„Zugelaufene Pferde."
Von Mols Reumeister.
Der bayrische Hauptmann hätte uns nicht reizen sollen, denn wenn man Angehörigen eines berittenen Truppenteiles ins Gesicht sagt, daß man ihretwegen besonders scharf auf seine Pferde achtgeben wird, so zwingt man sie direkt, zu beweisen, daß das nichts hilft.
Das wird mir jeder zugeben!
Es gab im Kriege bekanntlich feine Unterschiede für die Zulässigkeit von „Enteignung". Futtermittel, Verpflegung, Baumaterial und — Pferde! Das waren die beliebtesten Objekte ehrenhafter Enteignung, und auf diesem Gebiete sind Taten zu verzeichnen, die eines Odysseus würdig gewesen wären.
Ich erinnere mich noch mit stolzer Freude eines „requirierten" Dogcarts, den die Feldgendarmerie eifrig suchte und nicht fand, weil wir ihn in unserer großen Stall-Scheune mit einem Flaschenzug ganz hoch unter den Firstbalken gezogen hatten: oder der Virtuosität, -mit der unser Fahnenschmied „zugelaufene' Pferde umfrisierte, daß auf sie nach einer halben Stunde kein Signalement mehr paßte.
Der Zwischenfall mit den Bayern passierte im Dezember 1918, als wir von Verdun aus im 800 Kilometer langen Landmarsch Franken erreicht hatten und in einem Schloß unweit Bamberg einen Rasttag einlegten. Die Gebäude der Meierei die Stallungen und Rebenflllgel des alten Renaissancebaues waren von einem bayrischen Infanterie- batalllon belegt, das dort aufgelöst wurde. Meine Batterie kam im Dorfe gut unter, und wir zwei Offiziere folgten der Einladung der Schloßherrin, bei ihr zu herbergen. — Wir verbrachten einen wohltuenden Ruhetag in schönen gepflegten Räumen an warmen Kaminfeuern und freuten uns über die schlichte Gastlichkeit an der Tafel des Hauses, die wir mit den drei Herren des bayrischen Stabes teilten. Der Bataillonskommandeur, ein aktiver Hauptmann, war ein lieber, etwas lärmender Herr, der seinen inneren Schmerz über das bittere Ende mit ironischem Witz zu maskieren suchte. Der Arzt war ein gemütlicher Bierbayer, nur der Adjutant mißfiel uns, ein spitziger, spitzfindiger Jurist, der uns durch anzügliche Bemerkungen ärgerte. Er brachte auch das Thema von den „Pferdedieben" auf, das fein Kommandeur in seiner gutmütiglärmenden Art aufnahm, indem er uns „Bundesbrüdern aus der Nachbarrepublik" riet, die Finger von seinen Pferden zu lassen. Bei den Bayern
Wohnraum, als in allen zivilisierten Staaten der Welt einem Zuchthäusler zuerkannt wird! In Moskau ist man froh, wenn man einer Familie eine „Wohnecke" verschaffen kann, von einem ganzen Zimmer ganz zu schweigen! Eine sinnlose Desorganisation in der gesamten Wohnwirtschaft! Versagen der Zementindustrie, völlig unverständliche Standortwahl der übrigen Bauindustrien, Transporte von Hunderten von Kilometer für die primitivsten Baumaterialien usw. usw., das ist die sowjetrussische Bauwirtschaft! Man fahre heute durch die deutschen Gaue! Trotzdem wir in den letzten vier Jahren in der Rüstung und in der Sicherung unserer Rohstoffbasis dringendere Aufgaben zu lösen hatten als den Wohnungsbau, so ist doch alle Energie darauf verwandt worden, auch auf diesem Gebiet aufzuholen, was vor dem 30. Januar 1933 versäumt worden ist. Zwar haben auch die Systemregierungen gebaut, zweifellos, nur was, wie und wo wurde von ihnen gebaut? Wer will bestreiten, daß in recht erheblichem Umfange „am Bedarf oorbeigebaut" wurde, fei es, daß die Mieten unerschwinglich für die Bevölkerung waren, fei es, daß an Orten gebaut wurde, wo es überflüssig war. Hier wird schon deutlich, welche