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187. Jahrgang
5reitag,21.Mai 1957
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Die Krönungsflottenschau in Gpiihead.
Eindrucksvoller Aufmarsch der britischen Seemacht. — Sechzehn Ilottenmächte zn Gast.
Die Paradeausstellung.
Tausende von Schaulustigen belagern die Piers.
Portsmouth, 20. Mai. (DNB.) Obwohl die Flottenschau erst in den Nachmittagsstunden beginnt, ist das gesamte Hafengebiet vom Parade-Pier bis hinüber zu den Forts Monckton und Gilkicker, aber auch die Ufer des Stokes-Bay meilenlang von Schaulustigen belagert. Nur von den Docks des Kriegshafens hat eine strenge Absperrung die Besucher ferngehalten. Viele von ihnen benutzten den Vormittag, um dem prächtigen Flaggschiff des Admirals Nelson, dem Dreimaster „Victory" einen Besuch abzustatten und in Andacht an der Stelle zu verweilen, wo der Begründer der englischen Seeherrschaft am 21. Oktober 1805 von einer Musketenkugel zu Boden gestreckt wurde. Ehrfürchtig stehen sie entblößten Hauptes unter Deck an dem Platze, wo Nelson den letzten Atemzug tat und ein meisterhaftes Bild in schwerem Goldrahmen die Todesstunde des großen Admirals festgehalten hat.
Alle Schiffe auf der Reede von Spithead haben über die Toppen geflaggt, alle haben auch die befohlene Paradeaufstellung eingenommen, und selbst vom Lande aus sind die Linien, die fast die ganze Meeresstraße ausfüllen, deutlich zu erkennen. Es ist ein beträchtlicher Teil der englischen S e e st r e i t k r ä f t e , der sich zu der friedlichen Schau vereinigt hat. 9 Schlachtschiffe, 2 Schlachtkreuzer, 15 Kreuzer, 5 Flugzeugmutterschiffe, 56 Flottillenführerboote und Zerstörer, 22 U-Boote und endlich Hilfsschiffe, Vermessungsschiffe, Fischerboote, Begleitschiffe, Tankschiffe und Schulschiffe oer englischen Marine sind hier vor Anker gegangen; hinzu kommen zwei Zerstörer der kanadischen Marine, ein Kreuzer Neuseelands und eine Schaluppe der indischen Marine. Hinter ihnen liegen 16 Kriegsschiffe der ausländischen Seemächte und hinter diesen wieder die Schiffe der Handelsmarine, die Fischereifahrzeuge, die Jachten, die Werft- und Küstenboote.
Empfang anVord derKönigsjachi
Die Absperrung am Pier, wo die königliche Jacht „Victoria" und Albert" liegt, ist besonders stark. Das stolze Schiff, das 1899 vom Stapel lief, hat alle bisher in Spithead durchgeführten Flottenparaden mitgemacht Der schöne Dreimaster tritt bei der dritten Krönungsflottenschau zugleich auch seine letzte Fahrt an. Er wird abgewrackt und durch ein modernes Schiff ersetzt. Die Jacht, in ihrer äußeren Form von vollendeter Schönheit, hat sich infolge statischer Fehlberechnungen als wenig seetüchtig erwiesen. Kurz nach zehn Uhr laufen Barkassen mit den Admiralsstandern an Deck nach Portsmouth ein, um in der Nähe der königlichen Jacht anzulegen. Die Admiralität, die Oberbefehlshaber der Heimat- und Mittelmeerflotte, die Kommandanten der von den Dominien entsandten Kriegsschiffe und der ausländischen Kriegsschiffe werden von Georg VI. an Bord der Königsjacht empfangen. Bei dieser Gelegenheit überreichte er ihnen die Krönungsmedallle.
