, nur noch der Wipfel be=

-Nun kam er auch zu dem Forsythienstrauch. Er- ihunt ging er um das unentwirrbare Gebilde IjTum, blickte fast hilfesuchend umher, schob die D Ütze ins Genick und begann vorerst mal zu p ei­len Es war ersichtlich, daß er überlegte. Dann aber ewriff er die Schere und packte zu. Neben ihm d uften sich die abgeschnittenen Zweige hoher und immer höher. Vor ihm aber entstand aus dem Ge°

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Abseits dieser Wildnis auf dem Rasen einer kleinen L chtung steht ein sehr alter Forsythienstrauch. Ich wsiß nicht, seit wieviel Jahren er dort schon wuchert, in Winter sieht er aus wie ein riesiger Reisig- huufen, den irgend jemand zusammengetragen, so bcht haben sich die Schichten der Zweige über- einanbergelegt, haben Ranken getrieben und ersticken ales, was unter ihnen lag, wehren Licht und Luft b n Zutritt. Ein paar kümmerliche Blüten wagten siih alljährlich an wenigen Stellen hervor und lie- 3 n durch ihre Armseligkeit den Strauch noch ver- imhrloster erscheinen. Nur im Sommer überzog bos Grün der feinen Blätter das Gewirr der unbe- jdjmittenen Aeste und versöhnte mit dem sonst trost- kifen Anblick.

Es war an einem Tage dieses Winters, als das ^gewohnte Klippklapp einer Baumschere durch den Earten klang. Wahrhaftig, ein Gärtner hatte hier je nen Einzug gehalten, ging über die vergrasten ü-eqe und hielt Umschau, schüttelte hie und da ___________s.s«« önnf hnh Wnnfpn auf iinh band

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g ünt sich leise im ersten Frühling. Unten am Bo- b n flammt krauses Gewirr des Seidelbastes, zün- bi n die Trollblumen ihre Leuchtkugeln an, breiten Lurikeln einen Samtteppich. Es ist des Blühens

wirr etwas, was immer mehr Gestalt und Form gewann. Nun sah es schon aus, wie eine Trauer­weide. Am Stamm riefelten die feinen Aeste herab wie Schleier und wehten befreit im Winde.

Noch eine Reihe von Griffen, und auf dem alten Platz stand ein wundervoller breitausladender Strauch. Jetzt fuhr die Schere ein letztes Mal hin­ein, kürzte die Zweige alle zu gleicher Länge, wie ein Pagenköpfchen ... bie Arbeit des Gärtners war getan.

Der erlöste Strauch aber begann die feine. Ein zarter rötlicher Hauch schimmerte unter der Rinde ... das Blut des Baumes stieg. Und nun nach den ersten warmen Winden, die von Süden kommen, steyt er in Blust.

Wie ein goldgeflammtes Ballettröckchen bauscht sich der Behang um den Stamm, von dem nichts mehr zu sehen ist. Und der Wind ergreift die lichte Pracht und spielt mit ihr. Das wippt und wogt und ist übersät mit den lichtgoldenen Sternen, ist zierlich und kokett, voller Grazie und Schelmerei, wie eine kleine Primadonna. Die Vögel aber huschen durchs Gezweig, und blitzartig taucht ein Sonnenstrahl das ganze Bild für Minuten in flutendes Gold.

Ganz jung ist der alte Forfytienstrauch wieder geworden, der es schon so lange vergessen hatte, was Mühen ist.

Bühne und Film in Tokio.

Don Rudolf Weise.

Je länger man sich in Japan aufhält, um so schwieriger scheint es, viele Wesenszüge des japani­schen Volkes zu verstehen. Besonders in den Groß­städten begegnen dem Ausländer so viele Gegen­sätze zwischen Heute und Früher, daß es nicht leicht ist unter den Uebermalungen die ursprünglichen echten Farben alter Kultur zu entdecken Das Bild ändert sich jedoch, wenn man auf dem Lande den Bauern bei seiner Arbeit beobachtet. Oder wir ver­suchen, Bühne und Film zu studieren, wo sich die Seele des Volkes am ehesten offenbart. Freilich muß man Schwierigkeiten überwinden, um folgen zu können. Hauptsächlich sind es Sprache und Schrift. Statt des toten Buchstaben müssen wir bild­haft denken. Jedes Wort findet Ausdruck in einem gemalten Zeichen, demCharakter". Diese Schwie­rigkeiten haben auch die Uebersetzung wertvoller Werke über Theater und Theaterkunst verhindert, nur wenige gute Bücher sind übersetzt worden.

Wir finden auch auf modernen Bühnen neben der Revue amerikanischer Herkunft düstere Szenen aus klassischen Dramen, Schmuckstücke darstellerischer Kunst, die weit mehr bewegen, als eine auf japani­

schem Boden nur mühsam gedeihende Revue­spielerei.

Aus der anderen Seite steht die Kunst des Er­zählens. Neben leichtem Humor wächst die bissige Satire, die Selbstverspottung. In früheren Zeiten traten die Geschichtenerzähler in derDose" auf, klei­nen Bühnen für Schauspieler, Liedersänger, Musiker und Redner. Diese Kleinbühnen waren schon am Absterben, als sie durch den Rundfunk zu neuem Leben erwachten, und die heiteren Erzähler sind heute so volkstümlich wie je. Der Rundfunk scheint für diese Unterhaltung wie geschaffen, denn derha- nashi-ka" (der Erzähler) ist kein Schauspieler, son­dern nur ein Sprechender.