großen wirtschafts- bau- und bevölkerungspolitischen Aufgaben eine Vertretung der deutschen Mieterschaft hat. Es ist Gemeinschaftsarbeit im schönsten Sinne, die hier geleistet werden kann, nämlich Mittlerin und Verbindungsstelle des deutschen Volkes in allen bau- und wohnpolitischen Fragen mit allen am Wohnungsbau interessierten Kreisen zu fein. Und das sind ja heute nicht nur die privaten Hausbesitzer. Man würde die Aufgaben und das Verhältnis der Mieterschaft und seiner Vertretung im deutschen Hausbesitz absolut falsch sehen, wenn man im „Bund deutscher Mietervereine" etwa eine Beschwerdestelle für ärgerliche Zwischenfälle in der Hausgemeinschaft sehen wollte. Gewiß ist es auch seine Aufgabe, soweit es sich um typische, immer wiederkehrende Fälle handelt, diesen feine Aufmerksamkeit zu widmen und wenn nötig, sich mit der Vertretung der Hauseigentümer zusammenzusetzen, um die Dinge für die Zukunft so zu regeln, daß der „Aerger" aus der Welt kommt. Wir denken hier nur an die Schaffung des Einheitsmietsvertrages, der sich schon segensreich ausgewirkt hat und beiden Parteien viel Geld, das früher in Prozessen verpulvert wurde, erspart und besseren Aufgaben dienstbar gemacht hat. Aber diese Tätigkeit liegt heute eigentlich am Rande. Die Vorträge der Tagung — wir erwähnen hier nur Landgerichtsdirektor Dr. Römer-Berlin: „Preisstop-Verordnung und Mietpreisbildung" und Geheimrat Dr. Syrup: „Baumarkt im Vierjahresplan" — zeigen sehr deutlich, daß es sich weit mehr um eine z u - kunftsgestaltende, dem zukünftigen deutschen Wohnraum geltende Tätigkeit handelt. Deshalb geht diese Tagung auch jeden deutschen Mieter an, selbst wenn seine persönlichen Wünsche an den von ihm benötigten Wohnraum erfüllt sein sollten, — es geht ihn an, weil die kommenden Generationen ihn genau so verantwortlich für den Wohnraum des deutschen Volkes machen werden, wie wir die Generation unserer Väter und Großväter für die nach 1870 entstandenen Mietskasernen und Steinfried- höfe verantwortlich machten.
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Mussolini hat auf der dritten Nationalversammlung der italienischen Korporationen genau wie in feiner Rede vom 10. November 1934 Italiens Stellung in der Wirtschaft selbst Umrissen, und was er damals ankündigte, ist heute der Erfüllung nahe. Mussolini teilte mit, im zweiten Vierteljahr 1938 werde Italien vollständig unabhängig in Treibstoffen, Benzin und Schmieröl sein, und zwar werden diese Stoffe wohl aus den italienischen Braunkohlenfeldern und aus den albanischen Petroleumquellen gedeckt. Roheisen soll bis zu einer Million Tonnen jährlich erzeugt werden, neue Man- ganeisenerze wurden an der sardinischen Westküste entdeckt, und man hofft, aus den nationalen Kohlenvorkommen in Istrien und aus Sardinien rund 4 Millionen Tonnen Kohle au fördern, was etwa einem Viertel des Bedarfs entspricht. Die Fortschritte auf dem Gebiete der Textilindustrie und der Landwirtschaft sind bekannt. Das Ziel des Duce bleibt, die Korporationen in dem Ringen um die Autarkie so zu gestalten, daß sie immer besser die höchste soziale Gerechtigkeit verwirklichen und die
Arbeiter immer enger mit dem Produktionsprozeß in Verbindung bringen. Dabei ist interessant, daß die industrielle Struktur Italiens vornehmlich auf der Kleinindustrie ruht. Die Schwerindustrie zählt nur 700 Betriebe, die mehr als 500 Arbeiter, im ganzen 700 000 Menschen, beschäftigen. Das Hauptgewicht liegt in der mittleren und Kleinindustrie.