Kurz nach 13 Uhr setzte ein lebhaftes Signalisieren auf allen Schiffen ein. Dem für die Flottenschau verantwortlichen Navigationsoffizier der Heimatflotte wird die Bereitschaft der Flotten- parade gemeldet. Die Erwartung der Massen ist auf das Höchste gestiegen, der Andrang zu den Begleitdampfern hat geradezu beängstigende Formen angenommen, aber mit ruhiger Disziplin warten dic Besucher des großen Schauspiels darauf an Bord zu kommen
Endlich, kurz nach 15 Uhr. ist es so weit: Geleitet von dem Schiff „Patricia", der ältesten englischen Gesellschaft zur Förderung der See- fchiffahrt des zu Beginn des 17 Jahrhunderts gegründeten „Trinity - Hauses", legt die königliche Jacht ab und nähert sich, eskortiert von der Admiralitätsjacht „Enchantreß", den Linien der gewaltigen Flottenschau. In diesem Augenblick geht auf dem Flottenflaggschiff der heimatflotte „N e l s o n" ein Signal hoch, und fast ‘in derselben Sekunde brüllen die Salutbatterien aller Kriegsschiffe ihren ehernen Gruß, den Königssalut von 21 Schuß. Tosender Jubel begleitet die königliche Jacht, auf deren Kommandobrücke der König in Admiralsuniform mit den Oberbefehlshabern, dem Ersten Lord der Admiralität, der Königin und Mitgliedern der königlichen Familie steht.
Die Parade beginnt
Der königlichen Jacht folgen die Jacht der Admiralität die Begleitschiffe mit den Gästen des kgl. Hofes, der Regierung, der Admiralität, des Oberbefehlshabers des Flottenstützpunktes Portsmouth, des Admiralitätsstabes. Die Vertreter der ausländischen Staatsoberhäupter bei den Krönunqsfeierlichkeiten nehmen auf der „Strath- more" an der Vorbeifahrt teil, unter ihnen auch der Vertreter des Führers und Reichskanzlers, Reichs- kriegsminister Generalfeldmarschall von Blomberg, mit der deutschen Abordnung. Nicht weniger als 14 Begleitschiffe folgen der „VictoNa und Al-
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Blick von einem Vergnügungsdampser auf einen Teil der Schiffe. Im Vordergrund das britische Panzerschiff „R a m i l l i e s. — (Scherl-Bilderdienst-M.)
bert", die langsam an der Spitze der vier ersten Linien entlangfährt und dann zwischen die vierte und fünfte Reihe einbiegt.
Erstes Schiff der vierten Linie ist das Flaggschiff „London" des Kommandeurs des Ersten Kreuzergeschwaders der Mittelmeerflotte, während das erste Schiff der fünften Linie, das Flaggschiff des Oberbefehlshabers der Mittelmeerflotte Schlachtschiff „Queen Elizabeth" ist. In dem Augenblick, als der Bug der Königsjacht auf gleicher Höhe mit dem Bug dieser Schiffe ist, präsentieren die Ehrenwachen und intonieren die Musikkapellen d i e Königshymne. Es folgen von den großen Schiffen auf der Backbordseite das Flaggschiff des Ersten Schlachtgeschwaders der Mittelmeerflotte
Barham, das Schlachtschiff „R e v e n g e" und das jetzt als Schulschiff verwandte ehemalige Flaggschiff des Admirals Jellicoe, „I r o n D u k e", dem sich dann das größte Kriegsschiff der Welt, der 42 000 Tonner „H o o d", die „Repuls e", ein Schlachtkreuzer von 32 000 Tonnen und als erstes Flugzeugmutterschiff die „G l o r i o u s" mit 22 5uO Tonnen anschließen. Auf der Steuerbordfeite sind es die Kreuzer „Shropshire", „Devonshire", „Leander", „Frobisher" usw. in alphabetischer Reihenfolge. Die großen Zerstörer und die Flottillenführerboote schließen sich in endloser Reihe an. Die Königsjacht hat die Hälfte der ersten Linie passiert als erst das letzte der Begleitschiffe in die Linien einfährt.
DerKönigbegrüßidieausiändischenKriegsschlffe.