Es ist eine seltsame Erscheinung, daß, je härter das Schicksal zupackt, um so mehr leichteste Vergnü­gungen volkstümlich werden. In Japan war es frü­her dieDose", in denen man fein Leid zu ver­gessen und sich Glück vorzutäuschen suchte. Nach dem großen Erdbeben, das Dokohama buchstäblich zer­störte und furchtbares Leid über Tokio brachte, schossen Tanzhallen, Bars und Dielen aus dem Bo­den. Hier äußert sich noch ein weiterer Charakterzug des Japaners: nicht feine wahren Gefühle der Oef- fentlichkeit zeigen. Das mag auch eine Erklärung dafür fein, daß sich dasKabuki-Theater" unver­minderten Zuspruchs erfreut. Hier kann der Ja­paner feinen Gefühlen und Träumen freien Lauf lasten, die zurückzuhalten Sitte und Anstand er­fordern. Das berühmteste Drama sind dieSieben­undvierzig Ronins" oderChufhingura". Um den Tod ihres Herrn zu rächen, opfern siebenundvierzig feiner Gefolgsleute Hab und Gut und warten jahre­lang, um den Feind ihres Herrn zu strafen. Die Japaner sagen, daß nach europäischer Vorstellung mit der Ermordung des Feindes das Stück zu' Ende geführt fei. Aber in Japan wartet alles auf das Selbstopfer, auf dasHarakiri" der treuen Gefolgs­leute, den Abschluß des Dramas. Das ist der leitende Gedanke des japanischen Dramas von altersher, er ist es noch heute.

In den letzten Wochen zeigten Bühne und Film in Tokio zwei bemerkenswerte Beispiele dieses das Selbstopfer verherrlichenden Themas. Fräulein Mi- zutani Uaeko, die bekannteste Schauspielerin in Japan, spielt die Rolle der Tochter eines reichen Kaufmanns, der von dem Masao I n o u y e, einem älteren Künstler der neuen Schule, dargestellt wird. Der Kaufmann hält sich eine Geisha als Hausfrau. Später, als sie alt wird, nimmt er sich ihre Tochter zur Nebenfrau. Plötzlich verliert er bei einem Bank­krach sein Vermögen. Seine einzige Rettung sind 50 OOO Pen, die seine Frau heimlich gespart hat. Sie schlägt aber seine Bitte auf Herausgabe des Geldes ab, denn sie hat zu bittere Erfahrungen mit ihrem

Mann gemacht, der sie besonders dadurch demütigte, daß er ihre eigene Tochter zur Nebenfrau nahm. So muß der Kaufmann Bankerott erklären und wird schwermütig. Als nun die Tochter von der Weige­rung der Mutter härt, versucht sie, ihre Mutter zur Nachgiebigkeit zu bewegen. Aber diese weigert sich harnäckig und beschwort die Tochter, zu ihr zu hal­ten gegen den Vater, der ihr Leben zerstört habe. Aber die Tochter, im Kampf zwischen Vater, Freund und Mutter, entscheidet sich für den kranken Vater, eilt zu ihm, schließt ihn in die Arme und weint.

Hier fällt der Vorhang. Dem Europäer scheint der Schluß unverständlich, das Verhalten der Tochter unbegreiflich, während er Mitleid für die Mutter fühlt und ihre Haltung als richtig empfindet. Die japanischen Zuschauer sehen in dem Verhalten der Tochter, die ihre Mutter verläßt, um den kranken Vater zu schützen, den richtigen, für die Japanerin vorgeschriebenen Weg. Sie muß ihrem Gatten alles, auch das Leben zum Opfer bringen.

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In einem Film, der gegenwärtig im Nippon Ge- kijo, dem größten Kino in Fernost, läuft, wird die Un­eigennützigkeit. eines Bruders verherrlicht, der aus Liebe zur Schwester sich opfert. Die Schwester be­geht einen Fehltritt; sie fühlt sich Mutter, aber der Vater des Kindes verschwindet. Nun zeigt der Film Uneigennützigkeit und Selbstopferung des Bruders und der Schwester. Da die Schwester wegen ihres Fehltritts von ihren Eltern beschimpft wird, ver­sucht er durch schlechtes Benehmen den Zorn der Eltern von der Schwester auf sich selbst zu lenken. Er behandelt seine Schwester noch schlechter als die Eltern es tun. Er erreicht seinen Zweck, denn die Eltern kommen zu der Ueberzeugung, daß sie die Tochter vor dem Bruder schützen müssen, der noch viel schlechter erscheint als die Tochter. In einer dramatischen Szene erkennt der Zuschauer jedoch die wahre Geschwifterliebe. Als nämlich der Bruder ' eines Tages den Geliebten seiner Schwester trifft, stürzt er sich auf ihn und würgt ihn fast zu Tode.

Die Zuschauer meinen, sie erkennen, daß der Bru­der sich für seine Schwester opferte. Aber die Hand­lung geht weiter. Ihr Geliebter kehrt zurück und bietet ihr die Heirat an. Da sie aber inzwischen Geisha geworden ist und nicht will, daß der von ihr geliebte Mann eine gesunkene Frau heiratet, be­schimpft sie ihn und behauptet, ihn zu hassen. So opfert sie sich für das Glück ihres Geliebten.

Alo keinhappy end, wenigstens für Europäer oder Amerikaner nicht. Aber es ist der einzig denk­bare Abschluß für den Japaner, der Opfer und Selbstlosigkeit fordert. Ein Ausgang.. .und sie leb­ten glücklich und friedlich" eignet sich nach japanischer Vorstellung nur für Kindermärchen.