Es ist klar, daß in absehbarer Zeit dieser Ausfall von Italien auf dem Mineralölmarkt zu einem Rückgang der Preise führt, zumal auch wir in wenigen Monaten unseren Bedarf an Treibstoff aus eigener Erzeugung decken können. Der Index für Erdöl betrug im Jahre 1932 = 100, am 18. Mai 1936 = 75, am 3. Mai 1937 = 83 und ist bann mit 84 gleichgeblieben. Da aber die Erzeugung von synthetischem Benzin auch in England in größerem Maße versucht wurde, wobei sich herausstellte, daß das Verfahren noch nicht ganz einwandfrei ist, ist voraussichtlich mit einer weiteren Steigerung der Erdölpreise nicht zu rechnen. Ganz besonders wird aber der Gummimarkt in Mitleidenschaft gezogen werden. Die Ankündigung, daß der deutsche synthetische Kautschuk in genügenden Mengen und verbilligt hergestellt werde, hat bereits in der letzten Woche den Gummipreis auf den Stand von Anfang Mai gedrückt. Die Kautschuk-Produzenten sind dadurch in gewisse Verlegenheiten gekommen, da ein Ausfall von Deutschland für sie eine erhöhte Schwierigkeit, ihre Vorräte abzusetzen, bedeuten würde, und auch die übrigen Länder versuchen, durch synthetischen Kautschuk, der allerdings noch lange nicht die Güte des deutschen hat, da andere Verfahren eingeschlagen wurden, sich von dem Gummitrust unabhängig zu machen.
NSG. Worms — eine der ältesten Siedlungen Europas (5000 Jahre Geschichte nachweisbar) — ist nicht nur reich an großen historischen Erinnerungen, sondern auch der Schauplatz der Entstehung der bedeutendsten deutschen Sage, des Nibelungenliedes. Da vor elwa 1500 Jahren das für das Nibelungengeschlecht schickfalentfcheidende Ereignis eintrat, hat der Reichsstatthalter in Hessen, Gauleiter Sprenger, das Jahr 1937 bestimmt, die Bedeutung dieser Stadt in einer Festwoche herauszustellen. Seinen unablässigen und zähen Bemühungen ist es gelungen, hierfür die Unterstützung höchster Stellen zu erhalten. Er hat bestimmt, daß diese Festwoche nicht in dem üblichen Rahmen mit Festzügen, äußerlichen Maskeraden usw. ausslafsiert wird, sondern daß sie zu einem Erlebnis von tiefster kultureller Bedeutung gestaltet wird. Infolgedessen wird am Sonnlag, dem 20. Juni, im Festspielhaus der Stadt Worms die geniale hebbelsche Dramatisierung
Weimar, 20. Mai. (DNB.) Unter freudiger Anteilnahme der Bevölkerung sind 1300 Bann- und Jungbannführer aus dem ganzen Reich zumZ weiten Reichsführerlager der HI. in Weimar eingetroffen. Auf der Glockenwiese sind 45 Hauszelte und etwa 150 Schlafzelte errichtet worden. Ein 12 Meter hoher Ehrenturm kündet die Namen der 21 jugendlichen Kämpfer Adolf Hitlers, die für Deutschlands Erneuerung ihr Leben Hingaben.
Im Deutschen Nationaltheater fand am Vormittag die erste große Kundgebung statt. Gauleiter Reichsstatthalter Sauckel gab seiner Freude Ausdruck, in diesem Hause, in dem einst Volksverräter und Verbrecher den Begriff deutscher Kunst und deutscher Kultur und die Namen deutscher Geistesheroen für sich in Anspruch nahmen, den Reichsjugendführer begrüßen zu dürfen. Der Name der Stadt Weimar und ihr großes Erbe fei einmal verraten und geschändet worden, aber der Führer selbst habe die
Die englische Königskrönung war für den sehr nüchtern rechnenden britischen Kaufmann ein ausgezeichnetes Geschäft, wenn auch durch den Rück- tritt König Eduard VIII. einige Geschäftszweige, z. B. die Fahnen- und Andenken-Industrie, die das Bild des Königs benutzte, plötzlich große Verluste erlitten. Das englische Schatzamt hatte zur wirtschaftlichen Hebung des Königsreichs infolge der Köniaskrönung einen Schutzzoll von 100 v. H. auf alle Andenken, Flaggen und Abzeichen angeordnet, der vom 15. Dezember 1936 bis zum 31. Juli 1937 läuft. Dadurch wurde vor allem die Gablonzer Industrie erheblich getroffen, denn der Wert dieser Industrie wird auf 150 000 englische Pfund geschätzt, hinzu kommen die Umsätze der Steingutindustrie mit 100 000 Pfund, die niedrigste Schätzung der Verluste beim Königsrücktritt lautet auf ungefähr zwei Millionen Pfund. Inzwischen ist der neue König und seine Gemahlin gekrönt worden, die Kosten der Krönung allein werden schätzungsweise auf 6 Millionen Pfund angegeben, hinzu kommen die Trachten der Würdenträger und ihrer Gemahlinnen, die nur handgewebten Samt und Hermelin trugen und deren Robe sich pro Stück auf mindestens 2000 Mark berechnen ließ. Man hat ferner ausgerechnet, daß mehr als 12 Millionen Mark allein der Krönungszug den Vermietern von Plätzen einbrachte; das Zusammenströmen von Menschen aus allen Nationen in London hat den Hotels, da I keine Preistaxen festgesetzt waren, geradezu eine Hochkonjunktur gebracht. Man kann ruhig annehmen, daß allein der Krönungstag der englischen Nation rund 10 Millionen Pfund brachte.