Dann schwenkt die „Victoria and Albert" zwischen die sechste und siebente Reihe, diesmal von Westen nach Osten, ein. Sie hat jetzt auf der Backbordseite die letzten der 56 großen Zerstörer, während auf der Steuerbordseite d i e Kriegsschiffe der ausländischen Seemächte vor Anker liegen. Das erste Schiff ist nun das estländische U-Boot „Kalev", ein bei Armstrong 8- Vickers gebautes ganz modernes Fahrzeug oon 600 Tonnen mit vier Torpedorohren. Ihm folgen der polnische Zerstörer „B u r z a" und der schnelle türkische Zerstörer „Kocatepe", der rumänische Zerstörer „Regina Maria", die vortugiesische Schaluppe „B a r t h o l o m e o D i a z , das finnische Küstenwachtschiff „V ä i n ä m ö i n e n" und das dänische Schiff „Niels Juel". Das schwedische Küsten- wachtschiff „Drottning Viktoria" und der japanische 10000-Tonnen-Kreuzer „Ashigara" schließen sich an. Holland hat den schnellen Heinen Kreuzer „I a o a", Griechenland sein größtes Kriegsschiff, den Kreuzer „G e o r g i o s A v e r o f f" entsandt.
Aus dem deutschen Panzerschiff „Admiral Graf Spee" sind die Offiziere in Galauniform, die Mannschaften in Blau angelrelen. Auf dem Achterschiff präsentiert die Ehrenwache, während die Kapelle zunächst den Präfentiermarsch, dann die Lieder der deutschen Nation und anschließend die englische Hymne spielt. Mustergültig ausgerichtet steht die gesamte Besatzung an der Reeling, die Offiziere bei ihren Divisionen, die nichteingeteilten Offiziere in einer gemeinsamen Gruppe.
Den Schluß der ausländischen Schiffe Hilden das argentinische Schlachtschiff „Moreno", das flrö^e aller ausländischen Kriegsschiffe, das französische Schlachtschiff „Dunkerque" und das amerika- Nische Schlachtschiss „NewY ° r f". Volle anderthalb Stunden hat die Vorbeifahrt an den größten und schönsten Kriegsschiffen der Welt gedauert. Wahrend die kgl Jacht'an der Spitze der fünften Linie vor der „Queen Elizabeth" ankert, brausen Marineflug z e u g e zu Staffeln geordnet über die Linien der stolzen Armada. Dann kündet em Kanonenschuß das Ende des prächtigen maritimen Schauspiels an, und wenig später wird die Absperrung aufgelockert, die Begleitdampfer können die Linien entlang fahren Kurz vor 22 Uhr kündete ein Kanonenschuß den festlichen Ausgang des großen Tages an. In dem Abenddunkel waren nur die Umrisse der nächstliegenden Schiffe als schwache Schatten erkennbar; nun erschien mit einem Schlage, wie von Geisterhand hervorgerufen, die stattliche Armada in ihren durch Lichterreihen markierten Umrissen. Zu gleicher Zeit schossen die Lichtergarben der riesigen Scheinwerfer empor. Von den britischen Schiffen zischten viel
farbige Raketen auf, es war ein fast unwirkliches Bild, an dem sich die Massen nicht satt sehen konnten. Zur gleichen Zeit strahlte auch Portsmouth im Flutlicht, und so chatten die Glücklichen, die einen Dampferplatz erwischen konnten, den doppelten Genuß. Mit dem ersten Glockenschlag der Mitternachtsstunde aber verschwand der romantische Zauber, die Reede lag wieder in tiefem Dunkel. Die Flottenschau und damit der zweite Höhepunkt der englischen Krönungsfeier hatte ihr *Ende gefunden.
Während seines Aufenthaltes in Portsmouth stattete König Georg zusammen mit der Köni - g i n und der Prinzessin Elisabeth ganz überraschend dem alten Flaggschiff Nelsons, der „Victory" einen Besuch ab. Die königliche Familie besichtigte das ganze Schiff, wobei der kleinen Prinzessin die Stelle gezeigt wurde, an der Nelson gefallen ist.
Die politische Seite der Fiottenschau.
Ehemalige Feinde Seite an Seite.
London, 21. Mai. (DNB. Funkspruch.) In einem Rückblick auf die Flottenparade schreibt „Daily Telegraph" u. a., die Parade sei nicht nur eine Kundgebung der gegenwärtigen Macht Englands gewesen, die Sicherheit des britischen Staatenverbandes und den Weltfrieden aufrechtzuerhalten, sondern habe auch zum Ausdruck gebracht, daß England seine Flotte derart verstärken werde, daß es fürjedeDrohung in Zukunft bereit sein werde. Die englische Seemacht werde zwar niemals als ein Angriffswerkzeug benutzt werden, denn England begehre nichts, und es gebe auch kein Unrecht, das es zu rächen wünsche, aber England wolle keine Schwä- chuna der Reichseinheit und keine Verletzung feiner überseeischen Besitzungen und Dominien dulden.
Das Blatt spricht dann den Dank für die Höflichkeit und Freundschaft aus, die durch die Teilnahme ausländischer Kriegsschiffe an der Flottenparade zum Ausdruck gekommen sei. Dieser Geste sei vielleicht tiefere Bedeutung beizumessen. Wenig entfernt oon dem amerikanischen Schlachtschiff „N e u y o r k", das im Weltkriege der englischen Hochseeflotte zugeteilt gewesen sei, und dem neuen französischen Schlachtkreuzer „D u n k e r- q u e" habe das kleine, aber mächtige Panzerschiff „Admiral Gras Spee" vor Anker gelegen. Der Name dieses außerordentlich tapferen und heldenmütigen Seemannes fei in England stets in hohen Ehren gehalten worden, seit er seine Schlacht gegen die Engländer in Coronel gewonnen habe und bei den Falkland-Jnseln kämpfend untergegangen sei. Somit seien ehemalige Verbündete und ehemalige Feinde in Spithead vereinigt gewesen.
Wie sieht es in der Wirtschaft aus.
Sowohl der Halbjahresbericht des Instituts für Konjunkturforschung über die deutsche Wirtschaftslage im Frühjahr 1 9 3 7 wie der Außenhandelsbericht über das erste Vierteljahr 1937 zeigen, daß die deutsche Wirtschaft nach wie vor i m Zeichen des Aufstiegs steht. Der winterliche Rückgang ist in diesem Jahr sehr schnell überwunden worden und es scheint, daß der Höchststand, der in Erzeugung und Beschäftigung im vergangenen Herbst erreicht worden ist, schon bald überschritten sein wird. Ende März betrug die Zahl der b e - schäftigten Arbeiter und Ange st eilten, wie das Konjunkturinstitut feststellt, bereits wieder 17V- Millionen, d. h. 900 000 mehr als zu Beginn dieses Jahres und eine Million mehr als im März 1936. Bei nur annähernd normalem Saisonoerlauf wird die Beschäftigung 1937 höher fein als jemals. Freilich dürfte sich auch der Facharbeitermangel, der schon im Vorjahr allgemein zu beobachten war, noch fühlbarer machen. Dem hohen Beschäftigungsgrad entspricht im allgemeinen der Stand der G ü t e r e r 3 e u g u n g. Sie ist index- mäßig (1928 = 100) von 107 im Januar auf rund 114 im März gestiegen. Im Monatsdurchschnitt werden heute bei uns Jndustriewaren im Wert« von rund sechs Milliarden hergestellt, gegenüber 2,9 Milliarden im Monatsdurchschnitt 1932. Vielfach ist die Leistungsfähigkeit der Erzeugungsanlagen bereits voll ausgenutzt. Bei den Pröduktions- güterinbuftrien ist fast durchweg der Punkt erreicht, von dem ab die Betriebe eine Erweiterung ihrer Anlagen erwägen, um der gesteigerten Nachfrage nachkommen zu können. Erfreulicherweise ist es gelungen, durch die Preispolitik des Reiches, namentlich durch die Pxeisstopverordnung die von den ausländischen Märkten hereindringenden Tendenzen des Preisauftriebs zu mildern und teilweise völlig zu verhindern. Seit Oktober vorigen Jahres ist der deutsche Großhandelsindex um 1,3 gestiegen.