des Nibelungenliedes zur Aufführung kommen. Diese große Trilogie wird an einem Tage gegeben werden.
Wit dieser überaus schwierigen Ausgabe hat der Gauleiter das hessische Landestheater beauftragt, dessen Generalintendant Evert die gesamte künstlerische Leitung übernommen hat. Obwohl das hessische Landesthealer über ein vorzüglich geschultes Ensemble verfügt, hat der Generalintendant zur Auffüllung eine Reihe der bekanntesten deutschen Schauspieler, deren Namen noch bekanntgegeben werden, verpflichtet. Für die Spielleitung hat er Richard Weichert, Berlin, gewonnen.
Welche Bedeutung diesem Unternehmen in Berlin beigelegt wird, geht daraus hervor, daß diese Aufführung von Hebbels Nibelungen in Worms der machtvolle Abschluß der Reichslheater- w o ch e sein wird.
Schande getilgt, als er auf dem ersten Parteitag nach der Neugründung der Partei in Weimar die ersten stolzen Standarten an die Gaue verlieh. Der Gauleiter gab feiner Ueberzeugung Ausdruck, daß die deutsche Jugend für alle Zeiten nicht nur mannhaft und wehrhaft sei, sondern daß sie auch die große kulturelle Schaffensfreudigkeit zum Grundstein deutschen Lebens machen werde.
Der Reichsjugendführer
wandte sich gegen die Ueberhandnahme der Papierarbeit, die die eigentlichen Führungsaufgaben nicht überwuchern dürfe. Wenn man sich ein Beispiel an den großen Soldaten unseres Volkes, an Clausewitz, Moltke und Schliessen nimmt, so lernt man, wie man Zeit spart und sich kurz faßt. Der Kampf gegen die Papierarbeit bedeute aber nicht etwa Mißachtung der Literatur und Dichtung. Ein gutes Buch und eine gute Dich-
Ribeiungenfestwoche 1937 in Worms.
Oer Gauletter und Reichsstatthalter ehrt die großeTradition der Nibelungenstadt
Nationale Erziehung im Geiste Goethes.
Eröffnung des 2. Reichsführerlagers der Hitlerjugend in Weimar.
liardenMarkReich sanleihen und Reichs- schatzanrseisunaen untergebracht werden konnten.
Dieser Konsolidierungsbedarf des Reiches wird noch längere Zeit fortbestehen; darum wird von den maßgebenden Stellen der Kapitalmarkt sorgsam überwacht, damit die kostbaren Ersparnisse nur den nützlich sten Zwecken zugeführt werden. Sobald sich neues Geldkapital gebildet hat und neue Anlage sucht, ist der Zeitpunkt für die Ausgabe neuer Schatzanweisungen gekommen. Die Kapitalbildung war in den letzten Wochen so groß, daß jetzt vom 13. bis 29. Mai wieder eine Emission des Reiches in Höhe von 600 Millionen Mark zur Zeichnung aufgelegt werden konnte. 100 Millionen Mark sind davon bereits untergebracht. Es ist bezeichnend für das Vertrauen auch der kleinen Sparer in die Maßnahmen unserer Regierung, daß sie zunehmend Reichsschatzanwei- fungen erwerben und dadurch tatkräftig die Finanzierungsaufgaben unterstützen. So sind diese Emissionen zu einer Volksanleihe im wahren Sinne des Wortes geworden.