Was die Entwicklung in den einzelnen Industriezweigen anlangt, so hat die Erzeugung von Investitionsgütern den Durchschnitt der Jahre 1927 bis 1929 bereits überschritten. In stärkerem Maße ist in den letzten Monaten auch die Verbrauchsgüter - Industrie vom Aufschwung erfaßt worden Die Steigerung der Einkommen dürfte die Hauptursache für diese dauerhafte Belebung des Verbrauchs bilden. Die Umsätze des Einzelhandels, die schon oon 1935 auf 36 um 10 bis 11 v. H. zugenommen hatten, haben sich während der letzten Monate etwa im bisherigen Tempo weiter erhöht. Die Kreditmärkte stehen im Zeichen großer Geldflüssigkeit. Auf dem Gebiet der öffentlichen Finanzen hat sich das Ansteigen des Steueraufkommens auch im Rechnungsjahr 36'37 kräftig fortgesetzt. Mit dem Fortgang des weltwirtschaftlichen Aufschwungs hat sich auch der deutsche Außenhandel, namentlich die deutsche Ausfuhr, weiter erhöht. 1936 war sie wertmäßig um 12 v. H. gegenüber 1935 gestiegen. Im ersten Vierteljahr 1937 lag sie um 13 v. H. der Vorjahrszeit. Ganz allmählich setzt sich neben der Steigerung des Mengenumsatzes auch eine leichte Besserung der Erlöse durch. Die Aufgliederung des deutschen Außenhandels im ersten Vierteljahr nach Ländern und Erdteilen läßt erkennen, daß die Umsatzzunahme im wesentlichen auf das Konto des deutschen Warenaustausches mit dem europäischen Südosten und mit Süd- und Mittelamerika geht. Auch der Handel mit Asien und Afrika hat neuerdings eine leichte Zunahme erfahren. Diese Veränderungen liegen in der Linie der seit 1934 nach Einführung des neuen Plans zu beobachtenden Entwicklung.
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Als nach der Machtübernahme die großen Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen einsetzten, war dis Frage noch nicht gelöst, wie dieses ungeheure Aufbauprogramm finanziert werden sollte. Trotzdem war das Vorhaben kein Experiment, weil man dem Kapitalismus den Rücken kehrte. Das Steueraufkommen war in den letzten Krisenjahren immer geringer geworden und reichte kaum zur Bestreitung der dringlichsten Ausgaben. Landwirtschaft und Industrie hatten in ihrer Gesamtheit statt Gewinne nur Verluste aufzuweisen und zehrten von ihrer Substanz. Die 'Volksgenossen, soweit sie überhaupt noch dazu in der Lage waren, zeigten infolge der politischen und wirtschaftlichen Zerrüttung wenig Neigung, zu sparen. Die Regierung hatte also nichts, worauf sie zur Finanzierung ihrer Aufträge zurückgreifen konnte. So blieb ihr nichts anderes übrig, als zunächst ihren eigenen Kredit einzusetzen und vorläufig durch Arbeitsbeschaffungswechsel zu zahlen. Sie war sich darüber im klaren, daß dieser Weg nicht beliebig fortgesetzt werden konnte und hat von vornherein betont, daß diese kurzfristige Verschuldung schrittweise, soweit das Steueraufkommen es gestattet, getilgt oder durch Ausgabe von Anleihen in eine langfriftige Form umgewandelt werden soll.
Die Erwartung, daß Arbeit Kapital schafft, ist von Jahr zu Jahr neu bestätigt worden. Das Steueraufkommen ist seit dem Krisensteuerjahr 1932/33 von 6647 Millionen Mark auf 11 473 Millionen Mark im Steuerjahr 1936/37 gestiegen. Das bedeutet, daß von Jahr zu Jahr der Staat einen steigenden Anteil seiner Aufträge direkt durch die eingegangenen Steuermittel zahlen kann. Was darüber hinaus an Arbeitsbeschaffungswechseln umläuft, wird in die langfristige Form über» geführt. Je mehr durch Steuern getilgt wird und je mehr Mittel durch die Ausgabe von Reichsschatzanweisungen dem Staat zufließen, desto stärker kann er seine kurzfristige Wechselschuld vermindern. Die Kapitalbildung bei den Unternehmungen und dic Spartätigkeit der arbeitenden Volksgenossen ist seit 1933 in einem solchen Umfange gestiegen, daß seit dem Frühjahr 1935 bereits über 5 Mil-