Das Reich bietet den Zeichnern aber auch — wie schon bei den früheren Ausgaben — bemerkenswert günstige Bedingungen. Der Zinssatz beträgt wieder 4% v. H. Da die Papiere zu einem'Kurs oop 98% ausgegeben werden, erhält der Anleihebesitzer^ umgerechnet auf 100 Mark, sogar 4,63 Mark Zinsen. Demgegenüber ist die Vergütung bei Aktien, von der größeren Sicherheit der Reichsschatzanweisungen ganz abgesehen, noch nicht einmal so hoch! Und wie bequem ist der Erwerb gemacht worden! In vier Raten kann der Zeichner die Anleihen zahlen, 40 v. H. sind bis zum 3. Juni zu zahlen, je 20 v. H. erst am 21. Juni, 5. und 20. Juli. Wer also heute noch nicht so viel Ersparnisse zur Verfügung hat, kann trotzdem bei seinem Kreditinstitut einen größeren Betrag zeichnen und zu den angegebenen Daten die Beträge dafür zahlen. Wenn nötig, können die Reichsschatzanweisungen jederzeit auch wieder verkauft werden. Hierbei ist wertvoll zu wissen, daß dank der Pflege des Kapitalmarktes die Kurse der früheren Reichsschatzanweisungen an keinem Tage unter ihren Ausgabekurs gesunken, sondern im Gegenteil sogar gestiegen sind. Kennzeichnend für die Aufwärtsentwicklung des Kapitalmarktes ist auch die Tatsache, daß die Laufzeit der Reichsschahanweisungen von 9 auf 12 und jetzt auf 15 Jahre verlängert werden konnte. Die günstigen Bedingungen der neuen Emission werden sicher neben den alten weiter neue Sparerkreise zur Zeichnung veranlassen. Die Anleihezeichner werden die Effekten in den meisten Fällen ihrem Kreditinstitut zur Aufbewahrung übergeben. Durch das Inkrafttreten des neuen Depotgesetzes am 1. Mai ist der Schutz für den Sparer beträchtlich erweitert worden. Der Staat hat also auch von dieser Seite gesorgt, daß allen der Erwerb der Reichsschatzanweisungen erleichtert wird. Eine f e ft e Wäh- rungs» und Preispolitik garantiert schließlich für den Schutz der Ersparnisse. So hat das Reich nach seinen Kräften alles für den Sparer getan. Er wird, wie schon bei früheren Zeichnungen, auf die ihm gewährte Forderung durch sein Vertrauen antworten.
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In München findet vom 21. bis 22. Mai der 29. DeutscheMietertag statt. Am 7. März 1935 erkannte die nationalsozialistische Regierung durch Reichsgesetz eine Vertretung der deutschen Mieterschaft an, und zwar als alleinige Vertretung der gesamten deutschen Mieterschaft den „Bund deutscher Mietervereine e. D." mit dem Sitz in Dresden. Damit hat eine neue Epoche in dem Verhältnis zwischen Haus besitz und Mieterschaft in Deutschland begonnen. Das bis dahin bestehende Verhältnis war nicht verschont geblieben von dem Niedergang der Zeiten sowohl in politischer als auch in wirtschaftlicher Hinsicht. Krieg und Inflation hatten den einst wohlgeordneten deutschen Hausbesitz ruiniert, große Teile waren für ein Butterbrot in Auslandsbesitz, vor allem aber in jüdische Hände geraten, — war es also zu verwundern, daß der Kommunismus gerade hier seine Chance erkannte und Hausbesitz und Mieterschaft gegeneinander hetzte? Was wäre geworden, wenn der deutsche Hausbesitz den Todesstoß bekommen hätte? Ein Blick nach Moskau belehrt uns darüber. Zwanzig Jahre Sowjetherrschaft und dann für die russische Bevölkerung pro Kopf weniger
werde in solchem Fall scharf geschossen; — das taten sie auch, das wußten wir.
Immerhin, solch eine Drohung kann man doch nicht ungestraft hingehen lassen! Ich schlug dem Bayern freundlich einen Vergleich vor: sie sollten mir fteiwillig als Konttibution zwei gute Pferde abgeben, deren wir zum Marsch über das vereiste Erzgebirge dringend bedurften — dann seien die übrigen „tabu". — Der Hauptmann lehnte hohn- lachend ab und befahl feinem Adjutanten verschärfte Wachmaßnahmen. — Ich grinste, die Dame des Hauses lächelte arglos, und unter luftigem Lachen trennten wir uns am Abend. Aber inzwischen hatte ich Gelegenheit genommen, noch einige kurze Worte mit meinem Wachtmeister zu wechseln, und ich wußte, daß ich mich auf den verlassen konnte.
Um 7 Uhr in der Frühe sollten wir zum Weitermarsch aufbrechen. Aus der stockdunklen Dorfstraße wurde die Batterie angespannt. Die Leiber der Pferde dampften in der beißenden Kälte, während die Fahrer letzte Hand an das Geschirrzeug legten. Da bewegte sich eine Gruppe Männer mit Laternen unsere Kolonnen entlang und beleuchtete prüfend jedes Gespann, jedes Reitpferd —: Der Herr Hauptmann persönlich, mit ihm fein Futtermeister und Zwei, drei Pferdefachverständige feines Bataillons. Ich wechselte einen Blick mit meinem Wachtmeister, den der eisern aushielt, dann fragte ich den Bayern freundlich, ob ich abmarschieren dürfe? Der machte mißtrauisch noch eine Bemerkung: diesmal seien wir an die falschen gekommen, aber dann klopfte er mir die Schulter — dem „Bundesbruder aus der Nachbarrepublik" — wie er zu sagen liebte. Als wir in die Nacht hinausfuhren, leuchteten die prüfenden Laternen noch einmal unsere Pferde ab. Am Dorfausgang stand eine ganze Gruppe Bayern mit Gewehren.
Eine Stunde nach dem Abmarsch kamen mir im ersten Dämmerlicht durch ein Gehölz. Dort trabten aus einer Schneise drei meiner Unteroffiziere mit acht Pferden und meldeten sich grinsend zur Stelle. Die Wackeren hatten die Zeit benutzt, in der Futter- meister und Pferdepfleger unseren Abmarsch überwachten, die Ställe der Infanterie ebenfalls zu „revidieren". Ich musterte erfreut den willkommenen Zuwachs, nur a ch t fand ich ein bißchen viel — mein Wachtmeister fand das nicht. — Ganz besonders stach mir ein famoser, schlanker Fuchs- wallach in die Augen, dann ein prächtiger gedrungener Grauschimmel galizianischer Rasse und zwei gute schwere Zugpferde, die vorsorglich mit iprem vollen Geschirr „zugelaufen waren". Im Handumdrehen waren die Pferde verteilt und be
ritten oder vorgespannt, und ich aß mit Genuß das Butterbrot, das man mir als Wegzehrung freundlich eingepackt hatte.
Gegen neun Uhr klangen hinter mir rasche Hufschläge, und im nächsten Augenblick parierte neben mir ein Infanterie-Sergeant seinen dampfenden Gaul — der Futtermeister der Bayern! — Hochrot vor Entrüstung meldete er ziemlich ruppig, er habe acht gestohlene Pferde in meiner Batterie festgestellt und habe Befehl von seinem Kommandeur, die Feldgendarmerie zu alarmieren usw. — Darüber konnte ich wieder nur mitleidig lächeln, denn ich kannte meinen Wachtmeister. Ich sprach dem Manne gut zu, aber er blieb gereizt. Jedoch plötzlich standen an der Straße zwei Feldgendarmen und forderten mich auf, die Batterie halten zu lassen. Sie zeigten die telegraphische Anzeige des Bataillons vor und machten sich unter Führung des grinsenden Bayern daran, die gestohlenen Gäule herauszuholen. — Aber, o Wunder! sie fanden keine!
Der Bayer tobte, er habe sie doch eben noch eingespannt gesehen, seine Stabspackwagenpferde, vor diesem Wagen da, und den Schimmel des Stabsarztes und den Fuchswallach des Hauptmanns! Ich fragte freundlich: „Wo sind Sie? Sie wissen selbst, daß wir keinen Augenblick gehalten haben!" Meine Leute blickten treuherzig, als wüßten sie von nichts. Die Gendarmen ritten mit Entschuldigungen davon, sie stammten anscheinend nicht von der Arttllerie, sonst hätten sie gewußt, daß man auf den oft verlustreichen Märschen eines Bewegungskrieges virtuos gelernt hatte, gefallene ober verwundete Pferde aus dem Gespann zu holen, ohne daß in der Marschbewegung eine merkbaxe Stockung eintrat. Die „herausgezogenen" Gäule trabten längst auf Schleichwegen uns munter voraus. — Ja, mein Wachtmeister!
Der Bayer kam fast heulend zu mir, er dürfe nicht ohne die Gäule heimkommen. Dann erzählte er mir, den Fuchs habe der Hauptmann drei Jahre lang im Felde geritten, wollte ihn jetzt vom Staat kaufen — und der Stabsarzt feinen Schimmel auch, für seine Landpraxis... —
Das war ja nun etwas anderes! Das rührte natürlich ein Reiterherz. Ich sandte den spurlos verschwundenen Gäulen heimlich einen Reiter nach und sagte dem Bayern trocfen, im guten ließe sich so manches erreichen. Das mit den Gendarmen habe er dumm gemacht, aber er könne ja noch ein Stück mit uns reiten.
Und nach einer Stunde geschah das zweite Wunder an diesem Tage: Wir passierten wieder einen riesigen, hochstämmigen Wald, und in diesem Wald an einen Baum an der Straße angebunden
standen einsam zwei Pferde: ein Fuchswallach und ein Grauschimmel! — Der Bayer stürzte sich voll Freude auf die Wiedergefundenen; seine Frage nach den übrigen sechs Gäulen wurde diskret überhört, und es wurde ihm der Rat gegeben, so rasch wie möglich mit seinen Tieren zu verduften.
Das war eben der feine Unterschied, den der Soldat machte! Die anderen Pferde wären ja doch nur an die Bauern verkauft worden ober an die Pferdehändler. Die brauchten wir besser für unseren Gebirgsmarsch! Aber ihre. Kriegskameraden mußten die beiden doch wiederbekommen; der Hauptmann seinen Fuchs und der gute Doktor seinen dicken Schimmel! — Und wir schickten den Herren eine freundliche Postkarte mit einem Gruß „von den Bundesbrüdern aus der Nachbarrepublik"!
Aber erst, als wir die bayrische Grenze passiert hatten!
Eine fränkische Madonna in Amerika.
Eine wichtige Neuerwerbung hat das Germania Museum in Cambridge, USA., mit einer Holzskulp- tur der Madonna, einer fränkischen Arbeit aus dem frühen 15. Jahrhundert, gemacht. Die Madonna, die in der bei F. Bruckmann in München erscheinenden Monatsschrift „Pantheon" abgebildet ist, ist 61 Zentimeter hoch. Sie ist auf einer Bank sitzend dargestellt; das Jesukind, das nach den Spuren am Holz auf dem rechten Knie gesessen haben muß, ist nicht mehr erhalten. Die Hande sind ergänzt; die rechte hat wahrscheinlich das Jesuskind gestützt, während die linke einen hellen Gegenstand hielt, der die Aufmerksamkeit erregen sollte. Die Farbe des Gesichts ist die ursprüngliche und in gutem Zustand, während das Haar und der Ueberrourf neu bemalt sind und das Gold des Mantels erneuert ist. Das Gesicht mit hoher breiter Stirn und mandelförmigen Augen hat einen träumerischen, verhaltenen Ausdruck. Stilistische Vergleiche führen dazu, das Werk der fränkischen Skulptur zuzuweisen; das Datum ist um etwa 1420 anzusetzen.
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Dem Studiendirektor Dr. Walter Eberhardt in Dresden ist unter Ernennung zum ordentlichen Profesior der Lehrstuhl für Klassische Philo- logie an der Universität Münster übertragen worden.
Dem Professor Dr. Friedrich P l a 11 n e r an der Universität Innsbruck wurde unter Ernennung zum Ordinarius der Lehrstuhl für Physiologie an der Universität Königsberg übertragen.


